Graveltour #7 – Vier Wochen und über 500 km im Sattel

Der erste Monat mit dem neuen Rad ist um. Dann ist es wohl Zeit, ein kleines Resümee zu ziehen. Über die ersten 500 km auf dem Drahtesel, das angeleitete Üben des Schlauchwechsels und die Jubiläums- bzw. Osterradtour zu viert.

Ich kann es kaum glauben, dass ich tatsächlich erst seit einem Monat Rad fahre. Bevor mein Rad überhaupt da war, sah ich der ganzen Sache ja recht kritisch entgegen, da mir das in-die-Pedale-Treten nie auch nur ansatzweise Spaß gemacht hatte. Rückblickend kann ich sagen, dass das sicherlich zumindest zum Teil an schlechtem Material gelegen hat. Seitdem ich mein Gravel habe, hat sich diese Meinung stark geändert, wenngleich ich nicht bei jeder Tour vor Freude und Spaß jubele, sondern oft genug noch ganz schön am Kämpfen bin.

In Woche eins bin ich bereits 96 km gefahren, in Woche zwei 130, in Woche drei 146 km und in Woche vier 180 km. Für einen Anfänger gar nicht mal so übel. Tatsächlich fahre ich auch überwiegend beschwerdefrei, was wohl mit der guten Einstellung des Rades, dem tollen Sattel von Ergon und der super bequemen Bip von Endura liegt. Ich selbst muss, vor allem auf langen Strecken noch weicher in den Ellbogen fahren. Dort hatte es nämlich nach meiner längsten Tour (Graveltour #6 – 90 km+) ganz schön geschmerzt, da ich ein paar Bodenwellen übersehen hatte.

Pannentraining

Für Notfälle hatte mir mein Freund schon vor längerem einen Ersatzschlauch mitgebracht, den ich auch brav immer mitgenommen habe. Häufig sind wir ja zu zweit unterwegs, aber oft genug auch nicht, weshalb es wohl ratsam ist, sich damit zu beschäftigen, wie so ein Schlauch überhaupt gewechselt wird. Kais Rad sollte auf die Sommerreifen, daher war die Situation günstig, mir das Ganze mal zeigen zu lassen. Der Ausbau des Vorderrads war problemlos, auch das Abnehmen des Mantels und des Schlauchs. Allerdings gibt es so viele Dinge zu beachten, das es mit einem Mal üben wohl nicht getan ist… Der Zusammenbau war soweit auch in Ordnung, aber den Mantel das letzte Stückchen in die Felge zu bekommen, wollte mir einfach nicht gelingen. Das hat uns beide echt Nerven gekostet, da ich total ungeduldig und jähzornig bin, wenn mir etwas nicht sofort gelingt. Da kann die Diva schon mal etwas anstrengend werden. Kai hat dann irgendwann übernommen und ich habe das Rad eingebaut. Bis auf die Frickelei mit dem Mantel eigentlich kein Hexenwerk.

Anders sah es beim Hinterrad aus. Dieses ganze Schaltungs- und Kettengerümpel ist ja sowieso noch ein Buch mit sieben Siegeln für mich – wie soll ich da ein Rad wieder unfallfrei reinbauen?? Ok, zuerst in den höchsten Gang geschaltet, Rad ausgebaut, Luft raus, Mantel lösen, Schlauch raus, Mantel raus. Neuen Mantel einfädeln, Schlauch rein und wieder dieses Geduldsspiel.

Irgendwann habe ich Kai gebeten, solange rein zu gehen, bis ich fertig bin und tatsächlich – nach einer gefühlten Ewigkeit – hatte ich den dusseligen Mantel endlich komplett in die Felge gedrückt, ohne dass er sich am anderen Ende genauso schnell wieder löste… Jippieh… Kai durfte also wieder kommen und es ging an den Einbau. Erst schaute ich zu und es sah ganz logisch aus. Dort nach hinten ziehen, die Kette aufs Ritzel legen, wieder loslassen, gar kein Problem! Dann sollte ich. Und schon das erste Problem: wie muss ich jetzt Fahrrad und Rad halten? Und dann ließ mich die völlig andere Perspektive auch verzweifeln. Zuschaut hatte ich von der Seite und von hinten sah das alle ganz anders aus. Ich kam mir vor, wie jemand mit zwei linken Händen. Ich hatte ja immer gehofft, in solchen Fällen nicht das typische Mädchen zu sein. Autoreifen wechseln kann ich ja auch. Hoffentlich bin ich bei meiner ersten Panne nicht auf mich allein gestellt. Und falls doch und ich gar nicht zurechtkomme, nutze ich meinen weiblichen Charme um einen Radfahrer anzuhalten, der mir helfen kann. Oder ich mache es gar wie andere Radlerinnen und lasse mich abholen ;).

