Harz, Cycle Tour und Trittfrequenzoptimierung

Lange habe ich nichts geschrieben. Vermutlich, da im Job und Haus viel zu tun war und die spektakulären Radfahrten etwas kurz gekommen sind. Und doch gab es das ein oder andere Highlight. High, also hoch hinaus ging es Anfang des Monats. Die Ortskundigen kennen die Schluft, den wunderschönen Taleinschnitt mit dem Bächlein „Schluft“, der von Sieber Richtung Sonnenberg hinaufführt (bzw. aus Wassersicht umgekehrt). Sie beginnt sehr human, ganz leicht bergauf und wird zum Ende hin immer steiler und steiler. So haben die ersten zwanzig Kilometer zwar im Schnitt nur eine Steigung von 2,5 %, aber spätestens auf dem sogenannten Speckhaken wird es für den nicht so versierten Bergfahrer bösartig. Immerhin: mit ein paar kleinen Pausen und unter lauten Schnaufen (sicherlich zur Belustigung der niederländischen Radsportgruppe, die uns überholt hat) habe ich das irgendwann geschafft lebendig oben anzukommen. Der Weg nach St. Andreasberg war danach nur noch ein Klacks und dann ging es fast nur noch bergab. Die Schluft ist nicht nur eine schöne asphaltierte, aber autofreie Strecke um Höhenmeter zu trainieren, die Landschaft ist auch einfach wundervoll, da sie zum Naturschutzgebiet „Sieber“ gehört und mit den Felsen und dem (noch) vorhandenen Wald zu allen Jahreszeiten reizvoll ist, da das Tal teilweise wie verwunschen wirkt. Sicherlich werde ich sie – wenn ich mich fit genug fühle – hin und wieder in mein Trainingsstrecken-Repertoire aufnehmen.

Nach dem bergigen Erlebnis ging es auch in diesem Jahr wieder nach Braunschweig zu Cycle Tour. Dieses Jahr entfiel das Rennen, was leider dazu führte, dass viele sehr ambitionierte Rennradfahrer sich für die Tour angemeldet haben. Das machte den Charakter etwas zunichte, da im letzten Jahr vom Tandem, Lasten- und Hollandrad alles dabei war und alle viel Spaß hatten. Dieses Jahr ging es – wenn auch nur mit persönlicher Zeitmessung – bei vielen nur um Bestzeiten auf den 100km nach Magdeburg und nicht um das entspannte Fahren der Tour. Natürlich hatte auch ich den Ehrgeiz, nicht allzu langsam zu fahren, aber nicht auf Kosten der anderen. Hier und dort gab es immer wieder Genörgele, dass ja die Straßen nicht abgesperrt seien oder die 20er-Gruppen in denen man startete nicht fähig waren, zu kreiseln. Kai und ich sind die meiste Zeit zu zwei gefahren und haben uns so, dem Ganzen entzogen. Dafür hatten wir auch die meiste Zeit gute Laune, haben die Landschaft wahrgenommen und sind trotz alledem schneller im Ziel gewesen als im letzten Jahr. Der Weg über den Elm war aber zugegebenermaßen im letzten Jahr im Pulk viel viel einfacher… Schön war in diesem Jahr, dass viele Bekannte aus dem Südharz dabei waren. Aufgrund der kleinen verpflichtenden Startblöcke war ein gemeinsames Fahren jedoch nicht möglich. Das hätte sicherlich auch Spaß gemacht, obgleich ich nicht weiß, ob ich mich mit den Herren nicht übernommen hätte. Zumindest für ein gemeinsames Foto im Zielbereich hat es aber gereicht.

Der Spätsommer hält sich ja noch bis ins letzte Septemberdrittel, sodass wir gestern eine kleine Wanderung im Harz gemacht haben (ok, aufgrund meiner Arthrose eher ein Spaziergang). Dabei fiel uns auf, dass die B242 (Harzhochstraße) noch bis Sonntag für Kraftfahrzeuge gesperrt sein sollte. Bis Sonnenberg ist dort die Fahrbahn saniert worden. Im Scherz meinte ich, dass man dort ja dann dringend noch langfahren müsse. Solche „Scherze“ gibt es hier im Haushalt aber nicht. Deshalb hieß es heute Morgen früh aufstehen (um den Motorrädern zu entgehen) und gegen 7.45 Uhr Abfahrt Richtung Osterode. Entlang der Söse und der Talsperre fuhren wir in die Berge. Den alternativen Radweg zur Staumauer fahre ich nie wieder. Außer mir sind zu viele Motorrader und Autos unterwegs. Das hatte ich mal gemacht, als ich alleine unterwegs war, da er ausgeschildert war. Die Straße ist viel einfacher zu fahren, da die Steigung viel sanfter ist. Bis Riefensbeek und Kamschlacken lief es recht gut, aber dann machte mir die Steigung langsam zu schaffen, sodass ich noch in der letzten Kurve vor der Harzhochstraße eine Pause einlegen musste. Kurz darauf machte wir einen kleinen Futterstop um gestärkt auf den neu asphaltierte Straße zu gehen. Doch Pustekuchen. Von der Stärkung merkte ich nicht viel. Der ewig lange Anstieg machte mir so zu schaffen, dass ich alle paar Hundert Meter verschnaufen musste. Ich hatte bei den letzten Touren versucht, meine Trittfrequenz etwas zu erhöhen (was mittlerweile auf kürzeren Strecken ganz gut funktioniert, wenn ich mich konzentriere). Bei dem Anstieg war ich allerdings im leichtesten Gang unterwegs und kam über eine 80er-Trittfrequenz nicht hinaus. Dadurch waren meine Oberschenkel nicht vernünftig mit Sauerstoff versorgt und beklagten sich kräftig. Zudem fingen meine Lungen kräftig an zu pfeifen, was in einer Art Hyperventilation gipfelte. Woher das kommt, kann ich gar nicht so genau sagen.

So oder so war ich aber ziemlich am Ende und würde mich über Tipps freuen, wenn ihr das Problem kennt und wie ihr damit umgeht. Trainieren an sanfteren Anstiegen mit guter Trittfrequenz oder immer wieder so an die Grenzen gehen? Ich bin mir wirklich unsicher.

In der Ebene werde ich auf jeden Fall weiterhin schauen, dass ich die Trittfrequenz dauerhaft auf 90-100 bekomme. Scheinbar muss ich aber auch an den Muckis arbeiten, die mich den Berg hinaufbringen. Für eine Gewichtsreduktion esse ich zu viel 😁.

Der Rest der heutigen Tour war dann entspannter. Über St. Andreasberg fuhren noch eine Schleife über die Odertalsperre und zurück nach Hause, sodass wir auf etwas mehr als 70 km mit etwa 860 Höhenmetern kamen. Das war mein persönlicher hm-Rekord bisher.

Bike-Packing-Premiere

Vor einiger Zeit habe ich bei einem Gewinnspiel mitgemacht. Dort sollte man angeben, für welche Tour man den Sigma Rox 12.0 Sport benutzten wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir den Plan, eine Runde durch Flandern, also Nordbelgien zu fahren und dort unsere ersten Back-Packing-Gehversuche – nein falsch – Fahrversuche zu machen. Mit meinem Plan habe ich das Gerät ja auch gewonnen und soll eigentlich nun über diese Tour berichten. Jedoch scheint gerade weltweit eine komische Krankheit zu kursieren. Gerade jetzt – Anfang August – schnellten in vielen Ländern, darunter auch Belgien, die Fallzahlen nach oben. Eine klare Reisewarnung gab es zwar nicht, das Risiko einer Ansteckung oder anschließenden Quarantäne war uns aber doch zu groß, sodass wir nur einige Tage vor der Reise unseren Plan über den Haufen warfen und stattdessen eine Route durch Niedersachsen legten. Nebenbei sollte auch der niedersächsische Teil meiner Familie besucht werden, also meine Tante und Onkel, sowie meine Schwester und ihr Freund.

