Pleiten, Pech und Pannen – aber trotzdem schön

In den Herbstferien entschloss ich mich, mit Andy aus Dresden an die Ostsee zu fahren, um dort ein paar Touren gemeinsam zu fahren. Los ging es mit einer kleinen Sightseeing-Runde zum Bastorfer Leuchtturm und nach Rerik. Die Runde war sehr entspannt und die Sonne sorgte für einen tollen Nachmittag.

Für den nächsten Tag war eine längere Tour nach Schwaan geplant. Schwaan wurde Ende des 19. Jahrhunderts zu Künstlerkolonie und ist noch immer sehr sehenswert, durch viele Kunstwerke, schöne Brücken und bemalte Hauswände. Daher wollte ich schon immer dorthin. Die geplante Route war 106 km lang.

Es war kühler und vor allem viel nebliger als gedacht. Bereits nach 15 km war bei Andy die Luft raus. Dies bemerkte ich, da ich plötzlich feinen Milchregen aus dem Reifen abbekam. Da es ein schleichender Platten war, schafften wir es noch auf der letzten Rille zurück nach Kröpelin, zur dortigen Fahrradwerkstatt. Dort zeigte sich große Hilfsbereitschaft, aber leider nicht soo viel Ahnung, da der Mechaniker noch nie ein Rennrad in der Hand hatte und auch noch keine Steckachse kannte. Trotzdem schaffte er es, einen Schlauch einzuziehen und wir fuhren weiter.

Wenige Kilometer später war der Reifen leider wieder platt. Und im Mantel fand sich ein ziemlich beeindruckender Cut. Also gab ich Andy meinen Schlauch und „opferte“ meine CO2-Kartusche (das funktioniert übrigens super!). Positiv gestimmt rollten wir weiter. Bis Schwaan waren es nur noch 8 km als es unter meinem Hintern plötzlich schwammig wurde. Das konnte doch nicht wahr sein! Keine Luft, kein Schlauch – Ende der Tour. Leider im Nirgendwo.

Etwa einen Kilometer weiter stießen wir auf eine Bushalstestelle, warfen einen flüchtigen Blick auf den Fahrplan und freuten uns, dass der nächste Bus in 45 kommen sollte. Also warteten wir und versuchten parallel Kleintransporter anzuhalten, um vielleicht doch nach Hause oder zumindest nach Bad Doberan zu trampen. Leider hielten lediglich einige Autos an, in die wir nicht mit beiden Rädern passten. Trotzdem toll, wenn sich Menschen finden, die helfen wollen! Der Bus kam auch nach 50 Minuten nicht, sodass wir den Fahrplan doch noch einmal genauer studierten. Die kleine Bemerkung, dass er nur am Wochenende fährt, hatten wir leider überlesen und die weiteren zwei Stunden bis zum nächsten Bus wollten wir nicht warten. Also kontaktierte Andy die Taxiunternehmen der Region, um ein Taxi zu organisieren, das uns mit Rädern mitnehmen konnte und ich hielt weiter den Daumen in den frischen Wind. Das Taxi kam etwa 30 Minuten später und ich war mittlerweile ganz schön durchgefroren. Für schlanke 70 Euro reisten wir zurück nach Kühlungsborn und suchten dort zeitnah den nächsten Radladen auf, um ausreichend Schläuche und CO2-Kartuschen zu erwerben. Schließlich wollten wir am Folgetag eine größere Tour von Neukloster aus fahren. Eine so teure kurze Radtour bin ich bisher noch nie gefahren, denn mehr als 50km sind es nicht geworden…

Der nächste Morgen verwöhnte uns wieder mit viel Sonne. Und wir starteten mitten in Neukloster Richtung Schwerin. Das Profil war unerwartet wellig und windig war es zudem auch. Anfang hing ich viel in Andys Windschatten, da er gleich ein straffes Tempo vorlegte.

Wir fuhren östlich bis zur Mitte des Schweriner Sees und überquerten ihn bei Rampe. Schnell waren wir am Schweriner Schloss und nutzten den Aufenthalt für einen ausführlichen Fotostop.

Anschließend fuhren wir mit viel Seeblick am Südufer entlang nach Crivitz. In Crivitz meldete sich der Hunger und wir kehrten in einer alten und richtig guten Bäckerei ein. Der Kuchen war verhältnismäßig günstig und richtig lecker!

Als wir losfuhren passierte es, Andy fuhr sich auf dem Kopfsteinpflaster erneut einen Platten. Wieder wechselte er den Schlauch und entschied sich, den alten Schlauch in den Mantel zu legen, um den Cut zu verstärken. Dafür benötigte er eine Schere oder etwas vergleichbares. Also klingelte er bei einer älteren Dame und fragte sie nach einem Messer. Sie war sichtlich erschrocken. Sicherlich hatte sie noch nie erlebt, dass bei einem Überfall vorher nach einem Messer gefragt wurde. Nachdem sie die Tür schnell wieder geschlossen hatte, brachte sie schließlich ein kleines Küchenmesser, was seinen Dienst tat. Mit repariertem Reifen ging es weiter.

