Zum Ende der Sommerferien wollte ich doch noch einmal etwas Ausgefalleneres machen und schauen, wie viel meine Beine mitmachen. Nach nur etwa 1000 Jahreskilometern im August nahm ich mir vor, meine Schwester in der Nähe von Lüneburg zu besuchen. Dies war aber nicht das einzige Ziel. Ich wollte versuchen, auf dem Hinweg so viel am Wasser entlang zu fahren, wie möglich. Dank des Elbe-Lübeck-Kanals, der Elbe und des Elbeseitenkanals war dies sehr gut möglich. Am 25.08. um 6.22 Uhr ging es los. Mit Müsli im Bauch und bepackt mit Riegeln, Gels und Brötchen fuhr ich eine handvoll Kilometer bis zum Einstieg des Kanals.
Ab dann ging es rund 60 Kilometer diesen entlang. Immer geradeaus, immer links das Wasser – immerhin unterbrochen von Brücken, Schleusen und winkenden Freizeitkapitänen – und immer nur Schotter.
In BerkenthinFähre Siebeneichen
Diese Belastung hatte ich unterschätzt. Zwar gab es bis zu diesem Zeitpunkt keine Höhenmeter, durch die Vibration und das Geschüttele hatte ich jedoch ab Kilometer 40 immer wieder taube Finger und Füße. Da mir das Gefühl in den Fingern fehlte, trank ich auch kaum. Immerhin sah ich aufgrund der frühen Uhrzeit einen Eisvogel, zwei Rehe (auf dem Radweg), diverse Vögel und einen Hasen, der panisch zwischen Wasser und Radweg versuchte wegzulaufen. Bei Lauenburg kreuzte ich die Elbe.
Single-Trail kurz vor Lauenburg LauenburgElbbrücke
Bis hier hatte ich kaum Autobegegnungen, was definitiv auch seinen Reiz hat. Entlang des Elbe-Seitenkanals ging es weiter in Richtung der Salzhauptstadt Deutschlands. Hier quälte mich der Gegenwind und eine trostlos eintönige Landschaft. Das einzige Highlight war das Schiffshebewerk in Scharnebeck, welches ich jedoch bereits vor ein paar Jahren besucht hatte.
Das Schiffshebewerk
Richtung Lüneburg führten mich die wasserfreien letzten Kilometer über ruhige Nebenstrecken und entlang des Klosters Lüne. Mir fehlte leider die Motivation, anzuhalten und es mir anzuschauen, aber was ich aus den Augenwinkeln sah, wirkte so, als dass sich ein Besuch lohnen könnte.
In Lüneburg angekommen, suchte ich mir ein Café und füllte meinen Speicher mit einem Chai Latte und einem kleinen Stück Kuchen. Den Angestellten fiel jedoch auf, dass es WIRKLICH klein war (nein, ich hatte nichts gesagt und mich nicht beschwert) und erstatteten mir den halben Preis. Das fand ich sehr aufmerksam und nett. Weiter ging es zu meiner Schwester nach Reppenstedt. Bei ihr musste ich dringend trinken. Dies war auf der Strecke viel zu kurz gekommen. Auf den knapp 100 km hatte ich noch nicht einmal eine Flasche geleert, aus oben genannten Gründen. Wir saßen eine Weile auf der Terrasse, bevor ich mich am frühen Nachmittag auf den Rückweg machte. Hierzu hatte ich mir folgende Gedanken gemacht:
Option 1: Ich fahre mit dem Zug zurück. Der Haken: Die Direktverbindung ist derzeit aufgrund von Bauarbeiten unterbrochen, daher SEV oder alternativ mit Umstieg in Hamburg. Ganz schön lang, ganz schön teuer.
Option 2: Ich fahre mit dem Rad nach Hamburg (53 km) und steige dort in den Zug. Dagegen hatte ich mich zum Glück auch entschieden, da just an diesem Tag auf der Veddel ein Großbrand tobte (mit herumfliegenden Teilen, bis hin zu Autobahn und Radweg). Das wäre allein aufgrund des Rauchs sicherlich nicht gesund gewesen.
Option 3: Ich fahre mit dem Rad mindestens bis Mölln und habe dort oder in Ratzeburg die Option in den Zug zu steigen.
Option 4: Ich fahre komplett zurück. Dies war aufgrund der wenigen Trainingskilometer eigentlich keine ernsthafte Option.
Ich entschied mich, wie man bereits erahnen kann für die dritte Option. Dieses Mal fuhr ich eine fürs Rennrad gemachte Strecke. Ein paar Höhenmeter mehr, dafür asphaltiert. Zwar waren die Beine nicht frisch, aber es lief relativ gut. Nach 60 km war ich in Mölln und ganz schön erschöpft. Trotzdem dacht ich, dass ich es doch noch bis Ratzeburg schaffen könnte, um ein paar Euro zu sparen. Bis Ratzeburg war es nicht weit und ich wusste, dass es von dort aus „nur noch“ 25 km waren. In meinem dehydrierten, erschöpften Wahn dachte ich, dass das ja gar nicht viel sei und ich fuhr weiter. Währenddessen wurde mir aber bewusst, dass 25 km ein Viertel der Rücktour sind (ich unterrichte dieses Jahr übrigens Mathe…) und dies wiederum ganz schön viel ist. Nun war es aber zu spät. Ich kämpfte und biss mich durch die letzten Kilometer und rollte bei der Durchfahrt durch Lübeck nur mit den Augen, wenn Menschen auf Citybikes mir beweisen mussten, dass sie schneller fahren können als ich. Es dämmerte bereits, als ich nach 197 km zu Hause ankam. Machte ich die 200 km voll? Nö! Ich habe darüber nachgedacht, aber entschied mich dazu, dass ich auch mit drei Kilometern weniger leben kann. Man wird ja auch älter und vernünftiger. 🙂 Insgesamt war es ein tolles Erlebnis. Ob ich diese Strecke entlang der Kanäle jedoch noch einmal so fahren würde, weiß ich nicht. Es war doch eine ziemliche Quälerei. Stolz bin ich jedoch auf meinen Körper, dass es mir immer wieder ermöglicht, solche schrägen Dinge durchzuziehen. Vor allem, wenn ich in der Woche darauf erfahre, dass mein Eisenspeicher (Ferritin) mal wieder ziemlich leer ist…
Der Sommer stand bevor und wieder einmal stellte sich die Frage, wie der Urlaub aussehen könnte. Da mein Freund Jan in seinem Urlaub auch die Kinder hat (Anna 13, Jan jun. 15), mussten auch diese eingeplant werden. Ein Radurlaub kam also nicht infrage. Wir waren uns jedoch einig, dass es gerade bei Teenagern wichtig ist, Erlebnisse zu schaffen. Als ich Teenager war, hatte ich auch diverse Erlebnisse außerhalb der Urlaube. Dank PC und Smartphone findet viel Leben nur noch digital statt. Damit muss man sich abfinden, aber ich habe die Befürchtung, dass wenig digitale Momente gibt, an die man sich Jahre später noch erinnert. „Weißt du noch, wie ich den letzten Typen bei Fortnite gekillt habe“, ist glaube ich in dem Moment für einen Fünfzehnjährigen aufregend, im nächsten Jahr, kann sich jedoch keiner mehr daran erinnern. Egal, genug der Vorrede. Fest stand nur, dass es etwas sein sollte, das sie noch nicht gemacht hatten. Mich hatte schon lange das Reisen per Kajak gereizt. Als Achtzehnjährige durfte ich einmal eine Jugendgruppe bei einer Kanutour auf dem Tarn (in Südfrankreich) betreuen. Das war mir sehr positiv in Erinnerung geblieben. Jedoch hatte diese Sache zwei Haken: Zelten ist für die Kinder keine Option (und uns fehlt die Ausrüstung) und vermutlich schlagen wir uns beim Kanu fahren alle gegenseitig die Köppe ein, da das Steuern zu Beginn oft nicht so recht klappt. Stattdessen schaute ich nach Kajaktouren. Schnell wurde ich bei Kanutours Gießen fündig. Hier gab es eine fünftägige Tour mit Hotelübernachtungen und optionalen Einerkajaks von Roth nach Limburg. Die Tour führte durch einige schöne mittelalterliche mittelhessische Städte und schien daher recht abwechslungsreich. Die Distanz sollte 93 km betragen. Was dies an Zeitinvest bedeutet, konnten wir noch nicht einschätzen.
Um entspannt zu starten, reisten wir bereits einen Tag früher an und quartierten uns im Eishaus in Gießen ein. Dieses Hotel sollte auch unser erster Übernachtungs-Stop während der Tour sein und wir baten darum, die Zimmer behalten zu dürfen. Zu Fuß machten wir uns auf in die Gießener Innenstadt und waren enttäuscht ob des doch nicht so schönen Zentrums. Die Bomben des zweiten Weltkriegs hatten hier ganze Arbeit geleistet, denn von der Altstadt war nur noch sehr wenig zu sehen. Das Internet sagte mir, dass ca. 75% zerstört worden seinen. Der einsetzende Regen verbesserte die Stimmung nicht. Immerhin gab es aber bei Galeria nicht nur Toiletten, sondern auch gratis Popcorn, wodurch das Barometer wieder etwas nach oben ausschlug. Wir gingen retour Richtung Hotel und deckten uns beim Rewe mit Essen für den Abend ein.
