Harz, Cycle Tour und Trittfrequenzoptimierung

Lange habe ich nichts geschrieben. Vermutlich, da im Job und Haus viel zu tun war und die spektakulären Radfahrten etwas kurz gekommen sind. Und doch gab es das ein oder andere Highlight. High, also hoch hinaus ging es Anfang des Monats. Die Ortskundigen kennen die Schluft, den wunderschönen Taleinschnitt mit dem Bächlein „Schluft“, der von Sieber Richtung Sonnenberg hinaufführt (bzw. aus Wassersicht umgekehrt). Sie beginnt sehr human, ganz leicht bergauf und wird zum Ende hin immer steiler und steiler. So haben die ersten zwanzig Kilometer zwar im Schnitt nur eine Steigung von 2,5 %, aber spätestens auf dem sogenannten Speckhaken wird es für den nicht so versierten Bergfahrer bösartig. Immerhin: mit ein paar kleinen Pausen und unter lauten Schnaufen (sicherlich zur Belustigung der niederländischen Radsportgruppe, die uns überholt hat) habe ich das irgendwann geschafft lebendig oben anzukommen. Der Weg nach St. Andreasberg war danach nur noch ein Klacks und dann ging es fast nur noch bergab. Die Schluft ist nicht nur eine schöne asphaltierte, aber autofreie Strecke um Höhenmeter zu trainieren, die Landschaft ist auch einfach wundervoll, da sie zum Naturschutzgebiet „Sieber“ gehört und mit den Felsen und dem (noch) vorhandenen Wald zu allen Jahreszeiten reizvoll ist, da das Tal teilweise wie verwunschen wirkt. Sicherlich werde ich sie – wenn ich mich fit genug fühle – hin und wieder in mein Trainingsstrecken-Repertoire aufnehmen.

Nach dem bergigen Erlebnis ging es auch in diesem Jahr wieder nach Braunschweig zu Cycle Tour. Dieses Jahr entfiel das Rennen, was leider dazu führte, dass viele sehr ambitionierte Rennradfahrer sich für die Tour angemeldet haben. Das machte den Charakter etwas zunichte, da im letzten Jahr vom Tandem, Lasten- und Hollandrad alles dabei war und alle viel Spaß hatten. Dieses Jahr ging es – wenn auch nur mit persönlicher Zeitmessung – bei vielen nur um Bestzeiten auf den 100km nach Magdeburg und nicht um das entspannte Fahren der Tour. Natürlich hatte auch ich den Ehrgeiz, nicht allzu langsam zu fahren, aber nicht auf Kosten der anderen. Hier und dort gab es immer wieder Genörgele, dass ja die Straßen nicht abgesperrt seien oder die 20er-Gruppen in denen man startete nicht fähig waren, zu kreiseln. Kai und ich sind die meiste Zeit zu zwei gefahren und haben uns so, dem Ganzen entzogen. Dafür hatten wir auch die meiste Zeit gute Laune, haben die Landschaft wahrgenommen und sind trotz alledem schneller im Ziel gewesen als im letzten Jahr. Der Weg über den Elm war aber zugegebenermaßen im letzten Jahr im Pulk viel viel einfacher… Schön war in diesem Jahr, dass viele Bekannte aus dem Südharz dabei waren. Aufgrund der kleinen verpflichtenden Startblöcke war ein gemeinsames Fahren jedoch nicht möglich. Das hätte sicherlich auch Spaß gemacht, obgleich ich nicht weiß, ob ich mich mit den Herren nicht übernommen hätte. Zumindest für ein gemeinsames Foto im Zielbereich hat es aber gereicht.

Der Spätsommer hält sich ja noch bis ins letzte Septemberdrittel, sodass wir gestern eine kleine Wanderung im Harz gemacht haben (ok, aufgrund meiner Arthrose eher ein Spaziergang). Dabei fiel uns auf, dass die B242 (Harzhochstraße) noch bis Sonntag für Kraftfahrzeuge gesperrt sein sollte. Bis Sonnenberg ist dort die Fahrbahn saniert worden. Im Scherz meinte ich, dass man dort ja dann dringend noch langfahren müsse. Solche „Scherze“ gibt es hier im Haushalt aber nicht. Deshalb hieß es heute Morgen früh aufstehen (um den Motorrädern zu entgehen) und gegen 7.45 Uhr Abfahrt Richtung Osterode. Entlang der Söse und der Talsperre fuhren wir in die Berge. Den alternativen Radweg zur Staumauer fahre ich nie wieder. Außer mir sind zu viele Motorrader und Autos unterwegs. Das hatte ich mal gemacht, als ich alleine unterwegs war, da er ausgeschildert war. Die Straße ist viel einfacher zu fahren, da die Steigung viel sanfter ist. Bis Riefensbeek und Kamschlacken lief es recht gut, aber dann machte mir die Steigung langsam zu schaffen, sodass ich noch in der letzten Kurve vor der Harzhochstraße eine Pause einlegen musste. Kurz darauf machte wir einen kleinen Futterstop um gestärkt auf den neu asphaltierte Straße zu gehen. Doch Pustekuchen. Von der Stärkung merkte ich nicht viel. Der ewig lange Anstieg machte mir so zu schaffen, dass ich alle paar Hundert Meter verschnaufen musste. Ich hatte bei den letzten Touren versucht, meine Trittfrequenz etwas zu erhöhen (was mittlerweile auf kürzeren Strecken ganz gut funktioniert, wenn ich mich konzentriere). Bei dem Anstieg war ich allerdings im leichtesten Gang unterwegs und kam über eine 80er-Trittfrequenz nicht hinaus. Dadurch waren meine Oberschenkel nicht vernünftig mit Sauerstoff versorgt und beklagten sich kräftig. Zudem fingen meine Lungen kräftig an zu pfeifen, was in einer Art Hyperventilation gipfelte. Woher das kommt, kann ich gar nicht so genau sagen.

