Viel singen, schwitzen, Kultur und ein bisschen Radfahren in Italien

Seit etwa einem Dreivierteljahr bin ich Mitglied einer neuen Band „Coffee, Cake & Bass“. Mein Mitsänger Michael fragte mich im Frühjahr, ob ich nicht Lust auf einen Pop- und Jazz-Gesangsworkshop in der Toskana hätte. Alleine wäre ich vielleicht nicht auf die Idee gekommen, aber mein Urlaub war noch nicht geplant und auf Mallorca hatte ich festgestellt, dass Urlaub alleine nicht immer so erquickend ist und Abende recht lang werden können. Also haderte ich nicht lange und sagte ihm zu. Die Planung überließ ich ihm, da er schon einige Male dort war. Direkt am ersten Ferientag ging es los. Kurz nach 5 Uhr rollte Michaels roter Audi in die Einfahrt und ich packte neben meinem Koffer auch mein Rad in seinen Kofferraum. Er war etwas angespannt, da seine AdBlue-Anzeige, bzw. die seines Wagens leuchtete. Am Tag zuvor hatte er wohl den Tank etwas überfüllt. Für den Fall der Fälle hatte er jedoch einen Werkstatttermin in Bamberg ausgemacht. Wir rollten also los und ich übernahm das Steuer nach den ersten etwa 100 km. Vorher erlosch jedoch in Anzeige, sodass wir entspannt an Erfurt vorbei Richtung Süden fahren konnten. In Bamberg machten wir jedoch trotzdem Halt um einen Kaffee zu trinken und machten einen kurzen Bummel durch die Innenstadt.

Neptunbrunnen „Gabelmoo“

Das Bamberger Rathaus

Von Bamberg ging es weiter an München vorbei, was reibungslos und staufrei klappte. Vor der österreichischen Grenze wollten tanken, da es hieß, es gäbe in Österreich Diesel-Mangel. Daher fuhren wir zwischen München und Rosenheim von der Autobahn ab, nachdem wir uns eine Vignette besorgt hatten. Eine Tankstelle abseits der Autobahn war jedoch in Deutschland nicht mehr zu finden, sodass wir mit halbleere Tank über die Grenze fuhren. Nach ziemlich viel Überland-Kurbelei fanden wir irgendwo bei Kufstein eine Tankstelle und füllten den Tank bevor aus auf der Autobahn Richtung Innsbruck weiter ging. Nun übernahm Michael wieder das Steuer und brachte uns über den Brenner, der auch erfreulich leer war. Nach ziemlich genau 1000 km kamen wir am späten Nachmittag am südlichen Zipfel des Gardasees an und fanden nach einiger Sucherei auch unser Hotel, in der Nähe des Gardalandes. Zwar war es ziemlich warm (38°C) und mir hing der Magen in den Kniekehlen, aber trotzdem machten wir uns zu Fuß auf, Richtung See. Ein Marsch, der Aufgrund leichter Orientierungsschwierigkeiten etwa sieben Kilometer lang war.  In der Altstadt von Peschiera der Garda suchten wir uns eine Pizzeria und genossen unser erstes italienisches Essen. Nach dem Essen machten wir auf dem Heimweg (der zum Glück etwas kürzer war) noch einige Fotos. Nach knapp zwölf Kilometern in Flipflops (und teilweise barfuß) brannten meine Füße gewaltig.

Nach einer unruhigen Nacht setzte ich mich vor dem Frühstück eine kleine Runde aufs Rad. Nüchtern war ich bisher noch nie gefahren und werde es wohl so bald auch nicht wieder tun. Müdigkeit, Temperatur, lange Fahrt und knurrender Magen forderten ihren Tribut und meine etwa 40 km lange Radfahrt dauerte deutlich länger als geplant. Ich machte einige Fotos und wollte eigentlich an die Spitze der Landzunge bei Sirmione. Leider war an der Scaligeroburg meine Reise zu Ende, da dort Fahrräder (auch geschobene) untersagt sind. Über holprige Straßen führte mich der Weg zurück zum Hotel, wo mich nach einer Dusche Michael und ein etwas spartanisches Frühstück erwarteten.

Sirmione

Nach dem Essen sattelten wir die Pferde und fuhren weiter zu unserem nächsten Etappenziel – Florenz.

Unser florentiner „Classic Hotel“ war nahe der Innenstadt und in einem altehrwürdigen Gemäuer nahe der Boboli Gärten. Entsprechend kühl war zum Glück das Zimmer. Die Temperatur genossen wir jedoch nur kurz, bevor wir uns gegen 14 Uhr in der Mittagshitze vorbei am Palazzo Pitti Richtung Innenstadt aufmachten. Nach knapp 15 Minuten schritten in bereits über die Ponte Vecchio ins Herz der Stadt und ich bestaunte (von außen) die Uffizien, den Palazzo Vecchio, den Dom, diverse Kirche und Plätze und überhaupt das Flair der Stadt, die Julius Cäser gegründet, und von den Medici so geprägt wurde. Wir drehten Runde um Runde und gönnten uns ein Eis vor der Santa Maria Novella, bevor wir weitere Denkmäler, Deckenfresken und Gebäude bestaunten und an Designerläden vorbei schlenderten. In Skulpturform begegneten wir ständig Michelangelos David-Kopie, aber auch Leonardo da Vinci und Dante standen in Stein gehauen in der Gegend herum. Die Opulenz zeigt die ehemalige Bedeutung der spätmittelalterlichen Handelsstadt und den Einfluss ihrer reichen Gönner, die Künstlern und Wissenschaftlern ein Zuhause in Florenz boten.

Palazzo Pitti

Die Uffizien

Der Duomo (Sanata Maria del Fiore), dekoriert mit rotem Marmor aus Siena, weißem aus Carrara und grünem aus Prato. Das erste Bauwerk dieser Dimension der Ranaissance.

Blick in den Palazzo Vecchio

Basilika San Lorenzo

Deckenfresko in San Marco

Eis geht immer

Kreuzgang der Basilica della Santissima Annunziata

Wir gönnten uns auch wieder etwas zu Essen. Und zwar nicht irgendwo, sondern direkt am Arno, mit Blick auf die Ponte Vecchio. Abends wollten wir uns von der Piazzale Michelangiolo aus den Sonnenuntergang anschauen, irrten uns aber bezüglich des Hügels und bestiegen zunächst den Hügel des Fortes di Belvedere. Zum Glück waren wir sehr früh dran, weshalb wir den steilen Abstieg und den Aufstieg auf den benachbarten Hügel noch mehr als rechtzeitig schafften. Dort fanden sich, je näher der Sonnenuntergang rückte, immer mehr Schaulustige ein, um für sich, oder die sozialen Medien den Sonnenuntergang auf Bilder zu bannen.

Ponte Vecchio

Auf der Piazzale Michelangiolo

Als die Sonne unter Applaus die Bühne verlassen hatte gingen wir entlang des Arnos und begleitet von Millionen von Mücken zurück. Nach etwa 17 km Pflastertreten fielen wir relativ erschöpft in die Betten. Am nächsten Morgen gab es ein etwas reichhaltigeres Frühstück (dieses Mal Buffet) und wir gingen erneut in die Stadt, um der Markthalle einen Besuch abzustatten. Wir probierte uns durch Mortadella, Trüffel und Balsamico und Michael kaufte sich ein Fläschchen von letzterem. Gegen 11.30 Uhr traten wir die Weiterreise Richtung Bestimmungsort an. Der Workshop sollte zwischen Volterra und Colle di Val d´Elsa (ganz grob in der Nähe von Siena) stattfinden. Die Zimmer waren noch nicht fertig, weshalb wir zunächst die Qualität des Pools überprüften – mit positivem Fazit – und nach und nach die ersten Teilnehmer kennenlernten.  

Am Nachmittag konnten wir die Zimmer beziehen. Unser Apartment war riesig. Ein großer Wohnraum mit Kochzeile, zwei Schlafzimmer und Bäder. Der einzig große Nachteil war, dass es direkt unterm Dach lag und die kleinen bodennahen Fenster nachts kaum für Abkühlung sorgten, weshalb ich keine Nach mehr als fünf oder sechs Stunden mit Unterbrechungen geschlafen habe.

Los ging es mit einem gemeinsamen Abendessen, in Form eines italienischen Buffets. Es zog sich bis in die späten Abendstunden, weshalb wir anschließend nur noch ins Bett fielen.

Zwar war ich mit Abstand das Küken der Gruppe, sie setzte sich aber aus sehr netten und interessanten Personen zusammen. So waren an den folgenden Tagen gute Gespräche garantiert. Das Coaching übernahm die Gesangspädagogin Anke Held, die ihren Job super machte und jeden an seiner Leistungsstufe abholte. Unterstützt wurde sie dabei von dem Jazzgitarristen Holger Schliestedt, der für eine abwechslungsreiche, stilsichere und auf die Sänger angepasste Begleitung sorgte. Die Teilnehmer kamen aus allen Ecken Deutschlands und der Schweiz und jede und jeder brachte auf seine Art Input mit in die Gruppe, sei es auf musikalische oder tänzerische Art oder durch Humor oder Theatererfahrung. Auch kamen wir in den Genuss kurzer Yoga– und NIA-Einheiten.

Da die kommenden Tage ziemlich durchgetaktet waren, fuhr ich nur wenig Rad. Am Sonntag und Dienstag fuhr ich vor dem Frühstück (aber immerhin nach einer Banane) 40 km (mit über 500 hm). Das war nicht wahnsinnig viel, aber viel mehr war einfach nicht drin. Zum Ausgleich schwamm ich viel und jeden Tag mussten wir zum Proberaum einige Höhenmeter überwinden, da er ein gutes Stück entfernt war.

Dieselben Höhenmeter begegneten mir natürlich auch beim Radfahren. Um auf die Straße zu gelangen muss hier zunächst eine knapp 1000 m lange und recht steile Schotterpiste bezwungen werden. Gut, dass ich mich für die Gravelbereifung entschieden habe. Auch ansonsten bot die Gegend wenig Erholung. Zwar waren die Straßen in einem recht guten Zustand, aber das Profil war äußerst wellig und die Autofahrer kannten keinen Abstand beim Überholen. Die anderen Radfahrer waren aber immerhin sehr nett und so hatte ich auf der zweiten Tour die Möglichkeit mich immerhin für rund fünf Kilometer an einen anderen Fahrer zu hängen. Denn insgesamt war meine Geschwindigkeit hier jenseits von Gut und Böse. Schlafmangel, Wärme, Uhrzeit (Startzeit war immer um 6 Uhr) und Profil zollten ihren Tribut. Aber ich genoß die Bewegung und vor allem natürlich Landschaft und malerische Orte, wie Colle di Val d´Elsa. Die Altstadt liegt hoch über der Unterstadt und ist wohl auch durch einen Aufzug zu erreichen.

