Löcher im Magen, Hyperventilieren und nasse Füße

Lange habe ich nichts von mir hören lassen. Leider war in den letzten Wochen nicht so richtig viel Zeit für längere Touren und wenn es die Zeit hergegeben hätte, war das Wetter so mies, dass doch eher das Sofa gelockt hat. Zwei Tage nach der letzten Tour, bei der wir zu viert unterwegs waren, habe ich mich mit Kai noch einmal in den Harz begeben. Eine 40er Runde mit einigen Höhenmetern zwischen Sieber und Silberhütte. Dort habe ich das erste Mal in meinem Leben hyperventiliert. Ich wusste nicht, dass ich so hysterisch werden kann. Ist aber ein wirklich doofes Gefühl, wenn man vor sich hinkeucht und das Gefühl hat, dass die Luftröhre immer enger wird. Mit panischem Geheule – das volle Programm. Woran genau das gelegen hat weiß ich bis heute nicht. Vermutlich eine Mischung aus Pollenallergie, zu schnellem Fahren am Berg und Erschöpfung von der letzten Tour. Was lernen wir daraus? Ruhig bleiben, Antihistamine nehmen und Regenerationszeiten einhalten. Zur Beruhigung gab es hinterher ein Eis in Bad Lauterberg. Dank Kais Windschatten fuhr ich trotz des kleinen Aussetzers persönliche Rekorde auf einigen Streckenabschnitten.

Etwa eine Woche später, am 30. April habe ich Kai von der Arbeit abgeholt und dabei prompt zwei Krönchen (Queen of the Mountain) bei Strava abgetaubt. Diese sogar aus eigener Kraft und ohne Windschatten. Das macht mich immer gleich doppelt stolz.

Der nächste Dämpfer kam am 01. Mai. Geplant war eine große Feiertags-Runde. Am Nachmittag zuvor war mir allerdings etwas flau im Magen und ich konnte kaum etwas essen. Dies sollte sich am nächsten Tag böse rächen. Von Herzberg ging es über Mühlenberg nach Osterode und Badenhausen. Schon auf den ersten 20 km hatte ich ein großes Loch im Bauch und auch der Müsliriegel konnte dies nicht so recht stopfen. Wir rollten weiter nach Eisdorf und Nienstedt. Auch kräftemäßig lief es nicht rund, sodass ich auf dem Weg nach Marke mitten am Berg anhalten musste um etwas zu essen. Nach Marke ging es bergab. Zum Glück nicht im übertragenen Sinne, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Katlenburg und Wachenhausen waren die nächsten Ziele. Durch die Feldmark ging es – teilweise über Schotter – nach Bils- und Gieboldehausen. Über Rhumspringe fuhren wir zurück nach Hause. Auch die letzten Kilometer hatte ich ganz schön zu kämpfen. Trotzdem wurden es über 67 hügelige Kilometer, die bei super Wetter größtenteils trotzdem Spaß gemacht haben.

Vier Tage später lief es besser. Wieder nahmen wir eine knapp 70 km lange Tour in Angriff. Allerdings dieses Mal über Osterode, Ührde, Wulften, Gieboldehausen nach Duderstadt, wo wir uns Kuchen und Laugenstangen gönnten und dann auf direktem Wege zurück fuhren. Anfangs waren die Beine noch schwer, aber dann lief es ganz gut.

Am 11. Mai nahm ich alleine noch einmal die Serpentinen nach Silberhütte in Angriff um das Hyperventilations-Drama zu verarbeiten. Eher eine Pflichttour, da es ununterbrochen geregnet hat. Ich bin ja nicht wasserscheu, aber irgendwann waren meine Füße klitschnass und meine Zehen stachen, da sie nicht mehr vernünftig durchblutet wurden. Egal – ich möchte ja nicht als Schönwetterradler enden. Da muss man da einfach durch. Und es hat sich gelohnt. Trotz zweier kurzer Pausen am Berg bin ich persönliche Bestzeit gefahren und die Schnappatmung war relativ schnell vorbei.

