Mein zweiter Triathlon – Olympische Distanz

Oder: Wenn man zu schnell für einen Empfang im Ziel ist…

Am vergangenen Wochenende startete ich beim Lübecker 7 Türme Triathlon auf der Olympischen Distanz. Hatte ich für die Sprintdistanz noch mit Trainingsplan vorbereitet, fehlte mir Zeit und Motivation für ein konsequentes Training. Natürlich schwamm und radelte ich, lief aber recht wenig, da die Arthrose in den Zehen wieder etwas Ärger machte. Mein letzter Lauf, einige Tage vor dem Triathlon, war frustrierend und vielleicht etwas besorgniserregend. Es waren nur etwa 9 km, bei denen ich zwischendurch zweimal gehen musste und eine ziemlich miese Pace ablieferte. Meine Erwartungshaltung an meine Triathlon-Performance war entsprechend gering.

Am Tag vorher hatte ich Dank Gartenarbeit und viel Schlepperei Muskelkater und war mir nicht sicher, ob nicht auch Gliederschmerzen im Spiel waren.

Die Wassertemperatur von 17°C machte mir die Entscheidung leicht, ob ich im Neo starten sollte oder nicht. Ich bin kein Fan davon, da ich mich im Schulterbereich eingeschränkt fühle und meine Wasserlage von dem Anzug auch nicht profitiert, aber eine Erkältung wollte ich auch nicht riskieren.

Am Samstag holte ich bei Nieselregen meine Startunterlagen und war noch zweimal bei Decathlon. Zunächst bemerkte ich, dass ich mein Startnummernband vergessen hatte. Also ab ins Auto und zu Decathlon. Natürlich waren die dort vergriffen. Also kaufte ich stattdessen einen Laufgürtel. Da konnte ich wenigstens noch Gel und Energygums verstauen. Beim Herauslegen der Klamotten fiel mir auf, dass ich auch meinen Sport-BH zu Hause vergessen hatte. Kurz überlegte ich, ob es notfalls ohne geht, aber nee, besser nicht… Also wieder zum Sportgeschäft und einen günstigen Sport-BH geschossen. Schließlich hatte ich alles zusammen und genoss den Abend mit meinem Schatz den Abend. Jan wollte am nächsten Tag etwas Rad fahren und anschließend zum Fotografieren und Zielempfang kommen.

Morgens radelten wir gemeinsam los. Jan auf seine Radrunde, ich einmal durch die Stadt zur Falkenwiese. Das Einchecken kannte ich ja bereist aus Hameln und wusste, worauf ich zu achten hatte. Einen Standplatz fürs Rad zu finden war schwierig, da sich viele Teilnehmer neben ihrem Rad ziemlich ausgebreitet hatten. Nach zwei Runden um die Radständer bat ich einen Teilnehmer, doch etwas zu rutschen. Ich bereitete meinen Platz vor und zwängte mich in meinen Neo. Natürlich meldete sich noch meine Blase, doch Dixieklos waren reichlich vorhanden. Dort bemerkte ich bereits das Blut im Polster. Nein, nicht das was ihr denkt, ich hatte mich leidlich bereits wund gefahren. Ein Haar-Follikel hatte sich vor einer Woche bei der Graveltour entzündet und war nun aufgegangen.

Aber Jammern war keine Option. Also Richtung Start und schon einmal das Wasser testen. Erwartungsgemäß war es frisch, im Neo aber sehr angenehm. Ich sortierte mich beim Schwimmen relativ weit vorne ein. Ich wusste zwar, dass sicherlich viele Schwimmer deutlich schneller sind, wollte aber selbst keine Kraft aufs Überholen verschwenden. Mit dem Startschuss ging das „Hauen und Stechen“ los, mit fast so viel Körperkontakt wie beim Judo. Nach einigen hundert Metern hatte sich das Feld jedoch auseinandergezogen und man konnte etwas freier schwimmen. Die Orientierung fiel mir schwer und ich war froh, viele andere Schwimmer um mich zu haben, da ich nur schwer erkennen konnte, wann welche Boje anzuschwimmen war. Auch meine Position im Feld konnte ich überhaupt nicht einschätzen, da mir die Zeit fehlte zurückzuschauen. Ganz so ruhig, wie geplant konnte ich nicht schwimmen, da man sich ständig nach rechts und links behaupten musste und die Gleitphasen oft gestört wurden. Trotzdem kam ich nach etwa 800 m halbwegs in meinen Rhythmus. Besser spät als nie. Nach 1500 m und 29:23 min. kam ich an und krabbelte aus dem Wasser. Prompt verlor ich meine Schwimmbrille, als ich meine Badekappe absetzte und musste noch einmal ein paar Meter zurücklaufen.

Da liegt sie, die Brille…

Am Rad pellte ich mich aus dem Neo. Dies kostete einiges an Zeit, da ich ihn an Uhr und Transponder am Fuß vorbeigekommen musste. Der Krampf im Fuß tat sein Übriges. Trotzdem ließ ich mir Zeit, um nichts zu vergessen. Nach zweieinhalb Minuten saß ich auf dem Rad und versuchte dort einerseits den Sitz-Schmerz zu unterdrücken und eine Geschwindigkeit zu finden, mit der ich zufrieden bin, aber meine Oberschenkel nicht zu sehr brennen. Letztlich landete ich im Schnitt bei etwa 31 km/h. Schneller als erwartet kam ich nach 35 Kilometern und 1:07 h im Wechselbereich an.

Dort wollten meine Laufschuhe nicht so wie ich, weshalb ich wieder knapp zwei Minuten benötigte, um auf die Laufstrecke zu kommen. Der Lauf war hart und ich hatte zunächst ziemlich taube Füße, ich fand jedoch einen Läufer, der ein für mich annehmbares Tempo lief und hängt mich an seine Fersen. Zum Ende der ersten Runde (à 5 km) hatte ich das Gefühl, mich eingelaufen zu haben, nach sieben Kilometern kämpfte ich jedoch nur noch. Nach 2:30:15 überquerte ich die Ziellinie. Leider ohne Empfang, da ich rund drei Stunden kalkuliert hatte und Jan entsprechend noch gar nicht da war.

