Himmelfahrtskommando in den Norden

Schon bei meinem Bericht über die Tour zur Marienburg habe ich es vorsichtig angekündigt. Für das Himmelfahrtswochenende hatte ich mir etwas Größeres vorgenommen. Mit Gravelbereifung und etwas Gepäck wollte ich meine Schwester besuchen. Lieber wäre mir die Rennradbereifung gewesen, jedoch hatte meine Wahl zwei Gründe. Zum einen hatte ich mein Rad schwerer beladen als üblich, zum anderen hatte ich die Hoffnung, dass die etwas robusteren Reifen mir einen Plattfuß ersparen würden. So war das Reisetempo zwar etwa heruntergesetzt, aber ein hohes Tempo war nicht meine erste Priorität. Eine Zerrung in der Kniekehle brachte meine Planung etwas in Wanken. Da diese sich aber mehr bei Höhenmetern bemerkbar macht, ging ich das Unterfangen mit pinkem Tape in der Kniekehle trotzdem an.

Der Wecker klingelte am Donnerstag um 4.00 Uhr und nach einem gemütlichen Frühstück packte ich die letzten Sachen und saß kurz nach 5.00 Uhr auf dem Rad Richtung Norden.

Zunächst fuhr ich über Osterode und Willensen nach Kalefeld. Die Kirche dort wollte ich beim letzten Mal schon fotografiert haben. Mit ihrer Backsteingotik erinnert die Emporenhallenkirche an die Sakralbauten im Norden, also eine gute Einstimmung auf meine Tour. Der Weg führte mich auf ähnlichem Wege zum Schloss Marienburg. Dort traf ich um kurz vor 8 Uhr ein und dachte mir schon, dass ich dort wohl noch keinen Kaffee bekommen würde. Doch sogar die Runde über den Innenhof blieb mir verwehrt.

Also fuhr auf auf der anderen Seite des Berges wieder hinab Richtung Pattensen. Ab hier merkte ich, dass der Wind langsam zunahm, da die Tour nun flacher und windanfälliger wurde. Leider kam er aus Nordwesten, also immer von links oder von vorn. Das sollte sich bis zum Ende der Tour auch nicht mehr ins Positive verändern. In Hannover führte mich das Navi über Linden, hinter den Herrenhäuser Gärten vorbei (das habe ich erst bei der Nachbearbeitung gesehen), durch Leinhausen und Stöcken. In Stöcken bewunderte ich das Eingangsportal zum Stadtfriedhof.

Es war kurz vor 10 Uhr und langsam erwachten auch die Herren, die in großen Scharen zu Fuß oder hoch zu Rad auf ihre Vatertagstouren aufbrachen. Um 10.30 Uhr kreuzte ich die A2 und machte in luftiger Höhe über der Autobahn eine Pause, bevor es in Richtung Garbsen weiterging.

Landschaftlich reizvoll war die Strecke nicht. Das änderte sich erst wieder ab Neustadt am Rübenberge. Zwar wurden die Radwege weniger, die Orte jedoch deutlich netter, mit unzähligen alten Dreiseitenhöfen und viel rotem Backstein. Die Windstärke nahm zu und mein Durst leider auch. 1,5l sind für eine Tour wie diese definitiv nicht genug… Die Märkte hatten aufgrund des Feiertags geschlossen und die einzigen Tankstellen die ich fand, waren SB-Tankstellen ohne Einkaufsmöglichkeit. Im Ort Nöpke sah ich eine Frau mit Kinderwagen, die gerade auf ein Haus zusteuerte und bat sie darum, mir die Flaschen aufzufüllen. Mit einer Marathonläuferin hatte ich genau die richtige erwischt, da sie mir sagte, dass sie auch regelmäßig bei fremden Leuten um Wasser bitte. Nun ging es auf die Zielgerade. Der Wind fegte mir immer stärker ins Gesicht und jeder der noch 30 km zog sich elendig in die Länge. Eine längere Verschnaufpause an einem Bahnübergang, an dem der Verkehr über 5 Minuten auf die beiden durchfahrenden Züge warten durfte.

Immerhin genug Zeit, etwas zu essen und den Rox an die Powerbank zu hängen, dessen Akku bei Dauernavigation nach nun über 150 km langsam schwächelte. Einige Zeit später sah ich vor mir einen Planwagen vor mir. Ich kam ihm relativ zügig näher und hörte und sah bald die grob 15 Männer, die sich gegen das Wandern entschieden hatten. Als sie mich entdeckten war das Gegröle groß und man bot mir sogar ein Bier an. Dieses lehnte ich jedoch dankend ab und überholte den Traktor bei der nächsten Möglichkeit. Ich zähle jeden restlichen km, bis ich endlich um kurz nach 13 Uhr bei meiner Schwester ankam.

Den Freitag nutzten wir zum regenerativen Shoppen bei Bremen und ließen den Tag relativ entspannt angehen.

Samstag ging es wieder zurück. Allerdings startete ich erst gegen 8 Uhr, da wir ja noch gemütlich frühstücken wollten. Als ich das Rad aus der Garage holte schauerte es kräftig. Ich entschied mich dafür, diesen Schauer abzuwarten, was zu Glück nicht lange dauerte und fuhr im leichten Nieselregen und empfindlicher Kälte los. Schon auf den ersten Kilometern machte ich eine große Extraschleife. Ich hatte bei meiner Grobplanung Dörverden als Startpunkt angegeben – den nächst größeren Ort. Bei komoot hatte ich das genaue Ziel zwar noch geändert, aber nicht mehr auf den Rox geladen. Zwar wunderte ich mich, dass ich in die gefühlt falsche Richtung fuhr, hatte aber auch eine andere Route für den Rückweg geplant. Als ich das Problem erkannte, war es schon zu spät und Wenden hätte sich nicht mehr gelohnt. Mit einem immerhin sehr verkehrsberuhigtem Schlenker von etwa 5 km Umweg ging es irgendwann los in Richtung Süden. Der Wind kam heute eher aus westlicher Richtung und schob mich auf einigen Passagen recht zügig, meist schob er mich aber eher Richtung Straßenmitte.

Meine Beine fühlten sich gar nicht so ermüdet an, wie ich es zunächst befürchtet hatte. Heute fuhr ich etwas westlicher durch Hannover. Immer wieder gab es kleine Schauer und auch die Sonnen hat wenig Kraft, sodass ich die meiste Zeit mit Armlingen und/oder Regenjacke fuhr. In Langenhagen kam ich am Flughafen vorbei und überlegte kurz, das Rad als Gepäck aufzugeben und in wärmere Gefilde zu flüchten, verwarf diesen Gedanken aber wieder. Stattdessehn gönnte ich mir eine kurze Auszeit am Maschsee, bevor ich weiter Richtung Hildesheim fuhr.

In Hildesheim war ein Kaffeestop geplant. Gegenüber des Bahnhofs fand ich ein Café, in das ich aber das Rad natürlich nicht hineinnehmen durfte. Da ich es am Bahnhof auch keinesfalls unangeschlossen alleine stehen lassen wollte setze ich mich als einziger Gast nach draußen und es gab prompt einen weiteren kräftigen Schauer. Zum Glück gab es ein Vordach, sodass ich nur etwas Spritzwasser abbekam. Auch bei meiner Frage nach einer Toilette hatte ich kein Glück, diese sei leider geschlossen. Als ich bei meiner Weiterfahrt eine Tankstelle entdeckte, hing auch dort ein Schild „Ich bin leider wieder verstopft“. Da wird man ja quasi zum Wildurinieren gezwungen….

Trotz veränderte Route kam ich wieder an der Marienburg vorbei. Doch halt, nein! Große Verwechslungsgefahr. Beide liegen in der Nähe von Hildesheim, jedoch ist das Schloss Marienburg ein Prachtbau jüngeren Datums, wohingegen diese Marienburg eine Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert ist. Leider habe ich es verpasst, Fotos zu machen und wollte keinen Schlenker dorthin fahren, daher hier ein Bild aus dem Internet.