Unsere Unterkunft – Antico Borgo Tignano

Colle di Val d’Elsa

Eine etwas längere Distanz fuhr ich an unserem freien Tag, dem Mittwoch. Nach dem Frühstück machte ich mich bei bereits über 30°C auf den Weg Richtung Volterra. Der Ort liegt lediglich 18 km von hier entfernt; bis dorthin müssen jedoch etwa 500 hm bezwungen werden. Anfangs machte ich mich für meine Verhältnisse ganz gut, da immer wieder auch Bergab-Passagen dabei waren, auf den letzten Metern musste ich jedoch gleich zweimal verschnaufen. Trotz fleißigen Trinkens (die erste Flasche war bereits leer), hatte ich aufgrund der staubigen Luft, des Ozons und der Trockenheit das Gefühl, mein Rachen gleiche einer Wüste. In Volterra sah ich mich ganz kurz um und beschloss, dass ich es mir auf dem Rückweg genauer anschauen wollte. Nun kam das Highlight der Tour. Von Volterra ging es in meist großzügigen Serpentinen über fast zehn Kilometer nur bergab. Zum Glück waren wenig Insekten unterwegs, sodass sie mir nicht alle zwischen den Zähnen hingen. Ein breites Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. Auch die weiteren Kilometer durch das Val de Cecina waren trotz des Gegenwindes gut fahrbar und meistens hatte ich einen breiten Seitenstreifen, auf dem ich den Autofahrern etwas aus dem Weg gehen konnte. In Cecina angelangt suchte ich zunächst die Eisdiele, an der ich mich mit Michael verabredet hatte. Anschließend rollte ich noch etwas an der Strandpromenade entlang, da ich 45 Minuten zu früh war.

Blick zurück nach Volterra

Cecina

Nach einem leckeren Eis gingen wir an südlichen Strand, der von Pinienwäldern gesäumt ist. Unter den Pinien suchten wir uns ein schattiges Plätzchen und ich schwamm noch einen Kilometer im Mittelmeer. Nachdem ich zwei Quallen begegnet war, etwas strandnäher als geplant… Unter den Pinien ruhten wir noch eine Weile und lauschten dem Krach der Zikaden und Hubschrauber, die ständig am Küstenstreifen kreisten, um Waldbrände früh zu erkennen.

Zurück ging es nicht mit dem Rad, sondern bequem mit dem Auto. Das sparte mir nicht nur einen mörderischen Anstieg, sondern gab mir zudem die Möglichkeit, mir noch einmal mit etwas mehr Muße – und Kamera – Volterra anzusehen.

Aufgrund der andauernden Hitze und der mit 7 1/2 h recht langen Workshopzeit pro Tag blieb das Rad die nächsten Tag stehen. Stattdessen schwamm ich jeden Tag etwas oder versuchte in den Mittagspausen etwas zu dösen, da der fehlende Schlaf doch etwas an die Substanz ging.

Am Freitag endete der Workshop mit einem Konzert aller Teilnehmer. Da ich mich selbst auf dem Klavier begleitete, war ich ungewöhnlich nervös, brachte meinen Auftritt aber gut über die Bühne und freute mich auch sehr über die Fortschritte der anderen Teilnehmer, die einem im Laufe dieser Woche zum Teil schnell ans Herz gewachsen waren.

Nach einer kleinen Terrassen-Session mit Klavier, Gitarren und Gesang verschwanden alle Teilnehmer um Mitternacht ins Bett. Das war auch ganz gut so, da wir entgegen der ursprünglichen Planung die Rückfahrt in einer Etappe fuhren und die rund 1300 km in einem durch fuhren. So lange am Stück habe ich glaube ich noch nicht gesungen… Die Disconacht auf Bayern 1 hat uns auf jeden Fall gut durch die Nacht gebracht.

Während meiner Zeit in Antico Borgo Tignano erreichte mich auch die Nachricht, dass mein Blog bei der fahrrad.de Blogwahl 2022 auf dem 4. Platz gelandet ist. Da bin ich ganz baff und begeistert. Vor allem, da es eine Auswertung gab und ich nun weiß, an welchen Ecken es noch hapert und was ich schon ganz gut mache. Ich freue mich über die Platzierung sehr und gratuliere auch allen anderen Teilnehmern!

Auf ein Eis nach Erfurt – oder: War doof – merkste selbst…

Heute ging es auf eine lockere 230 km lange Runde nach Osten, genauer gesagt nach Erfurt. Die Strecke war super easy und ich hatte die ganze Zeit über ein Lächeln im Gesicht….

So könnte ein Blog klingen, wenn ich eine top Ausdauer-Sportlerin wäre und mir jeder Kilometer in den Schoß fallen würde. Dem ich aber leider nicht so. Ich bin auf der Tour ordentlich an meine Grenzen gekommen, habe gekämpft, gelitten und geheult und war ziemlich unzufrieden mit mir. Macht mich das jetzt zu einer schlechten Radfahrerin? Das weiß ich nicht, zum Glück ist mir das auch egal (mit meinen „I can besser kiss than I ride“-Socken sowieso). Alles ging damit los, das ich nach der Tour zu meiner Schwester dachte, dass mich nun nichts und niemand aufhalten kann. Und so plante ich eine Tour nach Erfurt. Dort war ich zuletzt als Kind und es liegt im 100 km Radius. Also ein gutes Ziel. Über komoot plante ich die Route als Rundfahrt über Mühlhausen und Sondershausen, lud großspurig auch bei facebook zu der Tour ein und kündigte einen 26er Schnitt an. Zum Glück hatte sich nur Kai eingefunden, mitzufahren. Ralf hatte überlegt, ab Erfurt mitzufahren. Im Nachhinein bin ich froh, dass er nicht dabei war, da meine Laune vermutlich nur schwer zu ertragen war.

Zwar war ich die ganze Woche schon irgendwie groggy, aber das hinderte mich nicht daran, morgens um 6 Uhr mit Kai zu starten. Zwar merkte ich, dass meine Beinmuskulatur immer noch nicht wieder ganz im Lot war, aber sie fühlten sich etwas besser an, als die anderen Tage der Woche. Schon bis Worbis warteten jede Menge Höhenmeter auf uns, die nur vom Anstieg hinter Niederorschel getoppt wurden. Bis dahin war aber alles gut und wir waren zwar nicht schnell unterwegs, aber ich war optimistisch, das Ganze zu schaffen. Den ersten längeren Zwischenstopp machten wir – wie geplant – in Mühlhausen. Die Altstadt mit eindrucksvoller Stadtmauer, Toren, Türmen und Kirchen hat einen ganz besonderen Charme und gerne wäre ich mit der Kamera noch länger durch die Altstadt gestreift. Aber nach einem Cookie und Kaffee ging es weiter.

Über den Unstrutradweg fuhren wir an Bad Langensalza vorbei. Dieser fährt sich prima, ist innerhalb der Orte jedoch kein Garant für schnelles Tempo, da er phasenweise recht verwinkelte und eng ist.

Irgendwann landeten wir – dank komoot mit hohem Bundesstraßenanteil – in Erfurt. Ermüdungstechnisch wäre ich hier nicht böse gewesen, wenn die Tour bereits vorbei wäre, da mir die Höhenmeter schon ganz schön zu schaffen gemacht hatten. Mit Blick auf den Dom gönnten wir uns ein Eis und rollten durch die Innenstadt zur Krämerbrücke. Neben dieser kann die Rialto-Brücke in Venedig einpacken, denn hier kuscheln sich 32 Fachwerkhäuser über dem Wasser, die größtenteils noch heute Kunsthandwerker beherbergen. Eine tolle Atmosphäre.

Richtung Norden verließen wir die Stadt und fuhren Richtung Straußfurt und Greußen. Dort stoppten wir beim Supermarkt, um unsere Getränke aufzufüllen. Das war bitter nötig, denn plötzlich bemerkte ich, wie sehr ich beim Trinken gespart hatte. Weiterhin ging es bergauf und bergab und jedes Mal riss ich wieder bei den Anstiegen von Kai ab und meine Oberschenkel waren dicht. Auch begannen mein Rücken zu zwicken und meine Fußaußenkanten zu brennen. Die Hände taten auch weh und ich wollte nur noch nach Hause. Aber zwischen diesem und mir lagen in Sonderhausen noch immer noch knapp 60 km und noch viele, viele Höhenmeter. Eine Pause reihte sich an die andere und die geschätzte Ankunftszeit rutschte immer weiter nach hinten. Irgendwo zwischen Kleinfurra und Nohra hatte ich meinen ersten kleinen Heulkrampf. Ich konnte nicht mehr, war verzweifelt, sauer auf mich selbst und hatte keine Ahnung, wie ich den Rest noch schaffen sollte. Relativ schnell hatte ich mich wieder gefangen, was aber nichts an meiner körperlichen Verfassung änderte. Ich klebte nur noch in Kais Windschatten und riss immer wieder an den Anstiegen ab und versuchte mich, so gut es ging zusammenzureißen. Auf Höhe von Bad Sachsa liefen wieder die Tränen und ich überlegte, meine Eltern anzurufen, dass sie mich abholen. Kai motivierte mich weiterzufahren und irgendwie haben wir es geschafft, nach 12 Stunden und knapp 9 Stunden Fahrzeit wieder bei mir anzukommen.

Von Touren mit über 200 km nehme ich jetzt definitiv erst mal wieder Abstand. Ich habe heute gelernt, dass man, nur weil man 200 km flach fahren kann, noch lange nicht 230 km mit knapp 1800 hm fahren kann. Erst recht nicht, wenn man durch diverse Städte und Orte fährt, in denen man ständig halten und bremsen muss. Trotzdem hat sich die Tour gelohnt, da mir vor allem Mühlhausen sehr gut gefallen hat. Trotzdem bleibt eine gewissen Unzufriedenheit und Fassungslosigkeit, dass ich mich dermaßen überschätzen konnte. Ich dachte wirklich, ich könne so eine Tour alleine schaffen. Jetzt wurde ich schmerzhaft eines Besseren belehrt. Aber auch solche Geschichten gehören dazu. Zumindest sind ein paar ganz schöne Fotos entstanden. 🙂 Jetzt ist erst einmal Regeneration angesagt.

