Indoorradeln mit dem kickrbike

Welcher Rollentrainer?

Dieses Jahr hatten wir ja tatsächlich einmal winterliche Temperaturen im Winter und ich kam schon Ende des Jahres an die Grenzen des Erträglichen. Trotz Winterhose und -schuhen, Merinosocken dicken Handschuhen und beheizbaren Sohlen hatte ich nach etwa 30 Minuten die ersten Anzeichen, dass sich das Blut aus Fingern und Zehen zurückzieht und nach zwei Stunden war der Spaß für mich dann vorbei. Längere Touren – undenkbar. Schon nach kurzen Touren stand ich bis zu 20 Minuten unter der Dusche, bis meine Finger von weiß und dunkelblau über knallrot und schmerzend zu einer normalen Färbung zurückgefunden hatten. Das ganze nennt sich ja Reynould-Syndrom und ist gar nicht so selten. Immer wieder hört man „ach, du hast das auch?“. Von daher werden einige hier wissen, wovon ich schreibe und weshalb Radfahren im Winter eher eine Tortur als ein Genuss ist. Gegen indoorcycling habe ich mich bisher immer gesträubt. Das ganze Hinterrad ausbauen oder vielleicht sogar anderen Reifen aufziehen und Kassette einstellen und und und… dieser ganze Kram hat mich sehr abgeschreckt. Außerdem würde ich mich gerne bei schönem Wetter spontan auch wieder outdoor aufs Rad setzen ohne vorher alles Mögliche umzubauen. Natürlich hätte ich mir ein günstiges Zweitrad und einen Smarttrainer kaufen können, aber nach langem Überlegen und Testslesen habe ich mich für das wahoo kickrbike entschieden, da ich mir da die ganze Montage und Einstellerei sparen kann. Noch lieber hätte ich mir das Wattbike Atom gekauft, weil es etwas ausgereifter wirkt und deutlich weniger kostet. Leider ist das in Deutschland nicht zu bekommen. Nicht zu bekommen – das gilt natürlich auch für viele andere Rollentrainer, aber immer wieder sind doch einzelne Exemplare plötzlich zu haben. Und so war auch mein Kickrbike innerhalb weniger Tage da.

Aufgesattelt

Kai half mir beim Aufbau, wobei dieser relativ einfach vonstatten geht. Stützfüße anschrauben, Sattel und Lenker drauf und Pedale dran. Dann noch ein paar Kabel einstecken und das war´s. Bei der Lieferung ist alles dabei – sogar Pedale. Allerdings nur flats. Das ist aber ganz klar, da ja jede Firma ihr eigenes click-System hat. Ich montierte einmal kurz den gelieferten Sattel und merkte sofort, dass der bei mir keinen Sinn macht. Von meinem Bekannten Ronny durfte ich allerdings den Brooks C17 carved ausprobieren.

Noch mit „flats“

Mit dem hatte ich schon lange geliebäugelt. Leider passt auch dieser Sattel überhaupt nicht zu mir. Das Schambein fühlte sich nach zwei Touren so an, als sei es grün und blau, obwohl auch auch mit der Höhe der Sattelnase noch experimentiert hatte. Außerdem ist die Öffnung tatsächlich ZU groß. Auch andere zunächst vielversprechende Sättel überzeugten mich nicht…

Ein weiterer Bekannter (Bernhardt aus Hattorf) ließ mich den 611 von SQLab testen. Der war ganz gut, wobei nach zwei Stunden auch alles weh tat. Aber das muss beim Indoorradeln wohl so sein. Letztendlich bestellte ich mir den 612 von SQlab und der darf im Sommer auch auf mein Gravel wandern. Einen großen Unterschied zum 612 merke ich nicht, aber da ich jetzt auf so vielen Sätteln saß sind tatsächlich mein Ergon und der 612 die „kleinsten Übel“. Vermutlich muss ich mich damit anfreunden, dass ich untenrum einfach ziemlich empfindlich bin und gelegentlich mit Eiterknoten, Brennen & Co. leben muss.

Gut, dass man beim Indoor Training kaum schwitzt 😅

Erster Eindruck

Genug der ekligen Details. Kommen wir zurück zum Kickrbike. Das Bike selbst hat ein schlankes Design und wirkt recht gut verarbeitet. Der immer wieder kritisierte Lenker ist tatsächlich nicht sehr komfortabel, da das Rohr einen sehr dünnen Durchmesser hat. Als Schweißschutz nutze ich ein Handtuch, welches ich gleichzeitig als Lenkerpolsterung nehme. So lässt es sich arbeiten. Die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass das Rad für jeden perfekt angepasst werden kann. Durch die App ließ ich mir (nach Angabe von Schrittlänge und Körpergröße) Maße vorschlagen, die ich jedoch noch optimieren musste. Beim Antreten erschrak ich erst einmal etwas. Nachdem ich oft gehört hatte, dass das Fahren auf der Rolle viel leichter ist als draußen und man leicht einen 30er oder 35er-Schnitt fahren kann, muss ich entschieden sagen, dass das auf dem kickrbike NICHT so ist. Das bestätigte mir auch Kai, der schon früher Rolle gefahren ist. Der Widerstand ist deutlich realistischer und das Bergefahren genauso anstrengend wie draußen. Erschwerend kommt hinzu, dass der kühlende Fahrtwind fehlt, weshalb die externe Wasserkühlung des Körpers immer ganz schön eskaliert. Ausgleichend fällt natürlich der fordernde Gegenwind auch weg.

Leider fiel von Beginn an ein Schleifgeräusch auf, das innerhalb eines bestimmten „Drehzahlbereichs“ ganz schön laut war und immer noch ist, ab einer bestimmten Watt- und Trittfrequenz verschwindet. Mit Geräuschen (Klappern, Quietschen, Jaulen) haben wohl viele wahoo-Produkte zu kämpfen. Nachdem ich quer durch die Foren gelesen hatte entschied ich mich jedoch gegen einen Rückversand, da einige Kunden bereits drei bis vier Geräte retourniert hatten und immer wieder neue teilweise schwerwiegendere Probleme hatten. Das Schleifen scheint weder die Schwungscheibe noch wichtige Bauteile zu betreffen, weshalb ich es jetzt einfach hinnehme.

Die ersten Tage probierte ich mich durch die wahoo Fitness-App. Hiermit kann ich auf verschiedenen Leveln (mit verschiedenen Steigungen), mit einer Ergometerfunktion mit einer gewählten Wattzahl oder mit einer Simulationseinstellung (Gefälle und Windgeschwindigkeit) fahren oder eine andere App zum Steuern nutzen. Wenn der Fernseher nebenbei läuft eine prima Sache, ohne wäre das nichts für mich. Der große Vorteil hier ist natürlich die kostenlose Nutzung.