Die Lahn am Hotel in Gießen
Etappe 1: Roth-Gießen
Der nächste Morgen startete mit einem großartigen Frühstück. Wir waren jedoch etwas angespannt, da wir alle nicht so ganz genau wussten, was uns erwarten würde. Um 9 Uhr fanden wir einen Parkplatz auf dem Gelände des Anbieters und beluden uns mit Packsäcken und diese mit unseren – hoffentlich richtig und vollständig zusammengestellten – Habseligkeiten. Es war kalt und wir mussten einiges an Wartezeit überbrücken, da der Shuttlebus nach Roth erst um 10 Uhr zu erwarten war. Schon jetzt stellen wir unsere Klammottenwahl infrage, da es doch ziemlich frisch war. Mit Paddeln ausgestattet und endlich im Bus entspannten wir uns etwas, wobei uns der aufregendste Teil ja noch bevorstand. Die anderen Teilnehmer waren deutlich schneller beim Verpacken ihre Gepäcks gewesen, sodass wir die Letzten waren, die die Kajaks zu Wasser ließen. Wir schafften es alle ohne zu kentern in die Boote und machten uns auf den Wasserweg ins knapp 20 km entfernte Gießen.
Im Busshuttle
Wir bemerkten schnell, dass wir doch deutlich langsamer vorankommen würden, als angenommen. Die Teenager stellten zudem fest, dass diese Aktivität doch ganz schön anstrengend war, und unter Tränen stellte Anna die Frage, wie wir ihnen das haben zumuten können, sie könnten das doch NIEMALS schaffen. Zweimal schwimmen gehen und einmal ein wenig SUP fahren, waren wohl der Vorbereitung nicht genug… Jan nahm seine Tochter für einige Zeit in Schlepptau. So konnte sie sich erholen und die Panik flachte etwas ab. Landschaftlich ist dieser Abschnitt der naturbelassenste und wir durften schon hier einige Eisvögel, Graureiher und jede Menge Schwalben bewundern. Meine Wasserabweiser am Paddel waren leider so porös uns locker, dass mir bei jedem Paddelschlag ein Schluck Wasser auf die Oberschenkel floss. So hatte ich nicht nur einen dauerhaften nassen Hintern, sondern bald auch gut Wasser im Boot. Das nervte etwas, da die Temperaturen nur bei knapp 20°C lagen. Bei Lollar befuhren wir gespannt die erste Bootsrutsche entlang eines Wehrs und stellten fest, dass diese ein großer Spaß sind und diese Wildwasserbahnen eines Freizeitsparks nicht unähnlich sind. Das Wasser war anschließend immer wieder etwas flacher und lebhafter, sodass wir alle mal mehr mal weniger intensiven Bodenkontakt hatten. Erst nach 17 Uhr kamen wir wieder im Hotel an und waren froh, uns bereits am Vortag für ein Restaurant entschieden zu haben. Daher mussten wir nur noch die Packsäcke lüften und Klamotten trocknen, um uns kurz darauf auf den Weg zum Essen machen zu können. Immerhin hatten wir keinen Druck uns noch den Ort näher anschauen zu müssen.
Burgruine StaufenbergBootsrutsche
Am Abend gab es noch einen Adrenalinstoß. Es muss gegen 20.30 Uhr gewesen sein und die Rezeption war urlaubsbedingt nicht besetzt. Entsprechend war die Hoteltür bereits geschlossen. Vor der Tür saßen zwei ziemlich zwielichtig aussehende Gestalten, nicht mehr ganz nüchtern. Als wir kamen stand einer de beiden auf und versuchte sich mit uns durch die Tür zu schieben. Jan ging als letzter und hatte gut damit zu tun, den Herren am Betreten des Hotels zu hindern und die Tür wieder zu schließen. Wir waren kurz davor die Polizei zu rufen. Solche Erlebnisse muss man wirklich nicht haben. Am nächsten Morgen waren wir daher auch froh, als wir ausgiebig gefrühstückt hatten und in den Kajaks „in Sicherheit“ waren.
Etappe 2: Gießen-Wetzlar
Jedoch erwartete mich gleich das nächste Drama. Nachdem meine Garmin-Uhr sich nachts schon des Ladens verweigert hatte, reagierte sie nun gar nicht mehr. Ich bekam sie auch erst nach drei Anläufen ausgeschaltet und war den Tränen nicht nur nahe. Nach dem Neustart funktionierte sie zum Glück aber wieder. Beim Anbieter von Kanutours, 1,5 km flussabwärts, besorgte ich mir ein anderes Paddel, mit dem ich deutlich trockener unterwegs war. Dafür aber in den folgenden Tagen mit schwarzen Fingern, da das Aluminium nicht ummantelt war. Damit konnte ich aber gut leben.
Nach Gießen durften wir gleich drei Bootsrutschen genießen und bald auch schon unsere erste Schleuse. An den Schleusen darf/muss man selbst Schleusenwärter spielen. Das ist nicht unanstrengend, aber gerade beim ersten Mal ein tolles Gefühl. Spätestens, wenn man die Tore aufdrückt und die Boote die Schleuse verlassen hat man das Gefühl etwas wirklich epochales vollbracht zu haben. Mit einer letzten Bootsrutsche kurz vor Wetzlar beschlossen wir den Tag auf dem Wasser nach 17 km. Wir waren an diesem Tag zwar schon etwas schneller unterwegs gewesen, aber die ersten Blasen bildeten sich an den Händen, die Arme taten weh und hier und da wurde das Abschleppen wieder ein Anspruch genommen. Als Snack zwischendurch gab es neben den obligatorischen Müsliriegeln immer wieder Brombeeren, die uns vom Ufer aus anlachten.
Schildkröte
Abends schauten wir uns flüchtig Wetzlars hübsche Altstadt an, um dann zur Burgruine Karlsmunt aufzusteigen. Ich hatte angeboten, den Weg alleine zu gehen, aber die Kinder wollten mit. Beim Aufstieg bereuten sie ihre Entscheidung glaube ich etwas. Leider entschädigte auch die Aussicht nicht wirklich, da an den entscheidenden Stellen Bäume die Sicht versperren und der Turm nur an Sonntagen zu besichtigen ist. Nach dem Abstieg ging es zur Belohnung zu Burger King und die Kids waren wieder selig.
Wetzlarer DomHier ist der Blick einfach noch besser…Man kann nämlich den Dom sehen!Unser Boot-Nachtlager
Etappe 3: Wetzlar-Weilburg
Der Morgen begann mit einem wässrigen Kaffee und noch viel mehr Wasser von oben. Außerdem war es lausig kalt. Hätten wir die Wahl gehabt, hätten wir sicherlich alle heute auf den Paddeltag verzichtet. Aber es half nichts. Um 8.30 Uhr setzten wir uns in die Kajaks. Ein großes Kompliment an dieser Stelle übrigens an die beiden jungen Leute: obwohl sie in den Ferien und am Wochenende am liebsten bis 10 oder länger im Bett liegen haben sie es in diesem Urlaub geschafft ohne zu murren früh aufzustehen und meist pünktlich fertig zu sein. Anna ist sicherlich etwas unstrukturierter und trödeliger, aber auch sie hat ihre Sache super gemacht. Heute sollte uns aber nicht das frühe Aufstehen mental fordern, sondern unsere insgesamt längste Etappe unter teilweise widrigen Umständen. Gleich zu Beginn mussten wir am Wehr aussteigen und unsere Kajaks über eine Rollenanlage schieben. Mit dem Gepäck in den Booten und deren Eigengewicht war es auch für mich nicht einfach, das Kajak unfallfrei nach unten zu befördern. Für die Kinder entsprechend erst recht nicht. Wir schafften es aber alle ohne weitere Vorkommnisse. Trotzdem wurden wir auch weiterhin intensiv von oben nass und waren allesamt ziemlich durchgefroren. Jan fragte sich vermutlich auch, warum er keine Regenjacke eingepackt hat. Es folgten drei Schleusen, in denen wir im Wechsel aktiv wurden. Zwar war es oben windiger und kälter, zumindest war man aber in Bewegung und wurde ein kleines bisschen wärmer. Wie jedoch auch die Etappen zuvor hatten wir wieder viel zu sehen, unter anderem auch Schildkröten, dafür aber angenehm wenig menschlichen Kontakt. Letzterer war wenn er stattfand aber auch wirklich nett.
Es ist nass……jetzt mal kurz nicht.Toter Fisch
An diesem Tag entdeckten wir einige ordentlich große Fische. Zwei verendet, einen springfidel. Meistens sah man die Fische aber nicht springen, sondern nahm nur noch das Aufkommen im Wasser wahr. Gegen Mittag ließ auch der letzte Regen nach und am Nachmittag brach die Sonne durch die Wolken. Zeit, die Kleidung auf dem Kajak zu trocknen. An der letzten Bootsrutsche entdeckte Jan jun. ein Handy. Wir nahmen es an uns (die Stelle war vom Land aus nicht zu erreichen) und ich versuchte später herauszubekommen, wem es gehört. Da es nicht gesperrt war, hätte das klappen können. Jedoch war kein einziger Kontakt angelegt, keine Bilder vorhanden und die Nachrichten auf der Mobilbox kamen aus der Ukraine und waren für mich nicht verständlich. Das Telefon war scheinbar erst am Vortag gekauft worden. Letztlich gaben es wir beim Kanu-Verleih in Gießen ab. Die Strömung half uns, nach 28 km Weilburg gegen 16.30 Uhr zu erreichen. Nach dem Bezug des Hotelzimmers und einer wärmenden Dusche erkundeten wir den Ort – sicherlich einer der schönsten diese Woche. Dekadent verspeisten wir unseren Döner auf den Schlossterrassen und dankten Johann Ernst zu Nassau-Weilburg für die Umgestaltung seiner Residenzstadt im 18. Jahrhundert.
Etappe 4: Weilburg – Runkel
Heute ging es etwas später los, da das Frühstücksbuffett erst um 7 Uhr öffnete. Um 9 Uhr begann unsere Route mit einem weiteren Highlight der Tour – Deutschlands einzigem noch befahrbarem Schiffstunnel von 1847. Er ersparte uns einiges an Strecke rund um Weilburg. Wieder einmal waren wir allein auf weiter Flur, bzw. im dunklen Tunnel und durften wieder die Schleuse – dieses Mal eine Koppelschleuse – selbst bedienen.