Himmelfahrtskommando in den Norden

Schon bei meinem Bericht über die Tour zur Marienburg habe ich es vorsichtig angekündigt. Für das Himmelfahrtswochenende hatte ich mir etwas Größeres vorgenommen. Mit Gravelbereifung und etwas Gepäck wollte ich meine Schwester besuchen. Lieber wäre mir die Rennradbereifung gewesen, jedoch hatte meine Wahl zwei Gründe. Zum einen hatte ich mein Rad schwerer beladen als üblich, zum anderen hatte ich die Hoffnung, dass die etwas robusteren Reifen mir einen Plattfuß ersparen würden. So war das Reisetempo zwar etwa heruntergesetzt, aber ein hohes Tempo war nicht meine erste Priorität. Eine Zerrung in der Kniekehle brachte meine Planung etwas in Wanken. Da diese sich aber mehr bei Höhenmetern bemerkbar macht, ging ich das Unterfangen mit pinkem Tape in der Kniekehle trotzdem an.

Der Wecker klingelte am Donnerstag um 4.00 Uhr und nach einem gemütlichen Frühstück packte ich die letzten Sachen und saß kurz nach 5.00 Uhr auf dem Rad Richtung Norden.

Zunächst fuhr ich über Osterode und Willensen nach Kalefeld. Die Kirche dort wollte ich beim letzten Mal schon fotografiert haben. Mit ihrer Backsteingotik erinnert die Emporenhallenkirche an die Sakralbauten im Norden, also eine gute Einstimmung auf meine Tour. Der Weg führte mich auf ähnlichem Wege zum Schloss Marienburg. Dort traf ich um kurz vor 8 Uhr ein und dachte mir schon, dass ich dort wohl noch keinen Kaffee bekommen würde. Doch sogar die Runde über den Innenhof blieb mir verwehrt.

Also fuhr auf auf der anderen Seite des Berges wieder hinab Richtung Pattensen. Ab hier merkte ich, dass der Wind langsam zunahm, da die Tour nun flacher und windanfälliger wurde. Leider kam er aus Nordwesten, also immer von links oder von vorn. Das sollte sich bis zum Ende der Tour auch nicht mehr ins Positive verändern. In Hannover führte mich das Navi über Linden, hinter den Herrenhäuser Gärten vorbei (das habe ich erst bei der Nachbearbeitung gesehen), durch Leinhausen und Stöcken. In Stöcken bewunderte ich das Eingangsportal zum Stadtfriedhof.

Es war kurz vor 10 Uhr und langsam erwachten auch die Herren, die in großen Scharen zu Fuß oder hoch zu Rad auf ihre Vatertagstouren aufbrachen. Um 10.30 Uhr kreuzte ich die A2 und machte in luftiger Höhe über der Autobahn eine Pause, bevor es in Richtung Garbsen weiterging.

Landschaftlich reizvoll war die Strecke nicht. Das änderte sich erst wieder ab Neustadt am Rübenberge. Zwar wurden die Radwege weniger, die Orte jedoch deutlich netter, mit unzähligen alten Dreiseitenhöfen und viel rotem Backstein. Die Windstärke nahm zu und mein Durst leider auch. 1,5l sind für eine Tour wie diese definitiv nicht genug… Die Märkte hatten aufgrund des Feiertags geschlossen und die einzigen Tankstellen die ich fand, waren SB-Tankstellen ohne Einkaufsmöglichkeit. Im Ort Nöpke sah ich eine Frau mit Kinderwagen, die gerade auf ein Haus zusteuerte und bat sie darum, mir die Flaschen aufzufüllen. Mit einer Marathonläuferin hatte ich genau die richtige erwischt, da sie mir sagte, dass sie auch regelmäßig bei fremden Leuten um Wasser bitte. Nun ging es auf die Zielgerade. Der Wind fegte mir immer stärker ins Gesicht und jeder der noch 30 km zog sich elendig in die Länge. Eine längere Verschnaufpause an einem Bahnübergang, an dem der Verkehr über 5 Minuten auf die beiden durchfahrenden Züge warten durfte.

Immerhin genug Zeit, etwas zu essen und den Rox an die Powerbank zu hängen, dessen Akku bei Dauernavigation nach nun über 150 km langsam schwächelte. Einige Zeit später sah ich vor mir einen Planwagen vor mir. Ich kam ihm relativ zügig näher und hörte und sah bald die grob 15 Männer, die sich gegen das Wandern entschieden hatten. Als sie mich entdeckten war das Gegröle groß und man bot mir sogar ein Bier an. Dieses lehnte ich jedoch dankend ab und überholte den Traktor bei der nächsten Möglichkeit. Ich zähle jeden restlichen km, bis ich endlich um kurz nach 13 Uhr bei meiner Schwester ankam.

Den Freitag nutzten wir zum regenerativen Shoppen bei Bremen und ließen den Tag relativ entspannt angehen.

Samstag ging es wieder zurück. Allerdings startete ich erst gegen 8 Uhr, da wir ja noch gemütlich frühstücken wollten. Als ich das Rad aus der Garage holte schauerte es kräftig. Ich entschied mich dafür, diesen Schauer abzuwarten, was zu Glück nicht lange dauerte und fuhr im leichten Nieselregen und empfindlicher Kälte los. Schon auf den ersten Kilometern machte ich eine große Extraschleife. Ich hatte bei meiner Grobplanung Dörverden als Startpunkt angegeben – den nächst größeren Ort. Bei komoot hatte ich das genaue Ziel zwar noch geändert, aber nicht mehr auf den Rox geladen. Zwar wunderte ich mich, dass ich in die gefühlt falsche Richtung fuhr, hatte aber auch eine andere Route für den Rückweg geplant. Als ich das Problem erkannte, war es schon zu spät und Wenden hätte sich nicht mehr gelohnt. Mit einem immerhin sehr verkehrsberuhigtem Schlenker von etwa 5 km Umweg ging es irgendwann los in Richtung Süden. Der Wind kam heute eher aus westlicher Richtung und schob mich auf einigen Passagen recht zügig, meist schob er mich aber eher Richtung Straßenmitte.

Meine Beine fühlten sich gar nicht so ermüdet an, wie ich es zunächst befürchtet hatte. Heute fuhr ich etwas westlicher durch Hannover. Immer wieder gab es kleine Schauer und auch die Sonnen hat wenig Kraft, sodass ich die meiste Zeit mit Armlingen und/oder Regenjacke fuhr. In Langenhagen kam ich am Flughafen vorbei und überlegte kurz, das Rad als Gepäck aufzugeben und in wärmere Gefilde zu flüchten, verwarf diesen Gedanken aber wieder. Stattdessehn gönnte ich mir eine kurze Auszeit am Maschsee, bevor ich weiter Richtung Hildesheim fuhr.

In Hildesheim war ein Kaffeestop geplant. Gegenüber des Bahnhofs fand ich ein Café, in das ich aber das Rad natürlich nicht hineinnehmen durfte. Da ich es am Bahnhof auch keinesfalls unangeschlossen alleine stehen lassen wollte setze ich mich als einziger Gast nach draußen und es gab prompt einen weiteren kräftigen Schauer. Zum Glück gab es ein Vordach, sodass ich nur etwas Spritzwasser abbekam. Auch bei meiner Frage nach einer Toilette hatte ich kein Glück, diese sei leider geschlossen. Als ich bei meiner Weiterfahrt eine Tankstelle entdeckte, hing auch dort ein Schild „Ich bin leider wieder verstopft“. Da wird man ja quasi zum Wildurinieren gezwungen….

Trotz veränderte Route kam ich wieder an der Marienburg vorbei. Doch halt, nein! Große Verwechslungsgefahr. Beide liegen in der Nähe von Hildesheim, jedoch ist das Schloss Marienburg ein Prachtbau jüngeren Datums, wohingegen diese Marienburg eine Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert ist. Leider habe ich es verpasst, Fotos zu machen und wollte keinen Schlenker dorthin fahren, daher hier ein Bild aus dem Internet.

060610 Universität Hildesheim Domäne Marienburg Foto Andreas Hartmann, Luisenstrasse 13, 31141 Hildesheim – fotoaha@aol.com

In Groß Düngen erinnerte mich der Ortsname an die Aufnahme von Nährstoffen und ich kaufte mir ein zucker- und koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk um meiner Flaschen aufzufüllen und wollte den Halt nutzen, um meine Blase zu leeren. Letzteres leider erfolglos („Nein, eine Kundentoilette haben wir nicht“). Kohlensäure in Radflaschen ist eher suboptimal. Ganze dreimal schlug mir der Druck beim Öffnen der Flasche gegen das Zäpfchen, ab dem vierten Trinken, hatte die Gefährdung nachgelassen ;).

Es folgte einer der größten Anstiege der Tour über den Weinberg bei Nette. In zum Glück nicht zu steilen Serpentinen ging es vier Kilometer den Berg hinauf und ein paar weniger auf der anderen Seite hinunter.

Bald landete ich in Rhüden. Von dort aus sollten es noch 50 km mit einigen Höhenmetern sein. Langsam merkte ich die Erschöpfung auch das lange Sitzen war nicht mehr so ganz komfortabel. Kurz gesagt, die Motivation war nicht mehr ganz so hoch, was unter anderem mit dem weiterhin etwas an April erinnernden Wetter zu tun hatte. 15 km weiter, kurz hinter Seesen machte mein Rad seltsame Geräusche. beim Blick nach unten wusste ich weshalb. Bei meinem hinteren Reifen war die Luft noch mehr raus als bei mir. Damit war mein Plan pannenfrei zu bleiben leider nicht aufgegangen. Ich hatte zwar alles dabei, was man braucht, leider ja aber die nicht die Kraft den Mantel wieder in die Felge zu bekommen. Also versuchte ich gar nicht erst den Schlauch zu wechseln, sondern versuchte es mit verschiedenen Telefonjokern. Leider hatte keiner Zeit und Möglichkeit mich abzuholen.