060610 Universität Hildesheim Domäne Marienburg Foto Andreas Hartmann, Luisenstrasse 13, 31141 Hildesheim – fotoaha@aol.com

In Groß Düngen erinnerte mich der Ortsname an die Aufnahme von Nährstoffen und ich kaufte mir ein zucker- und koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk um meiner Flaschen aufzufüllen und wollte den Halt nutzen, um meine Blase zu leeren. Letzteres leider erfolglos („Nein, eine Kundentoilette haben wir nicht“). Kohlensäure in Radflaschen ist eher suboptimal. Ganze dreimal schlug mir der Druck beim Öffnen der Flasche gegen das Zäpfchen, ab dem vierten Trinken, hatte die Gefährdung nachgelassen ;).

Es folgte einer der größten Anstiege der Tour über den Weinberg bei Nette. In zum Glück nicht zu steilen Serpentinen ging es vier Kilometer den Berg hinauf und ein paar weniger auf der anderen Seite hinunter.

Bald landete ich in Rhüden. Von dort aus sollten es noch 50 km mit einigen Höhenmetern sein. Langsam merkte ich die Erschöpfung auch das lange Sitzen war nicht mehr so ganz komfortabel. Kurz gesagt, die Motivation war nicht mehr ganz so hoch, was unter anderem mit dem weiterhin etwas an April erinnernden Wetter zu tun hatte. 15 km weiter, kurz hinter Seesen machte mein Rad seltsame Geräusche. beim Blick nach unten wusste ich weshalb. Bei meinem hinteren Reifen war die Luft noch mehr raus als bei mir. Damit war mein Plan pannenfrei zu bleiben leider nicht aufgegangen. Ich hatte zwar alles dabei, was man braucht, leider ja aber die nicht die Kraft den Mantel wieder in die Felge zu bekommen. Also versuchte ich gar nicht erst den Schlauch zu wechseln, sondern versuchte es mit verschiedenen Telefonjokern. Leider hatte keiner Zeit und Möglichkeit mich abzuholen.

Also schob ich mein Rad und überlegte, was ich nun tun könnte. Nach Seesen die 4 km zurück laufen und den Zug nehmen, wäre die einfachste Lösung. Jedoch hatte ich vor, die Tour zu beenden und war todunglücklich. Da kam aber der Held in glänzender Rüstung und hoch zu Ross. Na gut, der Held in Rennradoutfit und Carbonrad und fragte mich, ob ich Hilfe bräuchte. Zerknirscht bejahte ich dies. Auch er hatte ganz schön mit dem Mantel zu kämpfen, aber nach einer knappen Viertelstunde war mein Rad wieder fahrbereit und ich unendlich dankbar. Nun konnte ich auch den Rest des Weges in Angriff nehmen. Zwar wurde es noch einmal ordentlich hügelig, aber irgendwie mobilisierte ich noch irgendwelche Kräfte um sogar eine Schleife über Hattorf zu fahren, um eine SD-Karte abzuholen. Dank dieser Zusatzkilometer (und denen zu Beginn) kam ich tatsächlich knapp über 200 km und jubelte innerlich, als der Tacho auf 200 km sprang. Zwar war diese Tour sicherlich nicht die landschaftliche Reizvollste und auch nicht die mit dem besten Fahrerlebnis auf Straße und Radwegen, aber es ging auch primär darum, meine Schwester zu besuchen und zu schauen, ob ich zwei dieser Distanzen in kurzer Zeit gewachsen bin.

Jetzt bin ich ziemlich müde, aber auch ordentlich stolz und werde erst einmal meinen Beinen ein paar Tage Ruhe gönnen. Knapp 390 km in drei (bzw. zwei aktiven) Tagen waren für mich eine ganz schöne Herausforderung.

Bild

Jahresrückblick 2021

Ein Jahr ohne Superlative aber mit vielen Kilometern und kleinen Highlights.

Beim Durchscrollen meiner Aktivitäten bei Strava stelle ich fest, dass das Jahr nicht außerordentlich spektakulär war, ich aber doch eine Menge erlebt habe. Im Januar ging es los mit viel Schnee und entsprechend wenig Radkilometern. Trotzdem war ich durch die 30-Tage Yoga Challenge von Mady Morrison und tolle Winterwanderungen in Bewegung.

Nach vier Radtouren bis Mitte Januar kam mein neues Spielzeug, das Kickrbike von Wahoo. Ich tourte ein wenig mit kinomaps, wo man per Videoaufzeichnung echte Touren nachfahren kann, bevor ich bald bei Zwift heimisch wurde. Da meine Schüler im Homeschooling waren, blieb etwas mehr Zeit für Sport. Das rächte sich auch ziemlich bald, da ich ja gelegentlich dazu neige etwas zu übertreiben. Und so hatte ich mich mit Wanderungen, Indoor-Radtouren und Yoga irgendwann mal wieder etwas überlastet. Ab Februar ging ich das Thema Sport wieder etwas ruhiger an und schaffte es so, meine Wattwerte zu verbessern. Cool waren die wenigen Meter mit André Greipel, der eines Tages an mir vorbeistrampelte. Ich bezweifle jedoch, dass er mich wahrgenommen hat.

Auch André Greipel kann mal mit nur 2.1 w/kg fahren…

Im Februar legte sich der Winter nochmal richtig ins Zeug, sodass ich ein paar Mal mit Langlaufskiern über die Felder rutschte und exzessiv meine Adduktoren trainierte. Da ich sonst nur Loipe gewohnt bin (in der ich mich auch eher schlecht als recht schlage), ist das Fahren in Treckerspuren und quer durch die Botanik ein ziemliches Abenteuer für mich.

Der März bestand aus einigen Meetups bei Zwift und dem Auffrischen der Freundschaft zu meiner Schulfreundin Anna, mit der ich zunächst auch nur bei Zwift fuhr. Auch meinen ersten Indoor-Hunderter bin ich im März gefahren. Da flach ja langweilig ist auch gleich mit 1200 hm (zweimal den Epic KOM hoch). Danach ging es mir nicht so richtig gut, da meine Getränkemenge etwas knapp bemessen gewesen war. Ende des Monats wurde das Wetter etwas besser, sodass ich mich gelegentlich auch mit dem Rad vor die Tür wagte. Ich konnte gleich feststellen, dass das Fahren nach Trainingsplan zu Erfolgen führte.

Anfang April hatte ich meinen FTP auf 180 W gearbeitet und konnte auch draußen nun vermehrt Krönchen bei Strava einfahren. Ab April beendete ich das Zwift-Abo und war wieder nur noch Outdoor unterwegs. Zu Ostern fuhr ich mit Kai eine längere Tour (knapp 110 km) Richtung Seesen und Bad Gandersheim auf zum großen Teil neuen Wegen. Eine schöne Abwechslung zu den doch ansonsten etwas ausgefahrenen Standard-Trainingswegen.

Bad Gandersheimer Dom

Das Frühjahr war windig und trug definitiv der Charakterformung bei, da der Wind meist von vorne kam. Im Mai wagten wir uns trotzdem auf eine längere Tour (150 km) zum Hohen Hagen, zwischen Göttingen und Hann. Münden. Der vielbesagte Berg war nach einigen Kilometern in den Beinen zwar anstrengend, aber bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet. Auch bei dieser Tour genossen wir wiederum einige neue Streckenabschnitte, durch die das Fahren wieder sehr an Reiz gewinnt. Eine sehr schöne Graveltour führte uns in den Harz. Allerdings fast ohne fiese Anstiege, sondern relativ flach über geschotterte Radwege auf ehemaligen Bahntrassen. Auf diese Weise kommt man überraschend entspannt nach Braunlage. Die Tour war klasse, wenngleich ich gleich zweimal… stürzte…. na ja, umkippte. Die falschen bzw. andere Cleats können ziemlich gemein sein….