Nach der Dunkelheit unter Tage verwöhnte uns der Tag mit viel Sonne. Entgegen aller Vernunft (ja, regt euch ruhig auf), verzichtete ich heute auf Schwimmweste und Sport-T-Shirt, da sich bei dem gestrigen Regen ein doofer Ausschlag an Bauch und Rücken gebildet hatte. Überall dort, wo die Weste auf dem Shirt auflag und dazwischen kein zusätzliches Bikinioberteil hatten sich kleine rote Pickelchen gebildet, die zum Glück aber nur wenig juckten. Ich tippe auf das Reinigungsmittel der Westen, welches sich beim Regen herausgelöst hatte. Auf diesen Stellen wollte ich heute keinen Synthetikstoff aufliegen haben.
Die Kinder tauten auf und die wenige Handynutzung machten sich positiv bemerkbar. Zwar hatten sie auch mehr Streit als üblich (wohl, da sie sich wahrnahmen), aber insgesamt wurden sie aufnahmefähiger, offener und kommunikativer. Außerdem biss sich Jan jun. wieder großartig durch den Tag. Er, der sonst leider gar keinen Sport macht, hat gute Grundvoraussetzungen, da er Bewegungsabläufe toll koordinieren kann. Die Paddeltechnik gelang ihm mittlerweile super. Anna versuchte ihr Bestes, kam als Küken der Gruppe aber, wie auch die letzten Tage, immer mal wieder an ihre Erschöpfungsgrenzen. Das Abschleppen war aber hier ein geeignetes Mittel. Drei Schleusen und 25 km später kamen wir in Runkel an und wurden von einem tollen Burgenpanorama begrüßt.
Die Burg Runkel – erbaut VOR 1159 (!) und auf der anderen Seite die Trutzburg Schadeck aus dem 13. Jahrhundert. Unser Hotel Schaaf lag außerhalb der Altstadt am Berg und wir wurden zum Glück mit einem Shuttle abgeholt. Wir schnappten nach der üblichen Runde durch die Dusche unsere Pfandflaschen und gingen die Lange Treppe Richtung Altstadt herunter und auf der anderen Seite der Lahn den Berg zur Burg wieder hinauf (mit einem Abstecher zum Supermarkt). An der Burg, die leider bereits geschlossen hatte, verspeisten wir unser Abendessen und bummelten durch die Altstadt zurück zur Lahn und die 200-Stufen-Treppe wieder hinauf zum Hotel in Schadeck. Die Kids waren begeistert! 😉
Burg Runkel Burg Schadeck
Etappe 5: Runkel – Limburg
Der letzte Tag! Das Frühstück konnte sich sehen lassen und lieferte eine gute Grundlage für die letzte Kurzetappe. Lediglich 10 km waren es heute bis Limburg. Wir gingen es gemütlich an, da Anna versuchen wollte, heute einmal eine Etappe ohne Unterstützung zu schaffen. Sie nahm sich jetzt an Tag 5 auch unsere Tipps zu Herzen, wie sie das Paddel am effizientesten nutzt und schaffte es so problemlos, die Strecke alleine zu bewältigen. Jan jun. hatte die gesamte Paddeltour alleine gemeistert. Zwar ist er etwas älter, macht aber, wie bereits erwähnt keinen Sport. Anna hat Kraft durchs Rhönradturnen, ihr fehlt nur etwas Ausdauer.
Abschied aus Runkel
Jan macht die fehlende Fitness durch Ehrgeiz und Biss wett und hat sich unseren Respekt verdient, da ihm wirklich die Arme und Schultern ziemlich geschmerzt haben müssen. Eine Wahnsinnsleistung! Bevor wir in Limburg ankamen, passierten wir insgesamt drei Schleusen. Diese waren teilweise jedoch geflutet mit chaotischen Kanufahrern, die dafür sorgten, dass es mit der Ruhe vorbei war. Wildes rechts-links-Pendeln, Kollisionen, Grölen, Streiten, laute Musik, all das hatte ich die letzten Tage nicht vermisst. Es bestätigte uns aber noch einmal, dass wir mit den Einzelkajaks die richtige Wahl getroffen hatten, um Streit aus dem Weg zu gehen. Neben den Schleusen fuhren wir auch an der Burganlage in Runkel-Dehrn (von 1190) und der romanischen Lubentiuskirche vorbei, welche auf einem Kalkfelsen thront.
Lubentiuskirche
Der Ausstieg und Abholpunkt lag ein wenig vor Limburg, weshalb wir erst einmal daran vorbeipaddelten, um noch einen Blick auf den Dom von Limburg von 1827 zu erhaschen. Am frühen Nachmittag wurden wir abgeholt und zurück nach Gießen gebracht, von wo aus wir unsere Heimreise antraten.
Am Campingplatz LimburgLimburger DomAbkühlung am Ziel
Damit ist unsere Paddelgeschichte erzählt. Sicherlich habe ich viele Kleinigkeiten und Episoden vergessen, aber ihr habt einen Eindruck. Ich würde eine Reise wie diese immer wieder machen, den Kindern reicht aber wohl dieses einmalige Erlebnis. Für uns war es jedoch schön, zu sehen, wie die Kids ohne Handy in der Hand sind. Nachhaltig war der Effekt jedoch nicht. Hier zu Hause ist alles wie zuvor. ABER es gibt eine sicherlich bleibende Erinnerung mehr, die wir ihnen geschaffen haben.
Arthrose ist bei mir ja bereits seit einigen Jahren ein Thema und der Grund, weshalb ich mit dem Radfahren angefangen habe. Mein Hallux rigidus, also Arthrose, verbunden mit einer Knochenzubildung in den Großzehengrundgelenken machte mir auch in letzter Zeit oft Ärger beim Laufen und sogar Spazierengehen. Also entschied ich mich dazu, mich unters Messer zu legen. Am 05.05. war es soweit. Einmal den Mittelfußknochen durchgesägt, gekürzt, gedreht (damit im Gelenkspalt wieder ein kleines bisschen Knorpel ist) und überflüssiges Knochenmaterial entfernt, verschraubt und genäht und schon war ich mit einer ca. 8 cm langen Narbe wieder zu Hause. Mit Spezialschuh und Krücken, die mich die nächsten sechs bis acht Wochen begleiten sollten. Die nächste Zeit war mit mir nicht viel los. Ich machte immerhin meine Steuererklärung, verkaufte Dinge auf Kleinanzeigen und verbrachte sehr sehr viel Zeit vor dem Fernseher oder mit Lesen. Ich hatte einen Verbrauch von zehn Büchern… Vor der OP hatte ich mir jedoch schon etwas vorgenommen, was ich schon lange einmal ausprobieren wollte. Ich wollte fasten und der Zeitpunkt erschien mit nicht so schlecht. Krankgeschrieben und keine Option ernsthaft Sport zu machen. Für die Wundheilung ist ein Entzug von Nährstoffen zwar nicht optimal, aber ich legte die Fastenwoche ans Ende meiner Heilungsphase.
Doch warum will ich überhaupt fasten? Zum Abnehmen? Natürlich purzeln die Pfunde kräftig, wenn man kaum etwas isst. Allerdings verschwinden nicht nur Fett, sondern auch Wasser und Muskulatur. Sicherlich nicht der beste Weg um nachhaltig abzunehmen. Die Muskulatur kann jedoch wohl durch leuchten Sport und etwas Protein halbwegs erhalten bleiben, bzw. ist hinterher recht schnell wieder aufgebaut. Nein, meine Gründe waren eher ein Reset des Verdauungssystems, Verbesserung des Stoffwechsels (vielleicht kann ich ja doch ohne Blutdruckmedikamente leben?) und natürlich die Autophagie. Bei dieser verdauen sich Zellen selbst, um sich zu regenerieren. Auch schadet es durch seine entzündungshemmende Wirkung sicherlich auch nicht meiner Arthrose (im rechten Zeh ist die ja noch…).
Bis auf gelegentliches Durchleuchten lassen beim Orthopäden und diverser Physiotermine hatte ich viel Zeit und entschied mich dazu, etwas zu machen, was ich schon lange vor hatte, nämlich einfach mal nichts zu essen. Heilfasten fand ich schon immer interessant und hatte nun die Gelegenheit es auszuprobieren, da ich weder fit im Job, noch beim Sport sein musste oder konnte. Tatsächlich hat mir der aktuell letzte Band von „Achtsam morden„, nämlich „…durch gesunde Ernährung“ den letzten Anstoß gegeben. Habt ihr es gelesen? Ich liebe die Buchreihe! Und nein, das war natürlich nicht meine einzige Informationsquelle!
Tag 1-3
Eigentlich sollte es mit Entlastungstagen losgehen, die ich Dank Familienfeier und Familienbesuch nicht so richtig durchziehen konnte. Daher startete ich mit der Darmentleerung durch Glaubersalz. Den halben Liter dieses nicht sehr schmackhaften – da bitteren – Wassers bekam ich halbwegs gut herunter und auch danach „flutschte“ alles. Nach etwa vier Stunden regelmäßiger Toilettengänge war endlich Ruhe und es wurde ernst. Nun gab es nur noch Wasser und Tee. Zum Mittagessen ein kleines Glas Saft und abends eine Schüssel Brühe. Die ersten drei Tage überkam mich immer wieder ein großer Appetit, welcher aber wohl eher eine Gewohnheit war, als echter Hunger. Mal lockten die Bananen, mal die Idee, ein Eis auf der Terrasse zu essen. Der Bauch fühlte sich leer an, ohne aber nagenden Hunger zu kommunizieren.
