Was für ein Brocken

Stadtradeln, kaputte Felge, schneller, höher und weiter

Nordhausen calling. Und wir kommen. Am 30. Juni lachte die Sonne und wir sattelten die Räder und fuhren über Straßen aber auch schöne Schotterwege über zum Teil gar nicht soo schöne Hügel über Bad Sachsa und das Kloster Walkenried nach Nordhausen. Obwohl diese Stadt gar nicht so weit weg ist und viel zu bieten hat, waren wir noch nie dort. Das musste geändert werden. Mit dem Rad konnten wir uns zumindest eine ganz ganz kleinen Eindruck der Stadt machen. Mit spannender Industriekultur und schöner Altstadt sicherlich noch einmal eine Fahrt wert. 126 km mit ganz viel Abwechslung und schönen Fotomotiven.

873 km und 5341 hm in 40 Stunden habe ich im Juni auf dem Rad zurück gelegt. Behauptet zumindest Strava. Die Kilometer haben sich angesammelt, da ich meine Schule fürs Schulradeln (ein Bestandteil des Stadtradelns) angemeldet habe und selbst mit gutem Vorbild voran fahren wollte. Beim Stadtradeln geht es zum einen um die Einsparung von CO2, jedoch auch um den Ausbau der Radinfrastruktur, die hier auf dem Land aber mittlerweile gar nicht mehr soo übel ist. So bin ich immer wenn es sich anbot auch mit dem Rad zur Arbeit gefahren und habe das Rad so oft wie nur möglich bewegt. So konnte ich für mein Team immerhin in drei Wochen 811 km beisteuern. Mit den Topleuten, die sich für unsere Schule angemeldet haben konnte ich nicht mithalten. Die sind tatsächlich knappe 1398 und 1173 km gefahren. Wahnsinn! Insgesamt ein schöner Wettbewerb, bei dem ich auch im nächsten Jahr wieder gerne dabei bin. Mit Platz 138 von 316 aktiven Schulen müssen wir uns auch nicht verstecken.

Zwischendurch war Fahrradpflege angesagt. Außerdem gab es eine neue Kette und Kassette. Nach knapp 10.000 km war das wohl mal nötig. Beim Felgenwaschen entdeckte Kai die feinen Haarrisse an fast jeder zweiten Speiche (immer an der Antriebsseite). Was für ein Mist. Die nächsten Touren fuhr ich wie auf rohen Eiern und zuckte bei jeder Bodenwelle zusammen. Eigentlich albern, da die Risse sicherlich schon einige Zeit in den Felgen waren. Nun war jedoch guter Rat teuer und gute Felgen noch viel teurer. Gerne hätte ich mich etwas verbessert und die GR 1600 von DT Swiss gegönnt, aber wie sollte es anders sein – natürlich ist der Laufradsatz überall vergriffen. Also gab es den G1800 für rund 300€ (OVP: 388€). Die sind auch schick und haben ein nettes Freilaufgeräusch. Wenn sie etwas länger halten als die Vorherigen bin ich doch schon happy.

Mit neuen Felgen versuchte ich mich an einer Solo-Flachlandrunde um zu schauen, welches Tempo für mich auf so einer Strecke möglich ist. 60 km sollten es sein, da ich einen Startplatz für die Cyclassics in Hamburg gewonnen habe. Mein erstes richtiges Rennen mit Zeitnahme und allem Schnick und Schnack und gleich in Hamburg! Dort starte ich auf 60 km und nun ja, ich denke es wird recht flach. Maik, einer der Radfreunde hier aus der Gegend, hatte erst einige Tage vorher für sich eine Runde gebastelt, die ich mir dreist geklaut habe (immerhin bin ich sie anders herum gefahren). Tatsächlich schaffte ich auf der ersten Hälfte einen 32er Schnitt. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass es dort auch tendenziell bergab ging. Im Feld zwischen Scharzfeld und Pöhlde wäre ich gut mit 35 km/h durchgekommen, hätte mich nicht dieser dusselige Rentner oder älterem Land-/Forstwirt aufgehalten, der mich zwei Kilometer lang nicht vorbeilassen wollte und sogar gependelt ist anstatt einfach rechts zu fahren. So musste ich da auf 30 km/h abbremsen. Meckern auf hohem Niveau, aber total ärgerlich. Ab Gieboldehausen ging es langsam los mit Gegenwind und ab Hattorf holten mich die Höhenmeter ein, die vorher bergab gefahren war. Plötzlich fiel der Schnitt auf teilweise 25 km/h. Ich hatte das Ziel unter zwei Stunden und bleiben und trat so doll ich eben konnte in die Pedale. Nach 1:59:19 zeigte mein Rox 60 km an. Puhh, knappe Kiste, aber geschafft. Fairerweise muss ich sagen, dass es vermutlich doch kein 30er-Schnitt war, da Sigma gerne großzügig bei der Kilometervergabe ist. In der Regel habe ich immer ein paar km mehr als Kai auf seinem Garmin. Trotzdem war es für mich auf einer Solofahrt die höchste Geschwindigkeit und darauf kommt es mir an. In Hamburg sollte ein 30-Schnitt locker drin sein, vielleicht sogar 32, da man im Pulk ja doch deutlich schneller unterwegs ist.

Gestern fuhren wir zum letzten Tag des Stadtradelns mit einigen Leuten aus dem Göttinger Raum und einer Strava-Bekanntschaft aus Berka von Herzberg aus auf den Brocken. Angesagt waren 80 km und kein Rennen. Das fand ich sympathisch, da ich ja an Bergen nicht so sonderlich stark bin. Zum Glück waren noch zwei weitere Frauen dabei, weshalb das Tempo tatsächlich recht entspannt war. Daher lief es übers Siebertal ganz gut. Im oberen Teil der Schluft fuhr jeder sein Tempo und ich kam sogar ohne Pausen an. Trotzdem war ich dort schon ganz schön erschossen. Immerhin ging es auf der Harzhochstraße entspannter zu und und rollte bis Braunlage ziemlich entspannt. Dann wurde es wieder welliger und ab Elend noch ein einmal elendig eklig bis Schierke. Oben angekommen verschnauften wir noch einmal, bevor wir die letzten Kilometer auf der Brockenstraße in Angriff nahmen. Das ging anfangs auch ganz gut, eine Pause brauchte ich an einer Rampen aber trotzdem. Ab einer bestimmten Steigung fange ich immer an zu Pfeifen. Ob ich hyperventiliere oder vielleicht doch ein Belastungsasthma habe – ich weiß ich nicht. (Da ich den Abend über aber nach solchen Geschichten auch zu Hause immer nur eingeschränkt atmen kann tippe ich eher auf letzteres.) Danach ging es weiter. Kurz vor der Knochenbrecherkurve (die heißt nicht umsonst so…) trafen wir zunächst Brocken-Benno und kurz danach einen Kollegen mit seiner Frau. Am letzten Kilometer verließ mich wieder der Atem. Zitternd und laut aus der Lunge pfeifend musste ich einige Meter schieben. Die letzten Meter gingen irgendwie und schließlich war ich oben. Trotz der Schwächen am Ende war und bin ich immer noch stolz, da hochgekommen zu sein. Oben setzten wir uns und aßen und tranken um wenigstens einen Teil der Kalorien wieder reinzuholen. Dann machten wir uns auf den Rückweg. Die Abfahrt war der Kracher. Im oberen Teil musste man noch sehr bedacht fahren ob der Wanderer, aber im unteren Teil konnte man super laufen lassen und mit 50-60 km/h runter rollen. Zwischendurch wurde es noch wellig, aber das war vernachlässigbar. Leider musste sich die Gruppe in Braunlage trennen, da Daniela (aus Göttingen) fiese und immer lauter werdende Geräusche am Rad hatte, die immer lauter wurden. Erst lag der Verdacht auf den Speichen, dann stellte sich das Ganze als Lagerschaden heraus. Die Göttinger Fraktion legte also in Braunlage eine Kaffeepause ein, um auf Danielas Mann zu warten, der ihr andere Laufräder bringen sollte und wir fuhren mit Katrin (aus Berka) über Bad Lauterberg zurück. Wir begleiteten sie noch bis Hattorf und fuhren dann nach Hause. Nach 133,33 km und 1641 hm waren wir auch wieder zu Hause. Mit dieser netten Gruppe war das eine gelungene Bike-Brocken-Premiere für uns drei Damen.

Mittlerweile habe ich die 4000 Jahreskilometer geknackt. Zur Erinnerung: im letzten Jahr bin ich insgesamt 4.500 km gefahren. Ich bin gespannt, was das Jahr noch für mich bereit hält, ob wir in den Sommerferien noch eine kleine Bike-Packing-Tour oder wenigstens einen Overnighter starten und wie das Rennen in Hamburg wird. Drückt mir die Daumen. 🙂

Alles neu macht der Mai

Wow, das ist schon mein 40. Beitrag. Ein kleines Jubiläum. Auch hier findet ihr einiges an Produkten. Diese sind allerdings alle selbst gekauft und daher ehrlich bewertet ohne die Werbetrommel zu rühren. 🙂

Der Mai war wettertechnisch ja etwas april-lastig. Viel Regen und Wind, wie wir alle in Deutschland zu spüren bekommen haben. Und was macht bei schlechtem Wetter? Das Rad auf Vordermann bringen und onlineshoppen…. Dringend nötig hatten es meine Reifen. Da musste mal wieder Ersatz her, da ich wieder fast auf Slicks unterwegs war und alle Gummiwutzeln (danke für dieses Wort Niki Lauda) abgefahren waren. Jetzt fahre ich wieder einmal mit Schwalbe Bereifung (G-One Allround Performance) und musste mich die ersten Kilometer an das Profil gewöhnen. Plötzlich klebt der Asphalt, wenn man zuvor noch ohne Profil unterwegs war. Tatsächlich ist es bei Gravelanteilen aber auch wieder viel angenehmer, wenn die Reifen nicht gleich durchdrehen. Die Kette war nun auch schon seit zwei Jahren drauf und bevor auch die Kassette gewechselt werden muss durfte auch ein neuer Ritzelschmuck aufgezogen werden. Das Bike war nun wieder sommerschick. Fehlte nur noch der Fahrer.