Am Hohen Hagen

Das Wetter im Mai war unbeständig. Mal schaffte man es zwischen Hagel, Regen und Gewitter aufs Rad, mal war man gerade unterwegs, wenn es losging. Immerhin zeigte sich an den letzten Tagen des Monats noch einmal die Sonne, sodass eine lange, fordernde Tour nach Nordhausen (126 km) mit vielen Gravelanteilen und Pisten mit bis zu 8% möglich war. Auch diese Tour war klasse, da extrem abwechslungsreich bezüglich des Untergrunds und der Umgebung.

Schotterig nach Nordhausen

Der Juni ging regnerisch und kühl los, bevor er schlagartig für einige Tage extrem heiß wurde. Die Zeit nutzte ich für einige Runden im Jues, was – nach langer Schwimmabstinenz – wieder sehr gut tat. Ab Juli wurden die Touren endlich etwas spannender. Ein Jahreshighlight war auf jeden Fall meine erste Fahrt auf den Brocken. 133,33 km mit 1.641 hm. Mit einer netten Gruppe Göttinger Radler ging es auf den höchsten Berg des Harzes, vor dem ich einen ziemlichen Respekt hatte und immer noch habe. Die Tour hatte es auch wirklich in sich, bis kurz vor dem Ende lief es aber recht gut. Nur die letzten Meter auf der Brockenstraße überforderten mich etwas. So oder so bin ich aber – wenngleich ich auch ein bisschen schieben musste und meine Lunge lauter pfiff als die Brockenbahn – oben angekommen. Und was soll ich sagen? Auch ein halbes Jahr danach bin ich noch stolz wie Oskar, dass ich das geschafft habe.

Am Brockenstein

Wenige Tage später war ich mit Freundinnen unterwegs und genoss die Girls-Rides in der Umgebung sehr, da ich ja sonst eher das Radeln mit Männern gewohnt bin. Eine der Damen war meine bereits erwähnte Schulfreundin Anna. Im August fand ein Gegenbesuch in Frankfurt statt und wir machten den Vulkanradweg unsicher. 170 km Mädelspower – definitiv ein weiteres Rad-Highlight diesen Jahres, während dem Anna sich und mich sicherlich ein paar Mal verflucht hat, da sie noch nicht ganz so viele Rad-Kilometer in den Beinen hatte und sie die Distanz etwas unterschätzt hatte. Das Fazit ist aber, dass wir auch diese langen Touren stemmen können.

Mit Anna auf dem Weg zum Vulkanradweg

Nicht ganz so lang war die erste Etappe unseres einzigen Overnighters dieses Jahr. Nach 140 km, unter anderem über den mit zahlreichen Tunneln bestückten Kanonenbahnradweg, war ich allerdings schon ganz schön platt und eine schlaflose Nacht in einer Schutzhütte im Wald und Dauerregen am nächsten Tag führten dazu, dass wir die Tour auf mein Bitten bereits nach 50 km abbrachen. Ob das ein Schwächeeingeständnis ist? Nein, ich denke nicht. Ich habe dieses Jahr in der Tat drei Touren abgebrochen und bereue es bei keiner davon. Manchmal möchte der Körper einfach nicht so mitspielen und ich fahre Rad, weil es mir Spaß macht. Natürlich habe ich auch eine Menge Ehrgeiz, aber das Abbrechen einer Tour ist für mich kein Tabu.

Nach der Tour ging es weiter nach Hamburg und Kühlungsborn, wo wir auch abwechslungsreiche und spannende Touren fuhren. Leider meinte es das Wetter – vor allem an der Ostsee – wieder nicht so richtig gut mit uns.

Im Hamburger Elbtunnel
Am Leuchtturm in Warnemünde

Bereits im September entstaubte ich mein Kickrbike. Ich war gefragt worden, ob ich eine Rennserie bei Zwift mitfahren möchte. Zunächst war ich sehr motiviert, musste aber feststellen, dass Team-Rennen (Zwift Racing League – WTRL) keine Freude machen, wenn man in der falschen Leistungsklasse fährt und man immer nur hinterher fährt. Das wurde mir zwar nicht vorgeworfen – ganz im Gegenteil, mein Team hat sich sehr bemüht, mich zu motivieren – aber ich habe die letzten Rennen gerne den starken Mädels überlassen, sodass sie eine Chance auf eine bessere Platzierung hatten. Stattdessen bin ich lieber mit meiner neuen Rennradbereifung draußen herumgedüst und durfte feststellen, dass eine schmalere Bereifung mich etwa 2 km/h schneller macht.

Das kam mir sicherlich auch im Oktober zugute, als ich mit einer Männertruppe zum Kyffhäuser gefahren bin. Knappe 150 km war die Gesamtstrecke lang und hatte zum Glück nur etwas über 1000 hm. Bis kurz vor dem Kyffhäuser ging es gaaanz seicht bergab, sodass der Hinweg gar keine Probleme bereitete. Zurück kämpfte einer der Herren mit sich und der Gesamtsituation, was es für mich auch schwierig machte, da wir sehr rücksichtsvoll fahren mussten. Entsprechend des Hinwegs ging es auf dem Rückweg stetig gaaanz leicht bergauf. Immerhin durfte ich als Pacemaker ran und die Herrenrunde anführen. Das war auch mal eine ganz spannende Erfahrung.

Am Kyffhäuserdenkmal

Nach privaten Veränderungen im September flog ich im Oktober nach Mallorca. Ein richtig toller Urlaub mit viel Sonne, kühlem Wind und Bewegung an Land und im Wasser. Das war meine erste Auslandsraderfahrung und sie hat mich ziemlich begeistert (gerade habe ich nach einem Synonym für „geflashed“ gesucht und vorgeschlagen wurde unter anderem „enthusiasmieren“. Das muss ich unbedingt einmal irgendwann benutzen…). Das Fahren mit dem Mietrad hat gut geklappt und durch akribische Vorplanung mit komoot waren auch meine Touren klasse. Noch schöner wäre es sicherlich in Begleitung gewesen, da es auch auf der Baleareninsel ganz schön windig war.

Am Cap Formentor

Jetzt neigt sich das Jahr dem Ende zu. Insgesamt waren es sehr aktive Monate mit 7.500 Rad-und 22,5 Schwimmkilometern (hätten die Schwimmbäder nicht so lange zu gehabt, wäre es vermutlich mehr gewesen). Damit bin ich mehr als zufrieden. Nur zu Erinnerung, letztes Jahr waren es gerade einmal 4.500 km auf dem Rad. Ich schaue nun neugierig auf das nächste Jahr. Da werde ich – so sie denn stattfindet – bei der Cyclassics in Hamburg dabei sein. Außerdem möchte ich weitere Gegenden mit dem Rad erkunden. Wenn es gut läuft, rolle ich auch mal ein paar Kilometer durch die Toscana, aber das wird final wohl dieses nervige Virus entscheiden. Außerdem möchte ich unbedingt die 200 km knacken und vielleicht spontan noch an der ein oder anderen Veranstaltung teilnehmen. Das sind die Pläne für nächstes Jahr. Mal sehen, was sich davon umsetzen lässt.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und einen schönen Start ins neue Jahr. Bleibt gesund!

Mallorca – Urlaub mit dem Leihrad

So richtig im Urlaub war ich ja schon lange nicht mehr. Schon vor zwei Jahren war ein Mallorcaurlaub gebucht, fiel aber aufgrund der Corona-Pandemie ins Wasser. So ganz aus dem Kopf bekommen hatte ich die Idee aber nicht und so buchte ich spontan einen Pauschalurlaub in den Herbstferien.

Das Ziel war Playa de Muro im Norden der Insel. Dies erschien mir ratsam, da das Gelände dort überwiegend flach ist, aber auch die Berge nicht weit sind, falls mir mal danach sein sollte.

Am 18.10. fuhr ich mit dem Zug nach Hannover und nistete mich für eine halbe Nacht bei Mareike, der besten Freundin meiner Schwester, ein. So früh wie der Flieger gedachte zu starten hätte ich keinen Zug von Herzberg nach Hannover bekommen.

