Alles neu macht der Mai

Wow, das ist schon mein 40. Beitrag. Ein kleines Jubiläum. Auch hier findet ihr einiges an Produkten. Diese sind allerdings alle selbst gekauft und daher ehrlich bewertet ohne die Werbetrommel zu rühren. 🙂

Der Mai war wettertechnisch ja etwas april-lastig. Viel Regen und Wind, wie wir alle in Deutschland zu spüren bekommen haben. Und was macht bei schlechtem Wetter? Das Rad auf Vordermann bringen und onlineshoppen…. Dringend nötig hatten es meine Reifen. Da musste mal wieder Ersatz her, da ich wieder fast auf Slicks unterwegs war und alle Gummiwutzeln (danke für dieses Wort Niki Lauda) abgefahren waren. Jetzt fahre ich wieder einmal mit Schwalbe Bereifung (G-One Allround Performance) und musste mich die ersten Kilometer an das Profil gewöhnen. Plötzlich klebt der Asphalt, wenn man zuvor noch ohne Profil unterwegs war. Tatsächlich ist es bei Gravelanteilen aber auch wieder viel angenehmer, wenn die Reifen nicht gleich durchdrehen. Die Kette war nun auch schon seit zwei Jahren drauf und bevor auch die Kassette gewechselt werden muss durfte auch ein neuer Ritzelschmuck aufgezogen werden. Das Bike war nun wieder sommerschick. Fehlte nur noch der Fahrer.

Von meinen Sitzbeschwerden hatte ich ja schon diverse Male geschrieben. Daher kam die Idee mir mal eine teure Hose zu kaufen. Also schaute ich wochenlang bei allen namenhaften Herstellern wie Rapha, Castelli und Assos, konnte mich aber nicht so recht entscheiden. Dann stieß ich auf everve. Die deutsche Firma hatte ich schon vor zwei Jahren gefunden, da sie (leider nur für Herren) Hosen mit individuellem Polster anbieten. Dort fand ich aber auch tech Trägerhose für Damen. Im Vergleich mit 125 € deutlich günstiger. Nun bin ich von Natur aus skeptisch und vorsichtig. Denn ich wollte nicht wieder eine mittelklassige Hose fahren, mit der ich hinterher unglücklich bin. Nach Emailkontakt wusste ich dass die Polster dort gefertigt werden, wo auch Assos produziert und wie der Preis zustande kommt. Everve arbeitet ohne Zwischenhändler. Durch diesen Direktvertrieb spart der Endkunde jede Menge Geld. Nach dem netten Kontakt habe ich einfach mal bestellt. Viele schreiben, dass die Hosen eng sind – jupp sind sie definitiv. Aber wenn man sich erst einmal reingezwängt hat sitzt sie angenehm komprimierend. Die Träger laufen seitlich an der Brust vorbei, wer da empfindlich ist, sollte also keine Probleme haben. Die tech ist deutlich kürzer als meine Scott RC. Zum Bräunen ist das sehr schön, ein Kompressionseffekt bis zur Mitte des Oberschenkels wäre aber auch nicht schlecht. Die Träger lassen sich zur Biopause hinten abnehmen. Zwei kleine Haken sind hierfür zu lösen. Das funktioniert prinzipiell ganz gut. Allerdings ist das Schließen tatsächlich recht fummelig und verlangt etwas Übung und Gelenkigkeit. Leider kam ich auf den ersten Fahrten überhaupt nicht mit dem Polster zurecht. Immer war ich am Zuppeln und musste Stoppen um das Polster wieder in die Breite zu ziehen. Ärgerlich. Zum Glück hatte ich mir für mein Kickrbike einen SQLab 612 Sattel gekauft. Diesen tauschte ich gegen den Ergon SR Pro Women mit dem ich bisher recht zufrieden unterwegs war. Der Ergon hat eine Öffnung um den Schambereich zu entlasten. In dieses hat sich das Polster der Hose immer wieder reingezogen. Mit dem SQLab fehlen mir noch die Erfahrungen bei ganz langen Touren (bisher outdoor nur 70km am Stück) aber er scheint deutlich besser mit der Hose zu harmonieren und das Gezuppele hat ein Ende. Alles in allem schneidet die Hose bei mir mit kleineren Abzügen ganz gut ab und ich bereue den Kauf nicht. Vielleicht könnte man tatsächlich die Befestigung der Träger überdenken. Hier bevorzuge ich den Reißverschluss von Endura oder den magnetischen Clip bei Scott.

Nach der Hose kam die Sehnsucht nach neuen Schuhen auf. Mein erstes Paar hatte ich mir vor zwei Jahren günstig geschossen und hatte auch nie Probleme, schön, sind sie aber nicht mehr so richtig, da einige Stollen fehlen und sie schon ordentlich Macken haben. Blöderweise sind sie zu allem Überfluss auch noch braun und nicht schwarz. Modisch also kein Highlight. Die neuen Schuhe sollten auffallen. Schwarz wäre auch in Ordnung gewesen, eigentlich wollte ich aber auffällige Schuhe. Auffällig ist aber auch nicht immer unbedingt schön. Auch hier nahm die Suche mehrere Wochen (immerhin nicht ununterbrochen) in Anspruch. Dann entdeckte ich die Gravel-Schuhe RX8 von Shimano. Nicht ganz günstig, aber in silber mit dezentem Camouflage-Muster ein echtes Highlight.

Neu vs. alt

Zunächst machte ich mir Sorgen darum, wie empfindlich die Beschichtung sei, nach zwei kleineren Stürzen auf Schotter und Asphalt haben sie aber keinen Kratzer abbekommen. Stürze? Ja leider. Beide auf einer Tour… Am Pfingstmontag war ich mit Kai im Harz unterwegs knackige Höhenmeter und ganz viel Schotter forderten mich ganz schön. Unter den neuen Schuhen hatte ich auch neue Cleats. Doch damit nicht genug. Bisher bin ich immer die Multi-Release-Cleats von Shimano gefahren, die einen Ausstieg nach oben, schräg oben oder zur Seite ermöglichen. Leider hatten wir noch die schwarzen da, die einen Single-Release (also Ausstieg nur durch das Drehen des Fußes zur Seite) zu Hause. Egal dachte ich. Das bekomme ich schon hin. Jetzt kann ich sagen – nö, bekomme ich nicht hin. Das erste Mal kippte ich auf Schotter, wenige hundert Meter später auf Asphalt um, natürlich beide Male auf dasselbe Knie. Dem Rad ist zum Glück nichts passiert. Nur komme ich mir jetzt vor wie ein Grundschulkind mit der kleinen Schotterflechte am Knie. Ich kam einfach trotz mehrfachen Versuchens nicht aus den Pedalen, wobei die wirklich nur sehr soft eingestellt sind. Ich nehme an, dass ich mir einen Ausstieg nach außen-oben oder so angewöhnt habe. Auf jeden Fall eine nicht die Bewegung, die hier nötig wäre. Bevor ich noch weiter für Erheiterung sorge, wenn ich an jeder Kreuzung umfalle, bestellt ich mir wieder die silbernen Cleats. Sicher ist sicher…

Zwei erwähnenswerte Touren gab es auch noch. Am 09.05. fuhren wir 150 km über Göttingen zum Hohen Hagen bei Geismar und über Northeim zurück. Da wollte ich einfach mal schauen, was es mit dem Berg auf sich hat, da bei dem Rad-Rennen in Göttingen (der Tour d´Energie) immer alle Angst davor haben. Tatsächlich ist der Anstieg (nach 80 km) in den Beinen knackig, aber ich hatte schlimmeres erwartet. Schlimmer da war tatsächlich der Anstieg der sich durch Settmarshausen zieht. Eine lange lange gerade Straße, die sich mit 5% durch den Ort zieht. Wir kamen insgesamt auf 980 Höhenmeter, die meisten, die ich bisher gefahren bin. Nach sechs Stunden Fahrt hatten wir beide bei dem tollen Wetter einen ganz schönen Sonnenbrand.

