Die ersten 2021 km in 2021

In diesem Jahr habe ich bereits deutlich mehr im Sattel gesessen als im letzten. Zwar war das Wetter bis auf einige tolle Tage verbesserungswürdig, aber dank des Kickrbikes sind schon einige Kilometer mehr für mich Geschichte. Während ich Anfang des Jahres noch einige Male draußen unterwegs war, bin ich seitdem überwiegend indoor gefahren. Das macht mir auch noch immer viel Spaß. Das ist auch in der Statistik deutlich zu erkennen. Während ich draußen etwas über 500 km unterwegs war, waren es drinnen fast 1500 km.

100 Indoor

Im Februar habe ich ein vorgefertigtes Zwift-Training für eine 100er Runde gemacht. Angelehnt ist es an den persönlichen FTP Wert und spielt mit den verschiedensten Formen des Intervalltrainings. Von Low Cadence (geringe Trittfrequenz – fürchterlich!) bis hin zu Step-Down-, Treppen- und Pyramidenintervallen gibt es verschiedene Training, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums gefahren werden sollten.

Doch was ist denn dieser FTP? Vor einigen Monaten wusste ich das auch nicht. Die Abkürzung steht für „Functional Threshold Power“ und bedeutet im Deutschen soviel wie „funktionelle Leistungsschwelle“. Sie gibt an, welche Wattzahl man konstant in einer Stunde treten kann. Hierfür gibt es verschiedene Tests. Entweder fährt man 20 Minuten volle Power und multipliziert den durchschnittlichen Wattwert mit 0,95 oder man fährt 60 min. und nimmt direkt den durchschnittlichen Wattwert. Nach diesem Wert kann man anhand einer Tabelle ermitteln, wo die optimalen Werte für Langstreckenfahrten (56-75% des FTP) oder für aktive Erholung (unter 55% des FTP) liegen. Hier zur Veranschaulichung eine Tabelle:

FTP – Der funktionelle Leistungsschwelle | Laktat-...
https://roadcycling.de/ratgeber/training-und-ernaehrung/laktat-schwellenwert-tipps/3

Mitte März bin ich meinen ersten 100er bei Zwift gefahren. dabei hat mich eine Freundin auf den ersten anderthalb Stunden begleitet. Zu ihrem Leidwesen ging es den Epic KOM hoch. Zehn Kilometer mit 400 Höhenmetern. Für mich im Laufe der Fahrt sogar noch ein zweites Mal. So waren es nachher 100 km mit 1.261 Höhenmetern in knapp vier Stunden. Nach zwei Stunden tat mir bereits der Hintern weh, aber ich wollte gerne mein gestecktes Ziel erreichen und habe ich mich durchgebissen. Zum Schluss waren meine drei Flaschen leer und Kai musste mir für die letzten fünf Kilometer noch Nachschub holen, da ich sonst vom Rad gekippt wäre. Ein ganz schönes Brett, so ganz ohne kühlenden Fahrtwind.

100 Outdoor

Nach verschiedenen Group Rides, Fahrten mit Freunden und Solofahrten digital ging es Ende März beim bombastischen Wetter auch endlich wieder raus. Einmal alleine, einmal mit Stefan. Mit ihm fuhr ich zügig eine 50 km Runde und war ausnahmsweise einmal selbst der Windschattengeber. Noch stresst mich das ganz schön, da ich immer das Gefühl habe zu langsam zu fahren, aber es zeigte sich, dass das Training im Winter Früchte getragen hat. Immerhin hat sich innerhalb eines Monats der FTP von 158 auf 180 Watt verbessert. Mit Stefan zockelte ich die Berge schnell wie bisher noch nie hoch. Am Karfreitag fuhr ich mit Kai und Sven eine Gravelrunde und merkte in der Ebene und vor allem auf dem Asphalt, dass meine Muskulatur etwas mehr Leistung bringt. Am nächsten Tag gab ich auf dem Kickrbike bei der „Tour of Watopia“ alles und war nach 35 km völlig ausgelaugt.

Ein Ruhetag wäre hier sicherlich gut gewesen. Der Wetterbericht sah aber vor, dass der Ostersonntag der vorerst letzte halbwegs erträgliche Tag mit durchschnittlich 7°C sein sollte. Also entschieden wir uns spontan beim Frühstück, doch einen 100er zu fahren. Wirklich schön war es nicht, da mich für die zu dünnen Handschuhe entschieden hatte und der Wind es gar nicht gut mit uns meinte. Er drehte zwischendurch so, dass er uns den Großteil der Strecke entgegen kam. Zum Glück durfte ich mich an Kais Fersen heften und so dem schlimmsten Gepuste entgehen. Trotzdem war die Tour für mich heftige anstrengend und ich zweifelte an meinem vorherigen Training. Natürlich schüttele ich eine Langstrecke wie diese aber nicht aus dem Ärmel und etwas Regeneration hätte mir wohl auch gut getan. Die Kälte und der Wind haben die Tour nicht gerade zu einer Spazierfahrt gemacht und die knackigen Anstiege zwischendurch gingen ganz schön in die Beine. Immerhin hatten wir aber die Radwege und vereinzelt auch die Straßen fast für uns allein. Bei Sonne und 20°C hätte das wohl anders ausgesehen.

Indoorradeln mit dem kickrbike

Welcher Rollentrainer?

Dieses Jahr hatten wir ja tatsächlich einmal winterliche Temperaturen im Winter und ich kam schon Ende des Jahres an die Grenzen des Erträglichen. Trotz Winterhose und -schuhen, Merinosocken dicken Handschuhen und beheizbaren Sohlen hatte ich nach etwa 30 Minuten die ersten Anzeichen, dass sich das Blut aus Fingern und Zehen zurückzieht und nach zwei Stunden war der Spaß für mich dann vorbei. Längere Touren – undenkbar. Schon nach kurzen Touren stand ich bis zu 20 Minuten unter der Dusche, bis meine Finger von weiß und dunkelblau über knallrot und schmerzend zu einer normalen Färbung zurückgefunden hatten. Das ganze nennt sich ja Reynould-Syndrom und ist gar nicht so selten. Immer wieder hört man „ach, du hast das auch?“. Von daher werden einige hier wissen, wovon ich schreibe und weshalb Radfahren im Winter eher eine Tortur als ein Genuss ist. Gegen indoorcycling habe ich mich bisher immer gesträubt. Das ganze Hinterrad ausbauen oder vielleicht sogar anderen Reifen aufziehen und Kassette einstellen und und und… dieser ganze Kram hat mich sehr abgeschreckt. Außerdem würde ich mich gerne bei schönem Wetter spontan auch wieder outdoor aufs Rad setzen ohne vorher alles Mögliche umzubauen. Natürlich hätte ich mir ein günstiges Zweitrad und einen Smarttrainer kaufen können, aber nach langem Überlegen und Testslesen habe ich mich für das wahoo kickrbike entschieden, da ich mir da die ganze Montage und Einstellerei sparen kann. Noch lieber hätte ich mir das Wattbike Atom gekauft, weil es etwas ausgereifter wirkt und deutlich weniger kostet. Leider ist das in Deutschland nicht zu bekommen. Nicht zu bekommen – das gilt natürlich auch für viele andere Rollentrainer, aber immer wieder sind doch einzelne Exemplare plötzlich zu haben. Und so war auch mein Kickrbike innerhalb weniger Tage da.

Aufgesattelt

Kai half mir beim Aufbau, wobei dieser relativ einfach vonstatten geht. Stützfüße anschrauben, Sattel und Lenker drauf und Pedale dran. Dann noch ein paar Kabel einstecken und das war´s. Bei der Lieferung ist alles dabei – sogar Pedale. Allerdings nur flats. Das ist aber ganz klar, da ja jede Firma ihr eigenes click-System hat. Ich montierte einmal kurz den gelieferten Sattel und merkte sofort, dass der bei mir keinen Sinn macht. Von meinem Bekannten Ronny durfte ich allerdings den Brooks C17 carved ausprobieren.

Noch mit „flats“

Mit dem hatte ich schon lange geliebäugelt. Leider passt auch dieser Sattel überhaupt nicht zu mir. Das Schambein fühlte sich nach zwei Touren so an, als sei es grün und blau, obwohl auch auch mit der Höhe der Sattelnase noch experimentiert hatte. Außerdem ist die Öffnung tatsächlich ZU groß. Auch andere zunächst vielversprechende Sättel überzeugten mich nicht…

Ein weiterer Bekannter (Bernhardt aus Hattorf) ließ mich den 611 von SQLab testen. Der war ganz gut, wobei nach zwei Stunden auch alles weh tat. Aber das muss beim Indoorradeln wohl so sein. Letztendlich bestellte ich mir den 612 von SQlab und der darf im Sommer auch auf mein Gravel wandern. Einen großen Unterschied zum 612 merke ich nicht, aber da ich jetzt auf so vielen Sätteln saß sind tatsächlich mein Ergon und der 612 die „kleinsten Übel“. Vermutlich muss ich mich damit anfreunden, dass ich untenrum einfach ziemlich empfindlich bin und gelegentlich mit Eiterknoten, Brennen & Co. leben muss.