Der Nachmittag und Abend waren sehr schön. Essen, mit dem Hund gehen und viel quatschen. Alt wurden wir jedoch beide nicht. Den Wecker stellte ich mir auf 3.33 Uhr.

Tag 1 – Hinreise und Wasserkontakt

Hannover – Noltemeyerbrücke

Tatsächlich war ich in der Nacht recht schnell aufbruchbereit und fand auch fast auf Anhieb den richtigen Weg zur S-Bahn ;). Um kurz nach vier ging es dort weiter. Erst Richtung Bahnhof und dann zum Flughafen. Bisher lief es wie am Schnürchen. Ärgerlich war nur, dass mir – als ich mein Gepäck aufgeben wollte – mitgeteilt wurde, dass der Flieger schlanke 80 Minuten später starten wird. Na super, da hätte ich locker eine Stunde länger schlafen können. Zumindest lief aber der Sicherheitscheck schneller ab als erwartet. Dann hieß warten, warten und nochmal warten. Kurz überlegte ich mir, mir ausnahmsweise einen Kaffee zu gönnen. Dieser war mir dann aber doch zu teuer und ich entschied mich für den halben Liter Wasser für 3,30 €. Man muss ja das Geld nicht mit beiden Händen rauswerfen…

Bei der TUI war irgendetwas schief gelaufen (der Grund für unsere Verspätung), weshalb uns das Belgische TUI Team sicher nach Palma flog. Als kleine Entschädigung gab es sogar ein kostenloses Festmahl bestehend aus einem Laugenteilchen und einem Getränk. Besser als gar nichts. 🙂

Mittags landeten wir endlich und schnell fand ich den richtigen Bus. Zum Glück war mein Hotel direkt das zweite auf der Tour, weshalb ich nach etwas über einer Stunde im Hotel eincheckte und mein Zimmer bezog. Klein, aber mit Eckbalkon, da ich das letzte Zimmer des Flures bekam. Dort hat man etwas länger Sonne und Blick auf den See und den Pool hinterm Hotel.

Die erste Amtshandlung war in die Badebekleidung zu schlüpfen und zum Strand zu spazieren. Der ist 500 m entfernt, aber das stört gar nicht. Dafür ist er bombastisch schön. Sauber, feinsandig und türkisblaues Wasser. Nur bis man schwimmen kann muss man etwas laufen, da das Wasser sehr seicht ist. Mit 23°C hatte das Wasser eine perfekte Temperatur. Nur die Luft war durch den Wind etwas frisch. Zum Radfahren aber bestimmt ideal. Nach einem Stückchen … ok, zwei Stückchen Kuchen und etwas Obst zog ich nochmal zum Strand los und spazierte ein Stündchen am Wasser auf und ab.

Playa de Muro

Alt wurde ich auch an diesem Abend nicht, da ich seit dem Flug Kopfschmerzen hatte und etwas unter Schlafmangel litt. Nach dem Abendessen verkrümelte ich mich daher aufs Zimmer, kuschelte mich in die Decke und las noch ein wenig bevor ich mich ins Reich der Träume verabschiedete.

Tag 2 – eine flache Runde zum Kennenlernen

Nach einer langen, langen Nacht (ich habe fast 10 Stunde geschlafen) wurde ich um 8 Uhr wach und ging ziemlich bald zum Frühstück. Das war gar nicht soo übel, aber auch nicht umwerfend. Zum Sattwerden war aber genug Leckeres da. Nachdem ich gesättigt war, packte ich meine Sachen zusammen und machte mich radelbereit. Außerdem packte ich mir meinen Rucksack. Um 9.30 Uhr wurde mein Rad geliefert. Ein Trek Emonda 6, leider mit Felgenbremsen und schon ganz schön ramponiert. Zumindest musste ich mir dazu zumindest um weitere Steinschläge keine Sorgen zu machen. Nach der Übergabe machte ich mich direkt auf den Weg Richtung Inca. Der Weg führte mich über viele ruhige Feldwege und Nebenstraßen und war vor allem eines – flach. So eben kommt man bei uns häufig nicht voran. Zunächst fuhr ich lange durch ein Naturschutzgebiet, welches reich an hohen Gräsern und Tierleichen auf der Straße war. Schleiereule, Kaninchen und einige undefinierbare Kleinsäuger. Traurig. Aber zumindest spricht es für den Tierreichtum des Naturschutzgebiets.

An den Hängen der Berge sah ich zwei größere Feuer. Zum Glück waren diese weit weg und hoffentlich gezielte Brände um die Waldbrandgefahr zu reduzieren. Ein frommer Wunsch, denn so richtig gezielt sah das nicht aus. Auch Hubschrauber kreisten immer wieder über der Insel. Nach einem Fotostop bei dem ich auch den Sattel nachjustierte, wollte ich mich einer Gruppe anschließen. Das Tempo der Herren passte ganz gut. Nach wenigen hundert Metern blockierte plötzlich mein Pedal und ich musste schlagartig anhalten. Erst dachte ich, die Kette sei heruntergeflogen. War sie aber nicht. Dann entdeckte ich den Übeltäter. Die Luftpupe war mit einem Klettband oberhalb des Pedals befestigt und hatte sich gelöst. Diese hatte das Pedal blockiert… Also Luftpumpe abgenommen und im Rucksack verpackt und weiter ging es.

Ein Großteil der Radwege sieht so oder so ähnlich aus
Blick auf Campanet

Die Gruppe war natürlich weg. Egal. Auch alleine fand ich prima den Weg nach Inca. Dort drehte ich eine kleine Runde durch die Innenstadt bevor ich den Heimweg antrat. Die Strecke zurück war landschaftlich wirklich schön, nur die Straßen wurden schlechter und man musste höllisch auf Schlaglöcher aufpassen. Der urige Ort Campanet bot enge Gässchen, ganz viel Charme und die einigen nennenswerten Höhenmeter der Tour. Bis zur Kirche musste ich einige Meter schieben. Auf dem Weg herunter (gar nicht so ohne mit Felgenbremsen…) fand ich einen Fahrradverleih, der meinen Sigma Rox 12.0 mit altem Schlauch etwas besser befestigte. Seit Beginn soff mir die Halterung nämlich bei jeder Unebenheit ab und ich hatte im Multitool keinen passenden Inbus. Entlang des weiteren Weges (Cami Vell de Pollença) gab es unzählige Olivenhaine mit lebendigen Rasenmähern in Form von Schafen. Die zugehörigen Fincas waren teilweise wirklich eindrucksvoll. Eine tolle Gegend, die am Sonntag wohl auch Teil der „Mallorca 312“ einem Gran Fondo mit bis zu 312km. Tatsächlich wurde ich heute schon von einem Briten gefragt, ob ich dabei sein. Eher nicht. Wobei es auch kürzere Etappen gäbe. Leider ist der Sonntag aber mein Abreisetag.

Die Kirche in Campanet
Eispause in Pollença vor der Santa Maria dels Àngels
Straße bieten häufig breite Randstreifen. Allerdings nicht immer so sauber wie hier…

In Pollença machte ich eine Eispause. Der Ort ist wirklich wunderschön und das Eis extrem lecker. Zwischen Port de Pollença und Alcúdia traf ich auf den Küstenweg, der mir ein Dauergrinsen ins Gesicht zauberte Trotz Gegenwind war es ein tolles Gefühl, direkt am türkisblauen Wasser mit Blick auf die Bucht, umgeben von eindrucksvollen Bergen zu radeln. Da freue ich mich auf Morgen früh. Dann fahre ich dort noch einmal lang. In Alcúdia machte ich schiebend einen Schlenker durch die Altstadt. Mit vielen engen Gässchen, ja auch viel Touristennippes, vielen gemütlichen Restaurants und alten Gemäuern ein tolles Ausflugsziel. Mein Besuch war eher kurz gehalten.