Sommerliche Ostertour

Das Osterwetter dieses Jahr ist ja bombastisch und trotz Konzertpremiere am Ostersonntag bekamen wir noch ein Tour unter. Zum ersten Mal waren wir zu viert unterwegs. Mit dabei Kais Zwillingsbruder Sven und seiner Bekannten Alina.

Ich war vorher ganz schön nervös, mit drei erfahrenen Radlern unterwegs zu sein und hatte Sorge, tempo- und ausdauermäßig nicht mithalten zu können. Zuvor musste ich noch mein Rad von Herzberg nach Hattorf holen und hatte schon 9 km Vorsprung. Dann fuhren wir los und die drei schlugen ein knackiges Tempo an, merkten aber, dass sie mich damit etwas überforderten und drosselten es etwas, sodass das leichte Brennen in den Oberschenkeln schnell wieder verschwand. Über die Pöhlder Aue ging es über Scharzfeld und Barbis Richtung Bokelnhagen. Auf der Anhöhe steht, wie schon im Blog Graveltour #3 beschrieben, ein alter Grenzturm. Dort machten wir Pause und wurden plötzlich vom Besitzer angesprochen, ob wir uns den Turm nicht anschauen wollen. Aber sofort, aber gern! Eine tolle Gelegenheit.

Original ist innen nichts mehr, aber man findet eine Sammlung alter Uniformen, Schilder und anderer Relikte aus der Zeit. Total spannend. Jetzt wird der Turm wohl eher für kleine Feiern oder auch als besondere Übernachtungsmöglichkeit genutzt. Nach diesem kulturellen Schmankerl ging es weiter über Zwinge und Fuhrbach nach Duderstadt. Zwischenzeitlich mussten wir nochmal einen Nothalt machen. Damit aus meinem Hungerzweig kein Hungerast wird, musste ich fix einen Riegel vernichten. Auch Alina hatte wohl mit dem Anstieg etwas zu kämpfen und versicherte mir, dass auch ihr die kleine Pause ganz gut tue. Endlich in Duderstadt gönnten wir uns auf dem schönen Marktplatz mit dem bekannten Fachwerk-Rathaus ein fast noch schöneres Stück Kuchen. Trotzdem sollte erwähnt werden, dass es sich bei dem Rathaus um wohl eins der ältesten in Deutschland handelt. Der Bau begann bereits 1302 und es beherbergt unter anderem einen Weinkeller und eine Folterkeller.

Nach der Pause kehrten wir Duderstadt den Rücken und fuhren über Obernfeld und Gieboldehausen nach Wulften, wo wir Alina verabschiedeten. Anschließend ging es für uns drei weiter nach Hattorf. Dort schnappte ich mir den Autoschlüssel und es ging direkt weiter nach Herzberg. 77,92 km und ein Schnitt von 26,3 km/h war das Ergebnis dieser Runde, plus die 9 km der Radüberführung. Zugeben muss ich natürlich, dass ich viel Windschatten gefahren bin. Alleine hätte ich so ein Tempo nicht halten können. Immerhin hatte ich dieses Mal keinen allzu starken Kräfteeinbruch, sodass ich zwar total erschlagen zu Hause die Treppe hochstolperte, aber zufrieden mit meiner Leistung war.

Es war ja außerdem mein erstes Gruppen-Raderlebnis und ein toller Einstand. Mit den dreien zu fahren war sehr schön und die Herren der Schöpfung waren sehr aufmerksam. Danke, dass ihr mich mitgenommen habt!

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