Gut, dass man beim Indoor Training kaum schwitzt 😅

Erster Eindruck

Genug der ekligen Details. Kommen wir zurück zum Kickrbike. Das Bike selbst hat ein schlankes Design und wirkt recht gut verarbeitet. Der immer wieder kritisierte Lenker ist tatsächlich nicht sehr komfortabel, da das Rohr einen sehr dünnen Durchmesser hat. Als Schweißschutz nutze ich ein Handtuch, welches ich gleichzeitig als Lenkerpolsterung nehme. So lässt es sich arbeiten. Die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass das Rad für jeden perfekt angepasst werden kann. Durch die App ließ ich mir (nach Angabe von Schrittlänge und Körpergröße) Maße vorschlagen, die ich jedoch noch optimieren musste. Beim Antreten erschrak ich erst einmal etwas. Nachdem ich oft gehört hatte, dass das Fahren auf der Rolle viel leichter ist als draußen und man leicht einen 30er oder 35er-Schnitt fahren kann, muss ich entschieden sagen, dass das auf dem kickrbike NICHT so ist. Das bestätigte mir auch Kai, der schon früher Rolle gefahren ist. Der Widerstand ist deutlich realistischer und das Bergefahren genauso anstrengend wie draußen. Erschwerend kommt hinzu, dass der kühlende Fahrtwind fehlt, weshalb die externe Wasserkühlung des Körpers immer ganz schön eskaliert. Ausgleichend fällt natürlich der fordernde Gegenwind auch weg.

Leider fiel von Beginn an ein Schleifgeräusch auf, das innerhalb eines bestimmten „Drehzahlbereichs“ ganz schön laut war und immer noch ist, ab einer bestimmten Watt- und Trittfrequenz verschwindet. Mit Geräuschen (Klappern, Quietschen, Jaulen) haben wohl viele wahoo-Produkte zu kämpfen. Nachdem ich quer durch die Foren gelesen hatte entschied ich mich jedoch gegen einen Rückversand, da einige Kunden bereits drei bis vier Geräte retourniert hatten und immer wieder neue teilweise schwerwiegendere Probleme hatten. Das Schleifen scheint weder die Schwungscheibe noch wichtige Bauteile zu betreffen, weshalb ich es jetzt einfach hinnehme.

Die ersten Tage probierte ich mich durch die wahoo Fitness-App. Hiermit kann ich auf verschiedenen Leveln (mit verschiedenen Steigungen), mit einer Ergometerfunktion mit einer gewählten Wattzahl oder mit einer Simulationseinstellung (Gefälle und Windgeschwindigkeit) fahren oder eine andere App zum Steuern nutzen. Wenn der Fernseher nebenbei läuft eine prima Sache, ohne wäre das nichts für mich. Der große Vorteil hier ist natürlich die kostenlose Nutzung.

Kinomap.com

Genug vom TV und dem eintönigen Fahren machte ich mich auf die Suche nach Fahrradsimulationsprogrammen. Mit Zwift wollte ich nicht sofort starten, daher schaute ich mir zunächst kinomap.com an. Von Radfahren, Laufen und Rudern mit Video bis hin zu FTP-Tests und Intervalltraining ist hier alles möglich. Spannend ist hier, dass andere Mitglieder ihre Routen mit GPS und Video aufzeichnen und zum Nachfahren zur Verfügung stellen. Als Fahrer habe ich dann die Wahl ob ich die Route in meiner Geschwindigkeit nachfahre oder in der des Erstellers. Letzteres kann sehr mühsam sein, wenn ein Pärchen mit Treckingbikes durch Berlin gondelt und zwischendurch Pausen macht ;). Bei ersterer kann ich mich mit anderen messen, die diese Strecke ebenfalls schon gefahren sind.

Kinomap.com

Ich habe ein paar Tage die 14-tägige kostenlose Testversion probiert und war ganz angetan, aber leider nicht extrem motiviert. Die Option eigene Strecken hochzuladen ist allerdings ganz reizvoll. Reizvoll ist auch der Preis von 9,99€ monatlich, 79,99€ jährlich oder 229€ lebenslänglich. Damit können die großen Plattformen nicht mithalten.

Zwift – Achtung Suchtgefahr!

Zwift bietet eine 7 tägige kostenlose Testversion an. Die wollte ich als nächstes in Anspruch nehmen. Eigentlich ist mir Zwift mit 14,99€/Monat etwas zu teuer, aber ich sagte mir, dass ein Test ja nicht schaden kann.

Schon beim Erstellen des Avatar hatte mich Zwift schon im Griff. Eindeutig hat man hier mehr das Gefühl ein Spiel zu spielen, als stumpf auf dem Heimtrainer zu strampeln. Upgrades je nach Leistung und gesammelten Punkten („drops“) und ein Balken, der einem anzeigt, wie lange man noch zur nächsten Stufe radeln muss. Motivation pur. Trotzdem kommt das professionelle Fahrgefühl nicht zu kurz. Endlich kam ich in den Genuss der Neigungsverstellung, der einem ein realistisches Gefühl von Bergauf- und Bergabfahren vermittelt. Zuvor hatte ich diese Funktion belächelt, aber tatsächlich hat sie zwei Vorteile. Zum einen entlastet sie den Körper durch zusätzliche Bewegung. Die starre Haltung (die auf dem Kickrbike zum Glück gar nicht sooo starr ist) wird also etwas aufgelöst und ich werde, wenn ich nicht auf den Bildschirm schaue, nicht böse von einer Steigung überrascht, sondern merke, dass sich der Lenker hebt. Auf einige Strecken hat man ein leichtes Achterbahngefühl, was unglaublich Spaß macht. Viele meiner Bekannten fahren auch Zwift und man kann sich dort zu Fahrten verabreden, was gerade zu Coronazeiten eine tolle Option ist. Selbst den ein oder anderen Profi kann man dort antreffen. So fuhr ich schon einige Meter mit André Greipel. Was für eine Ehre!

Meine Motivation war tatsächlich so groß, dass ich jeden tag gefahren und mich völlig verausgabt habe. Das merkte ich zunächst an dem Acetongeruch unter der Dusche (der Duft der Proteinverbrennung) und einem deutlichen Zeichen von Übertraining: Schlaflosigkeit. Irgendwann lief der Körper so auf der letzten Rille, dass es als Gefahr erkannt wurde und meine Nebenniere so stark Adrenalin ausgeschüttet hat, dass ich eine Nacht trotz extreme Müdigkeit nur knapp 3h schlafen konnte. Dieses Warnsignal habe ich beherzigt und es die nächsten Tage etwas ruhiger angehen lassen. Regeneration ist nicht zu unterschätzen.

Super spaßig sind auf Zwift auch die Gruppenfahrten oder auch Verabredungen mit Bekannten. Damit habe ich sogar den Kontakt zu einer Schulfreundin wieder aufgebaut, was mich riesig freut. Bei unserer Tour führten wir ein klasse Telefonat (zum Schluss mit leichter Schnappatmung).

Nachdem mein Probeabo ausgelaufen ist, werde ich einen Monat dazu buchen, da die Temperaturen mich weiterhin nicht nach draußen locken. Am März hoffe ich aber, dass ich mein Gravel mal wieder bewegen kann :).

Drei Programme, die mich noch interessieren sind Cadesport, BKOOL und Rouvy. Cadesport ist noch im Betastadium und grafisch nicht so auf der Höhe wie Zwift, aber kostenlos. In Schlechtwetterphasen des Jahres wäre das sicherlich eine klasse Option. Auch spannend klingt BKOOL. BKOOL ist etwas realistischer – vor allem auch die Möglichkeit, eigene gpx.-Dateien hochzuladen. Der Spaß kostet 9,99€. Das lässt auch über leichte grafische Schwächen und fummelige Bedienung hinwegschauen. Einen Monat kann BKOOL gratis getestet werden.

Als Nr. 1 App sieht sich Rouvy. Alleinstellungsmerkmal sind sicherlich die realistische Simulation auf bekannten Strecken. Zwar kostet auch Rouvy 12€ im Monat beim Jahresabo, aber es wird Familysharing angeboten. Bis zu zwei weitere Mitglieder dürfen mit trainieren. Das ist super fair. Es gibt wohl auch kürzere Abos, dazu habe ich aber leider keine Infos finden können…

Brustgurt und ANT+

Meinen Garmin Tri Brustgurt wollte ich selbstverständlich auch gerne koppeln und musste schnell feststellen – das geht nicht, da weder mein Smartphone (ja, manche können das – meins nicht) noch mein Laptop das ANT+-Signal verarbeiten können. Abhilfe sollen hier ANT+-USB-Sticks schaffen. Die gibt es bereits um 15€ bei Ama*** und Co. Schnell bestellt und schnell geliefert steckte ich den Stick ein – und er funktionierte. Grandios. Selbst bei der nächsten Fahrt. Doch ab der dritten wollte der Stick nicht mehr. Ich habe alles probiert, aber mein Laptop wollte ihn nicht mehr erkennen. Also zurückgeschickt und den nächsten Stick für etwa 18€ gekauft. Auch er kam zügig an und wurde vom Laptop erkannt, aber es gab keine verfügbare Installationssoftware. Auf dem Stick stand auch keinerlei Bezeichnung, geschweige denn die im Netz abgebildete Marke. Also wieder eingepackt und weggeschickt. Jetzt gebe ich mehr Geld aus für den Stick von Saris. Er ist baugleich mit dem von Garmin und Elite (die liegen alle um die 40€) und macht hoffentlich was er tun soll. Wir werden sehen….