Zunächst waren mir und meinem Kreislauf aber etwas zu Trinken wichtiger als eine Umarmung. Daher stellte ich mich bei der Versorgung an. Es gab belegte Brötchen, Waffeln, Müsli- und Energieriegel, Nüsse, und Obst und verschiedene Getränke. Nach einem Becher Cola ging es mir schon etwas besser und ich trat den Weg zu meinem Fahrrad an, packte meine Sachen zusammen und sah dabei auf dem Handy, dass Jan auf dem Weg war. Ich sendete ihm meinem Standort und wir trafen uns eine Viertelstunde nach meinem Zieleinlauf. Dann gab es auch die Umarmung von meinem Schatz :). Wir saßen noch eine Weile auf dem Sportplatz und machten uns anschließend auf den Weg nach Hause.

Dort stellte ich fest, dass auch meine Ferse etwas Blut verloren und meine weiße Socke sich dunkelrot verfärbt hatte. Gut, dass man so etwas während des Wettkampfs nicht alles mitbekommt. Mir hat der Sitzstress durch die offenen Stellen gereicht.

Nix für Weicheier 🙈

Abends auf dem Sofa schaute ich in die Ergebnislisten und – schau an – ich hatte den 7. Platz der Damen und den 1. Platz (pssst: wir waren nur zu zweit) meiner Altersklasse belegt. Wow!! Dass ich nicht langsam gewesen war, aber ich hatte mit einer Platzierung eher im Mittelfeld gerechnet.

Dies war definitiv eine tolle zweite Triathlonpremiere, dieses Mal jedoch für die OD. Ob ich diese Distanz noch einmal mache? Ich weiß es nicht. Es hat viel Spaß gemacht, ich habe jedoch zuvor auch viel trainiert und wie Jan so schön sagte „die Latte“ für kommenden Veranstaltungen auch „ganz schön hoch gelegt“. Aber wer weiß. Vielleicht möchte ich das Ganze noch mal unter 2:30h schaffen?

Mein erster Triathlon – Sprintdistanz in Hameln

Schon für das letzte Jahr hatte ich meine Triathlonpremiere geplant. Jedoch kamen mir Corona, andere gesundheitliche Problemchen und schließlich fehlendes Training aufgrund der Lübeck-Pendelei dazwischen. Zwar pendele ich immer noch, habe aber recht strikt mit einem Trainingsplan von tridot trainiert. Ich hatte zwar den Eindruck, dass das Training nur mäßigen Erfolgt zeigt, jedoch trainierte ich dadurch regelmäßig und vor allem auch wirklich alle drei Sportarten intensiv.

Eine Woche vor dem Wettkampf versuchte ich mich schon einmal mit einem Triathlon in Herzberg. 700 m Schwimmen im Jues (bei 17°C…), 30 km Radfahren und 5 km Laufen. Das lief schon ganz gut, wenngleich es natürlich anstrengend war. Die letzte Woche hielt ich mich, bis auf ein paar Tapering-, also Erholungseinheiten, zurück. Drei Tage vor dem Wettkampf gar nichts zu machen fühlte sich sehr schräg an, aber es sollte sich als eine gute Entscheidung erweisen.

Einige haben mich im Vornherein nach meinen Zielen gefragt. Das war schwierig zu beantworten, wenn man so etwas noch nie gemacht hat. Daher rechnete ich durchschnittliche Zeiten für alle drei Sportarten (500 m/20 km/5 km) großzügig zusammen und legte ein paar Minuten für die Wechsel drauf und landete bei 1:45h. Dies war meine angestrebte Zeit. Fürs Schwimmen legte ich 1:50 min/100 m an, Radfahren etwa 28km/h und Laufen eine 6er Pace (da ich nicht einschätzen konnte, wie müde die Beine dann bereits sind).

Vor lauter Nervosität konnte ich in der Nacht vor dem Wettkampf kaum schlafen und saß bereits um 7.30 Uhr im Auto. Um 9 Uhr kam ich in Hameln an und hatte reichlich Zeit, meine Startunterlagen zu holen, zweimal am Briefing teilzunehmen (sicher ist sicher), eine Kleinigkeit zu essen, mich umzuziehen und meine Wechselzone einzurichten. Da es sich in Hameln um einen Volkstriathlon handelt, waren die Teilnehmer auch eher entspannt und auskunftsfreudig. Triathleten haben oft ja doch einen eher schwierigen Ruf in Richtung arroganter Egoisten. Dies bewahrheitete sich jedoch zunächst nicht.

Kurz nach 10 trudelte mein Schatz mit seinen Kindern ein. Sie hatten sich extra aus Lübeck auf den Weg gemacht, um mich anzufeuern.

Gegen 11 Uhr startete ich mit fünf anderen Mädels auf einer Bahn im Freibad. Da es beheizt war, gab es ein Neoverbot, was mir auch ganz recht war. Wir sprachen uns kurz ab, wer welche Zeit anpeilt und sortierten uns vor. Leider hielten sich nicht alle an die Absprache, sodass ich jemanden vor mir hatte, die ihren Platz mit Zähnen und Klauen verteidigte und ich aber viel Kraft hätte investieren müssen, um sie zu überholen. So dümpelte ich im Wasserschatten hinter ihr her, und sparte Kräfte. Natürlich ärgerte ich mich trotzdem, da ich sicherlich auch eine Zeit von unter 9 Minuten auf den 500 m hätte schaffen können. Energieeinsatz und gewonnene Sekunden standen jedoch in keinem sinnvollen Verhältnis, weshalb ich entspannt aus dem Wasser kam und locker in den Wechsel starten konnte.

Fun fact: Wer sich nicht an einen Triathlon traut, da er nicht kraulen kann: nur Mut – heute waren ganz ganz viele Brustschwimmer unterwegs!