Die zweite anspruchsvollere Tour war am Pfingstmontag. Wieder war der Wind mal wieder kräftig, aber zumindest schien die Sonne. Geplant waren eigentlich eine reine Straßentour mit 70 km und 760 Höhenmetern. Geworden ist es eine Road/Gravel-Tour mit 70 km und 940 Höhenmetern. Los ging es von Herzberg mit Gegenwind nach Bad Sachsa und dann den S.H.E. (Radweg auf der Strecke der früheren Südharzer Eisenbahn) über Wieda nach Braunlage. Der Untergrund waren überwiegend Schotterwege, hin und wieder schmalere schlammige Trails. In Braunlage kippte ich das erste mal am Forellenteich aus dem Sattel. Nachdem ich mich wieder aufgerappelt hatte und wir auf den Schreck erst einmal die Brötchen vernichteten fuhren wir schotterig weiter Richtung Rinderstall (mit einem weiteren Umfaller). Ab dann wurde es haarig für mich. Die Steigung, der Schotter und die aufsteigende Panik nicht mehr aus dem Pedal zu kommen raubten mir ganz schön die Kraft, sodass ich einig Meter schieben musste. Ab dem Parkplatz Dreibrodesteine oberhalb von St. Andreasberg ging es bergab. Im positiven Sinne. Endlich wieder rollen lassen, größtenteils sogar auf Asphalt. Toll… Der Weg endete im Siebertal, wo uns wieder fröhlich der Wind begrüßte. Ich klemmte mich in den Windschatten und ließ mich bis Herzberg ziehen. Da war ich dann wieder ganz gut erholt ;).

Nightride der erste

Mit Halloween habe ich ja nicht allzu viel am Hut. Und da wir den klingelnden Kindern entgehen wollten, bastelten wir uns mal wieder eine schöne Tour. Diese wollten wir dieses Mal allerdings nicht bei Tageslicht fahren. Bei der Planung auf Komoot fiel mir Bad Heiligenstadt ins Auge. Dort war ich noch nie. Weder per Rad noch mit dem Auto. Also entwarf ich eine etwa 97 km lange Runde mit knackigen 950 Höhenmetern.

Mit Sven und Kai fuhren wir noch bei Tageslicht gegen 16.30 Uhr los. Klar, das war für einen klassischen Nightride recht früh, aber im Herbst wird es so früh dunkel, dass wir schon eine Stunde später in der Dunkelheit unterwegs waren. Anfangs hatte ich arg mit der Technik zu kämpfen. Die von mir geplante Route wollten wir anders herum fahren. Der Rox 12.0 hat die Funktion „Route umkehren“, aber irgendwie war die Anwenderin nicht so ganz in der Lage die Routenführung richtig zu starten. Irgendwann hatte ich den Kampf mit dem Gerät aber gewonnen und es ging ohne weitere technische Schwierigkeiten weiter. Zunächst fuhren wir auf altbekannten Pfaden nach Duderstadt. Von dort aus ging es über Tiftlingerode nach Thüringen.

Auf zum Teil wundervollem Asphalt ging es recht hügelig, aber zügig voran, so zügig es bei steifem Gegenwind eben geht. Wieder einmal war ich froh, nicht alleine unterwegs zu sein und im Windschatten fahren zu dürfen. Wir genossen den Vollmond, der eine besondere Atmosphäre zauberte.

Fies wurde es ab Neuendorf. Statt über die Landstraße leitete uns komoot über einen steilen und holprigen Plattenweg. Irgendwann musste ich mich geschlagen geben und einige Meter schieben, da ich ansonsten vom Rad gekippt wäre, da der Vortrieb nicht mehr vorhanden war. Kai und Sven fuhren tapfer die Steigung hinauf, mussten aber auch ganz schön kämpfen.

Mit Vollmond statt Sonne

Über Schotter ging es weiter bis wir endlich wieder auf die Landstraße stießen. Zwar ging es ab da weitestgehend bergab, der Gegenwind raubte mir aber weiterhin die Kräfte, sodass ich bergab die Jungs doch ausbremsen musste. Endlich in Bad Heiligenstadt angekommen schlug Kais Bruder Sven eine Routenänderung vor. Bis jetzt weiß ich nicht, ob das eine bessere Idee war. Das Höhenprofil veränderte sich auf jeden Fall zu meinem Gunsten. Anstatt relativ hügelig ziemlich direkt nach Ebergötzen zu fahren erweiterten wir die Runde von knapp 100 auf 130 km, fuhren aber dafür den fast ebenen Leineradweg bis nach Northeim.

An der Leine ging es nicht nur über asphaltierte Wege, sondern auch über Schotter und viele, viele gepflasterte Wege mit noch mehr nassen Blättern. Zwar war es rutschig, aber das Radfahrersprichwort „kommt zu Blättern auch noch Nässe liegst du schneller auf der… Nase“ kam nicht zum Tragen, ergo wir auch nicht zum Liegen. Bremstests zeigten aber, dass der Untergrund nicht sonderlich viel Grip bot…

Als wir endlich Northeim erreichten war ich ganz schön erleichtert. Zwar hatten wir bis dahin auch über lange Strecke so etwas wie Rückenwind, aber trotzdem reichte es mir langsam. Mein Nacken tat weh von der Kälte und der verkrampften Haltung und von meinem Sitzfleisch wollen wir mal nicht reden. Die letzten Kilometer mit fiesem Feldweg und weiterhin viel Wind hatten es nochmal in sich und in Hattorf waren wir ja schon fast zu Hause. Wir verabschiedeten Sven und trampelten noch nach Hause. Ein Stunde vor Mitternacht waren wir endlich da. Noch ein Tee, Magnesium und eine heiße Dusche und dann mit Körnerkissen ins Bett. Augen zu und schlafen – so war die Idee.

Losgefahren sind wir in Herzberg, das GPS ist erst In Pöhlde dazugestoßen.

Mittlerweile kenne ich mich ein paar Jahre und weiß, dass ich nach sportlichen Aktivitäten nicht sofort einschlafen kann. Daher ahnte ich schon, dass ich etwa zwei Stunden noch wach liegen würde. Was ich zu diesem Zeitpunkt aber nicht wusste, war, dass ich noch bis 3.30 Uhr wach liegen würde und danach auch noch fiese Albträume hatte mit denen ich akustisch auch noch Kai erfreut habe. Der hat sich wohl etwas erschreckt. Das Highlight war noch eine Mücke, die ich erst gegen 3.00 Uhr gefunden hatte. Im Nachhinein weiß ich auch, was mir dermaßen den Schlaf geraubt hat. In Northeim gab mir Kai für die letzten Kilometer noch ein Gel. Es war dunkel und ich hatte es auch gar nicht bedacht, dass das Folgen haben könnte. Klar, vielen Energygels wird Koffein zugesetzt. Damit kann ich abends nicht so, da mein Herz dann eine wilde Party feiert, ob ich will oder nicht. Wieder ein Fehler, der mir hoffentlich nicht noch einmal passieren wird. Heute, an meinem Geburtstag, bin ich deshalb auch ein ganz klein bisschen gerädert. Gut, dass ich sowieso nicht feiern werde. Letztendlich war es aber eine schöne Nightride-Premiere mit 130 km, auf die ich ordentlich stolz bin. Danke Kai und Sven für die schöne Erfahrung.