Voll bepackt geht es los. Kai mit der Lenkerrolle und Packtaschen von Ortlieb und Satteltasche von Apidura, ich mit der Ortlieb Gravel-Serie.

Schon das Packen war eine wahre Freude. Probepacken – Fehlanzeige. Erst am Abend vorher stellten wir unser Gepäck zusammen und stellten fest, dass gar nicht alles ans Fahrrad passte. Gut, also etwas abgespeckt. Aber wie vielen Klamotten braucht man? Wechselkleidung, Regensachen, Bikini, Mückenspray, Armlinge und viele andere Kleinigkeiten hätten definitiv zu Hause bleiben können. Dies hätte aber auch anders sein können.

Meine Packliste sah folgendermaßen aus:

  • Radhose kurz, 2 Trikots (eins hätte gereicht), 3 Paar Socken (2 davon überflüssig!), Armlinge und Beinlinge, Weste
  • kurze Hose, T-Shirt, Pulli und Badelatschen, Bikini
  • Schuhe, Helm und Mütze, Buff (als Schnutenpulli-Ersatz)
  • Kompaktkamera (Lumix DMC-TZ 101), Actioncam (Osmo Action), Sigma Rox 12.0, Garmin fenix 5s, Handy, Solar-Powerbank, Ladekabel
  • Sonnencreme (wichtig!), Mückenspray, diverse Popocremeproben und -stick (für mich auch wichtig), Zahnbürste und – pasta, Handtuch, Taschentücher und feuchte Einmalwaschlappen
  • Magnesium-Tabletten, Elektrolyte (Tabletten von High5), Maltodextrin 6 (Pulver), Energie-Gels von High5
  • 2 Next Level Meal (Astronautennahrung) und 3 Megabite (Brownie-Riegel), beides von Runtime
  • Hängematte (Amazonas ultra light, mit Moskitonetz) und Schlafsack (Deuter Orbit +5C°)
  • Kai hatte zusätzlich ein Schloss dabei und einen Kocher (MSR WindBurner- Duo Stove, 1,8l)
Was braucht man nur alles????

Schlecht vorbereitet aber frohen Mutes ging es am Dienstag endlich los. Gegen 8.30 Uhr saßen wir auf dem Rad und fuhren Richtung Göttingen. Zu meiner Tante in Porta Westfalica hätten wir es deutlich kürzer haben können, aber wir wollten so viel wie möglich vom Weserradweg mitnehmen. Im Süden stellte sich zuerst der Roringer Berg in den Weg, an dem wir zum ersten Mal das Gewicht des Gepäcks zu spüren bekamen. Tatsächlich fühlte es sich für mich einige Male so an, als würde sich jemand hinten am Sattel festhalten. Weiter ging es nach Göttingen, wo wir beiden zum ersten Mal in Genuss von Radschnellweg kamen. Zwar hatten wir es nicht eilig, trotzdem machte er die Stadtdurchfahrt sehr angenehm. Über Rosdorf und Dransfeld fuhren wir weiter nach Hann. Münden, der Doktor Eisenbart-Stadt, an der die Weser „entspringt“, bzw. sich aus Werra und Fulda bildet.

Als Kind habe ich den Spruch des Wesersteins von meinem Vater ja anders gelernt: „Wo Fulda sich und Werra küssen, da kannst du in die Weser pis…“. Vom kulturellen Anspruch her vielleicht fragwürdig, aber ich konnte es mir merken. Nach einer Stärkung beim Bäcker und einer kleinen Runde durch die Innenstadt begannen wir die Reise auf dem Weserradweg. Mal auf Schotter, mal asphaltiert aber fast immer schön rollte es sich – hügeliger als erwartet nach Norden. In Hemeln machten wir den nächsten Stop in dem kultigen Biergarten und tranken ein unschlagbar günstiges Weizen (2,50€ mit Blick auf die Weser – perfekt). Trinken war sowieso die Prämisse der Woche, da es jeden Tag heißer werden sollte.

Am Kloster Bursfelde (erbaut 1093) sollte eigentlich das Tagesziel sein. Mönche aus Corvey errichten hier im Auftrag von Graf Heinrich von Northeim das Benediktiner-Kloster, welches zunächst katholisch, später lutherisch geführt wurde. Das Klosterleben endete jedoch im Jahr 1672. Im Jahr 2020 gab es öffentlich zugänglich weder geeignete Bäume für unsere Hängematten noch eine Einkaufsmöglichkeit. Es blieb uns nichts anderes übrig – wir mussten weiter. Nach 106 km (meiner längsten Strecke bisher) und knapp 700 Höhenmetern fanden wir ins Oedelsheim (Oberweser) nicht nur einen Edeka, sondern auch ein relativ ruhiges Plätzchen für die Nacht. Letztere sollte bitterkalt werden. Vorher gab es noch unsere erste Portion unseres Nahrungsshakes. Wir waren ziemlich skeptisch, aber hey, die Dinger sind wirklich lecker und machen erstaunlich satt, auch uns Vielfraße.

Bei 9°C war selbst Kai am Bibbern und ich konnte am Morgen meine Füße trotz Socken nicht mehr spüren. Nachdem wir den Morgennebel abgewartet hatten krabbelten wir am nächsten Morgen aus den Hängematten und bereiteten uns unseren Porridge zu. Erst um 9.30 Uhr saßen wir im Sattel und kreuzten in Gieselwerder die Weser um einige Kilometer linksseitig weiterzufahren. Schon in Bad Karlshafen ging es nach einem zweiten Frühstück wieder zurück ans andere Ufer. Hier pendelten wir ständig zwischen Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Vorbei an Höxter und mit Stop in Holzminden ging es gut. Doch dann kam irgendwann der große Durst und lange keine Möglichkeit, etwas zu Trinken zu bekommen. Nach einer Irrfahrt durch das bergige Reileifzen (es war ein Getränke-Abholmarkt ausgeschildert, aber leider nicht zu finden) gönnten wir uns ein alkoholfreies Radler direkt an der Weser. In Bodenwerder (statt des Lügenbarons Münchhausen) konnten wir unsere Flaschen endlich auffüllen und fanden wenig später eine schöne Schutzhütte. Dort konnte zumindest ich meine Hängematte aufhängen, Kai erklärte sich bereit, auf der Bank zu schlafen. Die Nacht nach etwa 93 km war deutlich wärmer und unser Schlaf entsprechend besser.

Wir wachten früh auf, frühstückten und machte uns entspannt auf zu nächsten Etappe. Wir waren für den frühen Nachmittag bei meiner Tante angemeldet. Bei nur etwas über 60 km gar nicht so einfach. Mit vielen Fotostops, Eis in Hameln und Pizza in Rinteln schafften wir es, die Zeit halbwegs auszureizen. Wenige Kilometer vor dem Ziel schauten wir uns noch kurz von außen die Klosteranlage Möllenbeck an. Dieses wurde bereits 896 als Damenstift gegründet und gilt als eine der größten Klosteranlagen des Weserberglandes. 1441 wurde das Kloster mit Mönchen des Augustinerordens besetzt, die das Kloster bis 1505 neu aufbauten. Heute ist es evangelisch-lutherisch und wird teilweise kirchlich, aber auch als hübsches Hotel und Jugendfreizeitheim genutzt. Die Temperaturen waren aber kaum auszuhalten. 32°C sind schon amtlich und wir genossen es schließlich, von meiner Tante verwöhnt zu werden und die Schattenplätze im Garten zu nutzen.