Kinomap.com

Genug vom TV und dem eintönigen Fahren machte ich mich auf die Suche nach Fahrradsimulationsprogrammen. Mit Zwift wollte ich nicht sofort starten, daher schaute ich mir zunächst kinomap.com an. Von Radfahren, Laufen und Rudern mit Video bis hin zu FTP-Tests und Intervalltraining ist hier alles möglich. Spannend ist hier, dass andere Mitglieder ihre Routen mit GPS und Video aufzeichnen und zum Nachfahren zur Verfügung stellen. Als Fahrer habe ich dann die Wahl ob ich die Route in meiner Geschwindigkeit nachfahre oder in der des Erstellers. Letzteres kann sehr mühsam sein, wenn ein Pärchen mit Treckingbikes durch Berlin gondelt und zwischendurch Pausen macht ;). Bei ersterer kann ich mich mit anderen messen, die diese Strecke ebenfalls schon gefahren sind.

Kinomap.com

Ich habe ein paar Tage die 14-tägige kostenlose Testversion probiert und war ganz angetan, aber leider nicht extrem motiviert. Die Option eigene Strecken hochzuladen ist allerdings ganz reizvoll. Reizvoll ist auch der Preis von 9,99€ monatlich, 79,99€ jährlich oder 229€ lebenslänglich. Damit können die großen Plattformen nicht mithalten.

Zwift – Achtung Suchtgefahr!

Zwift bietet eine 7 tägige kostenlose Testversion an. Die wollte ich als nächstes in Anspruch nehmen. Eigentlich ist mir Zwift mit 14,99€/Monat etwas zu teuer, aber ich sagte mir, dass ein Test ja nicht schaden kann.

Schon beim Erstellen des Avatar hatte mich Zwift schon im Griff. Eindeutig hat man hier mehr das Gefühl ein Spiel zu spielen, als stumpf auf dem Heimtrainer zu strampeln. Upgrades je nach Leistung und gesammelten Punkten („drops“) und ein Balken, der einem anzeigt, wie lange man noch zur nächsten Stufe radeln muss. Motivation pur. Trotzdem kommt das professionelle Fahrgefühl nicht zu kurz. Endlich kam ich in den Genuss der Neigungsverstellung, der einem ein realistisches Gefühl von Bergauf- und Bergabfahren vermittelt. Zuvor hatte ich diese Funktion belächelt, aber tatsächlich hat sie zwei Vorteile. Zum einen entlastet sie den Körper durch zusätzliche Bewegung. Die starre Haltung (die auf dem Kickrbike zum Glück gar nicht sooo starr ist) wird also etwas aufgelöst und ich werde, wenn ich nicht auf den Bildschirm schaue, nicht böse von einer Steigung überrascht, sondern merke, dass sich der Lenker hebt. Auf einige Strecken hat man ein leichtes Achterbahngefühl, was unglaublich Spaß macht. Viele meiner Bekannten fahren auch Zwift und man kann sich dort zu Fahrten verabreden, was gerade zu Coronazeiten eine tolle Option ist. Selbst den ein oder anderen Profi kann man dort antreffen. So fuhr ich schon einige Meter mit André Greipel. Was für eine Ehre!

Meine Motivation war tatsächlich so groß, dass ich jeden tag gefahren und mich völlig verausgabt habe. Das merkte ich zunächst an dem Acetongeruch unter der Dusche (der Duft der Proteinverbrennung) und einem deutlichen Zeichen von Übertraining: Schlaflosigkeit. Irgendwann lief der Körper so auf der letzten Rille, dass es als Gefahr erkannt wurde und meine Nebenniere so stark Adrenalin ausgeschüttet hat, dass ich eine Nacht trotz extreme Müdigkeit nur knapp 3h schlafen konnte. Dieses Warnsignal habe ich beherzigt und es die nächsten Tage etwas ruhiger angehen lassen. Regeneration ist nicht zu unterschätzen.

Super spaßig sind auf Zwift auch die Gruppenfahrten oder auch Verabredungen mit Bekannten. Damit habe ich sogar den Kontakt zu einer Schulfreundin wieder aufgebaut, was mich riesig freut. Bei unserer Tour führten wir ein klasse Telefonat (zum Schluss mit leichter Schnappatmung).

Nachdem mein Probeabo ausgelaufen ist, werde ich einen Monat dazu buchen, da die Temperaturen mich weiterhin nicht nach draußen locken. Am März hoffe ich aber, dass ich mein Gravel mal wieder bewegen kann :).

Drei Programme, die mich noch interessieren sind Cadesport, BKOOL und Rouvy. Cadesport ist noch im Betastadium und grafisch nicht so auf der Höhe wie Zwift, aber kostenlos. In Schlechtwetterphasen des Jahres wäre das sicherlich eine klasse Option. Auch spannend klingt BKOOL. BKOOL ist etwas realistischer – vor allem auch die Möglichkeit, eigene gpx.-Dateien hochzuladen. Der Spaß kostet 9,99€. Das lässt auch über leichte grafische Schwächen und fummelige Bedienung hinwegschauen. Einen Monat kann BKOOL gratis getestet werden.

Als Nr. 1 App sieht sich Rouvy. Alleinstellungsmerkmal sind sicherlich die realistische Simulation auf bekannten Strecken. Zwar kostet auch Rouvy 12€ im Monat beim Jahresabo, aber es wird Familysharing angeboten. Bis zu zwei weitere Mitglieder dürfen mit trainieren. Das ist super fair. Es gibt wohl auch kürzere Abos, dazu habe ich aber leider keine Infos finden können…

Brustgurt und ANT+

Meinen Garmin Tri Brustgurt wollte ich selbstverständlich auch gerne koppeln und musste schnell feststellen – das geht nicht, da weder mein Smartphone (ja, manche können das – meins nicht) noch mein Laptop das ANT+-Signal verarbeiten können. Abhilfe sollen hier ANT+-USB-Sticks schaffen. Die gibt es bereits um 15€ bei Ama*** und Co. Schnell bestellt und schnell geliefert steckte ich den Stick ein – und er funktionierte. Grandios. Selbst bei der nächsten Fahrt. Doch ab der dritten wollte der Stick nicht mehr. Ich habe alles probiert, aber mein Laptop wollte ihn nicht mehr erkennen. Also zurückgeschickt und den nächsten Stick für etwa 18€ gekauft. Auch er kam zügig an und wurde vom Laptop erkannt, aber es gab keine verfügbare Installationssoftware. Auf dem Stick stand auch keinerlei Bezeichnung, geschweige denn die im Netz abgebildete Marke. Also wieder eingepackt und weggeschickt. Jetzt gebe ich mehr Geld aus für den Stick von Saris. Er ist baugleich mit dem von Garmin und Elite (die liegen alle um die 40€) und macht hoffentlich was er tun soll. Wir werden sehen….

Yoga-Challenge

Als Biologin bin ich ja ganz erfreut, wenn es um Hunde, Kobras, Kamele und Heuschrecken geht, bei meiner neuesten Challenge sind die aber gar nicht so putzig. Seit etwas über drei Wochen trainiere ich mit Kai und Mady Morrison. Letztere ist eine Yogalehrerin aus Berlin und versucht uns, die Grundlagen des Yoga im wahrsten Sinne des Wortes „beizubiegen“. Persönlich anwesend ist sie nicht, sondern hat einen Youtubekanal auf dem diverse Workouts angeboten werden. Außerdem bietet sie zum Jahresstart eine 30-Tages-Challenge an, für die sie die bestehenden, aber auch neue Videos in eine für sie logische Reihenfolge gebracht hat. Bei der Anmeldung per Email gibt es sogar einen Plan, an dem man sich orientieren und – viel wichtiger – abhaken kann, was man bereits gemacht hat.