Urlaub mit Wurm `drin…

Nach langer Corona-Urlaubsabstinenz waren wir endlich wieder ein paar Tage an der Ostsee. Doch dieses Jahr war teilweise der Wurm drin. Es ging damit los, dass uns in der Ferienwohnung auffiel, dass wir das Ladekabel für die Garmin-Uhren vergessen hatten. Da der erste Tag aber relativ ungemütlich war, nutzen wir ihn, um mit dem Auto ins nahe gelegene Rostock zu fahren. Für die etwa 20 Kilometer brauchten wir schon auf dem Hinweg deutlich länger als gewohnt, da an der Straße Baumfällarbeiten stattfanden. Irgendwann waren wir jedoch da und besuchten direkt einen großen Elektronikmarkt, der die Uhren führt. „Ja, aber die Kabel dazu haben wir im Moment nicht da…“, teilte uns der Verkäufer mit. Die Produzenten in Asien würden derzeit nicht liefern können. Das hört man in letzter Zeit häufiger.  Also ging es weiter. Zum Glück fiel Kai noch der kleine Läuferladen „City Sport Rostock“ ein. Der Verkäufer dort bot mir großzügig das ladeneigene Kabel an. Ich bekam es sogar für 5 € weniger, wobei ich erschrocken war, dass ein original Ladekabel von Garmin 25 € kostet. Aber gut, Schusseligkeit muss bestraft werden. Nachdem wir noch ein bisschen durch die Innenstadt gebummelt waren und noch die einschlägigen Radläden abgeklappert hatten, ging es zurück und prompt in den nächsten Stau. Ein Unfall führte dazu, dass wir für den Rückweg 75 Minuten brauchten. Das hätten wir mit dem Rad schneller geschafft. Trotzdem war der Tag recht entspannt und Entspannung brauchte ich für den nächsten Tag.

Am Dienstag, dem schönsten Tag der Woche hatten wir uns mit einer befreundeten Kollegin und ihrem Mann am Darß verabredet. Natürlich mit dem Rad. Um kurz vor 8 Uhr saßen wir auf den Schotterrädern und holperten entlang der Küste nach Warnemünde.

Tagsüber kann man diesen Weg vergessen, da man ständig Slalom um Fußgänger und Radfahrer fahren muss, vor 9 Uhr ging dies aber sehr entspannt. In Warnemünde setzten wir mit der Fähre über und fuhren weiter über Graal-Müritz nach Ribnitz-Damgarten.

Da warteten bereits unsere Freunde Silke und Dietmar am Hafen und hatten sich schon ein Fischbrötchen einverleibt. Auf dem Markt gab es einen Kaffee, gewürzt mit unterirdischem Service. Fast hatten wir ein schlechtes Gewissen, dass wir dort etwas trinken wollten. Essen wurde uns gar nicht erst angeboten. Also teilten wir uns anschließend noch ein Brötchen und fuhren in gemütlichem Tempo über schöne Radwege durch die Felder Richtung Ahrenshoop. Zwischenzeitlich waren die Herren so ins Gespräch vertieft, dass sie erst im nächsten Ort bemerkten, dass sie uns verloren hatten. Auf dem Darß wurde es immer voller und voller. In Ahrenshoop verabschiedeten wir Silke und Dietmar und setzten nach einem Brötchen im Hafen den Weg entlang des Bodden fort. Hier war es verhältnismäßig ruhig, da der Hauptradverkehr auf parallelen Wegen verlief. Irgendwann stießen jedoch auch wir auf den Deich der als Hauptradweg genutzt wird, auf dem es wirklich anstrengend wurde, da das flüssige Fahren dem Bremsen, Ausweichen und Überholen wich. In Zingst angekommen gönnten wir uns eine Pizza und ich war schon ganz schön groggy. Der Käse bekam meinem Magen auch nicht so richtig gut, sodass leichte Übelkeit und ständiges Aufstoßen zu Begleitern wurden, denen ich nicht mehr davonfahren konnte. Über die Behelfsbrücke neben der historischen Meinigenbrücke verließen wir den Darß und fuhren wieder Richtung Ribnitz-Damgarten.

Langsam wurde mir bewusst, dass die Strecke doch verdammt lang werden würde. Zwar hatten wir Glück mit Wetter und Wind, aber meine längste Strecke bisher war 130 km lang. Kurz vor Damgarten, also nach etwa 130 Kilometern war nicht beim Rad, aber bei mir die Luft raus. Völlig ausgeknockt lag ich einige Minuten auf der Bank, mir war übel und schwindlig. Nach einigen Schlucken Wasser ging es aber irgendwann weiter, auch weil die Dämmerung näher rückte.

Nicht nur mein Akku war leer, sondern auch der Rox meldete, dass der Akku schwach sei und ich bekam schon Panik, dass die Aufzeichnung nicht komplett klappen könnte. Also Bildschirm aus und zügig weiter. Nach einigen holprigen Wegen fiel plötzlich mitten im Wald auf, dass die Action Cam verloren gegangen war. Zwar fuhr Kai noch einmal ein Stück zurück, um sie zu suchen, aber wir hatten keine Ahnung, wann sie sich aus dem Futterbeutel verabschiedet hatte. Das drückte die Stimmung sehr, da natürlich ein Großteil der Bilder und Videos damit mit verschwunden waren. Die Enttäuschung drückten wir aber erst einmal beiseite, da es langsam dunkel wurde. Weiter ging es durch lange Waldabschnitte, bis wir einige Kilometer vor Hohe Düne auf den bekannten Weg kamen. Von dort war es nicht mehr weit bis zur Fähre.

Nach dem Übersetzen machten wir uns im Dunkeln auf die letzten 20 Kilometer. Natürlich war nun auch noch der Akku der Lupine schwach, sodass ich nur im Lichtkegel von Kai mitfuhr und selbst nur mit der Diffusor-Funzelbeleuchtung unterwegs war. Gerade im Gespenster-Wald war die Suche nach dem Weg so nicht immer ganz einfach. Jeder Kurbelumdrehung fiel mir schwerer und schwerer und ich war wahnsinnig froh, als endlich Kühlungsborn vor uns auftaucht. Tatsächlich war ich auch gar nicht traurig, dass wir die 200 km nicht geknackt haben. Es war wahnsinnig anstrengend und mein Sattel ist mit meinen Sitzbereich immer noch nicht so kompatibel, was ich immer wieder schmerzhaft feststellen muss. Viel wichtiger ist aber, dass es eine super schöne Tour war, neben Kai auch mit anderen netten Menschen, tollen Aussichten, abwechslungsreichen Wegen. Und sowohl der Rox als auch die Lupine haben bis zum Ende durchgehalten.

Die letzten drei Tage des Urlaubs durften wir im Upstaalsboom (****S) verbringen. Kai hatte zwei Übernachtungen mit Frühstück dort gewonnen. Da durften wir Sauna, Schwimmbad und alle Annehmlichkeiten eines Hotels genießen.

Während Kai noch eine Tour zum Bastorfer Leuchtturm unternahm war ich noch ein wenig am Steinstrand spazieren. Mir war der Wind noch etwas zu heftig und außerdem war ich noch nicht wieder bereit, mich auf meinen Sattel zu setzen. Letzte Nacht hatten wir eine ordentliche Sturmflut und die Ergebnisse fand ich am Strand. An einigen Strandabschnitten hatte der Wind den Möwen ein Festmahl bereitet. Der Sturm hatte unzähligen Fischen das Leben gekostet. Steinbutt, Schollen und Dorsche lagen am Strand. Man musste wirklich aufpassen, wo man hintritt. Selbst, wenn tote Tiere makaber sind fand ich es trotzdem faszinierend, sie mir in Ruhe aus der Nähe anzuschauen und sie zu fotografieren.