Also schob ich mein Rad und überlegte, was ich nun tun könnte. Nach Seesen die 4 km zurück laufen und den Zug nehmen, wäre die einfachste Lösung. Jedoch hatte ich vor, die Tour zu beenden und war todunglücklich. Da kam aber der Held in glänzender Rüstung und hoch zu Ross. Na gut, der Held in Rennradoutfit und Carbonrad und fragte mich, ob ich Hilfe bräuchte. Zerknirscht bejahte ich dies. Auch er hatte ganz schön mit dem Mantel zu kämpfen, aber nach einer knappen Viertelstunde war mein Rad wieder fahrbereit und ich unendlich dankbar. Nun konnte ich auch den Rest des Weges in Angriff nehmen. Zwar wurde es noch einmal ordentlich hügelig, aber irgendwie mobilisierte ich noch irgendwelche Kräfte um sogar eine Schleife über Hattorf zu fahren, um eine SD-Karte abzuholen. Dank dieser Zusatzkilometer (und denen zu Beginn) kam ich tatsächlich knapp über 200 km und jubelte innerlich, als der Tacho auf 200 km sprang. Zwar war diese Tour sicherlich nicht die landschaftliche Reizvollste und auch nicht die mit dem besten Fahrerlebnis auf Straße und Radwegen, aber es ging auch primär darum, meine Schwester zu besuchen und zu schauen, ob ich zwei dieser Distanzen in kurzer Zeit gewachsen bin.

Jetzt bin ich ziemlich müde, aber auch ordentlich stolz und werde erst einmal meinen Beinen ein paar Tage Ruhe gönnen. Knapp 390 km in drei (bzw. zwei aktiven) Tagen waren für mich eine ganz schöne Herausforderung.

Holterdiepolter durch den Harz

Seit einigen Tagen habe ich ja nun die Gravelreifen auf dem Rad und wollte die Gelegenheit beim Schopfe greifen und einige Touren fahren, die ich sonst vermeide. Los ging es am Dienstag mit einer Fahrt auf die Hanskühnenburg. Die Hanskühnenburg ist einer der nah gelegenen Berge (811 m. ü. NN) und dem Harzer Baudenstieg zugehörig. Ergo gibt es oben eine Baude mit Aussichtsturm, die zum Verweilen und Essen einlädt. Interessant ist, dass es dort oben weder Strom noch Wasser gibt. Im Winter wird dort lediglich mit Feuer geheizt und Wasser einmal wöchentlich mit einem Tankwagen hinaufgebracht. Mittwochs ist Ruhetag, ansonsten lohnt sich der Aufstieg oder die Fahrt mit dem Gravel oder MTB oder auch im Winter mit Langlaufskiern täglich von 9-16 Uhr, sei es für Kaffee und Kuchen oder eine deftige Mahlzeit. Wege gibt es zahlreiche aus allen Himmelsrichtungen.

Mein Weg führte mich an diesem schwülen Tag über Lonau. Von Lonau aus führen gleich zwei Wege zur HKB, einer über das linksseitige Mariental, einer über das Kirchtal. Für den Hinweg wählte ich den überwiegend geschotterten Weg des Marientals. Von meiner Haustür bis zur Baude sind es lediglich etwa 15 km, jedoch auch 580 hm. Und Höhenmeter sind ja nicht meine „Spezialität“. Leider waren die zahlreichen Pausen auch ziemlich unentspannt, da ständig Bremsen um mich herumschwirrten. Vier Stück konnte ich erlegen und stichfrei bleiben. Ganz langsam bewegte ich mich den Berg hoch und begegnete zunächst einem Reh, später noch einem Fuchs, die sich jedoch durch mein lautes Schnaufen nicht wirklich irritiert zeigten. Die letzten 600 m bis zur Baude wird der Weg noch einmal richtig steil. Ich versuchte mich an den ersten Metern, gab aber bald auf und schob mein Rad. Oben angekommen traf ich auf die Wanderkaiserin Hanna, die mit ihrem Hund im letzten Jahr alle 222 Stempel der Harzer Wandernadel in 50 Tagen erwandert hatte. Heute war sie jedoch nicht zum Wandern dort, sondern um mich und andere hungrige Radfahrer und Wanderer mit Kuchen und anderen Dingen glücklich zu machen.

Nach einem leckeren Stück Kokoskuchen rollte ich über den asphaltierten Weg des Kirchtals wieder nach Hause. Schneller als ich gucken konnte war ich wieder zu Hause.

Am Samstag machte ich mich wieder auf den Weg in den Harz, allerdings für eine längere Tour. Mit der Option auf Abkürzungen ging es zunächst über Steina nach Bad Sachsa und Wieda. Von dort aus folgte ich dem 25 km langen geschotterten Bahntrassenweg nach Braunlage. In Wieda selbst war es gar nicht so einfach diesem zu folgen, hinter Wieda war er jedoch meist eindeutig zu identifizieren. Einen Zwischenstopp machte ich am ehemaligen Bahnhof Stöberhai (Memo an mich: der Sonder-Stempel dort fehlt mir noch, genauso wie der am Kapellenfleck einige km weiter!).

Wer sein Rad liebt, der schiebt
Bahntrassenweg
Bahnhof Stöberhai

Am Bahnhof Stöberhai begann meine Actioncam zu meckern, dass sie kaum noch Akkuleistung habe. Das Laden der Kamera hatte ich wohl leider versäumt. Das war schade, da ich gerade von den Gravelpassagen eigentlich ein schönes Video machen wollte. Es fing ganz leicht immer wieder an zu nieseln und wurde mit jedem Höhenmeter frischer. Die Wahl der kurzen Bekleidung war vielleicht nicht die beste Idee gewesen. In Braunlage machte ich eine Pause und als ich weiterfuhr setzte ein richtiger Schauer ein. Der Weg führte mich unterhalb des Wurmbergs an der Brockenwegschanze entlang. Die Große Bodestraße und der Sögdingsweg sind zwar asphaltiert, was mir entgegenkommt, gehen jedoch schier unendlich lange bergauf.

Brockenwegschanze
Sögdingsweg

Die Kälte und der Regen machten den etwa 10%igen Anstieg nicht angenehmer. Oben angekommen fuhr ich am Wurmbergmoor vorbei.

Ulmer Weg

Der Ulmer Weg Richtung Dreieckiger Pfahl ist sicherlich super zum flowigen MTB-Fahren und selbst ich hatte hier Spaß, da der Weg nicht allzu fordernd war, aber mehr Konzentration erforderte als ein Schotterweg. Mittlerweile war es zum Glück wieder trocken und gelegentlich ließen sich einige Sonnenstrahlen blicken. Bis Oderbrück lief es ganz gut.

Oderteich
Grenzwertig…

Dann stieg der Anforderungsbereich am Oberen Oderweg stark an. Mit Wurzeln, Steinen und Stegen kam ich zunächst gut zurecht lediglich am Clausthaler Flutgraben musste ich mich geschlagen geben. Zu geröllig und zu steil….. Also schob ich einige Meter. Am Parkplatz Wolfswarte fuhr ich einige Zeit auf der Straße, und genoss die Erholung beim Bergabrollen. Hier kamen mir einige Fahrer der Sösetal-RTF entgegen, deren große Runde sie von Förste bis weit in den Harz verschlagen hatte. Kurz vor Altenau bog ich von der Straße ab um nahezu ebenerdig auf dem Dammgraben weiterzufahren. Diesen kannte ich schon durch Wanderungen und wollte ihn schon immer einmal fahren. Bis auf ein paar nasse Wurzeln und einen umgestürzten Baum mitten auf dem Weg ließ er sich sehr entspannt fahren.

Ein kräftiger Anstieg auf die und auf der Harzhochstraße standen mir jedoch noch bevor und ich quälte mich dabei ziemlich und benötigte die ein oder andere Pause.

Anstieg zur Harzhochstraße und bedrohliche Wolken

Auf der Harzhochstraße kamen mir wieder einige RFTler entgegen. Ich bog auf die Ackerstraße ab und später die Schmelzertalstraße über Sieber nach Hause. Eigentlich dachte ich, dass ich über das Siebertal entspannt nach Hause rollen könnte, hatte jedoch nicht mit dem extremen Gegenwind gerechnet, der die letzten sechs km noch einmal zu einer mentalen Bewährungsprobe machten.

Nach etwas mehr als 90 km und knapp 1500 hm war ich ziemlich erschöpft wieder zu Hause. Eine tolle Tour, die vielleicht doch mein Interesse am MTB-Fahren etwas geschürt hat. Teilweise hat das ja schon ziemlich Spaß gemacht. 🙂 Nur die Sorge um die Gravelreifen war teilweise doch groß, gerade bei dem scharfkantigen Gestein.

Longride zum Schloss Marienburg

Für den Tag gestrigen Samstag plante ich eine längere Runde um zu schauen, ob ich auch fit für Touren jenseits der 100 km bin.

Los ging es gegen 7.30Uhr, nachdem ich mir leckere Brötchen gebacken hatte. Über Gieboldehausen führte mich der Weg nach Lindau und Elvershausen. Schon dort begab ich mich in unbekannte Gefilde, nämlich auf den Anstieg Richtung Lagershausen. Der war zwar lang, aber aufgrund der wunderschönen Landschaft abwechslungsreich und lenkte mich gut ab.

In Imbshausen und Echte war ich bereits auf meiner ersten 100er Tour. Bald führte mich der Weg entlang der Leine mit welligen Straßen, schönen Brücken und überwiegend gutem Asphalt.

Ein minimaler Rückenwind sorgte für zügigen Vortrieb. Nur ein oder zwei Anstiege waren etwas knackiger, ansonsten führte der Weg stetig bergab. Schon ab Betheln (hinter Gronau) war das Schloss Marienburg zu sehen und der Weg nach Nordstemmen nicht mehr weit. Nach etwa 105 km war das Ziel erreicht. Der Anstieg zum Schloss war zum Glück nicht sehr lang und oben konnte ich mir das märchenhafte Schloss in Ruhe anschauen.

