Cyclassics 2023

Erst Corona (nicht schlimm, aber ich habe mich monatelang nicht so richtig fit gefühlt), dann diverse Termine und viele Fahrten in den Norden, Bayern-Radltour und eine dicke Erkältung hinterher sorgten dafür, dass meine Vorbereitung auf die Cyclassics – sagen wir – „ausbaufähig“ war. Kilometer sammeln konnte ich auch in Bayern, richtige Tempofahrten fehlten in den letzten Monaten – vielleicht sogar in diesem Jahr – gänzlich.

Mein Freund Jan hatte sich nach einigen Jahren Cyclassics- und Rad-Abstinenz ebenfalls angemeldet und war sicherlich noch etwas schlechter vorbereitet, da er in diesem Jahr seinen ersten 100er ebendort fuhr.

Morgens fuhren wir von Lübeck nach Hamburg, tranken noch ein Käffchen, zogen uns um und rollerten zum Start, beziehungsweise unseren Startblock „I“. Am Tag vorher gab es Curry, unter anderem mit Kichererbsen, Linsen und Sojasprossen und irgendetwas daran war nicht gut. Ob es ein Protein-Overload war oder die Sprossen verdorben waren, uns ging es beiden nicht so gut. Ich litt nachts unter leichter Übelkeit und im Startblock war mir ziemlich flau und meine Knie waren etwas weich, Jan ging es zu diesem Zeitpunkt noch gut.

Gegen 9.20 Uhr setzte sich unser Startblock in Bewegung und ich hatte schon vorher mit Jan abgesprochen, dass ich trotzdem versuche, auf Tempo zu fahren. So sah er mich wohl nach einigen hundert Metern nicht mehr, da ich mich bereits an irgendwelche Hintern schnellerer Fahrer geheftet hatte. Ist das Pärchenkonform? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich, wenn ich ein Startgeld bezahle auch alles gebe, um hinterher zufrieden mit meiner Leistung zu sein. Sicherlich nicht das beste Sozialverhalten, aber ich hoffe sehr, dass meine bessere Hälfte mir das nicht übel nimmt. Ein bisschen „Diva“ bin ich halt doch. Jedenfalls kam ich erst einmal gut voran und hatte die ersten dreißig Kilometer einen Schnitt von 40 km/h auf dem Tacho stehen. Dieses Tempo – das merkte ich schon jetzt – war für mich nicht zu halten, aber eine gute Grundlage. Und so hangelte ich mich von Gruppe zu Gruppe, fuhr aber auch immer wieder mehrere Kilometer im Wind, um an eine andere Gruppe anzuschließen. Hier gab es ein schönes Erlebnis. Nachdem ich zwei oder drei Kilometer erfolglos und ziemlich am Limit versucht hatte meine Gruppe (oder zumindest mich) an die nächste zu ziehen, zog ein Fahrer (ich meine, sein Name war Markus) an mir vorbei, um mich abzulösen. Sein Tempo war aber so hoch und ich so erschöpft, dass ich nicht anschließen konnte. Vorher rief ich ihm aber noch ein „Dankeschön“ zu. Plötzlich drosselte er aber das Tempo, als er merkte, dass ich abriss und passte sich mir an. Unglaublich, was für tolle Menschen man teilweise auf der Strecke trifft. Nach und nach verließen mich aber meine Kräfte und ich wurde immer langsamer. In Wedel gab ich nochmal alles, da ich ahnte, dass Stefan, mein Retter vom letzten Jahr, mit seiner Frau am Straßenrand stand. Alles ging jedoch so schnell, dass ich zwar an der entscheidenden Stelle winkte, die beiden aber nicht in der Menschentraube identifizieren konnte. Sie mich allerdings schon. Und sie schafften es sogar, mich zu filmen! Nach Wedel erwarteten mich die einzigen Höhenmeter der Tour, die ich nur langsam angehen konnte, da ich sonst vermutlich über den Lenker gebrochen hätte. Zumindest war das flaue Gefühl im Bauch wieder da. Eigentlich wollte ich die letzten 15 km noch einmal angreifen, dazu fehlte mir aber die Kraft und so fuhr ich ohne Gruppe, aber auf Höhe einer netten älteren Dame aus Schweden (Malin). Wir motivierten uns gegenseitig auf den letzten Metern, sodass ich mit einem Schnitt von 37,3 km/h nach 2:41 h durch den Zielbogen fuhr.

