Erst Corona (nicht schlimm, aber ich habe mich monatelang nicht so richtig fit gefühlt), dann diverse Termine und viele Fahrten in den Norden, Bayern-Radltour und eine dicke Erkältung hinterher sorgten dafür, dass meine Vorbereitung auf die Cyclassics – sagen wir – „ausbaufähig“ war. Kilometer sammeln konnte ich auch in Bayern, richtige Tempofahrten fehlten in den letzten Monaten – vielleicht sogar in diesem Jahr – gänzlich.
Mein Freund Jan hatte sich nach einigen Jahren Cyclassics- und Rad-Abstinenz ebenfalls angemeldet und war sicherlich noch etwas schlechter vorbereitet, da er in diesem Jahr seinen ersten 100er ebendort fuhr.
Morgens fuhren wir von Lübeck nach Hamburg, tranken noch ein Käffchen, zogen uns um und rollerten zum Start, beziehungsweise unseren Startblock „I“. Am Tag vorher gab es Curry, unter anderem mit Kichererbsen, Linsen und Sojasprossen und irgendetwas daran war nicht gut. Ob es ein Protein-Overload war oder die Sprossen verdorben waren, uns ging es beiden nicht so gut. Ich litt nachts unter leichter Übelkeit und im Startblock war mir ziemlich flau und meine Knie waren etwas weich, Jan ging es zu diesem Zeitpunkt noch gut.



Gegen 9.20 Uhr setzte sich unser Startblock in Bewegung und ich hatte schon vorher mit Jan abgesprochen, dass ich trotzdem versuche, auf Tempo zu fahren. So sah er mich wohl nach einigen hundert Metern nicht mehr, da ich mich bereits an irgendwelche Hintern schnellerer Fahrer geheftet hatte. Ist das Pärchenkonform? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich, wenn ich ein Startgeld bezahle auch alles gebe, um hinterher zufrieden mit meiner Leistung zu sein. Sicherlich nicht das beste Sozialverhalten, aber ich hoffe sehr, dass meine bessere Hälfte mir das nicht übel nimmt. Ein bisschen „Diva“ bin ich halt doch. Jedenfalls kam ich erst einmal gut voran und hatte die ersten dreißig Kilometer einen Schnitt von 40 km/h auf dem Tacho stehen. Dieses Tempo – das merkte ich schon jetzt – war für mich nicht zu halten, aber eine gute Grundlage. Und so hangelte ich mich von Gruppe zu Gruppe, fuhr aber auch immer wieder mehrere Kilometer im Wind, um an eine andere Gruppe anzuschließen. Hier gab es ein schönes Erlebnis. Nachdem ich zwei oder drei Kilometer erfolglos und ziemlich am Limit versucht hatte meine Gruppe (oder zumindest mich) an die nächste zu ziehen, zog ein Fahrer (ich meine, sein Name war Markus) an mir vorbei, um mich abzulösen. Sein Tempo war aber so hoch und ich so erschöpft, dass ich nicht anschließen konnte. Vorher rief ich ihm aber noch ein „Dankeschön“ zu. Plötzlich drosselte er aber das Tempo, als er merkte, dass ich abriss und passte sich mir an. Unglaublich, was für tolle Menschen man teilweise auf der Strecke trifft. Nach und nach verließen mich aber meine Kräfte und ich wurde immer langsamer. In Wedel gab ich nochmal alles, da ich ahnte, dass Stefan, mein Retter vom letzten Jahr, mit seiner Frau am Straßenrand stand. Alles ging jedoch so schnell, dass ich zwar an der entscheidenden Stelle winkte, die beiden aber nicht in der Menschentraube identifizieren konnte. Sie mich allerdings schon. Und sie schafften es sogar, mich zu filmen! Nach Wedel erwarteten mich die einzigen Höhenmeter der Tour, die ich nur langsam angehen konnte, da ich sonst vermutlich über den Lenker gebrochen hätte. Zumindest war das flaue Gefühl im Bauch wieder da. Eigentlich wollte ich die letzten 15 km noch einmal angreifen, dazu fehlte mir aber die Kraft und so fuhr ich ohne Gruppe, aber auf Höhe einer netten älteren Dame aus Schweden (Malin). Wir motivierten uns gegenseitig auf den letzten Metern, sodass ich mit einem Schnitt von 37,3 km/h nach 2:41 h durch den Zielbogen fuhr.
Etwas später erfuhr ich leider, dass es Jan nicht so gut ergangen war. Das Essen rächte sich bei ihm deutlich stärker, sodass er kaum Spaß am Fahren hatte und ziemlich frustriert ins Ziel kam. Vielleicht sollten wir – falls wir noch einmal ein Rennen fahren – vorher etwas trainieren und keine Essensexperimente machen. Gerade letzteres tut mir unendlich Leid. Etwas frustriert saßen wir noch eine Weile an der Alster, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Nächsten Sonntag steht das nächste Abenteuer an… Stay tuned….