Die Rückfahrt war – sagen wir „suboptimal“. Leider hatten wir blind dem Navi vertraut, was uns über die Autobahn gescheucht hat. So krochen wir von einem Stau in den nächsten und anstatt der üblichen 4,5 Stunden brauchten wir 6,75 Stunden. Sehr unerfreulich, aber was soll´s. Trotzdem war es alles in allem wieder ein schöner Urlaub, natürlich mit dem einen großen Highlight, der langen Radtour.

Kurzer Lüneburg-Trip

Auf dem Heimweg von der Ostsee legten wir einen Zwischenstopp in Lüneburg ein. Für eine Nacht nahmen wir uns eine Ferienwohnung etwas außerhalb und erkundeten Lüneburg und dessen Umgebung. Das Wetter war wechselhaft und ich erkältungstechnisch noch etwas angeschlagen. Trotzdem wollten wir wenigstens ein wenig in die Innenstadt rollen und schauen, was uns dort erwartet. Natürlich hat man schon gewisse Vorurteile zu den meisten Städten und meines zu Lüneburg war, dass es dort schön sein müsse. Hohe Erwartungen also. Zum Glück wurden diese von der Stadt des Salzes nicht enttäuscht. Durch Parks und Wohngebiete fanden wir relativ schnell den Weg ins Zentrum und wurden von historischen Giebeln der Backsteingotik willkommen geheißen.

Heiligengeiststraße

Den Zweiten Weltkrieg hat die Innenstadt unbeschadet überlebt. Wir rollten ein wenig durch die Innenstadt und bewunderten die Häuser mit unterschiedlicher Anzahl an Staffeln, also Stufen am Dachfirst. Das Haus mit den meisten Staffeln (neun) ist die alte Raths-Apotheke.

Portal der Raths-Apotheke
Markt und St. Johannis
Der „Schütting“, jetzt Industrie- und Handelskammer, auch mit gestaffelt Dachfirst

Da wir bereits nach 13 Minuten in der Innenstadt angekommen waren, beschlossen wir, auch Lüneburgs Umgebung zu erkunden und wählten dafür zunächst den Ilmenau-Radweg.

Dieser führte ganz idyllisch am Radweg durch wechselnde Landschaften und neben urigen Hausbooten sahen wir ein Reh und diverse Grünkohlfelder. Willkommen in Norddeutschland!

Eigentlich wollten wir wenden, sahen aber dann ein Hinweisschild, dass auf das Schiffshebewerk Scharnebeck verwies. Das interessierte uns natürlich und so folgtem wir dem Hinweis. Angekommen standen wir vor der riesigen Anlage. Leider wird das Werk derzeit vergrößert, daher kann es nicht wirklich besichtigt werden. Auf eine Aussichtsplattform konnten wir trotzdem, von der man einen guten Eindruck von der Stufe bekommt, die der Elbe-Seitenkanal hier macht. Bis zu 38 m werden hier ausgeglichen. Zum Bauzeitpunkt 1974 war es das größte Schiffshebewerk der Welt.

Die Treppe wieder heruntergekrabbelt ging es weiter entlang des Elbe-Seitenkanals.

Mit knurrendem Magen und entsprechend etwas gesunkener Moral, bei fiesem Gegenwind und ohne Orientierung. Warum ohne Orientierung? Im Urlaub versuchen wir, ohne Internet zu überleben. In bekannten Gefilden funktioniert das ohne weiteres, vor allem wenn man Kartenmaterial dabei hat. In unbekannten Gegenden mussten wir eine Weile nach dem richtigen Weg suchen. Mit Hunger zerfällt das Nervenkostüm da recht schnell. Nach einer Irrfahrt durch ein Industriegebiet waren wir aber schließlich wieder auf einer Einfallstraße Richtung Innenstadt und machten einen Nothalt bei einem Supermarkt. Gestärkt ging es auf die letzten Kilometer bei leichtem Nieselregen.

Schließlich kamen wir wohlbehalten wieder in unserer Unterkunft an. Ohne Karte und Navi geht es auch, wenn man wenigstens einen groben Orientierungssinn und hin und wieder ein Hinweisschild hat. 🙂

Back in the saddle

Dieser Beitrag kann Spuren von Werbung enthalten. Allerdings nur, da ich ein Produkt testen darf. Mich zwingt jedoch keiner, darüber zu berichten. Das mache ich freiwillig und ehrlich.

Nach langer Pause melde ich mich wieder zurück. Die letzten Wochen habe ich überwiegend schlafend oder liegend verbracht. Der Grund dafür war eine ziemlich lästige Infektion, das „Pfeiffersche Drüsenfieber“. Hervorgerufen wird sie durch das Epstein-Barr-Virus und man kann es nicht behandeln. Es muss also alleine ausheilen, was ein paar Wochen bis Monate dauern kann. In Westeuropa tragen etwa 95 % der Menschen das Virus in sich, sodass eine Infektion nicht selten ist. Bei Kindern wird sie allerdings häufig nicht erkannt, da sie auch sehr mild verlaufen kann. Zwar ist diese Erkrankung erst einmal nicht bedrohlich, aber bei Belastung kann es zu Schäden wie Milz- oder Leberriss kommen, da die beiden Organe ziemlich belastet sind. Alkohol in jeglicher Form war also die letzten Wochen auch ein absolutes Tabu. Außerdem kommen schmerzende Lymphknoten, Halsschmerzen, Appetitlosigkeit und extreme Müdigkeit dazu. An Sport war da nicht zu denken. Nun sind die Laborwerte aber soweit wieder im Rahmen, dass ich wieder mit dem Sport beginnen kann.

Meine erste Tour war meine Hausrunde, also um die 40 km. Die bin ich strikt nach Pulsuhr gefahren und habe bestmöglich versucht, meinen Puls unter 140 bpm zu halten (im Durchschnitt 134 bpm). Für mich ist das niedrig ;).

Blindschleiche auf dem Radweg

Dieselbe Runde bin ich einige Tage später noch mit Kai, meiner Schwester und ihrem Freund gefahren. Die beiden sind keine Rennradfahrer, daher sind wir mit 18 km/h durch die Gegend gerollt. Mein Durchschnittspuls lag bei 111 bpm, daher ein super Grundlagentraining.

Frohen Mutes plante ich eine 60 km Runde, zum Eisessen nach Duderstadt. Wieder einmal wollte ich Kai bei der Arbeit abholen und wählte, um einen schönen Rundkurs zu fahren die etwas längere Strecke über Hattorf. Bald merkte ich aber, dass ich mich zeitlich etwas verkalkuliert hatte und fuhr deutlich unentspannter als geplant. In Strohkrug war es 12.50 Uhr. Ich wollte aber um 13 Uhr in Gieboldehausen sein. Also gab ich nochmal Gas bis der Puls an der 180 kratze (im Schnitt 31km/h). Um 13.01 Uhr rollte ich in Gieboldehausen ein, allerdings ziemlich groggy.

Nach einer Pause ging es dann schön langsam weiter Richtung Duderstadt. Aufgrund der Raserei schwante mir schon Böses, da ich über 5 Wochen pausiert hatte. Bis Duderstadt rollte es ganz gut, aber dort brauchte ich die geplante Eispause.

Aufgrund einer Straßensperrung fuhren wir nicht über Hilkerode zurück, sondern über Breitenberg nach Rüdershausen. Der Weg hatte es in sich und neben einer Schotterpassage auch einige Höhenmeter in petto.

Insgesamt waren es „nur“ 342 hm auf der Strecke, aber die kamen zum Großteil zwischen Duderstadt und Rüderhausen, also auf etwa 10 km.

