Was für ein Brocken

Stadtradeln, kaputte Felge, schneller, höher und weiter

Nordhausen calling. Und wir kommen. Am 30. Juni lachte die Sonne und wir sattelten die Räder und fuhren über Straßen aber auch schöne Schotterwege über zum Teil gar nicht soo schöne Hügel über Bad Sachsa und das Kloster Walkenried nach Nordhausen. Obwohl diese Stadt gar nicht so weit weg ist und viel zu bieten hat, waren wir noch nie dort. Das musste geändert werden. Mit dem Rad konnten wir uns zumindest eine ganz ganz kleinen Eindruck der Stadt machen. Mit spannender Industriekultur und schöner Altstadt sicherlich noch einmal eine Fahrt wert. 126 km mit ganz viel Abwechslung und schönen Fotomotiven.

873 km und 5341 hm in 40 Stunden habe ich im Juni auf dem Rad zurück gelegt. Behauptet zumindest Strava. Die Kilometer haben sich angesammelt, da ich meine Schule fürs Schulradeln (ein Bestandteil des Stadtradelns) angemeldet habe und selbst mit gutem Vorbild voran fahren wollte. Beim Stadtradeln geht es zum einen um die Einsparung von CO2, jedoch auch um den Ausbau der Radinfrastruktur, die hier auf dem Land aber mittlerweile gar nicht mehr soo übel ist. So bin ich immer wenn es sich anbot auch mit dem Rad zur Arbeit gefahren und habe das Rad so oft wie nur möglich bewegt. So konnte ich für mein Team immerhin in drei Wochen 811 km beisteuern. Mit den Topleuten, die sich für unsere Schule angemeldet haben konnte ich nicht mithalten. Die sind tatsächlich knappe 1398 und 1173 km gefahren. Wahnsinn! Insgesamt ein schöner Wettbewerb, bei dem ich auch im nächsten Jahr wieder gerne dabei bin. Mit Platz 138 von 316 aktiven Schulen müssen wir uns auch nicht verstecken.

Zwischendurch war Fahrradpflege angesagt. Außerdem gab es eine neue Kette und Kassette. Nach knapp 10.000 km war das wohl mal nötig. Beim Felgenwaschen entdeckte Kai die feinen Haarrisse an fast jeder zweiten Speiche (immer an der Antriebsseite). Was für ein Mist. Die nächsten Touren fuhr ich wie auf rohen Eiern und zuckte bei jeder Bodenwelle zusammen. Eigentlich albern, da die Risse sicherlich schon einige Zeit in den Felgen waren. Nun war jedoch guter Rat teuer und gute Felgen noch viel teurer. Gerne hätte ich mich etwas verbessert und die GR 1600 von DT Swiss gegönnt, aber wie sollte es anders sein – natürlich ist der Laufradsatz überall vergriffen. Also gab es den G1800 für rund 300€ (OVP: 388€). Die sind auch schick und haben ein nettes Freilaufgeräusch. Wenn sie etwas länger halten als die Vorherigen bin ich doch schon happy.

Mit neuen Felgen versuchte ich mich an einer Solo-Flachlandrunde um zu schauen, welches Tempo für mich auf so einer Strecke möglich ist. 60 km sollten es sein, da ich einen Startplatz für die Cyclassics in Hamburg gewonnen habe. Mein erstes richtiges Rennen mit Zeitnahme und allem Schnick und Schnack und gleich in Hamburg! Dort starte ich auf 60 km und nun ja, ich denke es wird recht flach. Maik, einer der Radfreunde hier aus der Gegend, hatte erst einige Tage vorher für sich eine Runde gebastelt, die ich mir dreist geklaut habe (immerhin bin ich sie anders herum gefahren). Tatsächlich schaffte ich auf der ersten Hälfte einen 32er Schnitt. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass es dort auch tendenziell bergab ging. Im Feld zwischen Scharzfeld und Pöhlde wäre ich gut mit 35 km/h durchgekommen, hätte mich nicht dieser dusselige Rentner oder älterem Land-/Forstwirt aufgehalten, der mich zwei Kilometer lang nicht vorbeilassen wollte und sogar gependelt ist anstatt einfach rechts zu fahren. So musste ich da auf 30 km/h abbremsen. Meckern auf hohem Niveau, aber total ärgerlich. Ab Gieboldehausen ging es langsam los mit Gegenwind und ab Hattorf holten mich die Höhenmeter ein, die vorher bergab gefahren war. Plötzlich fiel der Schnitt auf teilweise 25 km/h. Ich hatte das Ziel unter zwei Stunden und bleiben und trat so doll ich eben konnte in die Pedale. Nach 1:59:19 zeigte mein Rox 60 km an. Puhh, knappe Kiste, aber geschafft. Fairerweise muss ich sagen, dass es vermutlich doch kein 30er-Schnitt war, da Sigma gerne großzügig bei der Kilometervergabe ist. In der Regel habe ich immer ein paar km mehr als Kai auf seinem Garmin. Trotzdem war es für mich auf einer Solofahrt die höchste Geschwindigkeit und darauf kommt es mir an. In Hamburg sollte ein 30-Schnitt locker drin sein, vielleicht sogar 32, da man im Pulk ja doch deutlich schneller unterwegs ist.