Yoga-Challenge

Als Biologin bin ich ja ganz erfreut, wenn es um Hunde, Kobras, Kamele und Heuschrecken geht, bei meiner neuesten Challenge sind die aber gar nicht so putzig. Seit etwas über drei Wochen trainiere ich mit Kai und Mady Morrison. Letztere ist eine Yogalehrerin aus Berlin und versucht uns, die Grundlagen des Yoga im wahrsten Sinne des Wortes „beizubiegen“. Persönlich anwesend ist sie nicht, sondern hat einen Youtubekanal auf dem diverse Workouts angeboten werden. Außerdem bietet sie zum Jahresstart eine 30-Tages-Challenge an, für die sie die bestehenden, aber auch neue Videos in eine für sie logische Reihenfolge gebracht hat. Bei der Anmeldung per Email gibt es sogar einen Plan, an dem man sich orientieren und – viel wichtiger – abhaken kann, was man bereits gemacht hat.

Die ersten Tag habe ich ganz motiviert alles gegeben und was war die Quittung? Rückschmerzen im Lendenwirbel- und Brustwirbelbereich und lautes Knirschen im Rücken. Verunsichert habe ich Foren gewälzt mit dem Ergebnis, dass das nicht so gut ist und dem Hinweis, dass man es doch etwas vorsichtiger und achtsamer beim Yoga angehen sollte. Das nahm ich mir zu Herzen und versuchte bei der Kobra und der Ganzen Vorbeuge meinen Rücken nicht aus dem Blick zu verlieren und mit noch mehr Körperspannung zu arbeiten. Nicht alles war schlecht. Durch das regelmäßige Dehnen fühlen sich die Beine tatsächlich besser und weniger verhärtet an. Durch das Radeln sind allerdings die rückseitigen Oberschenkelmuskeln so verkürzt, dass ich innerhalb der letzten zwei Jahre extrem an Dehnbarkeit verloren. Durch stetes Training wird das aber vielleicht wieder besser.

Jetzt nach drei Wochen ist die Motivation tatsächlich immer noch da. Nur wenn sich die Mady mal eben in den Handstand begibt bleiben wir etwas frustriert zurück. Aber sei es das Silent Yin Yoga, bei dem bei Stille mehrere Minuten in Dehnungen verharrt wird oder energiereichen Flow-Einheiten, bei denen zügig durch verschiedene zum Teil wirklich fiese Asanas gewandert wird – hinterher fühlt man sich gut. Mal mehr mal weniger erschöpft fühlen sich die Muskelgruppen langsamer besser an. Es kracht zwar immer noch kräftig im Bereich meines Iliosakralgelenks, aber richtige Schmerzen habe ich da schon eine Weile nicht mehr. Nach drei Wochen kann man natürlich keine Wunder erwarten, aber ich freue mich auch über kleine Fortschritte. Da ich mir jetzt auch eine schöne Yogamatte gekauft habe, werde ich das Projekt sicherlich nicht nach diesem Monat beenden.

Tatsächlich bin ich auch gespannt, wie sich eine regelmäßige Yogapraxis auf den anderen Sport, die Haltung und natürlich auch auf die Psyche auswirkt. Von daher bleibe ich dran und und übe mich weiter in Taube, Krieger und Heuschrecke.

Namasté!

Da er gerade gequängelt hat, dass über seine Entwicklung hier nichts steht: Selbst Kai wird so ganz langsam etwas beweglicher. Er hatte die deutlich schwierigere Ausgangssituation mit partiell totaler Unbeweglichkeit, so langsam kommt er aber in den Flow und auch schon mit den Händen an die Schienbeine 😉. Aber im Ernst. Es ist toll, dass er sich darauf eingelassen hat und auch weitermachen möchte. Als nicht gerade die maskulinste Form des Sports hat Yoga bei Männern oft nicht so den besten Stand, aber Kai ist völlig vorurteilsfrei ans Training gegangen und schnauft und ächtst mit mir um die Wette.

Jahresrückblick 2020

2020 ein spannendes Jahr. Nicht nur wegen Corona, sondern vor allem weil ich mir ein Haus gekauft habe, welches dringend ein paar Schönheitsbehandlungen bedurfte. Diese haben uns monatelang beschäftigt, weshalb ich ab April bei weitem nicht so viel auf dem Rad saß wie geplant. Vielmehr riss ich wochenlang Tapeten ab und Teppiche raus, kloppte mit Kai Fliesen ab und trug eimerweise Bauschutt durch die Gegend. Ein Ganzkörperworkout neben dem Job, weshalb nicht viel Energie fürs Rad übrig blieb. Trotzdem gab es auch in meinem ersten kompletten Fahrradjahr einige Highlights. Schon am 01.01. saß ich mit Kai am Neujahrstag auf dem Rad und war motiviert auch dran zu bleiben. Am 06.01. gab es eine längere Ausfahrt allein, genauso wie Anfang Februar. Da geriet ich in einen Hagelschauer, das war mies. Da wünscht man sich doch mal ein Indoorbike…

Traumhaftes Radelwetter…

Kurz darauf musste ich im Februar eine Weile aussetzen, da ich operiert wurde. Daher blieb es bei dieser einen Radfahrt im Februar und es ging erst im März weiter. Im März erreicht mich auch mein owayo-Outfit. Ich durfte nämlich dieses Jahr als Ambassador unterwegs sein und wurde von Kopf bis Bein ausgestattet. Definitiv war dies eins meiner Highlights in diesem Jahr und ich werde die Kleidung auch im nächsten Jahr noch gerne tragen.

Das owayo-Outfit

Den Frühling nutzte ich, um mich vermehrt an Berge, Wind und Schotter zu gewöhnen. Einige anstrengende Touren waren dabei, trotzdem denke ich gerne daran zurück. Fies war allerdings die Tour bei der wir einen Teil des Grenzstreifens abgefahren sind und ich jedes zweite Loch in den Panzerplatten mitgenommen habe… Meinen ersten 100er alleine fuhr ich einige Tage später, das fiel leicht, da wir im April ein tolles Frühsommerwetter hatten. Toll war auch die Tour mit meiner Mutter zum Bärlauchpflücken, bei der mir ein Fuchswelpe entgegengewackelt kam. Er musste gerade erst die Augen geöffnet und gleich den Bau verlassen haben. Zuckersüß.

Schnell weiter, nicht, dass hier noch jemand Diabetes bekommt :). Ein weiteres Highlight folgte am 31.05. Trotz Corona durften ich mit meinem Ensemble ein Konzert an der Weser geben. Ein perfekter Test für unsere Bikepacking-Ausstattung. 80 km hin, proben, nettes Zusammensitzen, Probe am nächsten Morgen und Konzert und anschließend 75 km zurück. Eine coole Erfahrung. Der Wechsel von hohen Hacken zu Radschuhen ist allerdings nicht vorteilhaft für die Waden.

Mit meinem Saxophonisten Stefan fuhren wir im Juni eine schöne gemeinsame Runde, an die ich auch gerne zurückdenke.

Mit Stefan am Sieberberg

Seit Juli war ich mit meinem Rox 12.0 unterwegs. Ich liebe diesen Sigma-Fahrradcomputer, nur die Kilometerangaben sind immer noch etwas vorteilhafter als bei Garmin. Woran das liegt kann ich bis heute gar nicht so genau sagen…

Bis August tröpfelte das Sportjahr unspektakulär vor sich hin, doch dann kam unsere Bikepacking-Tour durch Niedersachsen. Da sowohl unser Mallorca-Urlaub, als auch die geplante Tour durch Belgien geplatzt waren, fuhren wir mit Rad und Hängematte durch Niedersachsen und lernten den Großteil des Weserradwegs kennen. Mehr dazu könnt ihr in dem entsprechenden Bericht lesen.

Während der Bikepacking-Tour entlang der Weser

Im September ging es zweimal in den Harz und ich musste wieder einmal feststellen, dass Berge nicht meine Welt sind. Aber man muss sich ja immer wieder seinen Feinden stellen. Ebenfalls im September fand die Cycletour statt, die im Vergleich zum letzten Jahr etwas enttäuscht, da das Gruppengefühl durch die Corona-Beschränkungen verloren ging. Aber klar, das ist Meckern auf hohem Niveau. Tatsächlich hatten wir Glück, dass sie überhaupt stattfinden konnte.

Wärend der Cycletour (Bild: Sportograf)

Im Oktober fuhren wir tatsächlich in den Urlaub. Eine Rarität in diesem Jahr. Wieder einmal zog es uns nach Kühlungsborn und ich hatte die grandiose Idee mit dem Rad auf den Darß zu fahren. Das sind bis dahin ja „nur“ etwa 100km. Unterwegs sammelten wir noch Freunde ein und fuhren mit diesen einige Kilometer über den Darß bevor wir den Rückweg wieder alleine antraten. Leider ging hier meine Actioncam verloren, weshalb die Euphorie über die 196 km Tour etwas getrübt wurde. Rein sportlich war dies – wenngleich es nur 300 hm gab – eine meiner heftigsten Touren, wobei Höhenmeter immer noch schmerzhafter für mich sind als Langstrecke.

