West-Ost-Tour

Oder: Der große Kleidungsbelastungstest….

Durch eine berufliche Veränderung war das Radfahren die letzten Wochen etwas kurz gekommen, weshalb ich gerne das verlängerte Wochenende zum Tag der Deutschen Einheit nutzen wollte, um ein paar Kilometer auf neuen Wegen zurückzulegen. Was lag da näher, als zur Feier des Tages der Wiedervereinigung weit in die ehemalige DDR zu fahren? Die Zielsuche gestaltete sich als relativ einfach, da ich gerne Andy – eine Facebook-Radbekanntschaft aus Dresden treffen wollte. An einem Tag fahre ich keine 300 km, weshalb ich einen Zwischenstopp in Leipzig einplante.

Die Wetterprognose war anfangs noch ganz nett, verschlechterte sich aber zusehends, sodass ich erst nicht sicher war, ob ich das Ganze nicht doch lassen sollte. Das Hotel in Leipzig war nicht stornierbar, weshalb ich mir selbst in den Allerwertesten trat und mich am Samstagmorgen um 6.45 Uhr auf den Weg machte. Die Tour hatte ich zuvor mal wieder mit komoot geplant und war bei der ersten Etappe von 770 hm ausgegangen. Aber Pustekuchen. Auf den Rox übertragen war plötzlich von über 1000 hm die Rede. Na herzlichen Dank. Es sollte also nichts mit einer flachen Tour werden… Mit voll bepackter „Arschrakete“ – die große Satteltasche – Rahmen- und Oberrohrtasche und gut befülltem Futterbeutel ging es los. Zunächst mit kurzer Hose und den neuen Beinlingen von Craft, Trikot, Armlingen und Regenjacke. Schon auf dem ersten Kilometer begannen die Beinlinge zu rutschen, was leider auch den ganzen Tag über immer wieder passierte, da weder sie noch meine Hose eine Gummierung haben.

Sonnenaufgang
Mensch, Craft, das geht doch besser

Sehr, sehr lästig… Dafür bekam ich ein schönes Morgenrot zu sehen, bevor es nach 8 km begann zu regnen. Also zog ich in Barbis auch die lange Regenhose an und war ab da als rotes Michelin-Mädchen unterwegs.

In voller Montur

Bald hatte ich Niedersachsen verlassen und befand mich „drüben“. Auf noch bekannten Wegen fuhr ich mal im Niesel-, mal im Landregen nach Nordhausen und von dort aus weiter den ebenfalls mehrfach gefahrenen Radweg parallel zur Nordhäuser Straße gen Osten. Zum Glück kam der Wind meist von hinten, gelegentlich jedoch auch böig von der Seite. Bald überfuhr ich die nächste Landesgrenze und landete bei Berga in Sachsen-Anhalt. Der Regen ließ nach und ich zog spontan die Regenhose aus um sie fünf Kilometer später bei Roßla wieder anzuziehen. In Sangerhausen war ich bei zwei Hügeln kurz am Zweifeln, ob ich das Ganze überhaupt packen würde. Danach kamen zwar nur noch wenige schlimme Höhenmeter, aber immer wieder kurze knackige Rampen. Bei einer derselbigen merkte ich plötzlich ein Reißen an der Hose. Der Klettverschluss am Bein der Regenhose hatte sich gelöst und das Kettenblatt sich in der jetzt zu lockeren Hose verbissen. Also hat leider auch die VAUDE Regenhose den Stresstest nicht so richtig bestanden.

Sangerhausen

Davon ließ ich mich nicht aufhalten und fuhr mit einigen Pausen, teilweise in zugigen und mit Erbrochenem dekorierten Bushaltestellen weiter. Ab Halle fuhr ich überwiegend entlang der Weißen Elster (mit einem unnötig hügeligen Abstecher nach Schkeuditz) und war mir nichts, dir nichts in Sachsen. Es wurde auch Zeit, denn ich war langsam wirklich platt. Mein Hotel erreichte ich schließlich nach knapp 170 km, von denen immerhin etwa 40 trocken waren.

Nach einer ausführlichen Dusche machte ich mich zu Fuß auf in die etwa drei Kilometer entfernte Innenstadt, die ich ja bereits durch einige Besuche kannte. Trotzdem spazierte ich die wichtigsten und für mich hübschesten Plätze der Innenstadt ab (natürlich an der Thomaskirche vorbei quer durch die Stadt bis zum Augustusplatz und parallel wieder zurück, vorbei an der Nikolaikirche und über den Marktplatz) und lauschte eine Weile einem Sänger vor Auerbachs Keller. Irgendwann machte ich mich auf den Rückweg.

Da mein Handy kaum noch Akku hatte, schaltete ich es vorsichtshalber aus. Als ich es zum Navigieren wieder einschalten wollte, verlangte es plötzlich den PIN der SIM-Karte. Das war mir bis dahin noch nie passiert…. Den hatte ich natürlich nicht zur Hand, sondern zu Hause, und wurde etwas nervös. Erst einmal musste ich aber etwas essen und bestellte mir in einer Dönerbude ein paar Falafel und bat den Verkäufer, ob ich sein Handy nutzen dürfte, um meine Radverabredung für den Folgetag zu koordinieren. Leider fiel mir aber auch mein Facebook-Passwort nicht ein… Etwas verzweifelt ging ich in Richtung Hotel (zum Glück ist mein Orientierungssinn nicht soo schlecht). Auf dem Weg dorthin sprach ich noch einen jungen Herrn mit einem Coffee Bike an und schilderte ihm meine Lage. Er erlaubte mir, mit seinem Profil meiner Radverabredung zu schreiben. Blöd nur, dass ich dessen Nickname nicht exakt im Kopf hatte und ihn nicht fand. Zurück im Hotel hatte ich mein Handy und die Radbegleitung abgeschrieben, als mir einfiel, dass ich es ja ohne SIM-Karte probieren könnte. Also am Empfang eine Büroklammer ergattert und die SIM-Karte rausgebastelt. So konnte ich wenigstens mit WLAN mein Handy nutzen. Was für eine Erleichterung.