Ja, ganz nett hier…
Alcúdia – Porta der Moll
Sant Jaume

Entlang der Straße ging es die wenigen verbleibenden Kilometer zurück zum Hotel. Dort gab es ein Ministück und Kuchen und einen Berg Obst. Das Wetter war weiterhin klasse, sodass ich den Nachmittag für einen weiteren Strandbesuch nutzte. Die Kräfte reichten noch für 700m und eine Runde Sonnenbaden. Das war mit Abstand der wärmste und schönste Tag der Woche.

Tag 3 – bis ans Ende der Wel…. Insel

Die Nacht war mal wieder suboptimal. Mit etwas wenig Schlaf zu Beginn und Ende der Nacht ging ich pünktlich um 8 Uhr zum Frühstück und futterte mich erst mal durch die Süßwarenabteilung (Pain au chocolat, Croissant und Donut, alles in Miniformat) und anschließend durch die warme Theke (Würstchen mit Bohnen und Rührei) um wenigstens ein bisschen Grundlage zu schaffen und ein paar Aminosäuren zu tanken.

Um 9 Uhr saß ich pünktlich auf dem Rad. Noch war es etwas diesig, doch auch heute war der Weg entlang des Wassers wieder spitzenmäßig. So könnte ich stundenlang Rad fahren. Kurzzeitig konnte ich mich auch an drei spanische Herren hängen, die jedoch nach einigen Kilometern meinen Weg verließen. Schade, deren Tempo war sehr angenehm gewesen und hatte meine Pace kurzzeitig etwas verbessert. Durch die ein oder andere Fotopause in Port de Pollença verschlechterte ich ihn möglichst schnell wieder, war darüber aber kein bisschen traurig. Apropos Schnitt verschlechtern. Auf die Radwege ist eine Zahl, eine 20, aufgemalt in einem Kreis. Was die wohl heißen mag…?

Port de Pollença

Hinter dem Ort ging es relativ schlagartig in den Berg. Der erste Anstieg war mit 6% ausgezeichnet (im Sinne von „beschrieben“, nicht „super“) und zog sich über 4 km. Die ersten 220 Höhenmeter waren geschafft und ich auch schon ein bisschen. Danach rollte es über Serpentinen hinab und mir schwante schon Übles. Schließlich musste auch hier auch wieder zurück… Der nächste Anstieg von wieder 200 hm zog sich über 5 km, fühlte sich aber nicht wirklich entspannter an, da mir ein freundlicher Gegenwind entgegen pfoff. Bis zum Leuchtturm ging es immer wieder auf- und abwärts mit meinen Kräften eher letzteres. Getröstet wurde ich aber immer wieder von bombastischen Ausblicken. Zudem war ich glücklich, dass bisher wenig Autoverkehr herrschte und nur gelegentlich Radfahrer an mir vorbei zischten. Mit einem Mädel aus der französischen Schweiz nahm ich noch Kontakt auf und zog sie eine Weile den Berg hoch. Zumindest bestätigte sie mir das hinter, dass ich sie gut gepusht hätte. Nach knapp 30 km erreichte ich den Höhepunkt der Tour, das Cap Formentor, das östlichste Ende der Insel. Der Leuchtturm der die Spitze kennzeichnet ist wirklich sehenswert.

Blick auf Port de Pollença
Mirador Es Colomer
Interessante Form…
Bild von Mallorca Cycling Photos. Die Herren stehen da regelmäßig und die Fotos kann man am Folgetag bestellen.
Cap Formentor

Ich schnackte noch ein wenig mit der neuen Bekanntschaft, machte Fotos mit meiner Kamera und fremden Handys, aß meine Banane, die ich beim Frühstück hatte mitgehen lassen und machte mich auf den Rückweg. Die Schweizerin war bereits losgefahren.

Bild von Mallorca Cycling Photos
Bild von Mallorca Cycling Photos

Auf dem Rückweg kamen mir die Anstiege (bis auf zwei Teilstücke) gar nicht so lang wie auf der Hinfahrt vor. Möglicherweise trug der Rückenwind dazu bei, dass er mir leichter fiel, auch wenn ich zwei Pausen bis oben einlegen musste. Ab dann musste ich bis Port de Pollença nur noch rollen lassen. Herrlich, auch wenn ich vorsichtig fuhr, da die Felgenbremsen doch nicht so ganz die gewohnte Bremskraft haben.

Unten bog ich ab in Richtung Cala Sant Vicenç. Der Ort wurde hochgelobt für seine Buchten. Auch hier erwartete mich leider kein ganz ebener Weg und wieder Gegenwind. Leider wurden meine Erwartungen nicht so ganz erfüllt. Der Ort hat viel Beton und ja, zwei ganz nette Strände, aber sooo überwältigend fand ich sie nicht. Vielleicht war ich aber auch knörig, da ich recht wenig getrunken hatte. Daher hielt ich am örtlichen Sparmarkt und gönnte mir eine spanische Zitronenlimo. Gestärkt fuhr ich einen ähnlichen Weg zurück und bandelte mit einem schätzungsweise 60-70-jährigen Herrn aus Deutschland an. Der fuhr in dieselbe Richtung und ein ähnliches Tempo und spendeten uns im Wechsel Windschatten. In der Satteltasche hatte er allerdings zusätzliche 100 Watt versteckt, die er gelegentlich zuschaltete. Damit hängte er mich zweimal ganz schön ab, wartete dann aber wieder auf mich.

Bucht von Cala Sant Vicenç

Kurz vor Port de Alcúdia trennten sich unsere Wege und ich landete kurz darauf wohlbehalten aber fix und alle am Hotel. Den Nachmittag verbrachte ich auch lediglich auf einer der Liegen am Pool.

Tag 4 – Aktive Regeneration

Der Wetterbericht versprach nichts Gutes und so plante ich zwei Aktivitäten, die notfalls auch bei nicht so gutem Wetter möglich wären. Entweder – wenn es stärker regnet – nur ein Spaziergang durch das angrenzende Naturschutzgebiet oder aber eine längere Wanderung östlich von Alcúdia. Direkt nach dem Öffnen der Augen machte ich dasselbe mit den Vorhängen und stellte zufrieden fest, dass es zwar stürmisch, aber keineswegs nass war. Das änderte sich auch bis nach dem Frühstück nicht. Also legte ich das Wanderoutfit an und machte mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Wenig später kam der Bus und chauffierte mich bis an den Rand der Altstadt von Alcúdia. Von dort bewegte ich mich auf Schusters Rappen nördlich von Port Alcúdia vorbei in das Compament de la Victòria um einen 13 km Rundweg zu wandern. Der Weg war geprägt von viel scharfkantigem Gras, Wind und noch viel mehr Tieren. Los ging es mit domestizierten Eseln und Schweinen und später begegneten mir ständig Ziegen. Meistens roch ich sie, bevor ich sie sah.

Blick auf die Bucht von Alcúdia
Leuchtturm von Alcúdia

Ich hielt mich mit viel Fotografie auf und genoss den Weg und die Aussicht. Am schönsten war tatsächlich die Ruhe. Mir begegneten auf dem Weg über den Berg lediglich vier Personen. Der Anteil der Ziegen war beträchtlich höher. Nach dem Abstieg kreuzten plötzlich zwei männliche Fasane. So schnell hatte ich leider die Kamera nicht griffbereit. Anschließend führte mich der Weg zunächst durch die wohlhabende Siedlung von Bonaire. Da lässt es sich ganz schön wohnen. Am Hafen (der im Gegensatz zu den Villen eher enttäuschend war) pilgerte ich entlang des Wassers bis auf Höhe Alcúdia.

Playa de Sa Font de Sant Joan

Dort ging es nach etwa 13 km zur Stadt zurück. Ich bummelte noch ein wenig über die Stadtmauer und durch die belebten und stilleren Gassen des Ortes und genoss den mittelalterlichen Charme und das Gewusel der Touristen. Anschließend fuhr ich mit dem Bus zurück zum Playa de Muro.