Gerne wären wir morgens länger geblieben, aber es sollte noch heißer werden (34°C) und wir hatten eine längere Etappe vor uns . Zu meiner Schwester sollten es 102 km sein. Schon zu Beginn waren sich Schilder und der Rox (in diesem Fall die Routenplanung mit komoot) sich nicht einig. Da letzterer uns gerne über die Landstraßen geführt hätte, wir aber den Weserradweg bevorzugt hätten. Dieser hätte jedoch noch einen kräftigen Schlenker nüber Vlotho und Bad Oeyenhausen gemacht, den wir uns sparen wollten. So kamen wir nach einigem Hin und Her auf 114 km. Eines der ersten Highlights war natürlich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal oberhalb der „Porta Westfalica“ („Tor nach Westfalen“). Mit der Porta ist der Weserdurchbruch zwischen dem Wiehen- und Wesergebirge gemeint. Mit dem Denkmal vom Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Einigung des Deutschen Reiches als Folge des Deutsch-Französischen Krieges gefeiert. In Minden kreuzten wir die Weser und den Mittellandkanal und fuhren durch verschiedene Natur- und Vogelschutzgebiete. Nachdem man in unserer Region nur noch die eingeschleppten Nilgänse sieht, war es eine Wohltat mal wieder Grau- und Nonnengänse zu beobachten. Die letzten Kilometer u.a. durch Nienburg wurden hart, vor allem, da die Luft entweder stand oder uns Gegenwind bescherte. 114 km – wieder eine längste Strecke für mich. Das absolute Highlight war der knappe Kilometer feinster Heidesand, der tatsächlich als Radweg markiert war – eine Frechheit… Meine Schwester Corinna und Flo beglückten uns mit Kuchen und als die Temperaturen am Abends nachließen auch mit Gegrilltem. Außerdem füllten wir die körpereigenen Wasserspeicher noch einmal kräftig für die kommende Hitzeschlacht.

Bereits um 8.30 Uhr saßen wir nach einem ausgiebigen Frühstück im Sattel um uns auf die Heimreise zu machen. 36 °C Grad sollten wir heute noch erreichen. Und was macht der intelligente Radfahrer – sicherlich nicht knapp 130 km Rad fahren. Noch dazu auf einer Strecke, die leider total ätzend war. Zunächst war alles gut. Es ging entlang der Aller mal auf Schotter, mal auf Beton oder Asphalt, oft sogar mit Schatten vorwärts. Ab Schwarmstedt allerdings machten wir den Fehler, die kurze Strecke über Hannover zu wählen, anstatt den Leineradweg zu nehmen. Dieser war leider auch nirgends – auch nicht auf unserem Weg durch Hannover – ausgeschildert, sodass wir Kilometer um Kilometer uns an Bundesstraßen vorbeiquälten und in Hannover jede rote Ampel mitnahmen. Hier hatten wir auch die Maximaltemperatur erreicht und ich hatte bei jedem Stop das Gefühl, dass ich vom Rad falle. Kurz vor Hildesheim fanden wir schließlich einen hilfsbereiten Ortskundigen, der uns den Weg zum Leineradweg beschrieb, sodass zumindest die letzten Kilometer des Tages etwas erträglicher wurden. Bei mir war bald die Luft raus, sodass wir nach 127 km die Tagesetappe beendeten (übrigens meine längste Tour bisher…). In Bad Salzdetfurth fanden wir Speis und Trank und eine Schlafstätte an einem Fußballplatz, an der wir halbwegs ungestört waren. Ich war nach dieser Tour ehrlich gesagt physisch wie psychisch etwa neben der Spur und brauchte die Nacht um wieder zu Kräften zu kommen. Die ganzen Kilometer, die Hitze und die Schmerzen vor allem am Gesäß hatten da wohl ihren Tribut gefordert.

Am Sonntag standen wir früh – aber furchtbar müde auf und machte uns schnell nach dem Frühstück auf den Weg, denn es sollte – wie könnt es anders sein – heiß werden. Viertel nach Sieben ging es los auf die letzten Kilometer, die es noch mal in sich hatten Zwar waren es nur knappe 75 km, aber auch noch einmal über 700 Höhenmeter. Das schlauchte, aber zumindest hatte man ein Ziel vor Augen. Auch heute waren sich Rox und Nutzer nicht überall einig. Sicherlich hätten wir einige Höhenmeter sparen können, wenn wir über Bockenem, Rhüden und Seesen gefahren werden, die Route leitete uns jedoch über Lamspringe, Bad Gandersheim, das Harzhorn und Kalefeld. Am Harzhorn fanden vor gerade einmal 1790 Jahren einige Schlachten zwischen den Römern und Germanen statt. Nach diesem Geschichtsausflug machten wir uns auf die letzten Kilometer, die noch einmal einige Anstiege in petto hatten. Nach einem Eis in Osterode (das 7. in dieser Woche glaube ich…) kamen wir erschöpft in Herzberg an.

Alles in allem war es eine tolle Erfahrung. Pack- und satteltechnisch muss sicherlich noch einiges optimiert werden und für die Hängematte muss eine Isomatte her, aber ansonsten war es eine gelungene Bike-Packing-Premiere durch den Norden und ich freue mich schon jetzt auf die Belgien-Tour…

Runde 570 km (Garmin und Rox sind sich nicht ganz einig) und etwa 2300 Höhenmeter in sechs Tagen. Ich glaube, ich kann ganz stolz auf mich sein, vor allem bei den Temperaturen rund um den Garpunkt….

Neuer Rucksack, Reifen und ein Gewinn

Dieser Artikel enthält Werbung, die aber keinen finanziellen Hintergrund hat, sondern nur meine Erfahrungen wiederspiegelt.

Es gibt wieder ein paar Neuigkeiten. In letzter Zeit bin ich gelegentlich mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Da ich als Lehrerin einiges mitzunehmen habe ist ein Rucksack nötig. Bisher war ich immer mit einem klassischen Daypack unterwegs, der nicht nur sehr warm am Rücken, sondern auch nicht so ganz bequem auf Dauer ist. Daher habe ich mich dafür entschieden, mir einen Radrucksack zu gönnen, der vielleicht auch eine gute Ergänzung fürs Bikepacking werden könnte. Kai hat ja den Ortlieb Commuter, der wasserdicht, für mich aber etwas zu groß ist. Kürzlich habe ich in einem Outdoorladen einen Osprey Radrucksack in der Hand gehabt und war begeistert davon, wie durchdacht diese Rucksäcke sind. Schon ein knappes Jahr später habe ich tatsächlich Nägel mit Köpfen gemacht und mir einen Osprey 25 Escapist gegönnt.

In der Größe S/M fasst dieser 23 Liter. Tolle Gimmicks sind die praktische Helmhalterung und die inkludierte Regenhülle. Gut überlegt ist die Platzierung des Schlüsselclips im kleinen Vorderfach. Hier kann der Schlüssel in eine Tasche gesteckt werden und baumelt und klimpert nicht in der Gegend herum. Rückseitig befindet sich ein Fach für eine Trinkblase, die jedoch nicht inklusive ist. Ebenfalls am Rücken findet sich eine große Klettfläche, durch die die Rückenlänge super variabel verstellen lässt. Da ich einen recht langen Rücken habe, habe ich diese fast komplett herausgezogen und der Rucksack passt super. Das Hauptfach ist im unteren Drittel durch einen Reißverschluss abgeteilt. Dadurch kann dieses als Nassfach oder ähnliches genutzt werden und der obere Teil für leichteres Gepäck. Öffnet man den Reißverschluss, hat mein ein passabel großes Hauptfach. Die Hüft- und Schultergurte sind auch mehrfach verstellbar, der Brustgurt (mit Signalpfeifchen) ist in der Höhe und Weite verstellbar, sodass auch Frau sich nichts abschnürt. Am rechten Schultergurt ist eine Tasche angenäht, die prima für ein Handy wäre, aber für meins zu klein ist. Für die Actioncam oder andere Kleinigkeiten ist sie aber prima. Ich transportiere tatsächlich darin derzeit meinen Schlüssel, da ich zum Türöffnen den Rucksack dann nicht absetzen muss.