Ziemlich müde wollte ich gegen 21.30 Uhr schlafen. Dazu kam es aber leider bis nach 24 Uhr nicht, da Straßenbahnen, feiernde Leute, Sirenen & Co. alles gaben, um die stilleverwöhnte Diva wachzuhalten.

Gegen 5.30 Uhr war die Nacht wieder zu Ende, obwohl es draußen erstaunlich leise war. Ich packte meine Sachen und schlug um 7.01 Uhr zum Frühstück auf. Merke: wenn Vietnamesen schreiben, dass es ab 7 Uhr Frühstück gibt, heißt es, dass es ab 7 Uhr langsam aufgebaut wird. Sehr charmant fand ich aber, dass der Mitarbeiter mit jeder Lebensmittellieferung, die er ans Buffett bringen wollte erst zu mir kam. Und das obwohl ich ihm mehrfach sagte, dass er ganz in Ruhe aufbauen solle und ich mir dann etwas hole.

Um 8.30 Uhr war ich mit Andy und seinem Freund Stephan am Hotel verabredet. Stephan durfte ich meine Klamotten ins Auto werfen (die er mit nach Dresden nahm) und schon war mein Rad nur noch halb so schwer. Auch das Wetter versprach etwas besser zu werden, daher nahm ich auch nur die Regenjacke mit und verzichtete auf die Regenhose. Zum Austausch ließ er mir Andy als Radbegleitung da. Der hatte aber sein eigenes Rad und war daher kein Ballast. Irgendwie seltsam, wenn man sich nur vom Schreiben her kennt und keine Ahnung hat, ob man sich leiden kann und wie weit man leistungsmäßig auseinander ist. Ein leicht flaues Gefühl hatte ich schon, was sich aber schnell verflüchtigte. Mit Andy fuhr ich quer durch Leipzig und er legte ein ganz schönes Tempo vor. Ab dem Völkerschlachtsdenkmal hatten wir halbwegs freie Fahrt und ich gab alles, um halbwegs dran zu bleiben. Trotzdem musste ich doch um eine Reduzierung des Tempos bitten. Ob es an der Tour am Vortag lag oder einfach der zu großen Leistungsdifferenz, ich weiß es nicht. Ich tippe aber auf ersteres, da mich die kleinsten Hügel zum Schnaufen brachten. (Memo an mich: mein Asthmaspray ist schon seit längerem alle – vielleicht mal bei Gelegenheit ein neues besorgen…).

Die ersten 80 km ging es lustig auf und ab. Selten ganz schlimm, aber es war stets hügelig. Ab Zehren fuhren wir auf dem Elberadweg und gönnten uns nur noch einen Anstieg auf die Burg in Meißen.

15 km vor Dresden bekam ich einen Hungerast. Mein Brötchen hatte ich schon lange vorher gegessen und lief plötzlich auf der letzten Rille. Dankenswerter Weise half mir Andy mit einem Riegel aus, sodass es irgendwie doch noch bis in die Dresdner Innenstadt schaffte, in der wir erst einmal Currywurst und Pommes verdrückten. Gestärkt schaffte ich auch noch die Runde durch den Großen Garten. Dann waren es auch nur noch wenige Meter bis zum Ziel und wir stellten die Räder nach 131 km ab. Ich ziemlich kaputt, Andy nicht so. Aber gut, beim nächsten Mal tobe ich mich am Vortag vielleicht nicht so aus…

Den Nachmittag nutzten wir ausführlich und er zeigte mir viele tolle Orte der Stadt. Nach einem kräftigen Platzregen beispielsweise das Schloss Albrechtsberg aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, welches auf der anderen Elbseite liegt und einen tollen Blick über Dresden bietet. Erbaut wurde es für den jüngsten Bruder Wilhelm des I. Wir schauten uns die vorgelagerten Weinberge, das Blaue Wunder, und die Gärten rund um das Schloss an.

Anschließend setzten wir unsere Tour in der Innenstadt fort. In dieser war ich zuletzt vor knapp 20 Jahren und konnte mich nur an wenig erinnern. Die Frauenkirche war damals noch nicht ganz fertig gestellt. Sie beeindruckte mich ziemlich. Am Fürstenzug, der aus 102 m die 34 Herrscher aus dem Geschlecht der Wettiner darstellt, spekulierten wir über die Bedeutung einiger lustiger Beinamen wie Dietrich der Bedrängte, Albrecht der Entartete und Friedrich der Gebissene.

In der Dämmerung und den nächsten aufziehenden düsteren Wolken wechselten wir noch einmal die Elbseite und schauten uns den Goldenen Reiter und – viel wichtiger – die Eisdiele von Terence Hill an. Wieder zurück über die Elbe ging es Richtung Zwinger, der im Moment eine ziemliche Baustelle ist. Dort erwischte uns auch der nächste Schauer, bei dem wir uns aber zum Glück unterstellen konnten. Nach einem leckeren Abendessen ging es auch ziemlich bald in die Federn.