Von meinen Sitzbeschwerden hatte ich ja schon diverse Male geschrieben. Daher kam die Idee mir mal eine teure Hose zu kaufen. Also schaute ich wochenlang bei allen namenhaften Herstellern wie Rapha, Castelli und Assos, konnte mich aber nicht so recht entscheiden. Dann stieß ich auf everve. Die deutsche Firma hatte ich schon vor zwei Jahren gefunden, da sie (leider nur für Herren) Hosen mit individuellem Polster anbieten. Dort fand ich aber auch tech Trägerhose für Damen. Im Vergleich mit 125 € deutlich günstiger. Nun bin ich von Natur aus skeptisch und vorsichtig. Denn ich wollte nicht wieder eine mittelklassige Hose fahren, mit der ich hinterher unglücklich bin. Nach Emailkontakt wusste ich dass die Polster dort gefertigt werden, wo auch Assos produziert und wie der Preis zustande kommt. Everve arbeitet ohne Zwischenhändler. Durch diesen Direktvertrieb spart der Endkunde jede Menge Geld. Nach dem netten Kontakt habe ich einfach mal bestellt. Viele schreiben, dass die Hosen eng sind – jupp sind sie definitiv. Aber wenn man sich erst einmal reingezwängt hat sitzt sie angenehm komprimierend. Die Träger laufen seitlich an der Brust vorbei, wer da empfindlich ist, sollte also keine Probleme haben. Die tech ist deutlich kürzer als meine Scott RC. Zum Bräunen ist das sehr schön, ein Kompressionseffekt bis zur Mitte des Oberschenkels wäre aber auch nicht schlecht. Die Träger lassen sich zur Biopause hinten abnehmen. Zwei kleine Haken sind hierfür zu lösen. Das funktioniert prinzipiell ganz gut. Allerdings ist das Schließen tatsächlich recht fummelig und verlangt etwas Übung und Gelenkigkeit. Leider kam ich auf den ersten Fahrten überhaupt nicht mit dem Polster zurecht. Immer war ich am Zuppeln und musste Stoppen um das Polster wieder in die Breite zu ziehen. Ärgerlich. Zum Glück hatte ich mir für mein Kickrbike einen SQLab 612 Sattel gekauft. Diesen tauschte ich gegen den Ergon SR Pro Women mit dem ich bisher recht zufrieden unterwegs war. Der Ergon hat eine Öffnung um den Schambereich zu entlasten. In dieses hat sich das Polster der Hose immer wieder reingezogen. Mit dem SQLab fehlen mir noch die Erfahrungen bei ganz langen Touren (bisher outdoor nur 70km am Stück) aber er scheint deutlich besser mit der Hose zu harmonieren und das Gezuppele hat ein Ende. Alles in allem schneidet die Hose bei mir mit kleineren Abzügen ganz gut ab und ich bereue den Kauf nicht. Vielleicht könnte man tatsächlich die Befestigung der Träger überdenken. Hier bevorzuge ich den Reißverschluss von Endura oder den magnetischen Clip bei Scott.

Nach der Hose kam die Sehnsucht nach neuen Schuhen auf. Mein erstes Paar hatte ich mir vor zwei Jahren günstig geschossen und hatte auch nie Probleme, schön, sind sie aber nicht mehr so richtig, da einige Stollen fehlen und sie schon ordentlich Macken haben. Blöderweise sind sie zu allem Überfluss auch noch braun und nicht schwarz. Modisch also kein Highlight. Die neuen Schuhe sollten auffallen. Schwarz wäre auch in Ordnung gewesen, eigentlich wollte ich aber auffällige Schuhe. Auffällig ist aber auch nicht immer unbedingt schön. Auch hier nahm die Suche mehrere Wochen (immerhin nicht ununterbrochen) in Anspruch. Dann entdeckte ich die Gravel-Schuhe RX8 von Shimano. Nicht ganz günstig, aber in silber mit dezentem Camouflage-Muster ein echtes Highlight.

Neu vs. alt

Zunächst machte ich mir Sorgen darum, wie empfindlich die Beschichtung sei, nach zwei kleineren Stürzen auf Schotter und Asphalt haben sie aber keinen Kratzer abbekommen. Stürze? Ja leider. Beide auf einer Tour… Am Pfingstmontag war ich mit Kai im Harz unterwegs knackige Höhenmeter und ganz viel Schotter forderten mich ganz schön. Unter den neuen Schuhen hatte ich auch neue Cleats. Doch damit nicht genug. Bisher bin ich immer die Multi-Release-Cleats von Shimano gefahren, die einen Ausstieg nach oben, schräg oben oder zur Seite ermöglichen. Leider hatten wir noch die schwarzen da, die einen Single-Release (also Ausstieg nur durch das Drehen des Fußes zur Seite) zu Hause. Egal dachte ich. Das bekomme ich schon hin. Jetzt kann ich sagen – nö, bekomme ich nicht hin. Das erste Mal kippte ich auf Schotter, wenige hundert Meter später auf Asphalt um, natürlich beide Male auf dasselbe Knie. Dem Rad ist zum Glück nichts passiert. Nur komme ich mir jetzt vor wie ein Grundschulkind mit der kleinen Schotterflechte am Knie. Ich kam einfach trotz mehrfachen Versuchens nicht aus den Pedalen, wobei die wirklich nur sehr soft eingestellt sind. Ich nehme an, dass ich mir einen Ausstieg nach außen-oben oder so angewöhnt habe. Auf jeden Fall eine nicht die Bewegung, die hier nötig wäre. Bevor ich noch weiter für Erheiterung sorge, wenn ich an jeder Kreuzung umfalle, bestellt ich mir wieder die silbernen Cleats. Sicher ist sicher…

Zwei erwähnenswerte Touren gab es auch noch. Am 09.05. fuhren wir 150 km über Göttingen zum Hohen Hagen bei Geismar und über Northeim zurück. Da wollte ich einfach mal schauen, was es mit dem Berg auf sich hat, da bei dem Rad-Rennen in Göttingen (der Tour d´Energie) immer alle Angst davor haben. Tatsächlich ist der Anstieg (nach 80 km) in den Beinen knackig, aber ich hatte schlimmeres erwartet. Schlimmer da war tatsächlich der Anstieg der sich durch Settmarshausen zieht. Eine lange lange gerade Straße, die sich mit 5% durch den Ort zieht. Wir kamen insgesamt auf 980 Höhenmeter, die meisten, die ich bisher gefahren bin. Nach sechs Stunden Fahrt hatten wir beide bei dem tollen Wetter einen ganz schönen Sonnenbrand.

Die zweite anspruchsvollere Tour war am Pfingstmontag. Wieder war der Wind mal wieder kräftig, aber zumindest schien die Sonne. Geplant waren eigentlich eine reine Straßentour mit 70 km und 760 Höhenmetern. Geworden ist es eine Road/Gravel-Tour mit 70 km und 940 Höhenmetern. Los ging es von Herzberg mit Gegenwind nach Bad Sachsa und dann den S.H.E. (Radweg auf der Strecke der früheren Südharzer Eisenbahn) über Wieda nach Braunlage. Der Untergrund waren überwiegend Schotterwege, hin und wieder schmalere schlammige Trails. In Braunlage kippte ich das erste mal am Forellenteich aus dem Sattel. Nachdem ich mich wieder aufgerappelt hatte und wir auf den Schreck erst einmal die Brötchen vernichteten fuhren wir schotterig weiter Richtung Rinderstall (mit einem weiteren Umfaller). Ab dann wurde es haarig für mich. Die Steigung, der Schotter und die aufsteigende Panik nicht mehr aus dem Pedal zu kommen raubten mir ganz schön die Kraft, sodass ich einig Meter schieben musste. Ab dem Parkplatz Dreibrodesteine oberhalb von St. Andreasberg ging es bergab. Im positiven Sinne. Endlich wieder rollen lassen, größtenteils sogar auf Asphalt. Toll… Der Weg endete im Siebertal, wo uns wieder fröhlich der Wind begrüßte. Ich klemmte mich in den Windschatten und ließ mich bis Herzberg ziehen. Da war ich dann wieder ganz gut erholt ;).

Die ersten 2021 km in 2021

In diesem Jahr habe ich bereits deutlich mehr im Sattel gesessen als im letzten. Zwar war das Wetter bis auf einige tolle Tage verbesserungswürdig, aber dank des Kickrbikes sind schon einige Kilometer mehr für mich Geschichte. Während ich Anfang des Jahres noch einige Male draußen unterwegs war, bin ich seitdem überwiegend indoor gefahren. Das macht mir auch noch immer viel Spaß. Das ist auch in der Statistik deutlich zu erkennen. Während ich draußen etwas über 500 km unterwegs war, waren es drinnen fast 1500 km.

100 Indoor

Im Februar habe ich ein vorgefertigtes Zwift-Training für eine 100er Runde gemacht. Angelehnt ist es an den persönlichen FTP Wert und spielt mit den verschiedensten Formen des Intervalltrainings. Von Low Cadence (geringe Trittfrequenz – fürchterlich!) bis hin zu Step-Down-, Treppen- und Pyramidenintervallen gibt es verschiedene Training, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums gefahren werden sollten.

Doch was ist denn dieser FTP? Vor einigen Monaten wusste ich das auch nicht. Die Abkürzung steht für „Functional Threshold Power“ und bedeutet im Deutschen soviel wie „funktionelle Leistungsschwelle“. Sie gibt an, welche Wattzahl man konstant in einer Stunde treten kann. Hierfür gibt es verschiedene Tests. Entweder fährt man 20 Minuten volle Power und multipliziert den durchschnittlichen Wattwert mit 0,95 oder man fährt 60 min. und nimmt direkt den durchschnittlichen Wattwert. Nach diesem Wert kann man anhand einer Tabelle ermitteln, wo die optimalen Werte für Langstreckenfahrten (56-75% des FTP) oder für aktive Erholung (unter 55% des FTP) liegen. Hier zur Veranschaulichung eine Tabelle:

FTP – Der funktionelle Leistungsschwelle | Laktat-...
https://roadcycling.de/ratgeber/training-und-ernaehrung/laktat-schwellenwert-tipps/3

Mitte März bin ich meinen ersten 100er bei Zwift gefahren. dabei hat mich eine Freundin auf den ersten anderthalb Stunden begleitet. Zu ihrem Leidwesen ging es den Epic KOM hoch. Zehn Kilometer mit 400 Höhenmetern. Für mich im Laufe der Fahrt sogar noch ein zweites Mal. So waren es nachher 100 km mit 1.261 Höhenmetern in knapp vier Stunden. Nach zwei Stunden tat mir bereits der Hintern weh, aber ich wollte gerne mein gestecktes Ziel erreichen und habe ich mich durchgebissen. Zum Schluss waren meine drei Flaschen leer und Kai musste mir für die letzten fünf Kilometer noch Nachschub holen, da ich sonst vom Rad gekippt wäre. Ein ganz schönes Brett, so ganz ohne kühlenden Fahrtwind.