Etwas später erfuhr ich leider, dass es Jan nicht so gut ergangen war. Das Essen rächte sich bei ihm deutlich stärker, sodass er kaum Spaß am Fahren hatte und ziemlich frustriert ins Ziel kam. Vielleicht sollten wir – falls wir noch einmal ein Rennen fahren – vorher etwas trainieren und keine Essensexperimente machen. Gerade letzteres tut mir unendlich Leid. Etwas frustriert saßen wir noch eine Weile an der Alster, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Nächsten Sonntag steht das nächste Abenteuer an… Stay tuned….

Die RIBBellin

Schon lange dachte ich über den Kauf eines „echten“ Rennrads nach. Zwischendurch tendierte ich auch kurz zum Kauf eines Mountainbikes, rückte von dieser Idee jedoch wieder schnell ab. Die allgemein explodierenden Kosten bewegten mich dazu, eher früher als später zuzuschlagen, da die Räder in der nächsten Saison vielleicht noch teurer werden. Lange suchte ich nach Rahmen und Marken, die mir gefielen, wägte ab, was ich brauche und was nicht und verzweifelte schließlich am Farbangebot. Mein Scott Speedster 10 Gravel ist in weiß-grau farblich sehr zurückhaltend und ich hätte gerne ein Bike mit weniger Understatement sondern mit mehr „hier bin ich“! Ein Rad, wie es nicht an jeder Ecke zu sehen ist, aber trotzdem bezahlbar war die Idee. SCOTT bietet leider oft nur sehr biedere Farben an und auch bei anderen Herstellern wurde ich nicht richtig fündig. Es entstand die Idee der individuellen Lackierung. Zunächst landete ich bei ORBEA. Die Räder überzeugten mich optisch, die Test nur teilweise. Also ging die Suche weiter und ich landete bei einer Marke, die mir bisher überhaupt nichts sagte.

RIBBLE ist der führende britische Radhersteller und produziert seit 1897. Zudem bieten sie ein faires Preis-Leistungsverhältnis und drei Jahre Gewährleistung. Einziger der Haken: der Brexit. Das Rad muss verzollt werden, was einige Gebühren mit sich bringt. Einmal den Einfuhrzoll von 14% und die Mehrwertsteuer, die in Deutschland berechnet wird. Trotzdem war ich neugierig und klickte mich durch die Seite und generierte spaßeshalber ein Rennrad. Die Farben überzeugten mich digital nichts so ganz, da ich mir nicht sicher war, ob sie wirklich so aussehen, wie sie angezeigt wurden. Das Orange beispielsweise wirkte eher in ein Braun. Auch hierfür bietet RIBBLE eine Lösung. Per Videocall landet man im Showroom in Preston (Lancashire) und kann mit einem netten Mitarbeitern sprechen, der einem die Farben auch vor der Kamera präsentiert, was mir einen deutlich genaueren Eindruck verschaffte. Allerdings tat ich mich mit seinem ziemlich fiesen Dialekt etwas schwer, bei der Klärung meiner anderen Fragen. Trotzdem bekam ich auf alle Fragen eine befriedigende Antwort. Nur die der Rahmengröße blieb bestehen. Denn – wie sollte es anders sein – stand ich genau zwischen M und L. Da mein Rücken verhältnismäßig lang ist, entschied ich mich für L und hoffte, dass das alles so passt und ich mich auch für die richtigen Komponenten entschieden hatte.

Online-Shopping

Ja, ich wagte es und klickte auf „bestellen“. Das war am 27.09.2022. Für die Fertigstellung wurde mir der 31.10. versprochen. Wie cool, kurz vor meinem Geburtstag. So richtig glauben konnte ich die schnelle Lieferung allerdings nicht. Und wie sollte es anders sein, kam einige Tage vor der Lieferung die Nachricht, dass sich „aufgrund fehlender Teile“ die Lieferung um zwei Monate verzögert. Das sah ich entspannt, da das Rad diesen Winter sowieso noch nicht auf die Straße darf. Doch alles kam anders und schon Ende November meldete Ribble den Versand, ich bezahlte online die rund 1000€ Zoll und am 01.12. stand der große braune Radkarton vor meiner Haustür. Ich war total ribbleig, nein hibbelig, wegen der Lackierung und total froh, als ich die ersten Teile des Rades freilegte.