Vor der Tour hatten wir beschlossen, die Runde zu kürzen, wenn wir wieder einen Platten haben. Das taten wir auch und fuhren nicht bis Goldberg, sondern relativ direkt durch Sternberg und ein Stück durchs Warnowtal. Am Ende des Tals erwartete uns eine fiese und plötzliche Steigung. Ich hatte sie kürzer kalkuliert und fluchte etwas, als sie auch nach der Kurve noch weiter ging. Hätte ich das geahnt, wäre ich den Berg entspannter angegangen. Laut schnaufend kam ich aber oben an. In Groß Görnow fuhren wir durch ein altes Rittergut, welches derzeit saniert wird. In ein paar Jahren ist es sicherlich wunderschön!

Musste ich am Anfang ziemlich keulen, ließen nun bei Andy etwas die Kräfte nach weshalb ich vor fuhr. Mit kräftigem Rückenwind ging das auch wie von alleine, wenngleich die Strecke weiterhin fröhlich bergauf und bergab ging. Aber auch seenreich war die Gegend, was die Fahrt sehr abwechslungsreich gestaltete. Nicht umsonst waren wir auf Teilen der MSR (Mecklenburger Seenrunde) unterwegs. Das nun folgende Waldstück gefiel mir besonders gut. Der Asphalt war überwiegend in einem super Zustand. Für den zügigen PKW-Verkehr war der Weg nur etwas schmal. Die kleinen Rampen machten aber total Spaß, auch wenn sie fordernd waren. Langsam wurde ich auch ziemlich erschöpft und war froh, als wir die letzte Kuppe vor Neukloster erreicht hatten und nur noch bergab rollen mussten um das Zeil zu erreichen. Ein Gutes hatte die Abkürzung: ohne diese wären wir wohl zu spät zum Inder gekommen. 😉


Nach dem Urlaub verabredet ich mich am 30.10. mit Kai, der vorschlug zum Josephskreuz bei Stolberg im Harz zu fahren. Ich plante bei Komoot die Strecke und stellte fest, das selbst durch den Harz die Strecke nicht viel mehr Höhenmeter hatte als am Harzrand entlang. Also fuhren wir los über Bad Lauterberg und Braunlage und von dort aus Richtung Osten über Sorge, Tanne, Hasselfelde und Stiege.

Pause in Stiege

Ab Stiege wechselte die Landschaft von kahlen ehemaligen Fichtenbeständen zu einer grünen, belaubten Hochebene. So richtig fühlte man sich dort gar nicht mehr im Harz. Langsam ging es bergauf und ab dem Parkplatz Auerberg folgte der größte Anstieg der Tour, der sich mit knapp 6 Prozent über 1,4 km zum Ziel hochzog.

Das Josephskreuz ist 38m hoch und wurde ursprünglich 1832 für Graf Joseph zu Stolberg-Stolberg angefertigt. Der Graf selbst ist nicht so bekannt, umso bekannter jedoch der Architekt des Doppelkreuzes. Es war kein anderer als Karl Friedrich Schinkel, um den man im Berliner Raum überhaupt nicht herum kommt. Leider brannte dieses Holzkreuz 1880 ab. Da es gerade in Mode war (siehe Eiffelturm in Paris) wurde er durch einen anderen Künstler Ende des 19. Jahrhunderts in Stahl erneut gebaut. Seitdem wurde es zweimal umfangreich restauriert und ist ein echter Blickfang, der aus jeder Himmelsrichtung gut aussieht.

Das Josephskreuz

Dort gönnten wir uns bei bestem Wetter eine Pause, bevor wir nach Stolberg rollten. Dort lockten zahlreiche Fotomotive, aber die Zeit drängt etwas, weshalb wir nur kurz dort hielten. Am Harzrand ging es stets wellig zurück Richtung Heimat.

Stolberg – ein wunderschöner Fachwerkort

Im Örtchen Buchholz wurden wir von einigen verkleideten jungen Herren aufgehalten, die teilweise in DDR-Polizeiuniformen dort Schützenfest feierten und um Wegezoll bettelten. Als sie uns fragten, woher wir kommen und ich sagte „aus der Nähe von Osterode“, sagten sie, dass wir ja dann gleich da seien. Ja, man kann 45 km als „gleich“ bezeichnen, aber ich dachte nicht weiter darüber nach. Zwei Orte später wussten wir, was sie meinten. Auch dort gibt es ein Örtchen namens Osterode… Bis Ellrich wurden die Wellen immer anstrengender und ich war froh, als wir endlich wieder bei Walkenried wieder in Niedersachsen landeten. Ich hatte knapp 1400hm und wollte gerne noch die 1500 erreichen. Dafür machten wir zunächst noch einen sehr plötzlichen Schlenker in Scharzfeld. Der kam so spontan, das ich nicht mehr rechtzeitig in den leichteren Gang schalten konnte. Trotzdem kam ich irgendwie den Berg hoch. In Herzberg fehlten mir immer noch ein paar Höhenmeter. Daher fuhren wir noch zum Schloss hoch, wo meine Höhenmeter endlich über 1500 anstiegen . Dafür zeigte mir Strava statt meiner 140km nur 139,9km. Der Klassiker. Aber irgendwas ist ja immer. Die Tour war richtig schön, das Wetter für Ende Oktober bombastisch. Es geht nichts über nette und rücksichtsvolle Radbegleitungen. Das gilt natürlich auch für Andy.