Stadtmauer von Alcúdia

Der Magen hing mir mittlerweile in den Kniekehlen, da ich bis auf einen Riegel und eine Banane nichts gegessen hatte. Bis zum Abendessen blieb allerdings noch zwei Stunden Zeit. Diese nutzte ich, um zum Assos Outlet by Huerzeler zu gehen. Fast hätte ich mir auch eine Bib gekauft, aber leider ab es die nur noch in schwarz-weiß (weiß an der Hose mag ich nicht) oder in schwarz in XL und das war zu groß. Kurz vor dem Assos-Store entdeckte ich eine Fahrradmesse über die ich auch noch schlenderte. Da wie oben bereits erwähnt hier am Samstag der Gran Fondo über die Insel startet gibt es kein anderes Thema mehr auf der Insel. Mittlerweile wurde ich schon diverse Male gefragt, ob ich Sonntag auch dabei sei…. Vielleicht nächstes Jahr?

Tag 5 – Highway to Petra

Irgendwie ist der Schlaf hier nicht so berauschend. Gestern beglückte mich noch bis halb zwei eine Abba-Cover-Band zwei Stockwerke unter mir. Danach wurden noch einige Stühle gerückt und irgendwann war ich über den toten Punkt hinweg und konnte bis halb drei nicht mehr schlafen. Da mich auch noch eine ausstehende Info und die Radabgabe beschäftigten war ich auch früh (gegen 5.30 Uhr) wieder wach. Die Info um die es ging war, wann ich nach Palma zum Flughafen fahre. Mein Flug soll ja um 15.50 Uhr gehen, mein Transferbus war für 4.40 Uhr terminiert. Das empfand ich als Frechheit, da ich ja noch etwas vom Tag haben wollte. Also stellte ich den Reiseveranstalter vor die Wahl. Entweder ich fahre früh, lasse mir von denen aber einen Transfer vom Flughafen nach Palma organisieren, dass ich nach der Aufgabe der Koffer die Hauptstadt kennenlernen kann oder ich bestehe auf einen späteren Bus. Grund für die frühe Abfahrtzeit ist auch der Gran Fondo, für den ja die meisten Hauptverkehrsstraßen gesperrt werden. Seit nachmittags habe ich die Antwort. Zwar muss ich 500 m laufen, werde aber erst kurz nach 12 mit dem Bus abgeholt. Na geht doch!

Die Sorge mit dem Fahrrad rührte daher, dass ich noch eine größere Runde geplant hatte und das Rad um 15 Uhr abgeben sollte. Frühstück ist ja erst ab 8.00 Uhr und vor 8.45 Uhr kam ich nicht los. Ich entschied mich trotzdem für die Tour mit 90 km. Rein fahrtechnisch nicht das Riesenproblem, jedoch sollte das fotografieren und Kuchenessen etwas bis ganz zu kurz kommen. Bei der letzten Tour hätte ich mir gerne nochmal guten Mallorquinischen Kuchen gegönnt.

Heute führte mich der Weg zunächst mit kräftigem Seitenwind bis hinter Can Picafort und weiter parallel zur Küstenlinie. Nach 15 km wendete ich mich ins Landesinnere und wurde für die nun anstehenden Höhenmeter mit Rückenwind gepushed. Das war klasse, vor allem der der „Highway“ nach Petra in Wellen langsam bergauf und gnadenlos geradeaus geht.

Straße nach Petra – ein Blick zurück
Petra – Pfarrkirche San Pere

In Petra war eigentlich ein Kuchenstop geplant. Dieser musste entfallen und ich fuhr weiter nach Sineu. Hier gab es nicht nur eine hübsche Windmühle, schöne Gässchen und eine tolle Kirche, sondern auch eine öffentlich zugängliche Bahnradbahn. Auf dieser kreise ich dreimal (recht langsam, da mit Kamera in der Hand) und hatte dieses lustige Erfahrung dann aber auch abgehakt.

Molí d´en Pau
Parròquia de Santa Maria de Sineu
Öffentliche Bahnradbahn

Seitlich bewindet ging es an leider recht stark befahrenen Straßen nach Inca. Und von dort ohne Umwege weiter nach Muro. Auch hier hätte ich gerne mehr Zeit verbracht, aber die innere Unruhe ließ keine Kaffeepause zu. Über Can Picafort ging es schließlich zurück. Tatsächlich war ich noch vor 13 Uhr da. Einen Kaffee und ein Stück Kuchen hätte ich locker geschafft. Aber ich konnte den Gegenwind auf den letzten knapp 30 km nicht einschätzen. Auch die mögliche Erschöpfung der letzten Tage wollte ich nicht unterschätzen. Ein Stück Kuchen gab es trotzdem. Im Hotel. Sicherlich ist da qualitativ aber noch Luft nach oben.

Muro

Kurz vor Can Picafort machte ich noch einen Stop bei einer großen Schafherde und musste an mich halten, um nicht laut loszuprusten. Tatsächlich meint man, je länger man sich das Ge“mähe“ anhört verschiedene Charaktere heraus zu hören. Von der mies gelaunten Alten bis zum Teenager, (wenige) gut gelaunte Schafe und viele, die einfach nur ihren Senf dazu geben müssen.

Wer lästert denn da?

Der Tag ingesamt war heute recht frisch. Trotzdem wollte ich noch einmal ins Meer. Doch mit der seichten Bucht von vorgestern hatte das Wasser heute nicht viel gemein. Nachdem gestern noch rot geflaggt war hing heute nur noch die gelbe Flagge, aber ich kam mir beim schwimmen ein bisschen vor wie in einer Waschmaschine. Deswegen hatte ich nach wenigen Metern schon die Nase voll (oder vielmehr die Nasenhöhlen gespült). Auch wenn der Bikini hinter von oben bis unten voller Sand war, war das noch einmal schön.

Tag 6 – Das war´s schon?

Heute ist der Tag der Abreise gekommen. Ich sitze auf gepackten Koffern und warte auf den Bus zum Flughafen. Rückblickend ging die Zeit viel zu schnell herum, aber es war ein großartiger Urlaub und meine erste Radreise im Ausland. Definitiv kann ich die Faszination verstehe, die Rennradfahrer jedes Jahr wieder auf die Insel ziehen. Noch einmal etwas Sommer im Herbst genießen, größtenteils tolle Wege und Straßen zum Radfahren und unterschiedlich anspruchsvolle Touren auf relativ kleinem Raum machen Mallorca wirklich zur idealen Radfahrinsel. Die Autofahrer sind hier deutlich geduldiger und sozialer als in Deutschland und nur selten fühlte ich mich auf den Straßen gedrängt oder gestresst. Drei Dinge würde ich jedoch beim nächsten Mal anders machen. Zum einen ist eine Woche etwas kurz, daher würde ich beim nächsten Mal 10 Tage buchen. Außerdem würde ich vermutlich mit jemandem reisen, denn eigentlich hatte ich vor viel Mandelkuchen zu essen und die Cafés kennenzulernen. Alleine fühlte ich mich da jedoch nicht wohl, weshalb ich das nicht gemacht habe. Das wäre auch der dritte Punkt, den ich ändern würde: mehr einkehren und nicht all inclusive buchen. Das erhöht die Flexibilität und lässt einen entspannt sich in ein beliebiges Café setzen. So hatte ich immer im Hinterkopf, dass ich auch im Hotel Kuchen essen könne….

Beim Blick aus dem Fenster stelle ich fest, dass es angefangen hat zu regnen. Das macht den Abschied von der Insel leichter. Vielen Dank, Mallorca, für die Schöne Zeit und te veo de nuevo pronto!