Bis zur Wechselzone waren es knapp 600 m, weshalb meine Zeit mit 4:25 min auch recht hoch ist. Gestresst habe ich mich aber auch nicht, da ich nichts vergessen wollte. An alles gedacht ging es mit dem Rad im Laufschritt zur Straße. Die Radstrecke war 20 km lang, die sich auf zwei Runden einer 10 km Wendepunktstrecke verteilte. Da ich mit meiner Uhr trackte, hatte ich meine Zeit nicht wirklich im Blick und orientierte mich an meiner Atmung und dem Gefühl in meinen Beinen. Tatsächlich lag ich mit 32,3 km/h recht deutlich über meiner angepeilten Geschwindigkeit. Cool, dass ich die ohne Windschatten (der ist ja beim Triathlon verboten) alleine drücken kann. Das hatte ich nicht erwartet. 20 km fahre ich aber ja auch eher selten…

Der nächste Wechsel war nur etwa 200 m lang und mit 1:30min. war ich ganz zufrieden.

Ich trabte los und hatte das Gefühl, kaum von der Stelle zu kommen. Ich schaute aber wenig auf die Uhr und fokussierte mich auf mein Geschnaufe und war im Ziel mehr als überrascht, eine Pace von 5:07min/km gelaufen zu sein, da meine Schrittfrequenz gefühlt recht langsam war.

Nach 1:18h war ich tatsächlich schon im Ziel. Total cool. Und ich war auch gar nicht rappelalle und vor allem: ich bin NICHT DISQUALIFIZIERT worden. Auch die drakonischen Strafen förderten meine Nervosität im Vornherein. Der Helm am Lenker MUSS offen sein. Sobald das Rad bewegt wird MUSS der Helm geschlossen auf dem Kopf sitzen. Ab dieser Linie MUSS man vom Rad sein, jene darf keinesfalls überfahren werden und und und… Letztlich hat es bei den Damen für den 36. Platz von 130 Teilnehmerinnen gereicht.

Jetzt bin ich optimistisch, dass ich irgendwie auch die Olympische Distanz im kommenden Monat in Lübeck schaffen kann. Toi, toi, toi.

Mein Schatz hat, zusammen mit den Kindern, den Tag zu einem ganz besonderen gemacht, den wir mit einem wohlverdienten Eis ausklingen ließen.

Diva goes Triathlon – ein Versuch

Lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen, da sich der Winter sportlich von seiner unspektakulären Seite gezeigt hat. Jedoch habe ich mir für dieses Jahr ein neues Ziel gesetzt. War es letztes Jahr der WakenitzMan, so habe ich mich in diesem Jahr für meine ersten zwei Triathlons angemeldet. Im Mai geht es los mit einer Sprintdistanz in Hameln. In Zahlen bedeutet das 500 m schwimmen, 20 km Rad fahren und 5 km laufen. Das klingt zunächst wenig aufregend, durch die Wechsel, die gerne als vierte Disziplin gesehen werden, wird es jedoch für mich sicherlich ambitioniert. Die sportlichen Wechsel (zumindest vom Rad zum Laufen) übe ich bereits, trotzdem wird das unter Zeitdruck noch einmal eine interessante Hausnummer. Ich plane dort jedoch auch nicht, Bombenzeiten abzuliefern, sondern zunächst zu schauen, wie mich bei einem solchen Spektakel erwartet. Im Juni wird es dann beim 7 Türme Triathlon in Lübeck auf der olympischen Distanz (1,5 km – 36 km- 10 km) ernst. Bisher fühlt sich das auch alles noch recht utopisch an. Ich habe sowieso den Eindruck, dass ich es beim Triathlon – anders als bei Laufevents – fast nur mit hochgezüchteten Sportfreaks zu tun haben werde. Sicherlich ist es auf einer Sprintdistanz noch einmal etwas anders, aber spätestens bei der olympischen geht mir schon etwas die Düse.

Bisher war ich erst einmal mit dem Rad an der Luft und trainiere ansonsten noch auf dem Kickrbike. immerhin bin ich jetzt für zwei Monate mit einem Trainingsplan von Tridot unterwegs, der mich dazu nötigt, fleißig Intervalle zu schrubben, was nicht unbedingt zu meiner bevorzugten Trainingsart gehört, aber bekanntlich am effizientesten ist. Bei Tridot hatte ich mich für das Preseason Project beworben und erhalte dort variable, auf mich zugeschnittene Pläne, die neben Arbeit und Fernbeziehung schon gut zeit kosten, wobei ich sie bereits auf den niedrigsten Umfang gesetzt habe. Sechs Tage die Woche bin ich jeden Tag circa eine Stunde am Laufen, schwimmen oder Rad fahren. Da ist es hilfreich, dass ich unter der Woche alleine lebe und niemandem damit auf die Nerven gehe. Sobald das Wetter mich wieder häufiger mit dem Rad nach draußen lockt, werde ich wohl hie und da vom Plan abweichen. Aber für den Beginn versuche ich zunächst alles umzusetzen, um beim Wettkampf nicht vom Besenwagen überrollt zu werden.

Parallel ist auch Abspecken abgesagt. Nicht nur, dass ich letztens gelesen habe, dass es beim Triathlon kleine und leichte Menschen leichter haben, auch die Waage hat mir – nachdem ich sie einige Monate ignoriert hatte – erschreckende Daten mitgeteilt. Deshalb kämpfe ich seit einem Monat seeehr mühsam um jedes Gramm. Von purzelnden Pfunden keine Spur, aber vielleicht schaffe ich bis Ende des Monates noch die letzten 1,5 von 3,5 kg. Nur die Süßigkeiten am Abend wegzulassen reicht wider Erwarten nicht. Auch NOCH mehr Gemüse hilft nur bedingt, da der Hunger irgendwann unerträglich und ich mich ihm anpasse. Auch der Verzicht auf Kohlenhydrate verträgt sich nicht gut mit dem Sportprogramm. Daher versuche ich es mit etwas weniger Kohlenhydraten und allgemein noch gesünder zu essen und weitestgehend auf die süßen Sünden zu verzichten. Vielleicht klappt es besser, wenn ich wieder and er frischen Luft radele und die Strecken länger werden. Über 40 km komme ich indoor nur selten… Die 70 kg sind so oder so das Ziel. Natürlich nicht nur für den Sport, sondern vielmehr für mein Wohlgefühl.