Laufversuch und mit dem Rad zum Frühstück nach Braunlage

Wer meinen Blog schon eine Weile verfolgt weiß, dass ich aufgrund von Arthrose in den Großzehengrundgelenken im November 2018 das Laufen an den Nagel gehängt habe. Mit den Schmerzen machte es für mich einfach keinen Sinn mehr. Seit einigen Monaten bin ich jedoch wieder überwiegend schmerzfrei, weshalb ich dachte, dass ich es gerne wieder probieren würde. Keine Extreme und keine langen Strecken, das würde sicherlich nicht gut gehen, aber eine Handvoll Kilometer mal wieder laufend zurücklegen können wäre toll.

Letzte Woche bestellte ich mir neue Laufschuhe (so etwas habe ich die letzten vier Jahre ja nicht besessen) und zwar die Hoka Carbon X3. Mit ihrer Carbonsohle haben sie eine sehr hohe Steifigkeit, die meinen Zeh hoffentlich entlasten sollte. Da ich es auf ein Sonderangebot angelegt hatte sind sie leider minimal zu klein, aber blaue Zehennägel hole ich mir hoffentlich trotzdem nicht. Es dauerte fast eine Woche bis ich mich traute zu laufen. Was daran so schwierig ist? Vermutlich der Druck an mich selbst. Natürlich wäre ich enttäuscht, nach zwei Kilometern gehen zu müssen oder hatte auch Angst davor, dass die Schmerzen wiederkommen. Die Sonne lachte jedoch, der Morgen begann großartig, also schnürte ich die Schuhe und los ging´s. Ich wählte ganz optimistisch gleich eine wellige Strecke und auch wenn sich die Beine etwas schwer anfühlten lief es sich recht gut. Über den Papenberg ging es zurück nach Herzberg und einmal um den Jues und ich hatte zum Schluss tatsächlich 5,5 km auf der Uhr mit einer Pace von 6 min/km. Damit bin ich für den Start extrem zufrieden. Jetzt heißt es nur Däumchen drücken, dass es auch so bleibt….

Nachmittags ging es mit meinem neuen Kollegium nach Northeim zum Stand Up Paddeln. Unsere Schule hat reichlich Bretter und so konnten alle, die Lust darauf hatten bei super Temperaturen (warum auch immer hatte ich den langen Neo eingepackt, mich dann aber für den Badeanzug entschieden) aber kräftigem Wind eine Runde auf dem Kiessee paddeln.

Nach den beiden Sporteinheiten wachte ich heute Morgen mit leichtem wohligem Muskelkater auf, der aber nach dem ersten Frühstück gleich vertrieben werden sollte. Mein Pannenretter Stefan aus Hamburg (Cyclassics) hatte mich zusammen mit seiner Frau Inken auf einen Kaffee in ihr gemeinsames Ferienhaus (ein wunderschönes Blockhaus) in Braunlage eingeladen. Da ich ihm sowieso etwas schuldig war, bot ich an, zum Frühstück vorbeizukommen und Brötchen mitzubringen.

Um 7.30 Uhr ging es los. Leider hatte ich auf den ersten Kilometern bis zur Odertalsperre mit kräftigem Gegenwind zu tun. Ab dem Anstieg Höhe Rinderstall wurde es aber besser, trotzdem brauchte ich für die ersten 15 km länger als geplant. der lange Anstieg zog sich quälend lang und ich hatte das Gefühl kaum vom Fleck zu kommen. Kurz vor dem Ende kam mir ein Radfahrer entgegen, der mir schwer bekannt vorkam. Kai war eine ähnliche Runde anders herum gefahren und begleitete mich noch die letzten Meter bis zur Bergkuppe. Den Rest schaffte ich gut alleine und stand um 8.58 Uhr beim Bäcker. Die avisierten 9 Uhr schaffte ich nicht ganz pünktlich, aber wir hatten ja auch AB 9 Uhr vereinbart. Ich wählte den Bäcker mit der längsten Schlange (was eine gute Entscheidung war) und fuhr die letzten Meter bis zum Feriendomizil in der Nähe des Bodefalls. Dort erwarteten mich die beiden schon winkend und sehr herzlich und hatten ein tolles Frühstück aufgefahren. Ich verbrachte dort ein paar schöne Stunden und durfte mich noch ins Gästebuch eintragen und das Blockhaus besichtigen, was die beiden zum Großteil selbst errichtet hatten. Sicherlich sehen wir uns mal wieder. Sei es in Hamburg, Herzberg oder Braunlage.

Schließlich musste ich mich aber doch loseisen und setzte meine Tour in Richtung Oderteich fort. Nach dem Anstieg dort hoch war das Schlimmste an Höhenmetern geschafft. Der Sonnenberg hatte nun keinen großen Schrecken mehr. Kurz vor der Kuppe des Sonnenbergs hatte ich zwei Rennradfahrer im Nacken, die ich bis zum Ortsausgang St. Andreasberg leider wieder verloren hatte. Bergab kann ich… Trotzdem wäre etwas Begleitung nett gewesen, denn im Siebertal traf ich wider erwarten leider wieder auf Gegenwind. Trotzdem lief es ganz gut und ich entschied mich, nach einem kurzen Stop zu Hause noch nach Hattorf zum Flugplatzfest weiterzufahren um dort noch einen Crêpe zu essen und den Kunstfliegern zuzuschauen. So kam ich auf 77 km mit 850 hm (komoot hatte etwas mehr berechnet). Eine tolle spätsommerliche Tour mit netten Begegnungen. Ich habe sie sehr genossen und freue mich, dass das Bergfahren immer besser klappt. 🙂