Am Donnerstag habe ich es getan und bin mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Ich hatte erst zur dritten Stunde und musste lediglich eine Klassenarbeit schreiben lassen. Auf dem Rückweg hängte ich einige Kilometer dran und war letztendlich 86 km unterwegs. Ganz allein und ohne Windschatten. Die Strecke war flach und daher konnte ich eine für mich recht hohe Geschwindigkeit von 26,6 km/h durchhalten. Bei der Tour führte mich der Weg nach Northeim. Mittags besuchte ich Kai kurz in Gieboldehausen und von dort radele ich zurück. Ärgerlicherweise vergaß ich beim Losfahren meine Uhr zu starten. Dies merkte ich erst kurz vor Rhumspringe. Wäre mir das nicht passiert, hätte ich vielleicht die 90 km voll gemacht. Aber frustriert von der fehlenden Dokumentation verzichtete ich darauf. Da ich das erste Mal alleine eine so lange Strecke gefahren bin, war dies sicherlich auch die richtige Entscheidung, da meine Oberschenkel kurz vor dem Ziel anfingen zu zittern.

Um mich zu motivieren habe ich übrigens bei http://www.owayo.de (Achtung, Werbung) ein bisschen Geld für selbst designte Radbekleidung ausgegeben. Sie sollte hier Mitte Juni eintrudeln. Ich bin total gespannt, auch auf eure Reaktion.

Vier Wochen und über 500 km im Sattel

Der erste Monat mit dem neuen Rad ist um. Dann ist es wohl Zeit, ein kleines Resümee zu ziehen. Über die ersten 500 km auf dem Drahtesel, das angeleitete Üben des Schlauchwechsels und die Jubiläums- bzw. Osterradtour zu viert.

Ich kann es kaum glauben, dass ich tatsächlich erst seit einem Monat Rad fahre. Bevor mein Rad überhaupt da war, sah ich der ganzen Sache ja recht kritisch entgegen, da mir das in-die-Pedale-Treten nie auch nur ansatzweise Spaß gemacht hatte. Rückblickend kann ich sagen, dass das sicherlich zumindest zum Teil an schlechtem Material gelegen hat. Seitdem ich mein Gravel habe, hat sich diese Meinung stark geändert, wenngleich ich nicht bei jeder Tour vor Freude und Spaß jubele, sondern oft genug noch ganz schön am Kämpfen bin.

In Woche eins bin ich bereits 96 km gefahren, in Woche zwei 130, in Woche drei 146 km und in Woche vier 180 km. Für einen Anfänger gar nicht mal so übel. Tatsächlich fahre ich auch überwiegend beschwerdefrei, was wohl mit der guten Einstellung des Rades, dem tollen Sattel von Ergon und der super bequemen Bip von Endura liegt. Ich selbst muss, vor allem auf langen Strecken noch weicher in den Ellbogen fahren. Dort hatte es nämlich nach meiner längsten Tour (Graveltour #6 – 90 km+) ganz schön geschmerzt, da ich ein paar Bodenwellen übersehen hatte.

Pannentraining

Für Notfälle hatte mir mein Freund schon vor längerem einen Ersatzschlauch mitgebracht, den ich auch brav immer mitgenommen habe. Häufig sind wir ja zu zweit unterwegs, aber oft genug auch nicht, weshalb es wohl ratsam ist, sich damit zu beschäftigen, wie so ein Schlauch überhaupt gewechselt wird. Kais Rad sollte auf die Sommerreifen, daher war die Situation günstig, mir das Ganze mal zeigen zu lassen. Der Ausbau des Vorderrads war problemlos, auch das Abnehmen des Mantels und des Schlauchs. Allerdings gibt es so viele Dinge zu beachten, das es mit einem Mal üben wohl nicht getan ist… Der Zusammenbau war soweit auch in Ordnung, aber den Mantel das letzte Stückchen in die Felge zu bekommen, wollte mir einfach nicht gelingen. Das hat uns beide echt Nerven gekostet, da ich total ungeduldig und jähzornig bin, wenn mir etwas nicht sofort gelingt. Da kann die Diva schon mal etwas anstrengend werden. Kai hat dann irgendwann übernommen und ich habe das Rad eingebaut. Bis auf die Frickelei mit dem Mantel eigentlich kein Hexenwerk.