Blick über Rhumspringe

Oberhalb von Rüderhausen machten meine Oberschenkel dicht und so musste ich mich mit diversen Pausen nach Herzberg zurück quälen.

Optimal war diese zunächst zu schnelle und dann zu hügelige Tour für den Neueinstieg bestimmt nicht, aber ich war stolz, als ich es geschafft hatte. Auch wenn es weh tut, dass die Geschwindigkeit auf der ganzen Strecke doch wieder ganz schön niedrig ist.

Toll ist, dass ich in der nächsten Woche Post von Wobenzym bekomme. Ich darf Wobenzym Sport testen. Dies ist wohl gut geeignet beim Wiedereinstieg in den Sport und unterstützt die Regeneration mit einer Mischung aus Bromelain, Vitaminen sowie Montmorency-Sauerkirsche, Weihrauch und Kurkuma. Ich bin auf die Wirkung gespannt und werde euch berichten. Danach habe ich noch andere Nahrungsergänzungsmittel, die ich gewonnen habe (Orthomol und High 5). Diese werde ich im Anschluss ausprobieren.

Durch das Land der 1000 roten Ampeln – Ruhrgebiets-Tour

(Beitrag enthält Werbung ohne finanzielles Interesse)

Am Pfingstwochenende stand Familienbesuch auf der Agenda. Meine Cousine und ihr Mann sind kürzlich Eltern geworden und meine Oma wollte auch einmal wieder besucht werden. Machen wir uns nichts vor, vom Harz ins Ruhrgebiet – das schaffe ich noch nicht mit dem Rad, aber die Entfernung von 37 km zwischen Kamen und Bochum reizte mich doch, sodass ich neben meiner Reisetasche auch mein Fahrrad in den Kofferraum legte. Nun stellte sich noch die Frage, wie komme ich gefahrlos von A nach B? Zuerst befragte ich Google Maps zu einer geeigneten Radstrecke. Dieses spuckte mir Wege über verschiedene Bundesstraßen aus. Das war das Letzte, was ich wollte, da diese im städtischen Bereich doch eher Autobahncharakter haben. Also schaute ich einmal bei komoot. komoot ist eine App für Sportler aller Art und kann weltweit eingesetzt werden. Toll ist auch, dass die Untergrundbeschaffenheit angegeben wird. Allerdings können Routen kostenfrei nur online angezeigt werden. Gerade bei längeren Touren leidet der Handyakku dann sehr. Zudem habe ich keine Halterung für mein Handy. Allerdings habe ich eine Garmin fenix 5s. Die hat zwar selbst kein Kartenmaterial, aber kann gespeicherte Routen mithilfe eines Richtungspfeils wiedergeben. Auch dies ist allerdings kostenpflichtig. Eine Einzelregion kostet 3,99 €, ist aber häufig beim ersten Mal kostenfrei. Diese hätte aber nicht meine ganze Route abgedeckt. Ein Regionenpaket kostet 8,99 €. Das deckt deutlich mehr ab, wäre mir für eine Tour aber zu teuer gewesen. Daher habe ich zum Komplett-Paket gegriffen, dass einem weltweit Karten (auch zur offline-Nutzung) zur Verfügung stellt und lebenslang kostenlose Karten-Updates bietet. Allerdings ist komoot ein ziemlicher Datensauger, ähnlich wie Strava. Dessen sollte man sich bewusst sein. Ansonsten bin ich aber sehr zufrieden mit der App und die Navigation hat wunderbar geklappt. Nach jedem Abzweig bekommt man die Bestätigung ob man noch auf dem richtigen Weg oder falsch abgebogen ist.

Um 5.10 Uhr klingelte der Wecker, um 6 Uhr saß ich im Auto und fuhr nach Kamen. Das Wetter versprach gut zu werden und bei meiner Ankunft gegen 8.30 Uhr waren die laut Wetterbericht angekündigten 17°C erreicht. Also konnte ich, nachdem ich meine Oma begrüßt und mich umgezogen hatte, ärmellos, aber mit Weste losrollen. Über Südkamen führte ging es über die Landstraße nach Afferde.

Über Wickede, Asseln und Brackel näherte ich mich größtenteils über Radwege Dortmund. In Asseln stieß ich auf die hübsche Lutherkirche, die deutlich älter wirkt, als sie ist. Der Grundstein für den neugotischen Bau wurde tatsächlich erst 1904 gelegt.

Im Ortsteil Wambel ist eine der größten Galopprennbahnen Deutschlands. Der Radweg führt hinter dieser vorbei und ist durch eine Betonwand getrennt. Diese Betonwand ist zum Sprayen freigegeben und dies führt dazu, dass sich die Graffiti-Künstler hier in aller Ruhe austoben können und tolle Kunstwerke entstehen. Auf dem Rückweg wollte ich noch einige davon fotografieren, aber leider hatte ich da die Zeit im Nacken.

Ab Wambel wurde es wirklich anstrengend. Erstens hatte ich tatsächlich das Höhenprofil des Ruhrgebiets etwas unterschätzt. Mit dem Harz ist es nicht vergleichbar, aber wenn man mit einer flachen Route gerechnet hat, merkt man jeden Hügel, was in Bochum seinen Höhepunkt finden sollte, im wahrsten Sinne des Wortes. Nein, viel schlimmer waren die Ampeln. Leider habe ich verpasst mitzuzählen, wie oft ich an diesen hämisch rotleuchtenden Geräten stand, aber um die 30 Mal sollte es gewesen sein. Vermutlich sogar häufiger. Das ständige langsamer werden und hoffe, dass sie doch noch umspringt, anhalten, warten und wieder anfahren ist kräftezehrend. Selbst in den verkehrsberuhigten Zonen kann man nur begrenzt entspannt fahren. Wenn ein Fahrer eines tiefer gelegten Golf sein Auto am liebsten über die Schwellen heben möchte und auch zwischen den Bodenwellen nicht ansatzweise Platz macht, dass man an ihm vorbeifahren könnte ist das zum Brechen. Von den Autos die kreuz und quer auf Fahrradwegen und – streifen parken muss ich gar nicht erst reden.

An der Westfalenhalle und dem Signal Iduna Park fuhr ich unter anderem über Schönau, Stockum und Witten nach Bochum. Meine Cousine lebt mit ihrer Familie im Ortsteil Querenburg, wo auch die Uni und Hochschule zu finden sind. Wikipedia bezeichnet die Gegend rund um Bochum als „Flachhügeligen Landrücken“, der geprägt ist durch „gleichmäßigen Steigungen und Gefälle“. Das habe ich gemerkt, wobei, der letzte Anstieg mit 10,9%iger Steigung echt gemein war, vor allem wenn man um die Kurve kommt und in einem viel zu schweren Gang in den Berg geht.

Angekommen in Bochum (11.02 Uhr) war für den Knirps gerade Fütterungszeit angesagt, sodass ich Zeit hatte, mich etwas frisch zu machen und umzuziehen. Angekündigt hatte ich mich für 11 Uhr, gehofft hatte ich auf 10.45 Uhr. Tatsächlich hatte ich aufgrund der Ampeln volle zwei Stunden gebraucht. Dann durfte ich den kleinen neuen Erdenbürger kennen lernen, der jetzt knapp einen Monat alt ist. Selten habe ich ein so entspanntes Kind kennengelernt. Nicht nur, weil er nach dem Stillen fast sofort einschlief, sondern auch ansonsten wirkte er durchweg zufrieden. Hoffentlich bleibt das noch ein bisschen so. Da die letzten Wochen für die frisch gebackenen Eltern noch sehr turbulent waren, hatte ich für den Besuch nur zwei Stunden einkalkuliert um ihnen nicht allzu lange zur Last zu fallen. Das war wirklich schade, da ich gerne noch geblieben wäre. Allerdings hatte ich mich zum Kaffee bei der Oma angemeldet. Das nächste Mal bleibe ich aber auf jeden Fall länger. Nach einem leckeren Mittagessen (selbstgemachte Pizza und Salat – aber nur ganz wenig, dass ich noch radeln kann), setzte ich mich wieder auf den Drahtesel und fuhr zurück.

