Holterdiepolter durch den Harz

Seit einigen Tagen habe ich ja nun die Gravelreifen auf dem Rad und wollte die Gelegenheit beim Schopfe greifen und einige Touren fahren, die ich sonst vermeide. Los ging es am Dienstag mit einer Fahrt auf die Hanskühnenburg. Die Hanskühnenburg ist einer der nah gelegenen Berge (811 m. ü. NN) und dem Harzer Baudenstieg zugehörig. Ergo gibt es oben eine Baude mit Aussichtsturm, die zum Verweilen und Essen einlädt. Interessant ist, dass es dort oben weder Strom noch Wasser gibt. Im Winter wird dort lediglich mit Feuer geheizt und Wasser einmal wöchentlich mit einem Tankwagen hinaufgebracht. Mittwochs ist Ruhetag, ansonsten lohnt sich der Aufstieg oder die Fahrt mit dem Gravel oder MTB oder auch im Winter mit Langlaufskiern täglich von 9-16 Uhr, sei es für Kaffee und Kuchen oder eine deftige Mahlzeit. Wege gibt es zahlreiche aus allen Himmelsrichtungen.

Mein Weg führte mich an diesem schwülen Tag über Lonau. Von Lonau aus führen gleich zwei Wege zur HKB, einer über das linksseitige Mariental, einer über das Kirchtal. Für den Hinweg wählte ich den überwiegend geschotterten Weg des Marientals. Von meiner Haustür bis zur Baude sind es lediglich etwa 15 km, jedoch auch 580 hm. Und Höhenmeter sind ja nicht meine „Spezialität“. Leider waren die zahlreichen Pausen auch ziemlich unentspannt, da ständig Bremsen um mich herumschwirrten. Vier Stück konnte ich erlegen und stichfrei bleiben. Ganz langsam bewegte ich mich den Berg hoch und begegnete zunächst einem Reh, später noch einem Fuchs, die sich jedoch durch mein lautes Schnaufen nicht wirklich irritiert zeigten. Die letzten 600 m bis zur Baude wird der Weg noch einmal richtig steil. Ich versuchte mich an den ersten Metern, gab aber bald auf und schob mein Rad. Oben angekommen traf ich auf die Wanderkaiserin Hanna, die mit ihrem Hund im letzten Jahr alle 222 Stempel der Harzer Wandernadel in 50 Tagen erwandert hatte. Heute war sie jedoch nicht zum Wandern dort, sondern um mich und andere hungrige Radfahrer und Wanderer mit Kuchen und anderen Dingen glücklich zu machen.

Nach einem leckeren Stück Kokoskuchen rollte ich über den asphaltierten Weg des Kirchtals wieder nach Hause. Schneller als ich gucken konnte war ich wieder zu Hause.

Am Samstag machte ich mich wieder auf den Weg in den Harz, allerdings für eine längere Tour. Mit der Option auf Abkürzungen ging es zunächst über Steina nach Bad Sachsa und Wieda. Von dort aus folgte ich dem 25 km langen geschotterten Bahntrassenweg nach Braunlage. In Wieda selbst war es gar nicht so einfach diesem zu folgen, hinter Wieda war er jedoch meist eindeutig zu identifizieren. Einen Zwischenstopp machte ich am ehemaligen Bahnhof Stöberhai (Memo an mich: der Sonder-Stempel dort fehlt mir noch, genauso wie der am Kapellenfleck einige km weiter!).

Wer sein Rad liebt, der schiebt
Bahntrassenweg
Bahnhof Stöberhai

Am Bahnhof Stöberhai begann meine Actioncam zu meckern, dass sie kaum noch Akkuleistung habe. Das Laden der Kamera hatte ich wohl leider versäumt. Das war schade, da ich gerade von den Gravelpassagen eigentlich ein schönes Video machen wollte. Es fing ganz leicht immer wieder an zu nieseln und wurde mit jedem Höhenmeter frischer. Die Wahl der kurzen Bekleidung war vielleicht nicht die beste Idee gewesen. In Braunlage machte ich eine Pause und als ich weiterfuhr setzte ein richtiger Schauer ein. Der Weg führte mich unterhalb des Wurmbergs an der Brockenwegschanze entlang. Die Große Bodestraße und der Sögdingsweg sind zwar asphaltiert, was mir entgegenkommt, gehen jedoch schier unendlich lange bergauf.

Brockenwegschanze
Sögdingsweg

Die Kälte und der Regen machten den etwa 10%igen Anstieg nicht angenehmer. Oben angekommen fuhr ich am Wurmbergmoor vorbei.

Ulmer Weg

Der Ulmer Weg Richtung Dreieckiger Pfahl ist sicherlich super zum flowigen MTB-Fahren und selbst ich hatte hier Spaß, da der Weg nicht allzu fordernd war, aber mehr Konzentration erforderte als ein Schotterweg. Mittlerweile war es zum Glück wieder trocken und gelegentlich ließen sich einige Sonnenstrahlen blicken. Bis Oderbrück lief es ganz gut.

Oderteich
Grenzwertig…

Dann stieg der Anforderungsbereich am Oberen Oderweg stark an. Mit Wurzeln, Steinen und Stegen kam ich zunächst gut zurecht lediglich am Clausthaler Flutgraben musste ich mich geschlagen geben. Zu geröllig und zu steil….. Also schob ich einige Meter. Am Parkplatz Wolfswarte fuhr ich einige Zeit auf der Straße, und genoss die Erholung beim Bergabrollen. Hier kamen mir einige Fahrer der Sösetal-RTF entgegen, deren große Runde sie von Förste bis weit in den Harz verschlagen hatte. Kurz vor Altenau bog ich von der Straße ab um nahezu ebenerdig auf dem Dammgraben weiterzufahren. Diesen kannte ich schon durch Wanderungen und wollte ihn schon immer einmal fahren. Bis auf ein paar nasse Wurzeln und einen umgestürzten Baum mitten auf dem Weg ließ er sich sehr entspannt fahren.

Ein kräftiger Anstieg auf die und auf der Harzhochstraße standen mir jedoch noch bevor und ich quälte mich dabei ziemlich und benötigte die ein oder andere Pause.

Anstieg zur Harzhochstraße und bedrohliche Wolken

Auf der Harzhochstraße kamen mir wieder einige RFTler entgegen. Ich bog auf die Ackerstraße ab und später die Schmelzertalstraße über Sieber nach Hause. Eigentlich dachte ich, dass ich über das Siebertal entspannt nach Hause rollen könnte, hatte jedoch nicht mit dem extremen Gegenwind gerechnet, der die letzten sechs km noch einmal zu einer mentalen Bewährungsprobe machten.

Nach etwas mehr als 90 km und knapp 1500 hm war ich ziemlich erschöpft wieder zu Hause. Eine tolle Tour, die vielleicht doch mein Interesse am MTB-Fahren etwas geschürt hat. Teilweise hat das ja schon ziemlich Spaß gemacht. 🙂 Nur die Sorge um die Gravelreifen war teilweise doch groß, gerade bei dem scharfkantigen Gestein.

Longride zum Schloss Marienburg

Für den Tag gestrigen Samstag plante ich eine längere Runde um zu schauen, ob ich auch fit für Touren jenseits der 100 km bin.

Los ging es gegen 7.30Uhr, nachdem ich mir leckere Brötchen gebacken hatte. Über Gieboldehausen führte mich der Weg nach Lindau und Elvershausen. Schon dort begab ich mich in unbekannte Gefilde, nämlich auf den Anstieg Richtung Lagershausen. Der war zwar lang, aber aufgrund der wunderschönen Landschaft abwechslungsreich und lenkte mich gut ab.

In Imbshausen und Echte war ich bereits auf meiner ersten 100er Tour. Bald führte mich der Weg entlang der Leine mit welligen Straßen, schönen Brücken und überwiegend gutem Asphalt.

Ein minimaler Rückenwind sorgte für zügigen Vortrieb. Nur ein oder zwei Anstiege waren etwas knackiger, ansonsten führte der Weg stetig bergab. Schon ab Betheln (hinter Gronau) war das Schloss Marienburg zu sehen und der Weg nach Nordstemmen nicht mehr weit. Nach etwa 105 km war das Ziel erreicht. Der Anstieg zum Schloss war zum Glück nicht sehr lang und oben konnte ich mir das märchenhafte Schloss in Ruhe anschauen.

Doch was hat es mit diesem Schloss auf sich? Es war ein großer Liebesbeweis von König Georg von Hannover an seine Frau Königin Marie. Der neugotische Prachtbau (mit 130 Zimmern, Quelle) entstand zwischen 1858 und 1867, auf dem sagenumwobenen Marienberg, der angeblich von Zwergen bewohnt war. Genießen konnten die beiden ihr „Eldorado“ – wie sie es nannte – jedoch nicht. Georg erblindete noch vor Fertigstellung des Gebäudes und zunächst flüchtete er, ein Jahr später auch seine Frau mit den Kindern ins Exil nach Österreich (Quelle).