Bei längeren Touren tut mir nur der Allerwerteste noch weh, da ich noch immer keinen perfekten Sattel haben. Auch wenn er von seinem Glück noch nicht weiß, aber vielleicht liest er es ja – ich möchte ja gerne mal den offenen Brooks-Sattel von meinem Bekannten Ronny testfahren. Mal schauen, ob er sich darauf einlässt.

Mein Ziel für nächstes Jahr ist, dass ich mich von den ganzen Stravadaten von mir und anderen nicht mehr verrückt machen zu lassen. Tatsächlich hat mich der ganze Datenkram dieses Jahr so unter Druck gesetzt, dass ich kurz davor war mich von Strava zurückzuziehen. Jetzt habe ich mich entschieden, das Profil zu erhalten, aber nicht mehr so exzessiv auszuwerten, geschweige denn zu stalken, was die anderen machen. Ein „Entschuldigung“ an alle, die jetzt keine Kudos mehr von mir bekommen. Tatsächlich möchte ich mich darauf zurückbesinnen, worauf es ankommt, nämlich auf den Spaß und die Freude am Radfahren. Ganz ohne Vergleichen und Ehrgeiz geht es bei mit leider nicht, aber ich versuche zumindest, das ganze entspannter anzugehen.

Für die Zahlenfetischisten trotzdem ein kleiner Überblick:

Radfahrten: 102

Zeit im Sattel: 193:02 h

Zurückgelegte km: 4.502

Gewonnene Höhe: 29.256 m

Längste Tour: 196 km

Damit bin ich etwa 1000 km mehr gefahren als im letzten Jahr. Diese Tendenz darf sich fortsetzen, aber nicht um jeden Preis. Im nächsten Jahr freue ich mich auf viele Touren mit netten Menschen und in Gegenden, in denen ich bisher noch nicht unterwegs war.

Ich wünsche euch allen eine schönes und vor allem gesundes Jahr 2021 und vielleicht hat jemand Lust auf gemeinsame Ausfahrten, sobald dies wieder erlaubt ist?

Nightride der erste

Mit Halloween habe ich ja nicht allzu viel am Hut. Und da wir den klingelnden Kindern entgehen wollten, bastelten wir uns mal wieder eine schöne Tour. Diese wollten wir dieses Mal allerdings nicht bei Tageslicht fahren. Bei der Planung auf Komoot fiel mir Bad Heiligenstadt ins Auge. Dort war ich noch nie. Weder per Rad noch mit dem Auto. Also entwarf ich eine etwa 97 km lange Runde mit knackigen 950 Höhenmetern.

Mit Sven und Kai fuhren wir noch bei Tageslicht gegen 16.30 Uhr los. Klar, das war für einen klassischen Nightride recht früh, aber im Herbst wird es so früh dunkel, dass wir schon eine Stunde später in der Dunkelheit unterwegs waren. Anfangs hatte ich arg mit der Technik zu kämpfen. Die von mir geplante Route wollten wir anders herum fahren. Der Rox 12.0 hat die Funktion „Route umkehren“, aber irgendwie war die Anwenderin nicht so ganz in der Lage die Routenführung richtig zu starten. Irgendwann hatte ich den Kampf mit dem Gerät aber gewonnen und es ging ohne weitere technische Schwierigkeiten weiter. Zunächst fuhren wir auf altbekannten Pfaden nach Duderstadt. Von dort aus ging es über Tiftlingerode nach Thüringen.

Auf zum Teil wundervollem Asphalt ging es recht hügelig, aber zügig voran, so zügig es bei steifem Gegenwind eben geht. Wieder einmal war ich froh, nicht alleine unterwegs zu sein und im Windschatten fahren zu dürfen. Wir genossen den Vollmond, der eine besondere Atmosphäre zauberte.

Fies wurde es ab Neuendorf. Statt über die Landstraße leitete uns komoot über einen steilen und holprigen Plattenweg. Irgendwann musste ich mich geschlagen geben und einige Meter schieben, da ich ansonsten vom Rad gekippt wäre, da der Vortrieb nicht mehr vorhanden war. Kai und Sven fuhren tapfer die Steigung hinauf, mussten aber auch ganz schön kämpfen.

Mit Vollmond statt Sonne

Über Schotter ging es weiter bis wir endlich wieder auf die Landstraße stießen. Zwar ging es ab da weitestgehend bergab, der Gegenwind raubte mir aber weiterhin die Kräfte, sodass ich bergab die Jungs doch ausbremsen musste. Endlich in Bad Heiligenstadt angekommen schlug Kais Bruder Sven eine Routenänderung vor. Bis jetzt weiß ich nicht, ob das eine bessere Idee war. Das Höhenprofil veränderte sich auf jeden Fall zu meinem Gunsten. Anstatt relativ hügelig ziemlich direkt nach Ebergötzen zu fahren erweiterten wir die Runde von knapp 100 auf 130 km, fuhren aber dafür den fast ebenen Leineradweg bis nach Northeim.

An der Leine ging es nicht nur über asphaltierte Wege, sondern auch über Schotter und viele, viele gepflasterte Wege mit noch mehr nassen Blättern. Zwar war es rutschig, aber das Radfahrersprichwort „kommt zu Blättern auch noch Nässe liegst du schneller auf der… Nase“ kam nicht zum Tragen, ergo wir auch nicht zum Liegen. Bremstests zeigten aber, dass der Untergrund nicht sonderlich viel Grip bot…

Als wir endlich Northeim erreichten war ich ganz schön erleichtert. Zwar hatten wir bis dahin auch über lange Strecke so etwas wie Rückenwind, aber trotzdem reichte es mir langsam. Mein Nacken tat weh von der Kälte und der verkrampften Haltung und von meinem Sitzfleisch wollen wir mal nicht reden. Die letzten Kilometer mit fiesem Feldweg und weiterhin viel Wind hatten es nochmal in sich und in Hattorf waren wir ja schon fast zu Hause. Wir verabschiedeten Sven und trampelten noch nach Hause. Ein Stunde vor Mitternacht waren wir endlich da. Noch ein Tee, Magnesium und eine heiße Dusche und dann mit Körnerkissen ins Bett. Augen zu und schlafen – so war die Idee.

Losgefahren sind wir in Herzberg, das GPS ist erst In Pöhlde dazugestoßen.

Mittlerweile kenne ich mich ein paar Jahre und weiß, dass ich nach sportlichen Aktivitäten nicht sofort einschlafen kann. Daher ahnte ich schon, dass ich etwa zwei Stunden noch wach liegen würde. Was ich zu diesem Zeitpunkt aber nicht wusste, war, dass ich noch bis 3.30 Uhr wach liegen würde und danach auch noch fiese Albträume hatte mit denen ich akustisch auch noch Kai erfreut habe. Der hat sich wohl etwas erschreckt. Das Highlight war noch eine Mücke, die ich erst gegen 3.00 Uhr gefunden hatte. Im Nachhinein weiß ich auch, was mir dermaßen den Schlaf geraubt hat. In Northeim gab mir Kai für die letzten Kilometer noch ein Gel. Es war dunkel und ich hatte es auch gar nicht bedacht, dass das Folgen haben könnte. Klar, vielen Energygels wird Koffein zugesetzt. Damit kann ich abends nicht so, da mein Herz dann eine wilde Party feiert, ob ich will oder nicht. Wieder ein Fehler, der mir hoffentlich nicht noch einmal passieren wird. Heute, an meinem Geburtstag, bin ich deshalb auch ein ganz klein bisschen gerädert. Gut, dass ich sowieso nicht feiern werde. Letztendlich war es aber eine schöne Nightride-Premiere mit 130 km, auf die ich ordentlich stolz bin. Danke Kai und Sven für die schöne Erfahrung.

Herbsttour mit Freunden

Lange sind mein Freund Kai und ich schon nicht mehr mit anderen gefahren. Daher fassten wir den Plan, mit Kais Bruder Sven und unseren Freunden Maik und Ronny aus Scharzfeld eine gemeinsame Runde zu drehen. Erst war ich mir gar nicht so sicher, ob ich mir das antun soll mit einer Horde Männer zu fahren, da der Leistungsdruck schon höher ist als sonst. Dann kam auch noch dazu, dass ich am Freitag auf die glorreiche Idee gekommen war, eine Rund im Jues zu schwimmen. Mit dem Neo natürlich, aber ohne Neoprenmütze und – schuhen. Bei 11°C Wassertemperatur nicht die beste Idee, wie mir die leichten Ohrenschmerzen bestätigten, die mich heute morgen noch vor dem Frühstück überraschten. Mit wenig Lust packte ich meine Siebensachen zusammen und trat mir dabei selbst im übertragenen Sinne in den Allerwertesten. Um 9 Uhr waren alle da und wir fuhren los in Richtung Hattorf, um über Lindau und Katlenburg nach Northeim zu fahren.

Dort bemerkte Kai bei einer kurzen Raucherpause (nee, nicht für ihn 😉), dass bei seinem hinterer Reifen die Luft raus war.

