„Wer all seine Ziele erreicht hat, hat sie sich als zu niedrig ausgewählt.“ (Herbert von Karajan)

Vor einigen Tagen hatte ich mir vorgenommen hügelig über Umwege Kai von der Arbeit abzuholen. Da Berge immer wieder mein Endgegner sind, die aber bezwungen werden müssen, rollte ich entspannt los. Schon auf dem ersten Kilometer überholte ich freundlich grüßend einen anderen Rennradfahrer und ging davon aus, dass sich unsere Wege gleich trennen würden. Ha haaa, falsch gedacht. Die ganze sanfte Steigung bis nach Sieber hatte ich ihn hinter mir. Immer mit einem gebührendem Abstand von etwa 50m, aber stets hatte ich den sprichwörtlichen Atem im Nacken. Schon auf diesem Teil merkte ich, dass ich für meine Verhältnisse eigentlich viel zu schnell unterwegs war. Zwei Stimmen meldeten sich ständig im Wechsel.

Engelchen auf der rechten Schulter: „Lass ihn doch überholen. Er fährt doch schon viel länger als du.“ Teufelchen links: „Aber du hast ihn gerade überholt! Wie sieht denn das aus, wenn du jetzt schlappmachst?“ Engelchen: „Du weißt schon, dass du schon die ganze Zeit zu schnell unterwegs bist und der eigentliche Berg gleich noch kommt.“ „Das. Ist. Egal. Du. Schaffst. Das…. Irgendwie.“ „Komm, mach eine kurze Pause, lass ihn überholen und alles ist gut. Hast du seine trainierten Oberschenkel gesehen?“

So ging es eine ganze Weile und da war er schon, der von mir gefürchtete Sieberberg. Aufgaben oder anhalten und überholen lassen war keine Option mehr und so bin ich notgedrungen die 2,3 km 6%ige Steigung hochgehechelt. Zum Schluss war mein Kopf so heiß, dass ich dachte mein Helm würde schmelzen. AAABER ich habe es geschafft und habe durchgezogen. Auf der Kuppe wartete ich auf meinen Verfolger, der tatsächlich ein wenig länger brauchte als ich. Bald kam er aber um die Ecke, wir zollten uns gegenseitig unseren Respekt und er fuhr Richtung Silberhütte den Berg wieder hinunter. Ich rollte hinterher und eigentlich hätte es entspannt werden können. Aber schwupps, da saß wieder das Teufelchen: „Schau mal, da vorne ist er. Vielleicht kriegst du ihn ja noch.“ und schon war ich wieder im Ehrgeizmodus. Bis nach Lauterberg blieb unser Abstand konstant und ich hatte keine Chance auch nur auf eine kleine Annäherung. In Lauterberg war ich schon über 25 km in einem Tempo unterwegs, welches sich deutlich von meinem Wohlfühltempo unterschied. Leider wählte der Herr vor mir ebenfalls die Route über Barbis und Scharzfeld, sodass sich erst hinter Scharzfeld sich unsere Wege trennten und ich wieder entspannen konnte. So fuhr ich die Straße nach Pöhlde und Rhumspringe um kurz vor 18 Uhr in Gieboldehausen anzukommen und dann fix und fertig die letzten 23 km mit Kai nach Hause fuhr. Diese 75 km waren deutlich schlimmer als die 100, die ich kürzlich gefahren bin. Leider kann ich meinen Ehrgeiz nicht abstellen. Gefährlich wird es bei mir nur, wenn meine Erwartungen an mich mal wieder höher sind als das, was ich erreichen kann. Das führt leider immer wieder zu großem Frust und Unzufriedenheit. Gerne wäre ich entspannter und würde mich gerne nur auf mich konzentrieren, aber die Ansprüche an mich sind oft höher als es für mich gut ist.

Trotzdem bin ich auch nach so einer Aktion stolz. Vor allem, da ich einige Bestzeiten gefahren bin. Manchmal brauche ich meinen Ehrgeiz um zu sehen, was wirklich möglich ist. Plötzlich schaffe ich den Berg, auch wenn es weh tut und fahre bessere Geschwindigkeiten. Natürlich werde ich auch wieder langsame Runden fahren, also im niedrigeren HF-Bereich trainieren, aber hin und wieder tut es meinem Ego ganz gut alles zu geben. Trainingseffizienz hin oder her.

Mein erster „echter“ Hunderter

Letztes Jahr durfte ich bei der Cycle Tour mitfahren. das waren meine ersten 100 km am Stück. Aber natürlich in der Gruppe. Das macht eine Menge aus, so dass ich das Ganze natürlich mit ganz viel Windschatten und Adrenalin gewuppt habe.

Seitdem dümpele ich wieder bei 50 – 80 km herum. Letztens sind Kai und sein Zwillingsbruder Sven eine längere Runde von etwa 120 km gefahren und ich war echt neidisch und auch ein bisschen angefixt. Also habe ich ihre Runde bei Komoot eingegeben und auf der Uhr gespeichert. 120 km waren für mich zu viel, weshalb ich mir auch mögliche Abkürzungen angeschaut hatte.

Gegen 10 Uhr nahm ich Platz im Sattel und rollte Richtung Osterode. Bei mir ist die Fitness der Oberschenkel immer Glückssache, aber es fühlte sich recht gut an. Also ging es direkt weiter nach Badenhausen. Dort entschied ich mich für eine Streckenabweichung. Während die Jungs bis kurz vor Seesen gefahren waren, kürzte ich über Willensen und Willershausen ab und nahm aber noch ein paar Höhenmeter mit. Weiter ging es über Echte nach Imbshausen.

Eine echte Diva

Imbshausen hatte ich bis dahin noch nie gehört. Es beherbergt aber ein Schloss aus dem 19. Jahrhundert, welches im Neugotischen Stil erbaut wurde. Es gehört dem Adelsgeschlecht von Strahlenheim und hat alles, was ein Schlösschen braucht. Einen Schlossgarten (13.000m³) und Wassergraben und zudem ist es eines der größten neugotischen Gebäude Niedersachsens. Da es im Privatbesitz ist, nur ein Foto aus der Ferne.

Schloss Imbshausen

Über die Deutsche Alleenstraße ging es weiter Richtung Northeim. Die Alleenstraße ist wunderschön, gerade jetzt im Frühling, aber so stark befahren, dass ich keine Fotos machen wollte.