Derzeit streiten Ernst August Prinz von Hannover (Oberhaupt der Welfen und Urenkel Wilhelm des II.) und sein Sohn, der Investmentbanker Ernst August junior, um das Schloss. Der 68-jährige hatte seinem Sohn das Schloss vor einigen Jahren geschenkt und möchte diese Schenkung aufgrund „groben Undanks“ zurückziehen. Aufgrund der hohen Sanierungslast von 24 Millionen Euro hatte der Junior bereits 2019 versucht, das Schloss für einen Euro zu verkaufen. Der Einspruch des Vaters verhinderte dies allerdings (Quelle).

Ob Fan des Welfengeschlechts oder nicht, ein Besuch des Schlosses lohnt sich auf jeden Fall!

Nach einem Stück Apfelkuchen und einem Radler im Café Marie fuhr ich zurück. Nach der Pause moserten die Oberschenkel ein wenig, doch irgendwann wurde es besser. Nur das Tempo ließ sich nicht ganz so halten wie auf dem Hinweg.

Ab Gronau fuhr ich eine östlichere Route mit einem stetigen Anstieg bis Sibbesse und eine lustige Berg- und Talbahn, die allerdings auch Körner kostete. Auch die folgenden Anstiege, vor allem der bei Ellierode zeigten mir, dass mich die Kräfte langsam verließen. Plötzlich war zunächst der Feldweg nass, wenige Meter später auch ich. Bis Bad Gandersheim war der Schauer aber wieder vorbei und es ging es weiter über den Skulpturenradweg, der zum Glück ziemlich halbwegs flach ist. Der nächste kritische Punkt war die Überquerung des Harzhorns, an der ich einige Male stehen bleiben musste. Über Düderode ging es weiter über das Fissekental, welches ich schon einige Mal in Gegenrichtung durchquert hatte. Ab Willensen brachen die letzten 20 km an, die scheinbar kein Ende nehmen wollten. Jeder Hügel malträtierte die Oberschenkel und ich musste noch eine dringende Trinkpause einschieben.

Wieder einmal hat mir Strava einige km zu viel berechnet. Letztlich waren es heute wohl 193 km mit etwas über 1500 hm, für mich die längste Strecke, vor allem aber auch fordernder als die fast 200km an der Ostsee. Dies zeigt mir, dass ich meine Pläne für Himmelfahrt hoffentlich umsetzen kann. 🙂

Tour d´Energie 2022 – meine Renn-Premiere

Am 24.04.2022 war es soweit, es war der Tag meines ersten Rennens. Kai hatte mir dankenswerter Weise die Startunterlagen schon am Vortag abgeholt, sodass ich Rad, Helm und Rucksack bereits mit Startnummern versehen konnte. Am Morgen musste ich also nur mein Fahrrad und meine Siebensachen ins Auto legen und schon konnte es losgehen.

In Göttingen fand ich direkt einen Parkplatz und rollte zum Startbereich. Nachdem ich mir ein Dixie von innen angeschaut hatte, rollte ich nur wenige Meter am Leinekanal entlang und traf direkt auf Kai und Jörg Rausch. Ersterer war bereits aus Hattorf mit dem Rad angereist, letzterer wollte mit seinem Trekking-Rad die 45km-Runde unsicher machen. Wahnsinn!! Irgendwann gesellte sich auch noch Ralf Schäfer dazu, ein guter Zeitpunkt für ein erstes Gruppenfoto.

Anschließend ging es zum Startbereich, in dem ich meine Freundin Doris traf und auch noch einen Riegel abstaubte. 😉 Um 10.50 Uhr fiel der Startschuss und wenig später setzte sich auch unsere Gruppe in Bewegung. Kai startete in der Gruppe hinter mir und wollte mir bei dem Rennen Windschatten geben. Ich fuhr erst einmal alleine vor, da ich wusste, dass er mich irgendwann einholen würde. Es gab einen fliegenden Start, der das ganze Procedere etwas entspannte.

Schon nach wenigen Kilometern brauste das ganze Feld beinahe in zwei ungünstig stehende Supportfahrzeuge, vor denen leider etwas spät gewarnt wurde. Unzählige Fahrer hatten auch auf den nächsten Kilometern Pannen und standen am Rand und ich hoffte nur, pannen- und unfallfrei durchzukommen. Schließlich hatte auch Kai mich eingeholt und ich hängte mich in seinen Windschatten. Schon bald fing ich aber an zu keuchen und bat ihn, doch wirklich das Rennen auch als Rennen zu fahren und wollte mich einer Gruppe anschließen, um mein Tempo zu fahren. Mit der Resterkältung wollte ich nichts riskieren (bis dahin war das zumindest noch mein Vorsatz). Ich tingelte von Gruppe zu Gruppe. Von den einen fühlte ich mich ausgebremst, von anderen tempomäßig überfordert. So war ich immer wieder auch alleine unterwegs. Über den ersten Höhenzug ging es nach Hann Münden. Dort entledigte ich mich meiner Armlinge, die ich schon vorher heruntergeschoben hatte, da es doch etwas wärmer war als gedacht. Eigentlich hatte ich gehofft, von dort bis Hemeln etwas entspannen zu können, aber Wind und Wellen (also des Asphalts, nicht der Weser) machten auch den Weg bis Hemeln nicht unanstrengend. „Komm, an den da vorne hängen wir uns ran!“, sprach mich plötzlich ein netter Herr an und nahm mich spontan in den Windschatten. Solche Situationen hatte ich heute recht häufig, auch bei von hinten anrollenden Gruppen („Komm, häng dich rein!“) und war von so viel gutem Sozialverhalten (oder Gentlemen?) begeistert. In Hemeln ging laaange bergauf, fünf Kilometer mit einer immerhin nur mäßigen Steigung. Hier konnte ich laut schnaufend einige Fahrer hinter mir lassen, was mir – ich nehme an aufgrund der Geräuschkulisse – irritierte Blicke einbrachte. 🙂 Oben schnappte ich mir am Verpflegungsstand eine Cola und eine Apfelschorle, stürzte diese hinunter und weiter ging es, ebenfalls zunächst hinunter. Leicht wellig, eher aber bergauf ging es bis Dransfeld. Auf dem Weg ackerte ich wieder im Wind vor mich hin, als ich eine Fahrerin des TESA-Teams (Alex, wie sich später herausstellte) hinter mir rufen hörte „Vielleicht hättest du mal den Anstand, nach vorne zu fahren“. Sie meinet nicht mich, sondern den Herrn, der sich schon seit Längerem hinter mich geklemmt hatte. Schuldbewusst zog er auch an mir vorbei.

Mit dem sympathischen Team TESA

Mit Alex und ihrem Teamkollegen Herrn Virus zockelte ich anfangs den drei Kilometer langen Weg zum Hohen Hagen hoch, aber mich verließen dort die Kräfte ziemlich. Ich zockelte dort mit sagenhaften knappen 12km/h hoch und war ständig versucht, einfach abzusteigen. Das Publikum am Rand und natürlich auch die Fahrer hinter mir wussten dies aber zu verhindern. Oben angekommen nahm ich auch den nächsten Getränkestand in Anspruch und freute mich sehr auf die Abfahrt.

Wo schaut er denn hin?

Schon nach ein paar Metern war es mit der Freude aber vorbei. Krämpfe in den Waden und zeitgleich in den inneren Oberschenkelmuskeln hatte ich auch noch nicht. Bis Jühnde wurden sie richtig schlimm und erst ab Sieboldshausen wurde es etwas besser. Bis dahin hatte ich aber meine gerade erst gefundene tolle Gruppe längst ziehen lassen müssen. Ein Fahrer kam noch an mir vorbei und fragte mich, ob mit meinen Beinen alles ok wäre, er hätte auch solche Krämpfe gehabt. Wie gesagt, alle waren total nett und aufmerksam zu mir. Der Wind war weiterhin ziemlich gemein, außerdem setzte leichter Niesel ein und ich war wirklich froh, als wir endlich in Rosdorf einrollten. Ich hatte mich wieder einer Gruppe angeschlossen, die nun stetig das Tempo anzog. Da ich keine Ahnung hatte, wie viele Kilometer es noch genau bis zum Ziel waren, ein gewagtes Unterfangen. Trotzdem ging ich mit und schaffte es tatsächlich auch an der Gruppe dran zu bleiben. Für einen spektakulären finalen 100m Sprint standen jedoch keine Kraftreserven mehr zur Verfügung.

Lächeln trotz fieser Krämpfe

Im Ziel bemerkte ich, wie mir schlagartig kalt wurde. Also Armlinge wieder an und einen Riegel vertilgt. Ich schaute mich um, ob ich jemanden entdecken konnte, den ich kannte. Dies war nicht so, bis ich auf Kai traf. Der war schon auf dem Sprung nach Hause und zeigte mir noch, wo ich etwas zu Essen ergattern konnte. Das war auch nötig, wie mir meine mein Frieren und meine weißen Finger deutlich zeigten. Mit Nudeln und einem alkoholfreien Radler machte ich es mir an einem der Tische bequem und machte mich nach dem Festmahl zurück auf den Weg zum Auto. Den ursprünglichen Plan, vor Ort zu duschen hatte ich verworfen.

Erschöpft aber glücklich im Ziel.