Am Montag ging es zurück nach Hause, mit einem kleinen Abstecher zur Burg Kriebstein, der schönsten Ritterburg Sachsens, die ab 1384 gebaut und oft erweitert, umgebaut und den Geschmäckern der Zeit angepasst wurde. Zu ihr hoch führt die steilste Straße Sachsens mit 24 %. Vielleicht mal eine Radherausforderung…..

Alles in allem ein anstrengendes, aber trotz des mistigen Wetters ein schönes Wochenende, was mich zwar müde, aber mit dem Gefühl zurücklässt, es optimal genutzt zu haben. Einen großen Dank nochmal an Stephan für den Gepäckshuttle und Andy für die schöne Tour und Geduld und die Stadtführung.

Neben der kaputten Hose und den rutschenden Beinlingen hat es übrigens auch die Regenjacke erwischt. Da ist die Verschweißung der Naht im Nacken aufgegangen. Lief also richtig gut für meine Bekleidung…

Himmelfahrtskommando in den Norden

Schon bei meinem Bericht über die Tour zur Marienburg habe ich es vorsichtig angekündigt. Für das Himmelfahrtswochenende hatte ich mir etwas Größeres vorgenommen. Mit Gravelbereifung und etwas Gepäck wollte ich meine Schwester besuchen. Lieber wäre mir die Rennradbereifung gewesen, jedoch hatte meine Wahl zwei Gründe. Zum einen hatte ich mein Rad schwerer beladen als üblich, zum anderen hatte ich die Hoffnung, dass die etwas robusteren Reifen mir einen Plattfuß ersparen würden. So war das Reisetempo zwar etwa heruntergesetzt, aber ein hohes Tempo war nicht meine erste Priorität. Eine Zerrung in der Kniekehle brachte meine Planung etwas in Wanken. Da diese sich aber mehr bei Höhenmetern bemerkbar macht, ging ich das Unterfangen mit pinkem Tape in der Kniekehle trotzdem an.

Der Wecker klingelte am Donnerstag um 4.00 Uhr und nach einem gemütlichen Frühstück packte ich die letzten Sachen und saß kurz nach 5.00 Uhr auf dem Rad Richtung Norden.

Zunächst fuhr ich über Osterode und Willensen nach Kalefeld. Die Kirche dort wollte ich beim letzten Mal schon fotografiert haben. Mit ihrer Backsteingotik erinnert die Emporenhallenkirche an die Sakralbauten im Norden, also eine gute Einstimmung auf meine Tour. Der Weg führte mich auf ähnlichem Wege zum Schloss Marienburg. Dort traf ich um kurz vor 8 Uhr ein und dachte mir schon, dass ich dort wohl noch keinen Kaffee bekommen würde. Doch sogar die Runde über den Innenhof blieb mir verwehrt.

Also fuhr auf auf der anderen Seite des Berges wieder hinab Richtung Pattensen. Ab hier merkte ich, dass der Wind langsam zunahm, da die Tour nun flacher und windanfälliger wurde. Leider kam er aus Nordwesten, also immer von links oder von vorn. Das sollte sich bis zum Ende der Tour auch nicht mehr ins Positive verändern. In Hannover führte mich das Navi über Linden, hinter den Herrenhäuser Gärten vorbei (das habe ich erst bei der Nachbearbeitung gesehen), durch Leinhausen und Stöcken. In Stöcken bewunderte ich das Eingangsportal zum Stadtfriedhof.

Es war kurz vor 10 Uhr und langsam erwachten auch die Herren, die in großen Scharen zu Fuß oder hoch zu Rad auf ihre Vatertagstouren aufbrachen. Um 10.30 Uhr kreuzte ich die A2 und machte in luftiger Höhe über der Autobahn eine Pause, bevor es in Richtung Garbsen weiterging.

Landschaftlich reizvoll war die Strecke nicht. Das änderte sich erst wieder ab Neustadt am Rübenberge. Zwar wurden die Radwege weniger, die Orte jedoch deutlich netter, mit unzähligen alten Dreiseitenhöfen und viel rotem Backstein. Die Windstärke nahm zu und mein Durst leider auch. 1,5l sind für eine Tour wie diese definitiv nicht genug… Die Märkte hatten aufgrund des Feiertags geschlossen und die einzigen Tankstellen die ich fand, waren SB-Tankstellen ohne Einkaufsmöglichkeit. Im Ort Nöpke sah ich eine Frau mit Kinderwagen, die gerade auf ein Haus zusteuerte und bat sie darum, mir die Flaschen aufzufüllen. Mit einer Marathonläuferin hatte ich genau die richtige erwischt, da sie mir sagte, dass sie auch regelmäßig bei fremden Leuten um Wasser bitte. Nun ging es auf die Zielgerade. Der Wind fegte mir immer stärker ins Gesicht und jeder der noch 30 km zog sich elendig in die Länge. Eine längere Verschnaufpause an einem Bahnübergang, an dem der Verkehr über 5 Minuten auf die beiden durchfahrenden Züge warten durfte.

Immerhin genug Zeit, etwas zu essen und den Rox an die Powerbank zu hängen, dessen Akku bei Dauernavigation nach nun über 150 km langsam schwächelte. Einige Zeit später sah ich vor mir einen Planwagen vor mir. Ich kam ihm relativ zügig näher und hörte und sah bald die grob 15 Männer, die sich gegen das Wandern entschieden hatten. Als sie mich entdeckten war das Gegröle groß und man bot mir sogar ein Bier an. Dieses lehnte ich jedoch dankend ab und überholte den Traktor bei der nächsten Möglichkeit. Ich zähle jeden restlichen km, bis ich endlich um kurz nach 13 Uhr bei meiner Schwester ankam.