Was passiert aber genau in den ersten drei Tagen des Fastens? In den ersten 24 Stunden leert der Körper die Glykogenspeicher, am zweiten Tag sinkt der Insulinspiegel und Fettsäuren werden langsam zur Verbrennung hinzugezogen. Ab Tag drei wird die Ketogenese aktiviert. Dabei produziert die Leber Ketonkörper als Energiequelle. Während des Fastens vertieft sich die Ketose, was zu einer Erhöhung des β-Hydroxybutyrat-Spiegels (BHB) führt. Dieses wirkt als entzündungshemmender Signalstoff und schützt vor oxidativem Stress und schützt die Mitochondrien vor Schäden.
Mein Gewicht sank von 69 auf 66,8kg und der Blutdruck pendelte sich bei ca. 100/65 ein. Das erklärte sicherlich auch den leichten Schwindel, der mich immer wieder überfiel.
Tag 4-7
Eigentlich sollte es ab Tag drei leichter werden. Davon merkte ich allerdings nicht viel. Der Blutdruck war unverändert niedrig, aber nicht weiter abgefallen. Trotzdem hatte ich an Tag vier und fünf vermehrt Kreislaufprobleme und war mental ziemlich neben der Spur. Dazu beigetragen hat sicherlich aber auch der Tod meiner Omi. Dieser war zwar vorhersehbar und von uns allen gewünscht (sie ist 103 geworden und hatte in den letzten Monaten ziemlich abgebaut), trotzdem ging er nicht spurlos an mir vorbei. Aber auch ohne diesen wäre ich ziemlich gereizt, ungeduldig und nahe am Wasser gebaut gewesen. An diesen beiden Tagen saß ich seit langem mal wieder auf dem Kickrbike. Jeweils nur mit 90 bis 120W und nur 20-30 Minuten, aber mit dem Zeh kann ich noch keinen Druck aufbauen und der Kreislauf hat mich gebremst, länger zu strampeln.
An Tag sechs begann sich das Gewicht zu stabilisieren. Hatte ich zu vor jeden Tag etwa ein Kilo verloren, zeigte die Waage am Morgen das Gewicht vom Vortag an. Vormittags ging ich insgesamt ca. zwei Kilometer zum Einkaufen. Das ging noch recht gut, da ich langsam die Krücken entlasten darf. Dafür setzten die Kopfschmerzen ein, dazu kam nach dem mittäglichen Saft noch Übelkeit und immer noch war der Kreislauf instabil. Daher entschied ich, die Fastenkur etwas früher zu beenden und brach das Fasten bereits am Abend. Klassischerweise zelebriert man dieses mit einem Apfel, den man langsam isst und sorgfältig kaut. Ich entschied mich wegen des rebellischen Magens lieber für eine Banane, die ich innerhalb einer halben Stunde aß. Diese vertrug ich gut und merkte, wie mein Körper Energie bekam. Mir wurde richtig warm. Dafür überkam mich abends im Bett eine Gänsehaut nach der anderen, vermutlich, da der Zucker abgebaut war.
Am nächsten Morgen, dem Aufbautag gönnte ich mir einen Tee und zwei Knäckebrot mit körnigem Frischkäse. Da ich mich beeilen musste, um pünktlich den Bus zur Physio zu bekommen, aß ich etwas zu schnell, was aber keine bösen Auswirkungen hatte. Überhaupt zeigte mein Körper einen gesunden Appetit und aufgrund des Essens wieder etwas mehr Energie. Nach der Physio nahm ich den Bus zum Bahnhof und den Zug nach Travemünde. Dort verbrachte ich ein paar Stunden und genoss die Sonne und die Tatsche endlich einmal keine Rückenschmerzen vom Sofa zu bekommen. Mittags gab es einen Apfel und ein trockenes Knäckebrot. Abgerundet wurde der Abend durch eine leichte Kartoffelmöhrensuppe.
Morgen werde ich auch noch vorsichtig sein, mit dem Aufbau, dann darf aber wieder halbwegs normal gegessen werden.
Das war meine erste Fastenerfahrung. Im Moment weiß ich nicht, ob ich es noch einmal machen würde. Sicherlich war die Heilung des Zehs und der Nährstoffmangel keine optimale Kombination. Vor allem, da ich nur unter viel Anstrengung mobil bin und mich nicht gut durch Aktivitäten habe ablenken können. Ein anderer Punkt war, dass mein Jan nicht mitgefastet hat. Dies bedeutete natürlich, einen vollen Kühlschrank, Essensgerüche etc. Zu zweit macht so etwas sicherlich mehr Sinn.
Abgenommen habe ich in der Zeit ca. 5 kg, die aber schnell wieder da sein werden. Dies ist zum Einen der Darminhalt, aber auch Muskelmasse, die verschwunden ist. Mein Blutdruck war durchgehend ziemlich niedrig. Ich bin gespannt, wie lange ich nach der Kur auf mein Blutdruckmedikament verzichten kann. Ich werde die Werte im Auge behalten. Falls es euch interessiert – hier eine Tabelle. Wie genau meine Waage Fett- und Muskelanteil misst, kann ich nicht einschätzen. Laut Stiftung Warentest ist sie aber recht genau. Scheinbar habe ich aber mehr Muskulatur als Fett verloren. Zugegebenermaßen habe ich aber auch nicht so wahnsinnig viel Sport gemacht. Nur Krückenhumpeln, etwas Yoga und ein paar Kräftigungs- und Mobilitätsübungen.
Blutdruck
Gewicht (kg)
Fettanteil (%)
Muskelmasse (%)
11.06.
95/68
69,0
23,1
34,1
12.06.
102/68
68,0
23,9
33,1
13.06.
96/64
66,8
24,2
33,0
14.06
93/64
66,0
26,1
31,7
15.06.
98/65
65,4
26,7
31,2
16.06.
96/59
65,4
25,5
31,9
17.06.
102/68
64,6
26,6
31,0
Für mich hat das Fasten zunächst keine direkt erkennbare Veränderungen mit sich gebracht. Ich hoffe aber, dass die Autophagie etwas Müll aus dem Körper geräumt hat und der Darm sich erholen konnte. Falls ich noch einmal fasten sollte, dann nur mit meinem Freund zusammen und nur, wenn ich die Möglichkeit habe, mich leicht sportlich zu betätigen.
Für alle, die es einmal ausprobieren möchten: nur Mut! Gerade wenn die Ernährung nicht so toll ist, soll der Effekt gut sein und vor Hunger muss man keine Angst haben. Appetit ist durchaus ein Problem, das man mental durchstehen muss, aber ich hatte an keinem der Tage ein nagendes Hungergefühl. Ich bin ziemlich sensibel, was die Körperwahrnehmung angeht und reagiere stark auf Veränderungen. Sicherlich kämen viele andere deutlich besser mit dem Nahrungsverzicht zurecht.
Oder: Wenn man zu schnell für einen Empfang im Ziel ist…
Am vergangenen Wochenende startete ich beim Lübecker 7 Türme Triathlon auf der Olympischen Distanz. Hatte ich für die Sprintdistanz noch mit Trainingsplan vorbereitet, fehlte mir Zeit und Motivation für ein konsequentes Training. Natürlich schwamm und radelte ich, lief aber recht wenig, da die Arthrose in den Zehen wieder etwas Ärger machte. Mein letzter Lauf, einige Tage vor dem Triathlon, war frustrierend und vielleicht etwas besorgniserregend. Es waren nur etwa 9 km, bei denen ich zwischendurch zweimal gehen musste und eine ziemlich miese Pace ablieferte. Meine Erwartungshaltung an meine Triathlon-Performance war entsprechend gering.
Am Tag vorher hatte ich Dank Gartenarbeit und viel Schlepperei Muskelkater und war mir nicht sicher, ob nicht auch Gliederschmerzen im Spiel waren.
Die Wassertemperatur von 17°C machte mir die Entscheidung leicht, ob ich im Neo starten sollte oder nicht. Ich bin kein Fan davon, da ich mich im Schulterbereich eingeschränkt fühle und meine Wasserlage von dem Anzug auch nicht profitiert, aber eine Erkältung wollte ich auch nicht riskieren.
Am Samstag holte ich bei Nieselregen meine Startunterlagen und war noch zweimal bei Decathlon. Zunächst bemerkte ich, dass ich mein Startnummernband vergessen hatte. Also ab ins Auto und zu Decathlon. Natürlich waren die dort vergriffen. Also kaufte ich stattdessen einen Laufgürtel. Da konnte ich wenigstens noch Gel und Energygums verstauen. Beim Herauslegen der Klamotten fiel mir auf, dass ich auch meinen Sport-BH zu Hause vergessen hatte. Kurz überlegte ich, ob es notfalls ohne geht, aber nee, besser nicht… Also wieder zum Sportgeschäft und einen günstigen Sport-BH geschossen. Schließlich hatte ich alles zusammen und genoss den Abend mit meinem Schatz den Abend. Jan wollte am nächsten Tag etwas Rad fahren und anschließend zum Fotografieren und Zielempfang kommen.
Morgens radelten wir gemeinsam los. Jan auf seine Radrunde, ich einmal durch die Stadt zur Falkenwiese. Das Einchecken kannte ich ja bereist aus Hameln und wusste, worauf ich zu achten hatte. Einen Standplatz fürs Rad zu finden war schwierig, da sich viele Teilnehmer neben ihrem Rad ziemlich ausgebreitet hatten. Nach zwei Runden um die Radständer bat ich einen Teilnehmer, doch etwas zu rutschen. Ich bereitete meinen Platz vor und zwängte mich in meinen Neo. Natürlich meldete sich noch meine Blase, doch Dixieklos waren reichlich vorhanden. Dort bemerkte ich bereits das Blut im Polster. Nein, nicht das was ihr denkt, ich hatte mich leidlich bereits wund gefahren. Ein Haar-Follikel hatte sich vor einer Woche bei der Graveltour entzündet und war nun aufgegangen.
