Urlaub mit Wurm `drin…

Nach langer Corona-Urlaubsabstinenz waren wir endlich wieder ein paar Tage an der Ostsee. Doch dieses Jahr war teilweise der Wurm drin. Es ging damit los, dass uns in der Ferienwohnung auffiel, dass wir das Ladekabel für die Garmin-Uhren vergessen hatten. Da der erste Tag aber relativ ungemütlich war, nutzen wir ihn, um mit dem Auto ins nahe gelegene Rostock zu fahren. Für die etwa 20 Kilometer brauchten wir schon auf dem Hinweg deutlich länger als gewohnt, da an der Straße Baumfällarbeiten stattfanden. Irgendwann waren wir jedoch da und besuchten direkt einen großen Elektronikmarkt, der die Uhren führt. „Ja, aber die Kabel dazu haben wir im Moment nicht da…“, teilte uns der Verkäufer mit. Die Produzenten in Asien würden derzeit nicht liefern können. Das hört man in letzter Zeit häufiger.  Also ging es weiter. Zum Glück fiel Kai noch der kleine Läuferladen „City Sport Rostock“ ein. Der Verkäufer dort bot mir großzügig das ladeneigene Kabel an. Ich bekam es sogar für 5 € weniger, wobei ich erschrocken war, dass ein original Ladekabel von Garmin 25 € kostet. Aber gut, Schusseligkeit muss bestraft werden. Nachdem wir noch ein bisschen durch die Innenstadt gebummelt waren und noch die einschlägigen Radläden abgeklappert hatten, ging es zurück und prompt in den nächsten Stau. Ein Unfall führte dazu, dass wir für den Rückweg 75 Minuten brauchten. Das hätten wir mit dem Rad schneller geschafft. Trotzdem war der Tag recht entspannt und Entspannung brauchte ich für den nächsten Tag.

Am Dienstag, dem schönsten Tag der Woche hatten wir uns mit einer befreundeten Kollegin und ihrem Mann am Darß verabredet. Natürlich mit dem Rad. Um kurz vor 8 Uhr saßen wir auf den Schotterrädern und holperten entlang der Küste nach Warnemünde.

Tagsüber kann man diesen Weg vergessen, da man ständig Slalom um Fußgänger und Radfahrer fahren muss, vor 9 Uhr ging dies aber sehr entspannt. In Warnemünde setzten wir mit der Fähre über und fuhren weiter über Graal-Müritz nach Ribnitz-Damgarten.

Da warteten bereits unsere Freunde Silke und Dietmar am Hafen und hatten sich schon ein Fischbrötchen einverleibt. Auf dem Markt gab es einen Kaffee, gewürzt mit unterirdischem Service. Fast hatten wir ein schlechtes Gewissen, dass wir dort etwas trinken wollten. Essen wurde uns gar nicht erst angeboten. Also teilten wir uns anschließend noch ein Brötchen und fuhren in gemütlichem Tempo über schöne Radwege durch die Felder Richtung Ahrenshoop. Zwischenzeitlich waren die Herren so ins Gespräch vertieft, dass sie erst im nächsten Ort bemerkten, dass sie uns verloren hatten. Auf dem Darß wurde es immer voller und voller. In Ahrenshoop verabschiedeten wir Silke und Dietmar und setzten nach einem Brötchen im Hafen den Weg entlang des Bodden fort. Hier war es verhältnismäßig ruhig, da der Hauptradverkehr auf parallelen Wegen verlief. Irgendwann stießen jedoch auch wir auf den Deich der als Hauptradweg genutzt wird, auf dem es wirklich anstrengend wurde, da das flüssige Fahren dem Bremsen, Ausweichen und Überholen wich. In Zingst angekommen gönnten wir uns eine Pizza und ich war schon ganz schön groggy. Der Käse bekam meinem Magen auch nicht so richtig gut, sodass leichte Übelkeit und ständiges Aufstoßen zu Begleitern wurden, denen ich nicht mehr davonfahren konnte. Über die Behelfsbrücke neben der historischen Meinigenbrücke verließen wir den Darß und fuhren wieder Richtung Ribnitz-Damgarten.