Auf dem Heimweg nahmen die Böen ganz schön zu und die Temperatur machte mir etwas zu schaffen. Mittlerweile lag die die Temperatur bei etwa 27°C. Da ich schon recht spät dran war, verkniff ich mir weitere Fotopausen, die ich mir auf dem Hinweg vorgenommen hatte. Erst in Wambel zückte ich noch einmal die Kamera, da dort ein Graffitikünstler gerade bei der Arbeit war. Der freute sich über mein Interesse und stand bereitwillig Modell. Auch erzählt er ein wenig über das legale und illegale Sprayen. Das war sehr spannend. Ein netter Kerl.

Fast pünktlich um 15.40 Uhr kam ich bei meiner Oma zum Kaffeetrinken an. Der Erdbeerkuchen kam jetzt gerade recht. Auch wenn ich die Höhenmeter im Ruhrgebiet unterschätzt habe 474 waren es auf der Tour) , war es trotz allem eine interessante Erfahrung in der Stadt zu fahren. Wenn auch viel langsamer als hier, mit 23 km/h, war es mindestens genau anstrengend, da man nicht in einen gleichmäßigen Tritt kam. Ich lerne, daraus, dass man in Städten definitiv mehr Zeit einplanen muss.

Löcher im Magen, Hyperventilieren und nasse Füße

Lange habe ich nichts von mir hören lassen. Leider war in den letzten Wochen nicht so richtig viel Zeit für längere Touren und wenn es die Zeit hergegeben hätte, war das Wetter so mies, dass doch eher das Sofa gelockt hat. Zwei Tage nach der letzten Tour, bei der wir zu viert unterwegs waren, habe ich mich mit Kai noch einmal in den Harz begeben. Eine 40er Runde mit einigen Höhenmetern zwischen Sieber und Silberhütte. Dort habe ich das erste Mal in meinem Leben hyperventiliert. Ich wusste nicht, dass ich so hysterisch werden kann. Ist aber ein wirklich doofes Gefühl, wenn man vor sich hinkeucht und das Gefühl hat, dass die Luftröhre immer enger wird. Mit panischem Geheule – das volle Programm. Woran genau das gelegen hat weiß ich bis heute nicht. Vermutlich eine Mischung aus Pollenallergie, zu schnellem Fahren am Berg und Erschöpfung von der letzten Tour. Was lernen wir daraus? Ruhig bleiben, Antihistamine nehmen und Regenerationszeiten einhalten. Zur Beruhigung gab es hinterher ein Eis in Bad Lauterberg. Dank Kais Windschatten fuhr ich trotz des kleinen Aussetzers persönliche Rekorde auf einigen Streckenabschnitten.

Etwa eine Woche später, am 30. April habe ich Kai von der Arbeit abgeholt und dabei prompt zwei Krönchen (Queen of the Mountain) bei Strava abgetaubt. Diese sogar aus eigener Kraft und ohne Windschatten. Das macht mich immer gleich doppelt stolz.

Der nächste Dämpfer kam am 01. Mai. Geplant war eine große Feiertags-Runde. Am Nachmittag zuvor war mir allerdings etwas flau im Magen und ich konnte kaum etwas essen. Dies sollte sich am nächsten Tag böse rächen. Von Herzberg ging es über Mühlenberg nach Osterode und Badenhausen. Schon auf den ersten 20 km hatte ich ein großes Loch im Bauch und auch der Müsliriegel konnte dies nicht so recht stopfen. Wir rollten weiter nach Eisdorf und Nienstedt. Auch kräftemäßig lief es nicht rund, sodass ich auf dem Weg nach Marke mitten am Berg anhalten musste um etwas zu essen. Nach Marke ging es bergab. Zum Glück nicht im übertragenen Sinne, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Katlenburg und Wachenhausen waren die nächsten Ziele. Durch die Feldmark ging es – teilweise über Schotter – nach Bils- und Gieboldehausen. Über Rhumspringe fuhren wir zurück nach Hause. Auch die letzten Kilometer hatte ich ganz schön zu kämpfen. Trotzdem wurden es über 67 hügelige Kilometer, die bei super Wetter größtenteils trotzdem Spaß gemacht haben.

Vier Tage später lief es besser. Wieder nahmen wir eine knapp 70 km lange Tour in Angriff. Allerdings dieses Mal über Osterode, Ührde, Wulften, Gieboldehausen nach Duderstadt, wo wir uns Kuchen und Laugenstangen gönnten und dann auf direktem Wege zurück fuhren. Anfangs waren die Beine noch schwer, aber dann lief es ganz gut.

Am 11. Mai nahm ich alleine noch einmal die Serpentinen nach Silberhütte in Angriff um das Hyperventilations-Drama zu verarbeiten. Eher eine Pflichttour, da es ununterbrochen geregnet hat. Ich bin ja nicht wasserscheu, aber irgendwann waren meine Füße klitschnass und meine Zehen stachen, da sie nicht mehr vernünftig durchblutet wurden. Egal – ich möchte ja nicht als Schönwetterradler enden. Da muss man da einfach durch. Und es hat sich gelohnt. Trotz zweier kurzer Pausen am Berg bin ich persönliche Bestzeit gefahren und die Schnappatmung war relativ schnell vorbei.

Am Donnerstag habe ich es getan und bin mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Ich hatte erst zur dritten Stunde und musste lediglich eine Klassenarbeit schreiben lassen. Auf dem Rückweg hängte ich einige Kilometer dran und war letztendlich 86 km unterwegs. Ganz allein und ohne Windschatten. Die Strecke war flach und daher konnte ich eine für mich recht hohe Geschwindigkeit von 26,6 km/h durchhalten. Bei der Tour führte mich der Weg nach Northeim. Mittags besuchte ich Kai kurz in Gieboldehausen und von dort radele ich zurück. Ärgerlicherweise vergaß ich beim Losfahren meine Uhr zu starten. Dies merkte ich erst kurz vor Rhumspringe. Wäre mir das nicht passiert, hätte ich vielleicht die 90 km voll gemacht. Aber frustriert von der fehlenden Dokumentation verzichtete ich darauf. Da ich das erste Mal alleine eine so lange Strecke gefahren bin, war dies sicherlich auch die richtige Entscheidung, da meine Oberschenkel kurz vor dem Ziel anfingen zu zittern.

Um mich zu motivieren habe ich übrigens bei http://www.owayo.de (Achtung, Werbung) ein bisschen Geld für selbst designte Radbekleidung ausgegeben. Sie sollte hier Mitte Juni eintrudeln. Ich bin total gespannt, auch auf eure Reaktion.

Graveltour #7 – Vier Wochen und über 500 km im Sattel

Der erste Monat mit dem neuen Rad ist um. Dann ist es wohl Zeit, ein kleines Resümee zu ziehen. Über die ersten 500 km auf dem Drahtesel, das angeleitete Üben des Schlauchwechsels und die Jubiläums- bzw. Osterradtour zu viert.