Also wurde fix der Schlauch gewechselt und es ging weiter nach Nörten-Harenberg. Dort brauchte ich dringend etwas zu essen. Scheinbar waren auch die Männer einer gegenüber Pause nicht abgeneigt und so musste ich kein schlechtes Gewissen haben.

Mampf 🙈

Das nächste Ziel war die Plesse. Da mir mein Ohr, vor allem aber die Kondition zu schaffen machte, wollte ich zunächst auf den Anstieg zur Burg verzichten und ließ die Männer vor fahren. Nachdem ich eine Weile gewartet hatte, mir kalt wurde und mein Puls ENDLICH unter 100 bpm gefallen war entschied ich mich doch noch, den Herren zu folgen. Immerhin waren es ja auch nur noch 1,2 km, die auch gar nicht so steil waren, wie gedacht. Oben gab es endlich mal wieder eine Pause (irgendwie haben wir nur Pausen gemacht, kann das sein…?).

Die Plesse ist eine Burgruine aus dem Mittelalter. Zuerst erwähnt wurde sie im 11. Jahrhundert als Sitz des Bischofs von Paderborn. Spannend finde ich jedoch, dass im 13./14. Jahrhundert die etwa 50 Bewohner der Plesse Widerstand gegen die Ausdehnung des Herzogtums Braunschweig leisteten und später ein unabhängiges Gebiet in dem Herzogtum bildeten. Alles weitere könnt ihr auf der Homepage nachlesen.

Zurück Richtung Heimat bewegten wir uns gemütlicher und gemütlicher. Zumindest vom Tempo her, sicherlich lag das an dem fiesen Wind und der Erschöpfung, die nicht nur mir zu schaffen machte. Eine nette Abwechslung war ein 40er-Traktor, der uns gezielt im Windschatten mitnahm und noch einmal ordentlich beschleunigte. Vielen vielen Dank dafür!

Ich bemüht mich, meine Trittfrequenz irgendwo zwischen 90 und 100 U/min zu halten, was mir auch halbwegs gelang. Nachdem wir Ronny und Maik in Schwarzfeld verabschiedet hatten, traten wir auf dem Weg nach Herzberg nochmal ordentlich in den Pedale. Blöd nur, dass da ein paar Wellen im Weg sind und mir der letzte Hügel die letzte Kraft raubte. Trotzdem schafften wir es noch bis zu Haustür, nachdem wir auch Sven Richtung Hattorf verabschiedet hatten.

Wieder einmal eine schöne Tour mit netten Leuten, die mir nur ein bisschen zu schnell war. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben. Alle Bilder des Beitrags habe ich frech geklaut von Kai, Sven und Maik. Meine Actioncam genießt ja noch irgendwo an der Ostsee eine schöne Zeit. 😂

Urlaub mit Wurm `drin…

Nach langer Corona-Urlaubsabstinenz waren wir endlich wieder ein paar Tage an der Ostsee. Doch dieses Jahr war teilweise der Wurm drin. Es ging damit los, dass uns in der Ferienwohnung auffiel, dass wir das Ladekabel für die Garmin-Uhren vergessen hatten. Da der erste Tag aber relativ ungemütlich war, nutzen wir ihn, um mit dem Auto ins nahe gelegene Rostock zu fahren. Für die etwa 20 Kilometer brauchten wir schon auf dem Hinweg deutlich länger als gewohnt, da an der Straße Baumfällarbeiten stattfanden. Irgendwann waren wir jedoch da und besuchten direkt einen großen Elektronikmarkt, der die Uhren führt. „Ja, aber die Kabel dazu haben wir im Moment nicht da…“, teilte uns der Verkäufer mit. Die Produzenten in Asien würden derzeit nicht liefern können. Das hört man in letzter Zeit häufiger.  Also ging es weiter. Zum Glück fiel Kai noch der kleine Läuferladen „City Sport Rostock“ ein. Der Verkäufer dort bot mir großzügig das ladeneigene Kabel an. Ich bekam es sogar für 5 € weniger, wobei ich erschrocken war, dass ein original Ladekabel von Garmin 25 € kostet. Aber gut, Schusseligkeit muss bestraft werden. Nachdem wir noch ein bisschen durch die Innenstadt gebummelt waren und noch die einschlägigen Radläden abgeklappert hatten, ging es zurück und prompt in den nächsten Stau. Ein Unfall führte dazu, dass wir für den Rückweg 75 Minuten brauchten. Das hätten wir mit dem Rad schneller geschafft. Trotzdem war der Tag recht entspannt und Entspannung brauchte ich für den nächsten Tag.

Am Dienstag, dem schönsten Tag der Woche hatten wir uns mit einer befreundeten Kollegin und ihrem Mann am Darß verabredet. Natürlich mit dem Rad. Um kurz vor 8 Uhr saßen wir auf den Schotterrädern und holperten entlang der Küste nach Warnemünde.

Tagsüber kann man diesen Weg vergessen, da man ständig Slalom um Fußgänger und Radfahrer fahren muss, vor 9 Uhr ging dies aber sehr entspannt. In Warnemünde setzten wir mit der Fähre über und fuhren weiter über Graal-Müritz nach Ribnitz-Damgarten.

Da warteten bereits unsere Freunde Silke und Dietmar am Hafen und hatten sich schon ein Fischbrötchen einverleibt. Auf dem Markt gab es einen Kaffee, gewürzt mit unterirdischem Service. Fast hatten wir ein schlechtes Gewissen, dass wir dort etwas trinken wollten. Essen wurde uns gar nicht erst angeboten. Also teilten wir uns anschließend noch ein Brötchen und fuhren in gemütlichem Tempo über schöne Radwege durch die Felder Richtung Ahrenshoop. Zwischenzeitlich waren die Herren so ins Gespräch vertieft, dass sie erst im nächsten Ort bemerkten, dass sie uns verloren hatten. Auf dem Darß wurde es immer voller und voller. In Ahrenshoop verabschiedeten wir Silke und Dietmar und setzten nach einem Brötchen im Hafen den Weg entlang des Bodden fort. Hier war es verhältnismäßig ruhig, da der Hauptradverkehr auf parallelen Wegen verlief. Irgendwann stießen jedoch auch wir auf den Deich der als Hauptradweg genutzt wird, auf dem es wirklich anstrengend wurde, da das flüssige Fahren dem Bremsen, Ausweichen und Überholen wich. In Zingst angekommen gönnten wir uns eine Pizza und ich war schon ganz schön groggy. Der Käse bekam meinem Magen auch nicht so richtig gut, sodass leichte Übelkeit und ständiges Aufstoßen zu Begleitern wurden, denen ich nicht mehr davonfahren konnte. Über die Behelfsbrücke neben der historischen Meinigenbrücke verließen wir den Darß und fuhren wieder Richtung Ribnitz-Damgarten.

Langsam wurde mir bewusst, dass die Strecke doch verdammt lang werden würde. Zwar hatten wir Glück mit Wetter und Wind, aber meine längste Strecke bisher war 130 km lang. Kurz vor Damgarten, also nach etwa 130 Kilometern war nicht beim Rad, aber bei mir die Luft raus. Völlig ausgeknockt lag ich einige Minuten auf der Bank, mir war übel und schwindlig. Nach einigen Schlucken Wasser ging es aber irgendwann weiter, auch weil die Dämmerung näher rückte.

Nicht nur mein Akku war leer, sondern auch der Rox meldete, dass der Akku schwach sei und ich bekam schon Panik, dass die Aufzeichnung nicht komplett klappen könnte. Also Bildschirm aus und zügig weiter. Nach einigen holprigen Wegen fiel plötzlich mitten im Wald auf, dass die Action Cam verloren gegangen war. Zwar fuhr Kai noch einmal ein Stück zurück, um sie zu suchen, aber wir hatten keine Ahnung, wann sie sich aus dem Futterbeutel verabschiedet hatte. Das drückte die Stimmung sehr, da natürlich ein Großteil der Bilder und Videos damit mit verschwunden waren. Die Enttäuschung drückten wir aber erst einmal beiseite, da es langsam dunkel wurde. Weiter ging es durch lange Waldabschnitte, bis wir einige Kilometer vor Hohe Düne auf den bekannten Weg kamen. Von dort war es nicht mehr weit bis zur Fähre.

Nach dem Übersetzen machten wir uns im Dunkeln auf die letzten 20 Kilometer. Natürlich war nun auch noch der Akku der Lupine schwach, sodass ich nur im Lichtkegel von Kai mitfuhr und selbst nur mit der Diffusor-Funzelbeleuchtung unterwegs war. Gerade im Gespenster-Wald war die Suche nach dem Weg so nicht immer ganz einfach. Jeder Kurbelumdrehung fiel mir schwerer und schwerer und ich war wahnsinnig froh, als endlich Kühlungsborn vor uns auftaucht. Tatsächlich war ich auch gar nicht traurig, dass wir die 200 km nicht geknackt haben. Es war wahnsinnig anstrengend und mein Sattel ist mit meinen Sitzbereich immer noch nicht so kompatibel, was ich immer wieder schmerzhaft feststellen muss. Viel wichtiger ist aber, dass es eine super schöne Tour war, neben Kai auch mit anderen netten Menschen, tollen Aussichten, abwechslungsreichen Wegen. Und sowohl der Rox als auch die Lupine haben bis zum Ende durchgehalten.