Auch an den Hüftgurten finden sich Taschen, sodass jede Menge verstaut werden kann. An meinem Sattel habe ich ich eine Werkzeugtasche, die mein Rücklicht oft verdeckt, wenn ich mit der großen Satteltasche unterwegs bin, ist es gar nicht mehr zu sehen. Der Rucksack bietet nicht nur selbst eine Aufhängung für ein Clip-Rücklicht, sogar an der Regenhülle kann ich dieses einhängen. Mein Weg zur Arbeit ist ja nur 18 km lang, daher bin ich gespannt, wie sich der Rucksack auf weiteren Touren schlägt.

Neu sind außerdem meine Reifen. Meine Schwalbe One hatten es hinter sich, da ich vor allem den Hinterreifen durch zu viel Gebremse in einen Slick verwandelt habe. Jetzt bin ich mit dem Terra Speed von Continental unterwegs. Ich fahre ihn mit Schlauch, er ist jedoch tubeless-ready. Die schwarze Flanke des Reifens und der orangefarbene Schriftzug passen super in mein Farbkonzept. Aber das ist wohl eher für mich als Frau wichtig. Fakt ist, dass ich jetzt wieder Profil habe und er sich auch gut fährt. Ob er jetzt besser oder schlechter als der G-One ist, kann ich aber wirklich nicht sagen. Ersterer hat mich immerhin 4.600 km pannenfrei begleitet.

Gewonnen habe ich heute etwas von Sigma Sport. Was genau verrate ich aber erst, wenn es da ist. Allerdings bin ich jetzt auch im Zugzwang, dass wir im August unsere erste Bikepacking-Tour unternehmen…. Denn darüber soll ich als Gegenleistung berichten.

Heute hatten wir eine prima Tour mit meinem Freund und Musikerkollegen Stefan. Eine Runde von 42 km und rund 360 Höhenmetern. Stefan ist zwar ein paar Jährchen älter als wir, nichtsdestoweniger aber ganz schön fit. So fuhren wir in Kais Windschatten ein ganz schön zügiges Tempo von über 28 km/h, was mir bei Strava einige persönliche Rekorde und bei elf Segmenten fünf Plätze unter den Top 10 bei den Damen bescherte. Holla die Waldfee…. Wiederholungsbedarf!! Ich hoffe, dass wir meinen Lieblingssaxophonisten nicht verschreckt haben, dass er sich noch ein paar Mal auf uns einlässt.

Hobby-Verquickung: Music meets sports

Mit dem Rad zum Konzert und zurück.

Ein tolles Pfingstwochenende liegt hinter mir und ganz schön müde bin ich auch. Wie einige von euch wissen, singe ich in einem kleinen Ensemble. Wie allen Künstlern, ging es auch uns in den letzten Monaten so, dass die Konzerte reihenweise ausgefallen sind. Das war sehr schade, vor allem, weil uns vieren das aktuelle Programm „Moritaten“, welches sich mit allerhand blutrünstigen Liedern aber auch harmlosem Schlager/Pop beschäftigt, richtig gut gefällt. Lange geplant war auch ein Aufenthalt im Liederhof Hemeln, einer Pension, die mit ihrem Verein regelmäßig Konzerte veranstaltet. Auch hier sahen wir schon unsere Felle davon schwimmen. Aber dann kam alles anders. Plötzlich durften Hotels wieder mit 60 % belegt werden. Das passte genau, da sowohl unser Bassist Jörg, als auch ich unsere Partner mitbringen wollten. Auch wenn die Möglichkeit eines Konzert erst einmal nicht bestand, entschieden wir uns dafür trotzdem dorthin zu fahren und unter freiem Himmel auf dem Hof eine offene Probe zu veranstalten. Nur wenige Tage bevor es losging, kam aber doch die Zusage für ein Konzert. Hemeln liegt direkt an der Weser in Südniedersachsen und ist mit einer Fähre mit dem hessischen Ort Veckerhagen verbunden. Hessen hat die Corona-Regeln bereits etwas weiter gelockert. Dorthin verlegten wir unser Konzert. Unter strengen Hygieneregeln und mit Voranmeldung der Gäste, konnten wir es im Restaurant Weigands Hotel Peter direkt auf der Weserterasse 70 Leuten ermöglichen, unser Konzert wahrzunehmen.

Doch dazu später. Kai und ich entschieden uns dazu, mit dem Rad nach Hemeln zu fahren. Dorthin gibt es mehrere Möglichkeiten. Zunächst hatte ich eine Route über Göttingen herausgesucht. Diese war mit etwa 70 km die kürzeste aber auch recht hügelig. Daher entschieden wir uns ein bisschen weiter zu fahren, aber dafür zu Beginn etwas flacher. Also fuhren wir bei viel Sonne, aber auch kaltem Wind über Northeim, ein Stück entlang des Leineradweges und dann bald hügelig Richtung Weser. Bewusst fuhren wir relativ entspannt, da ja an dem Tag noch eine Probe anstand und viel schlimmer: am nächsten Tag die Rückfahrt. Bis auf die beiden Anstiege 30, bzw. knapp 10 km vor Ende der Fahrt war die Route relativ flach und ging sogar seicht bergab. Die letzten sechs Kilometer führt eine Serpentinenstraße nach Hemeln ins Wesertal. Runter macht die Spaß….

Angekommen, bezogen wir die Zimmer und machten uns frisch. Jörg und seine Frau trafen fast zeitgleich mit uns ein, allerdings per PKW. Stefan (Saxophon und Klarinette) und Dirk (Klavier) trudelten etwas später ein. Wir erkundeten gleich den urigen Hof. Geplant war ein Kaffeetrinken gegen 14 Uhr. Dazwischen kam allerdings der Schafscherer, der sich telefonisch anmeldete. Das Event der Schafschur wollten wir uns nicht entgehen lassen und waren allesamt erstaunt ob der Arbeitsgeschwindigkeit und gleichzeitigen Ruhe und Versiertheit des Schaffrisörs. Ich hatte ein viel brutaleres Prozedere erwartet. Tatsächlich ergaben sich die Schafe der Prozedur nicht ganz freiwillig, Panik konnte man allerdings überhaupt nicht feststellen. Sauber hatte der Schafscherer die Wolle nach wenigen Minuten in einem Stück abrasiert und auch die Klauen geschnitten. Wusstet ihr, dass sich Schafe nach der Schur gegenseitig nicht erkennen? Tatsächlich scheinen sie sich eher visuell zu orientieren und müssen sich nach der Schur erst einmal wieder aneinander gewöhnen.

Nach diesem Erlebnis gab es dann doch noch den ersehnten Kaffee und anschließend begaben wir uns in den Garten. Die Besitzer des Liederhofs hatten aus Weiden eine Art kleine Kapelle gepflanzt, in dessen „Altarraum“ wir unsere Probe stattfinden ließen. Eine tolle Atmosphäre in sanftem Grün mit Vogelgezwitscher. Wir probten sowohl Stücke unseres aktuellen Programms als auch einige neue. Mit einigen Nachbarn am Zaun und unseren Begleitungen und Gastgebern hatten wir sogar schon ein kleines Publikum.

Nach einem Spaziergang an die Weser gingen wir zum Grillen und dem gemütlichen Teil des Abends über.

Am nächsten Morgen trafen wir uns zum Frühstück. Leider sind Buffets ja noch immer nicht erlaubt, aber unsere Gastgeber hatten für jedes Zimmer einen schönen Teller zusammengestellt, den wir in der Sonne genießen konnten. Anschließend stellten wir das Programm für den Nachmittag zusammen, entspannten noch ein bisschen und machten uns gegen Mittag auf zum Fähranleger.

Die Fähre zwischen Hemeln und Veckerhagen ist eine Gierseilfähre. Das bedeutet, dass sie nur durch die Strömung des Flusses angetrieben wird. Die Position im Fluss und damit über die Fahrtrichtung wird über zwei Drahtseilwinden bestimmt. Seit über 670 Jahren kommen die Menschen hier nach diesem Prinzip über die Weser. Das Fährschiff selbst ist selbstverständlich etwas jünger.

