Schon für das letzte Jahr hatte ich meine Triathlonpremiere geplant. Jedoch kamen mir Corona, andere gesundheitliche Problemchen und schließlich fehlendes Training aufgrund der Lübeck-Pendelei dazwischen. Zwar pendele ich immer noch, habe aber recht strikt mit einem Trainingsplan von tridot trainiert. Ich hatte zwar den Eindruck, dass das Training nur mäßigen Erfolgt zeigt, jedoch trainierte ich dadurch regelmäßig und vor allem auch wirklich alle drei Sportarten intensiv.
Eine Woche vor dem Wettkampf versuchte ich mich schon einmal mit einem Triathlon in Herzberg. 700 m Schwimmen im Jues (bei 17°C…), 30 km Radfahren und 5 km Laufen. Das lief schon ganz gut, wenngleich es natürlich anstrengend war. Die letzte Woche hielt ich mich, bis auf ein paar Tapering-, also Erholungseinheiten, zurück. Drei Tage vor dem Wettkampf gar nichts zu machen fühlte sich sehr schräg an, aber es sollte sich als eine gute Entscheidung erweisen.
Einige haben mich im Vornherein nach meinen Zielen gefragt. Das war schwierig zu beantworten, wenn man so etwas noch nie gemacht hat. Daher rechnete ich durchschnittliche Zeiten für alle drei Sportarten (500 m/20 km/5 km) großzügig zusammen und legte ein paar Minuten für die Wechsel drauf und landete bei 1:45h. Dies war meine angestrebte Zeit. Fürs Schwimmen legte ich 1:50 min/100 m an, Radfahren etwa 28km/h und Laufen eine 6er Pace (da ich nicht einschätzen konnte, wie müde die Beine dann bereits sind).
Vor lauter Nervosität konnte ich in der Nacht vor dem Wettkampf kaum schlafen und saß bereits um 7.30 Uhr im Auto. Um 9 Uhr kam ich in Hameln an und hatte reichlich Zeit, meine Startunterlagen zu holen, zweimal am Briefing teilzunehmen (sicher ist sicher), eine Kleinigkeit zu essen, mich umzuziehen und meine Wechselzone einzurichten. Da es sich in Hameln um einen Volkstriathlon handelt, waren die Teilnehmer auch eher entspannt und auskunftsfreudig. Triathleten haben oft ja doch einen eher schwierigen Ruf in Richtung arroganter Egoisten. Dies bewahrheitete sich jedoch zunächst nicht.



Kurz nach 10 trudelte mein Schatz mit seinen Kindern ein. Sie hatten sich extra aus Lübeck auf den Weg gemacht, um mich anzufeuern.
Gegen 11 Uhr startete ich mit fünf anderen Mädels auf einer Bahn im Freibad. Da es beheizt war, gab es ein Neoverbot, was mir auch ganz recht war. Wir sprachen uns kurz ab, wer welche Zeit anpeilt und sortierten uns vor. Leider hielten sich nicht alle an die Absprache, sodass ich jemanden vor mir hatte, die ihren Platz mit Zähnen und Klauen verteidigte und ich aber viel Kraft hätte investieren müssen, um sie zu überholen. So dümpelte ich im Wasserschatten hinter ihr her, und sparte Kräfte. Natürlich ärgerte ich mich trotzdem, da ich sicherlich auch eine Zeit von unter 9 Minuten auf den 500 m hätte schaffen können. Energieeinsatz und gewonnene Sekunden standen jedoch in keinem sinnvollen Verhältnis, weshalb ich entspannt aus dem Wasser kam und locker in den Wechsel starten konnte.






Fun fact: Wer sich nicht an einen Triathlon traut, da er nicht kraulen kann: nur Mut – heute waren ganz ganz viele Brustschwimmer unterwegs!




Bis zur Wechselzone waren es knapp 600 m, weshalb meine Zeit mit 4:25 min auch recht hoch ist. Gestresst habe ich mich aber auch nicht, da ich nichts vergessen wollte. An alles gedacht ging es mit dem Rad im Laufschritt zur Straße. Die Radstrecke war 20 km lang, die sich auf zwei Runden einer 10 km Wendepunktstrecke verteilte. Da ich mit meiner Uhr trackte, hatte ich meine Zeit nicht wirklich im Blick und orientierte mich an meiner Atmung und dem Gefühl in meinen Beinen. Tatsächlich lag ich mit 32,3 km/h recht deutlich über meiner angepeilten Geschwindigkeit. Cool, dass ich die ohne Windschatten (der ist ja beim Triathlon verboten) alleine drücken kann. Das hatte ich nicht erwartet. 20 km fahre ich aber ja auch eher selten…

Der nächste Wechsel war nur etwa 200 m lang und mit 1:30min. war ich ganz zufrieden.
Ich trabte los und hatte das Gefühl, kaum von der Stelle zu kommen. Ich schaute aber wenig auf die Uhr und fokussierte mich auf mein Geschnaufe und war im Ziel mehr als überrascht, eine Pace von 5:07min/km gelaufen zu sein, da meine Schrittfrequenz gefühlt recht langsam war.






Nach 1:18h war ich tatsächlich schon im Ziel. Total cool. Und ich war auch gar nicht rappelalle und vor allem: ich bin NICHT DISQUALIFIZIERT worden. Auch die drakonischen Strafen förderten meine Nervosität im Vornherein. Der Helm am Lenker MUSS offen sein. Sobald das Rad bewegt wird MUSS der Helm geschlossen auf dem Kopf sitzen. Ab dieser Linie MUSS man vom Rad sein, jene darf keinesfalls überfahren werden und und und… Letztlich hat es bei den Damen für den 36. Platz von 130 Teilnehmerinnen gereicht.
Jetzt bin ich optimistisch, dass ich irgendwie auch die Olympische Distanz im kommenden Monat in Lübeck schaffen kann. Toi, toi, toi.
Mein Schatz hat, zusammen mit den Kindern, den Tag zu einem ganz besonderen gemacht, den wir mit einem wohlverdienten Eis ausklingen ließen.