Mein erster „echter“ Hunderter

Letztes Jahr durfte ich bei der Cycle Tour mitfahren. das waren meine ersten 100 km am Stück. Aber natürlich in der Gruppe. Das macht eine Menge aus, so dass ich das Ganze natürlich mit ganz viel Windschatten und Adrenalin gewuppt habe.

Seitdem dümpele ich wieder bei 50 – 80 km herum. Letztens sind Kai und sein Zwillingsbruder Sven eine längere Runde von etwa 120 km gefahren und ich war echt neidisch und auch ein bisschen angefixt. Also habe ich ihre Runde bei Komoot eingegeben und auf der Uhr gespeichert. 120 km waren für mich zu viel, weshalb ich mir auch mögliche Abkürzungen angeschaut hatte.

Gegen 10 Uhr nahm ich Platz im Sattel und rollte Richtung Osterode. Bei mir ist die Fitness der Oberschenkel immer Glückssache, aber es fühlte sich recht gut an. Also ging es direkt weiter nach Badenhausen. Dort entschied ich mich für eine Streckenabweichung. Während die Jungs bis kurz vor Seesen gefahren waren, kürzte ich über Willensen und Willershausen ab und nahm aber noch ein paar Höhenmeter mit. Weiter ging es über Echte nach Imbshausen.

Eine echte Diva

Imbshausen hatte ich bis dahin noch nie gehört. Es beherbergt aber ein Schloss aus dem 19. Jahrhundert, welches im Neugotischen Stil erbaut wurde. Es gehört dem Adelsgeschlecht von Strahlenheim und hat alles, was ein Schlösschen braucht. Einen Schlossgarten (13.000m³) und Wassergraben und zudem ist es eines der größten neugotischen Gebäude Niedersachsens. Da es im Privatbesitz ist, nur ein Foto aus der Ferne.

Schloss Imbshausen

Über die Deutsche Alleenstraße ging es weiter Richtung Northeim. Die Alleenstraße ist wunderschön, gerade jetzt im Frühling, aber so stark befahren, dass ich keine Fotos machen wollte.

Mein nächster Foto-Stop war nur einige Kilometer weiter, in Wiebrechtshausen. Dort befindet sich neben zahlreichen Schafen auch eine recht große Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert. Ein Zisterzienserinnenkloster, deren zuerst genannte Äbtissin Hedwig von Gandersheim war. Das Kloster gehört seit der Reformation 1542 zur Klosterkammer Hannover. Von der ehemals umfangreichen Klosteranlage sind nur noch die Kirche und ein Teil der Klausuranlage vorhanden. Jetzt nutzt sie ein großes Saatgutunternehmen.

Klosterkirche

Über einen schönen Radweg ging es weiter bis nach Northeim. Ich kämpfte mich zügig über die Radwege und Ampeln quer durch die Innenstadt und legte erst an der B3 Richtung Göttingen meinen ersten Futterstop ein.

Gestärkt rollte ich weiter nach Nörten-Hardenberg. Bis dahin ging alles wie geschmiert. Doch dann nahm das Elend seinen Lauf. Bei 40 km gingen mir noch Gedanken durch den Kopf wie „Toll, die 40 km liefen ja wie geschmiert!“, aber ab Kilometer 45 wurde mir so langsam klar, dass ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft hatte. Und dann kamen noch die Höhenmeter. Durch das Rodetal ging es zunächst mit einer sanften aber stetigen Steigung durch den Nörtener Wald. Da schnaufte ich mir schon einen Wolf. Danach erwarteten mich bis Bodensee einige zähe Steigungen, durch die ich mich recht erfolgreich durchbiss und nur zwei kurze Trink- und Gelpausen einlegte um meine Schnappatmung wieder in den Griff zu bekommen. Nach Bodensee fühlte ich mich schon in heimischen Gefilden. Allerdings fehlten mir noch 30 km. Und Komoot hatte sich überlegt, dass es wirklich den kürzesten Weg nimmt und mich über Höherberg schickte, ein kleiner Wallfahrtsort, der – oh wie überraschend – auf einem Berg liegt… Der Weg dort hinauf hat immerhin knackige 5,9% Steigung.

Wallfahrtsort Höherberg (Archivfoto von Kai)

Über Gieboldehausen, Wollershausen und Rhumspringe (Brötchenpause Nr. 2) ging es nach Scharzfeld und von dort aus nach Herzberg zurück.

Pause an der Hahle

10 km vor meinem Ziel schaute ich auf meine Uhr und stellte fest, dass ich 3.40 h unterwegs war. Schnell rechnete ich, dass ich, wenn ich Gas gebe, es VIELLEICHT, aber auch nur vielleicht unter 4h schaffen könnte. Dummerweise hatte ich noch einige Wellen und Anstiege vor mir. Ich trat also in die Pedale, was nach 90 km ganz schön weh tat und legte nach 3.55 h noch eine Pause ein. Zwei km vor dem Ziel. Diese gingen bergauf und ich musste noch einmal Kräfte sammeln. So konnte ich aber die 100 km in 3.59.40 schaffen (jaa, geschummelt, aber gut fürs Ego). Mit 100,45 km in 4:01:25h kam ich müde aber stolz zu Hause an.

Mein erster 100er, den ich ohne Windschatten gefahren bin. Und mein zweiter überhaupt. Gezweifelt habe ich zwischendurch jede Menge, aber es hat funktioniert :).

Kurzer Lüneburg-Trip

Auf dem Heimweg von der Ostsee legten wir einen Zwischenstopp in Lüneburg ein. Für eine Nacht nahmen wir uns eine Ferienwohnung etwas außerhalb und erkundeten Lüneburg und dessen Umgebung. Das Wetter war wechselhaft und ich erkältungstechnisch noch etwas angeschlagen. Trotzdem wollten wir wenigstens ein wenig in die Innenstadt rollen und schauen, was uns dort erwartet. Natürlich hat man schon gewisse Vorurteile zu den meisten Städten und meines zu Lüneburg war, dass es dort schön sein müsse. Hohe Erwartungen also. Zum Glück wurden diese von der Stadt des Salzes nicht enttäuscht. Durch Parks und Wohngebiete fanden wir relativ schnell den Weg ins Zentrum und wurden von historischen Giebeln der Backsteingotik willkommen geheißen.

Heiligengeiststraße

Den Zweiten Weltkrieg hat die Innenstadt unbeschadet überlebt. Wir rollten ein wenig durch die Innenstadt und bewunderten die Häuser mit unterschiedlicher Anzahl an Staffeln, also Stufen am Dachfirst. Das Haus mit den meisten Staffeln (neun) ist die alte Raths-Apotheke.

