Mein zweiter Triathlon – Olympische Distanz

Oder: Wenn man zu schnell für einen Empfang im Ziel ist…

Am vergangenen Wochenende startete ich beim Lübecker 7 Türme Triathlon auf der Olympischen Distanz. Hatte ich für die Sprintdistanz noch mit Trainingsplan vorbereitet, fehlte mir Zeit und Motivation für ein konsequentes Training. Natürlich schwamm und radelte ich, lief aber recht wenig, da die Arthrose in den Zehen wieder etwas Ärger machte. Mein letzter Lauf, einige Tage vor dem Triathlon, war frustrierend und vielleicht etwas besorgniserregend. Es waren nur etwa 9 km, bei denen ich zwischendurch zweimal gehen musste und eine ziemlich miese Pace ablieferte. Meine Erwartungshaltung an meine Triathlon-Performance war entsprechend gering.

Am Tag vorher hatte ich Dank Gartenarbeit und viel Schlepperei Muskelkater und war mir nicht sicher, ob nicht auch Gliederschmerzen im Spiel waren.

Die Wassertemperatur von 17°C machte mir die Entscheidung leicht, ob ich im Neo starten sollte oder nicht. Ich bin kein Fan davon, da ich mich im Schulterbereich eingeschränkt fühle und meine Wasserlage von dem Anzug auch nicht profitiert, aber eine Erkältung wollte ich auch nicht riskieren.

Am Samstag holte ich bei Nieselregen meine Startunterlagen und war noch zweimal bei Decathlon. Zunächst bemerkte ich, dass ich mein Startnummernband vergessen hatte. Also ab ins Auto und zu Decathlon. Natürlich waren die dort vergriffen. Also kaufte ich stattdessen einen Laufgürtel. Da konnte ich wenigstens noch Gel und Energygums verstauen. Beim Herauslegen der Klamotten fiel mir auf, dass ich auch meinen Sport-BH zu Hause vergessen hatte. Kurz überlegte ich, ob es notfalls ohne geht, aber nee, besser nicht… Also wieder zum Sportgeschäft und einen günstigen Sport-BH geschossen. Schließlich hatte ich alles zusammen und genoss den Abend mit meinem Schatz den Abend. Jan wollte am nächsten Tag etwas Rad fahren und anschließend zum Fotografieren und Zielempfang kommen.

Morgens radelten wir gemeinsam los. Jan auf seine Radrunde, ich einmal durch die Stadt zur Falkenwiese. Das Einchecken kannte ich ja bereist aus Hameln und wusste, worauf ich zu achten hatte. Einen Standplatz fürs Rad zu finden war schwierig, da sich viele Teilnehmer neben ihrem Rad ziemlich ausgebreitet hatten. Nach zwei Runden um die Radständer bat ich einen Teilnehmer, doch etwas zu rutschen. Ich bereitete meinen Platz vor und zwängte mich in meinen Neo. Natürlich meldete sich noch meine Blase, doch Dixieklos waren reichlich vorhanden. Dort bemerkte ich bereits das Blut im Polster. Nein, nicht das was ihr denkt, ich hatte mich leidlich bereits wund gefahren. Ein Haar-Follikel hatte sich vor einer Woche bei der Graveltour entzündet und war nun aufgegangen.

Aber Jammern war keine Option. Also Richtung Start und schon einmal das Wasser testen. Erwartungsgemäß war es frisch, im Neo aber sehr angenehm. Ich sortierte mich beim Schwimmen relativ weit vorne ein. Ich wusste zwar, dass sicherlich viele Schwimmer deutlich schneller sind, wollte aber selbst keine Kraft aufs Überholen verschwenden. Mit dem Startschuss ging das „Hauen und Stechen“ los, mit fast so viel Körperkontakt wie beim Judo. Nach einigen hundert Metern hatte sich das Feld jedoch auseinandergezogen und man konnte etwas freier schwimmen. Die Orientierung fiel mir schwer und ich war froh, viele andere Schwimmer um mich zu haben, da ich nur schwer erkennen konnte, wann welche Boje anzuschwimmen war. Auch meine Position im Feld konnte ich überhaupt nicht einschätzen, da mir die Zeit fehlte zurückzuschauen. Ganz so ruhig, wie geplant konnte ich nicht schwimmen, da man sich ständig nach rechts und links behaupten musste und die Gleitphasen oft gestört wurden. Trotzdem kam ich nach etwa 800 m halbwegs in meinen Rhythmus. Besser spät als nie. Nach 1500 m und 29:23 min. kam ich an und krabbelte aus dem Wasser. Prompt verlor ich meine Schwimmbrille, als ich meine Badekappe absetzte und musste noch einmal ein paar Meter zurücklaufen.