Die 12. Große Weserrunde 2022

Vor zwei Jahren hatte ich einen Startplatz für die Große Weserrunde mit Start in Rinteln gewonnen. 2020 entfiel dieses Event allerdings und im Jahr 2021 war ich erkrankt. Die Veranstalter waren jedoch so großzügig, mich in diesem Jahr starten zu lassen. Angeboten werden Distanzen von 80 bis 350 k. Wir entschieden uns für die 200 km – eine Herausforderung, die aber nicht unmöglich ist. Ich fuhr nicht alleine, sondern nahm – schon ein bisschen schräg – meinen Exfreund Kai mit. Außerdem hatten sich auch Bernd aus Bad Grund und Jörg aus Hildesheim angemeldet. Kurzerhand buchten wir vier zwei Zimmer in einer seehr günstigen Unterkunft (20€ pro Person – ohne Frühstück). Entsprechend rustikal empfing uns der holländische Vermieter mit fleckigem bauchfreien T-Shirt in seinem Fachwerkhaus, das teilweise nach bester Heimwerkerkunst umgebaut, teilweise aber auch etwas naturbelassen war. Es war… interessant, aber für eine Nacht völlig ausreichend. Nur eine Badezimmertür wäre schön gewesen… Der Holländer räumte uns auch sogleich das TV Möbel aus dem Zimmer, damit wir unsere Räder dort parken konnten.

Abends gab es Pizza in Rinteln und dann versuchten wir zu schlafen, was mehr schlecht als recht gelang. Gespräche der Ukrainer, die ebenfalls in dem Haus untergebracht waren, knallende Autotüren, quietschende Reifen und mein lästiges ISG hielten mir neben Kais Geschnurchele (richtiges Schnarchen war es nicht) wach.

Bernd, ich, Kai und Jörg
Für den kleinen Hunger

Ein paar Stunden Schlaf bekam ich aber doch, bevor um 5 Uhr der Wecker klingelte. Wir zogen uns um, luden die Räder auf´s Auto und rollten nach Rinteln. Dort starteten wir bei wolkenverhangenem Himmel mit unserem Frühstück, während kurze Zeit später auch Jörg und Bernd eintrudelten.

Um 7:02 ging es los und wir starteten mit einigen Mitfahrern flussaufwärts auf der östlichen Seite der Weser und rechneten ständig mit Regen. Anfangs noch in einer größeren Gruppe, splitteten wir uns nach einer Weile auf und verloren dabei auch Jörg und Bernd. Die Strecke war zwar beschildert, einige Schilder wiesen jedoch in die falsche Richtung, was mehrfach zu Irritationen führte. Der Regen ließ weiterhin auf sich warten. In der Nacht hatte es jedoch kräftig geregnet und gestürmt, sodass überall Zweige und Äste lagen. Bei einem Ausweichmanöver (bergauf und daher langsam) stürzte ein Fahrer und versuchte sich noch an mir abzustützen. Zum Glück stürzte ich aber nicht mit und auch ihm ist nichts passiert. Auch ein Erdrutsch und schlammige Überbleibsel überschwemmter Straßen begegneten uns und zeugten von einer wilden Nacht.

Nach der ersten Essenspause nach 50 km schlossen wir uns einem Team aus Minden (El Toro Radsport) an. Hier bekam ich nach und nach noch ein paar Infos zum Gruppenfahren in zwei Reihen. Das war wichtig, da ich ja auch immer wieder versucht habe Führungsarbeit zu übernehmen, aber nach 120 km einfach nicht mehr im Wind das Tempo halten konnte und kurz davor war, die Gruppe zu verlassen, um ja keinen Ärger mit den Mitfahrern zu provozieren. Da war ich für die Tipps sehr dankbar und es hat auch wunderbar funktioniert. Vielen Dank an die Herren für das Mitziehen.

Nicht so gut lief es für Kai, der nach 82 km einen Platten hatte. Ich sollte in der Gruppe weiterfahren. Leider kämpfte er recht lange mit dem Schlauchwechsel (Tubeless Ready Felgen sind etwas wunderbares…), sodass er uns vor der nächsten Pause nicht mehr einholte. Über Bodenwerder und Holzminden kamen wir schließlich zum Wendepunkt in Beverungen, wo Kai wieder etwas abgekämpft zu uns stieß wir Nudeln aßen und anschließend den Weg auf der westlichen Weserseite zurück nach Rinteln antraten. Ab dort hatte wir Gegenwind, der auch in der Gruppe Kräfte kostete.