Portal der Raths-Apotheke
Markt und St. Johannis
Der „Schütting“, jetzt Industrie- und Handelskammer, auch mit gestaffelt Dachfirst

Da wir bereits nach 13 Minuten in der Innenstadt angekommen waren, beschlossen wir, auch Lüneburgs Umgebung zu erkunden und wählten dafür zunächst den Ilmenau-Radweg.

Dieser führte ganz idyllisch am Radweg durch wechselnde Landschaften und neben urigen Hausbooten sahen wir ein Reh und diverse Grünkohlfelder. Willkommen in Norddeutschland!

Eigentlich wollten wir wenden, sahen aber dann ein Hinweisschild, dass auf das Schiffshebewerk Scharnebeck verwies. Das interessierte uns natürlich und so folgtem wir dem Hinweis. Angekommen standen wir vor der riesigen Anlage. Leider wird das Werk derzeit vergrößert, daher kann es nicht wirklich besichtigt werden. Auf eine Aussichtsplattform konnten wir trotzdem, von der man einen guten Eindruck von der Stufe bekommt, die der Elbe-Seitenkanal hier macht. Bis zu 38 m werden hier ausgeglichen. Zum Bauzeitpunkt 1974 war es das größte Schiffshebewerk der Welt.

Die Treppe wieder heruntergekrabbelt ging es weiter entlang des Elbe-Seitenkanals.

Mit knurrendem Magen und entsprechend etwas gesunkener Moral, bei fiesem Gegenwind und ohne Orientierung. Warum ohne Orientierung? Im Urlaub versuchen wir, ohne Internet zu überleben. In bekannten Gefilden funktioniert das ohne weiteres, vor allem wenn man Kartenmaterial dabei hat. In unbekannten Gegenden mussten wir eine Weile nach dem richtigen Weg suchen. Mit Hunger zerfällt das Nervenkostüm da recht schnell. Nach einer Irrfahrt durch ein Industriegebiet waren wir aber schließlich wieder auf einer Einfallstraße Richtung Innenstadt und machten einen Nothalt bei einem Supermarkt. Gestärkt ging es auf die letzten Kilometer bei leichtem Nieselregen.

Schließlich kamen wir wohlbehalten wieder in unserer Unterkunft an. Ohne Karte und Navi geht es auch, wenn man wenigstens einen groben Orientierungssinn und hin und wieder ein Hinweisschild hat. 🙂

Radeln an der Ostsee

In den Herbstferien ging es mal wieder nach Kühlungsborn an die Ostsee. Natürlich wurden auch die Räder wieder gesattelt und alles an Radbekleidung eingepackt, was der Kleiderschrank hergibt, da der Oktober doch recht wechselhaft sein kann. Leider fühlte ich mich von Anfang an etwas schlapp und es kam, was kommen musste – pünktlich zum Urlaub war die Erkältung da. Von größeren Touren mussten wir also leider Abstand nehmen. Daher beließen wir es bei zwei Touren und einigen Spazierfahrten. Zu Beginn fuhren wir eine etwa 30 km lange Runde in die Abenddämmerung ins benachbarte Rerik. Auf dem Hinweg nutzen wir den offiziell beschilderten Weg, unter anderem an einem Großsteingrab vorbei. Bei diesem Dolmen („Steintisch“) aus der Jungsteinzeit handelt es sich um ein Grab einer Einzelperson.

Rerik ist der Ort, der direkt vor der Halbinsel Wustrow liegt, die früher von militärischer Bedeutung war. Die militärschen Altlasten habe es zum Sperrgebiet gemacht. Einige der Ruinen kann man vom Sperrzaun aus sehen.

Nach einem kurzen Abstecher in den Sand und den Hafen in Rerik machten wir uns auf den Rückweg.

Früher, so erzählte ich Kai, gab es einen schönen Küstenweg, der leider seit der Sturmflut 2017 abgebrochen ist. Damit hatte ich ihn natürlich neugierig gemacht und wir wollten einfach mal schauen, wie weit man kommt. Als wir an einer Stelle wenden wollten trafen wir auf eine hilfsbereite Dame, die meinte, dass man zwar etwas sportlich sein müsse, dass der Weg aber halbwegs passierbar sei. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Also ging es los, über schmale Trails und viel Sand. Eigentlich machte das schon Spaß. Nur an einer etwa 1,5 m hohen Kante mussten wir definitiv absteigen und uns die Räder herunterreichen. Kurz vor der Dunkelheit waren wir wieder zurück in Kühlungsborn. Das wurde auch allerhöchste Zeit, da wir keine Beleuchtung dabei hatten…

Am folgenden Tag fuhren wir eine 50 km-Tour über Rerik, Kröpelin und Bad Doberan und schauten uns die Klosteranlage in Doberan an. Das Doberaner Münster zählt zu den bedeutendsten Backsteinbauten Europas und war bis ins 16. Jahrhundert die Klosterkirche des Zisterzienser-Klosters. Für Loriot-Fans vielleicht interessant: im Münster befindet sich die Kapelle der Familie von Bülow.

Eingangsportal

Große Teile der Klostermauer stehen noch, genauso wie das Beinhaus.

Beinhaus

Vom Wirtschaftsgebäude und der sogenannten Wolfsscheune sind nur noch die Grundmauern erhalten.

Wirtschaftsgebäude

Der Park wurde im 18. Jahrhundert in einen englischen Garten verwandelt. Wunderbar, um spazieren zu gehen und um Fotos zu schießen.

Zugegebenermaßen haben wir diese Fotos an einem anderen Tag gemacht…

Auf dem Rückweg aus dem Urlaub kamen noch ein paar Kilometer Radfahrt in Lüneburg dazu, doch dazu mehr im nächsten Beitrag.

CycleTour – mein erstes Radevent

(BEITRAG ENTHÄLT WERBUNG OHNE FINANZIELLES INTERESSE)

Ich schwebe noch total auf Wolken. Am Sonntag war ein richtig toller Tag, an dem ich an meinem ersten Radevent teilgenommen habe. Über ein Gewinnsspiel hatte ich die Gelegenheit bei der 4. CycleTour von Braunschweig nach Magdeburg zu starten. Zu den angebotenen Touren und Gründen für meine Wahl hatte ich bereits im letzten Beitrag etwas geschrieben. Angemeldet war ich zusammen mit meinem Freund Kai für die 100 km Tour und entsprechend recht nervös. Zwar gab es keinen Zeitdruck, aber die angekündigten 900 hm (meine Uhr zeigt weniger, aber angeblich sollen es um die 800 gewesen sein) und die lange Distanz waren neu für mich.