Den Freitag nutzten wir zum regenerativen Shoppen bei Bremen und ließen den Tag relativ entspannt angehen.

Samstag ging es wieder zurück. Allerdings startete ich erst gegen 8 Uhr, da wir ja noch gemütlich frühstücken wollten. Als ich das Rad aus der Garage holte schauerte es kräftig. Ich entschied mich dafür, diesen Schauer abzuwarten, was zu Glück nicht lange dauerte und fuhr im leichten Nieselregen und empfindlicher Kälte los. Schon auf den ersten Kilometern machte ich eine große Extraschleife. Ich hatte bei meiner Grobplanung Dörverden als Startpunkt angegeben – den nächst größeren Ort. Bei komoot hatte ich das genaue Ziel zwar noch geändert, aber nicht mehr auf den Rox geladen. Zwar wunderte ich mich, dass ich in die gefühlt falsche Richtung fuhr, hatte aber auch eine andere Route für den Rückweg geplant. Als ich das Problem erkannte, war es schon zu spät und Wenden hätte sich nicht mehr gelohnt. Mit einem immerhin sehr verkehrsberuhigtem Schlenker von etwa 5 km Umweg ging es irgendwann los in Richtung Süden. Der Wind kam heute eher aus westlicher Richtung und schob mich auf einigen Passagen recht zügig, meist schob er mich aber eher Richtung Straßenmitte.

Meine Beine fühlten sich gar nicht so ermüdet an, wie ich es zunächst befürchtet hatte. Heute fuhr ich etwas westlicher durch Hannover. Immer wieder gab es kleine Schauer und auch die Sonnen hat wenig Kraft, sodass ich die meiste Zeit mit Armlingen und/oder Regenjacke fuhr. In Langenhagen kam ich am Flughafen vorbei und überlegte kurz, das Rad als Gepäck aufzugeben und in wärmere Gefilde zu flüchten, verwarf diesen Gedanken aber wieder. Stattdessehn gönnte ich mir eine kurze Auszeit am Maschsee, bevor ich weiter Richtung Hildesheim fuhr.

In Hildesheim war ein Kaffeestop geplant. Gegenüber des Bahnhofs fand ich ein Café, in das ich aber das Rad natürlich nicht hineinnehmen durfte. Da ich es am Bahnhof auch keinesfalls unangeschlossen alleine stehen lassen wollte setze ich mich als einziger Gast nach draußen und es gab prompt einen weiteren kräftigen Schauer. Zum Glück gab es ein Vordach, sodass ich nur etwas Spritzwasser abbekam. Auch bei meiner Frage nach einer Toilette hatte ich kein Glück, diese sei leider geschlossen. Als ich bei meiner Weiterfahrt eine Tankstelle entdeckte, hing auch dort ein Schild „Ich bin leider wieder verstopft“. Da wird man ja quasi zum Wildurinieren gezwungen….

Trotz veränderte Route kam ich wieder an der Marienburg vorbei. Doch halt, nein! Große Verwechslungsgefahr. Beide liegen in der Nähe von Hildesheim, jedoch ist das Schloss Marienburg ein Prachtbau jüngeren Datums, wohingegen diese Marienburg eine Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert ist. Leider habe ich es verpasst, Fotos zu machen und wollte keinen Schlenker dorthin fahren, daher hier ein Bild aus dem Internet.

060610 Universität Hildesheim Domäne Marienburg Foto Andreas Hartmann, Luisenstrasse 13, 31141 Hildesheim – fotoaha@aol.com

In Groß Düngen erinnerte mich der Ortsname an die Aufnahme von Nährstoffen und ich kaufte mir ein zucker- und koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk um meiner Flaschen aufzufüllen und wollte den Halt nutzen, um meine Blase zu leeren. Letzteres leider erfolglos („Nein, eine Kundentoilette haben wir nicht“). Kohlensäure in Radflaschen ist eher suboptimal. Ganze dreimal schlug mir der Druck beim Öffnen der Flasche gegen das Zäpfchen, ab dem vierten Trinken, hatte die Gefährdung nachgelassen ;).

Es folgte einer der größten Anstiege der Tour über den Weinberg bei Nette. In zum Glück nicht zu steilen Serpentinen ging es vier Kilometer den Berg hinauf und ein paar weniger auf der anderen Seite hinunter.

Bald landete ich in Rhüden. Von dort aus sollten es noch 50 km mit einigen Höhenmetern sein. Langsam merkte ich die Erschöpfung auch das lange Sitzen war nicht mehr so ganz komfortabel. Kurz gesagt, die Motivation war nicht mehr ganz so hoch, was unter anderem mit dem weiterhin etwas an April erinnernden Wetter zu tun hatte. 15 km weiter, kurz hinter Seesen machte mein Rad seltsame Geräusche. beim Blick nach unten wusste ich weshalb. Bei meinem hinteren Reifen war die Luft noch mehr raus als bei mir. Damit war mein Plan pannenfrei zu bleiben leider nicht aufgegangen. Ich hatte zwar alles dabei, was man braucht, leider ja aber die nicht die Kraft den Mantel wieder in die Felge zu bekommen. Also versuchte ich gar nicht erst den Schlauch zu wechseln, sondern versuchte es mit verschiedenen Telefonjokern. Leider hatte keiner Zeit und Möglichkeit mich abzuholen.