Daher legte ich lediglich mein Rad und den halben Hausstand wieder ins Auto und begab mich auf den Heimweg. Dabei schaltete ich die Sitzheizung auf volle Power um wieder halbwegs auf Temperatur zu kommen. Eine weitere Premiere gab es zu Hause. Ich füllte mir tatsächlich die Badewanne im alten Bad. Normalerweise bin ich überhaupt kein Badewannenmensch und wasche ich dort nur mein Rad, aber heute war mir danach mich dort hineinzulegen. Die nächsten Tage werde ich es etwas ruhiger angehen lassen, um mich gänzlich auszukurieren.

Bei der Gesamtwertung der Damen bin ich mit 3:28:26h auf Platz 54 von 120 gelandet, in meiner Altersklasse auf dem 16. von 25 Plätzen.

Durchwachsene Renn-Vorbereitung und Nominierung zur Blogwahl bei fahrrad.de

Zu Beginn der Osterferien war ich unglaublich motiviert und wollte eine top Vorbereitung für die Tour d´Energie auf die Straße bringen. Erstens kommt es jedoch anders und zweitens als man denkt. Zwischen Omabesuch und Proben plante ich für Gründonnerstag eine Harztour, um mich an Höhenmeter zu gewöhnen. Frohen Mutes machte ich mich trotz durchwachsener Wettervorhersage auf den Weg. Schon vor der Tür wurde ich von leichtem Niesel begrüßt. Den ignorierte ich aber und fuhr los Richtung Osterode.

Ganz optimistisch ohne Regenklamotten..

Schon nach wenigen Kilometern war der juvenile Niesel zu einem adulten Regen angewachsen und bereits vor Osterode war ich völlig durchnässt und merkte das „Kwutschen“ in den Schuhen (das eklige Gefühl, wenn man Wasser in den Schuhen hat). Ich war schon versucht, einfach zu wenden, denn die Harztour wollte ich bei diesem Wetter auf gar keinen Fall in Angriff nehmen. Also fuhr ich weiter bis Badenhausen um dann eine relativ flache Runde über Dorste, Wulften und Gieboldehausen zu fahren. Ich fror erbärmlich und war froh, nach 67 km wieder zu Hause zu sein. Es dauerte einige Zeit, bis ich wieder halbwegs aufgetaut war.

Karsamstag hatte ich Zeit und das Wetter war bedeutend besser. Kühl und windig, aber sonnig. Mit meinem Kumpel David machte ich mich auf den Weg wieder Richtung Badenhausen. Bis dahin hatten wir entspannten Rückenwind. Nach Badenhausen änderte sich die Fahrtrichtung und damit leider auch der Wind bis Bad Grund kam er nun meist von schräg vorne. Bad Grund ließ schon einmal die Beine mit gemeinen 10% aufjaulen. Nach dem Anstieg luden wir uns aber kurz bei meinem Freund Bernd auf einen Kaffee ein (vielen Dank dafür und die kleine Verschnaufpause), bevor wir uns auf der Harzhochstraße (B242) wiederfanden.

Bernd, der spontane Barista
David auf den letzten Metern vor Clausthal.
Die Marktkirche in Clausthal, die größte Holzkirche Deutschlands

Diese führte uns hügelig, mit maximal 8% Steigung Richtung Clausthal. Dort verabschiedete sich David Richtung Osterode, der nun doch keine Lust mehr hatte, mir hinterherzustrampeln. Trotzdem hatte er sich bis dahin richtig gut geschlagen. Der Wind kam nur noch von vorne und das sollte sich für den weiteren Weg auf der Harzhochstraße auch nicht mehr ändern. Ich fuhr weiter auf der 242 Richtung Osten. Hier hatte ich eine freie Sicht auf verschiedene Seen und überhaupt rundum auf das Harzer Land, da auch dort, wie überall im Harz, Trockenheit, Borkenkäfer und Stürme dem Fichtenwald das Leben gekostet haben. Viele Fotos habe ich aufgrund des starken. Verkehrs allerdings nicht gemacht…

Die Idee war, über Riefensbeek wieder zurückzufahren. Am Abzweig interviewte ich kurz meine Beine und ganz überheblich behaupteten diese, noch topfit zu sein. Also glaubt ich ihnen dies und setzte meinen Weg durch den Harz fort, wohlwissend, dass der schlimmste Teil mir noch bevor stand. 10 km ging es nun fast nur bergauf, teilweise mit 11% Steigung. Meine Geschwindigkeit fiel rapide, aber ich versucht, die Atmung ruhig und die Trittfrequenz möglichst ökonomisch zu halten. Mit zwei kleinen Päuschen schaffte ich es tatsächlich bis Sonnenberg. Von da an kam noch ein letzter kleiner Anstieg auf dem Weg nach St. Andreasberg und ab dann konnte ich entspannt rollen, auch wenn ich stets den Unfall eines Bekannten denken musste, der irgendwo dort verunfallt sein musste, jedoch bis jetzt an den Unfall keine Erinnerung hat. Mit dieser Geschichte im Hinterkopf fährt man definitiv etwas vorsichtiger.

Die Harzhochstraße… die Ruhe täuscht..

Ich fuhr über Bad Lauterberg, und Scharzfeld und stand plötzlich nach rund 90 km in Pöhlde. Da wollte ich die 100 auch noch voll machen. Also fuhr ich bis nach Hattorf und über den Phillips zurück. Bis Hattorf hatte ich besten Rückenwind und nur marginal müde Beine. Am Phillips hatten selbige aber gar keine Lust mehr und ließen mich das deutlich spüren. Zu Hause angekommen war ich nach 107 km und über 1200 hm rappelalle, aber auch ziemlich stolz auf meine Leistung.

Für Montag hatte ich einen Socialride organisiert, bei dem einige Teilnehmer absagten und letztlich auch ich, da ich mir bei meiner Regentour doch eine ziemliche Erkältung eingefangen hatte. Auch den Rest der Woche werde ich jetzt die Füße still halten, um bis Sonntag zur tdE wieder halbwegs auf dem Damm zu sein.

Eine Bitte in eigener Sache. Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal bei der Blogwahl von fahrrad.de nominiert. Stimmt fleißig ab, wenn euch mein Blog gefällt.

Bis dahin. Ride on! Vielleicht sieht man sich am Sonntag in Göttingen?

Radtourenfahrt die Erste

Da demnächst mein erstes Radrennen ansteht, klang es nach einer guten Idee, als Vorbereitung an einer Radtourenfahrt teilzunehmen. In Gieboldehausen, also nicht weit von hier, wurde heute eine angeboten. Da das Rennen – die Tour d´Energie – über 100 km geht, lag es nahe, heute die Distanz mit 116 km in Angriff zu nehmen. So war zumindest die ursprüngliche Idee. Dann raffte mich allerdings in dieser Woche ein Infekt dahin (tägliche Tests alle negativ, aber bei DEN Halsschmerzen bin ich mir bis heute nicht sicher, ob das wirklich nur ein grippaler Infekt war…). Ab Mitte der Woche ging es mir langsam besser und ab Freitag schrumpften die Mandeln auch wieder halbwegs auf Normalgröße. Anstatt also die RTF (Radtourenfahrt) komplett abzusagen, entschied ich mich dazu, auf die nächst kürzere Distanz zu gehen, also 85 km. Welche postinfektiösen Hirnverquerungen mich allerdings dazu geritten haben, zu der Veranstaltung mit dem Rad zu fahren – fragt nicht…. Immerhin – auf dem Hinweg ging es ja bergab.

Mit etwa 17 oder 18 km auf dem Tacho (und einem Abstecher zur Rhumequelle, da ich zu früh oder zu schnell war) kam ich in Gieboldehausen an. Das Einchecken über einen QR-Code verlief super easy und man wurde von den VCE-Damen Dani und Jenny super nett begrüßt :). Überhaupt war die Veranstaltung klasse organisiert – vielen Dank dafür!

Die Sonne ließ noch auf sich warten und es war noch etwas frisch. Um 10 Uhr gingen die ersten Fahrer, darunter auch ich, an den Start.

Ich war ziemlich erschrocken, wie wenig Frauen unter den Teilnehmern waren, freute mich aber umso mehr, als ich meine Freundin Doris neben mir stehen sah. Die ersten Kilometer rollten wir sehr entspannt aber zügig, sodass man aufgrund des Windschattens fast mehr bremsen als treten musste.

