Harz, Cycle Tour und Trittfrequenzoptimierung

Lange habe ich nichts geschrieben. Vermutlich, da im Job und Haus viel zu tun war und die spektakulären Radfahrten etwas kurz gekommen sind. Und doch gab es das ein oder andere Highlight. High, also hoch hinaus ging es Anfang des Monats. Die Ortskundigen kennen die Schluft, den wunderschönen Taleinschnitt mit dem Bächlein „Schluft“, der von Sieber Richtung Sonnenberg hinaufführt (bzw. aus Wassersicht umgekehrt). Sie beginnt sehr human, ganz leicht bergauf und wird zum Ende hin immer steiler und steiler. So haben die ersten zwanzig Kilometer zwar im Schnitt nur eine Steigung von 2,5 %, aber spätestens auf dem sogenannten Speckhaken wird es für den nicht so versierten Bergfahrer bösartig. Immerhin: mit ein paar kleinen Pausen und unter lauten Schnaufen (sicherlich zur Belustigung der niederländischen Radsportgruppe, die uns überholt hat) habe ich das irgendwann geschafft lebendig oben anzukommen. Der Weg nach St. Andreasberg war danach nur noch ein Klacks und dann ging es fast nur noch bergab. Die Schluft ist nicht nur eine schöne asphaltierte, aber autofreie Strecke um Höhenmeter zu trainieren, die Landschaft ist auch einfach wundervoll, da sie zum Naturschutzgebiet „Sieber“ gehört und mit den Felsen und dem (noch) vorhandenen Wald zu allen Jahreszeiten reizvoll ist, da das Tal teilweise wie verwunschen wirkt. Sicherlich werde ich sie – wenn ich mich fit genug fühle – hin und wieder in mein Trainingsstrecken-Repertoire aufnehmen.

Nach dem bergigen Erlebnis ging es auch in diesem Jahr wieder nach Braunschweig zu Cycle Tour. Dieses Jahr entfiel das Rennen, was leider dazu führte, dass viele sehr ambitionierte Rennradfahrer sich für die Tour angemeldet haben. Das machte den Charakter etwas zunichte, da im letzten Jahr vom Tandem, Lasten- und Hollandrad alles dabei war und alle viel Spaß hatten. Dieses Jahr ging es – wenn auch nur mit persönlicher Zeitmessung – bei vielen nur um Bestzeiten auf den 100km nach Magdeburg und nicht um das entspannte Fahren der Tour. Natürlich hatte auch ich den Ehrgeiz, nicht allzu langsam zu fahren, aber nicht auf Kosten der anderen. Hier und dort gab es immer wieder Genörgele, dass ja die Straßen nicht abgesperrt seien oder die 20er-Gruppen in denen man startete nicht fähig waren, zu kreiseln. Kai und ich sind die meiste Zeit zu zwei gefahren und haben uns so, dem Ganzen entzogen. Dafür hatten wir auch die meiste Zeit gute Laune, haben die Landschaft wahrgenommen und sind trotz alledem schneller im Ziel gewesen als im letzten Jahr. Der Weg über den Elm war aber zugegebenermaßen im letzten Jahr im Pulk viel viel einfacher… Schön war in diesem Jahr, dass viele Bekannte aus dem Südharz dabei waren. Aufgrund der kleinen verpflichtenden Startblöcke war ein gemeinsames Fahren jedoch nicht möglich. Das hätte sicherlich auch Spaß gemacht, obgleich ich nicht weiß, ob ich mich mit den Herren nicht übernommen hätte. Zumindest für ein gemeinsames Foto im Zielbereich hat es aber gereicht.