100 Outdoor

Nach verschiedenen Group Rides, Fahrten mit Freunden und Solofahrten digital ging es Ende März beim bombastischen Wetter auch endlich wieder raus. Einmal alleine, einmal mit Stefan. Mit ihm fuhr ich zügig eine 50 km Runde und war ausnahmsweise einmal selbst der Windschattengeber. Noch stresst mich das ganz schön, da ich immer das Gefühl habe zu langsam zu fahren, aber es zeigte sich, dass das Training im Winter Früchte getragen hat. Immerhin hat sich innerhalb eines Monats der FTP von 158 auf 180 Watt verbessert. Mit Stefan zockelte ich die Berge schnell wie bisher noch nie hoch. Am Karfreitag fuhr ich mit Kai und Sven eine Gravelrunde und merkte in der Ebene und vor allem auf dem Asphalt, dass meine Muskulatur etwas mehr Leistung bringt. Am nächsten Tag gab ich auf dem Kickrbike bei der „Tour of Watopia“ alles und war nach 35 km völlig ausgelaugt.

Ein Ruhetag wäre hier sicherlich gut gewesen. Der Wetterbericht sah aber vor, dass der Ostersonntag der vorerst letzte halbwegs erträgliche Tag mit durchschnittlich 7°C sein sollte. Also entschieden wir uns spontan beim Frühstück, doch einen 100er zu fahren. Wirklich schön war es nicht, da mich für die zu dünnen Handschuhe entschieden hatte und der Wind es gar nicht gut mit uns meinte. Er drehte zwischendurch so, dass er uns den Großteil der Strecke entgegen kam. Zum Glück durfte ich mich an Kais Fersen heften und so dem schlimmsten Gepuste entgehen. Trotzdem war die Tour für mich heftige anstrengend und ich zweifelte an meinem vorherigen Training. Natürlich schüttele ich eine Langstrecke wie diese aber nicht aus dem Ärmel und etwas Regeneration hätte mir wohl auch gut getan. Die Kälte und der Wind haben die Tour nicht gerade zu einer Spazierfahrt gemacht und die knackigen Anstiege zwischendurch gingen ganz schön in die Beine. Immerhin hatten wir aber die Radwege und vereinzelt auch die Straßen fast für uns allein. Bei Sonne und 20°C hätte das wohl anders ausgesehen.

Indoorradeln mit dem kickrbike

Welcher Rollentrainer?

Dieses Jahr hatten wir ja tatsächlich einmal winterliche Temperaturen im Winter und ich kam schon Ende des Jahres an die Grenzen des Erträglichen. Trotz Winterhose und -schuhen, Merinosocken dicken Handschuhen und beheizbaren Sohlen hatte ich nach etwa 30 Minuten die ersten Anzeichen, dass sich das Blut aus Fingern und Zehen zurückzieht und nach zwei Stunden war der Spaß für mich dann vorbei. Längere Touren – undenkbar. Schon nach kurzen Touren stand ich bis zu 20 Minuten unter der Dusche, bis meine Finger von weiß und dunkelblau über knallrot und schmerzend zu einer normalen Färbung zurückgefunden hatten. Das ganze nennt sich ja Reynould-Syndrom und ist gar nicht so selten. Immer wieder hört man „ach, du hast das auch?“. Von daher werden einige hier wissen, wovon ich schreibe und weshalb Radfahren im Winter eher eine Tortur als ein Genuss ist. Gegen indoorcycling habe ich mich bisher immer gesträubt. Das ganze Hinterrad ausbauen oder vielleicht sogar anderen Reifen aufziehen und Kassette einstellen und und und… dieser ganze Kram hat mich sehr abgeschreckt. Außerdem würde ich mich gerne bei schönem Wetter spontan auch wieder outdoor aufs Rad setzen ohne vorher alles Mögliche umzubauen. Natürlich hätte ich mir ein günstiges Zweitrad und einen Smarttrainer kaufen können, aber nach langem Überlegen und Testslesen habe ich mich für das wahoo kickrbike entschieden, da ich mir da die ganze Montage und Einstellerei sparen kann. Noch lieber hätte ich mir das Wattbike Atom gekauft, weil es etwas ausgereifter wirkt und deutlich weniger kostet. Leider ist das in Deutschland nicht zu bekommen. Nicht zu bekommen – das gilt natürlich auch für viele andere Rollentrainer, aber immer wieder sind doch einzelne Exemplare plötzlich zu haben. Und so war auch mein Kickrbike innerhalb weniger Tage da.

Aufgesattelt

Kai half mir beim Aufbau, wobei dieser relativ einfach vonstatten geht. Stützfüße anschrauben, Sattel und Lenker drauf und Pedale dran. Dann noch ein paar Kabel einstecken und das war´s. Bei der Lieferung ist alles dabei – sogar Pedale. Allerdings nur flats. Das ist aber ganz klar, da ja jede Firma ihr eigenes click-System hat. Ich montierte einmal kurz den gelieferten Sattel und merkte sofort, dass der bei mir keinen Sinn macht. Von meinem Bekannten Ronny durfte ich allerdings den Brooks C17 carved ausprobieren.

Noch mit „flats“

Mit dem hatte ich schon lange geliebäugelt. Leider passt auch dieser Sattel überhaupt nicht zu mir. Das Schambein fühlte sich nach zwei Touren so an, als sei es grün und blau, obwohl auch auch mit der Höhe der Sattelnase noch experimentiert hatte. Außerdem ist die Öffnung tatsächlich ZU groß. Auch andere zunächst vielversprechende Sättel überzeugten mich nicht…

Ein weiterer Bekannter (Bernhardt aus Hattorf) ließ mich den 611 von SQLab testen. Der war ganz gut, wobei nach zwei Stunden auch alles weh tat. Aber das muss beim Indoorradeln wohl so sein. Letztendlich bestellte ich mir den 612 von SQlab und der darf im Sommer auch auf mein Gravel wandern. Einen großen Unterschied zum 612 merke ich nicht, aber da ich jetzt auf so vielen Sätteln saß sind tatsächlich mein Ergon und der 612 die „kleinsten Übel“. Vermutlich muss ich mich damit anfreunden, dass ich untenrum einfach ziemlich empfindlich bin und gelegentlich mit Eiterknoten, Brennen & Co. leben muss.

Gut, dass man beim Indoor Training kaum schwitzt 😅

Erster Eindruck

Genug der ekligen Details. Kommen wir zurück zum Kickrbike. Das Bike selbst hat ein schlankes Design und wirkt recht gut verarbeitet. Der immer wieder kritisierte Lenker ist tatsächlich nicht sehr komfortabel, da das Rohr einen sehr dünnen Durchmesser hat. Als Schweißschutz nutze ich ein Handtuch, welches ich gleichzeitig als Lenkerpolsterung nehme. So lässt es sich arbeiten. Die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass das Rad für jeden perfekt angepasst werden kann. Durch die App ließ ich mir (nach Angabe von Schrittlänge und Körpergröße) Maße vorschlagen, die ich jedoch noch optimieren musste. Beim Antreten erschrak ich erst einmal etwas. Nachdem ich oft gehört hatte, dass das Fahren auf der Rolle viel leichter ist als draußen und man leicht einen 30er oder 35er-Schnitt fahren kann, muss ich entschieden sagen, dass das auf dem kickrbike NICHT so ist. Das bestätigte mir auch Kai, der schon früher Rolle gefahren ist. Der Widerstand ist deutlich realistischer und das Bergefahren genauso anstrengend wie draußen. Erschwerend kommt hinzu, dass der kühlende Fahrtwind fehlt, weshalb die externe Wasserkühlung des Körpers immer ganz schön eskaliert. Ausgleichend fällt natürlich der fordernde Gegenwind auch weg.

Leider fiel von Beginn an ein Schleifgeräusch auf, das innerhalb eines bestimmten „Drehzahlbereichs“ ganz schön laut war und immer noch ist, ab einer bestimmten Watt- und Trittfrequenz verschwindet. Mit Geräuschen (Klappern, Quietschen, Jaulen) haben wohl viele wahoo-Produkte zu kämpfen. Nachdem ich quer durch die Foren gelesen hatte entschied ich mich jedoch gegen einen Rückversand, da einige Kunden bereits drei bis vier Geräte retourniert hatten und immer wieder neue teilweise schwerwiegendere Probleme hatten. Das Schleifen scheint weder die Schwungscheibe noch wichtige Bauteile zu betreffen, weshalb ich es jetzt einfach hinnehme.

Die ersten Tage probierte ich mich durch die wahoo Fitness-App. Hiermit kann ich auf verschiedenen Leveln (mit verschiedenen Steigungen), mit einer Ergometerfunktion mit einer gewählten Wattzahl oder mit einer Simulationseinstellung (Gefälle und Windgeschwindigkeit) fahren oder eine andere App zum Steuern nutzen. Wenn der Fernseher nebenbei läuft eine prima Sache, ohne wäre das nichts für mich. Der große Vorteil hier ist natürlich die kostenlose Nutzung.

Kinomap.com

Genug vom TV und dem eintönigen Fahren machte ich mich auf die Suche nach Fahrradsimulationsprogrammen. Mit Zwift wollte ich nicht sofort starten, daher schaute ich mir zunächst kinomap.com an. Von Radfahren, Laufen und Rudern mit Video bis hin zu FTP-Tests und Intervalltraining ist hier alles möglich. Spannend ist hier, dass andere Mitglieder ihre Routen mit GPS und Video aufzeichnen und zum Nachfahren zur Verfügung stellen. Als Fahrer habe ich dann die Wahl ob ich die Route in meiner Geschwindigkeit nachfahre oder in der des Erstellers. Letzteres kann sehr mühsam sein, wenn ein Pärchen mit Treckingbikes durch Berlin gondelt und zwischendurch Pausen macht ;). Bei ersterer kann ich mich mit anderen messen, die diese Strecke ebenfalls schon gefahren sind.