Auf der anderen Seite liegt direkt Weigands Hotel Peter mit der großen Weserterasse – unsere Konzertlocation. Hier wurden wir auf Kosten des Hauses mit Getränken und Kuchen versorgt, nachdem wir unsere Technik und Instrumente aufgebaut hatten. Mit so viel Abstand zueinander und zum Publikum haben wir noch nie gespielt. Das zeigte sich leider auch im Konzert selbst, da der räumliche Abstand auch zu einer gewissen emotionalen Distanz führt, noch dazu, da das Publikum zum Teil mit dem Rücken zu uns saß und nebenbei aß und trank. Trotzdem machte das Konzert Spaß und das Feedback war wieder einmal recht gut. Überhaupt sind wir sehr, sehr dankbar, dass es in der heutigen Zeit überhaupt möglich war zu konzertieren.

Gegen 17 Uhr waren wir mit dem Abbau fertig und Kai und ich aßen noch einen Toast Hawaii, bevor wir mit der Fähre den Rückweg antraten. Nach dem Abschminken und dem finalen Packen machten wir uns gegen 18.15 Uhr auf den Heimweg.

Die Serpentinen, die sich leider auch einen Tag später noch über sechs Kilometer den Berg hinaufschlängelten (ich hatte ja gehofft, dass die Plattentektonik mal zu meinen Gunsten arbeitet) hatten mir schon Tage vorher Kopfzerbrechen bereitet. Tatsächlich schaffte ich den Anstieg aber am Stück und ohne Pause auch wenn mein Puls zwischen 170 und 180 bpm pendelte.

Nach 20 km merkte ich verstärkt die Belastung des Vortags. Und auch so ein Konzert ist nicht unanstregend. Ab der Hälfte der Strecke schoss mein Puls immer wieder über 170 bpm, auch ohne steilere Anstiege und die Oberschenkel wurden hart.

Kurz vor 22 Uhr kamen nach 78 Kilometern und 3:15 h ganz schön müde in Herzberg an. Nach einer Dusche, einem Shake und einem Schokopudding ging es dann auch bald ins Bett.

Ein richtig Wochenende mit netten Gastgebern und einem tollen Ensemble, das ich nicht missen möchte. Besonder schön war natürlich, dass Kai mich begleitet hat. Ohne ihn hätte ich den Rückweg bei dem Gegenwind vermutlich nicht gepackt oder wäre deutlich später angekommen….

„Wer all seine Ziele erreicht hat, hat sie sich als zu niedrig ausgewählt.“ (Herbert von Karajan)

Vor einigen Tagen hatte ich mir vorgenommen hügelig über Umwege Kai von der Arbeit abzuholen. Da Berge immer wieder mein Endgegner sind, die aber bezwungen werden müssen, rollte ich entspannt los. Schon auf dem ersten Kilometer überholte ich freundlich grüßend einen anderen Rennradfahrer und ging davon aus, dass sich unsere Wege gleich trennen würden. Ha haaa, falsch gedacht. Die ganze sanfte Steigung bis nach Sieber hatte ich ihn hinter mir. Immer mit einem gebührendem Abstand von etwa 50m, aber stets hatte ich den sprichwörtlichen Atem im Nacken. Schon auf diesem Teil merkte ich, dass ich für meine Verhältnisse eigentlich viel zu schnell unterwegs war. Zwei Stimmen meldeten sich ständig im Wechsel.

Engelchen auf der rechten Schulter: „Lass ihn doch überholen. Er fährt doch schon viel länger als du.“ Teufelchen links: „Aber du hast ihn gerade überholt! Wie sieht denn das aus, wenn du jetzt schlappmachst?“ Engelchen: „Du weißt schon, dass du schon die ganze Zeit zu schnell unterwegs bist und der eigentliche Berg gleich noch kommt.“ „Das. Ist. Egal. Du. Schaffst. Das…. Irgendwie.“ „Komm, mach eine kurze Pause, lass ihn überholen und alles ist gut. Hast du seine trainierten Oberschenkel gesehen?“

So ging es eine ganze Weile und da war er schon, der von mir gefürchtete Sieberberg. Aufgaben oder anhalten und überholen lassen war keine Option mehr und so bin ich notgedrungen die 2,3 km 6%ige Steigung hochgehechelt. Zum Schluss war mein Kopf so heiß, dass ich dachte mein Helm würde schmelzen. AAABER ich habe es geschafft und habe durchgezogen. Auf der Kuppe wartete ich auf meinen Verfolger, der tatsächlich ein wenig länger brauchte als ich. Bald kam er aber um die Ecke, wir zollten uns gegenseitig unseren Respekt und er fuhr Richtung Silberhütte den Berg wieder hinunter. Ich rollte hinterher und eigentlich hätte es entspannt werden können. Aber schwupps, da saß wieder das Teufelchen: „Schau mal, da vorne ist er. Vielleicht kriegst du ihn ja noch.“ und schon war ich wieder im Ehrgeizmodus. Bis nach Lauterberg blieb unser Abstand konstant und ich hatte keine Chance auch nur auf eine kleine Annäherung. In Lauterberg war ich schon über 25 km in einem Tempo unterwegs, welches sich deutlich von meinem Wohlfühltempo unterschied. Leider wählte der Herr vor mir ebenfalls die Route über Barbis und Scharzfeld, sodass sich erst hinter Scharzfeld sich unsere Wege trennten und ich wieder entspannen konnte. So fuhr ich die Straße nach Pöhlde und Rhumspringe um kurz vor 18 Uhr in Gieboldehausen anzukommen und dann fix und fertig die letzten 23 km mit Kai nach Hause fuhr. Diese 75 km waren deutlich schlimmer als die 100, die ich kürzlich gefahren bin. Leider kann ich meinen Ehrgeiz nicht abstellen. Gefährlich wird es bei mir nur, wenn meine Erwartungen an mich mal wieder höher sind als das, was ich erreichen kann. Das führt leider immer wieder zu großem Frust und Unzufriedenheit. Gerne wäre ich entspannter und würde mich gerne nur auf mich konzentrieren, aber die Ansprüche an mich sind oft höher als es für mich gut ist.

Trotzdem bin ich auch nach so einer Aktion stolz. Vor allem, da ich einige Bestzeiten gefahren bin. Manchmal brauche ich meinen Ehrgeiz um zu sehen, was wirklich möglich ist. Plötzlich schaffe ich den Berg, auch wenn es weh tut und fahre bessere Geschwindigkeiten. Natürlich werde ich auch wieder langsame Runden fahren, also im niedrigeren HF-Bereich trainieren, aber hin und wieder tut es meinem Ego ganz gut alles zu geben. Trainingseffizienz hin oder her.

Mein erster „echter“ Hunderter

Letztes Jahr durfte ich bei der Cycle Tour mitfahren. das waren meine ersten 100 km am Stück. Aber natürlich in der Gruppe. Das macht eine Menge aus, so dass ich das Ganze natürlich mit ganz viel Windschatten und Adrenalin gewuppt habe.

Seitdem dümpele ich wieder bei 50 – 80 km herum. Letztens sind Kai und sein Zwillingsbruder Sven eine längere Runde von etwa 120 km gefahren und ich war echt neidisch und auch ein bisschen angefixt. Also habe ich ihre Runde bei Komoot eingegeben und auf der Uhr gespeichert. 120 km waren für mich zu viel, weshalb ich mir auch mögliche Abkürzungen angeschaut hatte.

Gegen 10 Uhr nahm ich Platz im Sattel und rollte Richtung Osterode. Bei mir ist die Fitness der Oberschenkel immer Glückssache, aber es fühlte sich recht gut an. Also ging es direkt weiter nach Badenhausen. Dort entschied ich mich für eine Streckenabweichung. Während die Jungs bis kurz vor Seesen gefahren waren, kürzte ich über Willensen und Willershausen ab und nahm aber noch ein paar Höhenmeter mit. Weiter ging es über Echte nach Imbshausen.