Der Spätsommer hält sich ja noch bis ins letzte Septemberdrittel, sodass wir gestern eine kleine Wanderung im Harz gemacht haben (ok, aufgrund meiner Arthrose eher ein Spaziergang). Dabei fiel uns auf, dass die B242 (Harzhochstraße) noch bis Sonntag für Kraftfahrzeuge gesperrt sein sollte. Bis Sonnenberg ist dort die Fahrbahn saniert worden. Im Scherz meinte ich, dass man dort ja dann dringend noch langfahren müsse. Solche „Scherze“ gibt es hier im Haushalt aber nicht. Deshalb hieß es heute Morgen früh aufstehen (um den Motorrädern zu entgehen) und gegen 7.45 Uhr Abfahrt Richtung Osterode. Entlang der Söse und der Talsperre fuhren wir in die Berge. Den alternativen Radweg zur Staumauer fahre ich nie wieder. Außer mir sind zu viele Motorrader und Autos unterwegs. Das hatte ich mal gemacht, als ich alleine unterwegs war, da er ausgeschildert war. Die Straße ist viel einfacher zu fahren, da die Steigung viel sanfter ist. Bis Riefensbeek und Kamschlacken lief es recht gut, aber dann machte mir die Steigung langsam zu schaffen, sodass ich noch in der letzten Kurve vor der Harzhochstraße eine Pause einlegen musste. Kurz darauf machte wir einen kleinen Futterstop um gestärkt auf den neu asphaltierte Straße zu gehen. Doch Pustekuchen. Von der Stärkung merkte ich nicht viel. Der ewig lange Anstieg machte mir so zu schaffen, dass ich alle paar Hundert Meter verschnaufen musste. Ich hatte bei den letzten Touren versucht, meine Trittfrequenz etwas zu erhöhen (was mittlerweile auf kürzeren Strecken ganz gut funktioniert, wenn ich mich konzentriere). Bei dem Anstieg war ich allerdings im leichtesten Gang unterwegs und kam über eine 80er-Trittfrequenz nicht hinaus. Dadurch waren meine Oberschenkel nicht vernünftig mit Sauerstoff versorgt und beklagten sich kräftig. Zudem fingen meine Lungen kräftig an zu pfeifen, was in einer Art Hyperventilation gipfelte. Woher das kommt, kann ich gar nicht so genau sagen.

So oder so war ich aber ziemlich am Ende und würde mich über Tipps freuen, wenn ihr das Problem kennt und wie ihr damit umgeht. Trainieren an sanfteren Anstiegen mit guter Trittfrequenz oder immer wieder so an die Grenzen gehen? Ich bin mir wirklich unsicher.

In der Ebene werde ich auf jeden Fall weiterhin schauen, dass ich die Trittfrequenz dauerhaft auf 90-100 bekomme. Scheinbar muss ich aber auch an den Muckis arbeiten, die mich den Berg hinaufbringen. Für eine Gewichtsreduktion esse ich zu viel 😁.

Der Rest der heutigen Tour war dann entspannter. Über St. Andreasberg fuhren noch eine Schleife über die Odertalsperre und zurück nach Hause, sodass wir auf etwas mehr als 70 km mit etwa 860 Höhenmetern kamen. Das war mein persönlicher hm-Rekord bisher.

Hobby-Verquickung: Music meets sports

Mit dem Rad zum Konzert und zurück.

Ein tolles Pfingstwochenende liegt hinter mir und ganz schön müde bin ich auch. Wie einige von euch wissen, singe ich in einem kleinen Ensemble. Wie allen Künstlern, ging es auch uns in den letzten Monaten so, dass die Konzerte reihenweise ausgefallen sind. Das war sehr schade, vor allem, weil uns vieren das aktuelle Programm „Moritaten“, welches sich mit allerhand blutrünstigen Liedern aber auch harmlosem Schlager/Pop beschäftigt, richtig gut gefällt. Lange geplant war auch ein Aufenthalt im Liederhof Hemeln, einer Pension, die mit ihrem Verein regelmäßig Konzerte veranstaltet. Auch hier sahen wir schon unsere Felle davon schwimmen. Aber dann kam alles anders. Plötzlich durften Hotels wieder mit 60 % belegt werden. Das passte genau, da sowohl unser Bassist Jörg, als auch ich unsere Partner mitbringen wollten. Auch wenn die Möglichkeit eines Konzert erst einmal nicht bestand, entschieden wir uns dafür trotzdem dorthin zu fahren und unter freiem Himmel auf dem Hof eine offene Probe zu veranstalten. Nur wenige Tage bevor es losging, kam aber doch die Zusage für ein Konzert. Hemeln liegt direkt an der Weser in Südniedersachsen und ist mit einer Fähre mit dem hessischen Ort Veckerhagen verbunden. Hessen hat die Corona-Regeln bereits etwas weiter gelockert. Dorthin verlegten wir unser Konzert. Unter strengen Hygieneregeln und mit Voranmeldung der Gäste, konnten wir es im Restaurant Weigands Hotel Peter direkt auf der Weserterasse 70 Leuten ermöglichen, unser Konzert wahrzunehmen.

Doch dazu später. Kai und ich entschieden uns dazu, mit dem Rad nach Hemeln zu fahren. Dorthin gibt es mehrere Möglichkeiten. Zunächst hatte ich eine Route über Göttingen herausgesucht. Diese war mit etwa 70 km die kürzeste aber auch recht hügelig. Daher entschieden wir uns ein bisschen weiter zu fahren, aber dafür zu Beginn etwas flacher. Also fuhren wir bei viel Sonne, aber auch kaltem Wind über Northeim, ein Stück entlang des Leineradweges und dann bald hügelig Richtung Weser. Bewusst fuhren wir relativ entspannt, da ja an dem Tag noch eine Probe anstand und viel schlimmer: am nächsten Tag die Rückfahrt. Bis auf die beiden Anstiege 30, bzw. knapp 10 km vor Ende der Fahrt war die Route relativ flach und ging sogar seicht bergab. Die letzten sechs Kilometer führt eine Serpentinenstraße nach Hemeln ins Wesertal. Runter macht die Spaß….