Kinomap.com

Ich habe ein paar Tage die 14-tägige kostenlose Testversion probiert und war ganz angetan, aber leider nicht extrem motiviert. Die Option eigene Strecken hochzuladen ist allerdings ganz reizvoll. Reizvoll ist auch der Preis von 9,99€ monatlich, 79,99€ jährlich oder 229€ lebenslänglich. Damit können die großen Plattformen nicht mithalten.

Zwift – Achtung Suchtgefahr!

Zwift bietet eine 7 tägige kostenlose Testversion an. Die wollte ich als nächstes in Anspruch nehmen. Eigentlich ist mir Zwift mit 14,99€/Monat etwas zu teuer, aber ich sagte mir, dass ein Test ja nicht schaden kann.

Schon beim Erstellen des Avatar hatte mich Zwift schon im Griff. Eindeutig hat man hier mehr das Gefühl ein Spiel zu spielen, als stumpf auf dem Heimtrainer zu strampeln. Upgrades je nach Leistung und gesammelten Punkten („drops“) und ein Balken, der einem anzeigt, wie lange man noch zur nächsten Stufe radeln muss. Motivation pur. Trotzdem kommt das professionelle Fahrgefühl nicht zu kurz. Endlich kam ich in den Genuss der Neigungsverstellung, der einem ein realistisches Gefühl von Bergauf- und Bergabfahren vermittelt. Zuvor hatte ich diese Funktion belächelt, aber tatsächlich hat sie zwei Vorteile. Zum einen entlastet sie den Körper durch zusätzliche Bewegung. Die starre Haltung (die auf dem Kickrbike zum Glück gar nicht sooo starr ist) wird also etwas aufgelöst und ich werde, wenn ich nicht auf den Bildschirm schaue, nicht böse von einer Steigung überrascht, sondern merke, dass sich der Lenker hebt. Auf einige Strecken hat man ein leichtes Achterbahngefühl, was unglaublich Spaß macht. Viele meiner Bekannten fahren auch Zwift und man kann sich dort zu Fahrten verabreden, was gerade zu Coronazeiten eine tolle Option ist. Selbst den ein oder anderen Profi kann man dort antreffen. So fuhr ich schon einige Meter mit André Greipel. Was für eine Ehre!

Meine Motivation war tatsächlich so groß, dass ich jeden tag gefahren und mich völlig verausgabt habe. Das merkte ich zunächst an dem Acetongeruch unter der Dusche (der Duft der Proteinverbrennung) und einem deutlichen Zeichen von Übertraining: Schlaflosigkeit. Irgendwann lief der Körper so auf der letzten Rille, dass es als Gefahr erkannt wurde und meine Nebenniere so stark Adrenalin ausgeschüttet hat, dass ich eine Nacht trotz extreme Müdigkeit nur knapp 3h schlafen konnte. Dieses Warnsignal habe ich beherzigt und es die nächsten Tage etwas ruhiger angehen lassen. Regeneration ist nicht zu unterschätzen.

Super spaßig sind auf Zwift auch die Gruppenfahrten oder auch Verabredungen mit Bekannten. Damit habe ich sogar den Kontakt zu einer Schulfreundin wieder aufgebaut, was mich riesig freut. Bei unserer Tour führten wir ein klasse Telefonat (zum Schluss mit leichter Schnappatmung).

Nachdem mein Probeabo ausgelaufen ist, werde ich einen Monat dazu buchen, da die Temperaturen mich weiterhin nicht nach draußen locken. Am März hoffe ich aber, dass ich mein Gravel mal wieder bewegen kann :).

Drei Programme, die mich noch interessieren sind Cadesport, BKOOL und Rouvy. Cadesport ist noch im Betastadium und grafisch nicht so auf der Höhe wie Zwift, aber kostenlos. In Schlechtwetterphasen des Jahres wäre das sicherlich eine klasse Option. Auch spannend klingt BKOOL. BKOOL ist etwas realistischer – vor allem auch die Möglichkeit, eigene gpx.-Dateien hochzuladen. Der Spaß kostet 9,99€. Das lässt auch über leichte grafische Schwächen und fummelige Bedienung hinwegschauen. Einen Monat kann BKOOL gratis getestet werden.

Als Nr. 1 App sieht sich Rouvy. Alleinstellungsmerkmal sind sicherlich die realistische Simulation auf bekannten Strecken. Zwar kostet auch Rouvy 12€ im Monat beim Jahresabo, aber es wird Familysharing angeboten. Bis zu zwei weitere Mitglieder dürfen mit trainieren. Das ist super fair. Es gibt wohl auch kürzere Abos, dazu habe ich aber leider keine Infos finden können…

Brustgurt und ANT+

Meinen Garmin Tri Brustgurt wollte ich selbstverständlich auch gerne koppeln und musste schnell feststellen – das geht nicht, da weder mein Smartphone (ja, manche können das – meins nicht) noch mein Laptop das ANT+-Signal verarbeiten können. Abhilfe sollen hier ANT+-USB-Sticks schaffen. Die gibt es bereits um 15€ bei Ama*** und Co. Schnell bestellt und schnell geliefert steckte ich den Stick ein – und er funktionierte. Grandios. Selbst bei der nächsten Fahrt. Doch ab der dritten wollte der Stick nicht mehr. Ich habe alles probiert, aber mein Laptop wollte ihn nicht mehr erkennen. Also zurückgeschickt und den nächsten Stick für etwa 18€ gekauft. Auch er kam zügig an und wurde vom Laptop erkannt, aber es gab keine verfügbare Installationssoftware. Auf dem Stick stand auch keinerlei Bezeichnung, geschweige denn die im Netz abgebildete Marke. Also wieder eingepackt und weggeschickt. Jetzt gebe ich mehr Geld aus für den Stick von Saris. Er ist baugleich mit dem von Garmin und Elite (die liegen alle um die 40€) und macht hoffentlich was er tun soll. Wir werden sehen….

Jahresrückblick 2020

2020 ein spannendes Jahr. Nicht nur wegen Corona, sondern vor allem weil ich mir ein Haus gekauft habe, welches dringend ein paar Schönheitsbehandlungen bedurfte. Diese haben uns monatelang beschäftigt, weshalb ich ab April bei weitem nicht so viel auf dem Rad saß wie geplant. Vielmehr riss ich wochenlang Tapeten ab und Teppiche raus, kloppte mit Kai Fliesen ab und trug eimerweise Bauschutt durch die Gegend. Ein Ganzkörperworkout neben dem Job, weshalb nicht viel Energie fürs Rad übrig blieb. Trotzdem gab es auch in meinem ersten kompletten Fahrradjahr einige Highlights. Schon am 01.01. saß ich mit Kai am Neujahrstag auf dem Rad und war motiviert auch dran zu bleiben. Am 06.01. gab es eine längere Ausfahrt allein, genauso wie Anfang Februar. Da geriet ich in einen Hagelschauer, das war mies. Da wünscht man sich doch mal ein Indoorbike…

Traumhaftes Radelwetter…

Kurz darauf musste ich im Februar eine Weile aussetzen, da ich operiert wurde. Daher blieb es bei dieser einen Radfahrt im Februar und es ging erst im März weiter. Im März erreicht mich auch mein owayo-Outfit. Ich durfte nämlich dieses Jahr als Ambassador unterwegs sein und wurde von Kopf bis Bein ausgestattet. Definitiv war dies eins meiner Highlights in diesem Jahr und ich werde die Kleidung auch im nächsten Jahr noch gerne tragen.

Das owayo-Outfit

Den Frühling nutzte ich, um mich vermehrt an Berge, Wind und Schotter zu gewöhnen. Einige anstrengende Touren waren dabei, trotzdem denke ich gerne daran zurück. Fies war allerdings die Tour bei der wir einen Teil des Grenzstreifens abgefahren sind und ich jedes zweite Loch in den Panzerplatten mitgenommen habe… Meinen ersten 100er alleine fuhr ich einige Tage später, das fiel leicht, da wir im April ein tolles Frühsommerwetter hatten. Toll war auch die Tour mit meiner Mutter zum Bärlauchpflücken, bei der mir ein Fuchswelpe entgegengewackelt kam. Er musste gerade erst die Augen geöffnet und gleich den Bau verlassen haben. Zuckersüß.

Schnell weiter, nicht, dass hier noch jemand Diabetes bekommt :). Ein weiteres Highlight folgte am 31.05. Trotz Corona durften ich mit meinem Ensemble ein Konzert an der Weser geben. Ein perfekter Test für unsere Bikepacking-Ausstattung. 80 km hin, proben, nettes Zusammensitzen, Probe am nächsten Morgen und Konzert und anschließend 75 km zurück. Eine coole Erfahrung. Der Wechsel von hohen Hacken zu Radschuhen ist allerdings nicht vorteilhaft für die Waden.

Mit meinem Saxophonisten Stefan fuhren wir im Juni eine schöne gemeinsame Runde, an die ich auch gerne zurückdenke.

Mit Stefan am Sieberberg

Seit Juli war ich mit meinem Rox 12.0 unterwegs. Ich liebe diesen Sigma-Fahrradcomputer, nur die Kilometerangaben sind immer noch etwas vorteilhafter als bei Garmin. Woran das liegt kann ich bis heute gar nicht so genau sagen…

Bis August tröpfelte das Sportjahr unspektakulär vor sich hin, doch dann kam unsere Bikepacking-Tour durch Niedersachsen. Da sowohl unser Mallorca-Urlaub, als auch die geplante Tour durch Belgien geplatzt waren, fuhren wir mit Rad und Hängematte durch Niedersachsen und lernten den Großteil des Weserradwegs kennen. Mehr dazu könnt ihr in dem entsprechenden Bericht lesen.