Auch wenn nicht alles ganz rund läuft und ich auch gesundheitlich noch das ein oder andere abklären muss, bin ich ziemlich motiviert und freue ich mich auf die Saison mit hoffentlich auch wieder längeren Touren. Letztes Jahr war es definitiv zu wenig :).

WakenitzMan 2023

Oder: wenn man die Medaille gar nicht mehr ablegen will…

Ende des Jahres erzählte mir Jan von einem Langstrecken-Schwimmevent erzählt, welches vom Ratzeburger See über die Wakenitz 14 km nach Lübeck führt. Ich war sofort Feuer und Flamme, da ich ja vor einigen Jahren schon einmal bei einem 24h Schwimmen 13 km geschwommen war. Allerdings im Hallenbad… Definitiv ein Unterschied in vielerlei Hinsicht. Aber fangen wir vorne an:

Die Anmeldung war im Februar, als an Schwimmen noch nicht zu denken war. Während des Schwimmcamps im Januar hatte ich mir ja die Schulter verletzt und habe erst im Mai wieder vorsichtig mit Schwimmen angefangen. Auch wenn ich nach der Zwangspause einen kleinen Tempoverlust bemerkte, lief es ganz ok und ich kam nicht auf die Idee, die Anmeldung zu revidieren. Ähnlich wie bei den Cyclassics war die Training nicht sehr ausführlich. Gerade mal etwas über 50km war ich seit Mai geschwommen, mit sechs Kilometern als längster Distanz.

Bis ich mir die Ergebnisliste des letzten Jahres und die Zielschlusszeit mit 5:30h angeschaut hatte, war ich auch recht optimistisch. Die Ergebnisliste zeigte ganz deutlich, dass ich es dort nicht mit Hobbyathleten wie mir – sondern starken Triathleten und Leistungschwimmern zu tun hatte. Noch setzte ich aber auf die Flussströmung und hoffte auf ein paar „Normalos“, wie mich.

Am Samstag holten wir uns das Kanu von Jans Freund Stefan, transportierten das überraschend schwere Gerät nach Rothenhusen und versuchten uns ein paar Meter im Paddeln. Ohne Übung pendelten wir lustig von rechts nach links und links nach rechts und kamen nicht so recht in Fahrt. Jan wurde hier langsam nervös, da er mich ja am Folgetag mit seiner Freundin Cathrin begleiten sollte. Und das möglichst ohne mich, oder andere Schwimmer zu überfahren…

Am Sonntag den 27.08. klingelte der Wecker um 4.40 Uhr. Nach einem schnellen Frühstück trafen wir uns um 5.30 Uhr mit Cathrin an Stefans Garten und fuhren von der mit einem Auto Richtung Falkenwiese (Endpunkt des Rennens), wo wir in den Shuttlebus umstiegen. Ehrfürchtig sah ich mir die anderen Schwimmer an und konnte schon ahnen, dass ich eher hinterher schwimmen würde.

Ankunft in Rothenhusen

In Rothenhusen angekommen, kümmerte sich Jan ums das Boot, Cathrin um die Anmeldung des Boots und ich um meine Startunterlagen. Ich frohr bei etwa 13 Gard Lufttemperatur in meiner Jogginghose schon jetzt und wollte mich gar nicht wasserfertig machen. Über den Badeanzug zog ich schließlich den kurzen Neoprenanzug meiner Konkrektorin, den sie mir dankenswerter geliehen hatte. Leider war es kein Schwimmneo, so dass er hydrodynamisch nur so semioptimal war, aber bei 20 °C Wassertemperatur nach einer gewissen Zeit nötig ist. Mein Neo wäre ok gewesen, wenn ich darin nicht aufgrund der langen Ärmel immer so schnell lahme Arme bekäme.

Warten am Start

Nach einer kurzen Einweisung fiel um 8 Uhr der Startschuss und der Großteil des Feldes flog an mir nur so vorbei. Bei der Einweisung erfuhr ich, dass auch Profis dabei sind, wie die fünffache Deutsche Meisterin im Langsstreckenschwimmerin – Louisa Obermark. Auch viele andere Athleten, die laut Internet regelmäßig an Deutschen oder Landesmeisterschaften im Schwimmen und Triathlon dabei sind oder sich gar Weltmeister im Eisschwimmen nennen dürfen waren anwesend. Lediglich wenige Schwimmer blieben auf den ersten Kilometern in meiner Nähe. Um einen Tempovergleich zu haben: Während ich knapp 3 km/h schwamm, schwammen die schnellsten Schwimmer über 4 km/h. Ich ließ mich davon nicht verrückt machen und versuchte in einen gleichmäßiges Schwimmen zu kommen und das Kanu meiner Begleitung zu finden. Bis ich Sichtkontakt hatte, dauerte es auch eine Weile. Dann waren sie jedoch meistens nah bei mir, kämpften jedoch auch heute mit der Steuerung des Boots. Im Boot hatten sie warme Getränke (Brühe und Isodrink), Energyballs und Fruchtriegel, mit denen sie mich versorgten. Viel Essen nahm ich nicht zu mir und mehr als einen dreiviertel Liter auch nicht getrunken. Leider gab das GPS meiner Uhr nach 4,8 km auf, sodass ich ab dann keinerlei Orientierung hatte, wie weit es noch ist. Ich bemerkte es zunächst nicht und war mir sicher, dass ich das Ganze nicht in 5:30 h schaffe würde. Da ich mit Musik und Ohrstöpseln schwamm (Shoks OpenSwim und Bollsen Watersafe+), war eine Kommunikation mit Jan und Cathrin dazu auch schwierig. Im Nachhinein sagten sie mir, dass Kilometerangaben am Rand standen. Mir blieb in der Situation nur, mich auf mich und meine Technik und das Wasser inklusive der Fahrrinne zu konzentrieren und nicht zu sehr über die Restdistanz oder meine Zeit nachzudenken. Außerhalb der Rinne musste man sich schnell durch allerlei Pflanzen (Algen, Seerosen & Co kämpfen, was zusätzlich Kraft kostete).