Angekommen, bezogen wir die Zimmer und machten uns frisch. Jörg und seine Frau trafen fast zeitgleich mit uns ein, allerdings per PKW. Stefan (Saxophon und Klarinette) und Dirk (Klavier) trudelten etwas später ein. Wir erkundeten gleich den urigen Hof. Geplant war ein Kaffeetrinken gegen 14 Uhr. Dazwischen kam allerdings der Schafscherer, der sich telefonisch anmeldete. Das Event der Schafschur wollten wir uns nicht entgehen lassen und waren allesamt erstaunt ob der Arbeitsgeschwindigkeit und gleichzeitigen Ruhe und Versiertheit des Schaffrisörs. Ich hatte ein viel brutaleres Prozedere erwartet. Tatsächlich ergaben sich die Schafe der Prozedur nicht ganz freiwillig, Panik konnte man allerdings überhaupt nicht feststellen. Sauber hatte der Schafscherer die Wolle nach wenigen Minuten in einem Stück abrasiert und auch die Klauen geschnitten. Wusstet ihr, dass sich Schafe nach der Schur gegenseitig nicht erkennen? Tatsächlich scheinen sie sich eher visuell zu orientieren und müssen sich nach der Schur erst einmal wieder aneinander gewöhnen.

Nach diesem Erlebnis gab es dann doch noch den ersehnten Kaffee und anschließend begaben wir uns in den Garten. Die Besitzer des Liederhofs hatten aus Weiden eine Art kleine Kapelle gepflanzt, in dessen „Altarraum“ wir unsere Probe stattfinden ließen. Eine tolle Atmosphäre in sanftem Grün mit Vogelgezwitscher. Wir probten sowohl Stücke unseres aktuellen Programms als auch einige neue. Mit einigen Nachbarn am Zaun und unseren Begleitungen und Gastgebern hatten wir sogar schon ein kleines Publikum.

Nach einem Spaziergang an die Weser gingen wir zum Grillen und dem gemütlichen Teil des Abends über.

Am nächsten Morgen trafen wir uns zum Frühstück. Leider sind Buffets ja noch immer nicht erlaubt, aber unsere Gastgeber hatten für jedes Zimmer einen schönen Teller zusammengestellt, den wir in der Sonne genießen konnten. Anschließend stellten wir das Programm für den Nachmittag zusammen, entspannten noch ein bisschen und machten uns gegen Mittag auf zum Fähranleger.

Die Fähre zwischen Hemeln und Veckerhagen ist eine Gierseilfähre. Das bedeutet, dass sie nur durch die Strömung des Flusses angetrieben wird. Die Position im Fluss und damit über die Fahrtrichtung wird über zwei Drahtseilwinden bestimmt. Seit über 670 Jahren kommen die Menschen hier nach diesem Prinzip über die Weser. Das Fährschiff selbst ist selbstverständlich etwas jünger.

Auf der anderen Seite liegt direkt Weigands Hotel Peter mit der großen Weserterasse – unsere Konzertlocation. Hier wurden wir auf Kosten des Hauses mit Getränken und Kuchen versorgt, nachdem wir unsere Technik und Instrumente aufgebaut hatten. Mit so viel Abstand zueinander und zum Publikum haben wir noch nie gespielt. Das zeigte sich leider auch im Konzert selbst, da der räumliche Abstand auch zu einer gewissen emotionalen Distanz führt, noch dazu, da das Publikum zum Teil mit dem Rücken zu uns saß und nebenbei aß und trank. Trotzdem machte das Konzert Spaß und das Feedback war wieder einmal recht gut. Überhaupt sind wir sehr, sehr dankbar, dass es in der heutigen Zeit überhaupt möglich war zu konzertieren.

Gegen 17 Uhr waren wir mit dem Abbau fertig und Kai und ich aßen noch einen Toast Hawaii, bevor wir mit der Fähre den Rückweg antraten. Nach dem Abschminken und dem finalen Packen machten wir uns gegen 18.15 Uhr auf den Heimweg.

Die Serpentinen, die sich leider auch einen Tag später noch über sechs Kilometer den Berg hinaufschlängelten (ich hatte ja gehofft, dass die Plattentektonik mal zu meinen Gunsten arbeitet) hatten mir schon Tage vorher Kopfzerbrechen bereitet. Tatsächlich schaffte ich den Anstieg aber am Stück und ohne Pause auch wenn mein Puls zwischen 170 und 180 bpm pendelte.