Vulkanradweg

Schulfreunde verliert man häufig irgendwann aus dem Blick. Auch bei Anna war das so. Nach dem Abi vor *hust* 14 Jahren haben wir uns vor einigen Jahren noch einmal zu Essen gehen verabredet und dann war lange Funkstille, da es sich irgendwie nicht ergeben hat. Im Winter war ich fleißig am Zwiften als sie plötzlich zu mir Kontakt aufnahm. Tatsächlich hatte auch sie mit dem Radfahren angefangen und sich ein Gravel gekauft (mittlerweile hat sie sogar auch schon ein schickes Rennrad). Beim Fachsimpeln über Zwift und Räder stellten wir fest, dass wir uns immer noch ziemlich gut verstehen. Und fuhren auch einige Male digital gemeinsam bei Zwift. Nun wohnt sie nicht mehr hier in der Gegend sondern in Frankfurt, was häufige Treffen eher ausschließt. Trotzdem sind wir vor ein paar Wochen bereits eine kleine Runde gefahren, als sie hier auf Heimatbesuch war. Bereits da hatten wir viel Spaß und ich versprach ihr einen Gegenbesuch. Schon platzte sie mit ihrem Plan heraus. Bei komoot habe sie eine Runde gefunden mit schlanken 160 km und 1400 hm. Ich war etwas ungläubig, aber sie hatte sich das in den Kopf gesetzt und ich kann einfach so schlecht „nein“ sagen. Außerdem lockte mich die Tour natürlich auch ungemein. Es sollte über den Vulkanradweg gehen und laut Höhenprofil etwa 80 km leicht bergauf und 80 km tendenziell eher bergab gehen. Das sollte mental auf der zweiten Hälfte ganz gut machbar sein – dachten wir. Aber häufig kommt ja alles anders als man denkt.

Das Wochenende rückte heran und ich reiste am Samstag bei meiner Cousine Regina und ihrer Familie an und durfte dort einen schönen Tag in Babenhausen verbringen. Mit Hundespaziergängen, Bummel durch Babenhausen, Leckereien vom Grill und einem gemütlichen Abend mit Gin Fizz, für den die Nachbarschaft noch Zuckersirup und Zitronen lieferte.

Die Nacht war viel zu kurz, aber ansonsten fühlte ich mich gut als ich mit dem Auto nach Frankfurt fuhr. Dort holte ich Anna ab und wir bahnten uns zunächst den Weg mit den Rädern aus Frankfurt raus. Aufgrund der angekündigten Böen hatte sie sich zum Glück für das schwerer aber stabilere Gravel entschieden. Die Sonne stand tief, es ging bergauf und schon hatte ich die erste rote Ampel übersehen und -fahren. Zum Glück nur eine Baustellenampel. Ohne weitere Verkehrsdelikte ging es einige Kilometer auf die Hohe Straße. Diese 38 km lange Regionalparkroute verläuft (wie ich jetzt im Nachhinein weiß…) zwischen Büdingen und Frankfurt, und war Teil des europaweiten Handelswegenetzes.

Auf der Hohen Straße blieben wir nicht lange sondern bogen ab Richtung Altenstadt, wo wir auf den Vulkanradweg auffuhren. Dieser fein asphaltierte Radweg führt von dort bis zum 94 km entfernten Schlitz. Ganz weit wollten wir jedoch nicht. Überall sahen wir riesige Gruppen von Störchen. Auch wenn sie schon lange nicht mehr selten sind war die schiere Masse beeindruckend. Über schnuckelige Orte ging es sanft ansteigend zunächst bis Gedern. Am dortigen Schloss machten wir eine kleine Pause um einige Orte weiter (kurz vor Grebenhain) den Vulkanradweg zu verlassen.

Bis zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung gut. Wir hatten fast die Hälfte geschafft und bald würde es ja bergab gehen. Davon war zu diesem Zeitpunkt leider noch nichts zu spüren. Dafür wurde aber der Wind zum Problem. Die angekündigten Böen waren unsere Dauerbegleiter und kamen meist von vorn oder auch gerne mal überraschend von der Seite. Dies machte Anna zu schaffen, da sie auf Landstraßen (auf denen die Leute übrigens noch schlimmer fahren als im Harz…) noch etwas unsicher ist. Die Kombination aus Wind, dauernden Anstiegen, Landstraßen mit doofen Autofahrern, Selbstzweifel und einem schmerzenden Hintern ließen die Laune rapide sinken, was ich ihr aber keineswegs übel nahm. Ich hatte oft genug selbst ähnliche Gefühle. Leider fehlte mir die Kraft mich auf ihr Tempo einzulassen und so fuhr ich gerade in den Anstiegen meist vor und wartete oben. Für die Motivation der Mitfahrerin totaler Bockmist, aber bei einer solchen Strecke für mich nicht anders machbar. Irgendwie kämpften wir uns bis nach Büdigen, welches eine wunderschöne mittelalterliche Altstadt (die europaweit zu den am besten erhaltenen zählt) und viel Kopfsteinpflaster hat. Dort spendierte Anna ein Eis und eigentlich sollte sich die Stimmung verbessern – es waren nur noch 40km bis zum Ziel.

Dann zog sich aber der Himmel zu und es begann zu gewittern und zu regnen. Was nun? Abwarten? Abbrechen? Weiterfahren? Nachdem das Gewitter nicht wirklich beeindruckend war, entschlossen wir uns, zunächst ein paar Orte weiter zu fahren. Schon nach dem nächsten holte uns der Regen richtig ein. Nass bis auf die Schuhe das Polster ging es weiter. Im Nachhinein ist es total ärgerlich, dass wir nicht gehschaut haben, wo die Hohe Straße beginnt. Denn schon ab Büdingen hätten wir darauf – ungestört von Autofahrern – unseren Weg bis Frankfurt fortsetzen können. Wir folgten jedoch der von komoot vorgeschlagenen Route und trafen erst in Ostheim auf die Hohe Straße. Noch immer warteten wir jedoch erfolglos auf die deutlichen negativ-Höhenmeter… Nun wurde Anna zwar nicht gerade euphorisch, aber man merkte, dass sie innerlich etwas aufatmete. die Erschöpfung war allerdings schon recht massiv und letztlich wollten wir nur noch ankommen. Mit einem Blick über die Skyline und die letzten Kilometer durch die Stadt endete unsere Tour in Frankfurt.

Ich verabschiedete Anna schnell, da sie ein Date mit ihrer Badewanne hatte und machte mich auf den Weg zurück nach Babenhausen.

Regina zauberte noch ein leckeres Essen, die Müdigkeit übermannte (oder heißt es jetzt überfraute?) mich jedoch recht bald.

Am nächsten Tag bin ich ganz glücklich, dass ich mir ausnahmsweise mal keinen Wolf gefahren habe. In der letzten Woche hatte ich noch ein bisschen mit der Satteleinstellung experimentiert und war scheinbar endlich erfolgreich. Heute Nacht habe ich tatsächlich durchgeschlafen und fast zwei Stunden länger als für mich üblich. Nach dem langen Schlaf fühle ich mich auch richtig gut. Ja, die Oberschenkel spüre ich, aber das darf ja auch sein :).

Auf Anna bin ich unglaublich stolz. Auch, wenn sie die letzten 80 km leider nicht mehr ganz so viel Freude hatte und sobald nicht noch einmal eine solche Rund fahren möchte hat sie sich tapfer durchgebissen und allen Zweiflern zum Trotz gezeigt was sie kann. Gerade bei den widrigen Verhältnissen hätten sicherlich viele die Tour abgebrochen.

Was für ein Brocken

Stadtradeln, kaputte Felge, schneller, höher und weiter

Nordhausen calling. Und wir kommen. Am 30. Juni lachte die Sonne und wir sattelten die Räder und fuhren über Straßen aber auch schöne Schotterwege über zum Teil gar nicht soo schöne Hügel über Bad Sachsa und das Kloster Walkenried nach Nordhausen. Obwohl diese Stadt gar nicht so weit weg ist und viel zu bieten hat, waren wir noch nie dort. Das musste geändert werden. Mit dem Rad konnten wir uns zumindest eine ganz ganz kleinen Eindruck der Stadt machen. Mit spannender Industriekultur und schöner Altstadt sicherlich noch einmal eine Fahrt wert. 126 km mit ganz viel Abwechslung und schönen Fotomotiven.