Bitte lächeln!

Nach 2,5 h fingen meine Waden etwas an zu krampfen. Ich verringerte die Intensität des Beinschlags etwas und so ging es wieder. Die ersten drei Stunden kraulte ich tatsächlich durch (ich wusste nicht, dass das kann) und legte erst dann immer wieder kurze Brustschwimm-Einheiten ein. Etwa 5 km vor dem Ziel konnte man bereits die Türme der Stadt sehen und ich dachte, dass es dann nicht mehr weit sein könne. Das war jedoch ein Irrtum… Vor allem die letzten 4 km zogen sich wie Gummi. Immer wieder zogen Schwimmer an mir vorbei, jetzt jedoch nur noch die der Zweier- und Viererstaffeln, die fünfzehn bzw. dreißig Minuten nach uns gestartet waren. Nach viel wunderschönem ursprünglichem „grün“ – die Wakenitz heißt nicht umsonst auch „Amazonas des Nordens“ wurde das Ufer kurz vor Lübeck belebter. Teilweise reihte sich eine prachtvolle Villa an die andere. Wirklich genießen konnte ich die Aussicht beim Kraulen jedoch nicht.

Nach 5 h sah ich endlich die Bojen des Ziels und auf den letzten Metern war meine Playlist bei dem Song „Fighter“ von Christina Aguilera angekommen, der mich ins Ziel trug. Nach dem Anschlag an der Zieltafel hangelte ich mich etwas unbeholfen die Treppe ins Schwimmbad hinauf. Dort bekam ich meine Medaille umgehängt und stürzte mich zunächst auf das schon ziemlich leergefutterte Buffett und ergatterte noch ein halbes Käsebrötchen, Kuchen und einen Kaffee und suchte – zunächst erfolglos – meine Kanubegleiter. Mir war extrem kalt und es verlangte mich nach einem Handtuch, Dusche und trockener Kleidung. Schließlich sah ich die beiden doch, die sich nach Klamottenübergabe wieder ins Kanu setzten, um dieses zu Stefan zurückzupaddeln. Unter der heiß ersehnten – oder ersehnten heißen – Dusche sah die ich die Hinterlassenschaften des Neos auf der Haut: diverse Striemen an Brustkorb, Hals, Achsel und Schlüsselbein. Aber wie heißt es so schön: der Schmerz geht, der Stolz bleibt. Bezüglich des Schmerzes bin ich überrascht. Am Abend massierte mir Jan noch die Waden, Rücken und Arme, sodass ich – bis auf eine latente Müdigkeit – keinerlei Beschwerden am Folgetag hatte.

In der Gesamtwertung hat den WakenitzMan übrigens Louisa Obermark (in 3:12:32) gewonnen, gefolgt von Bettina Lange (Deutsche Meisterin im Triathlon). Erst auf Platz 3 folgt der erste Mann. Unglaublich, wir stark das Frauenfeld war!

Mich verschlug es mit 5:09 h auf den 36. von 40 Plätzen, bei den Damen auf den vorletzten Platz. Trotz meines Ehrgeizes bin ich völlig zufrieden damit und von mir selbst überrascht. Mit einem Tempo von 2:13min/100m liege ich etwas unter meinem üblichen Freiwassertempo. Im Becken bin ich deutlich schneller, aber im Freiwasser fehlen mir die Wenden, durch die ich schnell werde. Zudem war die Challenge, die 14 km zu schaffen – und das habe ich. Und vielleicht ist eine solche Distanz für viele der von mir vermissten Gelegenheitsschwimmer einfach zu groß. Für 52 Euro habe ich eine gut organisierte Veranstaltung erlebt, mit Busshuttle, Snacks und Getränke für die Kanuten, einem kostenlosen, hochwertigen Finishershirt, Badekappe, Zielverpflegung, Medaille und Urkunde. Den Ärger zweier Teilnehmer gestern über die Kosten konnte ich nicht nachempfinden! Ich werde so bald vermutlich nicht mehr teilnehmen, da ich doch sehr auf den Boden der Tatsachen geholt wurde, dass ich neben „richtigen“ Schwimmern eher eine lahme Ente bin, aber ich empfehle des Rennen auf jeden Fall ambitionierten Schwimmern weiter! Und wer weiß – vielleicht muss ich es mir irgendwann noch einmal beweisen.

Schwimmen statt radeln

Das neue Jahr bot wettertechnisch bisher wenig Abwechslung, dafür jedoch Grautöne in jeder Schattierung und viele Niederschläge, sodass ich nicht traurig war, dass ich dieses Wochenende fast nur im Wasser verbrachte. Nachdem mir bereits zwei Freunde (Jenny und Matthias) begeistert von einem Kraul-Camp erzählt hatten, war ich neugierig und meldete mich kurzerhand an.

Besagtes Kraul-Camp findet regelmäßig (etwa 10x jährlich) im Hotel am Vitalpark in Heilbad Heiligenstadt statt und wird angeboten von H2O-Bloxx. Gründer von H2O-Bloxx und unser Trainer ist Marco Henrichs, der neben seiner Schwimmtrainerausbildung auch Athletik- und Ausdauertrainer sowie Spezialist für Freiwasser- und Langstreckenschwimmen und das Schwimmen im Triathlon ist. Das machte es für mich besonders interessant, da ich mich gerne an längere Distanzen wagen und mich in diesem Jahr erstmalig im Triathlon versuchen möchte. Ganz günstig sollte das Camp nicht werden, denn ich gönnte mir die Übernachtung und Verpflegung im Hotel, um mich voll und ganz auf das Camp konzentrieren zu können.