Die ersten Tag habe ich ganz motiviert alles gegeben und was war die Quittung? Rückschmerzen im Lendenwirbel- und Brustwirbelbereich und lautes Knirschen im Rücken. Verunsichert habe ich Foren gewälzt mit dem Ergebnis, dass das nicht so gut ist und dem Hinweis, dass man es doch etwas vorsichtiger und achtsamer beim Yoga angehen sollte. Das nahm ich mir zu Herzen und versuchte bei der Kobra und der Ganzen Vorbeuge meinen Rücken nicht aus dem Blick zu verlieren und mit noch mehr Körperspannung zu arbeiten. Nicht alles war schlecht. Durch das regelmäßige Dehnen fühlen sich die Beine tatsächlich besser und weniger verhärtet an. Durch das Radeln sind allerdings die rückseitigen Oberschenkelmuskeln so verkürzt, dass ich innerhalb der letzten zwei Jahre extrem an Dehnbarkeit verloren. Durch stetes Training wird das aber vielleicht wieder besser.

Jetzt nach drei Wochen ist die Motivation tatsächlich immer noch da. Nur wenn sich die Mady mal eben in den Handstand begibt bleiben wir etwas frustriert zurück. Aber sei es das Silent Yin Yoga, bei dem bei Stille mehrere Minuten in Dehnungen verharrt wird oder energiereichen Flow-Einheiten, bei denen zügig durch verschiedene zum Teil wirklich fiese Asanas gewandert wird – hinterher fühlt man sich gut. Mal mehr mal weniger erschöpft fühlen sich die Muskelgruppen langsamer besser an. Es kracht zwar immer noch kräftig im Bereich meines Iliosakralgelenks, aber richtige Schmerzen habe ich da schon eine Weile nicht mehr. Nach drei Wochen kann man natürlich keine Wunder erwarten, aber ich freue mich auch über kleine Fortschritte. Da ich mir jetzt auch eine schöne Yogamatte gekauft habe, werde ich das Projekt sicherlich nicht nach diesem Monat beenden.

Tatsächlich bin ich auch gespannt, wie sich eine regelmäßige Yogapraxis auf den anderen Sport, die Haltung und natürlich auch auf die Psyche auswirkt. Von daher bleibe ich dran und und übe mich weiter in Taube, Krieger und Heuschrecke.

Namasté!

Da er gerade gequängelt hat, dass über seine Entwicklung hier nichts steht: Selbst Kai wird so ganz langsam etwas beweglicher. Er hatte die deutlich schwierigere Ausgangssituation mit partiell totaler Unbeweglichkeit, so langsam kommt er aber in den Flow und auch schon mit den Händen an die Schienbeine 😉. Aber im Ernst. Es ist toll, dass er sich darauf eingelassen hat und auch weitermachen möchte. Als nicht gerade die maskulinste Form des Sports hat Yoga bei Männern oft nicht so den besten Stand, aber Kai ist völlig vorurteilsfrei ans Training gegangen und schnauft und ächtst mit mir um die Wette.

Jahresrückblick 2020

2020 ein spannendes Jahr. Nicht nur wegen Corona, sondern vor allem weil ich mir ein Haus gekauft habe, welches dringend ein paar Schönheitsbehandlungen bedurfte. Diese haben uns monatelang beschäftigt, weshalb ich ab April bei weitem nicht so viel auf dem Rad saß wie geplant. Vielmehr riss ich wochenlang Tapeten ab und Teppiche raus, kloppte mit Kai Fliesen ab und trug eimerweise Bauschutt durch die Gegend. Ein Ganzkörperworkout neben dem Job, weshalb nicht viel Energie fürs Rad übrig blieb. Trotzdem gab es auch in meinem ersten kompletten Fahrradjahr einige Highlights. Schon am 01.01. saß ich mit Kai am Neujahrstag auf dem Rad und war motiviert auch dran zu bleiben. Am 06.01. gab es eine längere Ausfahrt allein, genauso wie Anfang Februar. Da geriet ich in einen Hagelschauer, das war mies. Da wünscht man sich doch mal ein Indoorbike…

Traumhaftes Radelwetter…

Kurz darauf musste ich im Februar eine Weile aussetzen, da ich operiert wurde. Daher blieb es bei dieser einen Radfahrt im Februar und es ging erst im März weiter. Im März erreicht mich auch mein owayo-Outfit. Ich durfte nämlich dieses Jahr als Ambassador unterwegs sein und wurde von Kopf bis Bein ausgestattet. Definitiv war dies eins meiner Highlights in diesem Jahr und ich werde die Kleidung auch im nächsten Jahr noch gerne tragen.

Das owayo-Outfit

Den Frühling nutzte ich, um mich vermehrt an Berge, Wind und Schotter zu gewöhnen. Einige anstrengende Touren waren dabei, trotzdem denke ich gerne daran zurück. Fies war allerdings die Tour bei der wir einen Teil des Grenzstreifens abgefahren sind und ich jedes zweite Loch in den Panzerplatten mitgenommen habe… Meinen ersten 100er alleine fuhr ich einige Tage später, das fiel leicht, da wir im April ein tolles Frühsommerwetter hatten. Toll war auch die Tour mit meiner Mutter zum Bärlauchpflücken, bei der mir ein Fuchswelpe entgegengewackelt kam. Er musste gerade erst die Augen geöffnet und gleich den Bau verlassen haben. Zuckersüß.

Schnell weiter, nicht, dass hier noch jemand Diabetes bekommt :). Ein weiteres Highlight folgte am 31.05. Trotz Corona durften ich mit meinem Ensemble ein Konzert an der Weser geben. Ein perfekter Test für unsere Bikepacking-Ausstattung. 80 km hin, proben, nettes Zusammensitzen, Probe am nächsten Morgen und Konzert und anschließend 75 km zurück. Eine coole Erfahrung. Der Wechsel von hohen Hacken zu Radschuhen ist allerdings nicht vorteilhaft für die Waden.

Mit meinem Saxophonisten Stefan fuhren wir im Juni eine schöne gemeinsame Runde, an die ich auch gerne zurückdenke.

Mit Stefan am Sieberberg

Seit Juli war ich mit meinem Rox 12.0 unterwegs. Ich liebe diesen Sigma-Fahrradcomputer, nur die Kilometerangaben sind immer noch etwas vorteilhafter als bei Garmin. Woran das liegt kann ich bis heute gar nicht so genau sagen…

Bis August tröpfelte das Sportjahr unspektakulär vor sich hin, doch dann kam unsere Bikepacking-Tour durch Niedersachsen. Da sowohl unser Mallorca-Urlaub, als auch die geplante Tour durch Belgien geplatzt waren, fuhren wir mit Rad und Hängematte durch Niedersachsen und lernten den Großteil des Weserradwegs kennen. Mehr dazu könnt ihr in dem entsprechenden Bericht lesen.