Aber Jammern war keine Option. Also Richtung Start und schon einmal das Wasser testen. Erwartungsgemäß war es frisch, im Neo aber sehr angenehm. Ich sortierte mich beim Schwimmen relativ weit vorne ein. Ich wusste zwar, dass sicherlich viele Schwimmer deutlich schneller sind, wollte aber selbst keine Kraft aufs Überholen verschwenden. Mit dem Startschuss ging das „Hauen und Stechen“ los, mit fast so viel Körperkontakt wie beim Judo. Nach einigen hundert Metern hatte sich das Feld jedoch auseinandergezogen und man konnte etwas freier schwimmen. Die Orientierung fiel mir schwer und ich war froh, viele andere Schwimmer um mich zu haben, da ich nur schwer erkennen konnte, wann welche Boje anzuschwimmen war. Auch meine Position im Feld konnte ich überhaupt nicht einschätzen, da mir die Zeit fehlte zurückzuschauen. Ganz so ruhig, wie geplant konnte ich nicht schwimmen, da man sich ständig nach rechts und links behaupten musste und die Gleitphasen oft gestört wurden. Trotzdem kam ich nach etwa 800 m halbwegs in meinen Rhythmus. Besser spät als nie. Nach 1500 m und 29:23 min. kam ich an und krabbelte aus dem Wasser. Prompt verlor ich meine Schwimmbrille, als ich meine Badekappe absetzte und musste noch einmal ein paar Meter zurücklaufen.
Da liegt sie, die Brille…
Am Rad pellte ich mich aus dem Neo. Dies kostete einiges an Zeit, da ich ihn an Uhr und Transponder am Fuß vorbeigekommen musste. Der Krampf im Fuß tat sein Übriges. Trotzdem ließ ich mir Zeit, um nichts zu vergessen. Nach zweieinhalb Minuten saß ich auf dem Rad und versuchte dort einerseits den Sitz-Schmerz zu unterdrücken und eine Geschwindigkeit zu finden, mit der ich zufrieden bin, aber meine Oberschenkel nicht zu sehr brennen. Letztlich landete ich im Schnitt bei etwa 31 km/h. Schneller als erwartet kam ich nach 35 Kilometern und 1:07 h im Wechselbereich an.
Dort wollten meine Laufschuhe nicht so wie ich, weshalb ich wieder knapp zwei Minuten benötigte, um auf die Laufstrecke zu kommen. Der Lauf war hart und ich hatte zunächst ziemlich taube Füße, ich fand jedoch einen Läufer, der ein für mich annehmbares Tempo lief und hängt mich an seine Fersen. Zum Ende der ersten Runde (à 5 km) hatte ich das Gefühl, mich eingelaufen zu haben, nach sieben Kilometern kämpfte ich jedoch nur noch. Nach 2:30:15 überquerte ich die Ziellinie. Leider ohne Empfang, da ich rund drei Stunden kalkuliert hatte und Jan entsprechend noch gar nicht da war.
Zunächst waren mir und meinem Kreislauf aber etwas zu Trinken wichtiger als eine Umarmung. Daher stellte ich mich bei der Versorgung an. Es gab belegte Brötchen, Waffeln, Müsli- und Energieriegel, Nüsse, und Obst und verschiedene Getränke. Nach einem Becher Cola ging es mir schon etwas besser und ich trat den Weg zu meinem Fahrrad an, packte meine Sachen zusammen und sah dabei auf dem Handy, dass Jan auf dem Weg war. Ich sendete ihm meinem Standort und wir trafen uns eine Viertelstunde nach meinem Zieleinlauf. Dann gab es auch die Umarmung von meinem Schatz :). Wir saßen noch eine Weile auf dem Sportplatz und machten uns anschließend auf den Weg nach Hause.
Dort stellte ich fest, dass auch meine Ferse etwas Blut verloren und meine weiße Socke sich dunkelrot verfärbt hatte. Gut, dass man so etwas während des Wettkampfs nicht alles mitbekommt. Mir hat der Sitzstress durch die offenen Stellen gereicht.
Nix für Weicheier 🙈
Abends auf dem Sofa schaute ich in die Ergebnislisten und – schau an – ich hatte den 7. Platz der Damen und den 1. Platz (pssst: wir waren nur zu zweit) meiner Altersklasse belegt. Wow!! Dass ich nicht langsam gewesen war, aber ich hatte mit einer Platzierung eher im Mittelfeld gerechnet.
Dies war definitiv eine tolle zweite Triathlonpremiere, dieses Mal jedoch für die OD. Ob ich diese Distanz noch einmal mache? Ich weiß es nicht. Es hat viel Spaß gemacht, ich habe jedoch zuvor auch viel trainiert und wie Jan so schön sagte „die Latte“ für kommenden Veranstaltungen auch „ganz schön hoch gelegt“. Aber wer weiß. Vielleicht möchte ich das Ganze noch mal unter 2:30h schaffen?
Einem Beitritt in einen Radverein habe ich bisher eher kritisch gegenübergestanden, da bei Ausfahrten oftmals die Pace im Vordergrund steht. Eine angenehme Ausnahme bietet hier schon der VCE Duderstadt, der sonntags eine entspannte Runde anbietet, bei der auch ich gut mitkomme. Ansonsten fahre ich ja aber doch meistens alleine oder mit meinem Freund. Vor einigen Wochen schrieb mich jedoch Christian an und unterbreitete mir einen interessanten Vorschlag. Christian ist gebürtig aus Hattorf, wohnt mittlerweile aber bei Düsseldorf. Wir kennen uns kaum, haben uns jedoch vor einigen Jahren einmal bei einer von mir organisierten Fahrt getroffen, bei der ich jedoch aus gesundheitlichen Gründen nur beim Start dabei war. Bei Strava verfolgen wir uns jedoch und ihm war aufgefallen, dass ich häufig in Lübeck bin und lud mich zu einer Tour des Vereins Ergebnis statt Erlebnis e.V. ein. Diese Graveltour führte am vergangenen Samstag 110km rund um Lübeck an. Die geborene Gravelfahrerin bin ich nicht, meldete mich jedoch einige Tage vor der Tour für den gemeinnützigen Verein und die Tour an. Der Beitrag beträgt jährlich 24€. Dafür kann man deutschlandweit an diversen Gravel- und Rennradtouren teilnehmen. Zusammen mit 21 weiteren Radlern trafen wir uns in der Nähe von Decathlon, der bei Jan gleich um die Ecke liegt.
Nervös war ich definitiv, da ich meine bisherigen Gruppenfahrten an einer Hand abzählen kann und nicht wusste, wie anspruchsvoll die Strecke wird. Vor Sand habe ich einen Riesenrespekt und auch wenn es zu holprig oder rutschig wird, fühle ich mich nicht so wahnsinnig wohl. Gelegentlich muss man da aber auch über seinen Schatten springen und da war ich. Sofort wurde ich nett begrüßt und willkommen geheißen. Da sich die 700 Mitglieder über ganz Deutschland verteilen, gibt es weniger Grüppchenbildungen und die Teilnehmer sind offen und interessiert. Henning, der Tourguide, begutachtete auch gleich meine Reifen und machte mir Mut, dass das gut gehen sollte.
Die Tour war für acht Stunden angesetzt. So ganz ernst genommen hatte ich das aber nicht und rechnete eher mit sechs. Wir rollten los, durch einige mir bekannte Orte, aber über viele mir bisher unbekannte Straßen. Ich lernte also viele neue Verbindungswege kennen, die teilweise auch für Rennradtouren interessant sind. Bis zum Pariner Berg waren wir asphaltlastig unterwegs. Das änderte sich danach. Da wir über eine kleine Abfahrt und einen fiesen Anstieg im Wald (Riesebusch) landeten. Von dort aus tingelten wir über Schotter und Asphalt zum Hemelsdorfer See, an dem wir die erste kleine Pause einlegten, bevor es über Trails und Brücken (die eigentlich eher den Fußgängern vorbehalte sind) Richtung Ostsee fuhren.
Schon in Niendorf wurde wieder pausiert und einige Teilnehmer gönnten sich ein Fischbrötchen. Über den feinen Schotter des Brodtner Steilufers führte uns der Weg – unterbrochen von einer Eis-Pause an der Herrmannshöhe nach Travmünde. Dort setzten wir mit der Fähre auf den Priwall über und unseren Weg rund um die Halbinsel fort. Langsam wurden die Wege auch anspruchsvoller. Quer durch Wiesen und holprig durch Wälder ging es mückenzerfressen über Dassow (Pause zum Wasserauffüllen und Kinderriegel verspeisen) und die Palinger Heide über die Herreninsel und nach Gothmund. Dort mussten wir schieben, da der idyllische Fischerort lediglich zu Fuß durchquert werden darf. Entlang der Trave soll wohl ein Weg sein, wenn man ihn so bezeichnen möchte. Mehr als ein schmaler Trampelpfad im hohen Gestrüpp war es nicht.
Auch weiter am Treidelpfad fuhr es sich eher anstrengend. Zwar war hier der Weg erkennbar, aber der Untergrund mit grobem Pflaster ziemlich unkomfortabel… Irgendwo hatte ich mir auch eine Zecke eingesammelt, die sich in meiner Kniekehle häuslich eingerichtet hatte.
Uli (im Hintergrund) und André bei der obligatorischen Food-Fotografie.ChristianFähre zum PriwallGothmundDas soll ein Weg sein?Treidelpfad
Knappe acht Stunden nach dem gemeinsamen Start versammelten wir uns zum Gruppenfoto vorm Holstentor. Dort dräuten bereits dunkle Wolken und der Wind frischte sehr auf. Es folgten die letzten paar Kilometer zum Startpunkt, wo Henning uns mit alkoholfreiem Flens und mich mit einer Zeckenkarte versorgte.