So oder so war ich aber ziemlich am Ende und würde mich über Tipps freuen, wenn ihr das Problem kennt und wie ihr damit umgeht. Trainieren an sanfteren Anstiegen mit guter Trittfrequenz oder immer wieder so an die Grenzen gehen? Ich bin mir wirklich unsicher.

In der Ebene werde ich auf jeden Fall weiterhin schauen, dass ich die Trittfrequenz dauerhaft auf 90-100 bekomme. Scheinbar muss ich aber auch an den Muckis arbeiten, die mich den Berg hinaufbringen. Für eine Gewichtsreduktion esse ich zu viel 😁.

Der Rest der heutigen Tour war dann entspannter. Über St. Andreasberg fuhren noch eine Schleife über die Odertalsperre und zurück nach Hause, sodass wir auf etwas mehr als 70 km mit etwa 860 Höhenmetern kamen. Das war mein persönlicher hm-Rekord bisher.

CycleTour – mein erstes Radevent

(BEITRAG ENTHÄLT WERBUNG OHNE FINANZIELLES INTERESSE)

Ich schwebe noch total auf Wolken. Am Sonntag war ein richtig toller Tag, an dem ich an meinem ersten Radevent teilgenommen habe. Über ein Gewinnsspiel hatte ich die Gelegenheit bei der 4. CycleTour von Braunschweig nach Magdeburg zu starten. Zu den angebotenen Touren und Gründen für meine Wahl hatte ich bereits im letzten Beitrag etwas geschrieben. Angemeldet war ich zusammen mit meinem Freund Kai für die 100 km Tour und entsprechend recht nervös. Zwar gab es keinen Zeitdruck, aber die angekündigten 900 hm (meine Uhr zeigt weniger, aber angeblich sollen es um die 800 gewesen sein) und die lange Distanz waren neu für mich.

Am Vortag war Radpflege und – einstellung an der Tagesordnung. Hier hat Kai den Großteil erledigt, da ich kein Ahnung davon habe, wie man die Schaltung einstellt oder das Schleifen an der Bremse beseitigt. Da blieb mir nicht viel mehr als Werkzeug anzureichen und zuzuschauen. Zum Schluss durfte ich immerhin Speichen, Felgen und Reifen zu säubern. Mit blitzblanken Rädern im Keller mussten wir uns spontan noch um einen Radträger kümmern, da ein Bekannter, der uns eigentlich begleiten (und fahren) wollte absagen musste. Glücklicherweise haben meine Eltern einen Träger zu Hause… Danach fragen konnte ich leider nicht, da sie zu dem Zeitpunkt noch im Urlaub weilten. Abends legten wir uns noch die Kleidung zurecht und bereiteten Flaschen, Brote und Gels vor.

Morgens klingelte der Wecker um 5.30 Uhr. Aufstehen, frühstücken und anziehen – alles wie üblich, nur früher. Während ich die Sachen zusammenpackte ging Kai schon einmal runter um das Auto zu beladen. Kurz darauf stand er wieder vor der Tür. Der Schlüssel für den Träger war nicht da! Also ab ins Auto, zu den Eltern gebrettert, Schlüssel gesucht und gefunden und zurückgedüst. Dann ging alles recht zügig und wir hatten bald alles verladen. So ging es endlich los Richtung Braunschweig. Die Autobahn war schön frei, nur die Baustellen waren etwas lästig. In Braunschweig fanden wir hinter den Schlossarkaden einen kostenlosen Parkplatz (welch Luxus!) und holten zunächst unsere Startunterlagen. Mit dabei war ein kostenloses Trikot (welches wir dem Gewinnspiel zu verdanken hatten) und jede Menge Energie-Reserven in Form von Gels, Energy Gums und Traubenzucker, außerdem zwei Trinkflaschen und eine Flasche Wasser. Um keine Magenkrämpfe zu riskieren, ließen wir die Beigaben aber im Auto und nutzen unsere bewährten Gels.