Während der Bikepacking-Tour entlang der Weser

Im September ging es zweimal in den Harz und ich musste wieder einmal feststellen, dass Berge nicht meine Welt sind. Aber man muss sich ja immer wieder seinen Feinden stellen. Ebenfalls im September fand die Cycletour statt, die im Vergleich zum letzten Jahr etwas enttäuscht, da das Gruppengefühl durch die Corona-Beschränkungen verloren ging. Aber klar, das ist Meckern auf hohem Niveau. Tatsächlich hatten wir Glück, dass sie überhaupt stattfinden konnte.

Wärend der Cycletour (Bild: Sportograf)

Im Oktober fuhren wir tatsächlich in den Urlaub. Eine Rarität in diesem Jahr. Wieder einmal zog es uns nach Kühlungsborn und ich hatte die grandiose Idee mit dem Rad auf den Darß zu fahren. Das sind bis dahin ja „nur“ etwa 100km. Unterwegs sammelten wir noch Freunde ein und fuhren mit diesen einige Kilometer über den Darß bevor wir den Rückweg wieder alleine antraten. Leider ging hier meine Actioncam verloren, weshalb die Euphorie über die 196 km Tour etwas getrübt wurde. Rein sportlich war dies – wenngleich es nur 300 hm gab – eine meiner heftigsten Touren, wobei Höhenmeter immer noch schmerzhafter für mich sind als Langstrecke.

Bei längeren Touren tut mir nur der Allerwerteste noch weh, da ich noch immer keinen perfekten Sattel haben. Auch wenn er von seinem Glück noch nicht weiß, aber vielleicht liest er es ja – ich möchte ja gerne mal den offenen Brooks-Sattel von meinem Bekannten Ronny testfahren. Mal schauen, ob er sich darauf einlässt.

Mein Ziel für nächstes Jahr ist, dass ich mich von den ganzen Stravadaten von mir und anderen nicht mehr verrückt machen zu lassen. Tatsächlich hat mich der ganze Datenkram dieses Jahr so unter Druck gesetzt, dass ich kurz davor war mich von Strava zurückzuziehen. Jetzt habe ich mich entschieden, das Profil zu erhalten, aber nicht mehr so exzessiv auszuwerten, geschweige denn zu stalken, was die anderen machen. Ein „Entschuldigung“ an alle, die jetzt keine Kudos mehr von mir bekommen. Tatsächlich möchte ich mich darauf zurückbesinnen, worauf es ankommt, nämlich auf den Spaß und die Freude am Radfahren. Ganz ohne Vergleichen und Ehrgeiz geht es bei mit leider nicht, aber ich versuche zumindest, das ganze entspannter anzugehen.

Für die Zahlenfetischisten trotzdem ein kleiner Überblick:

Radfahrten: 102

Zeit im Sattel: 193:02 h

Zurückgelegte km: 4.502

Gewonnene Höhe: 29.256 m

Längste Tour: 196 km

Damit bin ich etwa 1000 km mehr gefahren als im letzten Jahr. Diese Tendenz darf sich fortsetzen, aber nicht um jeden Preis. Im nächsten Jahr freue ich mich auf viele Touren mit netten Menschen und in Gegenden, in denen ich bisher noch nicht unterwegs war.

Ich wünsche euch allen eine schönes und vor allem gesundes Jahr 2021 und vielleicht hat jemand Lust auf gemeinsame Ausfahrten, sobald dies wieder erlaubt ist?

Bike-Packing-Premiere

Vor einiger Zeit habe ich bei einem Gewinnspiel mitgemacht. Dort sollte man angeben, für welche Tour man den Sigma Rox 12.0 Sport benutzten wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir den Plan, eine Runde durch Flandern, also Nordbelgien zu fahren und dort unsere ersten Back-Packing-Gehversuche – nein falsch – Fahrversuche zu machen. Mit meinem Plan habe ich das Gerät ja auch gewonnen und soll eigentlich nun über diese Tour berichten. Jedoch scheint gerade weltweit eine komische Krankheit zu kursieren. Gerade jetzt – Anfang August – schnellten in vielen Ländern, darunter auch Belgien, die Fallzahlen nach oben. Eine klare Reisewarnung gab es zwar nicht, das Risiko einer Ansteckung oder anschließenden Quarantäne war uns aber doch zu groß, sodass wir nur einige Tage vor der Reise unseren Plan über den Haufen warfen und stattdessen eine Route durch Niedersachsen legten. Nebenbei sollte auch der niedersächsische Teil meiner Familie besucht werden, also meine Tante und Onkel, sowie meine Schwester und ihr Freund.

Voll bepackt geht es los. Kai mit der Lenkerrolle und Packtaschen von Ortlieb und Satteltasche von Apidura, ich mit der Ortlieb Gravel-Serie.

Schon das Packen war eine wahre Freude. Probepacken – Fehlanzeige. Erst am Abend vorher stellten wir unser Gepäck zusammen und stellten fest, dass gar nicht alles ans Fahrrad passte. Gut, also etwas abgespeckt. Aber wie vielen Klamotten braucht man? Wechselkleidung, Regensachen, Bikini, Mückenspray, Armlinge und viele andere Kleinigkeiten hätten definitiv zu Hause bleiben können. Dies hätte aber auch anders sein können.

Meine Packliste sah folgendermaßen aus:

  • Radhose kurz, 2 Trikots (eins hätte gereicht), 3 Paar Socken (2 davon überflüssig!), Armlinge und Beinlinge, Weste
  • kurze Hose, T-Shirt, Pulli und Badelatschen, Bikini
  • Schuhe, Helm und Mütze, Buff (als Schnutenpulli-Ersatz)
  • Kompaktkamera (Lumix DMC-TZ 101), Actioncam (Osmo Action), Sigma Rox 12.0, Garmin fenix 5s, Handy, Solar-Powerbank, Ladekabel
  • Sonnencreme (wichtig!), Mückenspray, diverse Popocremeproben und -stick (für mich auch wichtig), Zahnbürste und – pasta, Handtuch, Taschentücher und feuchte Einmalwaschlappen
  • Magnesium-Tabletten, Elektrolyte (Tabletten von High5), Maltodextrin 6 (Pulver), Energie-Gels von High5
  • 2 Next Level Meal (Astronautennahrung) und 3 Megabite (Brownie-Riegel), beides von Runtime
  • Hängematte (Amazonas ultra light, mit Moskitonetz) und Schlafsack (Deuter Orbit +5C°)
  • Kai hatte zusätzlich ein Schloss dabei und einen Kocher (MSR WindBurner- Duo Stove, 1,8l)
Was braucht man nur alles????