Am Vortag war Radpflege und – einstellung an der Tagesordnung. Hier hat Kai den Großteil erledigt, da ich kein Ahnung davon habe, wie man die Schaltung einstellt oder das Schleifen an der Bremse beseitigt. Da blieb mir nicht viel mehr als Werkzeug anzureichen und zuzuschauen. Zum Schluss durfte ich immerhin Speichen, Felgen und Reifen zu säubern. Mit blitzblanken Rädern im Keller mussten wir uns spontan noch um einen Radträger kümmern, da ein Bekannter, der uns eigentlich begleiten (und fahren) wollte absagen musste. Glücklicherweise haben meine Eltern einen Träger zu Hause… Danach fragen konnte ich leider nicht, da sie zu dem Zeitpunkt noch im Urlaub weilten. Abends legten wir uns noch die Kleidung zurecht und bereiteten Flaschen, Brote und Gels vor.

Morgens klingelte der Wecker um 5.30 Uhr. Aufstehen, frühstücken und anziehen – alles wie üblich, nur früher. Während ich die Sachen zusammenpackte ging Kai schon einmal runter um das Auto zu beladen. Kurz darauf stand er wieder vor der Tür. Der Schlüssel für den Träger war nicht da! Also ab ins Auto, zu den Eltern gebrettert, Schlüssel gesucht und gefunden und zurückgedüst. Dann ging alles recht zügig und wir hatten bald alles verladen. So ging es endlich los Richtung Braunschweig. Die Autobahn war schön frei, nur die Baustellen waren etwas lästig. In Braunschweig fanden wir hinter den Schlossarkaden einen kostenlosen Parkplatz (welch Luxus!) und holten zunächst unsere Startunterlagen. Mit dabei war ein kostenloses Trikot (welches wir dem Gewinnspiel zu verdanken hatten) und jede Menge Energie-Reserven in Form von Gels, Energy Gums und Traubenzucker, außerdem zwei Trinkflaschen und eine Flasche Wasser. Um keine Magenkrämpfe zu riskieren, ließen wir die Beigaben aber im Auto und nutzen unsere bewährten Gels.

Während das Starterfeld des Rennens an uns vorbeibrauste rollten wir zum Start. Zunächst noch besorgt, ob ich fit genug bin, stellte ich fest, dass hier auch ganz viele „Normalos“ mit den unterschiedlichsten Fahruntersätzen auf den Beginn der Tour warteten. Wir fuhren die Tour in den eigenen Trikots, da wir die neuen lieber vorher waschen wollten. Noch war es kühl aber die Sonne schien und versprach einen wundervollen Tag.

Mit dem Startschuss war auch die Nervosität wie weggeblasen. Langsam arbeiteten wir uns etwas vor. Wir waren sehr weit hinten gestartet, da wir unsere Eingruppierung (Block C) übersehen hatten und uns in Block E einquartiert hatten. Die ersten Kilometer rollten super und waren auch recht entspannt. Wir fuhren mehrreihig in einem sehr dichten Feld und näherten uns dem Elm. Relativ entspannt fuhren wir diesen hinauf und ich wartete die ganze Zeit, wann der schlimme Anstieg kommt, als wir diesen bereits lange hinter uns hatten. Der Sog des Windschattens einer großen Gruppe ist wirklich enorm. An der einzig längeren Steigung (wirklich steil war sie nicht) hatte ich keinerlei Schwierigkeiten.

Im Elm selbst ging es wellig weiter, sodass man auch immer wieder schöne Abfahrten hatte. Die beste war allerdings bei Schöningen: Ein Radstreifen auf tollem Asphalt, der 1,4 km ohne einmündende Straße schnurgerade bergab führt. Um mich zu erholen ließ ich mein Rad dort nur rollen – mit entspannten 55km/h im Schnitt und einer Höchstgeschwindigkeit von fast 69 km/h. Und das wohlgemerkt ohne zu treten!

Bei Hötensleben fuhren wir über die ehemalige Innerdeutsche Grenze. An diesem Grenzübergang finden sich auch noch ein Grenzturm sowie eines der letzten Teilstücke der Mauer mit Signalzaun und Kfz-Hindernissen. Seit 1990 steht das Grenzdenkmal unter Denkmalschutz, seit 2011 gehört es zum Weltkulturerbe.

Nach 50 km war ein Verpflegungsstand aufgebaut, an dem wir unsere Flaschen auffüllten und ein Brot aßen.

Die nächste Erhebung, das Hohe Holz, zog mir trotzdem den Stecker. Nach 60 km machten meine Oberschenkel plötzlich dicht und ich quälte mich einige Hügel ganz schön hoch. Auch der stärker werdende Wind setzte mir zu. Ein Gel und eine kleine Pause später ging es zum Glück wieder und die Strecke wurde wieder flacher. Ab hier schlossen wir uns einer festen Gruppe an, die ein sehr angenehmes Tempo fuhren. Mit dieser rollten wir auch in Magdeburg ein. In der Stadt blockierte zunächst ein Autofahrer unseren Weg, der – aus welchem Grund auch immer – mit 30 km/h in der 50er-Zone fuhr und den Radverkehr aufhielt und keine Anstalten machte, uns vorbeizulassen. Nachdem verschiedene Leute unserer Gruppe ihren Unmut lautstark verkündet und ans Blech und die Scheibe geklopft hatten, ließ uns der Autofahrer endlich vorbei…

In der Innenstadt war eine Spur für uns gesperrt, sodass wir ungestört fahren konnten, was die letzten Meter sehr angenehm machten. Ich konnte es gar nicht fasse, als die Schilder das Ziel in 30 m ankündigten. Tatsächlich hatte ich mir für die Tour eine Maximalvorgabe von 5h gesetzt und auf 4 1 /2h gehofft. Tatsächlich waren wir aber einen Schnitt von 29,9 km/h gefahren und nach knapp 3 1/2h im Ziel. Damit hätte ich niemals gerechnet. Man sollte doch häufiger in der Gruppe fahren.

Nachdem wir unsere Medaillen bekommen und das obligatorische Zielfoto geschossen hatten spazierten wir noch über die kleine Radmesse und fuhren schließlich mit dem Shuttlebus zurück nach Braunschweig. Auch wenn die Warterei auf die Abfahrt der Busse und auch das Warten in Braunschweig auf die LKW mit den Rädern etwas lang war, war die Veranstaltung total gelungen. Die Strecke war wunderschön und abwechslungsreich. Bis auf wenige kurze Kopfsteinpflasterpassagen war der Asphalt toll zu fahren auch die Laune war super. Die Veranstaltung ist wirklich klasse und ich bin total glücklich, dass ich dabei sein durfte.