Die Tour war super geplant. Vielen Dank an den Tourguide Henning, an Christian fürs Anwerben, an meinen Schatz, der mich für einen Tag unserer heiligen Zeit freigegeben hat (Fernbeziehung halt…) und die anderen Teilnehmer für die nette Aufnahme.
Zuletzt danke ich Uli mit seinem Blog Gräwwel.de, bei dem ich mir einige Bilder gemopst habe.
Hier findet ihr die Tour auf komoot und meine Tour bei Strava.
Schon für das letzte Jahr hatte ich meine Triathlonpremiere geplant. Jedoch kamen mir Corona, andere gesundheitliche Problemchen und schließlich fehlendes Training aufgrund der Lübeck-Pendelei dazwischen. Zwar pendele ich immer noch, habe aber recht strikt mit einem Trainingsplan von tridot trainiert. Ich hatte zwar den Eindruck, dass das Training nur mäßigen Erfolgt zeigt, jedoch trainierte ich dadurch regelmäßig und vor allem auch wirklich alle drei Sportarten intensiv.
Eine Woche vor dem Wettkampf versuchte ich mich schon einmal mit einem Triathlon in Herzberg. 700 m Schwimmen im Jues (bei 17°C…), 30 km Radfahren und 5 km Laufen. Das lief schon ganz gut, wenngleich es natürlich anstrengend war. Die letzte Woche hielt ich mich, bis auf ein paar Tapering-, also Erholungseinheiten, zurück. Drei Tage vor dem Wettkampf gar nichts zu machen fühlte sich sehr schräg an, aber es sollte sich als eine gute Entscheidung erweisen.
Einige haben mich im Vornherein nach meinen Zielen gefragt. Das war schwierig zu beantworten, wenn man so etwas noch nie gemacht hat. Daher rechnete ich durchschnittliche Zeiten für alle drei Sportarten (500 m/20 km/5 km) großzügig zusammen und legte ein paar Minuten für die Wechsel drauf und landete bei 1:45h. Dies war meine angestrebte Zeit. Fürs Schwimmen legte ich 1:50 min/100 m an, Radfahren etwa 28km/h und Laufen eine 6er Pace (da ich nicht einschätzen konnte, wie müde die Beine dann bereits sind).
Vor lauter Nervosität konnte ich in der Nacht vor dem Wettkampf kaum schlafen und saß bereits um 7.30 Uhr im Auto. Um 9 Uhr kam ich in Hameln an und hatte reichlich Zeit, meine Startunterlagen zu holen, zweimal am Briefing teilzunehmen (sicher ist sicher), eine Kleinigkeit zu essen, mich umzuziehen und meine Wechselzone einzurichten. Da es sich in Hameln um einen Volkstriathlon handelt, waren die Teilnehmer auch eher entspannt und auskunftsfreudig. Triathleten haben oft ja doch einen eher schwierigen Ruf in Richtung arroganter Egoisten. Dies bewahrheitete sich jedoch zunächst nicht.
Kurz nach 10 trudelte mein Schatz mit seinen Kindern ein. Sie hatten sich extra aus Lübeck auf den Weg gemacht, um mich anzufeuern.
Gegen 11 Uhr startete ich mit fünf anderen Mädels auf einer Bahn im Freibad. Da es beheizt war, gab es ein Neoverbot, was mir auch ganz recht war. Wir sprachen uns kurz ab, wer welche Zeit anpeilt und sortierten uns vor. Leider hielten sich nicht alle an die Absprache, sodass ich jemanden vor mir hatte, die ihren Platz mit Zähnen und Klauen verteidigte und ich aber viel Kraft hätte investieren müssen, um sie zu überholen. So dümpelte ich im Wasserschatten hinter ihr her, und sparte Kräfte. Natürlich ärgerte ich mich trotzdem, da ich sicherlich auch eine Zeit von unter 9 Minuten auf den 500 m hätte schaffen können. Energieeinsatz und gewonnene Sekunden standen jedoch in keinem sinnvollen Verhältnis, weshalb ich entspannt aus dem Wasser kam und locker in den Wechsel starten konnte.
Fun fact: Wer sich nicht an einen Triathlon traut, da er nicht kraulen kann: nur Mut – heute waren ganz ganz viele Brustschwimmer unterwegs!
Bis zur Wechselzone waren es knapp 600 m, weshalb meine Zeit mit 4:25 min auch recht hoch ist. Gestresst habe ich mich aber auch nicht, da ich nichts vergessen wollte. An alles gedacht ging es mit dem Rad im Laufschritt zur Straße. Die Radstrecke war 20 km lang, die sich auf zwei Runden einer 10 km Wendepunktstrecke verteilte. Da ich mit meiner Uhr trackte, hatte ich meine Zeit nicht wirklich im Blick und orientierte mich an meiner Atmung und dem Gefühl in meinen Beinen. Tatsächlich lag ich mit 32,3 km/h recht deutlich über meiner angepeilten Geschwindigkeit. Cool, dass ich die ohne Windschatten (der ist ja beim Triathlon verboten) alleine drücken kann. Das hatte ich nicht erwartet. 20 km fahre ich aber ja auch eher selten…
Der nächste Wechsel war nur etwa 200 m lang und mit 1:30min. war ich ganz zufrieden.
Ich trabte los und hatte das Gefühl, kaum von der Stelle zu kommen. Ich schaute aber wenig auf die Uhr und fokussierte mich auf mein Geschnaufe und war im Ziel mehr als überrascht, eine Pace von 5:07min/km gelaufen zu sein, da meine Schrittfrequenz gefühlt recht langsam war.
Nach 1:18h war ich tatsächlich schon im Ziel. Total cool. Und ich war auch gar nicht rappelalle und vor allem: ich bin NICHT DISQUALIFIZIERT worden. Auch die drakonischen Strafen förderten meine Nervosität im Vornherein. Der Helm am Lenker MUSS offen sein. Sobald das Rad bewegt wird MUSS der Helm geschlossen auf dem Kopf sitzen. Ab dieser Linie MUSS man vom Rad sein, jene darf keinesfalls überfahren werden und und und… Letztlich hat es bei den Damen für den 36. Platz von 130 Teilnehmerinnen gereicht.
Jetzt bin ich optimistisch, dass ich irgendwie auch die Olympische Distanz im kommenden Monat in Lübeck schaffen kann. Toi, toi, toi.
Mein Schatz hat, zusammen mit den Kindern, den Tag zu einem ganz besonderen gemacht, den wir mit einem wohlverdienten Eis ausklingen ließen.
Lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen, da sich der Winter sportlich von seiner unspektakulären Seite gezeigt hat. Jedoch habe ich mir für dieses Jahr ein neues Ziel gesetzt. War es letztes Jahr der WakenitzMan, so habe ich mich in diesem Jahr für meine ersten zwei Triathlons angemeldet. Im Mai geht es los mit einer Sprintdistanz in Hameln. In Zahlen bedeutet das 500 m schwimmen, 20 km Rad fahren und 5 km laufen. Das klingt zunächst wenig aufregend, durch die Wechsel, die gerne als vierte Disziplin gesehen werden, wird es jedoch für mich sicherlich ambitioniert. Die sportlichen Wechsel (zumindest vom Rad zum Laufen) übe ich bereits, trotzdem wird das unter Zeitdruck noch einmal eine interessante Hausnummer. Ich plane dort jedoch auch nicht, Bombenzeiten abzuliefern, sondern zunächst zu schauen, wie mich bei einem solchen Spektakel erwartet. Im Juni wird es dann beim 7 Türme Triathlon in Lübeck auf der olympischen Distanz (1,5 km – 36 km- 10 km) ernst. Bisher fühlt sich das auch alles noch recht utopisch an. Ich habe sowieso den Eindruck, dass ich es beim Triathlon – anders als bei Laufevents – fast nur mit hochgezüchteten Sportfreaks zu tun haben werde. Sicherlich ist es auf einer Sprintdistanz noch einmal etwas anders, aber spätestens bei der olympischen geht mir schon etwas die Düse.
Bisher war ich erst einmal mit dem Rad an der Luft und trainiere ansonsten noch auf dem Kickrbike. immerhin bin ich jetzt für zwei Monate mit einem Trainingsplan von Tridot unterwegs, der mich dazu nötigt, fleißig Intervalle zu schrubben, was nicht unbedingt zu meiner bevorzugten Trainingsart gehört, aber bekanntlich am effizientesten ist. Bei Tridot hatte ich mich für das Preseason Project beworben und erhalte dort variable, auf mich zugeschnittene Pläne, die neben Arbeit und Fernbeziehung schon gut zeit kosten, wobei ich sie bereits auf den niedrigsten Umfang gesetzt habe. Sechs Tage die Woche bin ich jeden Tag circa eine Stunde am Laufen, schwimmen oder Rad fahren. Da ist es hilfreich, dass ich unter der Woche alleine lebe und niemandem damit auf die Nerven gehe. Sobald das Wetter mich wieder häufiger mit dem Rad nach draußen lockt, werde ich wohl hie und da vom Plan abweichen. Aber für den Beginn versuche ich zunächst alles umzusetzen, um beim Wettkampf nicht vom Besenwagen überrollt zu werden.