Schlecht vorbereitet aber frohen Mutes ging es am Dienstag endlich los. Gegen 8.30 Uhr saßen wir auf dem Rad und fuhren Richtung Göttingen. Zu meiner Tante in Porta Westfalica hätten wir es deutlich kürzer haben können, aber wir wollten so viel wie möglich vom Weserradweg mitnehmen. Im Süden stellte sich zuerst der Roringer Berg in den Weg, an dem wir zum ersten Mal das Gewicht des Gepäcks zu spüren bekamen. Tatsächlich fühlte es sich für mich einige Male so an, als würde sich jemand hinten am Sattel festhalten. Weiter ging es nach Göttingen, wo wir beiden zum ersten Mal in Genuss von Radschnellweg kamen. Zwar hatten wir es nicht eilig, trotzdem machte er die Stadtdurchfahrt sehr angenehm. Über Rosdorf und Dransfeld fuhren wir weiter nach Hann. Münden, der Doktor Eisenbart-Stadt, an der die Weser „entspringt“, bzw. sich aus Werra und Fulda bildet.

Als Kind habe ich den Spruch des Wesersteins von meinem Vater ja anders gelernt: „Wo Fulda sich und Werra küssen, da kannst du in die Weser pis…“. Vom kulturellen Anspruch her vielleicht fragwürdig, aber ich konnte es mir merken. Nach einer Stärkung beim Bäcker und einer kleinen Runde durch die Innenstadt begannen wir die Reise auf dem Weserradweg. Mal auf Schotter, mal asphaltiert aber fast immer schön rollte es sich – hügeliger als erwartet nach Norden. In Hemeln machten wir den nächsten Stop in dem kultigen Biergarten und tranken ein unschlagbar günstiges Weizen (2,50€ mit Blick auf die Weser – perfekt). Trinken war sowieso die Prämisse der Woche, da es jeden Tag heißer werden sollte.

Am Kloster Bursfelde (erbaut 1093) sollte eigentlich das Tagesziel sein. Mönche aus Corvey errichten hier im Auftrag von Graf Heinrich von Northeim das Benediktiner-Kloster, welches zunächst katholisch, später lutherisch geführt wurde. Das Klosterleben endete jedoch im Jahr 1672. Im Jahr 2020 gab es öffentlich zugänglich weder geeignete Bäume für unsere Hängematten noch eine Einkaufsmöglichkeit. Es blieb uns nichts anderes übrig – wir mussten weiter. Nach 106 km (meiner längsten Strecke bisher) und knapp 700 Höhenmetern fanden wir ins Oedelsheim (Oberweser) nicht nur einen Edeka, sondern auch ein relativ ruhiges Plätzchen für die Nacht. Letztere sollte bitterkalt werden. Vorher gab es noch unsere erste Portion unseres Nahrungsshakes. Wir waren ziemlich skeptisch, aber hey, die Dinger sind wirklich lecker und machen erstaunlich satt, auch uns Vielfraße.

Bei 9°C war selbst Kai am Bibbern und ich konnte am Morgen meine Füße trotz Socken nicht mehr spüren. Nachdem wir den Morgennebel abgewartet hatten krabbelten wir am nächsten Morgen aus den Hängematten und bereiteten uns unseren Porridge zu. Erst um 9.30 Uhr saßen wir im Sattel und kreuzten in Gieselwerder die Weser um einige Kilometer linksseitig weiterzufahren. Schon in Bad Karlshafen ging es nach einem zweiten Frühstück wieder zurück ans andere Ufer. Hier pendelten wir ständig zwischen Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Vorbei an Höxter und mit Stop in Holzminden ging es gut. Doch dann kam irgendwann der große Durst und lange keine Möglichkeit, etwas zu Trinken zu bekommen. Nach einer Irrfahrt durch das bergige Reileifzen (es war ein Getränke-Abholmarkt ausgeschildert, aber leider nicht zu finden) gönnten wir uns ein alkoholfreies Radler direkt an der Weser. In Bodenwerder (statt des Lügenbarons Münchhausen) konnten wir unsere Flaschen endlich auffüllen und fanden wenig später eine schöne Schutzhütte. Dort konnte zumindest ich meine Hängematte aufhängen, Kai erklärte sich bereit, auf der Bank zu schlafen. Die Nacht nach etwa 93 km war deutlich wärmer und unser Schlaf entsprechend besser.

Wir wachten früh auf, frühstückten und machte uns entspannt auf zu nächsten Etappe. Wir waren für den frühen Nachmittag bei meiner Tante angemeldet. Bei nur etwas über 60 km gar nicht so einfach. Mit vielen Fotostops, Eis in Hameln und Pizza in Rinteln schafften wir es, die Zeit halbwegs auszureizen. Wenige Kilometer vor dem Ziel schauten wir uns noch kurz von außen die Klosteranlage Möllenbeck an. Dieses wurde bereits 896 als Damenstift gegründet und gilt als eine der größten Klosteranlagen des Weserberglandes. 1441 wurde das Kloster mit Mönchen des Augustinerordens besetzt, die das Kloster bis 1505 neu aufbauten. Heute ist es evangelisch-lutherisch und wird teilweise kirchlich, aber auch als hübsches Hotel und Jugendfreizeitheim genutzt. Die Temperaturen waren aber kaum auszuhalten. 32°C sind schon amtlich und wir genossen es schließlich, von meiner Tante verwöhnt zu werden und die Schattenplätze im Garten zu nutzen.

Gerne wären wir morgens länger geblieben, aber es sollte noch heißer werden (34°C) und wir hatten eine längere Etappe vor uns . Zu meiner Schwester sollten es 102 km sein. Schon zu Beginn waren sich Schilder und der Rox (in diesem Fall die Routenplanung mit komoot) sich nicht einig. Da letzterer uns gerne über die Landstraßen geführt hätte, wir aber den Weserradweg bevorzugt hätten. Dieser hätte jedoch noch einen kräftigen Schlenker nüber Vlotho und Bad Oeyenhausen gemacht, den wir uns sparen wollten. So kamen wir nach einigem Hin und Her auf 114 km. Eines der ersten Highlights war natürlich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal oberhalb der „Porta Westfalica“ („Tor nach Westfalen“). Mit der Porta ist der Weserdurchbruch zwischen dem Wiehen- und Wesergebirge gemeint. Mit dem Denkmal vom Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Einigung des Deutschen Reiches als Folge des Deutsch-Französischen Krieges gefeiert. In Minden kreuzten wir die Weser und den Mittellandkanal und fuhren durch verschiedene Natur- und Vogelschutzgebiete. Nachdem man in unserer Region nur noch die eingeschleppten Nilgänse sieht, war es eine Wohltat mal wieder Grau- und Nonnengänse zu beobachten. Die letzten Kilometer u.a. durch Nienburg wurden hart, vor allem, da die Luft entweder stand oder uns Gegenwind bescherte. 114 km – wieder eine längste Strecke für mich. Das absolute Highlight war der knappe Kilometer feinster Heidesand, der tatsächlich als Radweg markiert war – eine Frechheit… Meine Schwester Corinna und Flo beglückten uns mit Kuchen und als die Temperaturen am Abends nachließen auch mit Gegrilltem. Außerdem füllten wir die körpereigenen Wasserspeicher noch einmal kräftig für die kommende Hitzeschlacht.