Ich kann es kaum glauben, dass ich tatsächlich erst seit einem Monat Rad fahre. Bevor mein Rad überhaupt da war, sah ich der ganzen Sache ja recht kritisch entgegen, da mir das in-die-Pedale-Treten nie auch nur ansatzweise Spaß gemacht hatte. Rückblickend kann ich sagen, dass das sicherlich zumindest zum Teil an schlechtem Material gelegen hat. Seitdem ich mein Gravel habe, hat sich diese Meinung stark geändert, wenngleich ich nicht bei jeder Tour vor Freude und Spaß jubele, sondern oft genug noch ganz schön am Kämpfen bin.

In Woche eins bin ich bereits 96 km gefahren, in Woche zwei 130, in Woche drei 146 km und in Woche vier 180 km. Für einen Anfänger gar nicht mal so übel. Tatsächlich fahre ich auch überwiegend beschwerdefrei, was wohl mit der guten Einstellung des Rades, dem tollen Sattel von Ergon und der super bequemen Bip von Endura liegt. Ich selbst muss, vor allem auf langen Strecken noch weicher in den Ellbogen fahren. Dort hatte es nämlich nach meiner längsten Tour (Graveltour #6 – 90 km+) ganz schön geschmerzt, da ich ein paar Bodenwellen übersehen hatte.

Pannentraining

Für Notfälle hatte mir mein Freund schon vor längerem einen Ersatzschlauch mitgebracht, den ich auch brav immer mitgenommen habe. Häufig sind wir ja zu zweit unterwegs, aber oft genug auch nicht, weshalb es wohl ratsam ist, sich damit zu beschäftigen, wie so ein Schlauch überhaupt gewechselt wird. Kais Rad sollte auf die Sommerreifen, daher war die Situation günstig, mir das Ganze mal zeigen zu lassen. Der Ausbau des Vorderrads war problemlos, auch das Abnehmen des Mantels und des Schlauchs. Allerdings gibt es so viele Dinge zu beachten, das es mit einem Mal üben wohl nicht getan ist… Der Zusammenbau war soweit auch in Ordnung, aber den Mantel das letzte Stückchen in die Felge zu bekommen, wollte mir einfach nicht gelingen. Das hat uns beide echt Nerven gekostet, da ich total ungeduldig und jähzornig bin, wenn mir etwas nicht sofort gelingt. Da kann die Diva schon mal etwas anstrengend werden. Kai hat dann irgendwann übernommen und ich habe das Rad eingebaut. Bis auf die Frickelei mit dem Mantel eigentlich kein Hexenwerk.

Anders sah es beim Hinterrad aus. Dieses ganze Schaltungs- und Kettengerümpel ist ja sowieso noch ein Buch mit sieben Siegeln für mich – wie soll ich da ein Rad wieder unfallfrei reinbauen?? Ok, zuerst in den höchsten Gang geschaltet, Rad ausgebaut, Luft raus, Mantel lösen, Schlauch raus, Mantel raus. Neuen Mantel einfädeln, Schlauch rein und wieder dieses Geduldsspiel.

Irgendwann habe ich Kai gebeten, solange rein zu gehen, bis ich fertig bin und tatsächlich – nach einer gefühlten Ewigkeit – hatte ich den dusseligen Mantel endlich komplett in die Felge gedrückt, ohne dass er sich am anderen Ende genauso schnell wieder löste… Jippieh… Kai durfte also wieder kommen und es ging an den Einbau. Erst schaute ich zu und es sah ganz logisch aus. Dort nach hinten ziehen, die Kette aufs Ritzel legen, wieder loslassen, gar kein Problem! Dann sollte ich. Und schon das erste Problem: wie muss ich jetzt Fahrrad und Rad halten? Und dann ließ mich die völlig andere Perspektive auch verzweifeln. Zuschaut hatte ich von der Seite und von hinten sah das alle ganz anders aus. Ich kam mir vor, wie jemand mit zwei linken Händen. Ich hatte ja immer gehofft, in solchen Fällen nicht das typische Mädchen zu sein. Autoreifen wechseln kann ich ja auch. Hoffentlich bin ich bei meiner ersten Panne nicht auf mich allein gestellt. Und falls doch und ich gar nicht zurechtkomme, nutze ich meinen weiblichen Charme um einen Radfahrer anzuhalten, der mir helfen kann. Oder ich mache es gar wie andere Radlerinnen und lasse mich abholen ;).

Sommerliche Ostertour

Das Osterwetter dieses Jahr ist ja bombastisch und trotz Konzertpremiere am Ostersonntag bekamen wir noch ein Tour unter. Zum ersten Mal waren wir zu viert unterwegs. Mit dabei Kais Zwillingsbruder Sven und seiner Bekannten Alina.

Ich war vorher ganz schön nervös, mit drei erfahrenen Radlern unterwegs zu sein und hatte Sorge, tempo- und ausdauermäßig nicht mithalten zu können. Zuvor musste ich noch mein Rad von Herzberg nach Hattorf holen und hatte schon 9 km Vorsprung. Dann fuhren wir los und die drei schlugen ein knackiges Tempo an, merkten aber, dass sie mich damit etwas überforderten und drosselten es etwas, sodass das leichte Brennen in den Oberschenkeln schnell wieder verschwand. Über die Pöhlder Aue ging es über Scharzfeld und Barbis Richtung Bokelnhagen. Auf der Anhöhe steht, wie schon im Blog Graveltour #3 beschrieben, ein alter Grenzturm. Dort machten wir Pause und wurden plötzlich vom Besitzer angesprochen, ob wir uns den Turm nicht anschauen wollen. Aber sofort, aber gern! Eine tolle Gelegenheit.

Original ist innen nichts mehr, aber man findet eine Sammlung alter Uniformen, Schilder und anderer Relikte aus der Zeit. Total spannend. Jetzt wird der Turm wohl eher für kleine Feiern oder auch als besondere Übernachtungsmöglichkeit genutzt. Nach diesem kulturellen Schmankerl ging es weiter über Zwinge und Fuhrbach nach Duderstadt. Zwischenzeitlich mussten wir nochmal einen Nothalt machen. Damit aus meinem Hungerzweig kein Hungerast wird, musste ich fix einen Riegel vernichten. Auch Alina hatte wohl mit dem Anstieg etwas zu kämpfen und versicherte mir, dass auch ihr die kleine Pause ganz gut tue. Endlich in Duderstadt gönnten wir uns auf dem schönen Marktplatz mit dem bekannten Fachwerk-Rathaus ein fast noch schöneres Stück Kuchen. Trotzdem sollte erwähnt werden, dass es sich bei dem Rathaus um wohl eins der ältesten in Deutschland handelt. Der Bau begann bereits 1302 und es beherbergt unter anderem einen Weinkeller und eine Folterkeller.

Nach der Pause kehrten wir Duderstadt den Rücken und fuhren über Obernfeld und Gieboldehausen nach Wulften, wo wir Alina verabschiedeten. Anschließend ging es für uns drei weiter nach Hattorf. Dort schnappte ich mir den Autoschlüssel und es ging direkt weiter nach Herzberg. 77,92 km und ein Schnitt von 26,3 km/h war das Ergebnis dieser Runde, plus die 9 km der Radüberführung. Zugeben muss ich natürlich, dass ich viel Windschatten gefahren bin. Alleine hätte ich so ein Tempo nicht halten können. Immerhin hatte ich dieses Mal keinen allzu starken Kräfteeinbruch, sodass ich zwar total erschlagen zu Hause die Treppe hochstolperte, aber zufrieden mit meiner Leistung war.

Es war ja außerdem mein erstes Gruppen-Raderlebnis und ein toller Einstand. Mit den dreien zu fahren war sehr schön und die Herren der Schöpfung waren sehr aufmerksam. Danke, dass ihr mich mitgenommen habt!

