Arthrose ist bei mir ja bereits seit einigen Jahren ein Thema und der Grund, weshalb ich mit dem Radfahren angefangen habe. Mein Hallux rigidus, also Arthrose, verbunden mit einer Knochenzubildung in den Großzehengrundgelenken machte mir auch in letzter Zeit oft Ärger beim Laufen und sogar Spazierengehen. Also entschied ich mich dazu, mich unters Messer zu legen. Am 05.05. war es soweit. Einmal den Mittelfußknochen durchgesägt, gekürzt, gedreht (damit im Gelenkspalt wieder ein kleines bisschen Knorpel ist) und überflüssiges Knochenmaterial entfernt, verschraubt und genäht und schon war ich mit einer ca. 8 cm langen Narbe wieder zu Hause. Mit Spezialschuh und Krücken, die mich die nächsten sechs bis acht Wochen begleiten sollten. Die nächste Zeit war mit mir nicht viel los. Ich machte immerhin meine Steuererklärung, verkaufte Dinge auf Kleinanzeigen und verbrachte sehr sehr viel Zeit vor dem Fernseher oder mit Lesen. Ich hatte einen Verbrauch von zehn Büchern… Vor der OP hatte ich mir jedoch schon etwas vorgenommen, was ich schon lange einmal ausprobieren wollte. Ich wollte fasten und der Zeitpunkt erschien mit nicht so schlecht. Krankgeschrieben und keine Option ernsthaft Sport zu machen. Für die Wundheilung ist ein Entzug von Nährstoffen zwar nicht optimal, aber ich legte die Fastenwoche ans Ende meiner Heilungsphase.



Doch warum will ich überhaupt fasten? Zum Abnehmen? Natürlich purzeln die Pfunde kräftig, wenn man kaum etwas isst. Allerdings verschwinden nicht nur Fett, sondern auch Wasser und Muskulatur. Sicherlich nicht der beste Weg um nachhaltig abzunehmen. Die Muskulatur kann jedoch wohl durch leuchten Sport und etwas Protein halbwegs erhalten bleiben, bzw. ist hinterher recht schnell wieder aufgebaut. Nein, meine Gründe waren eher ein Reset des Verdauungssystems, Verbesserung des Stoffwechsels (vielleicht kann ich ja doch ohne Blutdruckmedikamente leben?) und natürlich die Autophagie. Bei dieser verdauen sich Zellen selbst, um sich zu regenerieren. Auch schadet es durch seine entzündungshemmende Wirkung sicherlich auch nicht meiner Arthrose (im rechten Zeh ist die ja noch…).
Bis auf gelegentliches Durchleuchten lassen beim Orthopäden und diverser Physiotermine hatte ich viel Zeit und entschied mich dazu, etwas zu machen, was ich schon lange vor hatte, nämlich einfach mal nichts zu essen. Heilfasten fand ich schon immer interessant und hatte nun die Gelegenheit es auszuprobieren, da ich weder fit im Job, noch beim Sport sein musste oder konnte. Tatsächlich hat mir der aktuell letzte Band von „Achtsam morden„, nämlich „…durch gesunde Ernährung“ den letzten Anstoß gegeben. Habt ihr es gelesen? Ich liebe die Buchreihe! Und nein, das war natürlich nicht meine einzige Informationsquelle!
Tag 1-3
Eigentlich sollte es mit Entlastungstagen losgehen, die ich Dank Familienfeier und Familienbesuch nicht so richtig durchziehen konnte. Daher startete ich mit der Darmentleerung durch Glaubersalz. Den halben Liter dieses nicht sehr schmackhaften – da bitteren – Wassers bekam ich halbwegs gut herunter und auch danach „flutschte“ alles. Nach etwa vier Stunden regelmäßiger Toilettengänge war endlich Ruhe und es wurde ernst. Nun gab es nur noch Wasser und Tee. Zum Mittagessen ein kleines Glas Saft und abends eine Schüssel Brühe. Die ersten drei Tage überkam mich immer wieder ein großer Appetit, welcher aber wohl eher eine Gewohnheit war, als echter Hunger. Mal lockten die Bananen, mal die Idee, ein Eis auf der Terrasse zu essen. Der Bauch fühlte sich leer an, ohne aber nagenden Hunger zu kommunizieren.
Was passiert aber genau in den ersten drei Tagen des Fastens? In den ersten 24 Stunden leert der Körper die Glykogenspeicher, am zweiten Tag sinkt der Insulinspiegel und Fettsäuren werden langsam zur Verbrennung hinzugezogen. Ab Tag drei wird die Ketogenese aktiviert. Dabei produziert die Leber Ketonkörper als Energiequelle. Während des Fastens vertieft sich die Ketose, was zu einer Erhöhung des β-Hydroxybutyrat-Spiegels (BHB) führt. Dieses wirkt als entzündungshemmender Signalstoff und schützt vor oxidativem Stress und schützt die Mitochondrien vor Schäden.
Mein Gewicht sank von 69 auf 66,8kg und der Blutdruck pendelte sich bei ca. 100/65 ein. Das erklärte sicherlich auch den leichten Schwindel, der mich immer wieder überfiel.
Tag 4-7
Eigentlich sollte es ab Tag drei leichter werden. Davon merkte ich allerdings nicht viel. Der Blutdruck war unverändert niedrig, aber nicht weiter abgefallen. Trotzdem hatte ich an Tag vier und fünf vermehrt Kreislaufprobleme und war mental ziemlich neben der Spur. Dazu beigetragen hat sicherlich aber auch der Tod meiner Omi. Dieser war zwar vorhersehbar und von uns allen gewünscht (sie ist 103 geworden und hatte in den letzten Monaten ziemlich abgebaut), trotzdem ging er nicht spurlos an mir vorbei. Aber auch ohne diesen wäre ich ziemlich gereizt, ungeduldig und nahe am Wasser gebaut gewesen. An diesen beiden Tagen saß ich seit langem mal wieder auf dem Kickrbike. Jeweils nur mit 90 bis 120W und nur 20-30 Minuten, aber mit dem Zeh kann ich noch keinen Druck aufbauen und der Kreislauf hat mich gebremst, länger zu strampeln.