Bereits um 8.30 Uhr saßen wir nach einem ausgiebigen Frühstück im Sattel um uns auf die Heimreise zu machen. 36 °C Grad sollten wir heute noch erreichen. Und was macht der intelligente Radfahrer – sicherlich nicht knapp 130 km Rad fahren. Noch dazu auf einer Strecke, die leider total ätzend war. Zunächst war alles gut. Es ging entlang der Aller mal auf Schotter, mal auf Beton oder Asphalt, oft sogar mit Schatten vorwärts. Ab Schwarmstedt allerdings machten wir den Fehler, die kurze Strecke über Hannover zu wählen, anstatt den Leineradweg zu nehmen. Dieser war leider auch nirgends – auch nicht auf unserem Weg durch Hannover – ausgeschildert, sodass wir Kilometer um Kilometer uns an Bundesstraßen vorbeiquälten und in Hannover jede rote Ampel mitnahmen. Hier hatten wir auch die Maximaltemperatur erreicht und ich hatte bei jedem Stop das Gefühl, dass ich vom Rad falle. Kurz vor Hildesheim fanden wir schließlich einen hilfsbereiten Ortskundigen, der uns den Weg zum Leineradweg beschrieb, sodass zumindest die letzten Kilometer des Tages etwas erträglicher wurden. Bei mir war bald die Luft raus, sodass wir nach 127 km die Tagesetappe beendeten (übrigens meine längste Tour bisher…). In Bad Salzdetfurth fanden wir Speis und Trank und eine Schlafstätte an einem Fußballplatz, an der wir halbwegs ungestört waren. Ich war nach dieser Tour ehrlich gesagt physisch wie psychisch etwa neben der Spur und brauchte die Nacht um wieder zu Kräften zu kommen. Die ganzen Kilometer, die Hitze und die Schmerzen vor allem am Gesäß hatten da wohl ihren Tribut gefordert.

Am Sonntag standen wir früh – aber furchtbar müde auf und machte uns schnell nach dem Frühstück auf den Weg, denn es sollte – wie könnt es anders sein – heiß werden. Viertel nach Sieben ging es los auf die letzten Kilometer, die es noch mal in sich hatten Zwar waren es nur knappe 75 km, aber auch noch einmal über 700 Höhenmeter. Das schlauchte, aber zumindest hatte man ein Ziel vor Augen. Auch heute waren sich Rox und Nutzer nicht überall einig. Sicherlich hätten wir einige Höhenmeter sparen können, wenn wir über Bockenem, Rhüden und Seesen gefahren werden, die Route leitete uns jedoch über Lamspringe, Bad Gandersheim, das Harzhorn und Kalefeld. Am Harzhorn fanden vor gerade einmal 1790 Jahren einige Schlachten zwischen den Römern und Germanen statt. Nach diesem Geschichtsausflug machten wir uns auf die letzten Kilometer, die noch einmal einige Anstiege in petto hatten. Nach einem Eis in Osterode (das 7. in dieser Woche glaube ich…) kamen wir erschöpft in Herzberg an.

Alles in allem war es eine tolle Erfahrung. Pack- und satteltechnisch muss sicherlich noch einiges optimiert werden und für die Hängematte muss eine Isomatte her, aber ansonsten war es eine gelungene Bike-Packing-Premiere durch den Norden und ich freue mich schon jetzt auf die Belgien-Tour…

Runde 570 km (Garmin und Rox sind sich nicht ganz einig) und etwa 2300 Höhenmeter in sechs Tagen. Ich glaube, ich kann ganz stolz auf mich sein, vor allem bei den Temperaturen rund um den Garpunkt….

Mein erster „echter“ Hunderter

Letztes Jahr durfte ich bei der Cycle Tour mitfahren. das waren meine ersten 100 km am Stück. Aber natürlich in der Gruppe. Das macht eine Menge aus, so dass ich das Ganze natürlich mit ganz viel Windschatten und Adrenalin gewuppt habe.

Seitdem dümpele ich wieder bei 50 – 80 km herum. Letztens sind Kai und sein Zwillingsbruder Sven eine längere Runde von etwa 120 km gefahren und ich war echt neidisch und auch ein bisschen angefixt. Also habe ich ihre Runde bei Komoot eingegeben und auf der Uhr gespeichert. 120 km waren für mich zu viel, weshalb ich mir auch mögliche Abkürzungen angeschaut hatte.

Gegen 10 Uhr nahm ich Platz im Sattel und rollte Richtung Osterode. Bei mir ist die Fitness der Oberschenkel immer Glückssache, aber es fühlte sich recht gut an. Also ging es direkt weiter nach Badenhausen. Dort entschied ich mich für eine Streckenabweichung. Während die Jungs bis kurz vor Seesen gefahren waren, kürzte ich über Willensen und Willershausen ab und nahm aber noch ein paar Höhenmeter mit. Weiter ging es über Echte nach Imbshausen.

Eine echte Diva

Imbshausen hatte ich bis dahin noch nie gehört. Es beherbergt aber ein Schloss aus dem 19. Jahrhundert, welches im Neugotischen Stil erbaut wurde. Es gehört dem Adelsgeschlecht von Strahlenheim und hat alles, was ein Schlösschen braucht. Einen Schlossgarten (13.000m³) und Wassergraben und zudem ist es eines der größten neugotischen Gebäude Niedersachsens. Da es im Privatbesitz ist, nur ein Foto aus der Ferne.

Schloss Imbshausen

Über die Deutsche Alleenstraße ging es weiter Richtung Northeim. Die Alleenstraße ist wunderschön, gerade jetzt im Frühling, aber so stark befahren, dass ich keine Fotos machen wollte.

Mein nächster Foto-Stop war nur einige Kilometer weiter, in Wiebrechtshausen. Dort befindet sich neben zahlreichen Schafen auch eine recht große Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert. Ein Zisterzienserinnenkloster, deren zuerst genannte Äbtissin Hedwig von Gandersheim war. Das Kloster gehört seit der Reformation 1542 zur Klosterkammer Hannover. Von der ehemals umfangreichen Klosteranlage sind nur noch die Kirche und ein Teil der Klausuranlage vorhanden. Jetzt nutzt sie ein großes Saatgutunternehmen.

Klosterkirche

Über einen schönen Radweg ging es weiter bis nach Northeim. Ich kämpfte mich zügig über die Radwege und Ampeln quer durch die Innenstadt und legte erst an der B3 Richtung Göttingen meinen ersten Futterstop ein.

Gestärkt rollte ich weiter nach Nörten-Hardenberg. Bis dahin ging alles wie geschmiert. Doch dann nahm das Elend seinen Lauf. Bei 40 km gingen mir noch Gedanken durch den Kopf wie „Toll, die 40 km liefen ja wie geschmiert!“, aber ab Kilometer 45 wurde mir so langsam klar, dass ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft hatte. Und dann kamen noch die Höhenmeter. Durch das Rodetal ging es zunächst mit einer sanften aber stetigen Steigung durch den Nörtener Wald. Da schnaufte ich mir schon einen Wolf. Danach erwarteten mich bis Bodensee einige zähe Steigungen, durch die ich mich recht erfolgreich durchbiss und nur zwei kurze Trink- und Gelpausen einlegte um meine Schnappatmung wieder in den Griff zu bekommen. Nach Bodensee fühlte ich mich schon in heimischen Gefilden. Allerdings fehlten mir noch 30 km. Und Komoot hatte sich überlegt, dass es wirklich den kürzesten Weg nimmt und mich über Höherberg schickte, ein kleiner Wallfahrtsort, der – oh wie überraschend – auf einem Berg liegt… Der Weg dort hinauf hat immerhin knackige 5,9% Steigung.