Bild von Jenny Ohnesorge

Erst am Anstieg hinter Jützenbach trennte sich die Spreu vom Weizen, soll heißen: die Herren zogen gnadenlos an mir vorbei auf dem dem Weg zum Sonnenstein. Hinterm Sonnenstein kämpfte ich mich an einige Fahrer heran um gleich am nächsten Anstieg wieder gnadenlos stehen gelassen zu werden. Ich war von 500 hm ausgegangen, da das in der Ausschreibung so stand und freute mich, da diese nun erreicht waren. Pustekuchen. Die folgenden 380 hm waren wohl irgendwie unter den Tisch gefallen… Nach dem Sonnenstein wurden wir von den 120km-Fahrern getrennt. Plötzlich war ich ganz allein und wurschtelte mich so gut es ging durch die Gegend. Vor Worbis preschte ich den Berg im Unterlenker hinunter und spürte mal wieder meine linke Hand nicht mehr. Mit der roten Ampel hinter der Kurve und den Autos hatte ich nicht gerechnet und bekam meine tauben linken Finger auch nicht an den Bremshebel. Dafür tanzte mein Hinterrad laut jaulend und ich war erleichtert, dass ich ohne Sturz oder Crash mein Rad zum Stehen gebracht hatte Das war knapp. Ich war so neben der Spur, dass ich den anderen Fahrer an der Ampel auch völlig links, nein rechts, liegen ließ und machte, dass ich weiterkam. Puh war mir das peinlich. Irgendwann hatten er und ein anderer mich wieder eingeholt und wir fuhren einige km gemeinsam. Wieder schaffte ich es aber nicht, im Windschatten zu bleiben und riss ab. Ein paar Mal versuchte ich bei den Anstiegen aus dem Sattel zu gehen, was zu einem Aufschrei in der Muskulatur der Oberschenkel führte, weshalb mein Allerwertester ganz schnell wieder auf dem Sattel war. Den plötzlichen Hungerast nach für mich 70 stillte ich bei einer kleinen Pause mit einem Riegel. Kurz darauf war ich am Verpflegungspunkt, an dem ich die anderen beiden und weitere Fahrer traf. Motiviert hoffte ich nun, eine ausreichend große Gruppe gefunden haben, die mich im Windschatten mitnimmt. Das hätten sie sicherlich auch getan, wenn ich etwas schneller gewesen wäre. Als die Herren außer Sicht waren gab ich den Plan in einer Gruppe zu fahren endgültig auf und fuhr die letzten knapp 30 km alleine in meine Tempo. Zum Glück wurde es deutlich flacher, sodass ich nach 106 km schließlich ziemlich platt in Gieboldehausen ankam. Zwischenzeitlich war ich jedoch so erschöpft (inklusive Flimmern auf dem rechten Auge), dass ich die Ausschilderung vor Gieboldehausen übersah und von der vorgegebenen Strecke in Gieboldehausen etwas abwich. Ich hoffe, es wird mir verziehen.

Nun stürzte ich mich aufs Kuchenbuffett und das bereitgestellte Radler. Da der Kuchen so schnell weg war, hat es für ein Foto leider nicht mehr gereicht. Nach und nach trudelten auch die anderen ein. Ralf aus Göttingen, Doris und auch Kai, der die Langstrecke gefahren war. Die Sonne war schon auf den letzten Kilometern der Strecke aus ihrem Wolkenversteck herausgekommen und so genossen wir die Sonne, bevor es irgendwann auf den Heimweg ging, auf den ich so überhaupt gar keine Lust hatte.

Foto von Ralf Schäfer

Ihr erinnert euch, dass der Hinweg nur bergab ging? An der Topographie hatte sich auch bis zu meinem Rückweg leider nichts geändert. Noch einmal bündelte ich alle Kräfte für die letzten knapp 20 km und stoppte zu Hause den Rox bei 125 km und etwas über 1000hm.

Seien wir ehrlich. Dafür, dass zu Beginn der Woche noch nicht an Sport zu denken war, kann ich wirklich zufrieden sein. ein 29er Schnitt ist völlig in Ordnung. Allerdings weiß ich aber auch, dass ich für die TdE noch ein wenig trainieren sollte, wenn ich nicht wieder den anderen hinterherhecheln möchte.

Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an den VCE. Es war eine sehr gelungene Veranstaltung und ich hoffe, dass sich zukünftig vielleicht auch mehr Frauen trauen, daran teilzunehmen. Ach ja, ich entschuldige mich bei allen, die ich nicht gegrüßt habe aber kennen könnte. Mein Gesichtsgedächtnis ist miserabel (vor allem bei Teamkleidung). Wenn ich Personen nur von Strava oder facebook kenne, macht es das nicht leichter ;).

Tour de Zwift

Besser spät als nie wollte ich euch noch von meinen Erfahrungen bei der Tour de Zwift erzählen. Jeder Zwiftfahrer hat sicherlich schon davon gehört und die meisten haben vermutlich die Tour de Zwift schon einmal oder mehrfach abgeschlossen oder sind wenigstens einige der Etappe gefahren. Dieses Jahr wollte ich das auch einmal ausprobieren und stellte mich neben der zeitgleich laufenden Yoga-Challenge von Mady Morrison der Herausforderung.

Die Tour de Zwift findet jährlich im Januar auf der Online-Radplattform Zwift statt und jeder ist eingeladen, daran teilzunehmen. Auf die Teilnehmer wartet alle drei Tage eine neue Etappe. Mal flach, mal bergig, mal mit dem Mountainbike, aber immer mit vielen, vielen Teilnehmern. Die Etappen sind thematisch aufgebaut und es gibt jedes Mal drei unterschiedliche Streckenlängen, aus denen man frei wählen kann. Zusätzlich zu den drei Streckenlängen wird die jeweils mittlere Distanz auch als reines Frauenrennen angeboten. Innerhalb der Tour kann man jederzeit nach belieben die Distanzen wechseln oder verschiedene Distanzen einer Etappe fahren. Wichtig ist nur, dass man bei jeder Stage eine beliebige Distanz fährt,

Einige Menschen fahren die Tour sicherlich als ernsthaftes Rennen, mein Ziel war es, das TdZ-Kit zu bekommen (neue Klamotten gehen immer, und wenn sie nur für den Avatar sind) und einige neue Strecken zu fahren. Im Ranking der Rennen schaut man als Normalo ja sowieso dumm aus der Wäsche.

Stage 1 – Flat is fast

Kurz kann jeder, also legte ich am 10. Januar gleich mit dem Long Ride los und flog im Windschatten vieler anderer Teilnehmer mit 40 km/h über die knapp 50 km lange Runde. Das war kein Zuckerschlecken und sicherlich auch gleich eine meiner schnellsten Rennen. Zwei Tage später versuchte ich mich mit der Mitteldistanz, bei der allerdings das Knie etwas zwickte, da es bei der ersten Tour schon gut gefordert worden war.

Stage 2 – Mountain Madness

Am 15.01. wollte ich es mit der „Women Only“ Tour entspannter angehen. Natürlich klappt entspanntes Fahren im Eifer des Gefechts nicht und ich powerte wieder mehr als ich wollte. Da bei den Damenrennen die Teilnehmerzahlen deutlich geringer sind, war ich lange Zeit alleine unterwegs. Bei der Innsbruckrunde ist das nicht so dramatisch, da es anfangs überwiegend bergauf geht und der Windschatten nicht allzu viel bringt. Gegen Ende gruppierte ich mich mit zwei Mädels, mit denen ich bis ins Ziel einen top Schnitt drücken konnte. Durch ständiges Kreiseln haben wir alle davon profitiert. Wir warteten sogar einmal kurz, als eine der beiden aufgrund technischer Schwierigkeiten unfreiwillig „abstieg“. So einen coolen Zusammenhalt hatte ich bei den gemischten Rennen nie. So egoistisch sind wir Frauen scheinbar gar nicht.

Stage 3 – Round and round

Mitte des Monats war ich ich etwas angeschlagen, fuhr aber trotzdem bei der dritten Etappe den Long Ride. Die 40 km waren recht flach, sodass ich wieder nah an den 40er Schnitt kam. (Und nein, dieser Schnitt ist für mich outdoor nicht realistisch!)

Da zwei Tage später das Schwimmbad geschlossen hatte, fuhr ich auch bei dieser Etappe den Short Ride mit 12,45 km. Das ist definitiv keine Distanz, für die ich sonst aufs Rad steige. Das ist nicht arrogant gemeint. Es steckt eher die Unverhältnismäßigkeit zwischen Aufwand und Fahrtzeit dahinter. Und ich merke auch, das meine Sprintfähigkeiten ausbaufähig sind…

Stage 4 – Let’s get dirty

Am 22. Januar fuhr ich alle Distanzen hintereinander weg. Ursprünglich war die Idee, bei der ersten, langen Etappe Gas zu geben, die Mitteldistanz locker anzugehen und die Kurzdistanz wieder schnell zu fahren. Bei der letzten Runde war die Luft allerdings raus, da es auch viel mit dem Mountainbike über Schotter und durch Sand ging. Und so fuhr ich auch bei der Sprintdistanz eher hinterher.

Stage 5 – Urban delight

Zum Ausgleich fuhr ich bei der fünften Etappe lediglich die Damentour. Natürlich ließ ich mich geschwindigkeitsmäßig wieder viel zu sehr triggern. Denn schließlich möchte man von einer Gruppe nicht abreißen, da heißt es Zähne zusammenbeißen…

Stage 6 – Go long

Ab dieser Stage wurde es für mich anstrengend, da der Körper langsam genug vom Fahren am Limit hatte. Trotzdem versuchte ich mich wieder am Longride, der durch London führte und einmal den Fox Hill und den Box Hill hinaufführte. Ich kämpfte ordentlich und konnte am Berg auch einige wenige Fahrer hinter mir lassen.

Stage 7 – Escalator

So entspannt wie möglich fuhr ich den Frauen-Tour über die Makuri Islands, war hier aber auch oft wieder alleine unterwegs, da die Teilnehmerzahlen eher niedrig waren.

Stage 8 – Big City Champs

Das Finale der Tour nahm ich nur in der Mitteldistanz in Angriff. Am 04.02. fuhr ich 23 km durch das futuristische New York inklusive der gefürchteten Glasbrücken mit durchschnittlich 6,4% Steigung auf 1,3 km.

