Graveltour #4 und #5 – Im Harz und an der Ostsee

Zusammengefasst ein kleiner Bericht zu den letzten Touren, da sich ja nicht jedes Mal ein eigener Text lohnt.

In der letzten Woche war ich bei leichtem Nieselregen das erste Mal mit dem Rad im Harz. Regen und Berge – ich fand mich sehr tapfer. Das Ziel war, das Siebertal etwa 15 km in eine Richtung zu beradeln und dann zu wenden, um meine Beine langsam an die Berge zu gewöhnen. Das Siebertal steigt zunächst sachte an, sodass die ersten Kilometer ganz gut liefen. Ab Kilometer 10 findet man sich allerdings auf den Serpentinen Richtung St. Andreasberg. Diese raubten mir ziemlich schnell die Kräfte und ich brauchte zwei kurze Zwischenstopps um wieder zu Kräften zu kommen. Nach 3,5 echt richtig gemeinen Kilometern war ich oben und stolz wie Oskar.

Nun hatte ich ja eigentlich vor, wieder zurück zu rollen, aber das hätte in der Auswertung doof ausgesehen, daher bin ich über Silberhütte nach Bad Lauterberg gefahren und über Barbis und Scharzfeld nach Hause. Bis auf leichte Krämpfe in der Rückseite der Oberschenkel lief der Rückweg echt ganz gut. 41,14 km mit 362 Hm mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h, da kann ich als Anfänger nicht meckern.

Einige Tage später fuhren wir für vier Tage an die Ostsee. Leider hatte sich die Temperatur deutlich abgekühlt, aber trotzdem nutzen wir zwei Tage für Radtouren. Unser Domizil befand sich in Kühlungsborn, dem größten Bade- und Erholungsort Mecklenburg Vorpommerns.

Die Strandpromenade ist über 3 km lang und auch östlich befinden sich wunderschöne Strandabschnitte. Inmitten des Orts liegt der Stadtwald. Dieser ist überraschend groß. Dies lässt sich durch das Verschmelzen der Orte Brunshaupten, Arendsee und Gut Fulgen erklären, welche diesen Wald umgaben. Hier kann man wunderbar spazieren, kleine Runde laufen oder auch hindurch radeln. Auch Wild sieht man dort hin und wieder. Den Wald ließen wir bei unserer ersten Tour allerdings links liegen und fuhren gen Osten nach Warnemünde.

Über Börgerende und Nienhagen ging es entlang der Küste mit schönen Ausblicken, abwechlungsreichen Wegen (Asphalt, Pflaster, Waldboden, Schotter) und dem Gespensterwald nach Warnemünde. Störend waren nur die vielen anderen Touristen, die sich wenig fahrradfreundlich unberechenbar kreuz und quer auf den Wegen bewegten. Dies machte die Fahrt sehr anstrengend, da man kaum flüssig fahren konnte.

In Warnemünde fließt – wie der Name schon verrät – die Warnow in die Ostsee. Daher war schon im 14. Jahrhundert das Dorf sehr wichtig für Rostock, um sich den Hafenzugang zu sichern und wurde daher erworben und blieb bis ins 19. Jahrhundert eher die arme Exklave des großen Bruders Rostock. Heute zieht es viele Touristen nach Warnemünde, was sowohl dem langen breiten Sandstrand, dem charakteristischen Leuchtturm mit dem Kaffee-Pott als auch dem gut fluktuierten (Kreuzfahrt-)Hafen zuzuschreiben ist. Zudem lockt Warnemünde regelmäßig mit Veranstaltungen wie der Hans Sail oder diversen Sportwettkämpfen am, im und auf dem Wasser.

Wir spazierten bis ans vorderste Ende und gönnten uns anschließend am Hafen Fish&Chips, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Leider war es wie erwähnt ziemlich kalt, was einen längeren Aufenthalt nicht möglich machte. Für die Rückfahrt wählten wir den Radweg entlang der Straße, sodass wir zügig und mit wenig Hindernissen zurückfahren konnten. Nach 2:22 h und etwas über 55 km kamen wir wieder in Kühlunsborn an: Eine nette kurze Tour mit schönen Ausblicken. Allerdings ist sie nichts für Schnellfahrer, da der Weg entlang der Ostsee bei schönem Wetter immer sehr voll ist.

Meine Uhr verriet mir nach der Tour, dass dies mal wieder eine längste Strecke war. Das blieb sie aber nicht lange, denn zwei Tage später ging es weiter… In dem Sinne: bike on!

Kleine Anmerkung am Schluss: vielleicht möchtest du mir ja folgen? Darüber würde ich mich sehr freuen!

Probefahrt mit dem neuen Gravel

Das Arbeitsgerät ist da! Da kommt man nichtsahnend aus der Schule, geht ins Wohnzimmer und da steht es. Eine tolle Überraschung!
Noch schnell den Sattel austauschen und die Pedale dran. Fertig! Die Eckdaten vom Scott Speedster Gravel in L mit Ultegra-Ausstattung, 22 Gängen und Scheibenbremsen muss ich hier nicht nennen, da ich das Bike nicht weiter umgebaut habe und die Daten auf der Scott-Seite eingesehen werden können. Auf jeden Fall liebe ich die Farbgebung. Zeitlos und elegant und keine Farben an denen man sich irgendwann satt gesehen hat. Ich bin froh, dass ich mich gegen das entsprechende Contessa-Modell in blau-grün entschieden habe. Laut Scott sind die beiden von der Geometrie baugleich, nur der Sattel ist damengerechter. Um mir trotzdem ein halbwegs schmerzfreies Fahren zu ermöglichen habe ich mich gegen den vormontierten synchros-Sattel und für den Ergon SR Pro Women entschieden. Der erste Sitztest fiel recht positiv aus.

