Tour de Zwift

Besser spät als nie wollte ich euch noch von meinen Erfahrungen bei der Tour de Zwift erzählen. Jeder Zwiftfahrer hat sicherlich schon davon gehört und die meisten haben vermutlich die Tour de Zwift schon einmal oder mehrfach abgeschlossen oder sind wenigstens einige der Etappe gefahren. Dieses Jahr wollte ich das auch einmal ausprobieren und stellte mich neben der zeitgleich laufenden Yoga-Challenge von Mady Morrison der Herausforderung.

Die Tour de Zwift findet jährlich im Januar auf der Online-Radplattform Zwift statt und jeder ist eingeladen, daran teilzunehmen. Auf die Teilnehmer wartet alle drei Tage eine neue Etappe. Mal flach, mal bergig, mal mit dem Mountainbike, aber immer mit vielen, vielen Teilnehmern. Die Etappen sind thematisch aufgebaut und es gibt jedes Mal drei unterschiedliche Streckenlängen, aus denen man frei wählen kann. Zusätzlich zu den drei Streckenlängen wird die jeweils mittlere Distanz auch als reines Frauenrennen angeboten. Innerhalb der Tour kann man jederzeit nach belieben die Distanzen wechseln oder verschiedene Distanzen einer Etappe fahren. Wichtig ist nur, dass man bei jeder Stage eine beliebige Distanz fährt,

Einige Menschen fahren die Tour sicherlich als ernsthaftes Rennen, mein Ziel war es, das TdZ-Kit zu bekommen (neue Klamotten gehen immer, und wenn sie nur für den Avatar sind) und einige neue Strecken zu fahren. Im Ranking der Rennen schaut man als Normalo ja sowieso dumm aus der Wäsche.

Stage 1 – Flat is fast

Kurz kann jeder, also legte ich am 10. Januar gleich mit dem Long Ride los und flog im Windschatten vieler anderer Teilnehmer mit 40 km/h über die knapp 50 km lange Runde. Das war kein Zuckerschlecken und sicherlich auch gleich eine meiner schnellsten Rennen. Zwei Tage später versuchte ich mich mit der Mitteldistanz, bei der allerdings das Knie etwas zwickte, da es bei der ersten Tour schon gut gefordert worden war.

Stage 2 – Mountain Madness

Am 15.01. wollte ich es mit der „Women Only“ Tour entspannter angehen. Natürlich klappt entspanntes Fahren im Eifer des Gefechts nicht und ich powerte wieder mehr als ich wollte. Da bei den Damenrennen die Teilnehmerzahlen deutlich geringer sind, war ich lange Zeit alleine unterwegs. Bei der Innsbruckrunde ist das nicht so dramatisch, da es anfangs überwiegend bergauf geht und der Windschatten nicht allzu viel bringt. Gegen Ende gruppierte ich mich mit zwei Mädels, mit denen ich bis ins Ziel einen top Schnitt drücken konnte. Durch ständiges Kreiseln haben wir alle davon profitiert. Wir warteten sogar einmal kurz, als eine der beiden aufgrund technischer Schwierigkeiten unfreiwillig „abstieg“. So einen coolen Zusammenhalt hatte ich bei den gemischten Rennen nie. So egoistisch sind wir Frauen scheinbar gar nicht.

Stage 3 – Round and round

Mitte des Monats war ich ich etwas angeschlagen, fuhr aber trotzdem bei der dritten Etappe den Long Ride. Die 40 km waren recht flach, sodass ich wieder nah an den 40er Schnitt kam. (Und nein, dieser Schnitt ist für mich outdoor nicht realistisch!)

Da zwei Tage später das Schwimmbad geschlossen hatte, fuhr ich auch bei dieser Etappe den Short Ride mit 12,45 km. Das ist definitiv keine Distanz, für die ich sonst aufs Rad steige. Das ist nicht arrogant gemeint. Es steckt eher die Unverhältnismäßigkeit zwischen Aufwand und Fahrtzeit dahinter. Und ich merke auch, das meine Sprintfähigkeiten ausbaufähig sind…

Stage 4 – Let’s get dirty

Am 22. Januar fuhr ich alle Distanzen hintereinander weg. Ursprünglich war die Idee, bei der ersten, langen Etappe Gas zu geben, die Mitteldistanz locker anzugehen und die Kurzdistanz wieder schnell zu fahren. Bei der letzten Runde war die Luft allerdings raus, da es auch viel mit dem Mountainbike über Schotter und durch Sand ging. Und so fuhr ich auch bei der Sprintdistanz eher hinterher.

Stage 5 – Urban delight

Zum Ausgleich fuhr ich bei der fünften Etappe lediglich die Damentour. Natürlich ließ ich mich geschwindigkeitsmäßig wieder viel zu sehr triggern. Denn schließlich möchte man von einer Gruppe nicht abreißen, da heißt es Zähne zusammenbeißen…

Stage 6 – Go long

Ab dieser Stage wurde es für mich anstrengend, da der Körper langsam genug vom Fahren am Limit hatte. Trotzdem versuchte ich mich wieder am Longride, der durch London führte und einmal den Fox Hill und den Box Hill hinaufführte. Ich kämpfte ordentlich und konnte am Berg auch einige wenige Fahrer hinter mir lassen.

Stage 7 – Escalator

So entspannt wie möglich fuhr ich den Frauen-Tour über die Makuri Islands, war hier aber auch oft wieder alleine unterwegs, da die Teilnehmerzahlen eher niedrig waren.

Stage 8 – Big City Champs

Das Finale der Tour nahm ich nur in der Mitteldistanz in Angriff. Am 04.02. fuhr ich 23 km durch das futuristische New York inklusive der gefürchteten Glasbrücken mit durchschnittlich 6,4% Steigung auf 1,3 km.

Und ganz ehrlich – ich war ganz froh, dass die TdZ nach 342,94 km vorbei war. Jetzt, Ende Februar, habe ich immerhin über 400 Radkilometer und über 14 Schwimmkilometer hinter mir, zudem viele, viele Yogaeinheiten.

Zwar war ich stolz, alle Etappen ganz ordentlich abgeschlossen zu haben, andererseits ist es für wenig rennerfahrene Radler langfristig eine ganz schöne Belastung, wenn man es nicht schafft, wirklich entspannt zu fahren. Die gefahrenen Geschwindigkeiten sind durch die vielen Teilnehmer viel höher als in der Realität, wobei man auch Outdoor in der Gruppe ganz andere Geschwindigkeiten fahren kann, als allein, aber meinem Gefühl nach ist der Windschatten digital doch etwas effizienter als im echten Leben.

Ganz mutig, hoffentlich nicht übermütig, habe ich mich in diesem Jahr zu meinen ersten echten Rennen angemeldet, unter anderem der Tour d’Energie in Göttingen am 24.04.22. Die ist schon ganz schön bald und ich fühle mich miserabel vorbereitet. Bei meiner ersten längeren Draußentour habe ich letztens ziemlich gelitten. Und die 105 km hatten nur halb so viele hm wie die TdE. Immerhin ist diese erst im April und ich werde hoffentlich vorher noch die ein oder andere längere Tour fahren und meine Beine wieder an echte Höhenmeter gewöhnen. Interessiert, aber noch nicht ganz entschlossen, bin ich auch an RFT Quer durchs Eichsfeld. Mit 116 km und 1000 hm wäre das sicherlich eine gute, aber auch sehr fordernde Vorbereitung. Mal schauen, ob ich mich das traue. Ist dort schon jemand mitgefahren?