Montag bis Donnerstag Ein Schwimmtraining……mit weiteren Infos
Parallel ist auch Abspecken abgesagt. Nicht nur, dass ich letztens gelesen habe, dass es beim Triathlon kleine und leichte Menschen leichter haben, auch die Waage hat mir – nachdem ich sie einige Monate ignoriert hatte – erschreckende Daten mitgeteilt. Deshalb kämpfe ich seit einem Monat seeehr mühsam um jedes Gramm. Von purzelnden Pfunden keine Spur, aber vielleicht schaffe ich bis Ende des Monates noch die letzten 1,5 von 3,5 kg. Nur die Süßigkeiten am Abend wegzulassen reicht wider Erwarten nicht. Auch NOCH mehr Gemüse hilft nur bedingt, da der Hunger irgendwann unerträglich und ich mich ihm anpasse. Auch der Verzicht auf Kohlenhydrate verträgt sich nicht gut mit dem Sportprogramm. Daher versuche ich es mit etwas weniger Kohlenhydraten und allgemein noch gesünder zu essen und weitestgehend auf die süßen Sünden zu verzichten. Vielleicht klappt es besser, wenn ich wieder and er frischen Luft radele und die Strecken länger werden. Über 40 km komme ich indoor nur selten… Die 70 kg sind so oder so das Ziel. Natürlich nicht nur für den Sport, sondern vielmehr für mein Wohlgefühl.
Auch wenn nicht alles ganz rund läuft und ich auch gesundheitlich noch das ein oder andere abklären muss, bin ich ziemlich motiviert und freue ich mich auf die Saison mit hoffentlich auch wieder längeren Touren. Letztes Jahr war es definitiv zu wenig :).
Oder: wenn man die Medaille gar nicht mehr ablegen will…
Ende des Jahres erzählte mir Jan von einem Langstrecken-Schwimmevent erzählt, welches vom Ratzeburger See über die Wakenitz 14 km nach Lübeck führt. Ich war sofort Feuer und Flamme, da ich ja vor einigen Jahren schon einmal bei einem 24h Schwimmen 13 km geschwommen war. Allerdings im Hallenbad… Definitiv ein Unterschied in vielerlei Hinsicht. Aber fangen wir vorne an:
Die Anmeldung war im Februar, als an Schwimmen noch nicht zu denken war. Während des Schwimmcamps im Januar hatte ich mir ja die Schulter verletzt und habe erst im Mai wieder vorsichtig mit Schwimmen angefangen. Auch wenn ich nach der Zwangspause einen kleinen Tempoverlust bemerkte, lief es ganz ok und ich kam nicht auf die Idee, die Anmeldung zu revidieren. Ähnlich wie bei den Cyclassics war die Training nicht sehr ausführlich. Gerade mal etwas über 50km war ich seit Mai geschwommen, mit sechs Kilometern als längster Distanz.
Bis ich mir die Ergebnisliste des letzten Jahres und die Zielschlusszeit mit 5:30h angeschaut hatte, war ich auch recht optimistisch. Die Ergebnisliste zeigte ganz deutlich, dass ich es dort nicht mit Hobbyathleten wie mir – sondern starken Triathleten und Leistungschwimmern zu tun hatte. Noch setzte ich aber auf die Flussströmung und hoffte auf ein paar „Normalos“, wie mich.
Am Samstag holten wir uns das Kanu von Jans Freund Stefan, transportierten das überraschend schwere Gerät nach Rothenhusen und versuchten uns ein paar Meter im Paddeln. Ohne Übung pendelten wir lustig von rechts nach links und links nach rechts und kamen nicht so recht in Fahrt. Jan wurde hier langsam nervös, da er mich ja am Folgetag mit seiner Freundin Cathrin begleiten sollte. Und das möglichst ohne mich, oder andere Schwimmer zu überfahren…
Am Sonntag den 27.08. klingelte der Wecker um 4.40 Uhr. Nach einem schnellen Frühstück trafen wir uns um 5.30 Uhr mit Cathrin an Stefans Garten und fuhren von der mit einem Auto Richtung Falkenwiese (Endpunkt des Rennens), wo wir in den Shuttlebus umstiegen. Ehrfürchtig sah ich mir die anderen Schwimmer an und konnte schon ahnen, dass ich eher hinterher schwimmen würde.
Ankunft in Rothenhusen
In Rothenhusen angekommen, kümmerte sich Jan ums das Boot, Cathrin um die Anmeldung des Boots und ich um meine Startunterlagen. Ich frohr bei etwa 13 Gard Lufttemperatur in meiner Jogginghose schon jetzt und wollte mich gar nicht wasserfertig machen. Über den Badeanzug zog ich schließlich den kurzen Neoprenanzug meiner Konkrektorin, den sie mir dankenswerter geliehen hatte. Leider war es kein Schwimmneo, so dass er hydrodynamisch nur so semioptimal war, aber bei 20 °C Wassertemperatur nach einer gewissen Zeit nötig ist. Mein Neo wäre ok gewesen, wenn ich darin nicht aufgrund der langen Ärmel immer so schnell lahme Arme bekäme.
Warten am Start
Nach einer kurzen Einweisung fiel um 8 Uhr der Startschuss und der Großteil des Feldes flog an mir nur so vorbei. Bei der Einweisung erfuhr ich, dass auch Profis dabei sind, wie die fünffache Deutsche Meisterin im Langsstreckenschwimmerin – Louisa Obermark. Auch viele andere Athleten, die laut Internet regelmäßig an Deutschen oder Landesmeisterschaften im Schwimmen und Triathlon dabei sind oder sich gar Weltmeister im Eisschwimmen nennen dürfen waren anwesend. Lediglich wenige Schwimmer blieben auf den ersten Kilometern in meiner Nähe. Um einen Tempovergleich zu haben: Während ich knapp 3 km/h schwamm, schwammen die schnellsten Schwimmer über 4 km/h. Ich ließ mich davon nicht verrückt machen und versuchte in einen gleichmäßiges Schwimmen zu kommen und das Kanu meiner Begleitung zu finden. Bis ich Sichtkontakt hatte, dauerte es auch eine Weile. Dann waren sie jedoch meistens nah bei mir, kämpften jedoch auch heute mit der Steuerung des Boots. Im Boot hatten sie warme Getränke (Brühe und Isodrink), Energyballs und Fruchtriegel, mit denen sie mich versorgten. Viel Essen nahm ich nicht zu mir und mehr als einen dreiviertel Liter auch nicht getrunken. Leider gab das GPS meiner Uhr nach 4,8 km auf, sodass ich ab dann keinerlei Orientierung hatte, wie weit es noch ist. Ich bemerkte es zunächst nicht und war mir sicher, dass ich das Ganze nicht in 5:30 h schaffe würde. Da ich mit Musik und Ohrstöpseln schwamm (Shoks OpenSwim und Bollsen Watersafe+), war eine Kommunikation mit Jan und Cathrin dazu auch schwierig. Im Nachhinein sagten sie mir, dass Kilometerangaben am Rand standen. Mir blieb in der Situation nur, mich auf mich und meine Technik und das Wasser inklusive der Fahrrinne zu konzentrieren und nicht zu sehr über die Restdistanz oder meine Zeit nachzudenken. Außerhalb der Rinne musste man sich schnell durch allerlei Pflanzen (Algen, Seerosen & Co kämpfen, was zusätzlich Kraft kostete).
Bitte lächeln!
Nach 2,5 h fingen meine Waden etwas an zu krampfen. Ich verringerte die Intensität des Beinschlags etwas und so ging es wieder. Die ersten drei Stunden kraulte ich tatsächlich durch (ich wusste nicht, dass das kann) und legte erst dann immer wieder kurze Brustschwimm-Einheiten ein. Etwa 5 km vor dem Ziel konnte man bereits die Türme der Stadt sehen und ich dachte, dass es dann nicht mehr weit sein könne. Das war jedoch ein Irrtum… Vor allem die letzten 4 km zogen sich wie Gummi. Immer wieder zogen Schwimmer an mir vorbei, jetzt jedoch nur noch die der Zweier- und Viererstaffeln, die fünfzehn bzw. dreißig Minuten nach uns gestartet waren. Nach viel wunderschönem ursprünglichem „grün“ – die Wakenitz heißt nicht umsonst auch „Amazonas des Nordens“ wurde das Ufer kurz vor Lübeck belebter. Teilweise reihte sich eine prachtvolle Villa an die andere. Wirklich genießen konnte ich die Aussicht beim Kraulen jedoch nicht.
Nach 5 h sah ich endlich die Bojen des Ziels und auf den letzten Metern war meine Playlist bei dem Song „Fighter“ von Christina Aguilera angekommen, der mich ins Ziel trug. Nach dem Anschlag an der Zieltafel hangelte ich mich etwas unbeholfen die Treppe ins Schwimmbad hinauf. Dort bekam ich meine Medaille umgehängt und stürzte mich zunächst auf das schon ziemlich leergefutterte Buffett und ergatterte noch ein halbes Käsebrötchen, Kuchen und einen Kaffee und suchte – zunächst erfolglos – meine Kanubegleiter. Mir war extrem kalt und es verlangte mich nach einem Handtuch, Dusche und trockener Kleidung. Schließlich sah ich die beiden doch, die sich nach Klamottenübergabe wieder ins Kanu setzten, um dieses zu Stefan zurückzupaddeln. Unter der heiß ersehnten – oder ersehnten heißen – Dusche sah die ich die Hinterlassenschaften des Neos auf der Haut: diverse Striemen an Brustkorb, Hals, Achsel und Schlüsselbein. Aber wie heißt es so schön: der Schmerz geht, der Stolz bleibt. Bezüglich des Schmerzes bin ich überrascht. Am Abend massierte mir Jan noch die Waden, Rücken und Arme, sodass ich – bis auf eine latente Müdigkeit – keinerlei Beschwerden am Folgetag hatte.
In der Gesamtwertung hat den WakenitzMan übrigens Louisa Obermark (in 3:12:32) gewonnen, gefolgt von Bettina Lange (Deutsche Meisterin im Triathlon). Erst auf Platz 3 folgt der erste Mann. Unglaublich, wir stark das Frauenfeld war!