Mein nächster Foto-Stop war nur einige Kilometer weiter, in Wiebrechtshausen. Dort befindet sich neben zahlreichen Schafen auch eine recht große Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert. Ein Zisterzienserinnenkloster, deren zuerst genannte Äbtissin Hedwig von Gandersheim war. Das Kloster gehört seit der Reformation 1542 zur Klosterkammer Hannover. Von der ehemals umfangreichen Klosteranlage sind nur noch die Kirche und ein Teil der Klausuranlage vorhanden. Jetzt nutzt sie ein großes Saatgutunternehmen.

Klosterkirche

Über einen schönen Radweg ging es weiter bis nach Northeim. Ich kämpfte mich zügig über die Radwege und Ampeln quer durch die Innenstadt und legte erst an der B3 Richtung Göttingen meinen ersten Futterstop ein.

Gestärkt rollte ich weiter nach Nörten-Hardenberg. Bis dahin ging alles wie geschmiert. Doch dann nahm das Elend seinen Lauf. Bei 40 km gingen mir noch Gedanken durch den Kopf wie „Toll, die 40 km liefen ja wie geschmiert!“, aber ab Kilometer 45 wurde mir so langsam klar, dass ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft hatte. Und dann kamen noch die Höhenmeter. Durch das Rodetal ging es zunächst mit einer sanften aber stetigen Steigung durch den Nörtener Wald. Da schnaufte ich mir schon einen Wolf. Danach erwarteten mich bis Bodensee einige zähe Steigungen, durch die ich mich recht erfolgreich durchbiss und nur zwei kurze Trink- und Gelpausen einlegte um meine Schnappatmung wieder in den Griff zu bekommen. Nach Bodensee fühlte ich mich schon in heimischen Gefilden. Allerdings fehlten mir noch 30 km. Und Komoot hatte sich überlegt, dass es wirklich den kürzesten Weg nimmt und mich über Höherberg schickte, ein kleiner Wallfahrtsort, der – oh wie überraschend – auf einem Berg liegt… Der Weg dort hinauf hat immerhin knackige 5,9% Steigung.

Wallfahrtsort Höherberg (Archivfoto von Kai)

Über Gieboldehausen, Wollershausen und Rhumspringe (Brötchenpause Nr. 2) ging es nach Scharzfeld und von dort aus nach Herzberg zurück.

Pause an der Hahle

10 km vor meinem Ziel schaute ich auf meine Uhr und stellte fest, dass ich 3.40 h unterwegs war. Schnell rechnete ich, dass ich, wenn ich Gas gebe, es VIELLEICHT, aber auch nur vielleicht unter 4h schaffen könnte. Dummerweise hatte ich noch einige Wellen und Anstiege vor mir. Ich trat also in die Pedale, was nach 90 km ganz schön weh tat und legte nach 3.55 h noch eine Pause ein. Zwei km vor dem Ziel. Diese gingen bergauf und ich musste noch einmal Kräfte sammeln. So konnte ich aber die 100 km in 3.59.40 schaffen (jaa, geschummelt, aber gut fürs Ego). Mit 100,45 km in 4:01:25h kam ich müde aber stolz zu Hause an.

Mein erster 100er, den ich ohne Windschatten gefahren bin. Und mein zweiter überhaupt. Gezweifelt habe ich zwischendurch jede Menge, aber es hat funktioniert :).

Keine Macht dem Riegel

Selbstgemachte Energy-Balls oder Energie-Kugeln

Lange habe ich nichts von mir hören lassen. Ich wollte mich auch zu keinem Artikel à la „Radfahren trotz Corona“ hinreißen lassen, da ich das Thema so ernst es auch ist – langsam nicht mehr hören und lesen kann.

Während einer meiner letzten Radtouren habe ich meine letzten Energie- bzw. Proteinriegel aufgebraucht. Diese hatte ich gewonnen und lange von davon gezehrt. Nun waren sie aber aufgegessen und neue Riegel für lange Radfahrten sollten wieder gekauft werden. Proteinriegel während der Fahrt sind für mich nicht so sinnvoll, da ich eher die Energie brauche. Also orientierte sich meine Suche eher in die Richtung Energieriegel und ich las diverse Tests und stellte fest, dass alle diese Riegel – oh Wunder – Kalorienbomben sind teilweise schwer im Magen liegen, Magenkrämpfe machen, zu groß oder zäh sind oder einfach nicht so doll schmecken. Viel schlimmer ist aber, dass man bei Energieriegeln im Schnitt 1€ pro Riegel bezahlt. Das läppert sich ganz schön, wenn man häufiger unterwegs ist. Schon vor längerer Zeit hatte ich etwas von Energy Balls oder zu deutsch Energie Kugeln gehört, mich aber noch nicht näher damit beschäftigt. Ich gebe zu, manchmal bin ich ein Geizknochen. Daher recherchierte ich weiter und fand viele Rezepte zu den Kugeln. Eins wurde auch sofort ausprobiert gefunden habe ich es unter https://www.minamade.com/3-gesunde-rezepte-energy-balls-energieriegel-selber-machen/. Die sind wirklich schnell gemacht und super lecker.

Pecan Pie

  • 140 g Datteln, zuvor in Wasser eingeweicht
  • 65 g Pekannüsse
  • 65 g Mandeln
  • 1/2-1 TL Zimt
  • 1 Prise Salz (optional)

Die Zutaten werden einfach im Mixer geschreddert und zu Kugeln geformt. Ich habe eine großzügige Prise Salz genommen, da ich einen ungeheuren Salzbedarf beim Sportbedarf habe.

Pecan Pie

Heute habe ich Kugeln mit getrockneten Aprikosen, Haselnüssen und Pekannüssen, sowie Kakaopulver gemacht. Geschmacklich sind die nicht ganz so überzeugend, da etwas langweilig. Aber ich werde fleißig weiter probieren. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Alle Nüsse oder Mandeln und getrockneten Früchte (mit Restfeuchte) sind möglich. Außerdem kann man sie verfeinern mit Gewürzen, Kokosraspeln, Kakaonibs oder – pulver und so weiter.

Aprikose-Haselnuss

Alle Nüsse und Mandeln sättigen recht gut durch die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die auch prima für das Herz-Kreislauf-System sind.