Freitag reiste ich am späten Nachmittag an und bezog in aller Ruhe mein Zimmer, bevor es um 18 Uhr mit einer Begrüßung los ging. Außer mir waren acht weitere Sportler angereist, zum Teil aus Erfurt, Lüneburg, dem Bückeburger Raum, Süddeutschland und dem Ruhrgebiet. Demnach hatte ich mit 45 km die kürzeste Anreise.

Beim Kennenlernen stellte sich schnell heraus, dass die meisten Teilnehmer bereits mehrjährige Triathlonerfahrung hatten und viele auch regelmäßig am Schwimmtraining im Verein teilnehmen. Auch die aufgerufenen Schwimmzeiten schüchterten mich etwas ein. Trotzdem ging ich möglichst unbefangen in die erste etwa 80-minütige Einheit und stellte schnell fest, dass ein oder zwei Teilnehmer sehr schnell waren und der ein- oder andere eine tolle und saubere Technik hatte, dass ich mich aber keineswegs verstecken musste. Wir starteten mit einem Aufwärmen und einigen Übungen, bevor es an die Sprints und Videoaufnahmen ging. Ich muss gestehen, dass ich im ganzen Trubel vergessen habe, was genau wir am Freitag in welcher Reihenfolge gemacht haben. Bei den Videoaufnahmen nahm Marco uns aus drei Perspektiven auf, um unsere Schwachstellen aufzudecken. Im Sprint nahm Marco die Zeiten auf 25 und 200m. 200m sind für mich in etwas das, was auch ein 800m-Lauf ist. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Kein Sprint, aber auch keine Ausdauerdistanz, also ziemlich unangenehm. Trotzdem gab ich alles und war recht zufrieden mit meinen Zeiten.

Auf geht’s!

Gegen 20:30 Uhr gab es endlich im Hotel Abendessen und wir verabschiedeten uns gegen 22 Uhr alle relativ zügig ins Bett. Das Klima unter den Teilnehmern war am ersten Abend – wie soll ich sagen – irgendwie seltsam. Richtige Gespräche kamen nicht auf und als Nicht-Triathlet hatte man das Gefühl irgendwie nicht so ganz ernst genommen zu werden. Meine Rettung war aber Katharina aus Lüneburg (es muss am gemeinsamen Job liegen…), mit der ich mich zum Glück gut unterhalten konnte. Nur saß sie beim Essen irgendwie immer zu weit weg… Die anderen Teilnehmer tauten bis Sonntag größtenteils auch noch etwas auf, sodass die Runde zumindest ein bisschen kommunikativer wurde.

Ich schlief wie ein Stein und wurde am nächsten Morgen wirklich erst um 6.50 Uhr von meinem Wecker geweckt. Noch etwas müde, aber eigentlich ausgeruht schlüpfte ich in meine Klamotten und ging zum ersten kleinen Frühstück, da die erste Trainingseinheit bereits um 8 Uhr begann. Am Vormittag wurden der Front-Quadrant Kraulstil axial (also eher schmal) und schulterbreit, Beinarbeit und Atmung thematisiert und trainiert. Wie bei allen Einheiten wechselten wir lustig durch die Batterie an Materialien: Brett, Kurzflossen und Pullbuoy, lediglich die Paddles nutzten wir nicht.

Atmungsübung am Beckenrand

Nach 90 Minuten Training hatten wir nur kurz Zeit zum Duschen und für ein zweites Frühstück, bevor es um 11 Uhr mit dem Theorieblock weiterging. Diesen hielt Marco kurz. Er ging einmal auf das Thema Superkompensation und Trainingsintensitäten ein und ermahnte uns, wenig im mittleren HF-Bereich zu trainieren, sondern eher in den äußeren Bereichen, also Grundlagenausdauer 1 und Sprintschnelligkeit. Da muss ich wirklich – zumindest gelegentlich – etwas verändern, da ich beim Schwimmen meistens nur im Grundlagenbereich trainiere und beim Radfahren und Laufen immer den zu hohen mittleren Zonen. Echte Sprintübungen mache ich beim Radfahren höchstens indoor, beim Schwimmen mit einer zu geringen Intensität und zu langer Distanz und auch beim Laufen mit zu langen Distanzen. Marcos Tipp: Lieber weniger Schwimm-Sprintintervalle mit maximal 25m, diese aber am Puls- und Frequenzlimit. Hier solle ich mit Abgangszeiten arbeiten. Also beispielsweise alle 50s in den Sprint starten und die verbleibende Zeit zur Regeneration nutzen.

In der Videoanalyse zeigte er uns allen in Zeitlupe unsere Schwachstellen. Meine größten waren definitiv der zu hohe Kopf und der zu lange Arm in der Zug- und Druckphase. Dafür war der Beinschlag gar nicht so übel wie ich immer dachte. Beide Baustellen bekam ich in der Kürze der Zeit natürlich nicht ausgemerzt, aber zumindest weiß ich, woran ich in Zukunft arbeiten kann.

Es folgten einige Stunden Freizeit, die ich dazu nutzte, einzukaufen (Bananen, Kekse und Getränke) und mich bei zwei kurzen Saunagängen etwas zu erholen. Die restliche Zeit verbrachte ich dösend und fernsehguckend auf dem Bett, bevor es um 17 Uhr weiterging.