Und ganz ehrlich – ich war ganz froh, dass die TdZ nach 342,94 km vorbei war. Jetzt, Ende Februar, habe ich immerhin über 400 Radkilometer und über 14 Schwimmkilometer hinter mir, zudem viele, viele Yogaeinheiten.

Zwar war ich stolz, alle Etappen ganz ordentlich abgeschlossen zu haben, andererseits ist es für wenig rennerfahrene Radler langfristig eine ganz schöne Belastung, wenn man es nicht schafft, wirklich entspannt zu fahren. Die gefahrenen Geschwindigkeiten sind durch die vielen Teilnehmer viel höher als in der Realität, wobei man auch Outdoor in der Gruppe ganz andere Geschwindigkeiten fahren kann, als allein, aber meinem Gefühl nach ist der Windschatten digital doch etwas effizienter als im echten Leben.

Ganz mutig, hoffentlich nicht übermütig, habe ich mich in diesem Jahr zu meinen ersten echten Rennen angemeldet, unter anderem der Tour d’Energie in Göttingen am 24.04.22. Die ist schon ganz schön bald und ich fühle mich miserabel vorbereitet. Bei meiner ersten längeren Draußentour habe ich letztens ziemlich gelitten. Und die 105 km hatten nur halb so viele hm wie die TdE. Immerhin ist diese erst im April und ich werde hoffentlich vorher noch die ein oder andere längere Tour fahren und meine Beine wieder an echte Höhenmeter gewöhnen. Interessiert, aber noch nicht ganz entschlossen, bin ich auch an RFT Quer durchs Eichsfeld. Mit 116 km und 1000 hm wäre das sicherlich eine gute, aber auch sehr fordernde Vorbereitung. Mal schauen, ob ich mich das traue. Ist dort schon jemand mitgefahren?

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Jahresrückblick 2021

Ein Jahr ohne Superlative aber mit vielen Kilometern und kleinen Highlights.

Beim Durchscrollen meiner Aktivitäten bei Strava stelle ich fest, dass das Jahr nicht außerordentlich spektakulär war, ich aber doch eine Menge erlebt habe. Im Januar ging es los mit viel Schnee und entsprechend wenig Radkilometern. Trotzdem war ich durch die 30-Tage Yoga Challenge von Mady Morrison und tolle Winterwanderungen in Bewegung.

Nach vier Radtouren bis Mitte Januar kam mein neues Spielzeug, das Kickrbike von Wahoo. Ich tourte ein wenig mit kinomaps, wo man per Videoaufzeichnung echte Touren nachfahren kann, bevor ich bald bei Zwift heimisch wurde. Da meine Schüler im Homeschooling waren, blieb etwas mehr Zeit für Sport. Das rächte sich auch ziemlich bald, da ich ja gelegentlich dazu neige etwas zu übertreiben. Und so hatte ich mich mit Wanderungen, Indoor-Radtouren und Yoga irgendwann mal wieder etwas überlastet. Ab Februar ging ich das Thema Sport wieder etwas ruhiger an und schaffte es so, meine Wattwerte zu verbessern. Cool waren die wenigen Meter mit André Greipel, der eines Tages an mir vorbeistrampelte. Ich bezweifle jedoch, dass er mich wahrgenommen hat.

Auch André Greipel kann mal mit nur 2.1 w/kg fahren…

Im Februar legte sich der Winter nochmal richtig ins Zeug, sodass ich ein paar Mal mit Langlaufskiern über die Felder rutschte und exzessiv meine Adduktoren trainierte. Da ich sonst nur Loipe gewohnt bin (in der ich mich auch eher schlecht als recht schlage), ist das Fahren in Treckerspuren und quer durch die Botanik ein ziemliches Abenteuer für mich.

Der März bestand aus einigen Meetups bei Zwift und dem Auffrischen der Freundschaft zu meiner Schulfreundin Anna, mit der ich zunächst auch nur bei Zwift fuhr. Auch meinen ersten Indoor-Hunderter bin ich im März gefahren. Da flach ja langweilig ist auch gleich mit 1200 hm (zweimal den Epic KOM hoch). Danach ging es mir nicht so richtig gut, da meine Getränkemenge etwas knapp bemessen gewesen war. Ende des Monats wurde das Wetter etwas besser, sodass ich mich gelegentlich auch mit dem Rad vor die Tür wagte. Ich konnte gleich feststellen, dass das Fahren nach Trainingsplan zu Erfolgen führte.

Anfang April hatte ich meinen FTP auf 180 W gearbeitet und konnte auch draußen nun vermehrt Krönchen bei Strava einfahren. Ab April beendete ich das Zwift-Abo und war wieder nur noch Outdoor unterwegs. Zu Ostern fuhr ich mit Kai eine längere Tour (knapp 110 km) Richtung Seesen und Bad Gandersheim auf zum großen Teil neuen Wegen. Eine schöne Abwechslung zu den doch ansonsten etwas ausgefahrenen Standard-Trainingswegen.

Bad Gandersheimer Dom

Das Frühjahr war windig und trug definitiv der Charakterformung bei, da der Wind meist von vorne kam. Im Mai wagten wir uns trotzdem auf eine längere Tour (150 km) zum Hohen Hagen, zwischen Göttingen und Hann. Münden. Der vielbesagte Berg war nach einigen Kilometern in den Beinen zwar anstrengend, aber bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet. Auch bei dieser Tour genossen wir wiederum einige neue Streckenabschnitte, durch die das Fahren wieder sehr an Reiz gewinnt. Eine sehr schöne Graveltour führte uns in den Harz. Allerdings fast ohne fiese Anstiege, sondern relativ flach über geschotterte Radwege auf ehemaligen Bahntrassen. Auf diese Weise kommt man überraschend entspannt nach Braunlage. Die Tour war klasse, wenngleich ich gleich zweimal… stürzte…. na ja, umkippte. Die falschen bzw. andere Cleats können ziemlich gemein sein….

Am Hohen Hagen

Das Wetter im Mai war unbeständig. Mal schaffte man es zwischen Hagel, Regen und Gewitter aufs Rad, mal war man gerade unterwegs, wenn es losging. Immerhin zeigte sich an den letzten Tagen des Monats noch einmal die Sonne, sodass eine lange, fordernde Tour nach Nordhausen (126 km) mit vielen Gravelanteilen und Pisten mit bis zu 8% möglich war. Auch diese Tour war klasse, da extrem abwechslungsreich bezüglich des Untergrunds und der Umgebung.

Schotterig nach Nordhausen

Der Juni ging regnerisch und kühl los, bevor er schlagartig für einige Tage extrem heiß wurde. Die Zeit nutzte ich für einige Runden im Jues, was – nach langer Schwimmabstinenz – wieder sehr gut tat. Ab Juli wurden die Touren endlich etwas spannender. Ein Jahreshighlight war auf jeden Fall meine erste Fahrt auf den Brocken. 133,33 km mit 1.641 hm. Mit einer netten Gruppe Göttinger Radler ging es auf den höchsten Berg des Harzes, vor dem ich einen ziemlichen Respekt hatte und immer noch habe. Die Tour hatte es auch wirklich in sich, bis kurz vor dem Ende lief es aber recht gut. Nur die letzten Meter auf der Brockenstraße überforderten mich etwas. So oder so bin ich aber – wenngleich ich auch ein bisschen schieben musste und meine Lunge lauter pfiff als die Brockenbahn – oben angekommen. Und was soll ich sagen? Auch ein halbes Jahr danach bin ich noch stolz wie Oskar, dass ich das geschafft habe.

Am Brockenstein

Wenige Tage später war ich mit Freundinnen unterwegs und genoss die Girls-Rides in der Umgebung sehr, da ich ja sonst eher das Radeln mit Männern gewohnt bin. Eine der Damen war meine bereits erwähnte Schulfreundin Anna. Im August fand ein Gegenbesuch in Frankfurt statt und wir machten den Vulkanradweg unsicher. 170 km Mädelspower – definitiv ein weiteres Rad-Highlight diesen Jahres, während dem Anna sich und mich sicherlich ein paar Mal verflucht hat, da sie noch nicht ganz so viele Rad-Kilometer in den Beinen hatte und sie die Distanz etwas unterschätzt hatte. Das Fazit ist aber, dass wir auch diese langen Touren stemmen können.

Mit Anna auf dem Weg zum Vulkanradweg

Nicht ganz so lang war die erste Etappe unseres einzigen Overnighters dieses Jahr. Nach 140 km, unter anderem über den mit zahlreichen Tunneln bestückten Kanonenbahnradweg, war ich allerdings schon ganz schön platt und eine schlaflose Nacht in einer Schutzhütte im Wald und Dauerregen am nächsten Tag führten dazu, dass wir die Tour auf mein Bitten bereits nach 50 km abbrachen. Ob das ein Schwächeeingeständnis ist? Nein, ich denke nicht. Ich habe dieses Jahr in der Tat drei Touren abgebrochen und bereue es bei keiner davon. Manchmal möchte der Körper einfach nicht so mitspielen und ich fahre Rad, weil es mir Spaß macht. Natürlich habe ich auch eine Menge Ehrgeiz, aber das Abbrechen einer Tour ist für mich kein Tabu.