Mandeln liefern zudem Mineralstoffe wie Magnesium, Calcium und Kupfer sowie große Mengen der Vitamine B und E.

Haselnüsse sind reich an B-Vitaminen (B1, B2, B3, B6, B9), Kalzium, Kalium, Magnesium und Spurenelementen wie Zink und Kupfer.

Walnüsse liefern das Vitamin B6 und Zink.

Pekannüsse warten mit den Mineralstoffe Magnesium, Eisen, Kalium, Phosphor und Kalzium auf und sind reich an Proteinen, B-Vitaminen und Vitamin A. Zudem enthalten sie Selen.

Die Trockenfrüchte liefern die schnell verfügbare Energie, da sie viel Zucker enthalten. Dieser lässt den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen, sodass man nicht in das klassische Traubenzucker-Loch fällt. Außerdem liefern die Früchte auch weitere Nährstoffe, die unterstützen. In getrockneten Aprikosen steckt zum Beispiel viel Eisen, in Feigen Kalzium. Datteln liefern Eisen und jede Menge Kalium, und auch Magnesium und Kalzium sowie die Aminosäure Tryptophan. Da Vitamin C sehr empfindlich ist, wird dieses allerdings beim Trocknen zum Großteil zerstört.

Auch Kokosflocken, Cranberrys und Rohkakao enthalten wichtige Nährstoffe. Ich freue mich schon auf die nächsten Mixer-Experimente und werde euch berichten und meine Lieblingsrezepte vorstellen!

Mein bisheriges Fazit ist, dass ich in nächster Zeit sicherlich keine Riegel mehr kaufen werde. Die Kugeln haben ein tolles handliches Format („klein und rund, mit einem Haps sind sie im Mund“) und ich habe sie in einer kleinen Kunststoffbox dabei. Neben einigem an Geld spare ich also auch noch eine Menge Kunststoffmüll.

Keep on rollin‘!

Riegel vs. Energie-Kugeln

Bike EXPO Kassel

Es ist schon eine Weile her, aber bisher fehlten mir Zeit und Ruhe um zu schreiben. Am 26. Januar fand die Bike EXPO in Kassel statt. Eine kleine Messe mit Händlern aus der Region, die sich im Kongress Palais neuste Produkte präsentierten. Also packte ich die bärtigen Twins ein und fuhr mit ihnen nach Nordhessen.

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Schon im Eingangsbereich gab es einige Raritäten zu sehen, Oldtimer der Fahrradkultur und liebevolle Eigenbauten. Da die Messe noch nicht geöffnet hatte, durften die beiden sogar auf einem der Ausstellungsstücke probesitzen. Zum Verkauf stand das Schmuckstück von „Fulle Ridaz“ allerdings nicht.

Um 11 Uhr öffneten die Pforten und wir schlenderten durch die Ausstellung, die auf zwei Etagen und einem kleinen Außenbereich verteilt war.

Unseren ersten Stop legten wir bei einer Zwift-Station ein. Für alle nicht Eingeweihten: Zwift ist eine Fahrsimulation mit verschiedensten Strecken für das heimische Wohnzimmer. Hierbei wird das Rad auf einen smarten Rollentrainer gespannt, der wiederum mit der App gekoppelt wird. Und schon fährt man virtuell durch New York, die Alpen oder Phantasielandschaften. Der Widerstand der Rolle wird automatisch an die Steigung angepasst, sodass sich ein nahezu realistisches Fahrgefühl einstellt. Hier durfte man auf den Wahoo KICKR Trainer probefahren, der auch das CLIMB Element verbaut hat. Dieses ändert, je nach Steigung, auch die Neigung des Rades. Leider gab es technische Schwierigkeiten, weshalb unser Versuchskaninchen Sven diese Spielerei nicht testen konnte. Denn in meinen Augen ist es das irgendwie. Die Anpassung des Widerstands im Rahmen einer visuell abwechslungsreichen Tour ist eine tolle Sache, die das Indoortraining sicherlich viel erträglicher macht, aber eine Neigungsverstellung bräuchte ich persönlich nicht wirklich. Aber was weiß ich schon – ich bin ja noch nie Indoor gefahren ;).

Nachdem sich Sven ausgetobt hatte spazierten wir weiter entlang von Sätteln, E-Bikes, Lastenrädern und Taschen, einem Stand von SKS und vielen regionalen Anbietern von Radreisen, geführten Radwanderungen oder Initiativen für eine bessere Rad-Infrastruktur. Bei den Radreisen nahm ich mir einige Flyer und Karten mit. Nordhessen ist ein nahes Ziel, was sich sicherlich lohnt, per Rad erkundet zu werden.

Kurz vor dem Außengelände fiel unser Blick auf ein goldfarbenes Rennrad von S-Works. Beim genaueren Hinsehen fiel aber auf, das die Struktur untypisch war für eine Lackierung. Auch die Präsentation des Rades war außergewöhnlich, sodass relativ schnell klar war, dass dieses Rad tatsächlich vergoldet war. Mauer´s baikschopp hatte von jemandem in Dubai (wo auch sonst) den Auftrag für diese Sonderanfertigung bekommen. Gewichtsoptimierung sieht anders aus, aber in den Emiraten muss man zeigen, was man hat.

Oben durfte Sven noch einmal mit MTB und anschließend dem Rennrad die freie Rolle testen. Eine wackelige Angelegenheit. Ich hätte mich vor so vielen Menschen da nicht drauf getraut. Sven hat sich aber ziemlich gut geschlagen.

Spektakulär war hier ein Exponat von Fahrwerk Seifert, das BEEST. Wer „Wild Wild West“ mit Will Smith gesehen hat, dem kommt das Gefährt entfernt bekannt vor.

Schockverliebt habe ich mich auch noch. Es gab schon zwei sehr schöne Räder von Trek, bei denen mir die Farben gut gefielen, aber im Vergleich zum Colnago waren die eher „nett“. Aber schaut selbst:

Nach einem Bummel über das Außengelände und einer Tasse Kaffee machten wir uns wieder auf den Heimweg. Die Bike EXPO Kassel ist eine schnuckelige regionale Messe, bei der sich das Vorbeischauen alle paar Jahre sicherlich lohnt.

Danke Kai Weidenbecher für die schönen Bilder!