Höhenmeter-Torto(u)r – viel Wind und viel Kopfsteinpflaster

Bei Facebook habe ich zusammen mit meinem Freund und noch einem Bekannten einen Startplatz für die CycleTour von Braunschweig nach Magdeburg gewonnen. Diese findet am 15.09., also nächste Woche statt. Hier werden verschiedene Distanzen angeboten. Ein Rennen über 100 km bei dem ich die geforderte Geschwindigkeit von 28 km/h noch nicht fahren kann. Eine 60 km-Tour die zwischen den beiden Städten beginnt und ohne Zeitmessung stattfindet und dasselbe noch über die 100er-Distanz. Ich weiß nicht, was mich da geritten hat, aber ich habe mich für die 100er-Runde angemeldet. Prinzipiell sicher machbar, wäre da nicht die Querung des Elm, die dazu führt, dass die Tour 890 Höhenmeter hat. Bisher hatten auch meine längeren Fahrten eher so um die 500… Damit ich nicht völlig in der nächsten Woche überrumpelt werde habe ich mir mit komoot eine schöne 80 km Runde zusammengebastelt. „Schön“ wirkte sie zumindest auf dem PC. Wirklich schön war zumindest das Wetter. Also die Sonne schien… Aber der Wind war alles andere als ohne.

Wie mir immer wieder eingebläut wird, bin ich am Donnerstag ganz locker und leicht tretend gegen 16.30 Uhr losgerollt. Allerdings war das schlagartig am ersten Berg nach etwa 10 km vorbei. Mit einer ersten Verschnaufpause und völlig abgekämpft kam ich oben am Windpark Königshagen an. Da die Rückseite des Hügels gepflastert ist, war auch die Abfahrt alles andere als entspannt. Etwas angenehmer verlief der weitere nur leicht hügelige Weg über Silkerode, Zwinge und Sonnenstein, da Asphalt nur selten böse Überraschungen bereit hält. In Sonnenstein lotste mich meine Uhr auf einen Feldweg, der schon mental einiges an Kraft verlangte. Er ging nämlich lange schnurgerade bergauf.

Auch an der nächsten Kreuzung führte mich der Weg noch höher, was immerhin durch eine schöne Aussicht  belohnt wurde. Von nun an wurde es richtig unangenehm. Zwar wechselten Bergauf- und Bergabschnitte, jedoch wurde an jedem steileren Abschnitt der Teer durch Kopfsteinpflaster abgelöst. Ich vermute, dass dies übermütigen Autorasern die Felddurchfahrt vermiesen soll. Mir hat es diesen Abschnitt allerdings auch vermiest. Schön war erst wieder die lange Gerade nach Limlingerode, bei der ich entspannt strampeln konnte. Zwischen Mackenrode und Tettenborn kreuzte ich die ehemalige innerdeutsche Grenze und in Tettenborn zog mir jemand den Stecker.

Grenzübergang zwischen Mackenrode und Tettenborn
Die neue Ortsumgehung.

Ich versuchte mehr zu trinken und nahm ein Gel und kämpfte mich weiter. Eigentlich war das Ziel Walkenried. Ein Schild wies allerdings daraufhin, dass die Ortsdurchfahrt gesperrt sei. Ich fuhr noch ein paar Meter in Richtung Walkenried, hörte noch einmal ganz tief in mich hinein und wendete. Mit ziemlicher Sicherheit wäre ich als Radfahrer durch die Sperrung hindurch gekommen, aber ich hatte keine Lust auf böse Überraschungen und wählte daher den direkten Weg über Bad Sachsa, vorbei am Sachstenstein mit schönen Abbruchkanten aus dem Gipsabbau.

In Sachsa wähnte ich mich auf dem Rückweg und fast zu Hause, was ich nach knapp 50 km ja auch war. Allerdings hatte ich den 1,2 km langen Anstieg in Sachsa mit teilweise über 10% Steigung unterschätzt. Auf halber Strecke überlegte ich, meine Eltern anzurufen und mich abholen zu lassen. Ich konnte WIRKLICH nicht mehr. Einige Meter schob ich das Rad und nippte noch ein paar Mal an meinem Wasser, was fast aufgebraucht war. Dunkel wurde es auch langsam und ich wollte nur noch nach Hause. Einen Anstieg bei Stein musste ich noch überstehen, dann lief es wieder besser, da bergab. In Barbis sprang ich über meinen Schatten und bat eine junge Frau mein Wasser aufzufüllen. Die 1,25l hatten nicht gereicht. Erst nach dreieinhalb Stunden rollte ich vor der Haustür vor. Mit knappen 70 km und über 700 Höhenmeter. Wind und Höhenmeter haben mir wirklich zu schaffen gemacht. Anstatt mich für das nächste Wochenende zu beruhigen bin ich jetzt erst recht nervös und weiß nicht, ob ich die Strecke bewältigen kann. Andererseits kann ich dann in der Gruppe fahren und ich habe mit meinem Freund mentale Unterstützung dabei, dass ich irgendwie auch 900 hm schaffe. Ich werde berichten.

Back in the saddle

Dieser Beitrag kann Spuren von Werbung enthalten. Allerdings nur, da ich ein Produkt testen darf. Mich zwingt jedoch keiner, darüber zu berichten. Das mache ich freiwillig und ehrlich.

Nach langer Pause melde ich mich wieder zurück. Die letzten Wochen habe ich überwiegend schlafend oder liegend verbracht. Der Grund dafür war eine ziemlich lästige Infektion, das „Pfeiffersche Drüsenfieber“. Hervorgerufen wird sie durch das Epstein-Barr-Virus und man kann es nicht behandeln. Es muss also alleine ausheilen, was ein paar Wochen bis Monate dauern kann. In Westeuropa tragen etwa 95 % der Menschen das Virus in sich, sodass eine Infektion nicht selten ist. Bei Kindern wird sie allerdings häufig nicht erkannt, da sie auch sehr mild verlaufen kann. Zwar ist diese Erkrankung erst einmal nicht bedrohlich, aber bei Belastung kann es zu Schäden wie Milz- oder Leberriss kommen, da die beiden Organe ziemlich belastet sind. Alkohol in jeglicher Form war also die letzten Wochen auch ein absolutes Tabu. Außerdem kommen schmerzende Lymphknoten, Halsschmerzen, Appetitlosigkeit und extreme Müdigkeit dazu. An Sport war da nicht zu denken. Nun sind die Laborwerte aber soweit wieder im Rahmen, dass ich wieder mit dem Sport beginnen kann.

Meine erste Tour war meine Hausrunde, also um die 40 km. Die bin ich strikt nach Pulsuhr gefahren und habe bestmöglich versucht, meinen Puls unter 140 bpm zu halten (im Durchschnitt 134 bpm). Für mich ist das niedrig ;).

Blindschleiche auf dem Radweg

Dieselbe Runde bin ich einige Tage später noch mit Kai, meiner Schwester und ihrem Freund gefahren. Die beiden sind keine Rennradfahrer, daher sind wir mit 18 km/h durch die Gegend gerollt. Mein Durchschnittspuls lag bei 111 bpm, daher ein super Grundlagentraining.