Nach der Tour ging es weiter nach Hamburg und Kühlungsborn, wo wir auch abwechslungsreiche und spannende Touren fuhren. Leider meinte es das Wetter – vor allem an der Ostsee – wieder nicht so richtig gut mit uns.

Im Hamburger Elbtunnel
Am Leuchtturm in Warnemünde

Bereits im September entstaubte ich mein Kickrbike. Ich war gefragt worden, ob ich eine Rennserie bei Zwift mitfahren möchte. Zunächst war ich sehr motiviert, musste aber feststellen, dass Team-Rennen (Zwift Racing League – WTRL) keine Freude machen, wenn man in der falschen Leistungsklasse fährt und man immer nur hinterher fährt. Das wurde mir zwar nicht vorgeworfen – ganz im Gegenteil, mein Team hat sich sehr bemüht, mich zu motivieren – aber ich habe die letzten Rennen gerne den starken Mädels überlassen, sodass sie eine Chance auf eine bessere Platzierung hatten. Stattdessen bin ich lieber mit meiner neuen Rennradbereifung draußen herumgedüst und durfte feststellen, dass eine schmalere Bereifung mich etwa 2 km/h schneller macht.

Das kam mir sicherlich auch im Oktober zugute, als ich mit einer Männertruppe zum Kyffhäuser gefahren bin. Knappe 150 km war die Gesamtstrecke lang und hatte zum Glück nur etwas über 1000 hm. Bis kurz vor dem Kyffhäuser ging es gaaanz seicht bergab, sodass der Hinweg gar keine Probleme bereitete. Zurück kämpfte einer der Herren mit sich und der Gesamtsituation, was es für mich auch schwierig machte, da wir sehr rücksichtsvoll fahren mussten. Entsprechend des Hinwegs ging es auf dem Rückweg stetig gaaanz leicht bergauf. Immerhin durfte ich als Pacemaker ran und die Herrenrunde anführen. Das war auch mal eine ganz spannende Erfahrung.

Am Kyffhäuserdenkmal

Nach privaten Veränderungen im September flog ich im Oktober nach Mallorca. Ein richtig toller Urlaub mit viel Sonne, kühlem Wind und Bewegung an Land und im Wasser. Das war meine erste Auslandsraderfahrung und sie hat mich ziemlich begeistert (gerade habe ich nach einem Synonym für „geflashed“ gesucht und vorgeschlagen wurde unter anderem „enthusiasmieren“. Das muss ich unbedingt einmal irgendwann benutzen…). Das Fahren mit dem Mietrad hat gut geklappt und durch akribische Vorplanung mit komoot waren auch meine Touren klasse. Noch schöner wäre es sicherlich in Begleitung gewesen, da es auch auf der Baleareninsel ganz schön windig war.

Am Cap Formentor

Jetzt neigt sich das Jahr dem Ende zu. Insgesamt waren es sehr aktive Monate mit 7.500 Rad-und 22,5 Schwimmkilometern (hätten die Schwimmbäder nicht so lange zu gehabt, wäre es vermutlich mehr gewesen). Damit bin ich mehr als zufrieden. Nur zu Erinnerung, letztes Jahr waren es gerade einmal 4.500 km auf dem Rad. Ich schaue nun neugierig auf das nächste Jahr. Da werde ich – so sie denn stattfindet – bei der Cyclassics in Hamburg dabei sein. Außerdem möchte ich weitere Gegenden mit dem Rad erkunden. Wenn es gut läuft, rolle ich auch mal ein paar Kilometer durch die Toscana, aber das wird final wohl dieses nervige Virus entscheiden. Außerdem möchte ich unbedingt die 200 km knacken und vielleicht spontan noch an der ein oder anderen Veranstaltung teilnehmen. Das sind die Pläne für nächstes Jahr. Mal sehen, was sich davon umsetzen lässt.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und einen schönen Start ins neue Jahr. Bleibt gesund!

Radeln im Norden

Wieder einmal hat es uns einige Tage Richtung Norden verschlagen. Eigentlich war die Teilnahme an der Cyclassics geplant und das Hostel gebucht. Bekanntlich konnte das Radrennen leider nicht stattfinden. Trotzdem haben wir an den Reiseplänen festgehalten und reisten am Samstag an. der Check-In sollte ab 14 Uhr möglich sein, das Zimmer war aber natürlich noch nicht fertig. Gegen 15 Uhr waren wir mit Taschen und Rädern schließlich im Zimmer. Ganz schön eng, aber zu zweit ging es. Schnell umgezogen und runter ging es mit den Rädern. Ich hatte mir bei komoot eine schöne Runde gebastelt, aber blöderweise vergessen sie auf den Rox zu laden. Das war wirklich sehr ärgerlich. Trotzdem wurschtelten wir uns am Bahnhof vorbei, über die Mönkenbergstraße Richtung Landungsbrücken.

Schon dort waren wir gestresst von Scherben, und radelnden Touristenmassen. An den Landungsbrücken vorbei ging es zum Alten Elbtunnel, der natürlich durchfahren werden musste. Auch hier war viel los, sodass es schwierig war Fotos zu machen. Auf der anderen Seite des Tunnels genossen wir den Ausblick über die Hamburger Highlights und fuhren durch den Hafenbereich über richtig schlechte Straßen. Besser wurde es ab der Veddelkanalbrücke am Spreehafen. Hier durften wir feststellen, dass man in Hamburg tatsächlich einiges an Höhenmetern zurücklegen kann, wenn man nur über genug Brücken fährt.

Am Klütjenfelder Hauptdeich fuhren wir durch Veddel (was für ein kulturell bunter Stadtteil!) und über die Neue Elbbrücke zurück zu unserem Hostel am Bahnhof. Unser Fazit: Radfahren in Städten ist nicht so unser Ding. Auf dem Land fährt es sich deutlich entspannter und auch die Ampelarmut im Harzvorland finde ich ganz sympathisch. Man kommt einfach deutlich zügiger voran. Rein Fotografisch gibt Hamburg natürlich deutlich mehr her als unsere Heimat, was wir auf unserem 12 km-Spaziergang am Nachmittag und Abend genutzt haben. Denn insgesamt ist Hamburg eine wahnsinnig schöne und spannende Stadt, nur eben nicht unbedingt auf dem Rad. Vor allem die Speicherstadt liebe ich ja sowohl tagsüber als auch nachts und auch der Rundgang auf der Elphi war auch wieder großartig. Unterbrochen wurde der Spaziergang von einem Essen mit einer meiner besten Schulfreundinnen, die seit etlichen Jahren in Hamburg wohnt und deutlich häufiger besucht werden muss! Gegen 1 Uhr fielen wir müde ins Bett und machten uns am nächsten Tag auf den Weg an die Ostsee.

In unserem Urlaub in Kühlungsborn fuhren wir drei Touren. Eine relativ kurze (knappe 35km) zum etwa 100 Jahre alten Leuchturm Bastorf. Dieser ist ja der am höchsten gelegene Leuchtturm, aber zeitgleich auch einer der kleinsten in Deutschland. Die Feuerhöhe liegt bei 95,3m. Über Kopfsteinpflaster und Panzerplattenwege ging es im Hinterland über die Kühlung (der Höhenzug bei Kühlungsborn) zurück nach Hause. Da die Luft mit 20°C noch halbwegs warm war wagten wir uns auch ins Meer. Dieses hatte zwar nur 17°C aber tolle Wellen, in denen man zwar nicht schwimmen, aber prima Plantschen konnte. Nach 10 Minuten war es aber auch genug.

Am nächsten Tag wollten wir eine Tour nachfahren, die wir bereits vor zweieinhalb Jahren gefahren sind. Es war damals meine 6. Tour insgesamt und bis dahin längste. Es ging von Kühlungsborn an der Küste Richtung Westen zur Insel Poel. Die Rundfahrt über die Insel war damals nicht möglich, da für mich die 90km schon etwas über dem Limit waren. Dieses Mal wollten wir die Insel aber auch noch umrunden. Das Wetter war uns hold, und wir fuhren bei Sonne und wenig Wind los. Navigation war nicht wirklich nötig, da wir die Strecke schon halbwegs kannten. Nur an einer Stelle, an der wir uns schon damals unsicher waren, wussten wir wieder nicht weiter. Aber dafür hat man ja die Fahrradnavigation, die uns in Blengow über einen netten Singletrail auf den Ostseeradweg führte. Dieser ist sowieso top ausgeschildert, sodass bis Poel jetzt keine Irritationen mehr aufkamen. Auf der Halbinsel frischte der Wind merklich auf und bis zum nördlichen Zipfel stellte sich uns ein ganz schöner Wind in den Weg. Ab Gollwitz ging es wieder gen Westen und schließlich Süden, sodass uns der Wind eher half als störte. Jedoch musste man hier auf den teilweise sandigen Wegen ganz schön aufpassen. Am Hafen in Timmendorfer Strand gönnten wir uns ein Päuschen und verleibten uns unsere Brötchen ein, bevor wir über Gravelpassagen nach Hinterwangern und Wangern und nach Kirchdorf radelten um schließlich der Insel den Rücken zu kehren. Auf dem Rückweg nahmen wir den Ostseeradweg bis Rerik um die Route etwas zu variieren. Der Wind war nun wirklich fies und kam bis dahin immer von vorn, da wir nach Norden fuhren und ihm somit direkt in die Arme. Nach 107km und einem gemütlichen Schnitt von 22,8km/h kamen wir schließlich an. Ich war bei weitem nicht so erschöpft wie im Jahr 2018. Ein schönes Gefühl :).