Nach 20 km merkte ich verstärkt die Belastung des Vortags. Und auch so ein Konzert ist nicht unanstregend. Ab der Hälfte der Strecke schoss mein Puls immer wieder über 170 bpm, auch ohne steilere Anstiege und die Oberschenkel wurden hart.

Kurz vor 22 Uhr kamen nach 78 Kilometern und 3:15 h ganz schön müde in Herzberg an. Nach einer Dusche, einem Shake und einem Schokopudding ging es dann auch bald ins Bett.

Ein richtig Wochenende mit netten Gastgebern und einem tollen Ensemble, das ich nicht missen möchte. Besonder schön war natürlich, dass Kai mich begleitet hat. Ohne ihn hätte ich den Rückweg bei dem Gegenwind vermutlich nicht gepackt oder wäre deutlich später angekommen….

„Wer all seine Ziele erreicht hat, hat sie sich als zu niedrig ausgewählt.“ (Herbert von Karajan)

Vor einigen Tagen hatte ich mir vorgenommen hügelig über Umwege Kai von der Arbeit abzuholen. Da Berge immer wieder mein Endgegner sind, die aber bezwungen werden müssen, rollte ich entspannt los. Schon auf dem ersten Kilometer überholte ich freundlich grüßend einen anderen Rennradfahrer und ging davon aus, dass sich unsere Wege gleich trennen würden. Ha haaa, falsch gedacht. Die ganze sanfte Steigung bis nach Sieber hatte ich ihn hinter mir. Immer mit einem gebührendem Abstand von etwa 50m, aber stets hatte ich den sprichwörtlichen Atem im Nacken. Schon auf diesem Teil merkte ich, dass ich für meine Verhältnisse eigentlich viel zu schnell unterwegs war. Zwei Stimmen meldeten sich ständig im Wechsel.

Engelchen auf der rechten Schulter: „Lass ihn doch überholen. Er fährt doch schon viel länger als du.“ Teufelchen links: „Aber du hast ihn gerade überholt! Wie sieht denn das aus, wenn du jetzt schlappmachst?“ Engelchen: „Du weißt schon, dass du schon die ganze Zeit zu schnell unterwegs bist und der eigentliche Berg gleich noch kommt.“ „Das. Ist. Egal. Du. Schaffst. Das…. Irgendwie.“ „Komm, mach eine kurze Pause, lass ihn überholen und alles ist gut. Hast du seine trainierten Oberschenkel gesehen?“

So ging es eine ganze Weile und da war er schon, der von mir gefürchtete Sieberberg. Aufgaben oder anhalten und überholen lassen war keine Option mehr und so bin ich notgedrungen die 2,3 km 6%ige Steigung hochgehechelt. Zum Schluss war mein Kopf so heiß, dass ich dachte mein Helm würde schmelzen. AAABER ich habe es geschafft und habe durchgezogen. Auf der Kuppe wartete ich auf meinen Verfolger, der tatsächlich ein wenig länger brauchte als ich. Bald kam er aber um die Ecke, wir zollten uns gegenseitig unseren Respekt und er fuhr Richtung Silberhütte den Berg wieder hinunter. Ich rollte hinterher und eigentlich hätte es entspannt werden können. Aber schwupps, da saß wieder das Teufelchen: „Schau mal, da vorne ist er. Vielleicht kriegst du ihn ja noch.“ und schon war ich wieder im Ehrgeizmodus. Bis nach Lauterberg blieb unser Abstand konstant und ich hatte keine Chance auch nur auf eine kleine Annäherung. In Lauterberg war ich schon über 25 km in einem Tempo unterwegs, welches sich deutlich von meinem Wohlfühltempo unterschied. Leider wählte der Herr vor mir ebenfalls die Route über Barbis und Scharzfeld, sodass sich erst hinter Scharzfeld sich unsere Wege trennten und ich wieder entspannen konnte. So fuhr ich die Straße nach Pöhlde und Rhumspringe um kurz vor 18 Uhr in Gieboldehausen anzukommen und dann fix und fertig die letzten 23 km mit Kai nach Hause fuhr. Diese 75 km waren deutlich schlimmer als die 100, die ich kürzlich gefahren bin. Leider kann ich meinen Ehrgeiz nicht abstellen. Gefährlich wird es bei mir nur, wenn meine Erwartungen an mich mal wieder höher sind als das, was ich erreichen kann. Das führt leider immer wieder zu großem Frust und Unzufriedenheit. Gerne wäre ich entspannter und würde mich gerne nur auf mich konzentrieren, aber die Ansprüche an mich sind oft höher als es für mich gut ist.

