Kurzer Lüneburg-Trip

Auf dem Heimweg von der Ostsee legten wir einen Zwischenstopp in Lüneburg ein. Für eine Nacht nahmen wir uns eine Ferienwohnung etwas außerhalb und erkundeten Lüneburg und dessen Umgebung. Das Wetter war wechselhaft und ich erkältungstechnisch noch etwas angeschlagen. Trotzdem wollten wir wenigstens ein wenig in die Innenstadt rollen und schauen, was uns dort erwartet. Natürlich hat man schon gewisse Vorurteile zu den meisten Städten und meines zu Lüneburg war, dass es dort schön sein müsse. Hohe Erwartungen also. Zum Glück wurden diese von der Stadt des Salzes nicht enttäuscht. Durch Parks und Wohngebiete fanden wir relativ schnell den Weg ins Zentrum und wurden von historischen Giebeln der Backsteingotik willkommen geheißen.

Heiligengeiststraße

Den Zweiten Weltkrieg hat die Innenstadt unbeschadet überlebt. Wir rollten ein wenig durch die Innenstadt und bewunderten die Häuser mit unterschiedlicher Anzahl an Staffeln, also Stufen am Dachfirst. Das Haus mit den meisten Staffeln (neun) ist die alte Raths-Apotheke.

Portal der Raths-Apotheke
Markt und St. Johannis
Der „Schütting“, jetzt Industrie- und Handelskammer, auch mit gestaffelt Dachfirst

Da wir bereits nach 13 Minuten in der Innenstadt angekommen waren, beschlossen wir, auch Lüneburgs Umgebung zu erkunden und wählten dafür zunächst den Ilmenau-Radweg.

Dieser führte ganz idyllisch am Radweg durch wechselnde Landschaften und neben urigen Hausbooten sahen wir ein Reh und diverse Grünkohlfelder. Willkommen in Norddeutschland!

Eigentlich wollten wir wenden, sahen aber dann ein Hinweisschild, dass auf das Schiffshebewerk Scharnebeck verwies. Das interessierte uns natürlich und so folgtem wir dem Hinweis. Angekommen standen wir vor der riesigen Anlage. Leider wird das Werk derzeit vergrößert, daher kann es nicht wirklich besichtigt werden. Auf eine Aussichtsplattform konnten wir trotzdem, von der man einen guten Eindruck von der Stufe bekommt, die der Elbe-Seitenkanal hier macht. Bis zu 38 m werden hier ausgeglichen. Zum Bauzeitpunkt 1974 war es das größte Schiffshebewerk der Welt.

Die Treppe wieder heruntergekrabbelt ging es weiter entlang des Elbe-Seitenkanals.

Mit knurrendem Magen und entsprechend etwas gesunkener Moral, bei fiesem Gegenwind und ohne Orientierung. Warum ohne Orientierung? Im Urlaub versuchen wir, ohne Internet zu überleben. In bekannten Gefilden funktioniert das ohne weiteres, vor allem wenn man Kartenmaterial dabei hat. In unbekannten Gegenden mussten wir eine Weile nach dem richtigen Weg suchen. Mit Hunger zerfällt das Nervenkostüm da recht schnell. Nach einer Irrfahrt durch ein Industriegebiet waren wir aber schließlich wieder auf einer Einfallstraße Richtung Innenstadt und machten einen Nothalt bei einem Supermarkt. Gestärkt ging es auf die letzten Kilometer bei leichtem Nieselregen.

Schließlich kamen wir wohlbehalten wieder in unserer Unterkunft an. Ohne Karte und Navi geht es auch, wenn man wenigstens einen groben Orientierungssinn und hin und wieder ein Hinweisschild hat. 🙂