Frau Botschafterin freut sich

ACHTUNG! BEITRAG ENTHÄLT JEDE MENGE WERBUNG!

Ich kann es wirklich nicht fassen. Vor einigen Wochen entdeckte ich bei facebook von der Firma owayo einen Aufruf, sich als Ambassador, zu deutsch als Botschafter zu bewerben. Groß war meine Hoffnung nicht, aber wie im Bericht aus dem letzten Juni zu sehen habe ich mir ja dort immerhin Trikot, Cap und Armlinge anfertigen lassen. Dafür ist die Firma mit Sitz in Deutschland bekannt. Für Biker, Läufer, Fußballer, Eishockeyspieler & Co. bieten sie frei individualisierte Bekleidung an.

Bei der Bewerbung legte ich die Betonung darauf, dass ich eine fast normale, aber ambitionierte Sportlerin und Rad-Anfängerin bin, mit der ich vielleicht mehr Menschen identifizieren können als mit einem Profi. Natürlich bemerkte ich auch, dass ich mit dem Bike-Packing anfangen möchte und gelegentlich bei Touren oder vielleicht auch Rennen starten möchte. Und was soll ich sagen? Gestern kam ein Mail, dass ich zum diesjährigen Ambassador-Team gehöre. Ich dachte „Mensch cool, dann gibt es ja bestimmt ein Trikot und vielleicht eine Hose!“. Aber nein, weit gefehlt… Aber dazu später. Zunächst bekam ich die Einladung, mein Trikot zu gestalten. Dies läuft über einen speziellen-Ambassador-Editor, bei dem Änderung im Design nicht möglich, Farb- und Namensänderung aber möglich sind. So konnte ich es optimal auf mich anpassen.

Bisheriges Outfit (Foto: KW)

Während mein erstes Outfit ja komplett pink, schwarz, hellgrau ist, wird das jetzige schwarz, pink und orange. Klar, pink und orange beißt sich ein bisschen, aber so kann ich einen optimalen Übergang zu meinen Packtaschen von (ACHTUNG SCHON WIEDER WERBUNG) Ortlieb schaffen. Die haben an der Bikepacking-Serie orangefarbene Reißverschlüsse, die bisher nicht so recht mit dem pinken Outfit passen wollen. Von dieser Serie habe ich ja seit meinem Geburtstag und Weihnachten das Seat Pack, das Frame-Pack Toptube und das Accessory-Pack. Darüber werde ich aber nach meiner ersten Mehrtagestour berichten.

Mit dem Frame-Pack mit orange leuchtendem Reißverschluss (Foto: KW)

Die Farben waren also geklärt, das Trikot designed und der Entwurf verschickt. So in etwa wird er aussehen (ich hoffe, ich darf das schon verraten…):

Jetzt wird dieser überprüft und dann bekomme ich meine Ausstattung (teilweise farblich abgestimmt, teilweise in neutralen Farben) irgendwann zugeschickt. Was gehört denn alles dazu? Nein, nicht etwa nur zwei Teile. Tatsächlich bekomme ich folgendes:

2 kurzärmlige Radtrikots C5 Pro

Langärmliges Radtrikot CL5 Pro

Ärmelloses Radtrikot CT5 Pro

Ärmellose Windweste CVW5 Pro

Softshelljacke CJS5 Pro

2 Radhosen CP6 Comp

Lange Radhose CPL5 Pro

Ärmlinge für Sommer

Radcap CACP5 Pro

Unglaublich… Ich bin wirklich gespannt, was als Markenbotschafter noch auf mich zukommt. Demnächst kommt wohl die nächste Informationsmail.

Jetzt harre ich erst einmal der Dinge, kuriere meine dusselige Klimaanlagen-Erkältung aus, um dann voll durchzustarten. es gibt ja nichts schlimmeres für die Schleimhäute als trockene warme Luft vom Frontscheiben-Gebläse.

Geplant ist ja unter anderem die Weser-Runde. Bei der Streckenlänge muss ich mal schauen, wie fit ich dann bin und ob ich mich mit 300 km nicht doch übernehme. Immerhin werde ich da wohl auf mich allein gestellt sein, da Kai leider keine Zeit hat. Eine weitere Ausfahrt wird – vielleicht in der Osterferien – eine Fahrt vom Harz über Porta Westfalica nach Dörverden (bei Verden) und vielleicht auch zurück. Das allerdings zu zweit und über mehrere Tage. So viel zu einem kleinen Ausblick…

(Foto: KW)

Winter-Blues

Das Jahr 2019 ist passé und ich wünsche allen ein schönes Jahr 2020. Für mich bin ich gespannt, was es für mich bringen wird. Im Jahr 2019 bin ich seit April – trotz krankheitsbedingten Ausfalls im Sommer – knapp 3000 km gefahren. Das ist für ein erstes Jahr gar nicht mal so übel. Für das kommende Jahr habe ich mir als Ziel 5000 km gesteckt. Außerdem habe ich bei einem Gewinnspiel die Teilnahme an der großen Weserrunde im August gewonnen. Ob ich da wirklich die 300 km fahre weiß ich noch nicht, aber man soll sich ja bekanntlich Ziele setzen.

Tour am 29.12.19

Puh, was ist das für ein Wetter. Zwischen den Jahren gab es ja ein paar tolle Tage, aber das Wetter der letzten Tage ist ja nicht wirklich schön. Mein erster Rad-Winter und ich muss feststellen, dass es viel einfacher ist, sich bei Kälte, Regen und Wind in die Laufklamotten zu werfen als sich aufs Rad zu setzen. Leider laufe ich ja nicht mehr, weshalb ich mich hin und wieder zwingen muss, mich aufs Rad zu setzen. Derzeit fällt das extrem schwer, auch wenn ich mir erst vor kurzem eine schöne Winterhose gegönnt habe. Die Windchill DS Bib Pants von Endura war im Angebot und hat mich daher nur knapp 70 € gekostet. Für den Preis bin ich total glücklich mit der Hose und hatte bei Touren um 0°C nie das Gefühl an den Beinen zu frieren. Gefroren habe ich allerdings trotzdem bitterlich und zwar an den Füßen. Im Moment bin ich ja noch mit meinen Sommerschuhen und Überschuhen unterwegs. Das geht etwa eine Stunde gut, aber dann werden die Zehen und später die Füße erst blau, dann weiß und schmerzen fürchterlich. Für eine kostengünstige Abhilfe sollten jetzt Merinosocken helfen. Die hatten jedoch auch nicht den gewünschten Effekt. Um 5°C prima, darunter dasselbe Spiel.