Anders sah es beim Hinterrad aus. Dieses ganze Schaltungs- und Kettengerümpel ist ja sowieso noch ein Buch mit sieben Siegeln für mich – wie soll ich da ein Rad wieder unfallfrei reinbauen?? Ok, zuerst in den höchsten Gang geschaltet, Rad ausgebaut, Luft raus, Mantel lösen, Schlauch raus, Mantel raus. Neuen Mantel einfädeln, Schlauch rein und wieder dieses Geduldsspiel.

Irgendwann habe ich Kai gebeten, solange rein zu gehen, bis ich fertig bin und tatsächlich – nach einer gefühlten Ewigkeit – hatte ich den dusseligen Mantel endlich komplett in die Felge gedrückt, ohne dass er sich am anderen Ende genauso schnell wieder löste… Jippieh… Kai durfte also wieder kommen und es ging an den Einbau. Erst schaute ich zu und es sah ganz logisch aus. Dort nach hinten ziehen, die Kette aufs Ritzel legen, wieder loslassen, gar kein Problem! Dann sollte ich. Und schon das erste Problem: wie muss ich jetzt Fahrrad und Rad halten? Und dann ließ mich die völlig andere Perspektive auch verzweifeln. Zuschaut hatte ich von der Seite und von hinten sah das alle ganz anders aus. Ich kam mir vor, wie jemand mit zwei linken Händen. Ich hatte ja immer gehofft, in solchen Fällen nicht das typische Mädchen zu sein. Autoreifen wechseln kann ich ja auch. Hoffentlich bin ich bei meiner ersten Panne nicht auf mich allein gestellt. Und falls doch und ich gar nicht zurechtkomme, nutze ich meinen weiblichen Charme um einen Radfahrer anzuhalten, der mir helfen kann. Oder ich mache es gar wie andere Radlerinnen und lasse mich abholen ;).

Sommerliche Ostertour

Das Osterwetter dieses Jahr ist ja bombastisch und trotz Konzertpremiere am Ostersonntag bekamen wir noch ein Tour unter. Zum ersten Mal waren wir zu viert unterwegs. Mit dabei Kais Zwillingsbruder Sven und seiner Bekannten Alina.

Ich war vorher ganz schön nervös, mit drei erfahrenen Radlern unterwegs zu sein und hatte Sorge, tempo- und ausdauermäßig nicht mithalten zu können. Zuvor musste ich noch mein Rad von Herzberg nach Hattorf holen und hatte schon 9 km Vorsprung. Dann fuhren wir los und die drei schlugen ein knackiges Tempo an, merkten aber, dass sie mich damit etwas überforderten und drosselten es etwas, sodass das leichte Brennen in den Oberschenkeln schnell wieder verschwand. Über die Pöhlder Aue ging es über Scharzfeld und Barbis Richtung Bokelnhagen. Auf der Anhöhe steht, wie schon im Blog Graveltour #3 beschrieben, ein alter Grenzturm. Dort machten wir Pause und wurden plötzlich vom Besitzer angesprochen, ob wir uns den Turm nicht anschauen wollen. Aber sofort, aber gern! Eine tolle Gelegenheit.