Nach einem völlig verregneten Pausen-Tag, den wir teilweise in Rostock verbrachten, machten wir uns wieder auf den Weg. Dieses Mal aber Richtung Westen. Die Route hatte ich von einer Wander- und Radkarte in den Rox gebastelt und dachte sie wäre ganz nett. Zunächst fuhren wir nach Bad Doberan. Dort hatte ich eine Schleife durch den Stadtwald eingebaut, von der ich dachte, es wäre ein Radweg. Es war jedoch ein spannender Wanderweg mit vielen verwurzelten Singletrails (aufgrund der leichten Regenschauer immer wieder natürlich auch nass und matschig). Für Leute die Spaß an Bike-Parks haben prima, für mich teilweise nicht so. Immerhin war Kai glücklich und tobte sich ein wenig aus, während ich an einigen Passagen absteigen musste. Nach diesem Irrtum fing mein Rox an zu meckern. Ich hatte vergessen ihn zu laden. Verdammt. Und wir hatten noch so viele Kilometer vor uns… Dann war auch noch der geplante Weg gesperrt und wir mussten einige Kilometer wieder zurück und uns eine Alternative suchen. Ab dann wurde es spannend, da ich die Navigation stoppte und den Bildschirm ausmachte um Akku zu sparen. Etwas im Blindflug, aber glücklicherweise relativ direkt fanden wir nach Rostock, wo wir uns noch einmal etwas verfransten. Irgendwann landeten wir aber in bekannten Gefilden und folgten dem super ausgebauten Radweg entlang der Stadtautobahn (nicht schön aber schnell) nach Warnemünde. Nach der obligatorischen Brötchenpause, bei der mir vor Kälte die Hände kribbelten ging es über den Ostseeradweg zurück nach Kühlungsborn. Auch hier wieder durch den altbekannten Gespensterwald bei Nienhagen und durch Heiligendamm, wo eine Villa nach der anderen renoviert bzw. restauriert wird. Entlang des Meeres gibt es hier immer etwas zu sehen. Und was soll ich sagen? Der Rox hat (trotz einem Sicherungszwischenspeichern in Warnemünde) doch noch durchgehalten. Fast drei Stunden nach dem ersten Akku-Meckern lies sich die Aktivität noch klaglos speichern. Das waren wieder schöne 75 km.

Das war er auch schon, unser Sommerurlaub. Wenig Sommergefühle, bei eher herbstlichen Temperaturen, aber zumindest viel frischer Luft auch bei zahlreichen Spaziergängen und noch einem weiteren „Badetag“ (5 min. bei 17° Luft und Wasser…).

Overnighter im August

Der Sommer dieses Jahr lässt ja irgendwie zu wünschen übrig. Trotzdem war der Wunsch da, eine Bikepacking-Tour zu starten. Da Urlaub und Schönwetterfenster die Terminwahl stark eingrenzten lief es auf einen Overnighter, also eine Tour mit einer Übernachtung hinaus. Ich überlegte mir eine Tour über das Eichsfeld zum Kanonenbahnradweg, dann über den Wartburg-Herkulesradweg zum Herkules in Kassel und über Göttingen zurück. 244 km mit 2.690 Höhenmetern hätten es werden sollen. Doch wie sagte John Lennon schon so schön „Life is what happens to us while we are making other plans“. Es sollte also etwas anders kommen.

Die Wetterapps schlugen uns völlig unterschiedliche Wetterideen für die zwei Tage vor und ich wählte optimistisch die schönsten Aussichten aus. Morgens etwas Niesel, ab dann komplett trocken. Das klang doch gut. Der Niesel am Morgen war schon recht kräftig, wir warteten den Schauer ab und starteten entsprechend recht spät gegen 9.45 Uhr. Es ging östlich an Duderstadt vorbei über die Wehnder Warte nach Worbis. Schon hier war es ordentlich wellig und ich musste mal wieder erschrocken feststellen, was ein paar Kilo Gepäck am Rad so ausmachen.

Wir streiften Leinefelde und stießen bei Dingelstädt auf den Kanonenbahn-Radweg. Die Kanonenbahn war in den 1870er Jahren eine wichtige Militärverbindung zwischen Berlin und Frankreich. Auf 33 km ist er nun ein sehenswerter Radweg, der vor allem für seine Tunnel und das schöne Viadukt in Lengenfeld bekannt ist. Über dieses darf man jedoch nur mit der Draisine, nicht mit dem Rad fahren. Wie für ehemalige Bahnlinien typisch hielten sich auf der gesamten Strecke die Höhenmeter in Grenzen, es ging sogar überwiegend bergab.

Leider pustete uns dafür ein kräftiger Gegenwind ins Gesicht, der sich noch bis zum Abend sehr „entgegenkommend“ zeigte… Der Küllstedter Tunnel beeindruckte uns besonders. Über 1530m ging es durch die kalte Dunkelheit und dem Wind entgegen, der sich in den Tunneln besonders schön kanalisieren konnte. Trotzdem eine absolute Empfehlung, sich diese Tour einmal vorzunehmen. Bitte unbedingt mit Licht. Es gibt eine bewegungsgesteuerte Notbeleuchtung, genug Sicherheit bietet sie aber bei unbeleuchtetem Gegenverkehr nicht.

Entlang des Flüsschens Frieda wurschtelten wir uns durch nach Eschwege. Da wir – aufgrund einer Brückensperrung – überwiegend den Schildern folgten nahmen wir einen Umweg nah Eschwege in Kauf, wo wir uns allerdings auch ein paar Mal etwas verfranzten. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen rollten wir durch die Innenstadt, kreuzten die Werra und fanden uns in Reichensachsen wie gewünscht auf dem Wartburg-Herkulesradweg wieder.

Dieser verbindet auf 110 km Eisenach mit Kassel und lässt sich sehr schön fahren, da er bis auf wenige Meter schön asphaltiert ist. Die ganz großen Sehenswürdigkeiten gab es auf unserem Streckenabschnitt jedoch nicht. Es ging durch einige hübsche Orte, viel jedoch auch entlang von Bundesstraßen. In Hessisch Lichtenau suchten wir noch einmal einen Supermarkt auf und Kai sorgte für die Abendverpflegung. In der Zeit schaute ich in der App Camp Wild nach einer Hütte in der Nähe. Diese war auch gar nicht weit weg und bedeutete lediglich einen Umweg von vier Kilometern (mit dem Rückweg auf die Tour entsprechend acht). Das Höhenprofil hatte ich mir natürlich nicht angehschaut. Tatsächlich ging es die ganze Zeit nämlich knackig bergauf. Nach 130 km und dem Gepäck kam ich dort geringfügig an meine Grenzen. Im Wald angekommen fanden wir aber eine geräumige Hütte unter einer riesigen Buche, Sitzgruppe und Mülleimer vor. Also alles, was man braucht. Mit Rettungsdecke als Unterlage, unseren Isomatten von Thermarest und den Schlafsäcken machten wir es uns gemütlich. Da ich ja einen schönen Schlafsack von Grüezibag gewonnen hatte war ich ganz heiß darauf, diesen auszuprobieren. Er hat ein Moskitonetz, was mit einem Reißverschluss an die Kopf-Öffnung gezippt werden. Für diesen Einsatzzweck klasse, da wir ja ohne Zelt unterwegs waren.

Leider kam ich trotz des coolen Schlafsacks nicht in den Schlaf. Ich bin ja eine ziemliche Frostbeule, aber tatsächlich war mir der Schlafsack bei einer geschätzten Temperatur von 14/15°C einfach viel zu warm. In meiner Verzweiflung habe ich ein Kleidungsstück nach dem anderen auszogen, aber es war immer noch viel zu warm. Bis drei Uhr lag ich immer noch wach, krabbelte immer wieder raus um die Blase zu leeren oder einfach etwas herunter zu kühlen. Nachdem ich einige Stunden keine Mücken mehr gehört hatte beschloss ich, den Schlafsack doch nur als Decke zu nutzen und konnte so wenigstens bis kurz vor 6 Uhr etwas schlafen. Mückenstiche gab es wirklich keine, nur eine Zecke hatte sich an meinen Arm verirrt.