Wallfahrtsort Höherberg (Archivfoto von Kai)

Über Gieboldehausen, Wollershausen und Rhumspringe (Brötchenpause Nr. 2) ging es nach Scharzfeld und von dort aus nach Herzberg zurück.

Pause an der Hahle

10 km vor meinem Ziel schaute ich auf meine Uhr und stellte fest, dass ich 3.40 h unterwegs war. Schnell rechnete ich, dass ich, wenn ich Gas gebe, es VIELLEICHT, aber auch nur vielleicht unter 4h schaffen könnte. Dummerweise hatte ich noch einige Wellen und Anstiege vor mir. Ich trat also in die Pedale, was nach 90 km ganz schön weh tat und legte nach 3.55 h noch eine Pause ein. Zwei km vor dem Ziel. Diese gingen bergauf und ich musste noch einmal Kräfte sammeln. So konnte ich aber die 100 km in 3.59.40 schaffen (jaa, geschummelt, aber gut fürs Ego). Mit 100,45 km in 4:01:25h kam ich müde aber stolz zu Hause an.

Mein erster 100er, den ich ohne Windschatten gefahren bin. Und mein zweiter überhaupt. Gezweifelt habe ich zwischendurch jede Menge, aber es hat funktioniert :).

Winter-Blues

Das Jahr 2019 ist passé und ich wünsche allen ein schönes Jahr 2020. Für mich bin ich gespannt, was es für mich bringen wird. Im Jahr 2019 bin ich seit April – trotz krankheitsbedingten Ausfalls im Sommer – knapp 3000 km gefahren. Das ist für ein erstes Jahr gar nicht mal so übel. Für das kommende Jahr habe ich mir als Ziel 5000 km gesteckt. Außerdem habe ich bei einem Gewinnspiel die Teilnahme an der großen Weserrunde im August gewonnen. Ob ich da wirklich die 300 km fahre weiß ich noch nicht, aber man soll sich ja bekanntlich Ziele setzen.

Tour am 29.12.19

Puh, was ist das für ein Wetter. Zwischen den Jahren gab es ja ein paar tolle Tage, aber das Wetter der letzten Tage ist ja nicht wirklich schön. Mein erster Rad-Winter und ich muss feststellen, dass es viel einfacher ist, sich bei Kälte, Regen und Wind in die Laufklamotten zu werfen als sich aufs Rad zu setzen. Leider laufe ich ja nicht mehr, weshalb ich mich hin und wieder zwingen muss, mich aufs Rad zu setzen. Derzeit fällt das extrem schwer, auch wenn ich mir erst vor kurzem eine schöne Winterhose gegönnt habe. Die Windchill DS Bib Pants von Endura war im Angebot und hat mich daher nur knapp 70 € gekostet. Für den Preis bin ich total glücklich mit der Hose und hatte bei Touren um 0°C nie das Gefühl an den Beinen zu frieren. Gefroren habe ich allerdings trotzdem bitterlich und zwar an den Füßen. Im Moment bin ich ja noch mit meinen Sommerschuhen und Überschuhen unterwegs. Das geht etwa eine Stunde gut, aber dann werden die Zehen und später die Füße erst blau, dann weiß und schmerzen fürchterlich. Für eine kostengünstige Abhilfe sollten jetzt Merinosocken helfen. Die hatten jedoch auch nicht den gewünschten Effekt. Um 5°C prima, darunter dasselbe Spiel.

Rund am 30.12.19.

Was ist also zwangsläufig der nächste Schritt im Ausrüstungs-Wahnsinn? Winterschuhe müssen her. Eigentlich wollte ich damit noch eine Saison warten, aber es gibt für mich wenig Schlimmeres als kalte Füße. Also ab an den Laptop und bei den einschlägigen Bike-Shops nach Winterschuhen für Damen gesucht. Aber was soll ich sagen. Gibt es nicht! Ok, nicht ist gelogen. Aber Fahrrad.de bietet drei Paare in meiner Größe an, bike24 zwei, der bobshop gar keine. Ok, nicht die Ohren hängen lassen. Bei Hosen ist die Unterteilung in Männlein/Weiblein sicherlich wichtig, aber bei Schuhen scheint mir die Differenzierung überflüssig. Also habe ich mir den Mavic Crossmax SL Pro Thermo MTB Winterschuh für knapp 150 € bestellt. Er kommt recht sportlich daher und wahnsinnig stabil. Allerdings ging er noch einmal zurück, da die Größe für einen Winterschuh doch etwas knapp war. Jetzt warte ich auf das Paket mit der richtigen Größe und hoffe sehr, dass mir der Schuh endlich warme Füße beschert.

Neujahrsrunde
03.01.2020

Bis dahin werde ich mal zusehen, wo sich meine Motivation verkrochen hat. Auf dem Sofa hat sie sich jedenfalls nicht versteckt. Allerdings ist heute mein letzter Ferientag, der vielleicht doch noch mal genutzt werden sollte…

NACHTRAG

Hah, ich habe mich doch trotz trübem Wetters und Wind überwinden können! Vorgenommen hatte ich mir eine 60 km Runde, da wir diese Streckenlänge gestern aufgrund des Dauerregens geschwänzt hatten. Heute musste ich alleine los und ging es mal wieder etwas zu zügig an. Das werde ich wohl nicht mehr lernen. Jedoch ging es trotzdem relativ gut. Klar, an den Bergen klang ich wie immer wie eine Dampflock und über den durchschnittlichen Puls von 156 bpm brauchen wir nicht sprechen. Natürlich ist der viel zu hoch. Aber es hat heute Spaß gemacht, sodass ich nach meinem Stop in Gieboldehausen im Bike Point mit einem Espresso und heißer Schokolade beschloss, die Runde noch auszuweiten. So sind es doch noch 70 km mit 653 Höhenmetern geworden. Bazinga! Die Oberschenkel jammern jetzt, aber mein Schweinehund gibt keinen Laut von sich und hat sich unterm Sofa versteckt (wo wohl vorher meine Motivation war) und bleibt da hoffentlich erst mal für ein paar Tage versteckt.

CycleTour – mein erstes Radevent

(BEITRAG ENTHÄLT WERBUNG OHNE FINANZIELLES INTERESSE)

Ich schwebe noch total auf Wolken. Am Sonntag war ein richtig toller Tag, an dem ich an meinem ersten Radevent teilgenommen habe. Über ein Gewinnsspiel hatte ich die Gelegenheit bei der 4. CycleTour von Braunschweig nach Magdeburg zu starten. Zu den angebotenen Touren und Gründen für meine Wahl hatte ich bereits im letzten Beitrag etwas geschrieben. Angemeldet war ich zusammen mit meinem Freund Kai für die 100 km Tour und entsprechend recht nervös. Zwar gab es keinen Zeitdruck, aber die angekündigten 900 hm (meine Uhr zeigt weniger, aber angeblich sollen es um die 800 gewesen sein) und die lange Distanz waren neu für mich.