Frohen Mutes plante ich eine 60 km Runde, zum Eisessen nach Duderstadt. Wieder einmal wollte ich Kai bei der Arbeit abholen und wählte, um einen schönen Rundkurs zu fahren die etwas längere Strecke über Hattorf. Bald merkte ich aber, dass ich mich zeitlich etwas verkalkuliert hatte und fuhr deutlich unentspannter als geplant. In Strohkrug war es 12.50 Uhr. Ich wollte aber um 13 Uhr in Gieboldehausen sein. Also gab ich nochmal Gas bis der Puls an der 180 kratze (im Schnitt 31km/h). Um 13.01 Uhr rollte ich in Gieboldehausen ein, allerdings ziemlich groggy.

Nach einer Pause ging es dann schön langsam weiter Richtung Duderstadt. Aufgrund der Raserei schwante mir schon Böses, da ich über 5 Wochen pausiert hatte. Bis Duderstadt rollte es ganz gut, aber dort brauchte ich die geplante Eispause.

Aufgrund einer Straßensperrung fuhren wir nicht über Hilkerode zurück, sondern über Breitenberg nach Rüdershausen. Der Weg hatte es in sich und neben einer Schotterpassage auch einige Höhenmeter in petto.

Insgesamt waren es „nur“ 342 hm auf der Strecke, aber die kamen zum Großteil zwischen Duderstadt und Rüderhausen, also auf etwa 10 km.

Blick über Rhumspringe

Oberhalb von Rüderhausen machten meine Oberschenkel dicht und so musste ich mich mit diversen Pausen nach Herzberg zurück quälen.

Optimal war diese zunächst zu schnelle und dann zu hügelige Tour für den Neueinstieg bestimmt nicht, aber ich war stolz, als ich es geschafft hatte. Auch wenn es weh tut, dass die Geschwindigkeit auf der ganzen Strecke doch wieder ganz schön niedrig ist.

Toll ist, dass ich in der nächsten Woche Post von Wobenzym bekomme. Ich darf Wobenzym Sport testen. Dies ist wohl gut geeignet beim Wiedereinstieg in den Sport und unterstützt die Regeneration mit einer Mischung aus Bromelain, Vitaminen sowie Montmorency-Sauerkirsche, Weihrauch und Kurkuma. Ich bin auf die Wirkung gespannt und werde euch berichten. Danach habe ich noch andere Nahrungsergänzungsmittel, die ich gewonnen habe (Orthomol und High 5). Diese werde ich im Anschluss ausprobieren.

Neues Outfit von owayo

(BEITRAG ENTHÄLT WERBUNG OHNE FINANZIELLES INTERESSE)

Es gab Post von owayo! Nein nicht geschenkt, sondern brav bestellt und bezahlt. Das habe ich gestern ausgepackt und war ganz aufgeregt. Ich hatte bisher ja nur Trikots mit Ärmeln (kurze und lange) und ein geliehenes ärmelloses von meinem Freund. Allerdings bleiben bei Trikots mit kurzen Ärmeln die Schultern weiß und wenn ich Konzerte singe, sieht das im Kleid ganz fürchterlich aus. Daher wollte ich gerne ein eigenes ohne Ärmel haben. Lange hatte ich im Internet gesucht und nicht so richtig das Passende gefunden. Lediglich auf fragwürdigen chinesischen Seiten gab es ganz nette Designs und auf ganz exklusiven europäischen Seiten. Da kam mir der Gedanke, mir selbst eins mit Wiedererkennungswert zu entwerfen. Bei der Suche stieß ich schnell auf die Seite von owayo, einem deutschen Hersteller, der komplett in Deutschland produzieren lässt. Ich fing sofort an zu basteln und entwarf mir auch gleich noch ein paar Winter-Armlinge. Die brauche ich sowieso noch. Um das Outfit zu komplettieren gab es auch noch eine Cap dazu. Damit auch alles gut passt bestellte ich mir zuvor Probeartikel um bei den Größen keinen Fehler zu machen. Die die Probeartikel zahlt man lediglich den Rückversand, das ist fair. Bestellt man in größeren Margen ist owayo sehr günstig. Bei Einzelanfertigungen zahlt man entsprechend mehr. Irgendwie wollte mein Freund kein pink-schwarzes-Trikot mit der Aufschrift „die Diva radelt“. Ich kann mir nicht erklären, warum… Nun hoffe ich aber, dass das Geld gut investiert ist und freue mich über die neuen Sachen. Bezahlt habe ich insgesamt 201,40 €:

Radtrikot CT5w Pro Ärmellos (Damen): 101,50 € (kostet ein gutes Markentrikot auch)

Armlinge Winter CAAW5 Pro: 49,00 € (der Preis ist völlig im Rahmen und ich liebe die Qualität)

Radmütze CACP5 Pro: 46,00 € (das ist für so ein Mützchen verdammt viel Geld….)

Der Rest waren die Versandkosten.

Was sagt ihr dazu? Über Kommentare würde ich mich sehr freuen!

Durch das Land der 1000 roten Ampeln – Ruhrgebiets-Tour

(Beitrag enthält Werbung ohne finanzielles Interesse)

Am Pfingstwochenende stand Familienbesuch auf der Agenda. Meine Cousine und ihr Mann sind kürzlich Eltern geworden und meine Oma wollte auch einmal wieder besucht werden. Machen wir uns nichts vor, vom Harz ins Ruhrgebiet – das schaffe ich noch nicht mit dem Rad, aber die Entfernung von 37 km zwischen Kamen und Bochum reizte mich doch, sodass ich neben meiner Reisetasche auch mein Fahrrad in den Kofferraum legte. Nun stellte sich noch die Frage, wie komme ich gefahrlos von A nach B? Zuerst befragte ich Google Maps zu einer geeigneten Radstrecke. Dieses spuckte mir Wege über verschiedene Bundesstraßen aus. Das war das Letzte, was ich wollte, da diese im städtischen Bereich doch eher Autobahncharakter haben. Also schaute ich einmal bei komoot. komoot ist eine App für Sportler aller Art und kann weltweit eingesetzt werden. Toll ist auch, dass die Untergrundbeschaffenheit angegeben wird. Allerdings können Routen kostenfrei nur online angezeigt werden. Gerade bei längeren Touren leidet der Handyakku dann sehr. Zudem habe ich keine Halterung für mein Handy. Allerdings habe ich eine Garmin fenix 5s. Die hat zwar selbst kein Kartenmaterial, aber kann gespeicherte Routen mithilfe eines Richtungspfeils wiedergeben. Auch dies ist allerdings kostenpflichtig. Eine Einzelregion kostet 3,99 €, ist aber häufig beim ersten Mal kostenfrei. Diese hätte aber nicht meine ganze Route abgedeckt. Ein Regionenpaket kostet 8,99 €. Das deckt deutlich mehr ab, wäre mir für eine Tour aber zu teuer gewesen. Daher habe ich zum Komplett-Paket gegriffen, dass einem weltweit Karten (auch zur offline-Nutzung) zur Verfügung stellt und lebenslang kostenlose Karten-Updates bietet. Allerdings ist komoot ein ziemlicher Datensauger, ähnlich wie Strava. Dessen sollte man sich bewusst sein. Ansonsten bin ich aber sehr zufrieden mit der App und die Navigation hat wunderbar geklappt. Nach jedem Abzweig bekommt man die Bestätigung ob man noch auf dem richtigen Weg oder falsch abgebogen ist.