An Tag sechs begann sich das Gewicht zu stabilisieren. Hatte ich zu vor jeden Tag etwa ein Kilo verloren, zeigte die Waage am Morgen das Gewicht vom Vortag an. Vormittags ging ich insgesamt ca. zwei Kilometer zum Einkaufen. Das ging noch recht gut, da ich langsam die Krücken entlasten darf. Dafür setzten die Kopfschmerzen ein, dazu kam nach dem mittäglichen Saft noch Übelkeit und immer noch war der Kreislauf instabil. Daher entschied ich, die Fastenkur etwas früher zu beenden und brach das Fasten bereits am Abend. Klassischerweise zelebriert man dieses mit einem Apfel, den man langsam isst und sorgfältig kaut. Ich entschied mich wegen des rebellischen Magens lieber für eine Banane, die ich innerhalb einer halben Stunde aß. Diese vertrug ich gut und merkte, wie mein Körper Energie bekam. Mir wurde richtig warm. Dafür überkam mich abends im Bett eine Gänsehaut nach der anderen, vermutlich, da der Zucker abgebaut war.
Am nächsten Morgen, dem Aufbautag gönnte ich mir einen Tee und zwei Knäckebrot mit körnigem Frischkäse. Da ich mich beeilen musste, um pünktlich den Bus zur Physio zu bekommen, aß ich etwas zu schnell, was aber keine bösen Auswirkungen hatte. Überhaupt zeigte mein Körper einen gesunden Appetit und aufgrund des Essens wieder etwas mehr Energie. Nach der Physio nahm ich den Bus zum Bahnhof und den Zug nach Travemünde. Dort verbrachte ich ein paar Stunden und genoss die Sonne und die Tatsche endlich einmal keine Rückenschmerzen vom Sofa zu bekommen. Mittags gab es einen Apfel und ein trockenes Knäckebrot. Abgerundet wurde der Abend durch eine leichte Kartoffelmöhrensuppe.
Morgen werde ich auch noch vorsichtig sein, mit dem Aufbau, dann darf aber wieder halbwegs normal gegessen werden.
Das war meine erste Fastenerfahrung. Im Moment weiß ich nicht, ob ich es noch einmal machen würde. Sicherlich war die Heilung des Zehs und der Nährstoffmangel keine optimale Kombination. Vor allem, da ich nur unter viel Anstrengung mobil bin und mich nicht gut durch Aktivitäten habe ablenken können. Ein anderer Punkt war, dass mein Jan nicht mitgefastet hat. Dies bedeutete natürlich, einen vollen Kühlschrank, Essensgerüche etc. Zu zweit macht so etwas sicherlich mehr Sinn.
Abgenommen habe ich in der Zeit ca. 5 kg, die aber schnell wieder da sein werden. Dies ist zum Einen der Darminhalt, aber auch Muskelmasse, die verschwunden ist. Mein Blutdruck war durchgehend ziemlich niedrig. Ich bin gespannt, wie lange ich nach der Kur auf mein Blutdruckmedikament verzichten kann. Ich werde die Werte im Auge behalten. Falls es euch interessiert – hier eine Tabelle. Wie genau meine Waage Fett- und Muskelanteil misst, kann ich nicht einschätzen. Laut Stiftung Warentest ist sie aber recht genau. Scheinbar habe ich aber mehr Muskulatur als Fett verloren. Zugegebenermaßen habe ich aber auch nicht so wahnsinnig viel Sport gemacht. Nur Krückenhumpeln, etwas Yoga und ein paar Kräftigungs- und Mobilitätsübungen.
| Blutdruck | Gewicht (kg) | Fettanteil (%) | Muskelmasse (%) | |
| 11.06. | 95/68 | 69,0 | 23,1 | 34,1 |
| 12.06. | 102/68 | 68,0 | 23,9 | 33,1 |
| 13.06. | 96/64 | 66,8 | 24,2 | 33,0 |
| 14.06 | 93/64 | 66,0 | 26,1 | 31,7 |
| 15.06. | 98/65 | 65,4 | 26,7 | 31,2 |
| 16.06. | 96/59 | 65,4 | 25,5 | 31,9 |
| 17.06. | 102/68 | 64,6 | 26,6 | 31,0 |
Für mich hat das Fasten zunächst keine direkt erkennbare Veränderungen mit sich gebracht. Ich hoffe aber, dass die Autophagie etwas Müll aus dem Körper geräumt hat und der Darm sich erholen konnte. Falls ich noch einmal fasten sollte, dann nur mit meinem Freund zusammen und nur, wenn ich die Möglichkeit habe, mich leicht sportlich zu betätigen.
Für alle, die es einmal ausprobieren möchten: nur Mut! Gerade wenn die Ernährung nicht so toll ist, soll der Effekt gut sein und vor Hunger muss man keine Angst haben. Appetit ist durchaus ein Problem, das man mental durchstehen muss, aber ich hatte an keinem der Tage ein nagendes Hungergefühl. Ich bin ziemlich sensibel, was die Körperwahrnehmung angeht und reagiere stark auf Veränderungen. Sicherlich kämen viele andere deutlich besser mit dem Nahrungsverzicht zurecht.