Original ist innen nichts mehr, aber man findet eine Sammlung alter Uniformen, Schilder und anderer Relikte aus der Zeit. Total spannend. Jetzt wird der Turm wohl eher für kleine Feiern oder auch als besondere Übernachtungsmöglichkeit genutzt. Nach diesem kulturellen Schmankerl ging es weiter über Zwinge und Fuhrbach nach Duderstadt. Zwischenzeitlich mussten wir nochmal einen Nothalt machen. Damit aus meinem Hungerzweig kein Hungerast wird, musste ich fix einen Riegel vernichten. Auch Alina hatte wohl mit dem Anstieg etwas zu kämpfen und versicherte mir, dass auch ihr die kleine Pause ganz gut tue. Endlich in Duderstadt gönnten wir uns auf dem schönen Marktplatz mit dem bekannten Fachwerk-Rathaus ein fast noch schöneres Stück Kuchen. Trotzdem sollte erwähnt werden, dass es sich bei dem Rathaus um wohl eins der ältesten in Deutschland handelt. Der Bau begann bereits 1302 und es beherbergt unter anderem einen Weinkeller und eine Folterkeller.

Nach der Pause kehrten wir Duderstadt den Rücken und fuhren über Obernfeld und Gieboldehausen nach Wulften, wo wir Alina verabschiedeten. Anschließend ging es für uns drei weiter nach Hattorf. Dort schnappte ich mir den Autoschlüssel und es ging direkt weiter nach Herzberg. 77,92 km und ein Schnitt von 26,3 km/h war das Ergebnis dieser Runde, plus die 9 km der Radüberführung. Zugeben muss ich natürlich, dass ich viel Windschatten gefahren bin. Alleine hätte ich so ein Tempo nicht halten können. Immerhin hatte ich dieses Mal keinen allzu starken Kräfteeinbruch, sodass ich zwar total erschlagen zu Hause die Treppe hochstolperte, aber zufrieden mit meiner Leistung war.

Es war ja außerdem mein erstes Gruppen-Raderlebnis und ein toller Einstand. Mit den dreien zu fahren war sehr schön und die Herren der Schöpfung waren sehr aufmerksam. Danke, dass ihr mich mitgenommen habt!

Graveln im Harz und an der Ostsee

Zusammengefasst ein kleiner Bericht zu den letzten Touren, da sich ja nicht jedes Mal ein eigener Text lohnt.

In der letzten Woche war ich bei leichtem Nieselregen das erste Mal mit dem Rad im Harz. Regen und Berge – ich fand mich sehr tapfer. Das Ziel war, das Siebertal etwa 15 km in eine Richtung zu beradeln und dann zu wenden, um meine Beine langsam an die Berge zu gewöhnen. Das Siebertal steigt zunächst sachte an, sodass die ersten Kilometer ganz gut liefen. Ab Kilometer 10 findet man sich allerdings auf den Serpentinen Richtung St. Andreasberg. Diese raubten mir ziemlich schnell die Kräfte und ich brauchte zwei kurze Zwischenstopps um wieder zu Kräften zu kommen. Nach 3,5 echt richtig gemeinen Kilometern war ich oben und stolz wie Oskar.

Nun hatte ich ja eigentlich vor, wieder zurück zu rollen, aber das hätte in der Auswertung doof ausgesehen, daher bin ich über Silberhütte nach Bad Lauterberg gefahren und über Barbis und Scharzfeld nach Hause. Bis auf leichte Krämpfe in der Rückseite der Oberschenkel lief der Rückweg echt ganz gut. 41,14 km mit 362 Hm mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h, da kann ich als Anfänger nicht meckern.

Einige Tage später fuhren wir für vier Tage an die Ostsee. Leider hatte sich die Temperatur deutlich abgekühlt, aber trotzdem nutzen wir zwei Tage für Radtouren. Unser Domizil befand sich in Kühlungsborn, dem größten Bade- und Erholungsort Mecklenburg Vorpommerns.