Rund am 30.12.19.

Was ist also zwangsläufig der nächste Schritt im Ausrüstungs-Wahnsinn? Winterschuhe müssen her. Eigentlich wollte ich damit noch eine Saison warten, aber es gibt für mich wenig Schlimmeres als kalte Füße. Also ab an den Laptop und bei den einschlägigen Bike-Shops nach Winterschuhen für Damen gesucht. Aber was soll ich sagen. Gibt es nicht! Ok, nicht ist gelogen. Aber Fahrrad.de bietet drei Paare in meiner Größe an, bike24 zwei, der bobshop gar keine. Ok, nicht die Ohren hängen lassen. Bei Hosen ist die Unterteilung in Männlein/Weiblein sicherlich wichtig, aber bei Schuhen scheint mir die Differenzierung überflüssig. Also habe ich mir den Mavic Crossmax SL Pro Thermo MTB Winterschuh für knapp 150 € bestellt. Er kommt recht sportlich daher und wahnsinnig stabil. Allerdings ging er noch einmal zurück, da die Größe für einen Winterschuh doch etwas knapp war. Jetzt warte ich auf das Paket mit der richtigen Größe und hoffe sehr, dass mir der Schuh endlich warme Füße beschert.

Neujahrsrunde
03.01.2020

Bis dahin werde ich mal zusehen, wo sich meine Motivation verkrochen hat. Auf dem Sofa hat sie sich jedenfalls nicht versteckt. Allerdings ist heute mein letzter Ferientag, der vielleicht doch noch mal genutzt werden sollte…

NACHTRAG

Hah, ich habe mich doch trotz trübem Wetters und Wind überwinden können! Vorgenommen hatte ich mir eine 60 km Runde, da wir diese Streckenlänge gestern aufgrund des Dauerregens geschwänzt hatten. Heute musste ich alleine los und ging es mal wieder etwas zu zügig an. Das werde ich wohl nicht mehr lernen. Jedoch ging es trotzdem relativ gut. Klar, an den Bergen klang ich wie immer wie eine Dampflock und über den durchschnittlichen Puls von 156 bpm brauchen wir nicht sprechen. Natürlich ist der viel zu hoch. Aber es hat heute Spaß gemacht, sodass ich nach meinem Stop in Gieboldehausen im Bike Point mit einem Espresso und heißer Schokolade beschloss, die Runde noch auszuweiten. So sind es doch noch 70 km mit 653 Höhenmetern geworden. Bazinga! Die Oberschenkel jammern jetzt, aber mein Schweinehund gibt keinen Laut von sich und hat sich unterm Sofa versteckt (wo wohl vorher meine Motivation war) und bleibt da hoffentlich erst mal für ein paar Tage versteckt.

Ab ins Wasser – 13.000 m und 520 Bahnen

Es ist kalt, es ist windig, es ist regnerisch, es ist einfach eklig. Ich muss gestehen, dass es mich derzeit viel Überwindung kostet, mich aufs Rad zu setzen. Sportlich aktiv bleiben sollte ich trotzdem, deswegen fahre ich in den letzten Wochen wieder häufiger zum Schwimmen. Dabei fiel mir vor einiger Zeit ein Plakat ins Auge, was sofort meinen Ehrgeiz weckte: 24-Stunden-Schwimmen in Clausthal Zellerfeld. Organisiert von der dortigen Ortsgruppe der DLRG. Der Termin war frei und Kai schnell überzeugt, also meldeten wir uns an – ich für 4-5 Stunden, Kai für 3-4.

Die Regularien lauteten folgendermaßen: Schwimmzeit ist, je nach Anmeldung zwischen Samstag 12 Uhr und Sonntag um 12 Uhr. Jeder schwimmt so lange wie er möchte oder kann. Nach mindestens 55 Minuten Schwimmzeit sind jeweils 5 Minuten Pause erlaubt, schnelles Nippen am Trinken auch zwischendurch.

Da ich noch nie mehr als 4000 m geschwommen war, war es umso schwierig eine Taktik zu entwickeln. Natürlich nahm ich mir vor, das Tempo nicht zu hoch zu wählen und vorher genug Mineralien und Kohlenhydrate zu mir zu nehmen. Einige Tage vorher starteten wir mit dem Carbo-Loading und am Wettkampftag aßen wir reichlich und salzig um Krämpfen vorzubeugen. Startzeit war für uns um 17 Uhr. Wir waren schon früher in der Halle und durften nach kurzer Einweisung auch früher starten. Vorher legten wir un unsere Energieriegel und -Gels bereit und stellten unsere Flaschen an den Beckenrand. In meiner Flasche hatte ich einen Energydrink mit Koffein. Dass das ein Fehler war, stellte ich später noch fest. Dann ging es los. Badekappen auf und los.

Kai schwamm auf einer benachbarten Bahn, ich auf der Außenbahn. Die ersten Bahnen liefen gut. Auf einer abgesperrten Bahn waren wir zunächst zu dritt und organisierten uns untereinander ganz gut, sodass auch Überholen gut funktionierte. Allerdings bemühte ich mich so sehr außen zu schwimmen, dass ich mehrfach beim Kraulen auf die Kunststoffabsperrkette schlug und meine Hand hinterher etwas blau war. Auch die Leiter habe ich einmal kräftig an der scharfkantigen Stufe getreten. Auch nicht sooo schön. Viel schlimmer war aber, dass ich trotz der guten Vorbereitung bereits nach 1500 m einen Krampf bekam. Ich drosselte das Tempo und versuchte mein Bein zu lockern. Bis zur ersten Pause waren es noch 25 Minuten. Kurz dachte ich darüber nach aufzugeben. Beim Lockern merkte ich aber, dass sich der Krampf etwas löste. Der Energydrink verhalf mir, auch noch den Rest der ersten Stunde zu überstehen. In den 5 Minuten Pause setzte sich mich an den Rand und dehne meinen Fuß und meine Wade und schwamm weiter.