Während das Starterfeld des Rennens an uns vorbeibrauste rollten wir zum Start. Zunächst noch besorgt, ob ich fit genug bin, stellte ich fest, dass hier auch ganz viele „Normalos“ mit den unterschiedlichsten Fahruntersätzen auf den Beginn der Tour warteten. Wir fuhren die Tour in den eigenen Trikots, da wir die neuen lieber vorher waschen wollten. Noch war es kühl aber die Sonne schien und versprach einen wundervollen Tag.

Mit dem Startschuss war auch die Nervosität wie weggeblasen. Langsam arbeiteten wir uns etwas vor. Wir waren sehr weit hinten gestartet, da wir unsere Eingruppierung (Block C) übersehen hatten und uns in Block E einquartiert hatten. Die ersten Kilometer rollten super und waren auch recht entspannt. Wir fuhren mehrreihig in einem sehr dichten Feld und näherten uns dem Elm. Relativ entspannt fuhren wir diesen hinauf und ich wartete die ganze Zeit, wann der schlimme Anstieg kommt, als wir diesen bereits lange hinter uns hatten. Der Sog des Windschattens einer großen Gruppe ist wirklich enorm. An der einzig längeren Steigung (wirklich steil war sie nicht) hatte ich keinerlei Schwierigkeiten.

Im Elm selbst ging es wellig weiter, sodass man auch immer wieder schöne Abfahrten hatte. Die beste war allerdings bei Schöningen: Ein Radstreifen auf tollem Asphalt, der 1,4 km ohne einmündende Straße schnurgerade bergab führt. Um mich zu erholen ließ ich mein Rad dort nur rollen – mit entspannten 55km/h im Schnitt und einer Höchstgeschwindigkeit von fast 69 km/h. Und das wohlgemerkt ohne zu treten!

Bei Hötensleben fuhren wir über die ehemalige Innerdeutsche Grenze. An diesem Grenzübergang finden sich auch noch ein Grenzturm sowie eines der letzten Teilstücke der Mauer mit Signalzaun und Kfz-Hindernissen. Seit 1990 steht das Grenzdenkmal unter Denkmalschutz, seit 2011 gehört es zum Weltkulturerbe.

Nach 50 km war ein Verpflegungsstand aufgebaut, an dem wir unsere Flaschen auffüllten und ein Brot aßen.

Die nächste Erhebung, das Hohe Holz, zog mir trotzdem den Stecker. Nach 60 km machten meine Oberschenkel plötzlich dicht und ich quälte mich einige Hügel ganz schön hoch. Auch der stärker werdende Wind setzte mir zu. Ein Gel und eine kleine Pause später ging es zum Glück wieder und die Strecke wurde wieder flacher. Ab hier schlossen wir uns einer festen Gruppe an, die ein sehr angenehmes Tempo fuhren. Mit dieser rollten wir auch in Magdeburg ein. In der Stadt blockierte zunächst ein Autofahrer unseren Weg, der – aus welchem Grund auch immer – mit 30 km/h in der 50er-Zone fuhr und den Radverkehr aufhielt und keine Anstalten machte, uns vorbeizulassen. Nachdem verschiedene Leute unserer Gruppe ihren Unmut lautstark verkündet und ans Blech und die Scheibe geklopft hatten, ließ uns der Autofahrer endlich vorbei…

In der Innenstadt war eine Spur für uns gesperrt, sodass wir ungestört fahren konnten, was die letzten Meter sehr angenehm machten. Ich konnte es gar nicht fasse, als die Schilder das Ziel in 30 m ankündigten. Tatsächlich hatte ich mir für die Tour eine Maximalvorgabe von 5h gesetzt und auf 4 1 /2h gehofft. Tatsächlich waren wir aber einen Schnitt von 29,9 km/h gefahren und nach knapp 3 1/2h im Ziel. Damit hätte ich niemals gerechnet. Man sollte doch häufiger in der Gruppe fahren.

Nachdem wir unsere Medaillen bekommen und das obligatorische Zielfoto geschossen hatten spazierten wir noch über die kleine Radmesse und fuhren schließlich mit dem Shuttlebus zurück nach Braunschweig. Auch wenn die Warterei auf die Abfahrt der Busse und auch das Warten in Braunschweig auf die LKW mit den Rädern etwas lang war, war die Veranstaltung total gelungen. Die Strecke war wunderschön und abwechslungsreich. Bis auf wenige kurze Kopfsteinpflasterpassagen war der Asphalt toll zu fahren auch die Laune war super. Die Veranstaltung ist wirklich klasse und ich bin total glücklich, dass ich dabei sein durfte.