Mit den roten Stieren
Kai ist wieder da!
Weiter geht’s…

Nach einer weiteren Stärkung bei etwa km 140 ging es in die Berge. Das WeserBERGland heißt nach nicht grundlos so. Ausgewiesen war die Strecke mit über 1600 hm, letztlich waren es wohl etwas über 1300. Blöderweise kamen die Anstiege zum Schluss und so kämpfte ich mich Berg um Berg und Anstieg um Anstieg weiter Richtung Ziel nicht ohne zwischendurch mal ein wenig zu hyperventilieren. Als der letzte Anstieg geschafft war, lag noch eine Abfahrt und ein paar letzte Kilometer vor uns, bevor wir glücklich ins Ziel einfuhren. Auf der Brücke fotografierte uns noch ein Fotograf oder Journalist, der uns später auch noch interviewte. Mal schauen, was mit diesem Interview passiert. 🙂

Wir holten uns unsere Urkunden ab und nutzten die Duschen, bevor wir uns aufs Essen stürzten. Überhaupt kulinarisch war die Weserrunde ein großes Vergnügen. Auch die Mitfahrer waren allesamt sehr sympathisch und man traf ein paar bekannte Gesichter. Wir kommen bestimmt gerne wieder, auch wenn die Höhenmeter am Ende schon eine ziemliche Zumutung sind ;)…. Vielleicht gibt es beim nächsten Mal sogar Sonne? Wobei wir schon sehr glücklich waren, wider Erwarten trocken über den Tag zu kommen.

Cyclassics 2022

Kann Spuren von unbezahlter Werbung enthalten

Gewinnspiele sind mein Ding und gelegentlich gewinnt man wirklich coole Dinge, wie zum Beispiel im letzten Jahr einen Startplatz für die 60 km Distanz bei den BEMER Cyclassics in Hamburg. Bereitgestellt hatte diesen sporting hamburg. Corona machte uns Startern im letzten Jahr jedoch einen Strich durch die Rechnung, denn das Rennen wurde wenige Tage vorher abgesagt. In diesem Jahr sollte es aber wieder an den Start gehen. In der Zwischenzeit hatte ich mich dazu entschieden, auf 100 km umzumelden. Die Anfahrt sollte sich ja auch lohnen.

Bereits am Mittwoch fuhr ich nach Kühlungsborn um noch ein paar Tage am Wasser mitzunehmen. Mit dem Wetter hatte ich ziemlich Glück und erwischte lediglich einen Regentag. Die anderen beiden Tage verbrachte ich überwiegend am Strand und auch ein wenig auf dem Rad. Bei meiner kleinen 45 km-Runde legte ich auf auf den ersten 7 km bereits 100 hm zurück, indem ich die Kühlung überquerte. Ja, es gibt dort durchaus auch Hügel. Ein weiterer kleiner Anstieg erwartete mich am Bastorfer Leuchtturm. Vorher machte ich aber am Hafen in Rerik ein kleines Päuschen.

Über Strava hatte ich festgestellt, dass ein Bekannter aus dem Harz, mit dem ich vor etlichen Jahren mal auf den Brocken gelaufen war, ebenfalls in Kühlungsborn war. Aus einem Mal-kurz-hallo-sagen am Strand wurde ein ausgedehnter Strandtag mit Tobias, seinen Kids und Bekannten. Ich wurde auch zweimal zum SUP genötigt und war begeistert. Sicherlich ist mein Gleichgewichtssinn nicht der beste und auf dem kleineren Board landete ich auch zweimal im Wasser, aber es ist eine tolle Sportart, die ich dringend hier im Harz weiter ausüben möchte. Zwischen den zwei SUP-Einheiten schwamm ich auch noch 1000 m und hatte für diesen Tag mein Sportsoll definitiv erfüllt. Auch an den zwei Abenden, die ich noch in K´born verbrachte, war ich von der Gruppe eingeladen, zu den Musikevents mitzukommen. Das war schön, vor allem, da der zweite Abend mit einer Pink Floyd-Coverband (Who´s Pink) wirklich auch richtig gut war.

Am nächsten Tag schob ich mich innerhalb von drei Stunden im Auto durch Blechkolonnen von Kühlungsborn nach Hamburg. Irgendwann war ich dann auch im Hotel in der Nähe des Schanzenviertels angekommen. Das Zimmer war noch nicht fertig, weshalb ich mich zunächst zu Fuß auf den Weg zur Anmeldung machte. Die Anmeldung klappte reibungslos und ich traf noch auf einige (facebook-) Bekannte (Richard, und Tina, die ich bisher nur digital „kannte“ und Maik und Alain). Zusammen gönnten wir uns ein ein Weizen und schlenderten noch über die Expo. Dort griff ich noch einen Riegel ab und probierte die Druckwellenmassage bei Reboots aus. Ich hatte vor einiger Zeit einmal ein ähnliches No-Name-Produkt probiert, welches ich an den Knöcheln als eher unangenehm empfunden hatte. Dies war hier nicht der Fall. Von den Füßen her füllen sich nach und nach Kammern mit Luft und sorgen für eine Komprimierung und damit einer Lymphdrainage. Auf einer nicht zu hohen Stufe war das am Tag vor dem Rennen sehr angenehm.

Nach dem Bummel über die Expo ging nach und nach jeder seiner Wege. Meiner führte mich zurück ins Hotel und unter die Dusche. Danach ging ich ins Schanzenviertel, um etwas Essbares zu ergattern. Dies gelang mir auch. Die Cannelloni waren nicht weltbewegend, aber sie machten satt und waren preislich in Ordnung. Im Zimmer schaute ich noch ein bisschen fern und machte mich bald bettfertig. Das Zimmer ging nach hinten raus und war daher recht ruhig, sodass ich bis 5.58 Uhr schlief, zwei Minuten bevor der Wecker klingelt. Besser geht es nicht. Ich zog mir schnell etwas an und ging zum Frühstück, was auch super war. Anschließend belud ich mein Auto und präparierte mein Rad mit den Startnummern. Nur die Nummer am Lenker konnte ich noch nicht anbringen, da ein Kabelbinder im Startbeutel fehlte. Das holte ich aber bei der Startbeutelabgabe nach. Beim Servicepoint von Paul Lange überprüfte ich auch noch einmal den Luftdruck, damit auch ja nichts schiefgeht….