Eine echte Diva

Imbshausen hatte ich bis dahin noch nie gehört. Es beherbergt aber ein Schloss aus dem 19. Jahrhundert, welches im Neugotischen Stil erbaut wurde. Es gehört dem Adelsgeschlecht von Strahlenheim und hat alles, was ein Schlösschen braucht. Einen Schlossgarten (13.000m³) und Wassergraben und zudem ist es eines der größten neugotischen Gebäude Niedersachsens. Da es im Privatbesitz ist, nur ein Foto aus der Ferne.

Schloss Imbshausen

Über die Deutsche Alleenstraße ging es weiter Richtung Northeim. Die Alleenstraße ist wunderschön, gerade jetzt im Frühling, aber so stark befahren, dass ich keine Fotos machen wollte.

Mein nächster Foto-Stop war nur einige Kilometer weiter, in Wiebrechtshausen. Dort befindet sich neben zahlreichen Schafen auch eine recht große Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert. Ein Zisterzienserinnenkloster, deren zuerst genannte Äbtissin Hedwig von Gandersheim war. Das Kloster gehört seit der Reformation 1542 zur Klosterkammer Hannover. Von der ehemals umfangreichen Klosteranlage sind nur noch die Kirche und ein Teil der Klausuranlage vorhanden. Jetzt nutzt sie ein großes Saatgutunternehmen.

Klosterkirche

Über einen schönen Radweg ging es weiter bis nach Northeim. Ich kämpfte mich zügig über die Radwege und Ampeln quer durch die Innenstadt und legte erst an der B3 Richtung Göttingen meinen ersten Futterstop ein.

Gestärkt rollte ich weiter nach Nörten-Hardenberg. Bis dahin ging alles wie geschmiert. Doch dann nahm das Elend seinen Lauf. Bei 40 km gingen mir noch Gedanken durch den Kopf wie „Toll, die 40 km liefen ja wie geschmiert!“, aber ab Kilometer 45 wurde mir so langsam klar, dass ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft hatte. Und dann kamen noch die Höhenmeter. Durch das Rodetal ging es zunächst mit einer sanften aber stetigen Steigung durch den Nörtener Wald. Da schnaufte ich mir schon einen Wolf. Danach erwarteten mich bis Bodensee einige zähe Steigungen, durch die ich mich recht erfolgreich durchbiss und nur zwei kurze Trink- und Gelpausen einlegte um meine Schnappatmung wieder in den Griff zu bekommen. Nach Bodensee fühlte ich mich schon in heimischen Gefilden. Allerdings fehlten mir noch 30 km. Und Komoot hatte sich überlegt, dass es wirklich den kürzesten Weg nimmt und mich über Höherberg schickte, ein kleiner Wallfahrtsort, der – oh wie überraschend – auf einem Berg liegt… Der Weg dort hinauf hat immerhin knackige 5,9% Steigung.

Wallfahrtsort Höherberg (Archivfoto von Kai)

Über Gieboldehausen, Wollershausen und Rhumspringe (Brötchenpause Nr. 2) ging es nach Scharzfeld und von dort aus nach Herzberg zurück.

Pause an der Hahle

10 km vor meinem Ziel schaute ich auf meine Uhr und stellte fest, dass ich 3.40 h unterwegs war. Schnell rechnete ich, dass ich, wenn ich Gas gebe, es VIELLEICHT, aber auch nur vielleicht unter 4h schaffen könnte. Dummerweise hatte ich noch einige Wellen und Anstiege vor mir. Ich trat also in die Pedale, was nach 90 km ganz schön weh tat und legte nach 3.55 h noch eine Pause ein. Zwei km vor dem Ziel. Diese gingen bergauf und ich musste noch einmal Kräfte sammeln. So konnte ich aber die 100 km in 3.59.40 schaffen (jaa, geschummelt, aber gut fürs Ego). Mit 100,45 km in 4:01:25h kam ich müde aber stolz zu Hause an.

Mein erster 100er, den ich ohne Windschatten gefahren bin. Und mein zweiter überhaupt. Gezweifelt habe ich zwischendurch jede Menge, aber es hat funktioniert :).

Winter-Blues

Das Jahr 2019 ist passé und ich wünsche allen ein schönes Jahr 2020. Für mich bin ich gespannt, was es für mich bringen wird. Im Jahr 2019 bin ich seit April – trotz krankheitsbedingten Ausfalls im Sommer – knapp 3000 km gefahren. Das ist für ein erstes Jahr gar nicht mal so übel. Für das kommende Jahr habe ich mir als Ziel 5000 km gesteckt. Außerdem habe ich bei einem Gewinnspiel die Teilnahme an der großen Weserrunde im August gewonnen. Ob ich da wirklich die 300 km fahre weiß ich noch nicht, aber man soll sich ja bekanntlich Ziele setzen.

Tour am 29.12.19

Puh, was ist das für ein Wetter. Zwischen den Jahren gab es ja ein paar tolle Tage, aber das Wetter der letzten Tage ist ja nicht wirklich schön. Mein erster Rad-Winter und ich muss feststellen, dass es viel einfacher ist, sich bei Kälte, Regen und Wind in die Laufklamotten zu werfen als sich aufs Rad zu setzen. Leider laufe ich ja nicht mehr, weshalb ich mich hin und wieder zwingen muss, mich aufs Rad zu setzen. Derzeit fällt das extrem schwer, auch wenn ich mir erst vor kurzem eine schöne Winterhose gegönnt habe. Die Windchill DS Bib Pants von Endura war im Angebot und hat mich daher nur knapp 70 € gekostet. Für den Preis bin ich total glücklich mit der Hose und hatte bei Touren um 0°C nie das Gefühl an den Beinen zu frieren. Gefroren habe ich allerdings trotzdem bitterlich und zwar an den Füßen. Im Moment bin ich ja noch mit meinen Sommerschuhen und Überschuhen unterwegs. Das geht etwa eine Stunde gut, aber dann werden die Zehen und später die Füße erst blau, dann weiß und schmerzen fürchterlich. Für eine kostengünstige Abhilfe sollten jetzt Merinosocken helfen. Die hatten jedoch auch nicht den gewünschten Effekt. Um 5°C prima, darunter dasselbe Spiel.

Rund am 30.12.19.

Was ist also zwangsläufig der nächste Schritt im Ausrüstungs-Wahnsinn? Winterschuhe müssen her. Eigentlich wollte ich damit noch eine Saison warten, aber es gibt für mich wenig Schlimmeres als kalte Füße. Also ab an den Laptop und bei den einschlägigen Bike-Shops nach Winterschuhen für Damen gesucht. Aber was soll ich sagen. Gibt es nicht! Ok, nicht ist gelogen. Aber Fahrrad.de bietet drei Paare in meiner Größe an, bike24 zwei, der bobshop gar keine. Ok, nicht die Ohren hängen lassen. Bei Hosen ist die Unterteilung in Männlein/Weiblein sicherlich wichtig, aber bei Schuhen scheint mir die Differenzierung überflüssig. Also habe ich mir den Mavic Crossmax SL Pro Thermo MTB Winterschuh für knapp 150 € bestellt. Er kommt recht sportlich daher und wahnsinnig stabil. Allerdings ging er noch einmal zurück, da die Größe für einen Winterschuh doch etwas knapp war. Jetzt warte ich auf das Paket mit der richtigen Größe und hoffe sehr, dass mir der Schuh endlich warme Füße beschert.