Langsam wurde mir bewusst, dass die Strecke doch verdammt lang werden würde. Zwar hatten wir Glück mit Wetter und Wind, aber meine längste Strecke bisher war 130 km lang. Kurz vor Damgarten, also nach etwa 130 Kilometern war nicht beim Rad, aber bei mir die Luft raus. Völlig ausgeknockt lag ich einige Minuten auf der Bank, mir war übel und schwindlig. Nach einigen Schlucken Wasser ging es aber irgendwann weiter, auch weil die Dämmerung näher rückte.

Nicht nur mein Akku war leer, sondern auch der Rox meldete, dass der Akku schwach sei und ich bekam schon Panik, dass die Aufzeichnung nicht komplett klappen könnte. Also Bildschirm aus und zügig weiter. Nach einigen holprigen Wegen fiel plötzlich mitten im Wald auf, dass die Action Cam verloren gegangen war. Zwar fuhr Kai noch einmal ein Stück zurück, um sie zu suchen, aber wir hatten keine Ahnung, wann sie sich aus dem Futterbeutel verabschiedet hatte. Das drückte die Stimmung sehr, da natürlich ein Großteil der Bilder und Videos damit mit verschwunden waren. Die Enttäuschung drückten wir aber erst einmal beiseite, da es langsam dunkel wurde. Weiter ging es durch lange Waldabschnitte, bis wir einige Kilometer vor Hohe Düne auf den bekannten Weg kamen. Von dort war es nicht mehr weit bis zur Fähre.

Nach dem Übersetzen machten wir uns im Dunkeln auf die letzten 20 Kilometer. Natürlich war nun auch noch der Akku der Lupine schwach, sodass ich nur im Lichtkegel von Kai mitfuhr und selbst nur mit der Diffusor-Funzelbeleuchtung unterwegs war. Gerade im Gespenster-Wald war die Suche nach dem Weg so nicht immer ganz einfach. Jeder Kurbelumdrehung fiel mir schwerer und schwerer und ich war wahnsinnig froh, als endlich Kühlungsborn vor uns auftaucht. Tatsächlich war ich auch gar nicht traurig, dass wir die 200 km nicht geknackt haben. Es war wahnsinnig anstrengend und mein Sattel ist mit meinen Sitzbereich immer noch nicht so kompatibel, was ich immer wieder schmerzhaft feststellen muss. Viel wichtiger ist aber, dass es eine super schöne Tour war, neben Kai auch mit anderen netten Menschen, tollen Aussichten, abwechslungsreichen Wegen. Und sowohl der Rox als auch die Lupine haben bis zum Ende durchgehalten.

Die letzten drei Tage des Urlaubs durften wir im Upstaalsboom (****S) verbringen. Kai hatte zwei Übernachtungen mit Frühstück dort gewonnen. Da durften wir Sauna, Schwimmbad und alle Annehmlichkeiten eines Hotels genießen.

Während Kai noch eine Tour zum Bastorfer Leuchtturm unternahm war ich noch ein wenig am Steinstrand spazieren. Mir war der Wind noch etwas zu heftig und außerdem war ich noch nicht wieder bereit, mich auf meinen Sattel zu setzen. Letzte Nacht hatten wir eine ordentliche Sturmflut und die Ergebnisse fand ich am Strand. An einigen Strandabschnitten hatte der Wind den Möwen ein Festmahl bereitet. Der Sturm hatte unzähligen Fischen das Leben gekostet. Steinbutt, Schollen und Dorsche lagen am Strand. Man musste wirklich aufpassen, wo man hintritt. Selbst, wenn tote Tiere makaber sind fand ich es trotzdem faszinierend, sie mir in Ruhe aus der Nähe anzuschauen und sie zu fotografieren.

Die Rückfahrt war – sagen wir „suboptimal“. Leider hatten wir blind dem Navi vertraut, was uns über die Autobahn gescheucht hat. So krochen wir von einem Stau in den nächsten und anstatt der üblichen 4,5 Stunden brauchten wir 6,75 Stunden. Sehr unerfreulich, aber was soll´s. Trotzdem war es alles in allem wieder ein schöner Urlaub, natürlich mit dem einen großen Highlight, der langen Radtour.