Trotzdem bin ich auch nach so einer Aktion stolz. Vor allem, da ich einige Bestzeiten gefahren bin. Manchmal brauche ich meinen Ehrgeiz um zu sehen, was wirklich möglich ist. Plötzlich schaffe ich den Berg, auch wenn es weh tut und fahre bessere Geschwindigkeiten. Natürlich werde ich auch wieder langsame Runden fahren, also im niedrigeren HF-Bereich trainieren, aber hin und wieder tut es meinem Ego ganz gut alles zu geben. Trainingseffizienz hin oder her.

Mein erster „echter“ Hunderter

Letztes Jahr durfte ich bei der Cycle Tour mitfahren. das waren meine ersten 100 km am Stück. Aber natürlich in der Gruppe. Das macht eine Menge aus, so dass ich das Ganze natürlich mit ganz viel Windschatten und Adrenalin gewuppt habe.

Seitdem dümpele ich wieder bei 50 – 80 km herum. Letztens sind Kai und sein Zwillingsbruder Sven eine längere Runde von etwa 120 km gefahren und ich war echt neidisch und auch ein bisschen angefixt. Also habe ich ihre Runde bei Komoot eingegeben und auf der Uhr gespeichert. 120 km waren für mich zu viel, weshalb ich mir auch mögliche Abkürzungen angeschaut hatte.

Gegen 10 Uhr nahm ich Platz im Sattel und rollte Richtung Osterode. Bei mir ist die Fitness der Oberschenkel immer Glückssache, aber es fühlte sich recht gut an. Also ging es direkt weiter nach Badenhausen. Dort entschied ich mich für eine Streckenabweichung. Während die Jungs bis kurz vor Seesen gefahren waren, kürzte ich über Willensen und Willershausen ab und nahm aber noch ein paar Höhenmeter mit. Weiter ging es über Echte nach Imbshausen.

Eine echte Diva

Imbshausen hatte ich bis dahin noch nie gehört. Es beherbergt aber ein Schloss aus dem 19. Jahrhundert, welches im Neugotischen Stil erbaut wurde. Es gehört dem Adelsgeschlecht von Strahlenheim und hat alles, was ein Schlösschen braucht. Einen Schlossgarten (13.000m³) und Wassergraben und zudem ist es eines der größten neugotischen Gebäude Niedersachsens. Da es im Privatbesitz ist, nur ein Foto aus der Ferne.

Schloss Imbshausen

Über die Deutsche Alleenstraße ging es weiter Richtung Northeim. Die Alleenstraße ist wunderschön, gerade jetzt im Frühling, aber so stark befahren, dass ich keine Fotos machen wollte.

Mein nächster Foto-Stop war nur einige Kilometer weiter, in Wiebrechtshausen. Dort befindet sich neben zahlreichen Schafen auch eine recht große Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert. Ein Zisterzienserinnenkloster, deren zuerst genannte Äbtissin Hedwig von Gandersheim war. Das Kloster gehört seit der Reformation 1542 zur Klosterkammer Hannover. Von der ehemals umfangreichen Klosteranlage sind nur noch die Kirche und ein Teil der Klausuranlage vorhanden. Jetzt nutzt sie ein großes Saatgutunternehmen.

Klosterkirche

Über einen schönen Radweg ging es weiter bis nach Northeim. Ich kämpfte mich zügig über die Radwege und Ampeln quer durch die Innenstadt und legte erst an der B3 Richtung Göttingen meinen ersten Futterstop ein.

Gestärkt rollte ich weiter nach Nörten-Hardenberg. Bis dahin ging alles wie geschmiert. Doch dann nahm das Elend seinen Lauf. Bei 40 km gingen mir noch Gedanken durch den Kopf wie „Toll, die 40 km liefen ja wie geschmiert!“, aber ab Kilometer 45 wurde mir so langsam klar, dass ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft hatte. Und dann kamen noch die Höhenmeter. Durch das Rodetal ging es zunächst mit einer sanften aber stetigen Steigung durch den Nörtener Wald. Da schnaufte ich mir schon einen Wolf. Danach erwarteten mich bis Bodensee einige zähe Steigungen, durch die ich mich recht erfolgreich durchbiss und nur zwei kurze Trink- und Gelpausen einlegte um meine Schnappatmung wieder in den Griff zu bekommen. Nach Bodensee fühlte ich mich schon in heimischen Gefilden. Allerdings fehlten mir noch 30 km. Und Komoot hatte sich überlegt, dass es wirklich den kürzesten Weg nimmt und mich über Höherberg schickte, ein kleiner Wallfahrtsort, der – oh wie überraschend – auf einem Berg liegt… Der Weg dort hinauf hat immerhin knackige 5,9% Steigung.