Die Strandpromenade ist über 3 km lang und auch östlich befinden sich wunderschöne Strandabschnitte. Inmitten des Orts liegt der Stadtwald. Dieser ist überraschend groß. Dies lässt sich durch das Verschmelzen der Orte Brunshaupten, Arendsee und Gut Fulgen erklären, welche diesen Wald umgaben. Hier kann man wunderbar spazieren, kleine Runde laufen oder auch hindurch radeln. Auch Wild sieht man dort hin und wieder. Den Wald ließen wir bei unserer ersten Tour allerdings links liegen und fuhren gen Osten nach Warnemünde.

Über Börgerende und Nienhagen ging es entlang der Küste mit schönen Ausblicken, abwechlungsreichen Wegen (Asphalt, Pflaster, Waldboden, Schotter) und dem Gespensterwald nach Warnemünde. Störend waren nur die vielen anderen Touristen, die sich wenig fahrradfreundlich unberechenbar kreuz und quer auf den Wegen bewegten. Dies machte die Fahrt sehr anstrengend, da man kaum flüssig fahren konnte.

In Warnemünde fließt – wie der Name schon verrät – die Warnow in die Ostsee. Daher war schon im 14. Jahrhundert das Dorf sehr wichtig für Rostock, um sich den Hafenzugang zu sichern und wurde daher erworben und blieb bis ins 19. Jahrhundert eher die arme Exklave des großen Bruders Rostock. Heute zieht es viele Touristen nach Warnemünde, was sowohl dem langen breiten Sandstrand, dem charakteristischen Leuchtturm mit dem Kaffee-Pott als auch dem gut fluktuierten (Kreuzfahrt-)Hafen zuzuschreiben ist. Zudem lockt Warnemünde regelmäßig mit Veranstaltungen wie der Hans Sail oder diversen Sportwettkämpfen am, im und auf dem Wasser.

Wir spazierten bis ans vorderste Ende und gönnten uns anschließend am Hafen Fish&Chips, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Leider war es wie erwähnt ziemlich kalt, was einen längeren Aufenthalt nicht möglich machte. Für die Rückfahrt wählten wir den Radweg entlang der Straße, sodass wir zügig und mit wenig Hindernissen zurückfahren konnten. Nach 2:22 h und etwas über 55 km kamen wir wieder in Kühlunsborn an: Eine nette kurze Tour mit schönen Ausblicken. Allerdings ist sie nichts für Schnellfahrer, da der Weg entlang der Ostsee bei schönem Wetter immer sehr voll ist.

Meine Uhr verriet mir nach der Tour, dass dies mal wieder eine längste Strecke war. Das blieb sie aber nicht lange, denn zwei Tage später ging es weiter… In dem Sinne: bike on!

Kleine Anmerkung am Schluss: vielleicht möchtest du mir ja folgen? Darüber würde ich mich sehr freuen!

Fotorunde

Samstag, die Sonne scheint, also `rauf auf´s Bike und los geht es. Vorgestern war meine Premiere und ein wenig tut mir mein Gesäß noch weh, aber trotzdem will ich es heute noch einmal versuchen. Auch die Oberschenkel brennen noch daher packe ich meine Kamera (Panasonic Lumix DMC-TZ101) und mein Stativ ein und fahre bewusst etwas langsamer. Mein erster Halt ist am etwas abseits des Weges gelegenen Lonauer Wasserfall. Mit seiner Fallhöhe von insgesamt 10 Metern ist er der höchste natürliche Wasserfall des Westharzes. Zu sehen ist hier nur der obere Teil.

Weiter geht es zuerst Richtung ehemaliger Herzberger Papierfabrik, jetzt SmurfitKappa. Schon im 16. Jahrhundert stand hier die Lonauer Eisenhütte, im 18. Jahrhundert wurde hier Stahl für die Gewehrfabrik gefertigt, später in der Blankschmiede wurden Werkzeuge produziert. 1890 gründeten L. Strauch & Co. die Herzberger Papierfabrik. Diese wurde so erweitert, dass die im 2. Weltkrieg eingemeindeten Lonauerhammerhütten weichen mussten. Bis etwa 1980 war mein Opa hier Betriebsarzt.