Während der Bikepacking-Tour entlang der Weser

Im September ging es zweimal in den Harz und ich musste wieder einmal feststellen, dass Berge nicht meine Welt sind. Aber man muss sich ja immer wieder seinen Feinden stellen. Ebenfalls im September fand die Cycletour statt, die im Vergleich zum letzten Jahr etwas enttäuscht, da das Gruppengefühl durch die Corona-Beschränkungen verloren ging. Aber klar, das ist Meckern auf hohem Niveau. Tatsächlich hatten wir Glück, dass sie überhaupt stattfinden konnte.

Wärend der Cycletour (Bild: Sportograf)

Im Oktober fuhren wir tatsächlich in den Urlaub. Eine Rarität in diesem Jahr. Wieder einmal zog es uns nach Kühlungsborn und ich hatte die grandiose Idee mit dem Rad auf den Darß zu fahren. Das sind bis dahin ja „nur“ etwa 100km. Unterwegs sammelten wir noch Freunde ein und fuhren mit diesen einige Kilometer über den Darß bevor wir den Rückweg wieder alleine antraten. Leider ging hier meine Actioncam verloren, weshalb die Euphorie über die 196 km Tour etwas getrübt wurde. Rein sportlich war dies – wenngleich es nur 300 hm gab – eine meiner heftigsten Touren, wobei Höhenmeter immer noch schmerzhafter für mich sind als Langstrecke.

Bei längeren Touren tut mir nur der Allerwerteste noch weh, da ich noch immer keinen perfekten Sattel haben. Auch wenn er von seinem Glück noch nicht weiß, aber vielleicht liest er es ja – ich möchte ja gerne mal den offenen Brooks-Sattel von meinem Bekannten Ronny testfahren. Mal schauen, ob er sich darauf einlässt.

Mein Ziel für nächstes Jahr ist, dass ich mich von den ganzen Stravadaten von mir und anderen nicht mehr verrückt machen zu lassen. Tatsächlich hat mich der ganze Datenkram dieses Jahr so unter Druck gesetzt, dass ich kurz davor war mich von Strava zurückzuziehen. Jetzt habe ich mich entschieden, das Profil zu erhalten, aber nicht mehr so exzessiv auszuwerten, geschweige denn zu stalken, was die anderen machen. Ein „Entschuldigung“ an alle, die jetzt keine Kudos mehr von mir bekommen. Tatsächlich möchte ich mich darauf zurückbesinnen, worauf es ankommt, nämlich auf den Spaß und die Freude am Radfahren. Ganz ohne Vergleichen und Ehrgeiz geht es bei mit leider nicht, aber ich versuche zumindest, das ganze entspannter anzugehen.

Für die Zahlenfetischisten trotzdem ein kleiner Überblick:

Radfahrten: 102

Zeit im Sattel: 193:02 h

Zurückgelegte km: 4.502

Gewonnene Höhe: 29.256 m

Längste Tour: 196 km

Damit bin ich etwa 1000 km mehr gefahren als im letzten Jahr. Diese Tendenz darf sich fortsetzen, aber nicht um jeden Preis. Im nächsten Jahr freue ich mich auf viele Touren mit netten Menschen und in Gegenden, in denen ich bisher noch nicht unterwegs war.

Ich wünsche euch allen eine schönes und vor allem gesundes Jahr 2021 und vielleicht hat jemand Lust auf gemeinsame Ausfahrten, sobald dies wieder erlaubt ist?

Herbsttour mit Freunden

Lange sind mein Freund Kai und ich schon nicht mehr mit anderen gefahren. Daher fassten wir den Plan, mit Kais Bruder Sven und unseren Freunden Maik und Ronny aus Scharzfeld eine gemeinsame Runde zu drehen. Erst war ich mir gar nicht so sicher, ob ich mir das antun soll mit einer Horde Männer zu fahren, da der Leistungsdruck schon höher ist als sonst. Dann kam auch noch dazu, dass ich am Freitag auf die glorreiche Idee gekommen war, eine Rund im Jues zu schwimmen. Mit dem Neo natürlich, aber ohne Neoprenmütze und – schuhen. Bei 11°C Wassertemperatur nicht die beste Idee, wie mir die leichten Ohrenschmerzen bestätigten, die mich heute morgen noch vor dem Frühstück überraschten. Mit wenig Lust packte ich meine Siebensachen zusammen und trat mir dabei selbst im übertragenen Sinne in den Allerwertesten. Um 9 Uhr waren alle da und wir fuhren los in Richtung Hattorf, um über Lindau und Katlenburg nach Northeim zu fahren.

Dort bemerkte Kai bei einer kurzen Raucherpause (nee, nicht für ihn 😉), dass bei seinem hinterer Reifen die Luft raus war.

Also wurde fix der Schlauch gewechselt und es ging weiter nach Nörten-Harenberg. Dort brauchte ich dringend etwas zu essen. Scheinbar waren auch die Männer einer gegenüber Pause nicht abgeneigt und so musste ich kein schlechtes Gewissen haben.

Mampf 🙈

Das nächste Ziel war die Plesse. Da mir mein Ohr, vor allem aber die Kondition zu schaffen machte, wollte ich zunächst auf den Anstieg zur Burg verzichten und ließ die Männer vor fahren. Nachdem ich eine Weile gewartet hatte, mir kalt wurde und mein Puls ENDLICH unter 100 bpm gefallen war entschied ich mich doch noch, den Herren zu folgen. Immerhin waren es ja auch nur noch 1,2 km, die auch gar nicht so steil waren, wie gedacht. Oben gab es endlich mal wieder eine Pause (irgendwie haben wir nur Pausen gemacht, kann das sein…?).

Die Plesse ist eine Burgruine aus dem Mittelalter. Zuerst erwähnt wurde sie im 11. Jahrhundert als Sitz des Bischofs von Paderborn. Spannend finde ich jedoch, dass im 13./14. Jahrhundert die etwa 50 Bewohner der Plesse Widerstand gegen die Ausdehnung des Herzogtums Braunschweig leisteten und später ein unabhängiges Gebiet in dem Herzogtum bildeten. Alles weitere könnt ihr auf der Homepage nachlesen.

Zurück Richtung Heimat bewegten wir uns gemütlicher und gemütlicher. Zumindest vom Tempo her, sicherlich lag das an dem fiesen Wind und der Erschöpfung, die nicht nur mir zu schaffen machte. Eine nette Abwechslung war ein 40er-Traktor, der uns gezielt im Windschatten mitnahm und noch einmal ordentlich beschleunigte. Vielen vielen Dank dafür!

Ich bemüht mich, meine Trittfrequenz irgendwo zwischen 90 und 100 U/min zu halten, was mir auch halbwegs gelang. Nachdem wir Ronny und Maik in Schwarzfeld verabschiedet hatten, traten wir auf dem Weg nach Herzberg nochmal ordentlich in den Pedale. Blöd nur, dass da ein paar Wellen im Weg sind und mir der letzte Hügel die letzte Kraft raubte. Trotzdem schafften wir es noch bis zu Haustür, nachdem wir auch Sven Richtung Hattorf verabschiedet hatten.

Wieder einmal eine schöne Tour mit netten Leuten, die mir nur ein bisschen zu schnell war. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben. Alle Bilder des Beitrags habe ich frech geklaut von Kai, Sven und Maik. Meine Actioncam genießt ja noch irgendwo an der Ostsee eine schöne Zeit. 😂

Harz, Cycle Tour und Trittfrequenzoptimierung

Lange habe ich nichts geschrieben. Vermutlich, da im Job und Haus viel zu tun war und die spektakulären Radfahrten etwas kurz gekommen sind. Und doch gab es das ein oder andere Highlight. High, also hoch hinaus ging es Anfang des Monats. Die Ortskundigen kennen die Schluft, den wunderschönen Taleinschnitt mit dem Bächlein „Schluft“, der von Sieber Richtung Sonnenberg hinaufführt (bzw. aus Wassersicht umgekehrt). Sie beginnt sehr human, ganz leicht bergauf und wird zum Ende hin immer steiler und steiler. So haben die ersten zwanzig Kilometer zwar im Schnitt nur eine Steigung von 2,5 %, aber spätestens auf dem sogenannten Speckhaken wird es für den nicht so versierten Bergfahrer bösartig. Immerhin: mit ein paar kleinen Pausen und unter lauten Schnaufen (sicherlich zur Belustigung der niederländischen Radsportgruppe, die uns überholt hat) habe ich das irgendwann geschafft lebendig oben anzukommen. Der Weg nach St. Andreasberg war danach nur noch ein Klacks und dann ging es fast nur noch bergab. Die Schluft ist nicht nur eine schöne asphaltierte, aber autofreie Strecke um Höhenmeter zu trainieren, die Landschaft ist auch einfach wundervoll, da sie zum Naturschutzgebiet „Sieber“ gehört und mit den Felsen und dem (noch) vorhandenen Wald zu allen Jahreszeiten reizvoll ist, da das Tal teilweise wie verwunschen wirkt. Sicherlich werde ich sie – wenn ich mich fit genug fühle – hin und wieder in mein Trainingsstrecken-Repertoire aufnehmen.

Nach dem bergigen Erlebnis ging es auch in diesem Jahr wieder nach Braunschweig zu Cycle Tour. Dieses Jahr entfiel das Rennen, was leider dazu führte, dass viele sehr ambitionierte Rennradfahrer sich für die Tour angemeldet haben. Das machte den Charakter etwas zunichte, da im letzten Jahr vom Tandem, Lasten- und Hollandrad alles dabei war und alle viel Spaß hatten. Dieses Jahr ging es – wenn auch nur mit persönlicher Zeitmessung – bei vielen nur um Bestzeiten auf den 100km nach Magdeburg und nicht um das entspannte Fahren der Tour. Natürlich hatte auch ich den Ehrgeiz, nicht allzu langsam zu fahren, aber nicht auf Kosten der anderen. Hier und dort gab es immer wieder Genörgele, dass ja die Straßen nicht abgesperrt seien oder die 20er-Gruppen in denen man startete nicht fähig waren, zu kreiseln. Kai und ich sind die meiste Zeit zu zwei gefahren und haben uns so, dem Ganzen entzogen. Dafür hatten wir auch die meiste Zeit gute Laune, haben die Landschaft wahrgenommen und sind trotz alledem schneller im Ziel gewesen als im letzten Jahr. Der Weg über den Elm war aber zugegebenermaßen im letzten Jahr im Pulk viel viel einfacher… Schön war in diesem Jahr, dass viele Bekannte aus dem Südharz dabei waren. Aufgrund der kleinen verpflichtenden Startblöcke war ein gemeinsames Fahren jedoch nicht möglich. Das hätte sicherlich auch Spaß gemacht, obgleich ich nicht weiß, ob ich mich mit den Herren nicht übernommen hätte. Zumindest für ein gemeinsames Foto im Zielbereich hat es aber gereicht.