Doch was hat es mit diesem Schloss auf sich? Es war ein großer Liebesbeweis von König Georg von Hannover an seine Frau Königin Marie. Der neugotische Prachtbau (mit 130 Zimmern, Quelle) entstand zwischen 1858 und 1867, auf dem sagenumwobenen Marienberg, der angeblich von Zwergen bewohnt war. Genießen konnten die beiden ihr „Eldorado“ – wie sie es nannte – jedoch nicht. Georg erblindete noch vor Fertigstellung des Gebäudes und zunächst flüchtete er, ein Jahr später auch seine Frau mit den Kindern ins Exil nach Österreich (Quelle).

Derzeit streiten Ernst August Prinz von Hannover (Oberhaupt der Welfen und Urenkel Wilhelm des II.) und sein Sohn, der Investmentbanker Ernst August junior, um das Schloss. Der 68-jährige hatte seinem Sohn das Schloss vor einigen Jahren geschenkt und möchte diese Schenkung aufgrund „groben Undanks“ zurückziehen. Aufgrund der hohen Sanierungslast von 24 Millionen Euro hatte der Junior bereits 2019 versucht, das Schloss für einen Euro zu verkaufen. Der Einspruch des Vaters verhinderte dies allerdings (Quelle).

Ob Fan des Welfengeschlechts oder nicht, ein Besuch des Schlosses lohnt sich auf jeden Fall!

Nach einem Stück Apfelkuchen und einem Radler im Café Marie fuhr ich zurück. Nach der Pause moserten die Oberschenkel ein wenig, doch irgendwann wurde es besser. Nur das Tempo ließ sich nicht ganz so halten wie auf dem Hinweg.

Ab Gronau fuhr ich eine östlichere Route mit einem stetigen Anstieg bis Sibbesse und eine lustige Berg- und Talbahn, die allerdings auch Körner kostete. Auch die folgenden Anstiege, vor allem der bei Ellierode zeigten mir, dass mich die Kräfte langsam verließen. Plötzlich war zunächst der Feldweg nass, wenige Meter später auch ich. Bis Bad Gandersheim war der Schauer aber wieder vorbei und es ging es weiter über den Skulpturenradweg, der zum Glück ziemlich halbwegs flach ist. Der nächste kritische Punkt war die Überquerung des Harzhorns, an der ich einige Male stehen bleiben musste. Über Düderode ging es weiter über das Fissekental, welches ich schon einige Mal in Gegenrichtung durchquert hatte. Ab Willensen brachen die letzten 20 km an, die scheinbar kein Ende nehmen wollten. Jeder Hügel malträtierte die Oberschenkel und ich musste noch eine dringende Trinkpause einschieben.

Wieder einmal hat mir Strava einige km zu viel berechnet. Letztlich waren es heute wohl 193 km mit etwas über 1500 hm, für mich die längste Strecke, vor allem aber auch fordernder als die fast 200km an der Ostsee. Dies zeigt mir, dass ich meine Pläne für Himmelfahrt hoffentlich umsetzen kann. 🙂

Tour d´Energie 2022 – meine Renn-Premiere

Am 24.04.2022 war es soweit, es war der Tag meines ersten Rennens. Kai hatte mir dankenswerter Weise die Startunterlagen schon am Vortag abgeholt, sodass ich Rad, Helm und Rucksack bereits mit Startnummern versehen konnte. Am Morgen musste ich also nur mein Fahrrad und meine Siebensachen ins Auto legen und schon konnte es losgehen.

In Göttingen fand ich direkt einen Parkplatz und rollte zum Startbereich. Nachdem ich mir ein Dixie von innen angeschaut hatte, rollte ich nur wenige Meter am Leinekanal entlang und traf direkt auf Kai und Jörg Rausch. Ersterer war bereits aus Hattorf mit dem Rad angereist, letzterer wollte mit seinem Trekking-Rad die 45km-Runde unsicher machen. Wahnsinn!! Irgendwann gesellte sich auch noch Ralf Schäfer dazu, ein guter Zeitpunkt für ein erstes Gruppenfoto.

Anschließend ging es zum Startbereich, in dem ich meine Freundin Doris traf und auch noch einen Riegel abstaubte. 😉 Um 10.50 Uhr fiel der Startschuss und wenig später setzte sich auch unsere Gruppe in Bewegung. Kai startete in der Gruppe hinter mir und wollte mir bei dem Rennen Windschatten geben. Ich fuhr erst einmal alleine vor, da ich wusste, dass er mich irgendwann einholen würde. Es gab einen fliegenden Start, der das ganze Procedere etwas entspannte.

Schon nach wenigen Kilometern brauste das ganze Feld beinahe in zwei ungünstig stehende Supportfahrzeuge, vor denen leider etwas spät gewarnt wurde. Unzählige Fahrer hatten auch auf den nächsten Kilometern Pannen und standen am Rand und ich hoffte nur, pannen- und unfallfrei durchzukommen. Schließlich hatte auch Kai mich eingeholt und ich hängte mich in seinen Windschatten. Schon bald fing ich aber an zu keuchen und bat ihn, doch wirklich das Rennen auch als Rennen zu fahren und wollte mich einer Gruppe anschließen, um mein Tempo zu fahren. Mit der Resterkältung wollte ich nichts riskieren (bis dahin war das zumindest noch mein Vorsatz). Ich tingelte von Gruppe zu Gruppe. Von den einen fühlte ich mich ausgebremst, von anderen tempomäßig überfordert. So war ich immer wieder auch alleine unterwegs. Über den ersten Höhenzug ging es nach Hann Münden. Dort entledigte ich mich meiner Armlinge, die ich schon vorher heruntergeschoben hatte, da es doch etwas wärmer war als gedacht. Eigentlich hatte ich gehofft, von dort bis Hemeln etwas entspannen zu können, aber Wind und Wellen (also des Asphalts, nicht der Weser) machten auch den Weg bis Hemeln nicht unanstrengend. „Komm, an den da vorne hängen wir uns ran!“, sprach mich plötzlich ein netter Herr an und nahm mich spontan in den Windschatten. Solche Situationen hatte ich heute recht häufig, auch bei von hinten anrollenden Gruppen („Komm, häng dich rein!“) und war von so viel gutem Sozialverhalten (oder Gentlemen?) begeistert. In Hemeln ging laaange bergauf, fünf Kilometer mit einer immerhin nur mäßigen Steigung. Hier konnte ich laut schnaufend einige Fahrer hinter mir lassen, was mir – ich nehme an aufgrund der Geräuschkulisse – irritierte Blicke einbrachte. 🙂 Oben schnappte ich mir am Verpflegungsstand eine Cola und eine Apfelschorle, stürzte diese hinunter und weiter ging es, ebenfalls zunächst hinunter. Leicht wellig, eher aber bergauf ging es bis Dransfeld. Auf dem Weg ackerte ich wieder im Wind vor mich hin, als ich eine Fahrerin des TESA-Teams (Alex, wie sich später herausstellte) hinter mir rufen hörte „Vielleicht hättest du mal den Anstand, nach vorne zu fahren“. Sie meinet nicht mich, sondern den Herrn, der sich schon seit Längerem hinter mich geklemmt hatte. Schuldbewusst zog er auch an mir vorbei.

Mit dem sympathischen Team TESA

Mit Alex und ihrem Teamkollegen Herrn Virus zockelte ich anfangs den drei Kilometer langen Weg zum Hohen Hagen hoch, aber mich verließen dort die Kräfte ziemlich. Ich zockelte dort mit sagenhaften knappen 12km/h hoch und war ständig versucht, einfach abzusteigen. Das Publikum am Rand und natürlich auch die Fahrer hinter mir wussten dies aber zu verhindern. Oben angekommen nahm ich auch den nächsten Getränkestand in Anspruch und freute mich sehr auf die Abfahrt.

Wo schaut er denn hin?

Schon nach ein paar Metern war es mit der Freude aber vorbei. Krämpfe in den Waden und zeitgleich in den inneren Oberschenkelmuskeln hatte ich auch noch nicht. Bis Jühnde wurden sie richtig schlimm und erst ab Sieboldshausen wurde es etwas besser. Bis dahin hatte ich aber meine gerade erst gefundene tolle Gruppe längst ziehen lassen müssen. Ein Fahrer kam noch an mir vorbei und fragte mich, ob mit meinen Beinen alles ok wäre, er hätte auch solche Krämpfe gehabt. Wie gesagt, alle waren total nett und aufmerksam zu mir. Der Wind war weiterhin ziemlich gemein, außerdem setzte leichter Niesel ein und ich war wirklich froh, als wir endlich in Rosdorf einrollten. Ich hatte mich wieder einer Gruppe angeschlossen, die nun stetig das Tempo anzog. Da ich keine Ahnung hatte, wie viele Kilometer es noch genau bis zum Ziel waren, ein gewagtes Unterfangen. Trotzdem ging ich mit und schaffte es tatsächlich auch an der Gruppe dran zu bleiben. Für einen spektakulären finalen 100m Sprint standen jedoch keine Kraftreserven mehr zur Verfügung.

Lächeln trotz fieser Krämpfe

Im Ziel bemerkte ich, wie mir schlagartig kalt wurde. Also Armlinge wieder an und einen Riegel vertilgt. Ich schaute mich um, ob ich jemanden entdecken konnte, den ich kannte. Dies war nicht so, bis ich auf Kai traf. Der war schon auf dem Sprung nach Hause und zeigte mir noch, wo ich etwas zu Essen ergattern konnte. Das war auch nötig, wie mir meine mein Frieren und meine weißen Finger deutlich zeigten. Mit Nudeln und einem alkoholfreien Radler machte ich es mir an einem der Tische bequem und machte mich nach dem Festmahl zurück auf den Weg zum Auto. Den ursprünglichen Plan, vor Ort zu duschen hatte ich verworfen.

Erschöpft aber glücklich im Ziel.

Daher legte ich lediglich mein Rad und den halben Hausstand wieder ins Auto und begab mich auf den Heimweg. Dabei schaltete ich die Sitzheizung auf volle Power um wieder halbwegs auf Temperatur zu kommen. Eine weitere Premiere gab es zu Hause. Ich füllte mir tatsächlich die Badewanne im alten Bad. Normalerweise bin ich überhaupt kein Badewannenmensch und wasche ich dort nur mein Rad, aber heute war mir danach mich dort hineinzulegen. Die nächsten Tage werde ich es etwas ruhiger angehen lassen, um mich gänzlich auszukurieren.

Bei der Gesamtwertung der Damen bin ich mit 3:28:26h auf Platz 54 von 120 gelandet, in meiner Altersklasse auf dem 16. von 25 Plätzen.