Bisher schwamm ich immer im Wechsel zwei Bahnen Kraul, zwei Bahnen Brust, da ich kein besonders ausdauernder Kraulschwimmer bin. Nun waren wir zwei Leute mehr in der Bahn. Ein Pärchen, was zunächst ein wahnsinniges Tempo vorlegte pflügte stetig an mir vorbei und machte das Wasser unruhig. Allerdings erlebte ich hier zum ersten mal, den sogenannten „Wasserschatten“. Ich wusste nicht, dass es den gibt, bemerkte aber, dass ich, sobald ich überholt wurde mich ausgebremst fühlte. Tatsächlich gibt es einen Sog wie beim Windschatten auch im Wasser. Faszinierend. Nach einer weiteren Stunde ließ das Tempo des Paares nach und ich wurde nicht mehr ganz so oft überholt. Langsam wurde es langweilig. Ich setzt mir jedoch Ziele: Minute 30 – Trinken, Minute 55 – Pause. Die Stunde bekam dadurch etwas Struktur und zog sich nicht mehr ganz so lange hin.

Nach drei Stunden beendete Kai seine Schwimmeinheit und ich versprach ihm, nur noch maximal 1:40 h zu schwimmen. Daran hielt ich mich auch fast. Vorher gab es aber noch einen Riegel. Stunde vier ging relativ schnell vorbei und das Paar verließ irgendwann das Wasser, sodass es im Becken wieder etwas leerer wurde. Nach 3:30 h merkte ich, dass der Nacken stärker spannte und die Schultermuskulatur sich meldete. Von da an wechselte ich jede Bahn den Stil. Das Tempo ließ ein bisschen nach, ich war aber total überrascht, dass ich es bis dahin so stabil halten konnte. Die letzte Pause nutzte ich, um die Blase zu leeren und von der Banane abzubeißen.

Auf in die letzten Bahnen. Nach etwa 40 Minuten schlug ich an und teilte meiner Bahnzählerin mit, dass ich aufhöre. Diese schickte mich aber los, noch einmal 50 m dran zu hängen, dass ich die 13.000 m voll mache. Das ging natürlich auch noch.

So beendete ich den Schwimmtag nach 4:42 Stunden total glücklich und stolz. Die Konkurrenz konnte ich überhaupt nicht einschätzen. Eine Bekannte schreib, dass sie vor zwei Jahren über 23 km geschwommen war. Da war ich weit von entfernt. Da alle Teilnehmer zeitversetzt starteten und ich nicht wusste, wie groß das Starterfeld war konnte ich nur beurteilen, was ich in den knapp fünf Stunden beobachtet hatte und hatte entsprechend ein ganz gutes Gefühl. Dieses sollte mich auch nicht trügen. Am nächsten Tag bei der Siegerehrung durfte ich die Urkunde für die „Weiteste Schwimmerin des Oberharzes“ in Händen halten. Kai als Schwimmanfänger (zumindest Anfänger was das Bahnenschwimmen angeht) landete auf einem beachtlichen 8. Platz mit 6150 m in drei Stunden. Da bin ich ja auch ganz schön stolz auf ihn. Aber verratet es nicht weiter.

Wieder stehe ich aber vor dem Problem, welches ich schon im Blogbeitrag „Schwimmen im Standardtempo“ beschrieben habe. Ich schwimme immer einen Schnitt von etwa 2 min/100 m. Egal, ob ein, zwei, vier oder 13 km. Auch dieses Mal lag er bei 2:08 min/100 m. Klar, ein kleines bisschen langsamer war ich, aber das ist definitiv vernachlässigbar. Da müsste doch mit besserer Schwimmtechnik deutlich mehr drin sein. Wer hat da Tipps für mich, meine Pace zu verbessern?

Die Nacht nach dem Schwimmen war der Horror. Gegen 22 Uhr waren wir zu Hause und aßen noch etwas und ich war hundemüde. Wir legten uns hin, aber ich konnte bis 2:30 Uhr absolut nicht einschlafen. Koffein-Energydrinks kommen bei Abendveranstaltungen garantiert nicht mehr in die Flasche! So eine schlechte Nacht hatte ich schon lange nicht mehr….

Zuletzte gilt mein Dank der DLRG Clausthal Zellerfeld, bei der ich schon als Kind oft bei Rettungsschwimm-Wettkämpfen zu Gast war und sogar einige Gesichter wiedererkannte. Die Organisation war toll und es hat riesig Spaß gemacht. Nächstes Jahr kommen wir bestimmt wieder und dann schwimme ich in meinen Geburtstag rein!

Kurzer Lüneburg-Trip

Auf dem Heimweg von der Ostsee legten wir einen Zwischenstopp in Lüneburg ein. Für eine Nacht nahmen wir uns eine Ferienwohnung etwas außerhalb und erkundeten Lüneburg und dessen Umgebung. Das Wetter war wechselhaft und ich erkältungstechnisch noch etwas angeschlagen. Trotzdem wollten wir wenigstens ein wenig in die Innenstadt rollen und schauen, was uns dort erwartet. Natürlich hat man schon gewisse Vorurteile zu den meisten Städten und meines zu Lüneburg war, dass es dort schön sein müsse. Hohe Erwartungen also. Zum Glück wurden diese von der Stadt des Salzes nicht enttäuscht. Durch Parks und Wohngebiete fanden wir relativ schnell den Weg ins Zentrum und wurden von historischen Giebeln der Backsteingotik willkommen geheißen.

Heiligengeiststraße

Den Zweiten Weltkrieg hat die Innenstadt unbeschadet überlebt. Wir rollten ein wenig durch die Innenstadt und bewunderten die Häuser mit unterschiedlicher Anzahl an Staffeln, also Stufen am Dachfirst. Das Haus mit den meisten Staffeln (neun) ist die alte Raths-Apotheke.

Portal der Raths-Apotheke
Markt und St. Johannis
Der „Schütting“, jetzt Industrie- und Handelskammer, auch mit gestaffelt Dachfirst

Da wir bereits nach 13 Minuten in der Innenstadt angekommen waren, beschlossen wir, auch Lüneburgs Umgebung zu erkunden und wählten dafür zunächst den Ilmenau-Radweg.

Dieser führte ganz idyllisch am Radweg durch wechselnde Landschaften und neben urigen Hausbooten sahen wir ein Reh und diverse Grünkohlfelder. Willkommen in Norddeutschland!