Also schob ich mein Rad und überlegte, was ich nun tun könnte. Nach Seesen die 4 km zurück laufen und den Zug nehmen, wäre die einfachste Lösung. Jedoch hatte ich vor, die Tour zu beenden und war todunglücklich. Da kam aber der Held in glänzender Rüstung und hoch zu Ross. Na gut, der Held in Rennradoutfit und Carbonrad und fragte mich, ob ich Hilfe bräuchte. Zerknirscht bejahte ich dies. Auch er hatte ganz schön mit dem Mantel zu kämpfen, aber nach einer knappen Viertelstunde war mein Rad wieder fahrbereit und ich unendlich dankbar. Nun konnte ich auch den Rest des Weges in Angriff nehmen. Zwar wurde es noch einmal ordentlich hügelig, aber irgendwie mobilisierte ich noch irgendwelche Kräfte um sogar eine Schleife über Hattorf zu fahren, um eine SD-Karte abzuholen. Dank dieser Zusatzkilometer (und denen zu Beginn) kam ich tatsächlich knapp über 200 km und jubelte innerlich, als der Tacho auf 200 km sprang. Zwar war diese Tour sicherlich nicht die landschaftliche Reizvollste und auch nicht die mit dem besten Fahrerlebnis auf Straße und Radwegen, aber es ging auch primär darum, meine Schwester zu besuchen und zu schauen, ob ich zwei dieser Distanzen in kurzer Zeit gewachsen bin.

Jetzt bin ich ziemlich müde, aber auch ordentlich stolz und werde erst einmal meinen Beinen ein paar Tage Ruhe gönnen. Knapp 390 km in drei (bzw. zwei aktiven) Tagen waren für mich eine ganz schöne Herausforderung.

Overnighter im August

Der Sommer dieses Jahr lässt ja irgendwie zu wünschen übrig. Trotzdem war der Wunsch da, eine Bikepacking-Tour zu starten. Da Urlaub und Schönwetterfenster die Terminwahl stark eingrenzten lief es auf einen Overnighter, also eine Tour mit einer Übernachtung hinaus. Ich überlegte mir eine Tour über das Eichsfeld zum Kanonenbahnradweg, dann über den Wartburg-Herkulesradweg zum Herkules in Kassel und über Göttingen zurück. 244 km mit 2.690 Höhenmetern hätten es werden sollen. Doch wie sagte John Lennon schon so schön „Life is what happens to us while we are making other plans“. Es sollte also etwas anders kommen.

Die Wetterapps schlugen uns völlig unterschiedliche Wetterideen für die zwei Tage vor und ich wählte optimistisch die schönsten Aussichten aus. Morgens etwas Niesel, ab dann komplett trocken. Das klang doch gut. Der Niesel am Morgen war schon recht kräftig, wir warteten den Schauer ab und starteten entsprechend recht spät gegen 9.45 Uhr. Es ging östlich an Duderstadt vorbei über die Wehnder Warte nach Worbis. Schon hier war es ordentlich wellig und ich musste mal wieder erschrocken feststellen, was ein paar Kilo Gepäck am Rad so ausmachen.

Wir streiften Leinefelde und stießen bei Dingelstädt auf den Kanonenbahn-Radweg. Die Kanonenbahn war in den 1870er Jahren eine wichtige Militärverbindung zwischen Berlin und Frankreich. Auf 33 km ist er nun ein sehenswerter Radweg, der vor allem für seine Tunnel und das schöne Viadukt in Lengenfeld bekannt ist. Über dieses darf man jedoch nur mit der Draisine, nicht mit dem Rad fahren. Wie für ehemalige Bahnlinien typisch hielten sich auf der gesamten Strecke die Höhenmeter in Grenzen, es ging sogar überwiegend bergab.

Leider pustete uns dafür ein kräftiger Gegenwind ins Gesicht, der sich noch bis zum Abend sehr „entgegenkommend“ zeigte… Der Küllstedter Tunnel beeindruckte uns besonders. Über 1530m ging es durch die kalte Dunkelheit und dem Wind entgegen, der sich in den Tunneln besonders schön kanalisieren konnte. Trotzdem eine absolute Empfehlung, sich diese Tour einmal vorzunehmen. Bitte unbedingt mit Licht. Es gibt eine bewegungsgesteuerte Notbeleuchtung, genug Sicherheit bietet sie aber bei unbeleuchtetem Gegenverkehr nicht.

Entlang des Flüsschens Frieda wurschtelten wir uns durch nach Eschwege. Da wir – aufgrund einer Brückensperrung – überwiegend den Schildern folgten nahmen wir einen Umweg nah Eschwege in Kauf, wo wir uns allerdings auch ein paar Mal etwas verfranzten. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen rollten wir durch die Innenstadt, kreuzten die Werra und fanden uns in Reichensachsen wie gewünscht auf dem Wartburg-Herkulesradweg wieder.