Graveltour #4 und #5 – Im Harz und an der Ostsee

Zusammengefasst ein kleiner Bericht zu den letzten Touren, da sich ja nicht jedes Mal ein eigener Text lohnt.

In der letzten Woche war ich bei leichtem Nieselregen das erste Mal mit dem Rad im Harz. Regen und Berge – ich fand mich sehr tapfer. Das Ziel war, das Siebertal etwa 15 km in eine Richtung zu beradeln und dann zu wenden, um meine Beine langsam an die Berge zu gewöhnen. Das Siebertal steigt zunächst sachte an, sodass die ersten Kilometer ganz gut liefen. Ab Kilometer 10 findet man sich allerdings auf den Serpentinen Richtung St. Andreasberg. Diese raubten mir ziemlich schnell die Kräfte und ich brauchte zwei kurze Zwischenstopps um wieder zu Kräften zu kommen. Nach 3,5 echt richtig gemeinen Kilometern war ich oben und stolz wie Oskar.

Nun hatte ich ja eigentlich vor, wieder zurück zu rollen, aber das hätte in der Auswertung doof ausgesehen, daher bin ich über Silberhütte nach Bad Lauterberg gefahren und über Barbis und Scharzfeld nach Hause. Bis auf leichte Krämpfe in der Rückseite der Oberschenkel lief der Rückweg echt ganz gut. 41,14 km mit 362 Hm mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h, da kann ich als Anfänger nicht meckern.

Einige Tage später fuhren wir für vier Tage an die Ostsee. Leider hatte sich die Temperatur deutlich abgekühlt, aber trotzdem nutzen wir zwei Tage für Radtouren. Unser Domizil befand sich in Kühlungsborn, dem größten Bade- und Erholungsort Mecklenburg Vorpommerns.

Die Strandpromenade ist über 3 km lang und auch östlich befinden sich wunderschöne Strandabschnitte. Inmitten des Orts liegt der Stadtwald. Dieser ist überraschend groß. Dies lässt sich durch das Verschmelzen der Orte Brunshaupten, Arendsee und Gut Fulgen erklären, welche diesen Wald umgaben. Hier kann man wunderbar spazieren, kleine Runde laufen oder auch hindurch radeln. Auch Wild sieht man dort hin und wieder. Den Wald ließen wir bei unserer ersten Tour allerdings links liegen und fuhren gen Osten nach Warnemünde.

Über Börgerende und Nienhagen ging es entlang der Küste mit schönen Ausblicken, abwechlungsreichen Wegen (Asphalt, Pflaster, Waldboden, Schotter) und dem Gespensterwald nach Warnemünde. Störend waren nur die vielen anderen Touristen, die sich wenig fahrradfreundlich unberechenbar kreuz und quer auf den Wegen bewegten. Dies machte die Fahrt sehr anstrengend, da man kaum flüssig fahren konnte.

In Warnemünde fließt – wie der Name schon verrät – die Warnow in die Ostsee. Daher war schon im 14. Jahrhundert das Dorf sehr wichtig für Rostock, um sich den Hafenzugang zu sichern und wurde daher erworben und blieb bis ins 19. Jahrhundert eher die arme Exklave des großen Bruders Rostock. Heute zieht es viele Touristen nach Warnemünde, was sowohl dem langen breiten Sandstrand, dem charakteristischen Leuchtturm mit dem Kaffee-Pott als auch dem gut fluktuierten (Kreuzfahrt-)Hafen zuzuschreiben ist. Zudem lockt Warnemünde regelmäßig mit Veranstaltungen wie der Hans Sail oder diversen Sportwettkämpfen am, im und auf dem Wasser.

Wir spazierten bis ans vorderste Ende und gönnten uns anschließend am Hafen Fish&Chips, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Leider war es wie erwähnt ziemlich kalt, was einen längeren Aufenthalt nicht möglich machte. Für die Rückfahrt wählten wir den Radweg entlang der Straße, sodass wir zügig und mit wenig Hindernissen zurückfahren konnten. Nach 2:22 h und etwas über 55 km kamen wir wieder in Kühlunsborn an: Eine nette kurze Tour mit schönen Ausblicken. Allerdings ist sie nichts für Schnellfahrer, da der Weg entlang der Ostsee bei schönem Wetter immer sehr voll ist.

Meine Uhr verriet mir nach der Tour, dass dies mal wieder eine längste Strecke war. Das blieb sie aber nicht lange, denn zwei Tage später ging es weiter… In dem Sinne: bike on!

Kleine Anmerkung am Schluss: vielleicht möchtest du mir ja folgen? Darüber würde ich mich sehr freuen!

Graveltour #2 – Fotorunde

Samstag, die Sonne scheint, also `rauf auf´s Bike und los geht es. Vorgestern war meine Premiere und ein wenig tut mir mein Gesäß noch weh, aber trotzdem will ich es heute noch einmal versuchen. Auch die Oberschenkel brennen noch daher packe ich meine Kamera (Panasonic Lumix DMC-TZ101) und mein Stativ ein und fahre bewusst etwas langsamer. Mein erster Halt ist am etwas abseits des Weges gelegenen Lonauer Wasserfall. Mit seiner Fallhöhe von insgesamt 10 Metern ist er der höchste natürliche Wasserfall des Westharzes. Zu sehen ist hier nur der obere Teil.

Weiter geht es zuerst Richtung ehemaliger Herzberger Papierfabrik, jetzt SmurfitKappa. Schon im 16. Jahrhundert stand hier die Lonauer Eisenhütte, im 18. Jahrhundert wurde hier Stahl für die Gewehrfabrik gefertigt, später in der Blankschmiede wurden Werkzeuge produziert. 1890 gründeten L. Strauch & Co. die Herzberger Papierfabrik. Diese wurde so erweitert, dass die im 2. Weltkrieg eingemeindeten Lonauerhammerhütten weichen mussten. Bis etwa 1980 war mein Opa hier Betriebsarzt.

Der Weg führt mich weiter durch Herzberg, entlang des Juessees. Ein beliebter Badesee, mitten in der Stadt. Anders als bei den üblichen Kiesseen in der Gegend handelt es sich hier um einen über 28 Meter tiefen Erdfallsee, der durch zwei Großerdfälle vor 8.000 bis 14.000 Jahren entstanden ist. Die Erdfälle sind in unserer Gegend keine Seltenheit, da die Sulfatanteile des vorherrschenden Karstgesteins unterirdisch ausgelaugt werden und sich riesige Höhlen bilden, die irgendwann einbrechen.

Vom Juessee fahre ich weiter über den Fahrradweg Richtung Pöhlde und Rhumspringe. Wie viele Radwege ist auch dieser eine ehemalige Bahntrasse der Verbindung Herzberg – Bleicherode. Hier mache ich keine nennenswerten Fotopausen. Erst in Rhumspringe wecken die Rhume und eine Forellenzucht meine Aufmerksamkeit.

Danach fahre ich über Rüdershausen, Lütgenhausen und Wollershausen nach Gieboldehausen. Auf dem Weg sehe ich einen Storch und einige Nilgänse und ein Wiesel, welches ich leider nicht ablichten konnte.


In Gieboldehausen hole ich Kai von der Arbeit ab und fahre mit ihm via Wulften und Hattorf nach Herzberg. Seit Gieboldehausen hat der Wind angezogen und die Temperaturen fallen. Es wird ganz schön frisch und ich habe mit dem Wind zu kämpfen, auch wenn ich Windschatten fahre darf. Trotzdem war das wieder eine schöne Runde und zudem meine ersten 45 km.

Der Kreislauf macht zwar heute mit, aber die Oberschenkel fühlen sich sehr hart an. Sicherlich bedürfen sie etwas Regeneration. Aber ich denke, ich habe Blut geleckt…