Der Ergon SR Pro Women

Da ich keinerlei Klick-Pedal-Erfahrungen habe, habe ich mich (zunächst) für Hybridpedale entschieden. Also kann ich an unübersichtlichen Stellen oder bei vielen Ampeln die Flat-Seite nutzen und nur wenn ich mich sicher fühle auf die Klick-Seite wechseln um mich peu à peu daran zu gewöhnen. Die PD-EH 500 von Shimano habe ich in meinem jugendlichen Leichtsinn sofort angeschraubt und bekam gleich einen Rüffel, da ich das Gewinde nicht gefettet habe. Gut, wieder etwas gelernt. Wird wohl nicht mein letzter Fehler gewesen sein. 😉

Blöd ist, dass die Wetterlage erste Testfahrten boykottiert hat. Regenkleidung habe ich nämlich noch keine. Dafür lese ich fleißig andere Blogs und plane schon viel zu lange Touren. Auf den Boden der Tatsachen komme ich sicherlich schnell genug wieder zurück.

Eine Woche später bin ich endlich dazu gekommen, das gute Stücke auszuprobieren. Nach einem kurzen Arbeitstag habe ich mich direkt auf den Drahtesel gesetzt und bin losgefahren. Los ging es in Herzberg. Dort bin ich, um etwas verkehrsberuhigter zu starten, nicht den kürzesten Weg gefahren, sondern hinter Smurfit entlang und um den Juessee. Es ging zunächst per Radweg via Pöhlde und nach Rhumspringe. In Rhumspringe hielt ich kurz an der Rhumequelle, die derzeit noch relativ trüb ist. Dies ist sicherlich den Regengüssen der letzten Tage geschuldet. Trotzdem ist das Grün der Quelle jedes Mal wieder faszinierend. Sie ist die ertragreichste Karstquelle Mitteleuropas. Als Naturdenkmal ist sie Bestandteil der Südharzer Zechstein-Landschaft. Wenn das Wasser wieder klarer ist werde ich auf jeden Fall hier noch einmal hinfahren und schönere Bilder nachreichen.

Mein Rad vor der Rhumequelle

Weiter ging es über Wollershausen nach Gieboldehausen. Dort kehrte ich im BikePoint ein um meinen Freund Kai von der Arbeit abzuholen.

Brücke über die Rhume am Ortsrand von Gieboldehausen

Gemeinsam ging es weiter über Strohkrug und Wulften. Kurz vor Wulften machte mein Kreislauf völlig schlapp. Von einem Moment zum anderen ging es mir gar nicht mehr so gut. Siedend heiß fiel mir ein, was ich vergessen hatte. Es war kurz nach 13 Uhr und das letzte mal gegessen hatte ich kurz nach 6. Ein böser Fehler, der mir hoffentlich nicht noch einmal passiert.

Radweg zwischen Gieboldehausen und Strohkrug

Etwas zittrig ging es auf direktem Weg zum Netto im Wuften, wo wir uns etwas Süßes holten um mir wieder etwas Power zu geben. Das Essen tat gut, jedoch war die Fahrt bis Hattorf kein Spaß, da mein Kreislauf noch nicht wieder so weit war und mir die bisherigen Kilometer auf leeren Magen übel genommen hatte. Immerhin hatte ich – da es leicht bergab ging – die ersten 25 km schon einen Schnitt von über 26 km/h. Klar, versierte Graveler und Rennradfahrer lachen darüber, für mich als absoluten Anfänger finde ich das aber gar nicht so übel. Die letzten Kilometer kroch ich allerdings mit etwa 22km/h und war froh, als wir da waren.

In Hattorf war erst einmal Pause bei Kai und noch einmal essen angesagt. Die Sonne gab ja alles, was ging, daher konnte man prima die Zeit auf dem Balkon genießen. Kai wechselte von seinem Rennrad auf sein Gravel und weiter ging es wieder Richtung Herzberg. Auf dem Weg hatte ich noch mit einem Wadenkrampf zu tun, bei welchem ich scheinbar meine Uhr gestoppt habe. So ein Ärger. Gemerkt habe ich das erst einen Kilometer später.

Eisenbahnbrücke bei Mühlenberg/Herzberg

Nach ein paar Fotos mit unseren Scott Gravelern quälte ich mich die letzten Kilometer nach Hause. Knapp 45 km waren für die erste Fahrt wohl etwas viel. Trotz schmerzendem Popo (Sattelnase ist nochmal etwas gesenkt) bin ich stolz auf mich und freue mich auf weitere Touren. Ich bin auf der zweiten Hälfte auch einige Strecke eingeklickt gefahren und es fühlt sich ganz gut an! Rein dauert noch etwas, aber raus komme ich sehr gut. Der erste Sturz an irgendeiner Ampel kommt aber bestimmt noch. Das gehört wohl dazu.

In Zukunft werde ich vorher auch definitiv essen und auch etwas zu Essen mitnehmen. Man ist ja lernfähig. 🙂