Dieser verbindet auf 110 km Eisenach mit Kassel und lässt sich sehr schön fahren, da er bis auf wenige Meter schön asphaltiert ist. Die ganz großen Sehenswürdigkeiten gab es auf unserem Streckenabschnitt jedoch nicht. Es ging durch einige hübsche Orte, viel jedoch auch entlang von Bundesstraßen. In Hessisch Lichtenau suchten wir noch einmal einen Supermarkt auf und Kai sorgte für die Abendverpflegung. In der Zeit schaute ich in der App Camp Wild nach einer Hütte in der Nähe. Diese war auch gar nicht weit weg und bedeutete lediglich einen Umweg von vier Kilometern (mit dem Rückweg auf die Tour entsprechend acht). Das Höhenprofil hatte ich mir natürlich nicht angehschaut. Tatsächlich ging es die ganze Zeit nämlich knackig bergauf. Nach 130 km und dem Gepäck kam ich dort geringfügig an meine Grenzen. Im Wald angekommen fanden wir aber eine geräumige Hütte unter einer riesigen Buche, Sitzgruppe und Mülleimer vor. Also alles, was man braucht. Mit Rettungsdecke als Unterlage, unseren Isomatten von Thermarest und den Schlafsäcken machten wir es uns gemütlich. Da ich ja einen schönen Schlafsack von Grüezibag gewonnen hatte war ich ganz heiß darauf, diesen auszuprobieren. Er hat ein Moskitonetz, was mit einem Reißverschluss an die Kopf-Öffnung gezippt werden. Für diesen Einsatzzweck klasse, da wir ja ohne Zelt unterwegs waren.

Leider kam ich trotz des coolen Schlafsacks nicht in den Schlaf. Ich bin ja eine ziemliche Frostbeule, aber tatsächlich war mir der Schlafsack bei einer geschätzten Temperatur von 14/15°C einfach viel zu warm. In meiner Verzweiflung habe ich ein Kleidungsstück nach dem anderen auszogen, aber es war immer noch viel zu warm. Bis drei Uhr lag ich immer noch wach, krabbelte immer wieder raus um die Blase zu leeren oder einfach etwas herunter zu kühlen. Nachdem ich einige Stunden keine Mücken mehr gehört hatte beschloss ich, den Schlafsack doch nur als Decke zu nutzen und konnte so wenigstens bis kurz vor 6 Uhr etwas schlafen. Mückenstiche gab es wirklich keine, nur eine Zecke hatte sich an meinen Arm verirrt.

Völlig übermüdet (also eher ich als Kai) packten wir am nächsten Morgen die Sachen zusammen und frühstückten. Inzwischen hatte feiner Nieselregen eingesetzt. Erfreulich war die vier Kilometer lange Abfahrt, die wir uns gestern Abend hochgekämpft hatten. In diese Richtung war sie gar nicht so schlimm. Wir waren in Regenjacken gestartet und mussten diese auch nicht mehr ausziehen, da der Regen immer stärker wurde. Außerdem taten mir vom Vortag die Beine gewaltig weh und durch die Müdigkeit war mir zu allem Überfluss auch noch übel. Bis Kassel kamen wir ganz gut voran, da wir heute zumindest keinen Gegenwind hatten und es ausnahmsweise lange tendenziell bergab ging. Die Orientierung in Kassel war leider nicht so toll. Bisher hatten wir versucht nur nach Schildern zu fahren, aber den Wartburg-Herkulesradweg hatten wir plötzlich irgendwie verloren. Da der Regen stärker und die Sicht mies war entschieden wir uns dazu, den Besuch beim Herkules zu verschieben. Wir bahnten uns den Weg nach Hann. Münden, der uns über viele Höhenmeter und Landstraßen oder auch Feldwege mit teilweise weichem Untergrund führte. Bei letzteren hatte ich zwischenzeitlich das Gefühl überhaupt nicht von der Stelle zu kommen. Bei strömendem Regen rollten wir die Abfahrt nach Hann. Münden hinunter. Nach der Abfahrt waren die Beine eine Weile entlastet, aber ich wusste, dass Richtung Göttingen noch einiges an Höhenmetern auf uns zukommen würde. Daher bat ich Kai, die Tour an dieser Stelle abzubrechen. Nass bis auf die Knochen und mit schmerzenden Beinen wollte ich mich nicht weiterquälen. Schließlich soll das Ganze ja auch Spaß machen. Den hatte ich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr. Als wir am Bahnhof ankamen ließ der Regen zwar nach, aber wir waren trotzdem froh uns dort umzuziehen und in trockener Kleidung mit der Bahn nach Herzberg zu fahren.

Den nächsten Overnighter starten wir auf jeden Fall bei stabilerem Wetter, mit einer harmloseren Strecke und dem dünneren Schlafsack (zumindest wenn die Nächte doch noch verhältnismäßig warm sind). Nach dieser Tour habe ich übrigens die 5000 Jahreskilometer voll. 😊

Durch das Land der 1000 roten Ampeln – Ruhrgebiets-Tour

(Beitrag enthält Werbung ohne finanzielles Interesse)