Das dritte Training war das Forderndste. Marcos Ton wurde kurz etwas schärfer, als vielen von uns am „Pendeln“ beim axialen Kraulen scheiterten. Einige pendelten zu viel und drehten aktiv den Kopf, andere zu wenig und schließlich ging er nach verschiedenen Übungsansätzen zu einer anderen Übung über. Es folgte eine Übung für den Umgang mit (Luft-)Stress. Dazu tauchten wir mit Kurzflossen bis zu Beckenmitte an und durch einen Ring hindurch und kraulten so schnell wie möglich die Bahn zu Ende. Prompt meldete sich bei mir ein Krampf und ich war froh, dass es nur zwei Durchgänge dieser Übung gab. Beim erneuten 25m Sprint verbesserten sich alle Zeiten 8bei mir von 20,02 auf 17,58s ( jeweils beim Wasserstart), was dafür spricht, dass zumindest einige Tipps auf fruchtbaren Boden gefallen waren. Wir übten zwei Varianten des Orientierungsblicks, der im Freiwasser und beim Triathlon wichtig ist. Während man sich beim Wasserballkraul mit kurzen geraden Kraulzügen nach oben drückt, nutzt man bei der anderen Variante den langen Arm, um sich etwas aus dem Wasser zu drücken. Abschließend probierten wir das Schwimmen im Wasserschatten, wobei ich dabei das Feld anführen sollte.

Wasserschatten – alle mir hinterher!

Nach einem opulenten Abendessen ging es recht früh ins Bett. Die Nacht war leider nicht gut. Zunächst konnte ich nicht einschlafen, dann quälten mich gleich drei Alpträume.

Am nächsten Morgen erwachte ich gegen 6.30 Uhr ziemlich gerädert und mit einem leichten Ziehen in den Schultern. Beim Frühstück erfuhr ich, dass es den anderen auch nicht viel besser ging. Wir wussten, dass heute noch zwei Angstgegner auf uns warten. Ein erneutes 200m Schwimmen und die Rollwende.

Wir begannen das Training mit einer Wiederholung und selbstständigem Korrekturschwimmen und kamen recht bald zum Schwerpunkt Freiwasser. Zunächst übten wir die Atmung zur Schulter bei seitlichen Wellen, die wir selbst durch Schwimmbretter am Beckenrand erzeugten. Dann ging es daran, eine Boje schnell, auf kürzestem Weg und ohne dabei viel Geschwindigkeit zu verlieren zum umschwimmen. Anschließend machten wir eine kleine Pause, um anschließend in der 200m-Distanz noch einmal alles zu geben. Die meisten Teilnehmer verbesserten sich, trotz der Vorbelastung. Nur wenige waren so erschöpft, dass sie die 200m nicht ohne Pausen beenden konnte. Ich verbesserte mich um unglaubliche 21 Sekunden (von 3:29 auf 3:08 min!). Darauf war ich ziemlich stolz.

Rollwende

Abschließend übten wir die Rollwende, was bei vielen lustig aussah, da keiner von uns diese Rolle vorher beherrscht hatte. Ich bekam die Rolle zwar hin, aber der Abstand zum Beckenrand passte meistens nicht und ich brauchte beim Abstoßen viel zu viel Zeit zur Orientierung. Aber auch das kann ich zukünftig mal üben. Bis die Rollwende jedoch einen zeitlichen Vorteil gegenüber meiner Kippwende bringt (bei der ich glaube ich recht gut bin) wird es dauern…

Nach vier Einheiten an drei Tagen bin ich nun ziemlich erschöpft und habe soo viel Input bekommen, dass hoffe, zukünftig das ein oder andere umzusetzen. Vielleicht buche ich mir im Sommer oder Herbst noch einmal ein Einzeltraining. Auch diese bietet Marco an, wenn er in Heilbad Heiligenstadt ist.

Gruppenbild

Meinen Schwimmanteil werde ich jedoch zukünftig nicht erhöhen, sondern ihn bei etwas einmal die Woche belassen, sodass sich vermutlich keine sprunghaften Verbesserungen einstellen werden. Jedoch werde ich mehr auf die Techniktipps achten und die Sprints einbauen.

Ich lege ein Training wie dieses jedem ans Herz, der sein Kraulen verbessern möchte. Zwar richtet sich der Kurs auch an Anfänger, ich weiß aber nicht, ob die Frustration nicht etwas hoch wäre. Besser wäre hier vielleicht ein reiner Anfängerkurs oder ein Einzelcoaching.

(Die Bilder am und im Wasser stammen alle von Marco Henrichs.)

Ab ins Wasser – 13.000 m und 520 Bahnen

Es ist kalt, es ist windig, es ist regnerisch, es ist einfach eklig. Ich muss gestehen, dass es mich derzeit viel Überwindung kostet, mich aufs Rad zu setzen. Sportlich aktiv bleiben sollte ich trotzdem, deswegen fahre ich in den letzten Wochen wieder häufiger zum Schwimmen. Dabei fiel mir vor einiger Zeit ein Plakat ins Auge, was sofort meinen Ehrgeiz weckte: 24-Stunden-Schwimmen in Clausthal Zellerfeld. Organisiert von der dortigen Ortsgruppe der DLRG. Der Termin war frei und Kai schnell überzeugt, also meldeten wir uns an – ich für 4-5 Stunden, Kai für 3-4.

Die Regularien lauteten folgendermaßen: Schwimmzeit ist, je nach Anmeldung zwischen Samstag 12 Uhr und Sonntag um 12 Uhr. Jeder schwimmt so lange wie er möchte oder kann. Nach mindestens 55 Minuten Schwimmzeit sind jeweils 5 Minuten Pause erlaubt, schnelles Nippen am Trinken auch zwischendurch.

Da ich noch nie mehr als 4000 m geschwommen war, war es umso schwierig eine Taktik zu entwickeln. Natürlich nahm ich mir vor, das Tempo nicht zu hoch zu wählen und vorher genug Mineralien und Kohlenhydrate zu mir zu nehmen. Einige Tage vorher starteten wir mit dem Carbo-Loading und am Wettkampftag aßen wir reichlich und salzig um Krämpfen vorzubeugen. Startzeit war für uns um 17 Uhr. Wir waren schon früher in der Halle und durften nach kurzer Einweisung auch früher starten. Vorher legten wir un unsere Energieriegel und -Gels bereit und stellten unsere Flaschen an den Beckenrand. In meiner Flasche hatte ich einen Energydrink mit Koffein. Dass das ein Fehler war, stellte ich später noch fest. Dann ging es los. Badekappen auf und los.