Am Vortag war Radpflege und – einstellung an der Tagesordnung. Hier hat Kai den Großteil erledigt, da ich kein Ahnung davon habe, wie man die Schaltung einstellt oder das Schleifen an der Bremse beseitigt. Da blieb mir nicht viel mehr als Werkzeug anzureichen und zuzuschauen. Zum Schluss durfte ich immerhin Speichen, Felgen und Reifen zu säubern. Mit blitzblanken Rädern im Keller mussten wir uns spontan noch um einen Radträger kümmern, da ein Bekannter, der uns eigentlich begleiten (und fahren) wollte absagen musste. Glücklicherweise haben meine Eltern einen Träger zu Hause… Danach fragen konnte ich leider nicht, da sie zu dem Zeitpunkt noch im Urlaub weilten. Abends legten wir uns noch die Kleidung zurecht und bereiteten Flaschen, Brote und Gels vor.

Morgens klingelte der Wecker um 5.30 Uhr. Aufstehen, frühstücken und anziehen – alles wie üblich, nur früher. Während ich die Sachen zusammenpackte ging Kai schon einmal runter um das Auto zu beladen. Kurz darauf stand er wieder vor der Tür. Der Schlüssel für den Träger war nicht da! Also ab ins Auto, zu den Eltern gebrettert, Schlüssel gesucht und gefunden und zurückgedüst. Dann ging alles recht zügig und wir hatten bald alles verladen. So ging es endlich los Richtung Braunschweig. Die Autobahn war schön frei, nur die Baustellen waren etwas lästig. In Braunschweig fanden wir hinter den Schlossarkaden einen kostenlosen Parkplatz (welch Luxus!) und holten zunächst unsere Startunterlagen. Mit dabei war ein kostenloses Trikot (welches wir dem Gewinnspiel zu verdanken hatten) und jede Menge Energie-Reserven in Form von Gels, Energy Gums und Traubenzucker, außerdem zwei Trinkflaschen und eine Flasche Wasser. Um keine Magenkrämpfe zu riskieren, ließen wir die Beigaben aber im Auto und nutzen unsere bewährten Gels.

Während das Starterfeld des Rennens an uns vorbeibrauste rollten wir zum Start. Zunächst noch besorgt, ob ich fit genug bin, stellte ich fest, dass hier auch ganz viele „Normalos“ mit den unterschiedlichsten Fahruntersätzen auf den Beginn der Tour warteten. Wir fuhren die Tour in den eigenen Trikots, da wir die neuen lieber vorher waschen wollten. Noch war es kühl aber die Sonne schien und versprach einen wundervollen Tag.

Mit dem Startschuss war auch die Nervosität wie weggeblasen. Langsam arbeiteten wir uns etwas vor. Wir waren sehr weit hinten gestartet, da wir unsere Eingruppierung (Block C) übersehen hatten und uns in Block E einquartiert hatten. Die ersten Kilometer rollten super und waren auch recht entspannt. Wir fuhren mehrreihig in einem sehr dichten Feld und näherten uns dem Elm. Relativ entspannt fuhren wir diesen hinauf und ich wartete die ganze Zeit, wann der schlimme Anstieg kommt, als wir diesen bereits lange hinter uns hatten. Der Sog des Windschattens einer großen Gruppe ist wirklich enorm. An der einzig längeren Steigung (wirklich steil war sie nicht) hatte ich keinerlei Schwierigkeiten.

Im Elm selbst ging es wellig weiter, sodass man auch immer wieder schöne Abfahrten hatte. Die beste war allerdings bei Schöningen: Ein Radstreifen auf tollem Asphalt, der 1,4 km ohne einmündende Straße schnurgerade bergab führt. Um mich zu erholen ließ ich mein Rad dort nur rollen – mit entspannten 55km/h im Schnitt und einer Höchstgeschwindigkeit von fast 69 km/h. Und das wohlgemerkt ohne zu treten!

Bei Hötensleben fuhren wir über die ehemalige Innerdeutsche Grenze. An diesem Grenzübergang finden sich auch noch ein Grenzturm sowie eines der letzten Teilstücke der Mauer mit Signalzaun und Kfz-Hindernissen. Seit 1990 steht das Grenzdenkmal unter Denkmalschutz, seit 2011 gehört es zum Weltkulturerbe.

Nach 50 km war ein Verpflegungsstand aufgebaut, an dem wir unsere Flaschen auffüllten und ein Brot aßen.

Die nächste Erhebung, das Hohe Holz, zog mir trotzdem den Stecker. Nach 60 km machten meine Oberschenkel plötzlich dicht und ich quälte mich einige Hügel ganz schön hoch. Auch der stärker werdende Wind setzte mir zu. Ein Gel und eine kleine Pause später ging es zum Glück wieder und die Strecke wurde wieder flacher. Ab hier schlossen wir uns einer festen Gruppe an, die ein sehr angenehmes Tempo fuhren. Mit dieser rollten wir auch in Magdeburg ein. In der Stadt blockierte zunächst ein Autofahrer unseren Weg, der – aus welchem Grund auch immer – mit 30 km/h in der 50er-Zone fuhr und den Radverkehr aufhielt und keine Anstalten machte, uns vorbeizulassen. Nachdem verschiedene Leute unserer Gruppe ihren Unmut lautstark verkündet und ans Blech und die Scheibe geklopft hatten, ließ uns der Autofahrer endlich vorbei…

In der Innenstadt war eine Spur für uns gesperrt, sodass wir ungestört fahren konnten, was die letzten Meter sehr angenehm machten. Ich konnte es gar nicht fasse, als die Schilder das Ziel in 30 m ankündigten. Tatsächlich hatte ich mir für die Tour eine Maximalvorgabe von 5h gesetzt und auf 4 1 /2h gehofft. Tatsächlich waren wir aber einen Schnitt von 29,9 km/h gefahren und nach knapp 3 1/2h im Ziel. Damit hätte ich niemals gerechnet. Man sollte doch häufiger in der Gruppe fahren.

Nachdem wir unsere Medaillen bekommen und das obligatorische Zielfoto geschossen hatten spazierten wir noch über die kleine Radmesse und fuhren schließlich mit dem Shuttlebus zurück nach Braunschweig. Auch wenn die Warterei auf die Abfahrt der Busse und auch das Warten in Braunschweig auf die LKW mit den Rädern etwas lang war, war die Veranstaltung total gelungen. Die Strecke war wunderschön und abwechslungsreich. Bis auf wenige kurze Kopfsteinpflasterpassagen war der Asphalt toll zu fahren auch die Laune war super. Die Veranstaltung ist wirklich klasse und ich bin total glücklich, dass ich dabei sein durfte.