Die letzten drei Tage des Urlaubs durften wir im Upstaalsboom (****S) verbringen. Kai hatte zwei Übernachtungen mit Frühstück dort gewonnen. Da durften wir Sauna, Schwimmbad und alle Annehmlichkeiten eines Hotels genießen.

Während Kai noch eine Tour zum Bastorfer Leuchtturm unternahm war ich noch ein wenig am Steinstrand spazieren. Mir war der Wind noch etwas zu heftig und außerdem war ich noch nicht wieder bereit, mich auf meinen Sattel zu setzen. Letzte Nacht hatten wir eine ordentliche Sturmflut und die Ergebnisse fand ich am Strand. An einigen Strandabschnitten hatte der Wind den Möwen ein Festmahl bereitet. Der Sturm hatte unzähligen Fischen das Leben gekostet. Steinbutt, Schollen und Dorsche lagen am Strand. Man musste wirklich aufpassen, wo man hintritt. Selbst, wenn tote Tiere makaber sind fand ich es trotzdem faszinierend, sie mir in Ruhe aus der Nähe anzuschauen und sie zu fotografieren.

Die Rückfahrt war – sagen wir „suboptimal“. Leider hatten wir blind dem Navi vertraut, was uns über die Autobahn gescheucht hat. So krochen wir von einem Stau in den nächsten und anstatt der üblichen 4,5 Stunden brauchten wir 6,75 Stunden. Sehr unerfreulich, aber was soll´s. Trotzdem war es alles in allem wieder ein schöner Urlaub, natürlich mit dem einen großen Highlight, der langen Radtour.

Harz, Cycle Tour und Trittfrequenzoptimierung

Lange habe ich nichts geschrieben. Vermutlich, da im Job und Haus viel zu tun war und die spektakulären Radfahrten etwas kurz gekommen sind. Und doch gab es das ein oder andere Highlight. High, also hoch hinaus ging es Anfang des Monats. Die Ortskundigen kennen die Schluft, den wunderschönen Taleinschnitt mit dem Bächlein „Schluft“, der von Sieber Richtung Sonnenberg hinaufführt (bzw. aus Wassersicht umgekehrt). Sie beginnt sehr human, ganz leicht bergauf und wird zum Ende hin immer steiler und steiler. So haben die ersten zwanzig Kilometer zwar im Schnitt nur eine Steigung von 2,5 %, aber spätestens auf dem sogenannten Speckhaken wird es für den nicht so versierten Bergfahrer bösartig. Immerhin: mit ein paar kleinen Pausen und unter lauten Schnaufen (sicherlich zur Belustigung der niederländischen Radsportgruppe, die uns überholt hat) habe ich das irgendwann geschafft lebendig oben anzukommen. Der Weg nach St. Andreasberg war danach nur noch ein Klacks und dann ging es fast nur noch bergab. Die Schluft ist nicht nur eine schöne asphaltierte, aber autofreie Strecke um Höhenmeter zu trainieren, die Landschaft ist auch einfach wundervoll, da sie zum Naturschutzgebiet „Sieber“ gehört und mit den Felsen und dem (noch) vorhandenen Wald zu allen Jahreszeiten reizvoll ist, da das Tal teilweise wie verwunschen wirkt. Sicherlich werde ich sie – wenn ich mich fit genug fühle – hin und wieder in mein Trainingsstrecken-Repertoire aufnehmen.

Nach dem bergigen Erlebnis ging es auch in diesem Jahr wieder nach Braunschweig zu Cycle Tour. Dieses Jahr entfiel das Rennen, was leider dazu führte, dass viele sehr ambitionierte Rennradfahrer sich für die Tour angemeldet haben. Das machte den Charakter etwas zunichte, da im letzten Jahr vom Tandem, Lasten- und Hollandrad alles dabei war und alle viel Spaß hatten. Dieses Jahr ging es – wenn auch nur mit persönlicher Zeitmessung – bei vielen nur um Bestzeiten auf den 100km nach Magdeburg und nicht um das entspannte Fahren der Tour. Natürlich hatte auch ich den Ehrgeiz, nicht allzu langsam zu fahren, aber nicht auf Kosten der anderen. Hier und dort gab es immer wieder Genörgele, dass ja die Straßen nicht abgesperrt seien oder die 20er-Gruppen in denen man startete nicht fähig waren, zu kreiseln. Kai und ich sind die meiste Zeit zu zwei gefahren und haben uns so, dem Ganzen entzogen. Dafür hatten wir auch die meiste Zeit gute Laune, haben die Landschaft wahrgenommen und sind trotz alledem schneller im Ziel gewesen als im letzten Jahr. Der Weg über den Elm war aber zugegebenermaßen im letzten Jahr im Pulk viel viel einfacher… Schön war in diesem Jahr, dass viele Bekannte aus dem Südharz dabei waren. Aufgrund der kleinen verpflichtenden Startblöcke war ein gemeinsames Fahren jedoch nicht möglich. Das hätte sicherlich auch Spaß gemacht, obgleich ich nicht weiß, ob ich mich mit den Herren nicht übernommen hätte. Zumindest für ein gemeinsames Foto im Zielbereich hat es aber gereicht.

Der Spätsommer hält sich ja noch bis ins letzte Septemberdrittel, sodass wir gestern eine kleine Wanderung im Harz gemacht haben (ok, aufgrund meiner Arthrose eher ein Spaziergang). Dabei fiel uns auf, dass die B242 (Harzhochstraße) noch bis Sonntag für Kraftfahrzeuge gesperrt sein sollte. Bis Sonnenberg ist dort die Fahrbahn saniert worden. Im Scherz meinte ich, dass man dort ja dann dringend noch langfahren müsse. Solche „Scherze“ gibt es hier im Haushalt aber nicht. Deshalb hieß es heute Morgen früh aufstehen (um den Motorrädern zu entgehen) und gegen 7.45 Uhr Abfahrt Richtung Osterode. Entlang der Söse und der Talsperre fuhren wir in die Berge. Den alternativen Radweg zur Staumauer fahre ich nie wieder. Außer mir sind zu viele Motorrader und Autos unterwegs. Das hatte ich mal gemacht, als ich alleine unterwegs war, da er ausgeschildert war. Die Straße ist viel einfacher zu fahren, da die Steigung viel sanfter ist. Bis Riefensbeek und Kamschlacken lief es recht gut, aber dann machte mir die Steigung langsam zu schaffen, sodass ich noch in der letzten Kurve vor der Harzhochstraße eine Pause einlegen musste. Kurz darauf machte wir einen kleinen Futterstop um gestärkt auf den neu asphaltierte Straße zu gehen. Doch Pustekuchen. Von der Stärkung merkte ich nicht viel. Der ewig lange Anstieg machte mir so zu schaffen, dass ich alle paar Hundert Meter verschnaufen musste. Ich hatte bei den letzten Touren versucht, meine Trittfrequenz etwas zu erhöhen (was mittlerweile auf kürzeren Strecken ganz gut funktioniert, wenn ich mich konzentriere). Bei dem Anstieg war ich allerdings im leichtesten Gang unterwegs und kam über eine 80er-Trittfrequenz nicht hinaus. Dadurch waren meine Oberschenkel nicht vernünftig mit Sauerstoff versorgt und beklagten sich kräftig. Zudem fingen meine Lungen kräftig an zu pfeifen, was in einer Art Hyperventilation gipfelte. Woher das kommt, kann ich gar nicht so genau sagen.

So oder so war ich aber ziemlich am Ende und würde mich über Tipps freuen, wenn ihr das Problem kennt und wie ihr damit umgeht. Trainieren an sanfteren Anstiegen mit guter Trittfrequenz oder immer wieder so an die Grenzen gehen? Ich bin mir wirklich unsicher.

In der Ebene werde ich auf jeden Fall weiterhin schauen, dass ich die Trittfrequenz dauerhaft auf 90-100 bekomme. Scheinbar muss ich aber auch an den Muckis arbeiten, die mich den Berg hinaufbringen. Für eine Gewichtsreduktion esse ich zu viel 😁.

Der Rest der heutigen Tour war dann entspannter. Über St. Andreasberg fuhren noch eine Schleife über die Odertalsperre und zurück nach Hause, sodass wir auf etwas mehr als 70 km mit etwa 860 Höhenmetern kamen. Das war mein persönlicher hm-Rekord bisher.

Bike-Packing-Premiere

Vor einiger Zeit habe ich bei einem Gewinnspiel mitgemacht. Dort sollte man angeben, für welche Tour man den Sigma Rox 12.0 Sport benutzten wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir den Plan, eine Runde durch Flandern, also Nordbelgien zu fahren und dort unsere ersten Back-Packing-Gehversuche – nein falsch – Fahrversuche zu machen. Mit meinem Plan habe ich das Gerät ja auch gewonnen und soll eigentlich nun über diese Tour berichten. Jedoch scheint gerade weltweit eine komische Krankheit zu kursieren. Gerade jetzt – Anfang August – schnellten in vielen Ländern, darunter auch Belgien, die Fallzahlen nach oben. Eine klare Reisewarnung gab es zwar nicht, das Risiko einer Ansteckung oder anschließenden Quarantäne war uns aber doch zu groß, sodass wir nur einige Tage vor der Reise unseren Plan über den Haufen warfen und stattdessen eine Route durch Niedersachsen legten. Nebenbei sollte auch der niedersächsische Teil meiner Familie besucht werden, also meine Tante und Onkel, sowie meine Schwester und ihr Freund.