Der Spätsommer hält sich ja noch bis ins letzte Septemberdrittel, sodass wir gestern eine kleine Wanderung im Harz gemacht haben (ok, aufgrund meiner Arthrose eher ein Spaziergang). Dabei fiel uns auf, dass die B242 (Harzhochstraße) noch bis Sonntag für Kraftfahrzeuge gesperrt sein sollte. Bis Sonnenberg ist dort die Fahrbahn saniert worden. Im Scherz meinte ich, dass man dort ja dann dringend noch langfahren müsse. Solche „Scherze“ gibt es hier im Haushalt aber nicht. Deshalb hieß es heute Morgen früh aufstehen (um den Motorrädern zu entgehen) und gegen 7.45 Uhr Abfahrt Richtung Osterode. Entlang der Söse und der Talsperre fuhren wir in die Berge. Den alternativen Radweg zur Staumauer fahre ich nie wieder. Außer mir sind zu viele Motorrader und Autos unterwegs. Das hatte ich mal gemacht, als ich alleine unterwegs war, da er ausgeschildert war. Die Straße ist viel einfacher zu fahren, da die Steigung viel sanfter ist. Bis Riefensbeek und Kamschlacken lief es recht gut, aber dann machte mir die Steigung langsam zu schaffen, sodass ich noch in der letzten Kurve vor der Harzhochstraße eine Pause einlegen musste. Kurz darauf machte wir einen kleinen Futterstop um gestärkt auf den neu asphaltierte Straße zu gehen. Doch Pustekuchen. Von der Stärkung merkte ich nicht viel. Der ewig lange Anstieg machte mir so zu schaffen, dass ich alle paar Hundert Meter verschnaufen musste. Ich hatte bei den letzten Touren versucht, meine Trittfrequenz etwas zu erhöhen (was mittlerweile auf kürzeren Strecken ganz gut funktioniert, wenn ich mich konzentriere). Bei dem Anstieg war ich allerdings im leichtesten Gang unterwegs und kam über eine 80er-Trittfrequenz nicht hinaus. Dadurch waren meine Oberschenkel nicht vernünftig mit Sauerstoff versorgt und beklagten sich kräftig. Zudem fingen meine Lungen kräftig an zu pfeifen, was in einer Art Hyperventilation gipfelte. Woher das kommt, kann ich gar nicht so genau sagen.

So oder so war ich aber ziemlich am Ende und würde mich über Tipps freuen, wenn ihr das Problem kennt und wie ihr damit umgeht. Trainieren an sanfteren Anstiegen mit guter Trittfrequenz oder immer wieder so an die Grenzen gehen? Ich bin mir wirklich unsicher.

In der Ebene werde ich auf jeden Fall weiterhin schauen, dass ich die Trittfrequenz dauerhaft auf 90-100 bekomme. Scheinbar muss ich aber auch an den Muckis arbeiten, die mich den Berg hinaufbringen. Für eine Gewichtsreduktion esse ich zu viel 😁.

Der Rest der heutigen Tour war dann entspannter. Über St. Andreasberg fuhren noch eine Schleife über die Odertalsperre und zurück nach Hause, sodass wir auf etwas mehr als 70 km mit etwa 860 Höhenmetern kamen. Das war mein persönlicher hm-Rekord bisher.

Bike-Packing-Premiere

Vor einiger Zeit habe ich bei einem Gewinnspiel mitgemacht. Dort sollte man angeben, für welche Tour man den Sigma Rox 12.0 Sport benutzten wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir den Plan, eine Runde durch Flandern, also Nordbelgien zu fahren und dort unsere ersten Back-Packing-Gehversuche – nein falsch – Fahrversuche zu machen. Mit meinem Plan habe ich das Gerät ja auch gewonnen und soll eigentlich nun über diese Tour berichten. Jedoch scheint gerade weltweit eine komische Krankheit zu kursieren. Gerade jetzt – Anfang August – schnellten in vielen Ländern, darunter auch Belgien, die Fallzahlen nach oben. Eine klare Reisewarnung gab es zwar nicht, das Risiko einer Ansteckung oder anschließenden Quarantäne war uns aber doch zu groß, sodass wir nur einige Tage vor der Reise unseren Plan über den Haufen warfen und stattdessen eine Route durch Niedersachsen legten. Nebenbei sollte auch der niedersächsische Teil meiner Familie besucht werden, also meine Tante und Onkel, sowie meine Schwester und ihr Freund.

Voll bepackt geht es los. Kai mit der Lenkerrolle und Packtaschen von Ortlieb und Satteltasche von Apidura, ich mit der Ortlieb Gravel-Serie.

Schon das Packen war eine wahre Freude. Probepacken – Fehlanzeige. Erst am Abend vorher stellten wir unser Gepäck zusammen und stellten fest, dass gar nicht alles ans Fahrrad passte. Gut, also etwas abgespeckt. Aber wie vielen Klamotten braucht man? Wechselkleidung, Regensachen, Bikini, Mückenspray, Armlinge und viele andere Kleinigkeiten hätten definitiv zu Hause bleiben können. Dies hätte aber auch anders sein können.

Meine Packliste sah folgendermaßen aus:

  • Radhose kurz, 2 Trikots (eins hätte gereicht), 3 Paar Socken (2 davon überflüssig!), Armlinge und Beinlinge, Weste
  • kurze Hose, T-Shirt, Pulli und Badelatschen, Bikini
  • Schuhe, Helm und Mütze, Buff (als Schnutenpulli-Ersatz)
  • Kompaktkamera (Lumix DMC-TZ 101), Actioncam (Osmo Action), Sigma Rox 12.0, Garmin fenix 5s, Handy, Solar-Powerbank, Ladekabel
  • Sonnencreme (wichtig!), Mückenspray, diverse Popocremeproben und -stick (für mich auch wichtig), Zahnbürste und – pasta, Handtuch, Taschentücher und feuchte Einmalwaschlappen
  • Magnesium-Tabletten, Elektrolyte (Tabletten von High5), Maltodextrin 6 (Pulver), Energie-Gels von High5
  • 2 Next Level Meal (Astronautennahrung) und 3 Megabite (Brownie-Riegel), beides von Runtime
  • Hängematte (Amazonas ultra light, mit Moskitonetz) und Schlafsack (Deuter Orbit +5C°)
  • Kai hatte zusätzlich ein Schloss dabei und einen Kocher (MSR WindBurner- Duo Stove, 1,8l)
Was braucht man nur alles????

Schlecht vorbereitet aber frohen Mutes ging es am Dienstag endlich los. Gegen 8.30 Uhr saßen wir auf dem Rad und fuhren Richtung Göttingen. Zu meiner Tante in Porta Westfalica hätten wir es deutlich kürzer haben können, aber wir wollten so viel wie möglich vom Weserradweg mitnehmen. Im Süden stellte sich zuerst der Roringer Berg in den Weg, an dem wir zum ersten Mal das Gewicht des Gepäcks zu spüren bekamen. Tatsächlich fühlte es sich für mich einige Male so an, als würde sich jemand hinten am Sattel festhalten. Weiter ging es nach Göttingen, wo wir beiden zum ersten Mal in Genuss von Radschnellweg kamen. Zwar hatten wir es nicht eilig, trotzdem machte er die Stadtdurchfahrt sehr angenehm. Über Rosdorf und Dransfeld fuhren wir weiter nach Hann. Münden, der Doktor Eisenbart-Stadt, an der die Weser „entspringt“, bzw. sich aus Werra und Fulda bildet.

Als Kind habe ich den Spruch des Wesersteins von meinem Vater ja anders gelernt: „Wo Fulda sich und Werra küssen, da kannst du in die Weser pis…“. Vom kulturellen Anspruch her vielleicht fragwürdig, aber ich konnte es mir merken. Nach einer Stärkung beim Bäcker und einer kleinen Runde durch die Innenstadt begannen wir die Reise auf dem Weserradweg. Mal auf Schotter, mal asphaltiert aber fast immer schön rollte es sich – hügeliger als erwartet nach Norden. In Hemeln machten wir den nächsten Stop in dem kultigen Biergarten und tranken ein unschlagbar günstiges Weizen (2,50€ mit Blick auf die Weser – perfekt). Trinken war sowieso die Prämisse der Woche, da es jeden Tag heißer werden sollte.

Am Kloster Bursfelde (erbaut 1093) sollte eigentlich das Tagesziel sein. Mönche aus Corvey errichten hier im Auftrag von Graf Heinrich von Northeim das Benediktiner-Kloster, welches zunächst katholisch, später lutherisch geführt wurde. Das Klosterleben endete jedoch im Jahr 1672. Im Jahr 2020 gab es öffentlich zugänglich weder geeignete Bäume für unsere Hängematten noch eine Einkaufsmöglichkeit. Es blieb uns nichts anderes übrig – wir mussten weiter. Nach 106 km (meiner längsten Strecke bisher) und knapp 700 Höhenmetern fanden wir ins Oedelsheim (Oberweser) nicht nur einen Edeka, sondern auch ein relativ ruhiges Plätzchen für die Nacht. Letztere sollte bitterkalt werden. Vorher gab es noch unsere erste Portion unseres Nahrungsshakes. Wir waren ziemlich skeptisch, aber hey, die Dinger sind wirklich lecker und machen erstaunlich satt, auch uns Vielfraße.