Neujahrsrunde
03.01.2020

Bis dahin werde ich mal zusehen, wo sich meine Motivation verkrochen hat. Auf dem Sofa hat sie sich jedenfalls nicht versteckt. Allerdings ist heute mein letzter Ferientag, der vielleicht doch noch mal genutzt werden sollte…

NACHTRAG

Hah, ich habe mich doch trotz trübem Wetters und Wind überwinden können! Vorgenommen hatte ich mir eine 60 km Runde, da wir diese Streckenlänge gestern aufgrund des Dauerregens geschwänzt hatten. Heute musste ich alleine los und ging es mal wieder etwas zu zügig an. Das werde ich wohl nicht mehr lernen. Jedoch ging es trotzdem relativ gut. Klar, an den Bergen klang ich wie immer wie eine Dampflock und über den durchschnittlichen Puls von 156 bpm brauchen wir nicht sprechen. Natürlich ist der viel zu hoch. Aber es hat heute Spaß gemacht, sodass ich nach meinem Stop in Gieboldehausen im Bike Point mit einem Espresso und heißer Schokolade beschloss, die Runde noch auszuweiten. So sind es doch noch 70 km mit 653 Höhenmetern geworden. Bazinga! Die Oberschenkel jammern jetzt, aber mein Schweinehund gibt keinen Laut von sich und hat sich unterm Sofa versteckt (wo wohl vorher meine Motivation war) und bleibt da hoffentlich erst mal für ein paar Tage versteckt.

Kurzer Lüneburg-Trip

Auf dem Heimweg von der Ostsee legten wir einen Zwischenstopp in Lüneburg ein. Für eine Nacht nahmen wir uns eine Ferienwohnung etwas außerhalb und erkundeten Lüneburg und dessen Umgebung. Das Wetter war wechselhaft und ich erkältungstechnisch noch etwas angeschlagen. Trotzdem wollten wir wenigstens ein wenig in die Innenstadt rollen und schauen, was uns dort erwartet. Natürlich hat man schon gewisse Vorurteile zu den meisten Städten und meines zu Lüneburg war, dass es dort schön sein müsse. Hohe Erwartungen also. Zum Glück wurden diese von der Stadt des Salzes nicht enttäuscht. Durch Parks und Wohngebiete fanden wir relativ schnell den Weg ins Zentrum und wurden von historischen Giebeln der Backsteingotik willkommen geheißen.

Heiligengeiststraße

Den Zweiten Weltkrieg hat die Innenstadt unbeschadet überlebt. Wir rollten ein wenig durch die Innenstadt und bewunderten die Häuser mit unterschiedlicher Anzahl an Staffeln, also Stufen am Dachfirst. Das Haus mit den meisten Staffeln (neun) ist die alte Raths-Apotheke.

Portal der Raths-Apotheke
Markt und St. Johannis
Der „Schütting“, jetzt Industrie- und Handelskammer, auch mit gestaffelt Dachfirst

Da wir bereits nach 13 Minuten in der Innenstadt angekommen waren, beschlossen wir, auch Lüneburgs Umgebung zu erkunden und wählten dafür zunächst den Ilmenau-Radweg.

Dieser führte ganz idyllisch am Radweg durch wechselnde Landschaften und neben urigen Hausbooten sahen wir ein Reh und diverse Grünkohlfelder. Willkommen in Norddeutschland!

Eigentlich wollten wir wenden, sahen aber dann ein Hinweisschild, dass auf das Schiffshebewerk Scharnebeck verwies. Das interessierte uns natürlich und so folgtem wir dem Hinweis. Angekommen standen wir vor der riesigen Anlage. Leider wird das Werk derzeit vergrößert, daher kann es nicht wirklich besichtigt werden. Auf eine Aussichtsplattform konnten wir trotzdem, von der man einen guten Eindruck von der Stufe bekommt, die der Elbe-Seitenkanal hier macht. Bis zu 38 m werden hier ausgeglichen. Zum Bauzeitpunkt 1974 war es das größte Schiffshebewerk der Welt.

Die Treppe wieder heruntergekrabbelt ging es weiter entlang des Elbe-Seitenkanals.

Mit knurrendem Magen und entsprechend etwas gesunkener Moral, bei fiesem Gegenwind und ohne Orientierung. Warum ohne Orientierung? Im Urlaub versuchen wir, ohne Internet zu überleben. In bekannten Gefilden funktioniert das ohne weiteres, vor allem wenn man Kartenmaterial dabei hat. In unbekannten Gegenden mussten wir eine Weile nach dem richtigen Weg suchen. Mit Hunger zerfällt das Nervenkostüm da recht schnell. Nach einer Irrfahrt durch ein Industriegebiet waren wir aber schließlich wieder auf einer Einfallstraße Richtung Innenstadt und machten einen Nothalt bei einem Supermarkt. Gestärkt ging es auf die letzten Kilometer bei leichtem Nieselregen.

Schließlich kamen wir wohlbehalten wieder in unserer Unterkunft an. Ohne Karte und Navi geht es auch, wenn man wenigstens einen groben Orientierungssinn und hin und wieder ein Hinweisschild hat. 🙂

Radeln an der Ostsee

In den Herbstferien ging es mal wieder nach Kühlungsborn an die Ostsee. Natürlich wurden auch die Räder wieder gesattelt und alles an Radbekleidung eingepackt, was der Kleiderschrank hergibt, da der Oktober doch recht wechselhaft sein kann. Leider fühlte ich mich von Anfang an etwas schlapp und es kam, was kommen musste – pünktlich zum Urlaub war die Erkältung da. Von größeren Touren mussten wir also leider Abstand nehmen. Daher beließen wir es bei zwei Touren und einigen Spazierfahrten. Zu Beginn fuhren wir eine etwa 30 km lange Runde in die Abenddämmerung ins benachbarte Rerik. Auf dem Hinweg nutzen wir den offiziell beschilderten Weg, unter anderem an einem Großsteingrab vorbei. Bei diesem Dolmen („Steintisch“) aus der Jungsteinzeit handelt es sich um ein Grab einer Einzelperson.

Rerik ist der Ort, der direkt vor der Halbinsel Wustrow liegt, die früher von militärischer Bedeutung war. Die militärschen Altlasten habe es zum Sperrgebiet gemacht. Einige der Ruinen kann man vom Sperrzaun aus sehen.

Nach einem kurzen Abstecher in den Sand und den Hafen in Rerik machten wir uns auf den Rückweg.

Früher, so erzählte ich Kai, gab es einen schönen Küstenweg, der leider seit der Sturmflut 2017 abgebrochen ist. Damit hatte ich ihn natürlich neugierig gemacht und wir wollten einfach mal schauen, wie weit man kommt. Als wir an einer Stelle wenden wollten trafen wir auf eine hilfsbereite Dame, die meinte, dass man zwar etwas sportlich sein müsse, dass der Weg aber halbwegs passierbar sei. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Also ging es los, über schmale Trails und viel Sand. Eigentlich machte das schon Spaß. Nur an einer etwa 1,5 m hohen Kante mussten wir definitiv absteigen und uns die Räder herunterreichen. Kurz vor der Dunkelheit waren wir wieder zurück in Kühlungsborn. Das wurde auch allerhöchste Zeit, da wir keine Beleuchtung dabei hatten…

Am folgenden Tag fuhren wir eine 50 km-Tour über Rerik, Kröpelin und Bad Doberan und schauten uns die Klosteranlage in Doberan an. Das Doberaner Münster zählt zu den bedeutendsten Backsteinbauten Europas und war bis ins 16. Jahrhundert die Klosterkirche des Zisterzienser-Klosters. Für Loriot-Fans vielleicht interessant: im Münster befindet sich die Kapelle der Familie von Bülow.

Eingangsportal

Große Teile der Klostermauer stehen noch, genauso wie das Beinhaus.

Beinhaus

Vom Wirtschaftsgebäude und der sogenannten Wolfsscheune sind nur noch die Grundmauern erhalten.

Wirtschaftsgebäude

Der Park wurde im 18. Jahrhundert in einen englischen Garten verwandelt. Wunderbar, um spazieren zu gehen und um Fotos zu schießen.