Gestern fuhren wir zum letzten Tag des Stadtradelns mit einigen Leuten aus dem Göttinger Raum und einer Strava-Bekanntschaft aus Berka von Herzberg aus auf den Brocken. Angesagt waren 80 km und kein Rennen. Das fand ich sympathisch, da ich ja an Bergen nicht so sonderlich stark bin. Zum Glück waren noch zwei weitere Frauen dabei, weshalb das Tempo tatsächlich recht entspannt war. Daher lief es übers Siebertal ganz gut. Im oberen Teil der Schluft fuhr jeder sein Tempo und ich kam sogar ohne Pausen an. Trotzdem war ich dort schon ganz schön erschossen. Immerhin ging es auf der Harzhochstraße entspannter zu und und rollte bis Braunlage ziemlich entspannt. Dann wurde es wieder welliger und ab Elend noch ein einmal elendig eklig bis Schierke. Oben angekommen verschnauften wir noch einmal, bevor wir die letzten Kilometer auf der Brockenstraße in Angriff nahmen. Das ging anfangs auch ganz gut, eine Pause brauchte ich an einer Rampen aber trotzdem. Ab einer bestimmten Steigung fange ich immer an zu Pfeifen. Ob ich hyperventiliere oder vielleicht doch ein Belastungsasthma habe – ich weiß ich nicht. (Da ich den Abend über aber nach solchen Geschichten auch zu Hause immer nur eingeschränkt atmen kann tippe ich eher auf letzteres.) Danach ging es weiter. Kurz vor der Knochenbrecherkurve (die heißt nicht umsonst so…) trafen wir zunächst Brocken-Benno und kurz danach einen Kollegen mit seiner Frau. Am letzten Kilometer verließ mich wieder der Atem. Zitternd und laut aus der Lunge pfeifend musste ich einige Meter schieben. Die letzten Meter gingen irgendwie und schließlich war ich oben. Trotz der Schwächen am Ende war und bin ich immer noch stolz, da hochgekommen zu sein. Oben setzten wir uns und aßen und tranken um wenigstens einen Teil der Kalorien wieder reinzuholen. Dann machten wir uns auf den Rückweg. Die Abfahrt war der Kracher. Im oberen Teil musste man noch sehr bedacht fahren ob der Wanderer, aber im unteren Teil konnte man super laufen lassen und mit 50-60 km/h runter rollen. Zwischendurch wurde es noch wellig, aber das war vernachlässigbar. Leider musste sich die Gruppe in Braunlage trennen, da Daniela (aus Göttingen) fiese und immer lauter werdende Geräusche am Rad hatte, die immer lauter wurden. Erst lag der Verdacht auf den Speichen, dann stellte sich das Ganze als Lagerschaden heraus. Die Göttinger Fraktion legte also in Braunlage eine Kaffeepause ein, um auf Danielas Mann zu warten, der ihr andere Laufräder bringen sollte und wir fuhren mit Katrin (aus Berka) über Bad Lauterberg zurück. Wir begleiteten sie noch bis Hattorf und fuhren dann nach Hause. Nach 133,33 km und 1641 hm waren wir auch wieder zu Hause. Mit dieser netten Gruppe war das eine gelungene Bike-Brocken-Premiere für uns drei Damen.

Mittlerweile habe ich die 4000 Jahreskilometer geknackt. Zur Erinnerung: im letzten Jahr bin ich insgesamt 4.500 km gefahren. Ich bin gespannt, was das Jahr noch für mich bereit hält, ob wir in den Sommerferien noch eine kleine Bike-Packing-Tour oder wenigstens einen Overnighter starten und wie das Rennen in Hamburg wird. Drückt mir die Daumen. 🙂

3 Kommentare zu „Was für ein Brocken

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