Wallfahrtsort Höherberg (Archivfoto von Kai)

Über Gieboldehausen, Wollershausen und Rhumspringe (Brötchenpause Nr. 2) ging es nach Scharzfeld und von dort aus nach Herzberg zurück.

Pause an der Hahle

10 km vor meinem Ziel schaute ich auf meine Uhr und stellte fest, dass ich 3.40 h unterwegs war. Schnell rechnete ich, dass ich, wenn ich Gas gebe, es VIELLEICHT, aber auch nur vielleicht unter 4h schaffen könnte. Dummerweise hatte ich noch einige Wellen und Anstiege vor mir. Ich trat also in die Pedale, was nach 90 km ganz schön weh tat und legte nach 3.55 h noch eine Pause ein. Zwei km vor dem Ziel. Diese gingen bergauf und ich musste noch einmal Kräfte sammeln. So konnte ich aber die 100 km in 3.59.40 schaffen (jaa, geschummelt, aber gut fürs Ego). Mit 100,45 km in 4:01:25h kam ich müde aber stolz zu Hause an.

Mein erster 100er, den ich ohne Windschatten gefahren bin. Und mein zweiter überhaupt. Gezweifelt habe ich zwischendurch jede Menge, aber es hat funktioniert :).

Keine Macht dem Riegel

Selbstgemachte Energy-Balls oder Energie-Kugeln

Lange habe ich nichts von mir hören lassen. Ich wollte mich auch zu keinem Artikel à la „Radfahren trotz Corona“ hinreißen lassen, da ich das Thema so ernst es auch ist – langsam nicht mehr hören und lesen kann.

Während einer meiner letzten Radtouren habe ich meine letzten Energie- bzw. Proteinriegel aufgebraucht. Diese hatte ich gewonnen und lange von davon gezehrt. Nun waren sie aber aufgegessen und neue Riegel für lange Radfahrten sollten wieder gekauft werden. Proteinriegel während der Fahrt sind für mich nicht so sinnvoll, da ich eher die Energie brauche. Also orientierte sich meine Suche eher in die Richtung Energieriegel und ich las diverse Tests und stellte fest, dass alle diese Riegel – oh Wunder – Kalorienbomben sind teilweise schwer im Magen liegen, Magenkrämpfe machen, zu groß oder zäh sind oder einfach nicht so doll schmecken. Viel schlimmer ist aber, dass man bei Energieriegeln im Schnitt 1€ pro Riegel bezahlt. Das läppert sich ganz schön, wenn man häufiger unterwegs ist. Schon vor längerer Zeit hatte ich etwas von Energy Balls oder zu deutsch Energie Kugeln gehört, mich aber noch nicht näher damit beschäftigt. Ich gebe zu, manchmal bin ich ein Geizknochen. Daher recherchierte ich weiter und fand viele Rezepte zu den Kugeln. Eins wurde auch sofort ausprobiert gefunden habe ich es unter https://www.minamade.com/3-gesunde-rezepte-energy-balls-energieriegel-selber-machen/. Die sind wirklich schnell gemacht und super lecker.

Pecan Pie

  • 140 g Datteln, zuvor in Wasser eingeweicht
  • 65 g Pekannüsse
  • 65 g Mandeln
  • 1/2-1 TL Zimt
  • 1 Prise Salz (optional)

Die Zutaten werden einfach im Mixer geschreddert und zu Kugeln geformt. Ich habe eine großzügige Prise Salz genommen, da ich einen ungeheuren Salzbedarf beim Sportbedarf habe.

Pecan Pie

Heute habe ich Kugeln mit getrockneten Aprikosen, Haselnüssen und Pekannüssen, sowie Kakaopulver gemacht. Geschmacklich sind die nicht ganz so überzeugend, da etwas langweilig. Aber ich werde fleißig weiter probieren. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Alle Nüsse oder Mandeln und getrockneten Früchte (mit Restfeuchte) sind möglich. Außerdem kann man sie verfeinern mit Gewürzen, Kokosraspeln, Kakaonibs oder – pulver und so weiter.

Aprikose-Haselnuss

Alle Nüsse und Mandeln sättigen recht gut durch die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die auch prima für das Herz-Kreislauf-System sind.

Mandeln liefern zudem Mineralstoffe wie Magnesium, Calcium und Kupfer sowie große Mengen der Vitamine B und E.

Haselnüsse sind reich an B-Vitaminen (B1, B2, B3, B6, B9), Kalzium, Kalium, Magnesium und Spurenelementen wie Zink und Kupfer.

Walnüsse liefern das Vitamin B6 und Zink.