Am Pfingstwochenende stand Familienbesuch auf der Agenda. Meine Cousine und ihr Mann sind kürzlich Eltern geworden und meine Oma wollte auch einmal wieder besucht werden. Machen wir uns nichts vor, vom Harz ins Ruhrgebiet – das schaffe ich noch nicht mit dem Rad, aber die Entfernung von 37 km zwischen Kamen und Bochum reizte mich doch, sodass ich neben meiner Reisetasche auch mein Fahrrad in den Kofferraum legte. Nun stellte sich noch die Frage, wie komme ich gefahrlos von A nach B? Zuerst befragte ich Google Maps zu einer geeigneten Radstrecke. Dieses spuckte mir Wege über verschiedene Bundesstraßen aus. Das war das Letzte, was ich wollte, da diese im städtischen Bereich doch eher Autobahncharakter haben. Also schaute ich einmal bei komoot. komoot ist eine App für Sportler aller Art und kann weltweit eingesetzt werden. Toll ist auch, dass die Untergrundbeschaffenheit angegeben wird. Allerdings können Routen kostenfrei nur online angezeigt werden. Gerade bei längeren Touren leidet der Handyakku dann sehr. Zudem habe ich keine Halterung für mein Handy. Allerdings habe ich eine Garmin fenix 5s. Die hat zwar selbst kein Kartenmaterial, aber kann gespeicherte Routen mithilfe eines Richtungspfeils wiedergeben. Auch dies ist allerdings kostenpflichtig. Eine Einzelregion kostet 3,99 €, ist aber häufig beim ersten Mal kostenfrei. Diese hätte aber nicht meine ganze Route abgedeckt. Ein Regionenpaket kostet 8,99 €. Das deckt deutlich mehr ab, wäre mir für eine Tour aber zu teuer gewesen. Daher habe ich zum Komplett-Paket gegriffen, dass einem weltweit Karten (auch zur offline-Nutzung) zur Verfügung stellt und lebenslang kostenlose Karten-Updates bietet. Allerdings ist komoot ein ziemlicher Datensauger, ähnlich wie Strava. Dessen sollte man sich bewusst sein. Ansonsten bin ich aber sehr zufrieden mit der App und die Navigation hat wunderbar geklappt. Nach jedem Abzweig bekommt man die Bestätigung ob man noch auf dem richtigen Weg oder falsch abgebogen ist.

Um 5.10 Uhr klingelte der Wecker, um 6 Uhr saß ich im Auto und fuhr nach Kamen. Das Wetter versprach gut zu werden und bei meiner Ankunft gegen 8.30 Uhr waren die laut Wetterbericht angekündigten 17°C erreicht. Also konnte ich, nachdem ich meine Oma begrüßt und mich umgezogen hatte, ärmellos, aber mit Weste losrollen. Über Südkamen führte ging es über die Landstraße nach Afferde.

Über Wickede, Asseln und Brackel näherte ich mich größtenteils über Radwege Dortmund. In Asseln stieß ich auf die hübsche Lutherkirche, die deutlich älter wirkt, als sie ist. Der Grundstein für den neugotischen Bau wurde tatsächlich erst 1904 gelegt.

Im Ortsteil Wambel ist eine der größten Galopprennbahnen Deutschlands. Der Radweg führt hinter dieser vorbei und ist durch eine Betonwand getrennt. Diese Betonwand ist zum Sprayen freigegeben und dies führt dazu, dass sich die Graffiti-Künstler hier in aller Ruhe austoben können und tolle Kunstwerke entstehen. Auf dem Rückweg wollte ich noch einige davon fotografieren, aber leider hatte ich da die Zeit im Nacken.

Ab Wambel wurde es wirklich anstrengend. Erstens hatte ich tatsächlich das Höhenprofil des Ruhrgebiets etwas unterschätzt. Mit dem Harz ist es nicht vergleichbar, aber wenn man mit einer flachen Route gerechnet hat, merkt man jeden Hügel, was in Bochum seinen Höhepunkt finden sollte, im wahrsten Sinne des Wortes. Nein, viel schlimmer waren die Ampeln. Leider habe ich verpasst mitzuzählen, wie oft ich an diesen hämisch rotleuchtenden Geräten stand, aber um die 30 Mal sollte es gewesen sein. Vermutlich sogar häufiger. Das ständige langsamer werden und hoffe, dass sie doch noch umspringt, anhalten, warten und wieder anfahren ist kräftezehrend. Selbst in den verkehrsberuhigten Zonen kann man nur begrenzt entspannt fahren. Wenn ein Fahrer eines tiefer gelegten Golf sein Auto am liebsten über die Schwellen heben möchte und auch zwischen den Bodenwellen nicht ansatzweise Platz macht, dass man an ihm vorbeifahren könnte ist das zum Brechen. Von den Autos die kreuz und quer auf Fahrradwegen und – streifen parken muss ich gar nicht erst reden.

An der Westfalenhalle und dem Signal Iduna Park fuhr ich unter anderem über Schönau, Stockum und Witten nach Bochum. Meine Cousine lebt mit ihrer Familie im Ortsteil Querenburg, wo auch die Uni und Hochschule zu finden sind. Wikipedia bezeichnet die Gegend rund um Bochum als „Flachhügeligen Landrücken“, der geprägt ist durch „gleichmäßigen Steigungen und Gefälle“. Das habe ich gemerkt, wobei, der letzte Anstieg mit 10,9%iger Steigung echt gemein war, vor allem wenn man um die Kurve kommt und in einem viel zu schweren Gang in den Berg geht.

Angekommen in Bochum (11.02 Uhr) war für den Knirps gerade Fütterungszeit angesagt, sodass ich Zeit hatte, mich etwas frisch zu machen und umzuziehen. Angekündigt hatte ich mich für 11 Uhr, gehofft hatte ich auf 10.45 Uhr. Tatsächlich hatte ich aufgrund der Ampeln volle zwei Stunden gebraucht. Dann durfte ich den kleinen neuen Erdenbürger kennen lernen, der jetzt knapp einen Monat alt ist. Selten habe ich ein so entspanntes Kind kennengelernt. Nicht nur, weil er nach dem Stillen fast sofort einschlief, sondern auch ansonsten wirkte er durchweg zufrieden. Hoffentlich bleibt das noch ein bisschen so. Da die letzten Wochen für die frisch gebackenen Eltern noch sehr turbulent waren, hatte ich für den Besuch nur zwei Stunden einkalkuliert um ihnen nicht allzu lange zur Last zu fallen. Das war wirklich schade, da ich gerne noch geblieben wäre. Allerdings hatte ich mich zum Kaffee bei der Oma angemeldet. Das nächste Mal bleibe ich aber auf jeden Fall länger. Nach einem leckeren Mittagessen (selbstgemachte Pizza und Salat – aber nur ganz wenig, dass ich noch radeln kann), setzte ich mich wieder auf den Drahtesel und fuhr zurück.