Voll bepackt geht es los. Kai mit der Lenkerrolle und Packtaschen von Ortlieb und Satteltasche von Apidura, ich mit der Ortlieb Gravel-Serie.

Schon das Packen war eine wahre Freude. Probepacken – Fehlanzeige. Erst am Abend vorher stellten wir unser Gepäck zusammen und stellten fest, dass gar nicht alles ans Fahrrad passte. Gut, also etwas abgespeckt. Aber wie vielen Klamotten braucht man? Wechselkleidung, Regensachen, Bikini, Mückenspray, Armlinge und viele andere Kleinigkeiten hätten definitiv zu Hause bleiben können. Dies hätte aber auch anders sein können.

Meine Packliste sah folgendermaßen aus:

  • Radhose kurz, 2 Trikots (eins hätte gereicht), 3 Paar Socken (2 davon überflüssig!), Armlinge und Beinlinge, Weste
  • kurze Hose, T-Shirt, Pulli und Badelatschen, Bikini
  • Schuhe, Helm und Mütze, Buff (als Schnutenpulli-Ersatz)
  • Kompaktkamera (Lumix DMC-TZ 101), Actioncam (Osmo Action), Sigma Rox 12.0, Garmin fenix 5s, Handy, Solar-Powerbank, Ladekabel
  • Sonnencreme (wichtig!), Mückenspray, diverse Popocremeproben und -stick (für mich auch wichtig), Zahnbürste und – pasta, Handtuch, Taschentücher und feuchte Einmalwaschlappen
  • Magnesium-Tabletten, Elektrolyte (Tabletten von High5), Maltodextrin 6 (Pulver), Energie-Gels von High5
  • 2 Next Level Meal (Astronautennahrung) und 3 Megabite (Brownie-Riegel), beides von Runtime
  • Hängematte (Amazonas ultra light, mit Moskitonetz) und Schlafsack (Deuter Orbit +5C°)
  • Kai hatte zusätzlich ein Schloss dabei und einen Kocher (MSR WindBurner- Duo Stove, 1,8l)
Was braucht man nur alles????

Schlecht vorbereitet aber frohen Mutes ging es am Dienstag endlich los. Gegen 8.30 Uhr saßen wir auf dem Rad und fuhren Richtung Göttingen. Zu meiner Tante in Porta Westfalica hätten wir es deutlich kürzer haben können, aber wir wollten so viel wie möglich vom Weserradweg mitnehmen. Im Süden stellte sich zuerst der Roringer Berg in den Weg, an dem wir zum ersten Mal das Gewicht des Gepäcks zu spüren bekamen. Tatsächlich fühlte es sich für mich einige Male so an, als würde sich jemand hinten am Sattel festhalten. Weiter ging es nach Göttingen, wo wir beiden zum ersten Mal in Genuss von Radschnellweg kamen. Zwar hatten wir es nicht eilig, trotzdem machte er die Stadtdurchfahrt sehr angenehm. Über Rosdorf und Dransfeld fuhren wir weiter nach Hann. Münden, der Doktor Eisenbart-Stadt, an der die Weser „entspringt“, bzw. sich aus Werra und Fulda bildet.

Als Kind habe ich den Spruch des Wesersteins von meinem Vater ja anders gelernt: „Wo Fulda sich und Werra küssen, da kannst du in die Weser pis…“. Vom kulturellen Anspruch her vielleicht fragwürdig, aber ich konnte es mir merken. Nach einer Stärkung beim Bäcker und einer kleinen Runde durch die Innenstadt begannen wir die Reise auf dem Weserradweg. Mal auf Schotter, mal asphaltiert aber fast immer schön rollte es sich – hügeliger als erwartet nach Norden. In Hemeln machten wir den nächsten Stop in dem kultigen Biergarten und tranken ein unschlagbar günstiges Weizen (2,50€ mit Blick auf die Weser – perfekt). Trinken war sowieso die Prämisse der Woche, da es jeden Tag heißer werden sollte.

Am Kloster Bursfelde (erbaut 1093) sollte eigentlich das Tagesziel sein. Mönche aus Corvey errichten hier im Auftrag von Graf Heinrich von Northeim das Benediktiner-Kloster, welches zunächst katholisch, später lutherisch geführt wurde. Das Klosterleben endete jedoch im Jahr 1672. Im Jahr 2020 gab es öffentlich zugänglich weder geeignete Bäume für unsere Hängematten noch eine Einkaufsmöglichkeit. Es blieb uns nichts anderes übrig – wir mussten weiter. Nach 106 km (meiner längsten Strecke bisher) und knapp 700 Höhenmetern fanden wir ins Oedelsheim (Oberweser) nicht nur einen Edeka, sondern auch ein relativ ruhiges Plätzchen für die Nacht. Letztere sollte bitterkalt werden. Vorher gab es noch unsere erste Portion unseres Nahrungsshakes. Wir waren ziemlich skeptisch, aber hey, die Dinger sind wirklich lecker und machen erstaunlich satt, auch uns Vielfraße.

Bei 9°C war selbst Kai am Bibbern und ich konnte am Morgen meine Füße trotz Socken nicht mehr spüren. Nachdem wir den Morgennebel abgewartet hatten krabbelten wir am nächsten Morgen aus den Hängematten und bereiteten uns unseren Porridge zu. Erst um 9.30 Uhr saßen wir im Sattel und kreuzten in Gieselwerder die Weser um einige Kilometer linksseitig weiterzufahren. Schon in Bad Karlshafen ging es nach einem zweiten Frühstück wieder zurück ans andere Ufer. Hier pendelten wir ständig zwischen Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Vorbei an Höxter und mit Stop in Holzminden ging es gut. Doch dann kam irgendwann der große Durst und lange keine Möglichkeit, etwas zu Trinken zu bekommen. Nach einer Irrfahrt durch das bergige Reileifzen (es war ein Getränke-Abholmarkt ausgeschildert, aber leider nicht zu finden) gönnten wir uns ein alkoholfreies Radler direkt an der Weser. In Bodenwerder (statt des Lügenbarons Münchhausen) konnten wir unsere Flaschen endlich auffüllen und fanden wenig später eine schöne Schutzhütte. Dort konnte zumindest ich meine Hängematte aufhängen, Kai erklärte sich bereit, auf der Bank zu schlafen. Die Nacht nach etwa 93 km war deutlich wärmer und unser Schlaf entsprechend besser.

Wir wachten früh auf, frühstückten und machte uns entspannt auf zu nächsten Etappe. Wir waren für den frühen Nachmittag bei meiner Tante angemeldet. Bei nur etwas über 60 km gar nicht so einfach. Mit vielen Fotostops, Eis in Hameln und Pizza in Rinteln schafften wir es, die Zeit halbwegs auszureizen. Wenige Kilometer vor dem Ziel schauten wir uns noch kurz von außen die Klosteranlage Möllenbeck an. Dieses wurde bereits 896 als Damenstift gegründet und gilt als eine der größten Klosteranlagen des Weserberglandes. 1441 wurde das Kloster mit Mönchen des Augustinerordens besetzt, die das Kloster bis 1505 neu aufbauten. Heute ist es evangelisch-lutherisch und wird teilweise kirchlich, aber auch als hübsches Hotel und Jugendfreizeitheim genutzt. Die Temperaturen waren aber kaum auszuhalten. 32°C sind schon amtlich und wir genossen es schließlich, von meiner Tante verwöhnt zu werden und die Schattenplätze im Garten zu nutzen.

Gerne wären wir morgens länger geblieben, aber es sollte noch heißer werden (34°C) und wir hatten eine längere Etappe vor uns . Zu meiner Schwester sollten es 102 km sein. Schon zu Beginn waren sich Schilder und der Rox (in diesem Fall die Routenplanung mit komoot) sich nicht einig. Da letzterer uns gerne über die Landstraßen geführt hätte, wir aber den Weserradweg bevorzugt hätten. Dieser hätte jedoch noch einen kräftigen Schlenker nüber Vlotho und Bad Oeyenhausen gemacht, den wir uns sparen wollten. So kamen wir nach einigem Hin und Her auf 114 km. Eines der ersten Highlights war natürlich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal oberhalb der „Porta Westfalica“ („Tor nach Westfalen“). Mit der Porta ist der Weserdurchbruch zwischen dem Wiehen- und Wesergebirge gemeint. Mit dem Denkmal vom Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Einigung des Deutschen Reiches als Folge des Deutsch-Französischen Krieges gefeiert. In Minden kreuzten wir die Weser und den Mittellandkanal und fuhren durch verschiedene Natur- und Vogelschutzgebiete. Nachdem man in unserer Region nur noch die eingeschleppten Nilgänse sieht, war es eine Wohltat mal wieder Grau- und Nonnengänse zu beobachten. Die letzten Kilometer u.a. durch Nienburg wurden hart, vor allem, da die Luft entweder stand oder uns Gegenwind bescherte. 114 km – wieder eine längste Strecke für mich. Das absolute Highlight war der knappe Kilometer feinster Heidesand, der tatsächlich als Radweg markiert war – eine Frechheit… Meine Schwester Corinna und Flo beglückten uns mit Kuchen und als die Temperaturen am Abends nachließen auch mit Gegrilltem. Außerdem füllten wir die körpereigenen Wasserspeicher noch einmal kräftig für die kommende Hitzeschlacht.