Der Weg führt mich weiter durch Herzberg, entlang des Juessees. Ein beliebter Badesee, mitten in der Stadt. Anders als bei den üblichen Kiesseen in der Gegend handelt es sich hier um einen über 28 Meter tiefen Erdfallsee, der durch zwei Großerdfälle vor 8.000 bis 14.000 Jahren entstanden ist. Die Erdfälle sind in unserer Gegend keine Seltenheit, da die Sulfatanteile des vorherrschenden Karstgesteins unterirdisch ausgelaugt werden und sich riesige Höhlen bilden, die irgendwann einbrechen.

Vom Juessee fahre ich weiter über den Fahrradweg Richtung Pöhlde und Rhumspringe. Wie viele Radwege ist auch dieser eine ehemalige Bahntrasse der Verbindung Herzberg – Bleicherode. Hier mache ich keine nennenswerten Fotopausen. Erst in Rhumspringe wecken die Rhume und eine Forellenzucht meine Aufmerksamkeit.

Danach fahre ich über Rüdershausen, Lütgenhausen und Wollershausen nach Gieboldehausen. Auf dem Weg sehe ich einen Storch und einige Nilgänse und ein Wiesel, welches ich leider nicht ablichten konnte.


In Gieboldehausen hole ich Kai von der Arbeit ab und fahre mit ihm via Wulften und Hattorf nach Herzberg. Seit Gieboldehausen hat der Wind angezogen und die Temperaturen fallen. Es wird ganz schön frisch und ich habe mit dem Wind zu kämpfen, auch wenn ich Windschatten fahre darf. Trotzdem war das wieder eine schöne Runde und zudem meine ersten 45 km.

Der Kreislauf macht zwar heute mit, aber die Oberschenkel fühlen sich sehr hart an. Sicherlich bedürfen sie etwas Regeneration. Aber ich denke, ich habe Blut geleckt…

Probefahrt mit dem neuen Gravel

Das Arbeitsgerät ist da! Da kommt man nichtsahnend aus der Schule, geht ins Wohnzimmer und da steht es. Eine tolle Überraschung!
Noch schnell den Sattel austauschen und die Pedale dran. Fertig! Die Eckdaten vom Scott Speedster Gravel in L mit Ultegra-Ausstattung, 22 Gängen und Scheibenbremsen muss ich hier nicht nennen, da ich das Bike nicht weiter umgebaut habe und die Daten auf der Scott-Seite eingesehen werden können. Auf jeden Fall liebe ich die Farbgebung. Zeitlos und elegant und keine Farben an denen man sich irgendwann satt gesehen hat. Ich bin froh, dass ich mich gegen das entsprechende Contessa-Modell in blau-grün entschieden habe. Laut Scott sind die beiden von der Geometrie baugleich, nur der Sattel ist damengerechter. Um mir trotzdem ein halbwegs schmerzfreies Fahren zu ermöglichen habe ich mich gegen den vormontierten synchros-Sattel und für den Ergon SR Pro Women entschieden. Der erste Sitztest fiel recht positiv aus.

Der Ergon SR Pro Women

Da ich keinerlei Klick-Pedal-Erfahrungen habe, habe ich mich (zunächst) für Hybridpedale entschieden. Also kann ich an unübersichtlichen Stellen oder bei vielen Ampeln die Flat-Seite nutzen und nur wenn ich mich sicher fühle auf die Klick-Seite wechseln um mich peu à peu daran zu gewöhnen. Die PD-EH 500 von Shimano habe ich in meinem jugendlichen Leichtsinn sofort angeschraubt und bekam gleich einen Rüffel, da ich das Gewinde nicht gefettet habe. Gut, wieder etwas gelernt. Wird wohl nicht mein letzter Fehler gewesen sein. 😉

Blöd ist, dass die Wetterlage erste Testfahrten boykottiert hat. Regenkleidung habe ich nämlich noch keine. Dafür lese ich fleißig andere Blogs und plane schon viel zu lange Touren. Auf den Boden der Tatsachen komme ich sicherlich schnell genug wieder zurück.