Kai schwamm auf einer benachbarten Bahn, ich auf der Außenbahn. Die ersten Bahnen liefen gut. Auf einer abgesperrten Bahn waren wir zunächst zu dritt und organisierten uns untereinander ganz gut, sodass auch Überholen gut funktionierte. Allerdings bemühte ich mich so sehr außen zu schwimmen, dass ich mehrfach beim Kraulen auf die Kunststoffabsperrkette schlug und meine Hand hinterher etwas blau war. Auch die Leiter habe ich einmal kräftig an der scharfkantigen Stufe getreten. Auch nicht sooo schön. Viel schlimmer war aber, dass ich trotz der guten Vorbereitung bereits nach 1500 m einen Krampf bekam. Ich drosselte das Tempo und versuchte mein Bein zu lockern. Bis zur ersten Pause waren es noch 25 Minuten. Kurz dachte ich darüber nach aufzugeben. Beim Lockern merkte ich aber, dass sich der Krampf etwas löste. Der Energydrink verhalf mir, auch noch den Rest der ersten Stunde zu überstehen. In den 5 Minuten Pause setzte sich mich an den Rand und dehne meinen Fuß und meine Wade und schwamm weiter.

Bisher schwamm ich immer im Wechsel zwei Bahnen Kraul, zwei Bahnen Brust, da ich kein besonders ausdauernder Kraulschwimmer bin. Nun waren wir zwei Leute mehr in der Bahn. Ein Pärchen, was zunächst ein wahnsinniges Tempo vorlegte pflügte stetig an mir vorbei und machte das Wasser unruhig. Allerdings erlebte ich hier zum ersten mal, den sogenannten „Wasserschatten“. Ich wusste nicht, dass es den gibt, bemerkte aber, dass ich, sobald ich überholt wurde mich ausgebremst fühlte. Tatsächlich gibt es einen Sog wie beim Windschatten auch im Wasser. Faszinierend. Nach einer weiteren Stunde ließ das Tempo des Paares nach und ich wurde nicht mehr ganz so oft überholt. Langsam wurde es langweilig. Ich setzt mir jedoch Ziele: Minute 30 – Trinken, Minute 55 – Pause. Die Stunde bekam dadurch etwas Struktur und zog sich nicht mehr ganz so lange hin.

Nach drei Stunden beendete Kai seine Schwimmeinheit und ich versprach ihm, nur noch maximal 1:40 h zu schwimmen. Daran hielt ich mich auch fast. Vorher gab es aber noch einen Riegel. Stunde vier ging relativ schnell vorbei und das Paar verließ irgendwann das Wasser, sodass es im Becken wieder etwas leerer wurde. Nach 3:30 h merkte ich, dass der Nacken stärker spannte und die Schultermuskulatur sich meldete. Von da an wechselte ich jede Bahn den Stil. Das Tempo ließ ein bisschen nach, ich war aber total überrascht, dass ich es bis dahin so stabil halten konnte. Die letzte Pause nutzte ich, um die Blase zu leeren und von der Banane abzubeißen.

Auf in die letzten Bahnen. Nach etwa 40 Minuten schlug ich an und teilte meiner Bahnzählerin mit, dass ich aufhöre. Diese schickte mich aber los, noch einmal 50 m dran zu hängen, dass ich die 13.000 m voll mache. Das ging natürlich auch noch.

So beendete ich den Schwimmtag nach 4:42 Stunden total glücklich und stolz. Die Konkurrenz konnte ich überhaupt nicht einschätzen. Eine Bekannte schreib, dass sie vor zwei Jahren über 23 km geschwommen war. Da war ich weit von entfernt. Da alle Teilnehmer zeitversetzt starteten und ich nicht wusste, wie groß das Starterfeld war konnte ich nur beurteilen, was ich in den knapp fünf Stunden beobachtet hatte und hatte entsprechend ein ganz gutes Gefühl. Dieses sollte mich auch nicht trügen. Am nächsten Tag bei der Siegerehrung durfte ich die Urkunde für die „Weiteste Schwimmerin des Oberharzes“ in Händen halten. Kai als Schwimmanfänger (zumindest Anfänger was das Bahnenschwimmen angeht) landete auf einem beachtlichen 8. Platz mit 6150 m in drei Stunden. Da bin ich ja auch ganz schön stolz auf ihn. Aber verratet es nicht weiter.

Wieder stehe ich aber vor dem Problem, welches ich schon im Blogbeitrag „Schwimmen im Standardtempo“ beschrieben habe. Ich schwimme immer einen Schnitt von etwa 2 min/100 m. Egal, ob ein, zwei, vier oder 13 km. Auch dieses Mal lag er bei 2:08 min/100 m. Klar, ein kleines bisschen langsamer war ich, aber das ist definitiv vernachlässigbar. Da müsste doch mit besserer Schwimmtechnik deutlich mehr drin sein. Wer hat da Tipps für mich, meine Pace zu verbessern?

Die Nacht nach dem Schwimmen war der Horror. Gegen 22 Uhr waren wir zu Hause und aßen noch etwas und ich war hundemüde. Wir legten uns hin, aber ich konnte bis 2:30 Uhr absolut nicht einschlafen. Koffein-Energydrinks kommen bei Abendveranstaltungen garantiert nicht mehr in die Flasche! So eine schlechte Nacht hatte ich schon lange nicht mehr….

Zuletzte gilt mein Dank der DLRG Clausthal Zellerfeld, bei der ich schon als Kind oft bei Rettungsschwimm-Wettkämpfen zu Gast war und sogar einige Gesichter wiedererkannte. Die Organisation war toll und es hat riesig Spaß gemacht. Nächstes Jahr kommen wir bestimmt wieder und dann schwimme ich in meinen Geburtstag rein!