Bei 9°C war selbst Kai am Bibbern und ich konnte am Morgen meine Füße trotz Socken nicht mehr spüren. Nachdem wir den Morgennebel abgewartet hatten krabbelten wir am nächsten Morgen aus den Hängematten und bereiteten uns unseren Porridge zu. Erst um 9.30 Uhr saßen wir im Sattel und kreuzten in Gieselwerder die Weser um einige Kilometer linksseitig weiterzufahren. Schon in Bad Karlshafen ging es nach einem zweiten Frühstück wieder zurück ans andere Ufer. Hier pendelten wir ständig zwischen Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Vorbei an Höxter und mit Stop in Holzminden ging es gut. Doch dann kam irgendwann der große Durst und lange keine Möglichkeit, etwas zu Trinken zu bekommen. Nach einer Irrfahrt durch das bergige Reileifzen (es war ein Getränke-Abholmarkt ausgeschildert, aber leider nicht zu finden) gönnten wir uns ein alkoholfreies Radler direkt an der Weser. In Bodenwerder (statt des Lügenbarons Münchhausen) konnten wir unsere Flaschen endlich auffüllen und fanden wenig später eine schöne Schutzhütte. Dort konnte zumindest ich meine Hängematte aufhängen, Kai erklärte sich bereit, auf der Bank zu schlafen. Die Nacht nach etwa 93 km war deutlich wärmer und unser Schlaf entsprechend besser.

Wir wachten früh auf, frühstückten und machte uns entspannt auf zu nächsten Etappe. Wir waren für den frühen Nachmittag bei meiner Tante angemeldet. Bei nur etwas über 60 km gar nicht so einfach. Mit vielen Fotostops, Eis in Hameln und Pizza in Rinteln schafften wir es, die Zeit halbwegs auszureizen. Wenige Kilometer vor dem Ziel schauten wir uns noch kurz von außen die Klosteranlage Möllenbeck an. Dieses wurde bereits 896 als Damenstift gegründet und gilt als eine der größten Klosteranlagen des Weserberglandes. 1441 wurde das Kloster mit Mönchen des Augustinerordens besetzt, die das Kloster bis 1505 neu aufbauten. Heute ist es evangelisch-lutherisch und wird teilweise kirchlich, aber auch als hübsches Hotel und Jugendfreizeitheim genutzt. Die Temperaturen waren aber kaum auszuhalten. 32°C sind schon amtlich und wir genossen es schließlich, von meiner Tante verwöhnt zu werden und die Schattenplätze im Garten zu nutzen.

Gerne wären wir morgens länger geblieben, aber es sollte noch heißer werden (34°C) und wir hatten eine längere Etappe vor uns . Zu meiner Schwester sollten es 102 km sein. Schon zu Beginn waren sich Schilder und der Rox (in diesem Fall die Routenplanung mit komoot) sich nicht einig. Da letzterer uns gerne über die Landstraßen geführt hätte, wir aber den Weserradweg bevorzugt hätten. Dieser hätte jedoch noch einen kräftigen Schlenker nüber Vlotho und Bad Oeyenhausen gemacht, den wir uns sparen wollten. So kamen wir nach einigem Hin und Her auf 114 km. Eines der ersten Highlights war natürlich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal oberhalb der „Porta Westfalica“ („Tor nach Westfalen“). Mit der Porta ist der Weserdurchbruch zwischen dem Wiehen- und Wesergebirge gemeint. Mit dem Denkmal vom Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Einigung des Deutschen Reiches als Folge des Deutsch-Französischen Krieges gefeiert. In Minden kreuzten wir die Weser und den Mittellandkanal und fuhren durch verschiedene Natur- und Vogelschutzgebiete. Nachdem man in unserer Region nur noch die eingeschleppten Nilgänse sieht, war es eine Wohltat mal wieder Grau- und Nonnengänse zu beobachten. Die letzten Kilometer u.a. durch Nienburg wurden hart, vor allem, da die Luft entweder stand oder uns Gegenwind bescherte. 114 km – wieder eine längste Strecke für mich. Das absolute Highlight war der knappe Kilometer feinster Heidesand, der tatsächlich als Radweg markiert war – eine Frechheit… Meine Schwester Corinna und Flo beglückten uns mit Kuchen und als die Temperaturen am Abends nachließen auch mit Gegrilltem. Außerdem füllten wir die körpereigenen Wasserspeicher noch einmal kräftig für die kommende Hitzeschlacht.

Bereits um 8.30 Uhr saßen wir nach einem ausgiebigen Frühstück im Sattel um uns auf die Heimreise zu machen. 36 °C Grad sollten wir heute noch erreichen. Und was macht der intelligente Radfahrer – sicherlich nicht knapp 130 km Rad fahren. Noch dazu auf einer Strecke, die leider total ätzend war. Zunächst war alles gut. Es ging entlang der Aller mal auf Schotter, mal auf Beton oder Asphalt, oft sogar mit Schatten vorwärts. Ab Schwarmstedt allerdings machten wir den Fehler, die kurze Strecke über Hannover zu wählen, anstatt den Leineradweg zu nehmen. Dieser war leider auch nirgends – auch nicht auf unserem Weg durch Hannover – ausgeschildert, sodass wir Kilometer um Kilometer uns an Bundesstraßen vorbeiquälten und in Hannover jede rote Ampel mitnahmen. Hier hatten wir auch die Maximaltemperatur erreicht und ich hatte bei jedem Stop das Gefühl, dass ich vom Rad falle. Kurz vor Hildesheim fanden wir schließlich einen hilfsbereiten Ortskundigen, der uns den Weg zum Leineradweg beschrieb, sodass zumindest die letzten Kilometer des Tages etwas erträglicher wurden. Bei mir war bald die Luft raus, sodass wir nach 127 km die Tagesetappe beendeten (übrigens meine längste Tour bisher…). In Bad Salzdetfurth fanden wir Speis und Trank und eine Schlafstätte an einem Fußballplatz, an der wir halbwegs ungestört waren. Ich war nach dieser Tour ehrlich gesagt physisch wie psychisch etwa neben der Spur und brauchte die Nacht um wieder zu Kräften zu kommen. Die ganzen Kilometer, die Hitze und die Schmerzen vor allem am Gesäß hatten da wohl ihren Tribut gefordert.

Am Sonntag standen wir früh – aber furchtbar müde auf und machte uns schnell nach dem Frühstück auf den Weg, denn es sollte – wie könnt es anders sein – heiß werden. Viertel nach Sieben ging es los auf die letzten Kilometer, die es noch mal in sich hatten Zwar waren es nur knappe 75 km, aber auch noch einmal über 700 Höhenmeter. Das schlauchte, aber zumindest hatte man ein Ziel vor Augen. Auch heute waren sich Rox und Nutzer nicht überall einig. Sicherlich hätten wir einige Höhenmeter sparen können, wenn wir über Bockenem, Rhüden und Seesen gefahren werden, die Route leitete uns jedoch über Lamspringe, Bad Gandersheim, das Harzhorn und Kalefeld. Am Harzhorn fanden vor gerade einmal 1790 Jahren einige Schlachten zwischen den Römern und Germanen statt. Nach diesem Geschichtsausflug machten wir uns auf die letzten Kilometer, die noch einmal einige Anstiege in petto hatten. Nach einem Eis in Osterode (das 7. in dieser Woche glaube ich…) kamen wir erschöpft in Herzberg an.

Alles in allem war es eine tolle Erfahrung. Pack- und satteltechnisch muss sicherlich noch einiges optimiert werden und für die Hängematte muss eine Isomatte her, aber ansonsten war es eine gelungene Bike-Packing-Premiere durch den Norden und ich freue mich schon jetzt auf die Belgien-Tour…

Runde 570 km (Garmin und Rox sind sich nicht ganz einig) und etwa 2300 Höhenmeter in sechs Tagen. Ich glaube, ich kann ganz stolz auf mich sein, vor allem bei den Temperaturen rund um den Garpunkt….

Neuer Rucksack, Reifen und ein Gewinn

Dieser Artikel enthält Werbung, die aber keinen finanziellen Hintergrund hat, sondern nur meine Erfahrungen wiederspiegelt.

Es gibt wieder ein paar Neuigkeiten. In letzter Zeit bin ich gelegentlich mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Da ich als Lehrerin einiges mitzunehmen habe ist ein Rucksack nötig. Bisher war ich immer mit einem klassischen Daypack unterwegs, der nicht nur sehr warm am Rücken, sondern auch nicht so ganz bequem auf Dauer ist. Daher habe ich mich dafür entschieden, mir einen Radrucksack zu gönnen, der vielleicht auch eine gute Ergänzung fürs Bikepacking werden könnte. Kai hat ja den Ortlieb Commuter, der wasserdicht, für mich aber etwas zu groß ist. Kürzlich habe ich in einem Outdoorladen einen Osprey Radrucksack in der Hand gehabt und war begeistert davon, wie durchdacht diese Rucksäcke sind. Schon ein knappes Jahr später habe ich tatsächlich Nägel mit Köpfen gemacht und mir einen Osprey 25 Escapist gegönnt.

In der Größe S/M fasst dieser 23 Liter. Tolle Gimmicks sind die praktische Helmhalterung und die inkludierte Regenhülle. Gut überlegt ist die Platzierung des Schlüsselclips im kleinen Vorderfach. Hier kann der Schlüssel in eine Tasche gesteckt werden und baumelt und klimpert nicht in der Gegend herum. Rückseitig befindet sich ein Fach für eine Trinkblase, die jedoch nicht inklusive ist. Ebenfalls am Rücken findet sich eine große Klettfläche, durch die die Rückenlänge super variabel verstellen lässt. Da ich einen recht langen Rücken habe, habe ich diese fast komplett herausgezogen und der Rucksack passt super. Das Hauptfach ist im unteren Drittel durch einen Reißverschluss abgeteilt. Dadurch kann dieses als Nassfach oder ähnliches genutzt werden und der obere Teil für leichteres Gepäck. Öffnet man den Reißverschluss, hat mein ein passabel großes Hauptfach. Die Hüft- und Schultergurte sind auch mehrfach verstellbar, der Brustgurt (mit Signalpfeifchen) ist in der Höhe und Weite verstellbar, sodass auch Frau sich nichts abschnürt. Am rechten Schultergurt ist eine Tasche angenäht, die prima für ein Handy wäre, aber für meins zu klein ist. Für die Actioncam oder andere Kleinigkeiten ist sie aber prima. Ich transportiere tatsächlich darin derzeit meinen Schlüssel, da ich zum Türöffnen den Rucksack dann nicht absetzen muss.