Durchwachsene Renn-Vorbereitung und Nominierung zur Blogwahl bei fahrrad.de

Zu Beginn der Osterferien war ich unglaublich motiviert und wollte eine top Vorbereitung für die Tour d´Energie auf die Straße bringen. Erstens kommt es jedoch anders und zweitens als man denkt. Zwischen Omabesuch und Proben plante ich für Gründonnerstag eine Harztour, um mich an Höhenmeter zu gewöhnen. Frohen Mutes machte ich mich trotz durchwachsener Wettervorhersage auf den Weg. Schon vor der Tür wurde ich von leichtem Niesel begrüßt. Den ignorierte ich aber und fuhr los Richtung Osterode.

Ganz optimistisch ohne Regenklamotten..

Schon nach wenigen Kilometern war der juvenile Niesel zu einem adulten Regen angewachsen und bereits vor Osterode war ich völlig durchnässt und merkte das „Kwutschen“ in den Schuhen (das eklige Gefühl, wenn man Wasser in den Schuhen hat). Ich war schon versucht, einfach zu wenden, denn die Harztour wollte ich bei diesem Wetter auf gar keinen Fall in Angriff nehmen. Also fuhr ich weiter bis Badenhausen um dann eine relativ flache Runde über Dorste, Wulften und Gieboldehausen zu fahren. Ich fror erbärmlich und war froh, nach 67 km wieder zu Hause zu sein. Es dauerte einige Zeit, bis ich wieder halbwegs aufgetaut war.

Karsamstag hatte ich Zeit und das Wetter war bedeutend besser. Kühl und windig, aber sonnig. Mit meinem Kumpel David machte ich mich auf den Weg wieder Richtung Badenhausen. Bis dahin hatten wir entspannten Rückenwind. Nach Badenhausen änderte sich die Fahrtrichtung und damit leider auch der Wind bis Bad Grund kam er nun meist von schräg vorne. Bad Grund ließ schon einmal die Beine mit gemeinen 10% aufjaulen. Nach dem Anstieg luden wir uns aber kurz bei meinem Freund Bernd auf einen Kaffee ein (vielen Dank dafür und die kleine Verschnaufpause), bevor wir uns auf der Harzhochstraße (B242) wiederfanden.

Bernd, der spontane Barista
David auf den letzten Metern vor Clausthal.
Die Marktkirche in Clausthal, die größte Holzkirche Deutschlands

Diese führte uns hügelig, mit maximal 8% Steigung Richtung Clausthal. Dort verabschiedete sich David Richtung Osterode, der nun doch keine Lust mehr hatte, mir hinterherzustrampeln. Trotzdem hatte er sich bis dahin richtig gut geschlagen. Der Wind kam nur noch von vorne und das sollte sich für den weiteren Weg auf der Harzhochstraße auch nicht mehr ändern. Ich fuhr weiter auf der 242 Richtung Osten. Hier hatte ich eine freie Sicht auf verschiedene Seen und überhaupt rundum auf das Harzer Land, da auch dort, wie überall im Harz, Trockenheit, Borkenkäfer und Stürme dem Fichtenwald das Leben gekostet haben. Viele Fotos habe ich aufgrund des starken. Verkehrs allerdings nicht gemacht…

Die Idee war, über Riefensbeek wieder zurückzufahren. Am Abzweig interviewte ich kurz meine Beine und ganz überheblich behaupteten diese, noch topfit zu sein. Also glaubt ich ihnen dies und setzte meinen Weg durch den Harz fort, wohlwissend, dass der schlimmste Teil mir noch bevor stand. 10 km ging es nun fast nur bergauf, teilweise mit 11% Steigung. Meine Geschwindigkeit fiel rapide, aber ich versucht, die Atmung ruhig und die Trittfrequenz möglichst ökonomisch zu halten. Mit zwei kleinen Päuschen schaffte ich es tatsächlich bis Sonnenberg. Von da an kam noch ein letzter kleiner Anstieg auf dem Weg nach St. Andreasberg und ab dann konnte ich entspannt rollen, auch wenn ich stets den Unfall eines Bekannten denken musste, der irgendwo dort verunfallt sein musste, jedoch bis jetzt an den Unfall keine Erinnerung hat. Mit dieser Geschichte im Hinterkopf fährt man definitiv etwas vorsichtiger.

Die Harzhochstraße… die Ruhe täuscht..

Ich fuhr über Bad Lauterberg, und Scharzfeld und stand plötzlich nach rund 90 km in Pöhlde. Da wollte ich die 100 auch noch voll machen. Also fuhr ich bis nach Hattorf und über den Phillips zurück. Bis Hattorf hatte ich besten Rückenwind und nur marginal müde Beine. Am Phillips hatten selbige aber gar keine Lust mehr und ließen mich das deutlich spüren. Zu Hause angekommen war ich nach 107 km und über 1200 hm rappelalle, aber auch ziemlich stolz auf meine Leistung.

Für Montag hatte ich einen Socialride organisiert, bei dem einige Teilnehmer absagten und letztlich auch ich, da ich mir bei meiner Regentour doch eine ziemliche Erkältung eingefangen hatte. Auch den Rest der Woche werde ich jetzt die Füße still halten, um bis Sonntag zur tdE wieder halbwegs auf dem Damm zu sein.

Eine Bitte in eigener Sache. Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal bei der Blogwahl von fahrrad.de nominiert. Stimmt fleißig ab, wenn euch mein Blog gefällt.

Bis dahin. Ride on! Vielleicht sieht man sich am Sonntag in Göttingen?

Radtourenfahrt die Erste

Da demnächst mein erstes Radrennen ansteht, klang es nach einer guten Idee, als Vorbereitung an einer Radtourenfahrt teilzunehmen. In Gieboldehausen, also nicht weit von hier, wurde heute eine angeboten. Da das Rennen – die Tour d´Energie – über 100 km geht, lag es nahe, heute die Distanz mit 116 km in Angriff zu nehmen. So war zumindest die ursprüngliche Idee. Dann raffte mich allerdings in dieser Woche ein Infekt dahin (tägliche Tests alle negativ, aber bei DEN Halsschmerzen bin ich mir bis heute nicht sicher, ob das wirklich nur ein grippaler Infekt war…). Ab Mitte der Woche ging es mir langsam besser und ab Freitag schrumpften die Mandeln auch wieder halbwegs auf Normalgröße. Anstatt also die RTF (Radtourenfahrt) komplett abzusagen, entschied ich mich dazu, auf die nächst kürzere Distanz zu gehen, also 85 km. Welche postinfektiösen Hirnverquerungen mich allerdings dazu geritten haben, zu der Veranstaltung mit dem Rad zu fahren – fragt nicht…. Immerhin – auf dem Hinweg ging es ja bergab.

Mit etwa 17 oder 18 km auf dem Tacho (und einem Abstecher zur Rhumequelle, da ich zu früh oder zu schnell war) kam ich in Gieboldehausen an. Das Einchecken über einen QR-Code verlief super easy und man wurde von den VCE-Damen Dani und Jenny super nett begrüßt :). Überhaupt war die Veranstaltung klasse organisiert – vielen Dank dafür!

Die Sonne ließ noch auf sich warten und es war noch etwas frisch. Um 10 Uhr gingen die ersten Fahrer, darunter auch ich, an den Start.

Ich war ziemlich erschrocken, wie wenig Frauen unter den Teilnehmern waren, freute mich aber umso mehr, als ich meine Freundin Doris neben mir stehen sah. Die ersten Kilometer rollten wir sehr entspannt aber zügig, sodass man aufgrund des Windschattens fast mehr bremsen als treten musste.

Bild von Jenny Ohnesorge

Erst am Anstieg hinter Jützenbach trennte sich die Spreu vom Weizen, soll heißen: die Herren zogen gnadenlos an mir vorbei auf dem dem Weg zum Sonnenstein. Hinterm Sonnenstein kämpfte ich mich an einige Fahrer heran um gleich am nächsten Anstieg wieder gnadenlos stehen gelassen zu werden. Ich war von 500 hm ausgegangen, da das in der Ausschreibung so stand und freute mich, da diese nun erreicht waren. Pustekuchen. Die folgenden 380 hm waren wohl irgendwie unter den Tisch gefallen… Nach dem Sonnenstein wurden wir von den 120km-Fahrern getrennt. Plötzlich war ich ganz allein und wurschtelte mich so gut es ging durch die Gegend. Vor Worbis preschte ich den Berg im Unterlenker hinunter und spürte mal wieder meine linke Hand nicht mehr. Mit der roten Ampel hinter der Kurve und den Autos hatte ich nicht gerechnet und bekam meine tauben linken Finger auch nicht an den Bremshebel. Dafür tanzte mein Hinterrad laut jaulend und ich war erleichtert, dass ich ohne Sturz oder Crash mein Rad zum Stehen gebracht hatte Das war knapp. Ich war so neben der Spur, dass ich den anderen Fahrer an der Ampel auch völlig links, nein rechts, liegen ließ und machte, dass ich weiterkam. Puh war mir das peinlich. Irgendwann hatten er und ein anderer mich wieder eingeholt und wir fuhren einige km gemeinsam. Wieder schaffte ich es aber nicht, im Windschatten zu bleiben und riss ab. Ein paar Mal versuchte ich bei den Anstiegen aus dem Sattel zu gehen, was zu einem Aufschrei in der Muskulatur der Oberschenkel führte, weshalb mein Allerwertester ganz schnell wieder auf dem Sattel war. Den plötzlichen Hungerast nach für mich 70 stillte ich bei einer kleinen Pause mit einem Riegel. Kurz darauf war ich am Verpflegungspunkt, an dem ich die anderen beiden und weitere Fahrer traf. Motiviert hoffte ich nun, eine ausreichend große Gruppe gefunden haben, die mich im Windschatten mitnimmt. Das hätten sie sicherlich auch getan, wenn ich etwas schneller gewesen wäre. Als die Herren außer Sicht waren gab ich den Plan in einer Gruppe zu fahren endgültig auf und fuhr die letzten knapp 30 km alleine in meine Tempo. Zum Glück wurde es deutlich flacher, sodass ich nach 106 km schließlich ziemlich platt in Gieboldehausen ankam. Zwischenzeitlich war ich jedoch so erschöpft (inklusive Flimmern auf dem rechten Auge), dass ich die Ausschilderung vor Gieboldehausen übersah und von der vorgegebenen Strecke in Gieboldehausen etwas abwich. Ich hoffe, es wird mir verziehen.