Völlig übermüdet (also eher ich als Kai) packten wir am nächsten Morgen die Sachen zusammen und frühstückten. Inzwischen hatte feiner Nieselregen eingesetzt. Erfreulich war die vier Kilometer lange Abfahrt, die wir uns gestern Abend hochgekämpft hatten. In diese Richtung war sie gar nicht so schlimm. Wir waren in Regenjacken gestartet und mussten diese auch nicht mehr ausziehen, da der Regen immer stärker wurde. Außerdem taten mir vom Vortag die Beine gewaltig weh und durch die Müdigkeit war mir zu allem Überfluss auch noch übel. Bis Kassel kamen wir ganz gut voran, da wir heute zumindest keinen Gegenwind hatten und es ausnahmsweise lange tendenziell bergab ging. Die Orientierung in Kassel war leider nicht so toll. Bisher hatten wir versucht nur nach Schildern zu fahren, aber den Wartburg-Herkulesradweg hatten wir plötzlich irgendwie verloren. Da der Regen stärker und die Sicht mies war entschieden wir uns dazu, den Besuch beim Herkules zu verschieben. Wir bahnten uns den Weg nach Hann. Münden, der uns über viele Höhenmeter und Landstraßen oder auch Feldwege mit teilweise weichem Untergrund führte. Bei letzteren hatte ich zwischenzeitlich das Gefühl überhaupt nicht von der Stelle zu kommen. Bei strömendem Regen rollten wir die Abfahrt nach Hann. Münden hinunter. Nach der Abfahrt waren die Beine eine Weile entlastet, aber ich wusste, dass Richtung Göttingen noch einiges an Höhenmetern auf uns zukommen würde. Daher bat ich Kai, die Tour an dieser Stelle abzubrechen. Nass bis auf die Knochen und mit schmerzenden Beinen wollte ich mich nicht weiterquälen. Schließlich soll das Ganze ja auch Spaß machen. Den hatte ich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr. Als wir am Bahnhof ankamen ließ der Regen zwar nach, aber wir waren trotzdem froh uns dort umzuziehen und in trockener Kleidung mit der Bahn nach Herzberg zu fahren.

Den nächsten Overnighter starten wir auf jeden Fall bei stabilerem Wetter, mit einer harmloseren Strecke und dem dünneren Schlafsack (zumindest wenn die Nächte doch noch verhältnismäßig warm sind). Nach dieser Tour habe ich übrigens die 5000 Jahreskilometer voll. 😊

Vulkanradweg

Schulfreunde verliert man häufig irgendwann aus dem Blick. Auch bei Anna war das so. Nach dem Abi vor *hust* 14 Jahren haben wir uns vor einigen Jahren noch einmal zu Essen gehen verabredet und dann war lange Funkstille, da es sich irgendwie nicht ergeben hat. Im Winter war ich fleißig am Zwiften als sie plötzlich zu mir Kontakt aufnahm. Tatsächlich hatte auch sie mit dem Radfahren angefangen und sich ein Gravel gekauft (mittlerweile hat sie sogar auch schon ein schickes Rennrad). Beim Fachsimpeln über Zwift und Räder stellten wir fest, dass wir uns immer noch ziemlich gut verstehen. Und fuhren auch einige Male digital gemeinsam bei Zwift. Nun wohnt sie nicht mehr hier in der Gegend sondern in Frankfurt, was häufige Treffen eher ausschließt. Trotzdem sind wir vor ein paar Wochen bereits eine kleine Runde gefahren, als sie hier auf Heimatbesuch war. Bereits da hatten wir viel Spaß und ich versprach ihr einen Gegenbesuch. Schon platzte sie mit ihrem Plan heraus. Bei komoot habe sie eine Runde gefunden mit schlanken 160 km und 1400 hm. Ich war etwas ungläubig, aber sie hatte sich das in den Kopf gesetzt und ich kann einfach so schlecht „nein“ sagen. Außerdem lockte mich die Tour natürlich auch ungemein. Es sollte über den Vulkanradweg gehen und laut Höhenprofil etwa 80 km leicht bergauf und 80 km tendenziell eher bergab gehen. Das sollte mental auf der zweiten Hälfte ganz gut machbar sein – dachten wir. Aber häufig kommt ja alles anders als man denkt.

Das Wochenende rückte heran und ich reiste am Samstag bei meiner Cousine Regina und ihrer Familie an und durfte dort einen schönen Tag in Babenhausen verbringen. Mit Hundespaziergängen, Bummel durch Babenhausen, Leckereien vom Grill und einem gemütlichen Abend mit Gin Fizz, für den die Nachbarschaft noch Zuckersirup und Zitronen lieferte.

Die Nacht war viel zu kurz, aber ansonsten fühlte ich mich gut als ich mit dem Auto nach Frankfurt fuhr. Dort holte ich Anna ab und wir bahnten uns zunächst den Weg mit den Rädern aus Frankfurt raus. Aufgrund der angekündigten Böen hatte sie sich zum Glück für das schwerer aber stabilere Gravel entschieden. Die Sonne stand tief, es ging bergauf und schon hatte ich die erste rote Ampel übersehen und -fahren. Zum Glück nur eine Baustellenampel. Ohne weitere Verkehrsdelikte ging es einige Kilometer auf die Hohe Straße. Diese 38 km lange Regionalparkroute verläuft (wie ich jetzt im Nachhinein weiß…) zwischen Büdingen und Frankfurt, und war Teil des europaweiten Handelswegenetzes.

Auf der Hohen Straße blieben wir nicht lange sondern bogen ab Richtung Altenstadt, wo wir auf den Vulkanradweg auffuhren. Dieser fein asphaltierte Radweg führt von dort bis zum 94 km entfernten Schlitz. Ganz weit wollten wir jedoch nicht. Überall sahen wir riesige Gruppen von Störchen. Auch wenn sie schon lange nicht mehr selten sind war die schiere Masse beeindruckend. Über schnuckelige Orte ging es sanft ansteigend zunächst bis Gedern. Am dortigen Schloss machten wir eine kleine Pause um einige Orte weiter (kurz vor Grebenhain) den Vulkanradweg zu verlassen.

Bis zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung gut. Wir hatten fast die Hälfte geschafft und bald würde es ja bergab gehen. Davon war zu diesem Zeitpunkt leider noch nichts zu spüren. Dafür wurde aber der Wind zum Problem. Die angekündigten Böen waren unsere Dauerbegleiter und kamen meist von vorn oder auch gerne mal überraschend von der Seite. Dies machte Anna zu schaffen, da sie auf Landstraßen (auf denen die Leute übrigens noch schlimmer fahren als im Harz…) noch etwas unsicher ist. Die Kombination aus Wind, dauernden Anstiegen, Landstraßen mit doofen Autofahrern, Selbstzweifel und einem schmerzenden Hintern ließen die Laune rapide sinken, was ich ihr aber keineswegs übel nahm. Ich hatte oft genug selbst ähnliche Gefühle. Leider fehlte mir die Kraft mich auf ihr Tempo einzulassen und so fuhr ich gerade in den Anstiegen meist vor und wartete oben. Für die Motivation der Mitfahrerin totaler Bockmist, aber bei einer solchen Strecke für mich nicht anders machbar. Irgendwie kämpften wir uns bis nach Büdigen, welches eine wunderschöne mittelalterliche Altstadt (die europaweit zu den am besten erhaltenen zählt) und viel Kopfsteinpflaster hat. Dort spendierte Anna ein Eis und eigentlich sollte sich die Stimmung verbessern – es waren nur noch 40km bis zum Ziel.

Dann zog sich aber der Himmel zu und es begann zu gewittern und zu regnen. Was nun? Abwarten? Abbrechen? Weiterfahren? Nachdem das Gewitter nicht wirklich beeindruckend war, entschlossen wir uns, zunächst ein paar Orte weiter zu fahren. Schon nach dem nächsten holte uns der Regen richtig ein. Nass bis auf die Schuhe das Polster ging es weiter. Im Nachhinein ist es total ärgerlich, dass wir nicht gehschaut haben, wo die Hohe Straße beginnt. Denn schon ab Büdingen hätten wir darauf – ungestört von Autofahrern – unseren Weg bis Frankfurt fortsetzen können. Wir folgten jedoch der von komoot vorgeschlagenen Route und trafen erst in Ostheim auf die Hohe Straße. Noch immer warteten wir jedoch erfolglos auf die deutlichen negativ-Höhenmeter… Nun wurde Anna zwar nicht gerade euphorisch, aber man merkte, dass sie innerlich etwas aufatmete. die Erschöpfung war allerdings schon recht massiv und letztlich wollten wir nur noch ankommen. Mit einem Blick über die Skyline und die letzten Kilometer durch die Stadt endete unsere Tour in Frankfurt.

Ich verabschiedete Anna schnell, da sie ein Date mit ihrer Badewanne hatte und machte mich auf den Weg zurück nach Babenhausen.

Regina zauberte noch ein leckeres Essen, die Müdigkeit übermannte (oder heißt es jetzt überfraute?) mich jedoch recht bald.

Am nächsten Tag bin ich ganz glücklich, dass ich mir ausnahmsweise mal keinen Wolf gefahren habe. In der letzten Woche hatte ich noch ein bisschen mit der Satteleinstellung experimentiert und war scheinbar endlich erfolgreich. Heute Nacht habe ich tatsächlich durchgeschlafen und fast zwei Stunden länger als für mich üblich. Nach dem langen Schlaf fühle ich mich auch richtig gut. Ja, die Oberschenkel spüre ich, aber das darf ja auch sein :).

Auf Anna bin ich unglaublich stolz. Auch, wenn sie die letzten 80 km leider nicht mehr ganz so viel Freude hatte und sobald nicht noch einmal eine solche Rund fahren möchte hat sie sich tapfer durchgebissen und allen Zweiflern zum Trotz gezeigt was sie kann. Gerade bei den widrigen Verhältnissen hätten sicherlich viele die Tour abgebrochen.