Auf dem Heimweg nahmen die Böen ganz schön zu und die Temperatur machte mir etwas zu schaffen. Mittlerweile lag die die Temperatur bei etwa 27°C. Da ich schon recht spät dran war, verkniff ich mir weitere Fotopausen, die ich mir auf dem Hinweg vorgenommen hatte. Erst in Wambel zückte ich noch einmal die Kamera, da dort ein Graffitikünstler gerade bei der Arbeit war. Der freute sich über mein Interesse und stand bereitwillig Modell. Auch erzählt er ein wenig über das legale und illegale Sprayen. Das war sehr spannend. Ein netter Kerl.

Fast pünktlich um 15.40 Uhr kam ich bei meiner Oma zum Kaffeetrinken an. Der Erdbeerkuchen kam jetzt gerade recht. Auch wenn ich die Höhenmeter im Ruhrgebiet unterschätzt habe 474 waren es auf der Tour) , war es trotz allem eine interessante Erfahrung in der Stadt zu fahren. Wenn auch viel langsamer als hier, mit 23 km/h, war es mindestens genau anstrengend, da man nicht in einen gleichmäßigen Tritt kam. Ich lerne, daraus, dass man in Städten definitiv mehr Zeit einplanen muss.

Mein Drahtesel

Die Entscheidung ist gefallen, ein Rad muss her. Eines das hoffentlich Spaß macht. Aber was für ein Zweirad soll es werden? Ein E-Bike hätte den Vorteil, dass ich mit meinem Freund mithalten könnte. Ist aber, wenn man ein gutes haben möchte, nicht so ganz günstig. Daher lassen wir den Motor erst mal weg und fahren bio.

Rennrad, MTB oder Hollandrad? Ok, letzteres ist keine Option. Es soll ja ein Sportgerät sein. Mountainbikes sind schon toll: robust, gutes Profil, toll gefedert…. aaaaber ich hasse es, bergauf zu fahren, da meine Beine da schlapp machen und bergab bin ich ein ganz furchtbarer Angsthase, der – wenn andere fröhlich Schotterpisten herunter brettern – sein Rad schieben würde.
Aber Rennräder haben so dünne Reifen und so gar keinen Komfort. Außerdem käme ich mir als Radfahr-Greenhorn auf einem reinen Rennrad auch völlig fehl am Platz vor. Da wäre mit der Erwartungsdruck zu hoch…. Zum Glück gibt es Alternativen. Die Wahl ist auf ein Gravelbike gefallen, also ein etwas stabileres Rennrad mit vernünftigen Reifen, die auch auf unbefestigten Wegen eine gute Figur machen.
Bei der Markenwahl wurde ich durch meine Kontakte zum bike point in Gieboldehausen ziemlich direkt zu Scott geführt. Es macht durchaus Sinn eine Marke zu wählen, für die man für Serviceleistungen nicht zig Kilometer fahren muss. Natürlich ist Scott im Gegensatz beispielsweise zu Cube teurer, den Service habe ich aber direkt ums Eck.

Bei der Modellauswahl habe ich mich schwer getan. Über das selbst gesteckte Budget von 1000€ war ich schnell hinaus. Einerseits weiß ich noch nicht, ob mir Radfahren Spaß macht und wie lange meine Karriere dort andauern wird, andererseits macht das Radeln auf gutem Material sicherlich mehr Spaß als auf einem Drahtesel, der an allen Ecken klappert und quietscht. Da spreche ich aus Erfahrung…

Carbon ist ein schöner Werkstoff, aber für einen Amateur wie mich nicht nötig. Also habe ich im Januar einen Alu-Esel bestellt. Er ist weiß und hört auf den Namen SCOTT SPEEDSTER GRAVEL 10. Es hat die Ultegra-Ausstattung und wiegt knappe 10 kg. Die Damenmodelle von Scott wären für meine Baulänge von 1,78m nicht wirklich hilfreich. Das Rad ist ungesehen bestellt und ich hoffe sehr, dass es zu mir passt. Zuvor hatte ich auf dem Rad meines Freundes (Addict Größe M) und eines Bekannten (Größe L) probegesessen und mich daraufhin für die Größe L entschieden. Die Lieferung lässt noch etwas auf sich Warten, aber Mitte April sollte es da sein.

https://www.scott-sports.com/de/de/product/scott-speedster-gravel-10-bike

Bis April wird jetzt die Zeit genutzt und alle möglichen Onlineshops nach Angebote von Hosen, Helmen, Trikots, Handschuhen und was sonst noch so fehlt durchforstet. Ich glaube, der Postbote hasst mich bald… Ständig kommen hier Pakete an von bike24 bis fahrrad.de und und und…. Bisher habe ich immerhin schon eine Hose und einen Helm. In der nächsten Woche stelle ich euch die fünf Bib-Shorts vor, die ich probiert habe.