Um 5.10 Uhr klingelte der Wecker, um 6 Uhr saß ich im Auto und fuhr nach Kamen. Das Wetter versprach gut zu werden und bei meiner Ankunft gegen 8.30 Uhr waren die laut Wetterbericht angekündigten 17°C erreicht. Also konnte ich, nachdem ich meine Oma begrüßt und mich umgezogen hatte, ärmellos, aber mit Weste losrollen. Über Südkamen führte ging es über die Landstraße nach Afferde.

Über Wickede, Asseln und Brackel näherte ich mich größtenteils über Radwege Dortmund. In Asseln stieß ich auf die hübsche Lutherkirche, die deutlich älter wirkt, als sie ist. Der Grundstein für den neugotischen Bau wurde tatsächlich erst 1904 gelegt.

Im Ortsteil Wambel ist eine der größten Galopprennbahnen Deutschlands. Der Radweg führt hinter dieser vorbei und ist durch eine Betonwand getrennt. Diese Betonwand ist zum Sprayen freigegeben und dies führt dazu, dass sich die Graffiti-Künstler hier in aller Ruhe austoben können und tolle Kunstwerke entstehen. Auf dem Rückweg wollte ich noch einige davon fotografieren, aber leider hatte ich da die Zeit im Nacken.

Ab Wambel wurde es wirklich anstrengend. Erstens hatte ich tatsächlich das Höhenprofil des Ruhrgebiets etwas unterschätzt. Mit dem Harz ist es nicht vergleichbar, aber wenn man mit einer flachen Route gerechnet hat, merkt man jeden Hügel, was in Bochum seinen Höhepunkt finden sollte, im wahrsten Sinne des Wortes. Nein, viel schlimmer waren die Ampeln. Leider habe ich verpasst mitzuzählen, wie oft ich an diesen hämisch rotleuchtenden Geräten stand, aber um die 30 Mal sollte es gewesen sein. Vermutlich sogar häufiger. Das ständige langsamer werden und hoffe, dass sie doch noch umspringt, anhalten, warten und wieder anfahren ist kräftezehrend. Selbst in den verkehrsberuhigten Zonen kann man nur begrenzt entspannt fahren. Wenn ein Fahrer eines tiefer gelegten Golf sein Auto am liebsten über die Schwellen heben möchte und auch zwischen den Bodenwellen nicht ansatzweise Platz macht, dass man an ihm vorbeifahren könnte ist das zum Brechen. Von den Autos die kreuz und quer auf Fahrradwegen und – streifen parken muss ich gar nicht erst reden.

An der Westfalenhalle und dem Signal Iduna Park fuhr ich unter anderem über Schönau, Stockum und Witten nach Bochum. Meine Cousine lebt mit ihrer Familie im Ortsteil Querenburg, wo auch die Uni und Hochschule zu finden sind. Wikipedia bezeichnet die Gegend rund um Bochum als „Flachhügeligen Landrücken“, der geprägt ist durch „gleichmäßigen Steigungen und Gefälle“. Das habe ich gemerkt, wobei, der letzte Anstieg mit 10,9%iger Steigung echt gemein war, vor allem wenn man um die Kurve kommt und in einem viel zu schweren Gang in den Berg geht.

Angekommen in Bochum (11.02 Uhr) war für den Knirps gerade Fütterungszeit angesagt, sodass ich Zeit hatte, mich etwas frisch zu machen und umzuziehen. Angekündigt hatte ich mich für 11 Uhr, gehofft hatte ich auf 10.45 Uhr. Tatsächlich hatte ich aufgrund der Ampeln volle zwei Stunden gebraucht. Dann durfte ich den kleinen neuen Erdenbürger kennen lernen, der jetzt knapp einen Monat alt ist. Selten habe ich ein so entspanntes Kind kennengelernt. Nicht nur, weil er nach dem Stillen fast sofort einschlief, sondern auch ansonsten wirkte er durchweg zufrieden. Hoffentlich bleibt das noch ein bisschen so. Da die letzten Wochen für die frisch gebackenen Eltern noch sehr turbulent waren, hatte ich für den Besuch nur zwei Stunden einkalkuliert um ihnen nicht allzu lange zur Last zu fallen. Das war wirklich schade, da ich gerne noch geblieben wäre. Allerdings hatte ich mich zum Kaffee bei der Oma angemeldet. Das nächste Mal bleibe ich aber auf jeden Fall länger. Nach einem leckeren Mittagessen (selbstgemachte Pizza und Salat – aber nur ganz wenig, dass ich noch radeln kann), setzte ich mich wieder auf den Drahtesel und fuhr zurück.

Auf dem Heimweg nahmen die Böen ganz schön zu und die Temperatur machte mir etwas zu schaffen. Mittlerweile lag die die Temperatur bei etwa 27°C. Da ich schon recht spät dran war, verkniff ich mir weitere Fotopausen, die ich mir auf dem Hinweg vorgenommen hatte. Erst in Wambel zückte ich noch einmal die Kamera, da dort ein Graffitikünstler gerade bei der Arbeit war. Der freute sich über mein Interesse und stand bereitwillig Modell. Auch erzählt er ein wenig über das legale und illegale Sprayen. Das war sehr spannend. Ein netter Kerl.

Fast pünktlich um 15.40 Uhr kam ich bei meiner Oma zum Kaffeetrinken an. Der Erdbeerkuchen kam jetzt gerade recht. Auch wenn ich die Höhenmeter im Ruhrgebiet unterschätzt habe 474 waren es auf der Tour) , war es trotz allem eine interessante Erfahrung in der Stadt zu fahren. Wenn auch viel langsamer als hier, mit 23 km/h, war es mindestens genau anstrengend, da man nicht in einen gleichmäßigen Tritt kam. Ich lerne, daraus, dass man in Städten definitiv mehr Zeit einplanen muss.