Auch an den Hüftgurten finden sich Taschen, sodass jede Menge verstaut werden kann. An meinem Sattel habe ich ich eine Werkzeugtasche, die mein Rücklicht oft verdeckt, wenn ich mit der großen Satteltasche unterwegs bin, ist es gar nicht mehr zu sehen. Der Rucksack bietet nicht nur selbst eine Aufhängung für ein Clip-Rücklicht, sogar an der Regenhülle kann ich dieses einhängen. Mein Weg zur Arbeit ist ja nur 18 km lang, daher bin ich gespannt, wie sich der Rucksack auf weiteren Touren schlägt.

Neu sind außerdem meine Reifen. Meine Schwalbe One hatten es hinter sich, da ich vor allem den Hinterreifen durch zu viel Gebremse in einen Slick verwandelt habe. Jetzt bin ich mit dem Terra Speed von Continental unterwegs. Ich fahre ihn mit Schlauch, er ist jedoch tubeless-ready. Die schwarze Flanke des Reifens und der orangefarbene Schriftzug passen super in mein Farbkonzept. Aber das ist wohl eher für mich als Frau wichtig. Fakt ist, dass ich jetzt wieder Profil habe und er sich auch gut fährt. Ob er jetzt besser oder schlechter als der G-One ist, kann ich aber wirklich nicht sagen. Ersterer hat mich immerhin 4.600 km pannenfrei begleitet.

Gewonnen habe ich heute etwas von Sigma Sport. Was genau verrate ich aber erst, wenn es da ist. Allerdings bin ich jetzt auch im Zugzwang, dass wir im August unsere erste Bikepacking-Tour unternehmen…. Denn darüber soll ich als Gegenleistung berichten.

Heute hatten wir eine prima Tour mit meinem Freund und Musikerkollegen Stefan. Eine Runde von 42 km und rund 360 Höhenmetern. Stefan ist zwar ein paar Jährchen älter als wir, nichtsdestoweniger aber ganz schön fit. So fuhren wir in Kais Windschatten ein ganz schön zügiges Tempo von über 28 km/h, was mir bei Strava einige persönliche Rekorde und bei elf Segmenten fünf Plätze unter den Top 10 bei den Damen bescherte. Holla die Waldfee…. Wiederholungsbedarf!! Ich hoffe, dass wir meinen Lieblingssaxophonisten nicht verschreckt haben, dass er sich noch ein paar Mal auf uns einlässt.

Hobby-Verquickung: Music meets sports

Mit dem Rad zum Konzert und zurück.

Ein tolles Pfingstwochenende liegt hinter mir und ganz schön müde bin ich auch. Wie einige von euch wissen, singe ich in einem kleinen Ensemble. Wie allen Künstlern, ging es auch uns in den letzten Monaten so, dass die Konzerte reihenweise ausgefallen sind. Das war sehr schade, vor allem, weil uns vieren das aktuelle Programm „Moritaten“, welches sich mit allerhand blutrünstigen Liedern aber auch harmlosem Schlager/Pop beschäftigt, richtig gut gefällt. Lange geplant war auch ein Aufenthalt im Liederhof Hemeln, einer Pension, die mit ihrem Verein regelmäßig Konzerte veranstaltet. Auch hier sahen wir schon unsere Felle davon schwimmen. Aber dann kam alles anders. Plötzlich durften Hotels wieder mit 60 % belegt werden. Das passte genau, da sowohl unser Bassist Jörg, als auch ich unsere Partner mitbringen wollten. Auch wenn die Möglichkeit eines Konzert erst einmal nicht bestand, entschieden wir uns dafür trotzdem dorthin zu fahren und unter freiem Himmel auf dem Hof eine offene Probe zu veranstalten. Nur wenige Tage bevor es losging, kam aber doch die Zusage für ein Konzert. Hemeln liegt direkt an der Weser in Südniedersachsen und ist mit einer Fähre mit dem hessischen Ort Veckerhagen verbunden. Hessen hat die Corona-Regeln bereits etwas weiter gelockert. Dorthin verlegten wir unser Konzert. Unter strengen Hygieneregeln und mit Voranmeldung der Gäste, konnten wir es im Restaurant Weigands Hotel Peter direkt auf der Weserterasse 70 Leuten ermöglichen, unser Konzert wahrzunehmen.

Doch dazu später. Kai und ich entschieden uns dazu, mit dem Rad nach Hemeln zu fahren. Dorthin gibt es mehrere Möglichkeiten. Zunächst hatte ich eine Route über Göttingen herausgesucht. Diese war mit etwa 70 km die kürzeste aber auch recht hügelig. Daher entschieden wir uns ein bisschen weiter zu fahren, aber dafür zu Beginn etwas flacher. Also fuhren wir bei viel Sonne, aber auch kaltem Wind über Northeim, ein Stück entlang des Leineradweges und dann bald hügelig Richtung Weser. Bewusst fuhren wir relativ entspannt, da ja an dem Tag noch eine Probe anstand und viel schlimmer: am nächsten Tag die Rückfahrt. Bis auf die beiden Anstiege 30, bzw. knapp 10 km vor Ende der Fahrt war die Route relativ flach und ging sogar seicht bergab. Die letzten sechs Kilometer führt eine Serpentinenstraße nach Hemeln ins Wesertal. Runter macht die Spaß….

Angekommen, bezogen wir die Zimmer und machten uns frisch. Jörg und seine Frau trafen fast zeitgleich mit uns ein, allerdings per PKW. Stefan (Saxophon und Klarinette) und Dirk (Klavier) trudelten etwas später ein. Wir erkundeten gleich den urigen Hof. Geplant war ein Kaffeetrinken gegen 14 Uhr. Dazwischen kam allerdings der Schafscherer, der sich telefonisch anmeldete. Das Event der Schafschur wollten wir uns nicht entgehen lassen und waren allesamt erstaunt ob der Arbeitsgeschwindigkeit und gleichzeitigen Ruhe und Versiertheit des Schaffrisörs. Ich hatte ein viel brutaleres Prozedere erwartet. Tatsächlich ergaben sich die Schafe der Prozedur nicht ganz freiwillig, Panik konnte man allerdings überhaupt nicht feststellen. Sauber hatte der Schafscherer die Wolle nach wenigen Minuten in einem Stück abrasiert und auch die Klauen geschnitten. Wusstet ihr, dass sich Schafe nach der Schur gegenseitig nicht erkennen? Tatsächlich scheinen sie sich eher visuell zu orientieren und müssen sich nach der Schur erst einmal wieder aneinander gewöhnen.

Nach diesem Erlebnis gab es dann doch noch den ersehnten Kaffee und anschließend begaben wir uns in den Garten. Die Besitzer des Liederhofs hatten aus Weiden eine Art kleine Kapelle gepflanzt, in dessen „Altarraum“ wir unsere Probe stattfinden ließen. Eine tolle Atmosphäre in sanftem Grün mit Vogelgezwitscher. Wir probten sowohl Stücke unseres aktuellen Programms als auch einige neue. Mit einigen Nachbarn am Zaun und unseren Begleitungen und Gastgebern hatten wir sogar schon ein kleines Publikum.

Nach einem Spaziergang an die Weser gingen wir zum Grillen und dem gemütlichen Teil des Abends über.

Am nächsten Morgen trafen wir uns zum Frühstück. Leider sind Buffets ja noch immer nicht erlaubt, aber unsere Gastgeber hatten für jedes Zimmer einen schönen Teller zusammengestellt, den wir in der Sonne genießen konnten. Anschließend stellten wir das Programm für den Nachmittag zusammen, entspannten noch ein bisschen und machten uns gegen Mittag auf zum Fähranleger.

Die Fähre zwischen Hemeln und Veckerhagen ist eine Gierseilfähre. Das bedeutet, dass sie nur durch die Strömung des Flusses angetrieben wird. Die Position im Fluss und damit über die Fahrtrichtung wird über zwei Drahtseilwinden bestimmt. Seit über 670 Jahren kommen die Menschen hier nach diesem Prinzip über die Weser. Das Fährschiff selbst ist selbstverständlich etwas jünger.

Auf der anderen Seite liegt direkt Weigands Hotel Peter mit der großen Weserterasse – unsere Konzertlocation. Hier wurden wir auf Kosten des Hauses mit Getränken und Kuchen versorgt, nachdem wir unsere Technik und Instrumente aufgebaut hatten. Mit so viel Abstand zueinander und zum Publikum haben wir noch nie gespielt. Das zeigte sich leider auch im Konzert selbst, da der räumliche Abstand auch zu einer gewissen emotionalen Distanz führt, noch dazu, da das Publikum zum Teil mit dem Rücken zu uns saß und nebenbei aß und trank. Trotzdem machte das Konzert Spaß und das Feedback war wieder einmal recht gut. Überhaupt sind wir sehr, sehr dankbar, dass es in der heutigen Zeit überhaupt möglich war zu konzertieren.

Gegen 17 Uhr waren wir mit dem Abbau fertig und Kai und ich aßen noch einen Toast Hawaii, bevor wir mit der Fähre den Rückweg antraten. Nach dem Abschminken und dem finalen Packen machten wir uns gegen 18.15 Uhr auf den Heimweg.

Die Serpentinen, die sich leider auch einen Tag später noch über sechs Kilometer den Berg hinaufschlängelten (ich hatte ja gehofft, dass die Plattentektonik mal zu meinen Gunsten arbeitet) hatten mir schon Tage vorher Kopfzerbrechen bereitet. Tatsächlich schaffte ich den Anstieg aber am Stück und ohne Pause auch wenn mein Puls zwischen 170 und 180 bpm pendelte.

Nach 20 km merkte ich verstärkt die Belastung des Vortags. Und auch so ein Konzert ist nicht unanstregend. Ab der Hälfte der Strecke schoss mein Puls immer wieder über 170 bpm, auch ohne steilere Anstiege und die Oberschenkel wurden hart.

Kurz vor 22 Uhr kamen nach 78 Kilometern und 3:15 h ganz schön müde in Herzberg an. Nach einer Dusche, einem Shake und einem Schokopudding ging es dann auch bald ins Bett.

Ein richtig Wochenende mit netten Gastgebern und einem tollen Ensemble, das ich nicht missen möchte. Besonder schön war natürlich, dass Kai mich begleitet hat. Ohne ihn hätte ich den Rückweg bei dem Gegenwind vermutlich nicht gepackt oder wäre deutlich später angekommen….