Pekannüsse warten mit den Mineralstoffe Magnesium, Eisen, Kalium, Phosphor und Kalzium auf und sind reich an Proteinen, B-Vitaminen und Vitamin A. Zudem enthalten sie Selen.

Die Trockenfrüchte liefern die schnell verfügbare Energie, da sie viel Zucker enthalten. Dieser lässt den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen, sodass man nicht in das klassische Traubenzucker-Loch fällt. Außerdem liefern die Früchte auch weitere Nährstoffe, die unterstützen. In getrockneten Aprikosen steckt zum Beispiel viel Eisen, in Feigen Kalzium. Datteln liefern Eisen und jede Menge Kalium, und auch Magnesium und Kalzium sowie die Aminosäure Tryptophan. Da Vitamin C sehr empfindlich ist, wird dieses allerdings beim Trocknen zum Großteil zerstört.

Auch Kokosflocken, Cranberrys und Rohkakao enthalten wichtige Nährstoffe. Ich freue mich schon auf die nächsten Mixer-Experimente und werde euch berichten und meine Lieblingsrezepte vorstellen!

Mein bisheriges Fazit ist, dass ich in nächster Zeit sicherlich keine Riegel mehr kaufen werde. Die Kugeln haben ein tolles handliches Format („klein und rund, mit einem Haps sind sie im Mund“) und ich habe sie in einer kleinen Kunststoffbox dabei. Neben einigem an Geld spare ich also auch noch eine Menge Kunststoffmüll.

Keep on rollin‘!

Riegel vs. Energie-Kugeln

Ab ins Wasser – 13.000 m und 520 Bahnen

Es ist kalt, es ist windig, es ist regnerisch, es ist einfach eklig. Ich muss gestehen, dass es mich derzeit viel Überwindung kostet, mich aufs Rad zu setzen. Sportlich aktiv bleiben sollte ich trotzdem, deswegen fahre ich in den letzten Wochen wieder häufiger zum Schwimmen. Dabei fiel mir vor einiger Zeit ein Plakat ins Auge, was sofort meinen Ehrgeiz weckte: 24-Stunden-Schwimmen in Clausthal Zellerfeld. Organisiert von der dortigen Ortsgruppe der DLRG. Der Termin war frei und Kai schnell überzeugt, also meldeten wir uns an – ich für 4-5 Stunden, Kai für 3-4.

Die Regularien lauteten folgendermaßen: Schwimmzeit ist, je nach Anmeldung zwischen Samstag 12 Uhr und Sonntag um 12 Uhr. Jeder schwimmt so lange wie er möchte oder kann. Nach mindestens 55 Minuten Schwimmzeit sind jeweils 5 Minuten Pause erlaubt, schnelles Nippen am Trinken auch zwischendurch.

Da ich noch nie mehr als 4000 m geschwommen war, war es umso schwierig eine Taktik zu entwickeln. Natürlich nahm ich mir vor, das Tempo nicht zu hoch zu wählen und vorher genug Mineralien und Kohlenhydrate zu mir zu nehmen. Einige Tage vorher starteten wir mit dem Carbo-Loading und am Wettkampftag aßen wir reichlich und salzig um Krämpfen vorzubeugen. Startzeit war für uns um 17 Uhr. Wir waren schon früher in der Halle und durften nach kurzer Einweisung auch früher starten. Vorher legten wir un unsere Energieriegel und -Gels bereit und stellten unsere Flaschen an den Beckenrand. In meiner Flasche hatte ich einen Energydrink mit Koffein. Dass das ein Fehler war, stellte ich später noch fest. Dann ging es los. Badekappen auf und los.

Kai schwamm auf einer benachbarten Bahn, ich auf der Außenbahn. Die ersten Bahnen liefen gut. Auf einer abgesperrten Bahn waren wir zunächst zu dritt und organisierten uns untereinander ganz gut, sodass auch Überholen gut funktionierte. Allerdings bemühte ich mich so sehr außen zu schwimmen, dass ich mehrfach beim Kraulen auf die Kunststoffabsperrkette schlug und meine Hand hinterher etwas blau war. Auch die Leiter habe ich einmal kräftig an der scharfkantigen Stufe getreten. Auch nicht sooo schön. Viel schlimmer war aber, dass ich trotz der guten Vorbereitung bereits nach 1500 m einen Krampf bekam. Ich drosselte das Tempo und versuchte mein Bein zu lockern. Bis zur ersten Pause waren es noch 25 Minuten. Kurz dachte ich darüber nach aufzugeben. Beim Lockern merkte ich aber, dass sich der Krampf etwas löste. Der Energydrink verhalf mir, auch noch den Rest der ersten Stunde zu überstehen. In den 5 Minuten Pause setzte sich mich an den Rand und dehne meinen Fuß und meine Wade und schwamm weiter.