Nun stürzte ich mich aufs Kuchenbuffett und das bereitgestellte Radler. Da der Kuchen so schnell weg war, hat es für ein Foto leider nicht mehr gereicht. Nach und nach trudelten auch die anderen ein. Ralf aus Göttingen, Doris und auch Kai, der die Langstrecke gefahren war. Die Sonne war schon auf den letzten Kilometern der Strecke aus ihrem Wolkenversteck herausgekommen und so genossen wir die Sonne, bevor es irgendwann auf den Heimweg ging, auf den ich so überhaupt gar keine Lust hatte.

Foto von Ralf Schäfer

Ihr erinnert euch, dass der Hinweg nur bergab ging? An der Topographie hatte sich auch bis zu meinem Rückweg leider nichts geändert. Noch einmal bündelte ich alle Kräfte für die letzten knapp 20 km und stoppte zu Hause den Rox bei 125 km und etwas über 1000hm.

Seien wir ehrlich. Dafür, dass zu Beginn der Woche noch nicht an Sport zu denken war, kann ich wirklich zufrieden sein. ein 29er Schnitt ist völlig in Ordnung. Allerdings weiß ich aber auch, dass ich für die TdE noch ein wenig trainieren sollte, wenn ich nicht wieder den anderen hinterherhecheln möchte.

Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an den VCE. Es war eine sehr gelungene Veranstaltung und ich hoffe, dass sich zukünftig vielleicht auch mehr Frauen trauen, daran teilzunehmen. Ach ja, ich entschuldige mich bei allen, die ich nicht gegrüßt habe aber kennen könnte. Mein Gesichtsgedächtnis ist miserabel (vor allem bei Teamkleidung). Wenn ich Personen nur von Strava oder facebook kenne, macht es das nicht leichter ;).

Tour de Zwift

Besser spät als nie wollte ich euch noch von meinen Erfahrungen bei der Tour de Zwift erzählen. Jeder Zwiftfahrer hat sicherlich schon davon gehört und die meisten haben vermutlich die Tour de Zwift schon einmal oder mehrfach abgeschlossen oder sind wenigstens einige der Etappe gefahren. Dieses Jahr wollte ich das auch einmal ausprobieren und stellte mich neben der zeitgleich laufenden Yoga-Challenge von Mady Morrison der Herausforderung.

Die Tour de Zwift findet jährlich im Januar auf der Online-Radplattform Zwift statt und jeder ist eingeladen, daran teilzunehmen. Auf die Teilnehmer wartet alle drei Tage eine neue Etappe. Mal flach, mal bergig, mal mit dem Mountainbike, aber immer mit vielen, vielen Teilnehmern. Die Etappen sind thematisch aufgebaut und es gibt jedes Mal drei unterschiedliche Streckenlängen, aus denen man frei wählen kann. Zusätzlich zu den drei Streckenlängen wird die jeweils mittlere Distanz auch als reines Frauenrennen angeboten. Innerhalb der Tour kann man jederzeit nach belieben die Distanzen wechseln oder verschiedene Distanzen einer Etappe fahren. Wichtig ist nur, dass man bei jeder Stage eine beliebige Distanz fährt,

Einige Menschen fahren die Tour sicherlich als ernsthaftes Rennen, mein Ziel war es, das TdZ-Kit zu bekommen (neue Klamotten gehen immer, und wenn sie nur für den Avatar sind) und einige neue Strecken zu fahren. Im Ranking der Rennen schaut man als Normalo ja sowieso dumm aus der Wäsche.

Stage 1 – Flat is fast

Kurz kann jeder, also legte ich am 10. Januar gleich mit dem Long Ride los und flog im Windschatten vieler anderer Teilnehmer mit 40 km/h über die knapp 50 km lange Runde. Das war kein Zuckerschlecken und sicherlich auch gleich eine meiner schnellsten Rennen. Zwei Tage später versuchte ich mich mit der Mitteldistanz, bei der allerdings das Knie etwas zwickte, da es bei der ersten Tour schon gut gefordert worden war.

Stage 2 – Mountain Madness

Am 15.01. wollte ich es mit der „Women Only“ Tour entspannter angehen. Natürlich klappt entspanntes Fahren im Eifer des Gefechts nicht und ich powerte wieder mehr als ich wollte. Da bei den Damenrennen die Teilnehmerzahlen deutlich geringer sind, war ich lange Zeit alleine unterwegs. Bei der Innsbruckrunde ist das nicht so dramatisch, da es anfangs überwiegend bergauf geht und der Windschatten nicht allzu viel bringt. Gegen Ende gruppierte ich mich mit zwei Mädels, mit denen ich bis ins Ziel einen top Schnitt drücken konnte. Durch ständiges Kreiseln haben wir alle davon profitiert. Wir warteten sogar einmal kurz, als eine der beiden aufgrund technischer Schwierigkeiten unfreiwillig „abstieg“. So einen coolen Zusammenhalt hatte ich bei den gemischten Rennen nie. So egoistisch sind wir Frauen scheinbar gar nicht.

Stage 3 – Round and round

Mitte des Monats war ich ich etwas angeschlagen, fuhr aber trotzdem bei der dritten Etappe den Long Ride. Die 40 km waren recht flach, sodass ich wieder nah an den 40er Schnitt kam. (Und nein, dieser Schnitt ist für mich outdoor nicht realistisch!)

Da zwei Tage später das Schwimmbad geschlossen hatte, fuhr ich auch bei dieser Etappe den Short Ride mit 12,45 km. Das ist definitiv keine Distanz, für die ich sonst aufs Rad steige. Das ist nicht arrogant gemeint. Es steckt eher die Unverhältnismäßigkeit zwischen Aufwand und Fahrtzeit dahinter. Und ich merke auch, das meine Sprintfähigkeiten ausbaufähig sind…

Stage 4 – Let’s get dirty

Am 22. Januar fuhr ich alle Distanzen hintereinander weg. Ursprünglich war die Idee, bei der ersten, langen Etappe Gas zu geben, die Mitteldistanz locker anzugehen und die Kurzdistanz wieder schnell zu fahren. Bei der letzten Runde war die Luft allerdings raus, da es auch viel mit dem Mountainbike über Schotter und durch Sand ging. Und so fuhr ich auch bei der Sprintdistanz eher hinterher.

Stage 5 – Urban delight

Zum Ausgleich fuhr ich bei der fünften Etappe lediglich die Damentour. Natürlich ließ ich mich geschwindigkeitsmäßig wieder viel zu sehr triggern. Denn schließlich möchte man von einer Gruppe nicht abreißen, da heißt es Zähne zusammenbeißen…

Stage 6 – Go long

Ab dieser Stage wurde es für mich anstrengend, da der Körper langsam genug vom Fahren am Limit hatte. Trotzdem versuchte ich mich wieder am Longride, der durch London führte und einmal den Fox Hill und den Box Hill hinaufführte. Ich kämpfte ordentlich und konnte am Berg auch einige wenige Fahrer hinter mir lassen.

Stage 7 – Escalator

So entspannt wie möglich fuhr ich den Frauen-Tour über die Makuri Islands, war hier aber auch oft wieder alleine unterwegs, da die Teilnehmerzahlen eher niedrig waren.

Stage 8 – Big City Champs

Das Finale der Tour nahm ich nur in der Mitteldistanz in Angriff. Am 04.02. fuhr ich 23 km durch das futuristische New York inklusive der gefürchteten Glasbrücken mit durchschnittlich 6,4% Steigung auf 1,3 km.

Und ganz ehrlich – ich war ganz froh, dass die TdZ nach 342,94 km vorbei war. Jetzt, Ende Februar, habe ich immerhin über 400 Radkilometer und über 14 Schwimmkilometer hinter mir, zudem viele, viele Yogaeinheiten.

Zwar war ich stolz, alle Etappen ganz ordentlich abgeschlossen zu haben, andererseits ist es für wenig rennerfahrene Radler langfristig eine ganz schöne Belastung, wenn man es nicht schafft, wirklich entspannt zu fahren. Die gefahrenen Geschwindigkeiten sind durch die vielen Teilnehmer viel höher als in der Realität, wobei man auch Outdoor in der Gruppe ganz andere Geschwindigkeiten fahren kann, als allein, aber meinem Gefühl nach ist der Windschatten digital doch etwas effizienter als im echten Leben.

Ganz mutig, hoffentlich nicht übermütig, habe ich mich in diesem Jahr zu meinen ersten echten Rennen angemeldet, unter anderem der Tour d’Energie in Göttingen am 24.04.22. Die ist schon ganz schön bald und ich fühle mich miserabel vorbereitet. Bei meiner ersten längeren Draußentour habe ich letztens ziemlich gelitten. Und die 105 km hatten nur halb so viele hm wie die TdE. Immerhin ist diese erst im April und ich werde hoffentlich vorher noch die ein oder andere längere Tour fahren und meine Beine wieder an echte Höhenmeter gewöhnen. Interessiert, aber noch nicht ganz entschlossen, bin ich auch an RFT Quer durchs Eichsfeld. Mit 116 km und 1000 hm wäre das sicherlich eine gute, aber auch sehr fordernde Vorbereitung. Mal schauen, ob ich mich das traue. Ist dort schon jemand mitgefahren?

Bild

Jahresrückblick 2021

Ein Jahr ohne Superlative aber mit vielen Kilometern und kleinen Highlights.

Beim Durchscrollen meiner Aktivitäten bei Strava stelle ich fest, dass das Jahr nicht außerordentlich spektakulär war, ich aber doch eine Menge erlebt habe. Im Januar ging es los mit viel Schnee und entsprechend wenig Radkilometern. Trotzdem war ich durch die 30-Tage Yoga Challenge von Mady Morrison und tolle Winterwanderungen in Bewegung.