Am Eingang des Startbereichs L traf ich wieder auf Richard. Nach dem Start wuselte ich mich eine Weile durch und schloss mich einer überholenden Gruppe an. Diese war super und wuchs im Laufe des Rennens auch noch weiter an. Wir fuhren von vornherein ein beachtliches Tempo von 38 km/h und wurden auch nicht langsamer, da wir super starke Männer dabei hatten, die viel Führungsarbeit übernahmen. Ich war lediglich zweimal vorne und auch nur für wenige Kilometer. Im Wind war das nicht mein Wohlfühltempo. Im Sog lief es jedoch reibungslos und nur nach Kurven musste ich mehr reintreten und merkte da schon die Spannung in den Oberschenkeln und war immer wieder besorgt, von der Gruppe abzureißen, das Team sammelt mich aber immer wieder ein, sodass ich über lange Strecken nahezu entspannt mithalten konnte.

Über Schenefeld und Appen ging es flach bis Elmshorn, wo wir am Wendepunkt der Strecke ankamen, südlich führte uns der Weg wieder zurück Richtung Hamburg.

Ein bisschen Führungsarbeit habe ich auch übernommen. Hinter mir die großartige Gruppe, die mir ein bombastisches Tempo ermöglicht hat,

Bei Wedel, nach knapp 70 km passierte es. Plötzlich klang mein Reifen komisch und wurde schwammig und mein Blick nach untern bestätigte meine Vermutung – ich hatte einen Platten. Also ausgeschert und ohne nachzudenken das Hinterrad ausgebaut. Ich versuchte zunächst selbst den Mantel abzubekommen, was ich natürlich mal wieder nicht schaffte. Immerhin fand ich den Übeltäter, eine Reißzwecke, die sich in meinen Reifen verbissen hatte… Die Situation nervte mich unglaublich und ich war ziemlich sauer, enttäuscht und frustriert. Am liebsten hätte ich mich heulend an die Straße gesetzt, was mich aber irgendwie auch nicht weiter gebracht hätte. Da eilte mir ein Zuschauer zu Hilfe. Stefan Kahn (wir telefonierten am nächsten Tag noch, nachdem ich ihn im Netz ausfindig gemacht hatte. Der Tipp „google mal nach „Modellbau Hamburg“ half, nachdem ich herausgefunden hatte, dass der Platten in Wedel passiert war), flitzte nach Hause um Werkzeug zu holen, während drei weitere Herren, die außerhalb des Rennens mir dem Rad unterwegs waren, sich meiner erbarmten und zu dritt irgendwann den Mantel von der Felge bekamen. Schlauch raus, neuer Schlauch rein, aufgepumpt und das Laufrad wieder eingebaut. Dann bekam ich noch einen großzügigen Anschubser und weiter ging es. Ich bin den Herren so unglaublich dankbar. Nur dank ihnen konnte ich das Rennen beenden. Zeit hatte es trotzdem gekostet. 20 Minuten hatte meine unfreiwillige Pause gedauert und alle schnellen Gruppen waren durch.

Die letzten 24 km war ich also als Einzelkämpferin (mit 4 bar auf dem Hinterrad) unterwegs und fand keinen Fahrer, er annähernd mein Tempo fuhr. Also Zähne zusammenbeißen und kämpfen. Den zweiten Verpflegungspunkt ließ ich (wie übrigens den ersten auch) links liegen und strampelte, was die Beine hergaben und zählte die Kilometer wie einen Countdown abwärts. Die einzigen Höhenmeter kamen jetzt, die aber eher Wellen als längere Anstiege waren. Und so konnte ich auch hier an den meisten gut vorbeifahren. Dies motivierte und pushte mich weiter. Als mein Countdown bei 10 km war, sah ich plötzlich ein Schild mit 4 km. Da fiel mir ein, dass jemand sagte, dass die Tour gar nicht 100 km lang sei. Ich mobilisierte noch einmal alle Kräfte und zog auf den letzten zwei Kilometern noch einmal das Tempo an. Zumindest habe ich ein Zieleinfahrtsfoto ohne störende Gruppe :).

Mit meinem Schnitt von 36,6 km/h bei Strava (mit Aufzeichnungs-Stop bei der Panne) könnte ich zufrieden sein, auch wenn ich weiß, dass ich mit der Gruppe locker einen 38er-Schnitt hätte ins Ziel fahren können. Was mich richtig wurmt ist das offizielle Tempo mit noch nicht einmal 33 km/h. Und einer nicht sehr grandiosen Platzierung. Wäre nichts passiert, wäre ich im vordersten Fünftel gelandet. Aber…. hätte, hätte Fahrradkette…

Jetzt muss ich wohl doch nächstes Mal noch einmal starten.

Im Nachhinein erreichte mich die Info, dass mehrere Fahrer aufgrund von Reißzwecken auf der Strecke das Rennen nicht beenden konnten. Unfassbar, was es für bescheuerte (entschuldigt die Wortwahl) Menschen gibt. Klar nerven die gesperrten Straßen, aber wie sauer muss man sein, um ein Event derart zu boykottieren und Fahrer zu gefährden oder mindestens zu frustrieren, die viel Vorfreude, Training und Geld in ein Event wie dieses investiert haben.