Löcher im Magen, Hyperventilieren und nasse Füße

Lange habe ich nichts von mir hören lassen. Leider war in den letzten Wochen nicht so richtig viel Zeit für längere Touren und wenn es die Zeit hergegeben hätte, war das Wetter so mies, dass doch eher das Sofa gelockt hat. Zwei Tage nach der letzten Tour, bei der wir zu viert unterwegs waren, habe ich mich mit Kai noch einmal in den Harz begeben. Eine 40er Runde mit einigen Höhenmetern zwischen Sieber und Silberhütte. Dort habe ich das erste Mal in meinem Leben hyperventiliert. Ich wusste nicht, dass ich so hysterisch werden kann. Ist aber ein wirklich doofes Gefühl, wenn man vor sich hinkeucht und das Gefühl hat, dass die Luftröhre immer enger wird. Mit panischem Geheule – das volle Programm. Woran genau das gelegen hat weiß ich bis heute nicht. Vermutlich eine Mischung aus Pollenallergie, zu schnellem Fahren am Berg und Erschöpfung von der letzten Tour. Was lernen wir daraus? Ruhig bleiben, Antihistamine nehmen und Regenerationszeiten einhalten. Zur Beruhigung gab es hinterher ein Eis in Bad Lauterberg. Dank Kais Windschatten fuhr ich trotz des kleinen Aussetzers persönliche Rekorde auf einigen Streckenabschnitten.

Etwa eine Woche später, am 30. April habe ich Kai von der Arbeit abgeholt und dabei prompt zwei Krönchen (Queen of the Mountain) bei Strava abgetaubt. Diese sogar aus eigener Kraft und ohne Windschatten. Das macht mich immer gleich doppelt stolz.

Der nächste Dämpfer kam am 01. Mai. Geplant war eine große Feiertags-Runde. Am Nachmittag zuvor war mir allerdings etwas flau im Magen und ich konnte kaum etwas essen. Dies sollte sich am nächsten Tag böse rächen. Von Herzberg ging es über Mühlenberg nach Osterode und Badenhausen. Schon auf den ersten 20 km hatte ich ein großes Loch im Bauch und auch der Müsliriegel konnte dies nicht so recht stopfen. Wir rollten weiter nach Eisdorf und Nienstedt. Auch kräftemäßig lief es nicht rund, sodass ich auf dem Weg nach Marke mitten am Berg anhalten musste um etwas zu essen. Nach Marke ging es bergab. Zum Glück nicht im übertragenen Sinne, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Katlenburg und Wachenhausen waren die nächsten Ziele. Durch die Feldmark ging es – teilweise über Schotter – nach Bils- und Gieboldehausen. Über Rhumspringe fuhren wir zurück nach Hause. Auch die letzten Kilometer hatte ich ganz schön zu kämpfen. Trotzdem wurden es über 67 hügelige Kilometer, die bei super Wetter größtenteils trotzdem Spaß gemacht haben.

Vier Tage später lief es besser. Wieder nahmen wir eine knapp 70 km lange Tour in Angriff. Allerdings dieses Mal über Osterode, Ührde, Wulften, Gieboldehausen nach Duderstadt, wo wir uns Kuchen und Laugenstangen gönnten und dann auf direktem Wege zurück fuhren. Anfangs waren die Beine noch schwer, aber dann lief es ganz gut.

Am 11. Mai nahm ich alleine noch einmal die Serpentinen nach Silberhütte in Angriff um das Hyperventilations-Drama zu verarbeiten. Eher eine Pflichttour, da es ununterbrochen geregnet hat. Ich bin ja nicht wasserscheu, aber irgendwann waren meine Füße klitschnass und meine Zehen stachen, da sie nicht mehr vernünftig durchblutet wurden. Egal – ich möchte ja nicht als Schönwetterradler enden. Da muss man da einfach durch. Und es hat sich gelohnt. Trotz zweier kurzer Pausen am Berg bin ich persönliche Bestzeit gefahren und die Schnappatmung war relativ schnell vorbei.

Am Donnerstag habe ich es getan und bin mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Ich hatte erst zur dritten Stunde und musste lediglich eine Klassenarbeit schreiben lassen. Auf dem Rückweg hängte ich einige Kilometer dran und war letztendlich 86 km unterwegs. Ganz allein und ohne Windschatten. Die Strecke war flach und daher konnte ich eine für mich recht hohe Geschwindigkeit von 26,6 km/h durchhalten. Bei der Tour führte mich der Weg nach Northeim. Mittags besuchte ich Kai kurz in Gieboldehausen und von dort radele ich zurück. Ärgerlicherweise vergaß ich beim Losfahren meine Uhr zu starten. Dies merkte ich erst kurz vor Rhumspringe. Wäre mir das nicht passiert, hätte ich vielleicht die 90 km voll gemacht. Aber frustriert von der fehlenden Dokumentation verzichtete ich darauf. Da ich das erste Mal alleine eine so lange Strecke gefahren bin, war dies sicherlich auch die richtige Entscheidung, da meine Oberschenkel kurz vor dem Ziel anfingen zu zittern.

Um mich zu motivieren habe ich übrigens bei http://www.owayo.de (Achtung, Werbung) ein bisschen Geld für selbst designte Radbekleidung ausgegeben. Sie sollte hier Mitte Juni eintrudeln. Ich bin total gespannt, auch auf eure Reaktion.

Graveltour #7 – Vier Wochen und über 500 km im Sattel

Der erste Monat mit dem neuen Rad ist um. Dann ist es wohl Zeit, ein kleines Resümee zu ziehen. Über die ersten 500 km auf dem Drahtesel, das angeleitete Üben des Schlauchwechsels und die Jubiläums- bzw. Osterradtour zu viert.

Ich kann es kaum glauben, dass ich tatsächlich erst seit einem Monat Rad fahre. Bevor mein Rad überhaupt da war, sah ich der ganzen Sache ja recht kritisch entgegen, da mir das in-die-Pedale-Treten nie auch nur ansatzweise Spaß gemacht hatte. Rückblickend kann ich sagen, dass das sicherlich zumindest zum Teil an schlechtem Material gelegen hat. Seitdem ich mein Gravel habe, hat sich diese Meinung stark geändert, wenngleich ich nicht bei jeder Tour vor Freude und Spaß jubele, sondern oft genug noch ganz schön am Kämpfen bin.

In Woche eins bin ich bereits 96 km gefahren, in Woche zwei 130, in Woche drei 146 km und in Woche vier 180 km. Für einen Anfänger gar nicht mal so übel. Tatsächlich fahre ich auch überwiegend beschwerdefrei, was wohl mit der guten Einstellung des Rades, dem tollen Sattel von Ergon und der super bequemen Bip von Endura liegt. Ich selbst muss, vor allem auf langen Strecken noch weicher in den Ellbogen fahren. Dort hatte es nämlich nach meiner längsten Tour (Graveltour #6 – 90 km+) ganz schön geschmerzt, da ich ein paar Bodenwellen übersehen hatte.