Vor allem das „Pink Blossom Metallic“ ist der absolute Hammer und ich war froh, dass ich den Schriftzug in anthrazit und nicht schwarz gewählt hatte. An das „Seville Orange“ musste ich mich einen Moment gewöhnen, aber ich denke, dass die Kombination in der Sonne super aussehen wird, da ich zusätzlich zum Metallic Lack auch ein Glitzerfinish bestellt hatte. Wenn es ein divenhaftes Rad wird, dann auch richtig!

Die Komponenten sind von Level. Gut gefallen tut mir das Laufgeräusch der Laufräder mit Carbonfelgen und Messerspeichen. Das Lenkerband ist erst einmal orange. Ob es immer so bleiben wird weiß ich noch nicht. Ich wollte es aber einmal probieren, ob es zum Lack passt. Der Sattel ist von Fizik und ein Test. Mal schauen, ob ich mit dem zurecht komme. Falls nicht, wechsele ich wieder zu meinem Ergon, vielleicht aber in der Carbon-Variante.

Nun aber zur technischen Ausstattung, auf die viele ja hier schon warten:

Schaltgruppe: Shimano Ultegra Di2 R8100 2×12 (Kassette 11-34, Kettensatz 34/50)

Bremsen: Shimano Ultegra Hydraulisch Disc

Mit Pedalen (noch die schweren Shimano-MTB-Pedale, da ich die Schuhe ja auf beiden Rädern fahre) wiegt es knappe 9kg, also etwa 3kg leichter als mein Gravel.

Kosten: inkl. aller Steuern und Zölle knappe 6.000 €.

Da ich jetzt ein mega cooles Rad habe, habe ich mich dazu entschieden es auch mit einem Bikefitting vernünftig anpassen zu lassen. Also kontaktierte ich EIC-Bike in Leinefelde, die einen ziemlich guten Ruf genießen. Das Bikefitting klappte sogar noch in diesem Jahr, am 15.12. Finanziell schlug es noch einmal ordentlich zu Buche, aber was tut man nicht alles für ein paar mehr Watt auf dem Pedal. Mein Rad wurde mit Neugier begutachtet und ich erntete viel Lob bezüglich der Lackierung. Philipp, der Bikefitting-Spezialist, nahm sich volle zwei Stunden, um mich zunächst von Kopf bis Fuß zu vermessen und mich anschließend auf das Dummy-Bike zusetzen. Dort bekam ich für die 3D-Bewegungsanalyse Klebemarkierung an alle Gelenke, über die die Kamera während der Fahrt die Körperwinkel messen konnte. Nach der Grundeinstellung probierten wir verschiedene Sattelhöhen und -neigungen aus, sowie verschiedene Sättel. Vielleicht probiere ich meinen SQLab 612 (15er Breite), der bisher sein Dasein auf dem Kickrbike fristet doch noch einmal aus. Auch für die Schuhe bekam ich den Tipp doch das Fußgewölbe stärker zu unterstützen, um die Füße zu entlasten. Bei den ganz langen Touren um die 200km hatte ich ja immer brennende Fußsohlen. Ganz optimal ist mein Lenker leider nicht. Statt eines 120er Vorbaus wären 100mm für mich besser und mit 42cm ist der Lenker doch etwas breit. 38cm wäre optimal. Philipp versicherte mir aber, dass ich damit auch zurecht kommen sollte und ich nur bei ganz langen Strecken Probleme bekommen könnte. Ich werde es ausprobieren und mir im aller schlimmsten Fall irgendwann noch einmal einen neuen Lenker kaufen. Die Cleats saßen soweit gut, sodass dort nichts verändert werden musste. Alles in allem habe ich mich ziemlich wohl gefühlt und bekam auch noch eine Führung durch den Laden, bevor ich mich wieder ins Auto setzte nach Hause rollte. Ein toller Service, den ich jederzeit weiterempfehlen würde, vor allem, wenn Sitz- oder Knieprobleme oder ähnliches bestehen.

Nun steigt natürlich nun die Ungeduld, die den Frühling herbeisehnt um das gute Stück endlich auszuprobieren….