Auf ein Eis nach Erfurt – oder: War doof – merkste selbst…

Heute ging es auf eine lockere 230 km lange Runde nach Osten, genauer gesagt nach Erfurt. Die Strecke war super easy und ich hatte die ganze Zeit über ein Lächeln im Gesicht….

So könnte ein Blog klingen, wenn ich eine top Ausdauer-Sportlerin wäre und mir jeder Kilometer in den Schoß fallen würde. Dem ich aber leider nicht so. Ich bin auf der Tour ordentlich an meine Grenzen gekommen, habe gekämpft, gelitten und geheult und war ziemlich unzufrieden mit mir. Macht mich das jetzt zu einer schlechten Radfahrerin? Das weiß ich nicht, zum Glück ist mir das auch egal (mit meinen „I can besser kiss than I ride“-Socken sowieso). Alles ging damit los, das ich nach der Tour zu meiner Schwester dachte, dass mich nun nichts und niemand aufhalten kann. Und so plante ich eine Tour nach Erfurt. Dort war ich zuletzt als Kind und es liegt im 100 km Radius. Also ein gutes Ziel. Über komoot plante ich die Route als Rundfahrt über Mühlhausen und Sondershausen, lud großspurig auch bei facebook zu der Tour ein und kündigte einen 26er Schnitt an. Zum Glück hatte sich nur Kai eingefunden, mitzufahren. Ralf hatte überlegt, ab Erfurt mitzufahren. Im Nachhinein bin ich froh, dass er nicht dabei war, da meine Laune vermutlich nur schwer zu ertragen war.

Zwar war ich die ganze Woche schon irgendwie groggy, aber das hinderte mich nicht daran, morgens um 6 Uhr mit Kai zu starten. Zwar merkte ich, dass meine Beinmuskulatur immer noch nicht wieder ganz im Lot war, aber sie fühlten sich etwas besser an, als die anderen Tage der Woche. Schon bis Worbis warteten jede Menge Höhenmeter auf uns, die nur vom Anstieg hinter Niederorschel getoppt wurden. Bis dahin war aber alles gut und wir waren zwar nicht schnell unterwegs, aber ich war optimistisch, das Ganze zu schaffen. Den ersten längeren Zwischenstopp machten wir – wie geplant – in Mühlhausen. Die Altstadt mit eindrucksvoller Stadtmauer, Toren, Türmen und Kirchen hat einen ganz besonderen Charme und gerne wäre ich mit der Kamera noch länger durch die Altstadt gestreift. Aber nach einem Cookie und Kaffee ging es weiter.

Über den Unstrutradweg fuhren wir an Bad Langensalza vorbei. Dieser fährt sich prima, ist innerhalb der Orte jedoch kein Garant für schnelles Tempo, da er phasenweise recht verwinkelte und eng ist.

Irgendwann landeten wir – dank komoot mit hohem Bundesstraßenanteil – in Erfurt. Ermüdungstechnisch wäre ich hier nicht böse gewesen, wenn die Tour bereits vorbei wäre, da mir die Höhenmeter schon ganz schön zu schaffen gemacht hatten. Mit Blick auf den Dom gönnten wir uns ein Eis und rollten durch die Innenstadt zur Krämerbrücke. Neben dieser kann die Rialto-Brücke in Venedig einpacken, denn hier kuscheln sich 32 Fachwerkhäuser über dem Wasser, die größtenteils noch heute Kunsthandwerker beherbergen. Eine tolle Atmosphäre.

Richtung Norden verließen wir die Stadt und fuhren Richtung Straußfurt und Greußen. Dort stoppten wir beim Supermarkt, um unsere Getränke aufzufüllen. Das war bitter nötig, denn plötzlich bemerkte ich, wie sehr ich beim Trinken gespart hatte. Weiterhin ging es bergauf und bergab und jedes Mal riss ich wieder bei den Anstiegen von Kai ab und meine Oberschenkel waren dicht. Auch begannen mein Rücken zu zwicken und meine Fußaußenkanten zu brennen. Die Hände taten auch weh und ich wollte nur noch nach Hause. Aber zwischen diesem und mir lagen in Sonderhausen noch immer noch knapp 60 km und noch viele, viele Höhenmeter. Eine Pause reihte sich an die andere und die geschätzte Ankunftszeit rutschte immer weiter nach hinten. Irgendwo zwischen Kleinfurra und Nohra hatte ich meinen ersten kleinen Heulkrampf. Ich konnte nicht mehr, war verzweifelt, sauer auf mich selbst und hatte keine Ahnung, wie ich den Rest noch schaffen sollte. Relativ schnell hatte ich mich wieder gefangen, was aber nichts an meiner körperlichen Verfassung änderte. Ich klebte nur noch in Kais Windschatten und riss immer wieder an den Anstiegen ab und versuchte mich, so gut es ging zusammenzureißen. Auf Höhe von Bad Sachsa liefen wieder die Tränen und ich überlegte, meine Eltern anzurufen, dass sie mich abholen. Kai motivierte mich weiterzufahren und irgendwie haben wir es geschafft, nach 12 Stunden und knapp 9 Stunden Fahrzeit wieder bei mir anzukommen.

