Graveltour #6 – 90 km-Ausflug zur Insel Poel

Unsere zweite Urlaubsradtour sollte zunächst von Kühlungsborn nach Wismar und zurück gehen. Nach dem Wälzen des Kartenmaterials wurde allerdings klar, dass wir dann mit weit über 90 km rechnen müssten. Da wurde mir doch etwas mulmig bei der Sache, da meine längste Strecke bei 55 km lag. Unbeaufsichtigt die Räder länger (auch abgeschlossen) stehen zu lassen um eine größere Pause in einem Café zu machen war keine Option und draußen sitzen bei 7°C sowieso nicht. Daher schlug ich alternativ eine Tour zur etwas näher gelegenen Insel Poel vor. Über den Daumen gingen wir von etwas 80 km aus. Wir packten reichlich trinken, einige Brote, Riegel und Kartenmaterial ein (zum Glück!) und machten uns gegen 9 Uhr auf den Weg.


Windmühle Stove von 1889

Durch den Stadtwald ging es nach Kühlungsborn-West und über Radwege vorbei am Riedensee. Auf dem Hinweg wählten wir Wege eher im Landesinneren um Kilometer zu sparen. Jedoch hatte das zur Folge, dass wir einige Hügel zu bewältigen hatten und uns einmal bei Blengow verfahren haben. Das wäre auf dem offiziellen Ostseeküstenradweg sicherlich nicht passiert. Um auf der sicheren Seite zu sein wechselten wir daher ab dort auf den Fernradweg. Vorbei ging es am Salzhaff, mit der Insel Wustrow im Hintergrund.

Wustrow ist eine Halbinsel hinter dem Ort Rerik und wurde 1933 zur Kasernenanlage. Bis 1993 blieb die Insel militärisch genutzt. Zwischen 1945 und 1993 war die Kaserne Standort der Sowjetischen Truppen. Wegen Munitionsrückständen ist die Insel bis heute gesperrt. Was für den Menschen vielleicht bedauerlich ist, kommt der Natur zugute.
Das Naturschutzgebiet „Wustrow“ besteht aus dem westlichen Teil der Halbinsel und ist mit den angrenzenden Wasserflächen 1940 ha groß. Inklusive dem anschließenden Salzhaff beherbergt das EU-Vogelschutzgebiet „Küstenlandschaft Wismar-Bucht“ viele halophile (salzliebende) Pflanzen und bis zu 90 Brutvogelarten.

Salzhaff mit der Insel Wustrow im Hintergrund

Über Boiensdorf und Blowatz fahren wir über vorbildlich ausgeschilderte Radwege nach Groß-Strömkendorf. Leider erobert die Natur auch die Radwege zurück. An einigen Stellen drücken unzählige Wurzeln den Asphalt hoch und sorgen für unangenehme schmerzhafte Buckel, die, wenn man sie unterschätzt ganz schön an den Armen reißen. So ganz ohne Federung schmerzen mir davon noch Tage später die Ellbogen.

In Groß-Strömkendorf führt ein Damm auf die Insel. Da der Himmel grau und der Wind eiskalt ist, beschränken wir uns auf die nötigsten Bilder. Ursprünglich war geplant, die Insel einmal zu umrunden, beim Blick auf die Uhr stelle ich aber fest, dass wir bereits bei über 45 km sind. Daher kürzen wir ab und fahren lediglich bis zum Kirchdorf.

Hier finden sich Überreste einer großen Festung aus dem 17. Jahrhundert. Zu ihr gehörte ein Schloss sowie eine Dorfkirche mit Außenanlage. Im dreißigjährigen Krieg wurde die Anlage stark beschädigt und verfiel zum großen Teil. Die Gebäude wurden im 19. Jahrhundert und 1934 durch Grabungen belegt. Es sind einige Erdwälle und Gräben erhalten. Der 47 m hohe Kirchturm stellte über Jahrhunderte hinweg eine Landmarke für die in die Wismarer Bucht einfahrenden Schiffe dar. Im Dorfmuseum ist die Anlage als Miniatur nachgebaut.

Dorfkirche

Nach einer kleinen Ess- und Fotopause machten wir uns auch schon wieder auf den Rückweg. Auf selbigen blieben wir ausschließlich auf dem Ostseeküstenradweg. Nach etwa 65 km verließen mich die Kräfte. Tatsächlich war ich ja bisher keine so lange Strecke – und erst recht nicht ohne größere Pause – gefahren, sodass ich ganz schön mit meiner Erschöpfung zu kämpfen hatte.

Dolmen – Großsteingrab aus der Jungsteinzeit

Leider ließ auch meine Laune zu wünschen übrig, da ich Kai zuliebe sehr gerne einen 100er gefahren wäre. Dafür ist es für mich aber definitiv zu früh. Mit brennenden Oberschenkeln, totaler körperlicher Erschöpfung und ein paar Frusttränen krochen wir in einem ganz fürchterlichen Rentnertempo zurück nach Kühlungsborn, wo es zur Belohnung ein Stück Kuchen gab.

Endlich zurück in Kühlungsborn

Hier zeigten unsere Uhren 88 km an. Jetzt mussten wir bis zu Hause natürlich die 90 noch voll machen, was ich auch irgendwie geschafft habe.

Mit dieser Tour ist mir mal wieder gezeigt worden, dass ich immer noch viel zu ehrgeizig bin. Ich muss viel entspannter werden und lernen mich nicht immer mit denen vergleichen zu wollen, die schon jahrelang fahren. Rein rational weiß ich das ja auch, aber ich kann häufig nicht über meinen Schatten springen… Daher auch ein dickes Dankeschön an Kai, dass du mich, auch wenn ich völlig frustriert und am Ende bin, erträgst. Ich versuche also mich darüber zu freuen, dass ich 90 km erfolgreich gemeistert habe. Und den ersten Hunderter schaffe ich auch irgendwann. Es muss ja nicht gleich innerhalb der ersten 10 Touren sein.

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