Bisher schwamm ich immer im Wechsel zwei Bahnen Kraul, zwei Bahnen Brust, da ich kein besonders ausdauernder Kraulschwimmer bin. Nun waren wir zwei Leute mehr in der Bahn. Ein Pärchen, was zunächst ein wahnsinniges Tempo vorlegte pflügte stetig an mir vorbei und machte das Wasser unruhig. Allerdings erlebte ich hier zum ersten mal, den sogenannten „Wasserschatten“. Ich wusste nicht, dass es den gibt, bemerkte aber, dass ich, sobald ich überholt wurde mich ausgebremst fühlte. Tatsächlich gibt es einen Sog wie beim Windschatten auch im Wasser. Faszinierend. Nach einer weiteren Stunde ließ das Tempo des Paares nach und ich wurde nicht mehr ganz so oft überholt. Langsam wurde es langweilig. Ich setzt mir jedoch Ziele: Minute 30 – Trinken, Minute 55 – Pause. Die Stunde bekam dadurch etwas Struktur und zog sich nicht mehr ganz so lange hin.

Nach drei Stunden beendete Kai seine Schwimmeinheit und ich versprach ihm, nur noch maximal 1:40 h zu schwimmen. Daran hielt ich mich auch fast. Vorher gab es aber noch einen Riegel. Stunde vier ging relativ schnell vorbei und das Paar verließ irgendwann das Wasser, sodass es im Becken wieder etwas leerer wurde. Nach 3:30 h merkte ich, dass der Nacken stärker spannte und die Schultermuskulatur sich meldete. Von da an wechselte ich jede Bahn den Stil. Das Tempo ließ ein bisschen nach, ich war aber total überrascht, dass ich es bis dahin so stabil halten konnte. Die letzte Pause nutzte ich, um die Blase zu leeren und von der Banane abzubeißen.

Auf in die letzten Bahnen. Nach etwa 40 Minuten schlug ich an und teilte meiner Bahnzählerin mit, dass ich aufhöre. Diese schickte mich aber los, noch einmal 50 m dran zu hängen, dass ich die 13.000 m voll mache. Das ging natürlich auch noch.

So beendete ich den Schwimmtag nach 4:42 Stunden total glücklich und stolz. Die Konkurrenz konnte ich überhaupt nicht einschätzen. Eine Bekannte schreib, dass sie vor zwei Jahren über 23 km geschwommen war. Da war ich weit von entfernt. Da alle Teilnehmer zeitversetzt starteten und ich nicht wusste, wie groß das Starterfeld war konnte ich nur beurteilen, was ich in den knapp fünf Stunden beobachtet hatte und hatte entsprechend ein ganz gutes Gefühl. Dieses sollte mich auch nicht trügen. Am nächsten Tag bei der Siegerehrung durfte ich die Urkunde für die „Weiteste Schwimmerin des Oberharzes“ in Händen halten. Kai als Schwimmanfänger (zumindest Anfänger was das Bahnenschwimmen angeht) landete auf einem beachtlichen 8. Platz mit 6150 m in drei Stunden. Da bin ich ja auch ganz schön stolz auf ihn. Aber verratet es nicht weiter.

Wieder stehe ich aber vor dem Problem, welches ich schon im Blogbeitrag „Schwimmen im Standardtempo“ beschrieben habe. Ich schwimme immer einen Schnitt von etwa 2 min/100 m. Egal, ob ein, zwei, vier oder 13 km. Auch dieses Mal lag er bei 2:08 min/100 m. Klar, ein kleines bisschen langsamer war ich, aber das ist definitiv vernachlässigbar. Da müsste doch mit besserer Schwimmtechnik deutlich mehr drin sein. Wer hat da Tipps für mich, meine Pace zu verbessern?

Die Nacht nach dem Schwimmen war der Horror. Gegen 22 Uhr waren wir zu Hause und aßen noch etwas und ich war hundemüde. Wir legten uns hin, aber ich konnte bis 2:30 Uhr absolut nicht einschlafen. Koffein-Energydrinks kommen bei Abendveranstaltungen garantiert nicht mehr in die Flasche! So eine schlechte Nacht hatte ich schon lange nicht mehr….

Zuletzte gilt mein Dank der DLRG Clausthal Zellerfeld, bei der ich schon als Kind oft bei Rettungsschwimm-Wettkämpfen zu Gast war und sogar einige Gesichter wiedererkannte. Die Organisation war toll und es hat riesig Spaß gemacht. Nächstes Jahr kommen wir bestimmt wieder und dann schwimme ich in meinen Geburtstag rein!