Pannentraining

Für Notfälle hatte mir mein Freund schon vor längerem einen Ersatzschlauch mitgebracht, den ich auch brav immer mitgenommen habe. Häufig sind wir ja zu zweit unterwegs, aber oft genug auch nicht, weshalb es wohl ratsam ist, sich damit zu beschäftigen, wie so ein Schlauch überhaupt gewechselt wird. Kais Rad sollte auf die Sommerreifen, daher war die Situation günstig, mir das Ganze mal zeigen zu lassen. Der Ausbau des Vorderrads war problemlos, auch das Abnehmen des Mantels und des Schlauchs. Allerdings gibt es so viele Dinge zu beachten, das es mit einem Mal üben wohl nicht getan ist… Der Zusammenbau war soweit auch in Ordnung, aber den Mantel das letzte Stückchen in die Felge zu bekommen, wollte mir einfach nicht gelingen. Das hat uns beide echt Nerven gekostet, da ich total ungeduldig und jähzornig bin, wenn mir etwas nicht sofort gelingt. Da kann die Diva schon mal etwas anstrengend werden. Kai hat dann irgendwann übernommen und ich habe das Rad eingebaut. Bis auf die Frickelei mit dem Mantel eigentlich kein Hexenwerk.

Anders sah es beim Hinterrad aus. Dieses ganze Schaltungs- und Kettengerümpel ist ja sowieso noch ein Buch mit sieben Siegeln für mich – wie soll ich da ein Rad wieder unfallfrei reinbauen?? Ok, zuerst in den höchsten Gang geschaltet, Rad ausgebaut, Luft raus, Mantel lösen, Schlauch raus, Mantel raus. Neuen Mantel einfädeln, Schlauch rein und wieder dieses Geduldsspiel.

Irgendwann habe ich Kai gebeten, solange rein zu gehen, bis ich fertig bin und tatsächlich – nach einer gefühlten Ewigkeit – hatte ich den dusseligen Mantel endlich komplett in die Felge gedrückt, ohne dass er sich am anderen Ende genauso schnell wieder löste… Jippieh… Kai durfte also wieder kommen und es ging an den Einbau. Erst schaute ich zu und es sah ganz logisch aus. Dort nach hinten ziehen, die Kette aufs Ritzel legen, wieder loslassen, gar kein Problem! Dann sollte ich. Und schon das erste Problem: wie muss ich jetzt Fahrrad und Rad halten? Und dann ließ mich die völlig andere Perspektive auch verzweifeln. Zuschaut hatte ich von der Seite und von hinten sah das alle ganz anders aus. Ich kam mir vor, wie jemand mit zwei linken Händen. Ich hatte ja immer gehofft, in solchen Fällen nicht das typische Mädchen zu sein. Autoreifen wechseln kann ich ja auch. Hoffentlich bin ich bei meiner ersten Panne nicht auf mich allein gestellt. Und falls doch und ich gar nicht zurechtkomme, nutze ich meinen weiblichen Charme um einen Radfahrer anzuhalten, der mir helfen kann. Oder ich mache es gar wie andere Radlerinnen und lasse mich abholen ;).

Sommerliche Ostertour

Das Osterwetter dieses Jahr ist ja bombastisch und trotz Konzertpremiere am Ostersonntag bekamen wir noch ein Tour unter. Zum ersten Mal waren wir zu viert unterwegs. Mit dabei Kais Zwillingsbruder Sven und seiner Bekannten Alina.

Ich war vorher ganz schön nervös, mit drei erfahrenen Radlern unterwegs zu sein und hatte Sorge, tempo- und ausdauermäßig nicht mithalten zu können. Zuvor musste ich noch mein Rad von Herzberg nach Hattorf holen und hatte schon 9 km Vorsprung. Dann fuhren wir los und die drei schlugen ein knackiges Tempo an, merkten aber, dass sie mich damit etwas überforderten und drosselten es etwas, sodass das leichte Brennen in den Oberschenkeln schnell wieder verschwand. Über die Pöhlder Aue ging es über Scharzfeld und Barbis Richtung Bokelnhagen. Auf der Anhöhe steht, wie schon im Blog Graveltour #3 beschrieben, ein alter Grenzturm. Dort machten wir Pause und wurden plötzlich vom Besitzer angesprochen, ob wir uns den Turm nicht anschauen wollen. Aber sofort, aber gern! Eine tolle Gelegenheit.

Original ist innen nichts mehr, aber man findet eine Sammlung alter Uniformen, Schilder und anderer Relikte aus der Zeit. Total spannend. Jetzt wird der Turm wohl eher für kleine Feiern oder auch als besondere Übernachtungsmöglichkeit genutzt. Nach diesem kulturellen Schmankerl ging es weiter über Zwinge und Fuhrbach nach Duderstadt. Zwischenzeitlich mussten wir nochmal einen Nothalt machen. Damit aus meinem Hungerzweig kein Hungerast wird, musste ich fix einen Riegel vernichten. Auch Alina hatte wohl mit dem Anstieg etwas zu kämpfen und versicherte mir, dass auch ihr die kleine Pause ganz gut tue. Endlich in Duderstadt gönnten wir uns auf dem schönen Marktplatz mit dem bekannten Fachwerk-Rathaus ein fast noch schöneres Stück Kuchen. Trotzdem sollte erwähnt werden, dass es sich bei dem Rathaus um wohl eins der ältesten in Deutschland handelt. Der Bau begann bereits 1302 und es beherbergt unter anderem einen Weinkeller und eine Folterkeller.

Nach der Pause kehrten wir Duderstadt den Rücken und fuhren über Obernfeld und Gieboldehausen nach Wulften, wo wir Alina verabschiedeten. Anschließend ging es für uns drei weiter nach Hattorf. Dort schnappte ich mir den Autoschlüssel und es ging direkt weiter nach Herzberg. 77,92 km und ein Schnitt von 26,3 km/h war das Ergebnis dieser Runde, plus die 9 km der Radüberführung. Zugeben muss ich natürlich, dass ich viel Windschatten gefahren bin. Alleine hätte ich so ein Tempo nicht halten können. Immerhin hatte ich dieses Mal keinen allzu starken Kräfteeinbruch, sodass ich zwar total erschlagen zu Hause die Treppe hochstolperte, aber zufrieden mit meiner Leistung war.

Es war ja außerdem mein erstes Gruppen-Raderlebnis und ein toller Einstand. Mit den dreien zu fahren war sehr schön und die Herren der Schöpfung waren sehr aufmerksam. Danke, dass ihr mich mitgenommen habt!