Eigentlich wollten wir wenden, sahen aber dann ein Hinweisschild, dass auf das Schiffshebewerk Scharnebeck verwies. Das interessierte uns natürlich und so folgtem wir dem Hinweis. Angekommen standen wir vor der riesigen Anlage. Leider wird das Werk derzeit vergrößert, daher kann es nicht wirklich besichtigt werden. Auf eine Aussichtsplattform konnten wir trotzdem, von der man einen guten Eindruck von der Stufe bekommt, die der Elbe-Seitenkanal hier macht. Bis zu 38 m werden hier ausgeglichen. Zum Bauzeitpunkt 1974 war es das größte Schiffshebewerk der Welt.

Die Treppe wieder heruntergekrabbelt ging es weiter entlang des Elbe-Seitenkanals.

Mit knurrendem Magen und entsprechend etwas gesunkener Moral, bei fiesem Gegenwind und ohne Orientierung. Warum ohne Orientierung? Im Urlaub versuchen wir, ohne Internet zu überleben. In bekannten Gefilden funktioniert das ohne weiteres, vor allem wenn man Kartenmaterial dabei hat. In unbekannten Gegenden mussten wir eine Weile nach dem richtigen Weg suchen. Mit Hunger zerfällt das Nervenkostüm da recht schnell. Nach einer Irrfahrt durch ein Industriegebiet waren wir aber schließlich wieder auf einer Einfallstraße Richtung Innenstadt und machten einen Nothalt bei einem Supermarkt. Gestärkt ging es auf die letzten Kilometer bei leichtem Nieselregen.

Schließlich kamen wir wohlbehalten wieder in unserer Unterkunft an. Ohne Karte und Navi geht es auch, wenn man wenigstens einen groben Orientierungssinn und hin und wieder ein Hinweisschild hat. 🙂

Radeln an der Ostsee

In den Herbstferien ging es mal wieder nach Kühlungsborn an die Ostsee. Natürlich wurden auch die Räder wieder gesattelt und alles an Radbekleidung eingepackt, was der Kleiderschrank hergibt, da der Oktober doch recht wechselhaft sein kann. Leider fühlte ich mich von Anfang an etwas schlapp und es kam, was kommen musste – pünktlich zum Urlaub war die Erkältung da. Von größeren Touren mussten wir also leider Abstand nehmen. Daher beließen wir es bei zwei Touren und einigen Spazierfahrten. Zu Beginn fuhren wir eine etwa 30 km lange Runde in die Abenddämmerung ins benachbarte Rerik. Auf dem Hinweg nutzen wir den offiziell beschilderten Weg, unter anderem an einem Großsteingrab vorbei. Bei diesem Dolmen („Steintisch“) aus der Jungsteinzeit handelt es sich um ein Grab einer Einzelperson.

Rerik ist der Ort, der direkt vor der Halbinsel Wustrow liegt, die früher von militärischer Bedeutung war. Die militärschen Altlasten habe es zum Sperrgebiet gemacht. Einige der Ruinen kann man vom Sperrzaun aus sehen.

Nach einem kurzen Abstecher in den Sand und den Hafen in Rerik machten wir uns auf den Rückweg.

Früher, so erzählte ich Kai, gab es einen schönen Küstenweg, der leider seit der Sturmflut 2017 abgebrochen ist. Damit hatte ich ihn natürlich neugierig gemacht und wir wollten einfach mal schauen, wie weit man kommt. Als wir an einer Stelle wenden wollten trafen wir auf eine hilfsbereite Dame, die meinte, dass man zwar etwas sportlich sein müsse, dass der Weg aber halbwegs passierbar sei. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Also ging es los, über schmale Trails und viel Sand. Eigentlich machte das schon Spaß. Nur an einer etwa 1,5 m hohen Kante mussten wir definitiv absteigen und uns die Räder herunterreichen. Kurz vor der Dunkelheit waren wir wieder zurück in Kühlungsborn. Das wurde auch allerhöchste Zeit, da wir keine Beleuchtung dabei hatten…

Am folgenden Tag fuhren wir eine 50 km-Tour über Rerik, Kröpelin und Bad Doberan und schauten uns die Klosteranlage in Doberan an. Das Doberaner Münster zählt zu den bedeutendsten Backsteinbauten Europas und war bis ins 16. Jahrhundert die Klosterkirche des Zisterzienser-Klosters. Für Loriot-Fans vielleicht interessant: im Münster befindet sich die Kapelle der Familie von Bülow.

Eingangsportal

Große Teile der Klostermauer stehen noch, genauso wie das Beinhaus.

Beinhaus

Vom Wirtschaftsgebäude und der sogenannten Wolfsscheune sind nur noch die Grundmauern erhalten.

Wirtschaftsgebäude

Der Park wurde im 18. Jahrhundert in einen englischen Garten verwandelt. Wunderbar, um spazieren zu gehen und um Fotos zu schießen.

Zugegebenermaßen haben wir diese Fotos an einem anderen Tag gemacht…

Auf dem Rückweg aus dem Urlaub kamen noch ein paar Kilometer Radfahrt in Lüneburg dazu, doch dazu mehr im nächsten Beitrag.

CycleTour – mein erstes Radevent

(BEITRAG ENTHÄLT WERBUNG OHNE FINANZIELLES INTERESSE)

Ich schwebe noch total auf Wolken. Am Sonntag war ein richtig toller Tag, an dem ich an meinem ersten Radevent teilgenommen habe. Über ein Gewinnsspiel hatte ich die Gelegenheit bei der 4. CycleTour von Braunschweig nach Magdeburg zu starten. Zu den angebotenen Touren und Gründen für meine Wahl hatte ich bereits im letzten Beitrag etwas geschrieben. Angemeldet war ich zusammen mit meinem Freund Kai für die 100 km Tour und entsprechend recht nervös. Zwar gab es keinen Zeitdruck, aber die angekündigten 900 hm (meine Uhr zeigt weniger, aber angeblich sollen es um die 800 gewesen sein) und die lange Distanz waren neu für mich.