Eine Woche später bin ich endlich dazu gekommen, das gute Stücke auszuprobieren. Nach einem kurzen Arbeitstag habe ich mich direkt auf den Drahtesel gesetzt und bin losgefahren. Los ging es in Herzberg. Dort bin ich, um etwas verkehrsberuhigter zu starten, nicht den kürzesten Weg gefahren, sondern hinter Smurfit entlang und um den Juessee. Es ging zunächst per Radweg via Pöhlde und nach Rhumspringe. In Rhumspringe hielt ich kurz an der Rhumequelle, die derzeit noch relativ trüb ist. Dies ist sicherlich den Regengüssen der letzten Tage geschuldet. Trotzdem ist das Grün der Quelle jedes Mal wieder faszinierend. Sie ist die ertragreichste Karstquelle Mitteleuropas. Als Naturdenkmal ist sie Bestandteil der Südharzer Zechstein-Landschaft. Wenn das Wasser wieder klarer ist werde ich auf jeden Fall hier noch einmal hinfahren und schönere Bilder nachreichen.

Mein Rad vor der Rhumequelle

Weiter ging es über Wollershausen nach Gieboldehausen. Dort kehrte ich im BikePoint ein um meinen Freund Kai von der Arbeit abzuholen.

Gemeinsam ging es weiter über Strohkrug und Wulften. Kurz vor Wulften machte mein Kreislauf völlig schlapp. Von einem Moment zum anderen ging es mir gar nicht mehr so gut. Siedend heiß fiel mir ein, was ich vergessen hatte. Es war kurz nach 13 Uhr und das letzte mal gegessen hatte ich kurz nach 6. Ein böser Fehler, der mir hoffentlich nicht noch einmal passiert.

Radweg zwischen Gieboldehausen und Strohkrug

Etwas zittrig ging es auf direktem Weg zum Netto im Wuften, wo wir uns etwas Süßes holten um mir wieder etwas Power zu geben. Das Essen tat gut, jedoch war die Fahrt bis Hattorf kein Spaß, da mein Kreislauf noch nicht wieder so weit war und mir die bisherigen Kilometer auf leeren Magen übel genommen hatte. Immerhin hatte ich – da es leicht bergab ging – die ersten 25 km schon einen Schnitt von über 26 km/h. Klar, versierte Graveler und Rennradfahrer lachen darüber, für mich als absoluten Anfänger finde ich das aber gar nicht so übel. Die letzten Kilometer kroch ich allerdings mit etwa 22km/h und war froh, als wir da waren.

In Hattorf war erst einmal Pause bei Kai und noch einmal essen angesagt. Die Sonne gab ja alles, was ging, daher konnte man prima die Zeit auf dem Balkon genießen. Kai wechselte von seinem Rennrad auf sein Gravel und weiter ging es wieder Richtung Herzberg. Auf dem Weg hatte ich noch mit einem Wadenkrampf zu tun, bei welchem ich scheinbar meine Uhr gestoppt habe. So ein Ärger. Gemerkt habe ich das erst einen Kilometer später.

Nach ein paar Fotos mit unseren Scott Gravelern quälte ich mich die letzten Kilometer nach Hause. Knapp 45 km waren für die erste Fahrt wohl etwas viel. Trotz schmerzendem Popo (Sattelnase ist nochmal etwas gesenkt) bin ich stolz auf mich und freue mich auf weitere Touren. Ich bin auf der zweiten Hälfte auch einige Strecke eingeklickt gefahren und es fühlt sich ganz gut an! Rein dauert noch etwas, aber raus komme ich sehr gut. Der erste Sturz an irgendeiner Ampel kommt aber bestimmt noch. Das gehört wohl dazu.