Nach vier Radtouren bis Mitte Januar kam mein neues Spielzeug, das Kickrbike von Wahoo. Ich tourte ein wenig mit kinomaps, wo man per Videoaufzeichnung echte Touren nachfahren kann, bevor ich bald bei Zwift heimisch wurde. Da meine Schüler im Homeschooling waren, blieb etwas mehr Zeit für Sport. Das rächte sich auch ziemlich bald, da ich ja gelegentlich dazu neige etwas zu übertreiben. Und so hatte ich mich mit Wanderungen, Indoor-Radtouren und Yoga irgendwann mal wieder etwas überlastet. Ab Februar ging ich das Thema Sport wieder etwas ruhiger an und schaffte es so, meine Wattwerte zu verbessern. Cool waren die wenigen Meter mit André Greipel, der eines Tages an mir vorbeistrampelte. Ich bezweifle jedoch, dass er mich wahrgenommen hat.

Auch André Greipel kann mal mit nur 2.1 w/kg fahren…

Im Februar legte sich der Winter nochmal richtig ins Zeug, sodass ich ein paar Mal mit Langlaufskiern über die Felder rutschte und exzessiv meine Adduktoren trainierte. Da ich sonst nur Loipe gewohnt bin (in der ich mich auch eher schlecht als recht schlage), ist das Fahren in Treckerspuren und quer durch die Botanik ein ziemliches Abenteuer für mich.

Der März bestand aus einigen Meetups bei Zwift und dem Auffrischen der Freundschaft zu meiner Schulfreundin Anna, mit der ich zunächst auch nur bei Zwift fuhr. Auch meinen ersten Indoor-Hunderter bin ich im März gefahren. Da flach ja langweilig ist auch gleich mit 1200 hm (zweimal den Epic KOM hoch). Danach ging es mir nicht so richtig gut, da meine Getränkemenge etwas knapp bemessen gewesen war. Ende des Monats wurde das Wetter etwas besser, sodass ich mich gelegentlich auch mit dem Rad vor die Tür wagte. Ich konnte gleich feststellen, dass das Fahren nach Trainingsplan zu Erfolgen führte.

Anfang April hatte ich meinen FTP auf 180 W gearbeitet und konnte auch draußen nun vermehrt Krönchen bei Strava einfahren. Ab April beendete ich das Zwift-Abo und war wieder nur noch Outdoor unterwegs. Zu Ostern fuhr ich mit Kai eine längere Tour (knapp 110 km) Richtung Seesen und Bad Gandersheim auf zum großen Teil neuen Wegen. Eine schöne Abwechslung zu den doch ansonsten etwas ausgefahrenen Standard-Trainingswegen.

Bad Gandersheimer Dom

Das Frühjahr war windig und trug definitiv der Charakterformung bei, da der Wind meist von vorne kam. Im Mai wagten wir uns trotzdem auf eine längere Tour (150 km) zum Hohen Hagen, zwischen Göttingen und Hann. Münden. Der vielbesagte Berg war nach einigen Kilometern in den Beinen zwar anstrengend, aber bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet. Auch bei dieser Tour genossen wir wiederum einige neue Streckenabschnitte, durch die das Fahren wieder sehr an Reiz gewinnt. Eine sehr schöne Graveltour führte uns in den Harz. Allerdings fast ohne fiese Anstiege, sondern relativ flach über geschotterte Radwege auf ehemaligen Bahntrassen. Auf diese Weise kommt man überraschend entspannt nach Braunlage. Die Tour war klasse, wenngleich ich gleich zweimal… stürzte…. na ja, umkippte. Die falschen bzw. andere Cleats können ziemlich gemein sein….

Am Hohen Hagen

Das Wetter im Mai war unbeständig. Mal schaffte man es zwischen Hagel, Regen und Gewitter aufs Rad, mal war man gerade unterwegs, wenn es losging. Immerhin zeigte sich an den letzten Tagen des Monats noch einmal die Sonne, sodass eine lange, fordernde Tour nach Nordhausen (126 km) mit vielen Gravelanteilen und Pisten mit bis zu 8% möglich war. Auch diese Tour war klasse, da extrem abwechslungsreich bezüglich des Untergrunds und der Umgebung.

Schotterig nach Nordhausen

Der Juni ging regnerisch und kühl los, bevor er schlagartig für einige Tage extrem heiß wurde. Die Zeit nutzte ich für einige Runden im Jues, was – nach langer Schwimmabstinenz – wieder sehr gut tat. Ab Juli wurden die Touren endlich etwas spannender. Ein Jahreshighlight war auf jeden Fall meine erste Fahrt auf den Brocken. 133,33 km mit 1.641 hm. Mit einer netten Gruppe Göttinger Radler ging es auf den höchsten Berg des Harzes, vor dem ich einen ziemlichen Respekt hatte und immer noch habe. Die Tour hatte es auch wirklich in sich, bis kurz vor dem Ende lief es aber recht gut. Nur die letzten Meter auf der Brockenstraße überforderten mich etwas. So oder so bin ich aber – wenngleich ich auch ein bisschen schieben musste und meine Lunge lauter pfiff als die Brockenbahn – oben angekommen. Und was soll ich sagen? Auch ein halbes Jahr danach bin ich noch stolz wie Oskar, dass ich das geschafft habe.

Am Brockenstein

Wenige Tage später war ich mit Freundinnen unterwegs und genoss die Girls-Rides in der Umgebung sehr, da ich ja sonst eher das Radeln mit Männern gewohnt bin. Eine der Damen war meine bereits erwähnte Schulfreundin Anna. Im August fand ein Gegenbesuch in Frankfurt statt und wir machten den Vulkanradweg unsicher. 170 km Mädelspower – definitiv ein weiteres Rad-Highlight diesen Jahres, während dem Anna sich und mich sicherlich ein paar Mal verflucht hat, da sie noch nicht ganz so viele Rad-Kilometer in den Beinen hatte und sie die Distanz etwas unterschätzt hatte. Das Fazit ist aber, dass wir auch diese langen Touren stemmen können.

Mit Anna auf dem Weg zum Vulkanradweg

Nicht ganz so lang war die erste Etappe unseres einzigen Overnighters dieses Jahr. Nach 140 km, unter anderem über den mit zahlreichen Tunneln bestückten Kanonenbahnradweg, war ich allerdings schon ganz schön platt und eine schlaflose Nacht in einer Schutzhütte im Wald und Dauerregen am nächsten Tag führten dazu, dass wir die Tour auf mein Bitten bereits nach 50 km abbrachen. Ob das ein Schwächeeingeständnis ist? Nein, ich denke nicht. Ich habe dieses Jahr in der Tat drei Touren abgebrochen und bereue es bei keiner davon. Manchmal möchte der Körper einfach nicht so mitspielen und ich fahre Rad, weil es mir Spaß macht. Natürlich habe ich auch eine Menge Ehrgeiz, aber das Abbrechen einer Tour ist für mich kein Tabu.

Nach der Tour ging es weiter nach Hamburg und Kühlungsborn, wo wir auch abwechslungsreiche und spannende Touren fuhren. Leider meinte es das Wetter – vor allem an der Ostsee – wieder nicht so richtig gut mit uns.

Im Hamburger Elbtunnel
Am Leuchtturm in Warnemünde

Bereits im September entstaubte ich mein Kickrbike. Ich war gefragt worden, ob ich eine Rennserie bei Zwift mitfahren möchte. Zunächst war ich sehr motiviert, musste aber feststellen, dass Team-Rennen (Zwift Racing League – WTRL) keine Freude machen, wenn man in der falschen Leistungsklasse fährt und man immer nur hinterher fährt. Das wurde mir zwar nicht vorgeworfen – ganz im Gegenteil, mein Team hat sich sehr bemüht, mich zu motivieren – aber ich habe die letzten Rennen gerne den starken Mädels überlassen, sodass sie eine Chance auf eine bessere Platzierung hatten. Stattdessen bin ich lieber mit meiner neuen Rennradbereifung draußen herumgedüst und durfte feststellen, dass eine schmalere Bereifung mich etwa 2 km/h schneller macht.

Das kam mir sicherlich auch im Oktober zugute, als ich mit einer Männertruppe zum Kyffhäuser gefahren bin. Knappe 150 km war die Gesamtstrecke lang und hatte zum Glück nur etwas über 1000 hm. Bis kurz vor dem Kyffhäuser ging es gaaanz seicht bergab, sodass der Hinweg gar keine Probleme bereitete. Zurück kämpfte einer der Herren mit sich und der Gesamtsituation, was es für mich auch schwierig machte, da wir sehr rücksichtsvoll fahren mussten. Entsprechend des Hinwegs ging es auf dem Rückweg stetig gaaanz leicht bergauf. Immerhin durfte ich als Pacemaker ran und die Herrenrunde anführen. Das war auch mal eine ganz spannende Erfahrung.

Am Kyffhäuserdenkmal

Nach privaten Veränderungen im September flog ich im Oktober nach Mallorca. Ein richtig toller Urlaub mit viel Sonne, kühlem Wind und Bewegung an Land und im Wasser. Das war meine erste Auslandsraderfahrung und sie hat mich ziemlich begeistert (gerade habe ich nach einem Synonym für „geflashed“ gesucht und vorgeschlagen wurde unter anderem „enthusiasmieren“. Das muss ich unbedingt einmal irgendwann benutzen…). Das Fahren mit dem Mietrad hat gut geklappt und durch akribische Vorplanung mit komoot waren auch meine Touren klasse. Noch schöner wäre es sicherlich in Begleitung gewesen, da es auch auf der Baleareninsel ganz schön windig war.

Am Cap Formentor

Jetzt neigt sich das Jahr dem Ende zu. Insgesamt waren es sehr aktive Monate mit 7.500 Rad-und 22,5 Schwimmkilometern (hätten die Schwimmbäder nicht so lange zu gehabt, wäre es vermutlich mehr gewesen). Damit bin ich mehr als zufrieden. Nur zu Erinnerung, letztes Jahr waren es gerade einmal 4.500 km auf dem Rad. Ich schaue nun neugierig auf das nächste Jahr. Da werde ich – so sie denn stattfindet – bei der Cyclassics in Hamburg dabei sein. Außerdem möchte ich weitere Gegenden mit dem Rad erkunden. Wenn es gut läuft, rolle ich auch mal ein paar Kilometer durch die Toscana, aber das wird final wohl dieses nervige Virus entscheiden. Außerdem möchte ich unbedingt die 200 km knacken und vielleicht spontan noch an der ein oder anderen Veranstaltung teilnehmen. Das sind die Pläne für nächstes Jahr. Mal sehen, was sich davon umsetzen lässt.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und einen schönen Start ins neue Jahr. Bleibt gesund!