Am Vortag war Radpflege und – einstellung an der Tagesordnung. Hier hat Kai den Großteil erledigt, da ich kein Ahnung davon habe, wie man die Schaltung einstellt oder das Schleifen an der Bremse beseitigt. Da blieb mir nicht viel mehr als Werkzeug anzureichen und zuzuschauen. Zum Schluss durfte ich immerhin Speichen, Felgen und Reifen zu säubern. Mit blitzblanken Rädern im Keller mussten wir uns spontan noch um einen Radträger kümmern, da ein Bekannter, der uns eigentlich begleiten (und fahren) wollte absagen musste. Glücklicherweise haben meine Eltern einen Träger zu Hause… Danach fragen konnte ich leider nicht, da sie zu dem Zeitpunkt noch im Urlaub weilten. Abends legten wir uns noch die Kleidung zurecht und bereiteten Flaschen, Brote und Gels vor.

Morgens klingelte der Wecker um 5.30 Uhr. Aufstehen, frühstücken und anziehen – alles wie üblich, nur früher. Während ich die Sachen zusammenpackte ging Kai schon einmal runter um das Auto zu beladen. Kurz darauf stand er wieder vor der Tür. Der Schlüssel für den Träger war nicht da! Also ab ins Auto, zu den Eltern gebrettert, Schlüssel gesucht und gefunden und zurückgedüst. Dann ging alles recht zügig und wir hatten bald alles verladen. So ging es endlich los Richtung Braunschweig. Die Autobahn war schön frei, nur die Baustellen waren etwas lästig. In Braunschweig fanden wir hinter den Schlossarkaden einen kostenlosen Parkplatz (welch Luxus!) und holten zunächst unsere Startunterlagen. Mit dabei war ein kostenloses Trikot (welches wir dem Gewinnspiel zu verdanken hatten) und jede Menge Energie-Reserven in Form von Gels, Energy Gums und Traubenzucker, außerdem zwei Trinkflaschen und eine Flasche Wasser. Um keine Magenkrämpfe zu riskieren, ließen wir die Beigaben aber im Auto und nutzen unsere bewährten Gels.

Während das Starterfeld des Rennens an uns vorbeibrauste rollten wir zum Start. Zunächst noch besorgt, ob ich fit genug bin, stellte ich fest, dass hier auch ganz viele „Normalos“ mit den unterschiedlichsten Fahruntersätzen auf den Beginn der Tour warteten. Wir fuhren die Tour in den eigenen Trikots, da wir die neuen lieber vorher waschen wollten. Noch war es kühl aber die Sonne schien und versprach einen wundervollen Tag.

Mit dem Startschuss war auch die Nervosität wie weggeblasen. Langsam arbeiteten wir uns etwas vor. Wir waren sehr weit hinten gestartet, da wir unsere Eingruppierung (Block C) übersehen hatten und uns in Block E einquartiert hatten. Die ersten Kilometer rollten super und waren auch recht entspannt. Wir fuhren mehrreihig in einem sehr dichten Feld und näherten uns dem Elm. Relativ entspannt fuhren wir diesen hinauf und ich wartete die ganze Zeit, wann der schlimme Anstieg kommt, als wir diesen bereits lange hinter uns hatten. Der Sog des Windschattens einer großen Gruppe ist wirklich enorm. An der einzig längeren Steigung (wirklich steil war sie nicht) hatte ich keinerlei Schwierigkeiten.

Im Elm selbst ging es wellig weiter, sodass man auch immer wieder schöne Abfahrten hatte. Die beste war allerdings bei Schöningen: Ein Radstreifen auf tollem Asphalt, der 1,4 km ohne einmündende Straße schnurgerade bergab führt. Um mich zu erholen ließ ich mein Rad dort nur rollen – mit entspannten 55km/h im Schnitt und einer Höchstgeschwindigkeit von fast 69 km/h. Und das wohlgemerkt ohne zu treten!

Bei Hötensleben fuhren wir über die ehemalige Innerdeutsche Grenze. An diesem Grenzübergang finden sich auch noch ein Grenzturm sowie eines der letzten Teilstücke der Mauer mit Signalzaun und Kfz-Hindernissen. Seit 1990 steht das Grenzdenkmal unter Denkmalschutz, seit 2011 gehört es zum Weltkulturerbe.

Nach 50 km war ein Verpflegungsstand aufgebaut, an dem wir unsere Flaschen auffüllten und ein Brot aßen.

Die nächste Erhebung, das Hohe Holz, zog mir trotzdem den Stecker. Nach 60 km machten meine Oberschenkel plötzlich dicht und ich quälte mich einige Hügel ganz schön hoch. Auch der stärker werdende Wind setzte mir zu. Ein Gel und eine kleine Pause später ging es zum Glück wieder und die Strecke wurde wieder flacher. Ab hier schlossen wir uns einer festen Gruppe an, die ein sehr angenehmes Tempo fuhren. Mit dieser rollten wir auch in Magdeburg ein. In der Stadt blockierte zunächst ein Autofahrer unseren Weg, der – aus welchem Grund auch immer – mit 30 km/h in der 50er-Zone fuhr und den Radverkehr aufhielt und keine Anstalten machte, uns vorbeizulassen. Nachdem verschiedene Leute unserer Gruppe ihren Unmut lautstark verkündet und ans Blech und die Scheibe geklopft hatten, ließ uns der Autofahrer endlich vorbei…

In der Innenstadt war eine Spur für uns gesperrt, sodass wir ungestört fahren konnten, was die letzten Meter sehr angenehm machten. Ich konnte es gar nicht fasse, als die Schilder das Ziel in 30 m ankündigten. Tatsächlich hatte ich mir für die Tour eine Maximalvorgabe von 5h gesetzt und auf 4 1 /2h gehofft. Tatsächlich waren wir aber einen Schnitt von 29,9 km/h gefahren und nach knapp 3 1/2h im Ziel. Damit hätte ich niemals gerechnet. Man sollte doch häufiger in der Gruppe fahren.

Nachdem wir unsere Medaillen bekommen und das obligatorische Zielfoto geschossen hatten spazierten wir noch über die kleine Radmesse und fuhren schließlich mit dem Shuttlebus zurück nach Braunschweig. Auch wenn die Warterei auf die Abfahrt der Busse und auch das Warten in Braunschweig auf die LKW mit den Rädern etwas lang war, war die Veranstaltung total gelungen. Die Strecke war wunderschön und abwechslungsreich. Bis auf wenige kurze Kopfsteinpflasterpassagen war der Asphalt toll zu fahren auch die Laune war super. Die Veranstaltung ist wirklich klasse und ich bin total glücklich, dass ich dabei sein durfte.