Da liegt sie, die Brille…

Am Rad pellte ich mich aus dem Neo. Dies kostete einiges an Zeit, da ich ihn an Uhr und Transponder am Fuß vorbeigekommen musste. Der Krampf im Fuß tat sein Übriges. Trotzdem ließ ich mir Zeit, um nichts zu vergessen. Nach zweieinhalb Minuten saß ich auf dem Rad und versuchte dort einerseits den Sitz-Schmerz zu unterdrücken und eine Geschwindigkeit zu finden, mit der ich zufrieden bin, aber meine Oberschenkel nicht zu sehr brennen. Letztlich landete ich im Schnitt bei etwa 31 km/h. Schneller als erwartet kam ich nach 35 Kilometern und 1:07 h im Wechselbereich an.

Dort wollten meine Laufschuhe nicht so wie ich, weshalb ich wieder knapp zwei Minuten benötigte, um auf die Laufstrecke zu kommen. Der Lauf war hart und ich hatte zunächst ziemlich taube Füße, ich fand jedoch einen Läufer, der ein für mich annehmbares Tempo lief und hängt mich an seine Fersen. Zum Ende der ersten Runde (à 5 km) hatte ich das Gefühl, mich eingelaufen zu haben, nach sieben Kilometern kämpfte ich jedoch nur noch. Nach 2:30:15 überquerte ich die Ziellinie. Leider ohne Empfang, da ich rund drei Stunden kalkuliert hatte und Jan entsprechend noch gar nicht da war.

Zunächst waren mir und meinem Kreislauf aber etwas zu Trinken wichtiger als eine Umarmung. Daher stellte ich mich bei der Versorgung an. Es gab belegte Brötchen, Waffeln, Müsli- und Energieriegel, Nüsse, und Obst und verschiedene Getränke. Nach einem Becher Cola ging es mir schon etwas besser und ich trat den Weg zu meinem Fahrrad an, packte meine Sachen zusammen und sah dabei auf dem Handy, dass Jan auf dem Weg war. Ich sendete ihm meinem Standort und wir trafen uns eine Viertelstunde nach meinem Zieleinlauf. Dann gab es auch die Umarmung von meinem Schatz :). Wir saßen noch eine Weile auf dem Sportplatz und machten uns anschließend auf den Weg nach Hause.

Dort stellte ich fest, dass auch meine Ferse etwas Blut verloren und meine weiße Socke sich dunkelrot verfärbt hatte. Gut, dass man so etwas während des Wettkampfs nicht alles mitbekommt. Mir hat der Sitzstress durch die offenen Stellen gereicht.

Nix für Weicheier 🙈

Abends auf dem Sofa schaute ich in die Ergebnislisten und – schau an – ich hatte den 7. Platz der Damen und den 1. Platz (pssst: wir waren nur zu zweit) meiner Altersklasse belegt. Wow!! Dass ich nicht langsam gewesen war, aber ich hatte mit einer Platzierung eher im Mittelfeld gerechnet.

Dies war definitiv eine tolle zweite Triathlonpremiere, dieses Mal jedoch für die OD. Ob ich diese Distanz noch einmal mache? Ich weiß es nicht. Es hat viel Spaß gemacht, ich habe jedoch zuvor auch viel trainiert und wie Jan so schön sagte „die Latte“ für kommenden Veranstaltungen auch „ganz schön hoch gelegt“. Aber wer weiß. Vielleicht möchte ich das Ganze noch mal unter 2:30h schaffen?

Mein erster Triathlon – Sprintdistanz in Hameln

Schon für das letzte Jahr hatte ich meine Triathlonpremiere geplant. Jedoch kamen mir Corona, andere gesundheitliche Problemchen und schließlich fehlendes Training aufgrund der Lübeck-Pendelei dazwischen. Zwar pendele ich immer noch, habe aber recht strikt mit einem Trainingsplan von tridot trainiert. Ich hatte zwar den Eindruck, dass das Training nur mäßigen Erfolgt zeigt, jedoch trainierte ich dadurch regelmäßig und vor allem auch wirklich alle drei Sportarten intensiv.

Eine Woche vor dem Wettkampf versuchte ich mich schon einmal mit einem Triathlon in Herzberg. 700 m Schwimmen im Jues (bei 17°C…), 30 km Radfahren und 5 km Laufen. Das lief schon ganz gut, wenngleich es natürlich anstrengend war. Die letzte Woche hielt ich mich, bis auf ein paar Tapering-, also Erholungseinheiten, zurück. Drei Tage vor dem Wettkampf gar nichts zu machen fühlte sich sehr schräg an, aber es sollte sich als eine gute Entscheidung erweisen.