Bereits um 8.30 Uhr saßen wir nach einem ausgiebigen Frühstück im Sattel um uns auf die Heimreise zu machen. 36 °C Grad sollten wir heute noch erreichen. Und was macht der intelligente Radfahrer – sicherlich nicht knapp 130 km Rad fahren. Noch dazu auf einer Strecke, die leider total ätzend war. Zunächst war alles gut. Es ging entlang der Aller mal auf Schotter, mal auf Beton oder Asphalt, oft sogar mit Schatten vorwärts. Ab Schwarmstedt allerdings machten wir den Fehler, die kurze Strecke über Hannover zu wählen, anstatt den Leineradweg zu nehmen. Dieser war leider auch nirgends – auch nicht auf unserem Weg durch Hannover – ausgeschildert, sodass wir Kilometer um Kilometer uns an Bundesstraßen vorbeiquälten und in Hannover jede rote Ampel mitnahmen. Hier hatten wir auch die Maximaltemperatur erreicht und ich hatte bei jedem Stop das Gefühl, dass ich vom Rad falle. Kurz vor Hildesheim fanden wir schließlich einen hilfsbereiten Ortskundigen, der uns den Weg zum Leineradweg beschrieb, sodass zumindest die letzten Kilometer des Tages etwas erträglicher wurden. Bei mir war bald die Luft raus, sodass wir nach 127 km die Tagesetappe beendeten (übrigens meine längste Tour bisher…). In Bad Salzdetfurth fanden wir Speis und Trank und eine Schlafstätte an einem Fußballplatz, an der wir halbwegs ungestört waren. Ich war nach dieser Tour ehrlich gesagt physisch wie psychisch etwa neben der Spur und brauchte die Nacht um wieder zu Kräften zu kommen. Die ganzen Kilometer, die Hitze und die Schmerzen vor allem am Gesäß hatten da wohl ihren Tribut gefordert.

Am Sonntag standen wir früh – aber furchtbar müde auf und machte uns schnell nach dem Frühstück auf den Weg, denn es sollte – wie könnt es anders sein – heiß werden. Viertel nach Sieben ging es los auf die letzten Kilometer, die es noch mal in sich hatten Zwar waren es nur knappe 75 km, aber auch noch einmal über 700 Höhenmeter. Das schlauchte, aber zumindest hatte man ein Ziel vor Augen. Auch heute waren sich Rox und Nutzer nicht überall einig. Sicherlich hätten wir einige Höhenmeter sparen können, wenn wir über Bockenem, Rhüden und Seesen gefahren werden, die Route leitete uns jedoch über Lamspringe, Bad Gandersheim, das Harzhorn und Kalefeld. Am Harzhorn fanden vor gerade einmal 1790 Jahren einige Schlachten zwischen den Römern und Germanen statt. Nach diesem Geschichtsausflug machten wir uns auf die letzten Kilometer, die noch einmal einige Anstiege in petto hatten. Nach einem Eis in Osterode (das 7. in dieser Woche glaube ich…) kamen wir erschöpft in Herzberg an.

Alles in allem war es eine tolle Erfahrung. Pack- und satteltechnisch muss sicherlich noch einiges optimiert werden und für die Hängematte muss eine Isomatte her, aber ansonsten war es eine gelungene Bike-Packing-Premiere durch den Norden und ich freue mich schon jetzt auf die Belgien-Tour…

Runde 570 km (Garmin und Rox sind sich nicht ganz einig) und etwa 2300 Höhenmeter in sechs Tagen. Ich glaube, ich kann ganz stolz auf mich sein, vor allem bei den Temperaturen rund um den Garpunkt….

Ich bin ein Roxstar!

Sängerisch bin ich wohl von nichts weiter entfernt, als Rockstar zu sein. Aber mit einer Verschmelzung von „ck“ zu „x“ trifft es jetzt zu. Ich habe vor kurzem den Sigma Rox 12.0 Sport gewonnen. Sehr, sehr cool. Eine kleine Vorgabe für den Gewinn gab es aber: ich soll über unsere Bikepacking-Tour im August berichten. Aber nichts leichter als das!

Aber nun erst einmal zum Gerät. Es kam edel verpackt in einer Schachtel, bei der man, wie durch Aufziehen eines Vorhangs den Rox enthüllt. Schnell geladen und mit dem Heimnetzwerk verbunden klickte ich mich durchs Menü und koppelte den Kleinen auch mit Strava und Komoot. Das war auf der kleinen Tastatur etwas fummelig, aber gut machbar. Ich habe ja zum Glück zierliche Finger. Ein Klick aufs Symbol, Emailadresse und Passwort eingeben – fertig. Etwas überfordert war ich mit den unterschiedlichen Sigma-Apps (Sigma Link – App fürs Smartphone, Sigma Cloud – die Cloud, also der Online-Sammelplatz der Daten (oh, oh…) und das Sigma Data Center für den PC). Bis ich geschnackelt hatte, welche für was ist, hat es ein bisschen gedauert, aber auch das Problem war selbst für mich als Frau lösbar.

Unboxing

Richtig schick finde ich die orangefarbene Hülle, für die ich mir extra noch einen feinmechanischen Torx-Schlüssel – Satz gekauft habe, da zum Lösen ein 6er-Torx benötigt wird. Einzeln waren die im Baumarkt leider nicht zu bekommen. Genial wäre es, wenn der beiliegen würde. Gerade diese kleinen Torx-Schlüssel hat – glaube ich – nicht jeder zu Hause liegen.

Gekoppelt habe ich auch meinen Garmin Brustgurt. Auch dies war absolut unproblematisch. Zwei, drei Klicks auf dem Gerät – sofort erkannt und immer wieder schnell verbunden.

Kai hat mich außerdem mit dem Trittfrequenz- und Geschwindigkeitssensor (R2 Duo) überrascht. Jetzt kann ich auch endlich meine Trittfrequenz überwachen und optimieren. Ich habe es geschafft, das Ganze ans Fahrrad zu basteln und auch eine Anzeige auf dem Display gehabt. Leider kommt es hier immer wieder zu Ausfällen, obwohl die Abstände von Magnet und Speichen-Nubsi (klar, das ist der Fachterminus! ) zum Sensor passen (<1 cm). Vielleicht sollte ich das Ganze anstatt mit dem Gummiband mit Kabelbindern fixieren, da im Moment noch einiges an Bewegung zu beobachten ist.

Die erste Ausfahrt führte mich testweise zur Schule. Gleich musste ich die Navigation ausprobieren. Man kann hier wählen zwischen „empfohlener“, „einfacher“ und „kurzer“ Streckenführung. Das ist eine tolle Sache! Tatsächlich hat mich der Rox etwas anders geführt als sonst, da er wohl verkehrsberuhigte Straßen bevorzugt.

Noch mit schwarzer Hülle

Leider ist das System etwas absturzgefährdet. Nicht im physikalischen Sinne, sondern im technischen. Schon häufiger wollte das Gerät nicht mehr reagieren oder zeigte mir die kalte Schulter mit einem bläulichen Bildschirm, den ich auch so schnell nicht mehr wegbekam. Und wisst ihr was? Jetzt ist es gerade so weit. Dabei wollte ich nur schauen, welches die dritte Streckenführungoption war. Schon doof irgendwie… Ich hoffe, dass ich noch ein Update finde, welches das behebt.

Jetzt nach sechs Touren, teilweise mit, teilweise ohne Navigation, aber immer mit Aufzeichnung der Strecke bin ich grundsätzlich zufrieden mit dem Gerät. Die Abstürze hielten sich zum Glück bisher in Grenzen und traten noch nie während der Fahrt auf. Drückt die Daumen, dass das auch im August auf unbekanntem Terrain funktioniert. Außerdem werde ich den Sensor noch einmal besser fixieren, dass die Ausfälle hier hoffentlich bald der Vergangenheit angehören.

Puhh, jetzt habe ich ganz schön viel gemeckert. So schlimm ist es gar nicht. Eigentlich bin ich wirklich happy mit den Funktionen und Anzeigen, dem umfangreichen Kartenmaterial (kann länderbezogen kostenlos aufs Gerät geladen werden) und der Bedienbarkeit auch mit Radhandschuhen. Um den Speicher (für Karten oder Routenaufzeichnungen) zu erweitern, kann eine Mikro-SD-Karte eingesetzt werden.

Durch die Navigation in mir bekannten Gebieten bin ich schon auf einige tolle Alternativstrecken gestoßen, weshalb ich die Navigation auch zu Hause gelegentlich weiter nutzen werde. Dann komme ich hoffentlich mehr von den Straßen weg.

Nach unserer Bikepacking-Tour kann ich sicherlich auch etwas zu Akkuleistung, Zuverlässigkeit und Wahl der Streckenführung sagen.