Mein erster „echter“ Hunderter

Letztes Jahr durfte ich bei der Cycle Tour mitfahren. das waren meine ersten 100 km am Stück. Aber natürlich in der Gruppe. Das macht eine Menge aus, so dass ich das Ganze natürlich mit ganz viel Windschatten und Adrenalin gewuppt habe.

Seitdem dümpele ich wieder bei 50 – 80 km herum. Letztens sind Kai und sein Zwillingsbruder Sven eine längere Runde von etwa 120 km gefahren und ich war echt neidisch und auch ein bisschen angefixt. Also habe ich ihre Runde bei Komoot eingegeben und auf der Uhr gespeichert. 120 km waren für mich zu viel, weshalb ich mir auch mögliche Abkürzungen angeschaut hatte.

Gegen 10 Uhr nahm ich Platz im Sattel und rollte Richtung Osterode. Bei mir ist die Fitness der Oberschenkel immer Glückssache, aber es fühlte sich recht gut an. Also ging es direkt weiter nach Badenhausen. Dort entschied ich mich für eine Streckenabweichung. Während die Jungs bis kurz vor Seesen gefahren waren, kürzte ich über Willensen und Willershausen ab und nahm aber noch ein paar Höhenmeter mit. Weiter ging es über Echte nach Imbshausen.

Eine echte Diva

Imbshausen hatte ich bis dahin noch nie gehört. Es beherbergt aber ein Schloss aus dem 19. Jahrhundert, welches im Neugotischen Stil erbaut wurde. Es gehört dem Adelsgeschlecht von Strahlenheim und hat alles, was ein Schlösschen braucht. Einen Schlossgarten (13.000m³) und Wassergraben und zudem ist es eines der größten neugotischen Gebäude Niedersachsens. Da es im Privatbesitz ist, nur ein Foto aus der Ferne.

Schloss Imbshausen

Über die Deutsche Alleenstraße ging es weiter Richtung Northeim. Die Alleenstraße ist wunderschön, gerade jetzt im Frühling, aber so stark befahren, dass ich keine Fotos machen wollte.

Mein nächster Foto-Stop war nur einige Kilometer weiter, in Wiebrechtshausen. Dort befindet sich neben zahlreichen Schafen auch eine recht große Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert. Ein Zisterzienserinnenkloster, deren zuerst genannte Äbtissin Hedwig von Gandersheim war. Das Kloster gehört seit der Reformation 1542 zur Klosterkammer Hannover. Von der ehemals umfangreichen Klosteranlage sind nur noch die Kirche und ein Teil der Klausuranlage vorhanden. Jetzt nutzt sie ein großes Saatgutunternehmen.

Klosterkirche

Über einen schönen Radweg ging es weiter bis nach Northeim. Ich kämpfte mich zügig über die Radwege und Ampeln quer durch die Innenstadt und legte erst an der B3 Richtung Göttingen meinen ersten Futterstop ein.

Gestärkt rollte ich weiter nach Nörten-Hardenberg. Bis dahin ging alles wie geschmiert. Doch dann nahm das Elend seinen Lauf. Bei 40 km gingen mir noch Gedanken durch den Kopf wie „Toll, die 40 km liefen ja wie geschmiert!“, aber ab Kilometer 45 wurde mir so langsam klar, dass ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft hatte. Und dann kamen noch die Höhenmeter. Durch das Rodetal ging es zunächst mit einer sanften aber stetigen Steigung durch den Nörtener Wald. Da schnaufte ich mir schon einen Wolf. Danach erwarteten mich bis Bodensee einige zähe Steigungen, durch die ich mich recht erfolgreich durchbiss und nur zwei kurze Trink- und Gelpausen einlegte um meine Schnappatmung wieder in den Griff zu bekommen. Nach Bodensee fühlte ich mich schon in heimischen Gefilden. Allerdings fehlten mir noch 30 km. Und Komoot hatte sich überlegt, dass es wirklich den kürzesten Weg nimmt und mich über Höherberg schickte, ein kleiner Wallfahrtsort, der – oh wie überraschend – auf einem Berg liegt… Der Weg dort hinauf hat immerhin knackige 5,9% Steigung.

Wallfahrtsort Höherberg (Archivfoto von Kai)

Über Gieboldehausen, Wollershausen und Rhumspringe (Brötchenpause Nr. 2) ging es nach Scharzfeld und von dort aus nach Herzberg zurück.

Pause an der Hahle

10 km vor meinem Ziel schaute ich auf meine Uhr und stellte fest, dass ich 3.40 h unterwegs war. Schnell rechnete ich, dass ich, wenn ich Gas gebe, es VIELLEICHT, aber auch nur vielleicht unter 4h schaffen könnte. Dummerweise hatte ich noch einige Wellen und Anstiege vor mir. Ich trat also in die Pedale, was nach 90 km ganz schön weh tat und legte nach 3.55 h noch eine Pause ein. Zwei km vor dem Ziel. Diese gingen bergauf und ich musste noch einmal Kräfte sammeln. So konnte ich aber die 100 km in 3.59.40 schaffen (jaa, geschummelt, aber gut fürs Ego). Mit 100,45 km in 4:01:25h kam ich müde aber stolz zu Hause an.

Mein erster 100er, den ich ohne Windschatten gefahren bin. Und mein zweiter überhaupt. Gezweifelt habe ich zwischendurch jede Menge, aber es hat funktioniert :).

4 Kommentare zu „Mein erster „echter“ Hunderter

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