Zugegebenermaßen haben wir diese Fotos an einem anderen Tag gemacht…

Auf dem Rückweg aus dem Urlaub kamen noch ein paar Kilometer Radfahrt in Lüneburg dazu, doch dazu mehr im nächsten Beitrag.

CycleTour – mein erstes Radevent

(BEITRAG ENTHÄLT WERBUNG OHNE FINANZIELLES INTERESSE)

Ich schwebe noch total auf Wolken. Am Sonntag war ein richtig toller Tag, an dem ich an meinem ersten Radevent teilgenommen habe. Über ein Gewinnsspiel hatte ich die Gelegenheit bei der 4. CycleTour von Braunschweig nach Magdeburg zu starten. Zu den angebotenen Touren und Gründen für meine Wahl hatte ich bereits im letzten Beitrag etwas geschrieben. Angemeldet war ich zusammen mit meinem Freund Kai für die 100 km Tour und entsprechend recht nervös. Zwar gab es keinen Zeitdruck, aber die angekündigten 900 hm (meine Uhr zeigt weniger, aber angeblich sollen es um die 800 gewesen sein) und die lange Distanz waren neu für mich.

Am Vortag war Radpflege und – einstellung an der Tagesordnung. Hier hat Kai den Großteil erledigt, da ich kein Ahnung davon habe, wie man die Schaltung einstellt oder das Schleifen an der Bremse beseitigt. Da blieb mir nicht viel mehr als Werkzeug anzureichen und zuzuschauen. Zum Schluss durfte ich immerhin Speichen, Felgen und Reifen zu säubern. Mit blitzblanken Rädern im Keller mussten wir uns spontan noch um einen Radträger kümmern, da ein Bekannter, der uns eigentlich begleiten (und fahren) wollte absagen musste. Glücklicherweise haben meine Eltern einen Träger zu Hause… Danach fragen konnte ich leider nicht, da sie zu dem Zeitpunkt noch im Urlaub weilten. Abends legten wir uns noch die Kleidung zurecht und bereiteten Flaschen, Brote und Gels vor.

Morgens klingelte der Wecker um 5.30 Uhr. Aufstehen, frühstücken und anziehen – alles wie üblich, nur früher. Während ich die Sachen zusammenpackte ging Kai schon einmal runter um das Auto zu beladen. Kurz darauf stand er wieder vor der Tür. Der Schlüssel für den Träger war nicht da! Also ab ins Auto, zu den Eltern gebrettert, Schlüssel gesucht und gefunden und zurückgedüst. Dann ging alles recht zügig und wir hatten bald alles verladen. So ging es endlich los Richtung Braunschweig. Die Autobahn war schön frei, nur die Baustellen waren etwas lästig. In Braunschweig fanden wir hinter den Schlossarkaden einen kostenlosen Parkplatz (welch Luxus!) und holten zunächst unsere Startunterlagen. Mit dabei war ein kostenloses Trikot (welches wir dem Gewinnspiel zu verdanken hatten) und jede Menge Energie-Reserven in Form von Gels, Energy Gums und Traubenzucker, außerdem zwei Trinkflaschen und eine Flasche Wasser. Um keine Magenkrämpfe zu riskieren, ließen wir die Beigaben aber im Auto und nutzen unsere bewährten Gels.

Während das Starterfeld des Rennens an uns vorbeibrauste rollten wir zum Start. Zunächst noch besorgt, ob ich fit genug bin, stellte ich fest, dass hier auch ganz viele „Normalos“ mit den unterschiedlichsten Fahruntersätzen auf den Beginn der Tour warteten. Wir fuhren die Tour in den eigenen Trikots, da wir die neuen lieber vorher waschen wollten. Noch war es kühl aber die Sonne schien und versprach einen wundervollen Tag.

Mit dem Startschuss war auch die Nervosität wie weggeblasen. Langsam arbeiteten wir uns etwas vor. Wir waren sehr weit hinten gestartet, da wir unsere Eingruppierung (Block C) übersehen hatten und uns in Block E einquartiert hatten. Die ersten Kilometer rollten super und waren auch recht entspannt. Wir fuhren mehrreihig in einem sehr dichten Feld und näherten uns dem Elm. Relativ entspannt fuhren wir diesen hinauf und ich wartete die ganze Zeit, wann der schlimme Anstieg kommt, als wir diesen bereits lange hinter uns hatten. Der Sog des Windschattens einer großen Gruppe ist wirklich enorm. An der einzig längeren Steigung (wirklich steil war sie nicht) hatte ich keinerlei Schwierigkeiten.

Im Elm selbst ging es wellig weiter, sodass man auch immer wieder schöne Abfahrten hatte. Die beste war allerdings bei Schöningen: Ein Radstreifen auf tollem Asphalt, der 1,4 km ohne einmündende Straße schnurgerade bergab führt. Um mich zu erholen ließ ich mein Rad dort nur rollen – mit entspannten 55km/h im Schnitt und einer Höchstgeschwindigkeit von fast 69 km/h. Und das wohlgemerkt ohne zu treten!

Bei Hötensleben fuhren wir über die ehemalige Innerdeutsche Grenze. An diesem Grenzübergang finden sich auch noch ein Grenzturm sowie eines der letzten Teilstücke der Mauer mit Signalzaun und Kfz-Hindernissen. Seit 1990 steht das Grenzdenkmal unter Denkmalschutz, seit 2011 gehört es zum Weltkulturerbe.

Nach 50 km war ein Verpflegungsstand aufgebaut, an dem wir unsere Flaschen auffüllten und ein Brot aßen.

Die nächste Erhebung, das Hohe Holz, zog mir trotzdem den Stecker. Nach 60 km machten meine Oberschenkel plötzlich dicht und ich quälte mich einige Hügel ganz schön hoch. Auch der stärker werdende Wind setzte mir zu. Ein Gel und eine kleine Pause später ging es zum Glück wieder und die Strecke wurde wieder flacher. Ab hier schlossen wir uns einer festen Gruppe an, die ein sehr angenehmes Tempo fuhren. Mit dieser rollten wir auch in Magdeburg ein. In der Stadt blockierte zunächst ein Autofahrer unseren Weg, der – aus welchem Grund auch immer – mit 30 km/h in der 50er-Zone fuhr und den Radverkehr aufhielt und keine Anstalten machte, uns vorbeizulassen. Nachdem verschiedene Leute unserer Gruppe ihren Unmut lautstark verkündet und ans Blech und die Scheibe geklopft hatten, ließ uns der Autofahrer endlich vorbei…

In der Innenstadt war eine Spur für uns gesperrt, sodass wir ungestört fahren konnten, was die letzten Meter sehr angenehm machten. Ich konnte es gar nicht fasse, als die Schilder das Ziel in 30 m ankündigten. Tatsächlich hatte ich mir für die Tour eine Maximalvorgabe von 5h gesetzt und auf 4 1 /2h gehofft. Tatsächlich waren wir aber einen Schnitt von 29,9 km/h gefahren und nach knapp 3 1/2h im Ziel. Damit hätte ich niemals gerechnet. Man sollte doch häufiger in der Gruppe fahren.

Nachdem wir unsere Medaillen bekommen und das obligatorische Zielfoto geschossen hatten spazierten wir noch über die kleine Radmesse und fuhren schließlich mit dem Shuttlebus zurück nach Braunschweig. Auch wenn die Warterei auf die Abfahrt der Busse und auch das Warten in Braunschweig auf die LKW mit den Rädern etwas lang war, war die Veranstaltung total gelungen. Die Strecke war wunderschön und abwechslungsreich. Bis auf wenige kurze Kopfsteinpflasterpassagen war der Asphalt toll zu fahren auch die Laune war super. Die Veranstaltung ist wirklich klasse und ich bin total glücklich, dass ich dabei sein durfte.