873 km und 5341 hm in 40 Stunden habe ich im Juni auf dem Rad zurück gelegt. Behauptet zumindest Strava. Die Kilometer haben sich angesammelt, da ich meine Schule fürs Schulradeln (ein Bestandteil des Stadtradelns) angemeldet habe und selbst mit gutem Vorbild voran fahren wollte. Beim Stadtradeln geht es zum einen um die Einsparung von CO2, jedoch auch um den Ausbau der Radinfrastruktur, die hier auf dem Land aber mittlerweile gar nicht mehr soo übel ist. So bin ich immer wenn es sich anbot auch mit dem Rad zur Arbeit gefahren und habe das Rad so oft wie nur möglich bewegt. So konnte ich für mein Team immerhin in drei Wochen 811 km beisteuern. Mit den Topleuten, die sich für unsere Schule angemeldet haben konnte ich nicht mithalten. Die sind tatsächlich knappe 1398 und 1173 km gefahren. Wahnsinn! Insgesamt ein schöner Wettbewerb, bei dem ich auch im nächsten Jahr wieder gerne dabei bin. Mit Platz 138 von 316 aktiven Schulen müssen wir uns auch nicht verstecken.

Zwischendurch war Fahrradpflege angesagt. Außerdem gab es eine neue Kette und Kassette. Nach knapp 10.000 km war das wohl mal nötig. Beim Felgenwaschen entdeckte Kai die feinen Haarrisse an fast jeder zweiten Speiche (immer an der Antriebsseite). Was für ein Mist. Die nächsten Touren fuhr ich wie auf rohen Eiern und zuckte bei jeder Bodenwelle zusammen. Eigentlich albern, da die Risse sicherlich schon einige Zeit in den Felgen waren. Nun war jedoch guter Rat teuer und gute Felgen noch viel teurer. Gerne hätte ich mich etwas verbessert und die GR 1600 von DT Swiss gegönnt, aber wie sollte es anders sein – natürlich ist der Laufradsatz überall vergriffen. Also gab es den G1800 für rund 300€ (OVP: 388€). Die sind auch schick und haben ein nettes Freilaufgeräusch. Wenn sie etwas länger halten als die Vorherigen bin ich doch schon happy.

Mit neuen Felgen versuchte ich mich an einer Solo-Flachlandrunde um zu schauen, welches Tempo für mich auf so einer Strecke möglich ist. 60 km sollten es sein, da ich einen Startplatz für die Cyclassics in Hamburg gewonnen habe. Mein erstes richtiges Rennen mit Zeitnahme und allem Schnick und Schnack und gleich in Hamburg! Dort starte ich auf 60 km und nun ja, ich denke es wird recht flach. Maik, einer der Radfreunde hier aus der Gegend, hatte erst einige Tage vorher für sich eine Runde gebastelt, die ich mir dreist geklaut habe (immerhin bin ich sie anders herum gefahren). Tatsächlich schaffte ich auf der ersten Hälfte einen 32er Schnitt. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass es dort auch tendenziell bergab ging. Im Feld zwischen Scharzfeld und Pöhlde wäre ich gut mit 35 km/h durchgekommen, hätte mich nicht dieser dusselige Rentner oder älterem Land-/Forstwirt aufgehalten, der mich zwei Kilometer lang nicht vorbeilassen wollte und sogar gependelt ist anstatt einfach rechts zu fahren. So musste ich da auf 30 km/h abbremsen. Meckern auf hohem Niveau, aber total ärgerlich. Ab Gieboldehausen ging es langsam los mit Gegenwind und ab Hattorf holten mich die Höhenmeter ein, die vorher bergab gefahren war. Plötzlich fiel der Schnitt auf teilweise 25 km/h. Ich hatte das Ziel unter zwei Stunden und bleiben und trat so doll ich eben konnte in die Pedale. Nach 1:59:19 zeigte mein Rox 60 km an. Puhh, knappe Kiste, aber geschafft. Fairerweise muss ich sagen, dass es vermutlich doch kein 30er-Schnitt war, da Sigma gerne großzügig bei der Kilometervergabe ist. In der Regel habe ich immer ein paar km mehr als Kai auf seinem Garmin. Trotzdem war es für mich auf einer Solofahrt die höchste Geschwindigkeit und darauf kommt es mir an. In Hamburg sollte ein 30-Schnitt locker drin sein, vielleicht sogar 32, da man im Pulk ja doch deutlich schneller unterwegs ist.

Gestern fuhren wir zum letzten Tag des Stadtradelns mit einigen Leuten aus dem Göttinger Raum und einer Strava-Bekanntschaft aus Berka von Herzberg aus auf den Brocken. Angesagt waren 80 km und kein Rennen. Das fand ich sympathisch, da ich ja an Bergen nicht so sonderlich stark bin. Zum Glück waren noch zwei weitere Frauen dabei, weshalb das Tempo tatsächlich recht entspannt war. Daher lief es übers Siebertal ganz gut. Im oberen Teil der Schluft fuhr jeder sein Tempo und ich kam sogar ohne Pausen an. Trotzdem war ich dort schon ganz schön erschossen. Immerhin ging es auf der Harzhochstraße entspannter zu und und rollte bis Braunlage ziemlich entspannt. Dann wurde es wieder welliger und ab Elend noch ein einmal elendig eklig bis Schierke. Oben angekommen verschnauften wir noch einmal, bevor wir die letzten Kilometer auf der Brockenstraße in Angriff nahmen. Das ging anfangs auch ganz gut, eine Pause brauchte ich an einer Rampen aber trotzdem. Ab einer bestimmten Steigung fange ich immer an zu Pfeifen. Ob ich hyperventiliere oder vielleicht doch ein Belastungsasthma habe – ich weiß ich nicht. (Da ich den Abend über aber nach solchen Geschichten auch zu Hause immer nur eingeschränkt atmen kann tippe ich eher auf letzteres.) Danach ging es weiter. Kurz vor der Knochenbrecherkurve (die heißt nicht umsonst so…) trafen wir zunächst Brocken-Benno und kurz danach einen Kollegen mit seiner Frau. Am letzten Kilometer verließ mich wieder der Atem. Zitternd und laut aus der Lunge pfeifend musste ich einige Meter schieben. Die letzten Meter gingen irgendwie und schließlich war ich oben. Trotz der Schwächen am Ende war und bin ich immer noch stolz, da hochgekommen zu sein. Oben setzten wir uns und aßen und tranken um wenigstens einen Teil der Kalorien wieder reinzuholen. Dann machten wir uns auf den Rückweg. Die Abfahrt war der Kracher. Im oberen Teil musste man noch sehr bedacht fahren ob der Wanderer, aber im unteren Teil konnte man super laufen lassen und mit 50-60 km/h runter rollen. Zwischendurch wurde es noch wellig, aber das war vernachlässigbar. Leider musste sich die Gruppe in Braunlage trennen, da Daniela (aus Göttingen) fiese und immer lauter werdende Geräusche am Rad hatte, die immer lauter wurden. Erst lag der Verdacht auf den Speichen, dann stellte sich das Ganze als Lagerschaden heraus. Die Göttinger Fraktion legte also in Braunlage eine Kaffeepause ein, um auf Danielas Mann zu warten, der ihr andere Laufräder bringen sollte und wir fuhren mit Katrin (aus Berka) über Bad Lauterberg zurück. Wir begleiteten sie noch bis Hattorf und fuhren dann nach Hause. Nach 133,33 km und 1641 hm waren wir auch wieder zu Hause. Mit dieser netten Gruppe war das eine gelungene Bike-Brocken-Premiere für uns drei Damen.

Mittlerweile habe ich die 4000 Jahreskilometer geknackt. Zur Erinnerung: im letzten Jahr bin ich insgesamt 4.500 km gefahren. Ich bin gespannt, was das Jahr noch für mich bereit hält, ob wir in den Sommerferien noch eine kleine Bike-Packing-Tour oder wenigstens einen Overnighter starten und wie das Rennen in Hamburg wird. Drückt mir die Daumen. 🙂