Von Touren mit über 200 km nehme ich jetzt definitiv erst mal wieder Abstand. Ich habe heute gelernt, dass man, nur weil man 200 km flach fahren kann, noch lange nicht 230 km mit knapp 1800 hm fahren kann. Erst recht nicht, wenn man durch diverse Städte und Orte fährt, in denen man ständig halten und bremsen muss. Trotzdem hat sich die Tour gelohnt, da mir vor allem Mühlhausen sehr gut gefallen hat. Trotzdem bleibt eine gewissen Unzufriedenheit und Fassungslosigkeit, dass ich mich dermaßen überschätzen konnte. Ich dachte wirklich, ich könne so eine Tour alleine schaffen. Jetzt wurde ich schmerzhaft eines Besseren belehrt. Aber auch solche Geschichten gehören dazu. Zumindest sind ein paar ganz schöne Fotos entstanden. 🙂 Jetzt ist erst einmal Regeneration angesagt.

Longride zum Schloss Marienburg

Für den Tag gestrigen Samstag plante ich eine längere Runde um zu schauen, ob ich auch fit für Touren jenseits der 100 km bin.

Los ging es gegen 7.30Uhr, nachdem ich mir leckere Brötchen gebacken hatte. Über Gieboldehausen führte mich der Weg nach Lindau und Elvershausen. Schon dort begab ich mich in unbekannte Gefilde, nämlich auf den Anstieg Richtung Lagershausen. Der war zwar lang, aber aufgrund der wunderschönen Landschaft abwechslungsreich und lenkte mich gut ab.

In Imbshausen und Echte war ich bereits auf meiner ersten 100er Tour. Bald führte mich der Weg entlang der Leine mit welligen Straßen, schönen Brücken und überwiegend gutem Asphalt.

Ein minimaler Rückenwind sorgte für zügigen Vortrieb. Nur ein oder zwei Anstiege waren etwas knackiger, ansonsten führte der Weg stetig bergab. Schon ab Betheln (hinter Gronau) war das Schloss Marienburg zu sehen und der Weg nach Nordstemmen nicht mehr weit. Nach etwa 105 km war das Ziel erreicht. Der Anstieg zum Schloss war zum Glück nicht sehr lang und oben konnte ich mir das märchenhafte Schloss in Ruhe anschauen.

Doch was hat es mit diesem Schloss auf sich? Es war ein großer Liebesbeweis von König Georg von Hannover an seine Frau Königin Marie. Der neugotische Prachtbau (mit 130 Zimmern, Quelle) entstand zwischen 1858 und 1867, auf dem sagenumwobenen Marienberg, der angeblich von Zwergen bewohnt war. Genießen konnten die beiden ihr „Eldorado“ – wie sie es nannte – jedoch nicht. Georg erblindete noch vor Fertigstellung des Gebäudes und zunächst flüchtete er, ein Jahr später auch seine Frau mit den Kindern ins Exil nach Österreich (Quelle).

Derzeit streiten Ernst August Prinz von Hannover (Oberhaupt der Welfen und Urenkel Wilhelm des II.) und sein Sohn, der Investmentbanker Ernst August junior, um das Schloss. Der 68-jährige hatte seinem Sohn das Schloss vor einigen Jahren geschenkt und möchte diese Schenkung aufgrund „groben Undanks“ zurückziehen. Aufgrund der hohen Sanierungslast von 24 Millionen Euro hatte der Junior bereits 2019 versucht, das Schloss für einen Euro zu verkaufen. Der Einspruch des Vaters verhinderte dies allerdings (Quelle).

Ob Fan des Welfengeschlechts oder nicht, ein Besuch des Schlosses lohnt sich auf jeden Fall!

Nach einem Stück Apfelkuchen und einem Radler im Café Marie fuhr ich zurück. Nach der Pause moserten die Oberschenkel ein wenig, doch irgendwann wurde es besser. Nur das Tempo ließ sich nicht ganz so halten wie auf dem Hinweg.

Ab Gronau fuhr ich eine östlichere Route mit einem stetigen Anstieg bis Sibbesse und eine lustige Berg- und Talbahn, die allerdings auch Körner kostete. Auch die folgenden Anstiege, vor allem der bei Ellierode zeigten mir, dass mich die Kräfte langsam verließen. Plötzlich war zunächst der Feldweg nass, wenige Meter später auch ich. Bis Bad Gandersheim war der Schauer aber wieder vorbei und es ging es weiter über den Skulpturenradweg, der zum Glück ziemlich halbwegs flach ist. Der nächste kritische Punkt war die Überquerung des Harzhorns, an der ich einige Male stehen bleiben musste. Über Düderode ging es weiter über das Fissekental, welches ich schon einige Mal in Gegenrichtung durchquert hatte. Ab Willensen brachen die letzten 20 km an, die scheinbar kein Ende nehmen wollten. Jeder Hügel malträtierte die Oberschenkel und ich musste noch eine dringende Trinkpause einschieben.

Wieder einmal hat mir Strava einige km zu viel berechnet. Letztlich waren es heute wohl 193 km mit etwas über 1500 hm, für mich die längste Strecke, vor allem aber auch fordernder als die fast 200km an der Ostsee. Dies zeigt mir, dass ich meine Pläne für Himmelfahrt hoffentlich umsetzen kann. 🙂