In Zukunft werde ich vorher auch definitiv essen und auch etwas zu Essen mitnehmen. Man ist ja lernfähig. 🙂

Mein Drahtesel

Die Entscheidung ist gefallen, ein Rad muss her. Eines das hoffentlich Spaß macht. Aber was für ein Zweirad soll es werden? Ein E-Bike hätte den Vorteil, dass ich mit meinem Freund mithalten könnte. Ist aber, wenn man ein gutes haben möchte, nicht so ganz günstig. Daher lassen wir den Motor erst mal weg und fahren bio.

Rennrad, MTB oder Hollandrad? Ok, letzteres ist keine Option. Es soll ja ein Sportgerät sein. Mountainbikes sind schon toll: robust, gutes Profil, toll gefedert…. aaaaber ich hasse es, bergauf zu fahren, da meine Beine da schlapp machen und bergab bin ich ein ganz furchtbarer Angsthase, der – wenn andere fröhlich Schotterpisten herunter brettern – sein Rad schieben würde.
Aber Rennräder haben so dünne Reifen und so gar keinen Komfort. Außerdem käme ich mir als Radfahr-Greenhorn auf einem reinen Rennrad auch völlig fehl am Platz vor. Da wäre mit der Erwartungsdruck zu hoch…. Zum Glück gibt es Alternativen. Die Wahl ist auf ein Gravelbike gefallen, also ein etwas stabileres Rennrad mit vernünftigen Reifen, die auch auf unbefestigten Wegen eine gute Figur machen.
Bei der Markenwahl wurde ich durch meine Kontakte zum bike point in Gieboldehausen ziemlich direkt zu Scott geführt. Es macht durchaus Sinn eine Marke zu wählen, für die man für Serviceleistungen nicht zig Kilometer fahren muss. Natürlich ist Scott im Gegensatz beispielsweise zu Cube teurer, den Service habe ich aber direkt ums Eck.

Bei der Modellauswahl habe ich mich schwer getan. Über das selbst gesteckte Budget von 1000€ war ich schnell hinaus. Einerseits weiß ich noch nicht, ob mir Radfahren Spaß macht und wie lange meine Karriere dort andauern wird, andererseits macht das Radeln auf gutem Material sicherlich mehr Spaß als auf einem Drahtesel, der an allen Ecken klappert und quietscht. Da spreche ich aus Erfahrung…

Carbon ist ein schöner Werkstoff, aber für einen Amateur wie mich nicht nötig. Also habe ich im Januar einen Alu-Esel bestellt. Er ist weiß und hört auf den Namen SCOTT SPEEDSTER GRAVEL 10. Es hat die Ultegra-Ausstattung und wiegt knappe 10 kg. Die Damenmodelle von Scott wären für meine Baulänge von 1,78m nicht wirklich hilfreich. Das Rad ist ungesehen bestellt und ich hoffe sehr, dass es zu mir passt. Zuvor hatte ich auf dem Rad meines Freundes (Addict Größe M) und eines Bekannten (Größe L) probegesessen und mich daraufhin für die Größe L entschieden. Die Lieferung lässt noch etwas auf sich Warten, aber Mitte April sollte es da sein.

https://www.scott-sports.com/de/de/product/scott-speedster-gravel-10-bike

Bis April wird jetzt die Zeit genutzt und alle möglichen Onlineshops nach Angebote von Hosen, Helmen, Trikots, Handschuhen und was sonst noch so fehlt durchforstet. Ich glaube, der Postbote hasst mich bald… Ständig kommen hier Pakete an von bike24 bis fahrrad.de und und und…. Bisher habe ich immerhin schon eine Hose und einen Helm. In der nächsten Woche stelle ich euch die fünf Bib-Shorts vor, die ich probiert habe.