Einige haben mich im Vornherein nach meinen Zielen gefragt. Das war schwierig zu beantworten, wenn man so etwas noch nie gemacht hat. Daher rechnete ich durchschnittliche Zeiten für alle drei Sportarten (500 m/20 km/5 km) großzügig zusammen und legte ein paar Minuten für die Wechsel drauf und landete bei 1:45h. Dies war meine angestrebte Zeit. Fürs Schwimmen legte ich 1:50 min/100 m an, Radfahren etwa 28km/h und Laufen eine 6er Pace (da ich nicht einschätzen konnte, wie müde die Beine dann bereits sind).

Vor lauter Nervosität konnte ich in der Nacht vor dem Wettkampf kaum schlafen und saß bereits um 7.30 Uhr im Auto. Um 9 Uhr kam ich in Hameln an und hatte reichlich Zeit, meine Startunterlagen zu holen, zweimal am Briefing teilzunehmen (sicher ist sicher), eine Kleinigkeit zu essen, mich umzuziehen und meine Wechselzone einzurichten. Da es sich in Hameln um einen Volkstriathlon handelt, waren die Teilnehmer auch eher entspannt und auskunftsfreudig. Triathleten haben oft ja doch einen eher schwierigen Ruf in Richtung arroganter Egoisten. Dies bewahrheitete sich jedoch zunächst nicht.

Kurz nach 10 trudelte mein Schatz mit seinen Kindern ein. Sie hatten sich extra aus Lübeck auf den Weg gemacht, um mich anzufeuern.

Gegen 11 Uhr startete ich mit fünf anderen Mädels auf einer Bahn im Freibad. Da es beheizt war, gab es ein Neoverbot, was mir auch ganz recht war. Wir sprachen uns kurz ab, wer welche Zeit anpeilt und sortierten uns vor. Leider hielten sich nicht alle an die Absprache, sodass ich jemanden vor mir hatte, die ihren Platz mit Zähnen und Klauen verteidigte und ich aber viel Kraft hätte investieren müssen, um sie zu überholen. So dümpelte ich im Wasserschatten hinter ihr her, und sparte Kräfte. Natürlich ärgerte ich mich trotzdem, da ich sicherlich auch eine Zeit von unter 9 Minuten auf den 500 m hätte schaffen können. Energieeinsatz und gewonnene Sekunden standen jedoch in keinem sinnvollen Verhältnis, weshalb ich entspannt aus dem Wasser kam und locker in den Wechsel starten konnte.

Fun fact: Wer sich nicht an einen Triathlon traut, da er nicht kraulen kann: nur Mut – heute waren ganz ganz viele Brustschwimmer unterwegs!

Bis zur Wechselzone waren es knapp 600 m, weshalb meine Zeit mit 4:25 min auch recht hoch ist. Gestresst habe ich mich aber auch nicht, da ich nichts vergessen wollte. An alles gedacht ging es mit dem Rad im Laufschritt zur Straße. Die Radstrecke war 20 km lang, die sich auf zwei Runden einer 10 km Wendepunktstrecke verteilte. Da ich mit meiner Uhr trackte, hatte ich meine Zeit nicht wirklich im Blick und orientierte mich an meiner Atmung und dem Gefühl in meinen Beinen. Tatsächlich lag ich mit 32,3 km/h recht deutlich über meiner angepeilten Geschwindigkeit. Cool, dass ich die ohne Windschatten (der ist ja beim Triathlon verboten) alleine drücken kann. Das hatte ich nicht erwartet. 20 km fahre ich aber ja auch eher selten…

Der nächste Wechsel war nur etwa 200 m lang und mit 1:30min. war ich ganz zufrieden.

Ich trabte los und hatte das Gefühl, kaum von der Stelle zu kommen. Ich schaute aber wenig auf die Uhr und fokussierte mich auf mein Geschnaufe und war im Ziel mehr als überrascht, eine Pace von 5:07min/km gelaufen zu sein, da meine Schrittfrequenz gefühlt recht langsam war.

Nach 1:18h war ich tatsächlich schon im Ziel. Total cool. Und ich war auch gar nicht rappelalle und vor allem: ich bin NICHT DISQUALIFIZIERT worden. Auch die drakonischen Strafen förderten meine Nervosität im Vornherein. Der Helm am Lenker MUSS offen sein. Sobald das Rad bewegt wird MUSS der Helm geschlossen auf dem Kopf sitzen. Ab dieser Linie MUSS man vom Rad sein, jene darf keinesfalls überfahren werden und und und… Letztlich hat es bei den Damen für den 36. Platz von 130 Teilnehmerinnen gereicht.

Jetzt bin ich optimistisch, dass ich irgendwie auch die Olympische Distanz im kommenden Monat in Lübeck schaffen kann. Toi, toi, toi.

Mein Schatz hat, zusammen mit den Kindern, den Tag zu einem ganz besonderen gemacht, den wir mit einem wohlverdienten Eis ausklingen ließen.

Diva goes Triathlon – ein Versuch

Lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen, da sich der Winter sportlich von seiner unspektakulären Seite gezeigt hat. Jedoch habe ich mir für dieses Jahr ein neues Ziel gesetzt. War es letztes Jahr der WakenitzMan, so habe ich mich in diesem Jahr für meine ersten zwei Triathlons angemeldet. Im Mai geht es los mit einer Sprintdistanz in Hameln. In Zahlen bedeutet das 500 m schwimmen, 20 km Rad fahren und 5 km laufen. Das klingt zunächst wenig aufregend, durch die Wechsel, die gerne als vierte Disziplin gesehen werden, wird es jedoch für mich sicherlich ambitioniert. Die sportlichen Wechsel (zumindest vom Rad zum Laufen) übe ich bereits, trotzdem wird das unter Zeitdruck noch einmal eine interessante Hausnummer. Ich plane dort jedoch auch nicht, Bombenzeiten abzuliefern, sondern zunächst zu schauen, wie mich bei einem solchen Spektakel erwartet. Im Juni wird es dann beim 7 Türme Triathlon in Lübeck auf der olympischen Distanz (1,5 km – 36 km- 10 km) ernst. Bisher fühlt sich das auch alles noch recht utopisch an. Ich habe sowieso den Eindruck, dass ich es beim Triathlon – anders als bei Laufevents – fast nur mit hochgezüchteten Sportfreaks zu tun haben werde. Sicherlich ist es auf einer Sprintdistanz noch einmal etwas anders, aber spätestens bei der olympischen geht mir schon etwas die Düse.

Bisher war ich erst einmal mit dem Rad an der Luft und trainiere ansonsten noch auf dem Kickrbike. immerhin bin ich jetzt für zwei Monate mit einem Trainingsplan von Tridot unterwegs, der mich dazu nötigt, fleißig Intervalle zu schrubben, was nicht unbedingt zu meiner bevorzugten Trainingsart gehört, aber bekanntlich am effizientesten ist. Bei Tridot hatte ich mich für das Preseason Project beworben und erhalte dort variable, auf mich zugeschnittene Pläne, die neben Arbeit und Fernbeziehung schon gut zeit kosten, wobei ich sie bereits auf den niedrigsten Umfang gesetzt habe. Sechs Tage die Woche bin ich jeden Tag circa eine Stunde am Laufen, schwimmen oder Rad fahren. Da ist es hilfreich, dass ich unter der Woche alleine lebe und niemandem damit auf die Nerven gehe. Sobald das Wetter mich wieder häufiger mit dem Rad nach draußen lockt, werde ich wohl hie und da vom Plan abweichen. Aber für den Beginn versuche ich zunächst alles umzusetzen, um beim Wettkampf nicht vom Besenwagen überrollt zu werden.

Parallel ist auch Abspecken abgesagt. Nicht nur, dass ich letztens gelesen habe, dass es beim Triathlon kleine und leichte Menschen leichter haben, auch die Waage hat mir – nachdem ich sie einige Monate ignoriert hatte – erschreckende Daten mitgeteilt. Deshalb kämpfe ich seit einem Monat seeehr mühsam um jedes Gramm. Von purzelnden Pfunden keine Spur, aber vielleicht schaffe ich bis Ende des Monates noch die letzten 1,5 von 3,5 kg. Nur die Süßigkeiten am Abend wegzulassen reicht wider Erwarten nicht. Auch NOCH mehr Gemüse hilft nur bedingt, da der Hunger irgendwann unerträglich und ich mich ihm anpasse. Auch der Verzicht auf Kohlenhydrate verträgt sich nicht gut mit dem Sportprogramm. Daher versuche ich es mit etwas weniger Kohlenhydraten und allgemein noch gesünder zu essen und weitestgehend auf die süßen Sünden zu verzichten. Vielleicht klappt es besser, wenn ich wieder and er frischen Luft radele und die Strecken länger werden. Über 40 km komme ich indoor nur selten… Die 70 kg sind so oder so das Ziel. Natürlich nicht nur für den Sport, sondern vielmehr für mein Wohlgefühl.

Auch wenn nicht alles ganz rund läuft und ich auch gesundheitlich noch das ein oder andere abklären muss, bin ich ziemlich motiviert und freue ich mich auf die Saison mit hoffentlich auch wieder längeren Touren. Letztes Jahr war es definitiv zu wenig :).