Mich verschlug es mit 5:09 h auf den 36. von 40 Plätzen, bei den Damen auf den vorletzten Platz. Trotz meines Ehrgeizes bin ich völlig zufrieden damit und von mir selbst überrascht. Mit einem Tempo von 2:13min/100m liege ich etwas unter meinem üblichen Freiwassertempo. Im Becken bin ich deutlich schneller, aber im Freiwasser fehlen mir die Wenden, durch die ich schnell werde. Zudem war die Challenge, die 14 km zu schaffen – und das habe ich. Und vielleicht ist eine solche Distanz für viele der von mir vermissten Gelegenheitsschwimmer einfach zu groß. Für 52 Euro habe ich eine gut organisierte Veranstaltung erlebt, mit Busshuttle, Snacks und Getränke für die Kanuten, einem kostenlosen, hochwertigen Finishershirt, Badekappe, Zielverpflegung, Medaille und Urkunde. Den Ärger zweier Teilnehmer gestern über die Kosten konnte ich nicht nachempfinden! Ich werde so bald vermutlich nicht mehr teilnehmen, da ich doch sehr auf den Boden der Tatsachen geholt wurde, dass ich neben „richtigen“ Schwimmern eher eine lahme Ente bin, aber ich empfehle des Rennen auf jeden Fall ambitionierten Schwimmern weiter! Und wer weiß – vielleicht muss ich es mir irgendwann noch einmal beweisen.
Erst Corona (nicht schlimm, aber ich habe mich monatelang nicht so richtig fit gefühlt), dann diverse Termine und viele Fahrten in den Norden, Bayern-Radltour und eine dicke Erkältung hinterher sorgten dafür, dass meine Vorbereitung auf die Cyclassics – sagen wir – „ausbaufähig“ war. Kilometer sammeln konnte ich auch in Bayern, richtige Tempofahrten fehlten in den letzten Monaten – vielleicht sogar in diesem Jahr – gänzlich.
Mein Freund Jan hatte sich nach einigen Jahren Cyclassics- und Rad-Abstinenz ebenfalls angemeldet und war sicherlich noch etwas schlechter vorbereitet, da er in diesem Jahr seinen ersten 100er ebendort fuhr.
Morgens fuhren wir von Lübeck nach Hamburg, tranken noch ein Käffchen, zogen uns um und rollerten zum Start, beziehungsweise unseren Startblock „I“. Am Tag vorher gab es Curry, unter anderem mit Kichererbsen, Linsen und Sojasprossen und irgendetwas daran war nicht gut. Ob es ein Protein-Overload war oder die Sprossen verdorben waren, uns ging es beiden nicht so gut. Ich litt nachts unter leichter Übelkeit und im Startblock war mir ziemlich flau und meine Knie waren etwas weich, Jan ging es zu diesem Zeitpunkt noch gut.
Gegen 9.20 Uhr setzte sich unser Startblock in Bewegung und ich hatte schon vorher mit Jan abgesprochen, dass ich trotzdem versuche, auf Tempo zu fahren. So sah er mich wohl nach einigen hundert Metern nicht mehr, da ich mich bereits an irgendwelche Hintern schnellerer Fahrer geheftet hatte. Ist das Pärchenkonform? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich, wenn ich ein Startgeld bezahle auch alles gebe, um hinterher zufrieden mit meiner Leistung zu sein. Sicherlich nicht das beste Sozialverhalten, aber ich hoffe sehr, dass meine bessere Hälfte mir das nicht übel nimmt. Ein bisschen „Diva“ bin ich halt doch. Jedenfalls kam ich erst einmal gut voran und hatte die ersten dreißig Kilometer einen Schnitt von 40 km/h auf dem Tacho stehen. Dieses Tempo – das merkte ich schon jetzt – war für mich nicht zu halten, aber eine gute Grundlage. Und so hangelte ich mich von Gruppe zu Gruppe, fuhr aber auch immer wieder mehrere Kilometer im Wind, um an eine andere Gruppe anzuschließen. Hier gab es ein schönes Erlebnis. Nachdem ich zwei oder drei Kilometer erfolglos und ziemlich am Limit versucht hatte meine Gruppe (oder zumindest mich) an die nächste zu ziehen, zog ein Fahrer (ich meine, sein Name war Markus) an mir vorbei, um mich abzulösen. Sein Tempo war aber so hoch und ich so erschöpft, dass ich nicht anschließen konnte. Vorher rief ich ihm aber noch ein „Dankeschön“ zu. Plötzlich drosselte er aber das Tempo, als er merkte, dass ich abriss und passte sich mir an. Unglaublich, was für tolle Menschen man teilweise auf der Strecke trifft. Nach und nach verließen mich aber meine Kräfte und ich wurde immer langsamer. In Wedel gab ich nochmal alles, da ich ahnte, dass Stefan, mein Retter vom letzten Jahr, mit seiner Frau am Straßenrand stand. Alles ging jedoch so schnell, dass ich zwar an der entscheidenden Stelle winkte, die beiden aber nicht in der Menschentraube identifizieren konnte. Sie mich allerdings schon. Und sie schafften es sogar, mich zu filmen! Nach Wedel erwarteten mich die einzigen Höhenmeter der Tour, die ich nur langsam angehen konnte, da ich sonst vermutlich über den Lenker gebrochen hätte. Zumindest war das flaue Gefühl im Bauch wieder da. Eigentlich wollte ich die letzten 15 km noch einmal angreifen, dazu fehlte mir aber die Kraft und so fuhr ich ohne Gruppe, aber auf Höhe einer netten älteren Dame aus Schweden (Malin). Wir motivierten uns gegenseitig auf den letzten Metern, sodass ich mit einem Schnitt von 37,3 km/h nach 2:41 h durch den Zielbogen fuhr.
Etwas später erfuhr ich leider, dass es Jan nicht so gut ergangen war. Das Essen rächte sich bei ihm deutlich stärker, sodass er kaum Spaß am Fahren hatte und ziemlich frustriert ins Ziel kam. Vielleicht sollten wir – falls wir noch einmal ein Rennen fahren – vorher etwas trainieren und keine Essensexperimente machen. Gerade letzteres tut mir unendlich Leid. Etwas frustriert saßen wir noch eine Weile an der Alster, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Nächsten Sonntag steht das nächste Abenteuer an… Stay tuned….
Im letzten Jahr nahm ich bei Facebook bei einem Gewinnspiel des „Fränkischen WasserRadwegs“ teil und gewann gleich zwei Startplätze für die Radltour des Bayerischen Rundfunks. Davon hatte ich als Norddeutsche bis dato noch nie etwas gehört und musste mich zunächst belesen. Bei der Veranstaltung geht es nicht um Leistung, sondern geselliges Radeln mit Touren über meistens 80 bis 90 km pro Tag und einem kostenlosen Konzert am Abend. Meine Sachen waren im letzten Jahr bereits gepackt, als mich eine Corona-Infektion erwischte. Ich war wahnsinnig traurig und konnte tatsächlich aushandeln in diesem Jahr starten zu dürfen, wenngleich die diesjährige Tour weit weg vom Fränkischen WassserRadweg war.
Ich freute mich schon Wochen vorher auf die Tour, fand jedoch auch für dieses Jahr niemanden, der mich begleiten wollte. Also gab ich meinen Startplatz innerhalb der Radltour-Community ab und machte mich alleine am 29.07. auf den Weg Richtung Bamberg. Ab Bamberg hatte ich mich in einen der beiden Sonderzüge eingebucht, die die Teilnehmer zum Startort Murnau bringen. Schon am Bahnsteig lernte ich die ersten anderen Teilnehmer kennen, die mir schnell die Sorge nahmen, mich auf dieser Veranstaltung alleine zu fühlen. Der Zug rollte ein und unsere Räder wurden die Frachtabteile verladen, wobei sich mein Rad leider eine kleine „Schürfwunde“ zuzog. Da es aber nicht der erste Kratzer am Gravel ist, konnte ich das verschmerzen. Während der Zugfahrt lernte ich Monika kennen, die sowohl die musikalische Leidenschaft, als auch die für das Radfahren mit mit teilte. Wir verstanden uns auf Anhieb und verbrachten im Laufe der nächsten Tage immer wieder Zeit miteinander. Sie war mein Hauptbezugspunkt, wobei wir natürlich beide auch anderweitig viel Kontakt fanden.
In Murnau wurden zunächst in einem Zirkuszelt die Startunterlagen ausgeteilt und wir den einzelnen Turnhallen zugewiesen. Der Luxus von Privatsphäre ist einem auf dieser Tour nicht vergönnt, was mich jedoch nicht abschreckte. In den Infoblättchen zu jedem Tag standen alle wichtigen Zeiten und Orte vermerkt, sowie Frühstückszeiten und Organisatorisches, sodass eigentlich wenig schief gehen konnte. Die Radstellplätze sowie die Hallen wurden stets bewacht, sodass ich mir um mein Rad kaum Sorgen machen musste. Nachdem ich meine Matratze bezogen hatte, machte ich mich auf den Weg Richtung Festgelände, auf dem ich jedoch nur wenig Zeit verbrachte, da am ersten Abend Schlager auf dem Programm stand. Weder Max Weidner noch Nik P. („Ein Stern, der deinen Namen trägt“) waren so ganz mein Musikgeschmack. Daher flanierte ich stattdessen etwas durch den hübschen Ort.
Unser NachtlagerMurnau
Am nächsten Morgen ging es endlich los. Um Punkt 9 Uhr rollte der Tross – bestehend aus 1000 Radlern und etwa 500 Tagesradlern – in einem Rundkurs durch das wunderschöne Murnauer Moos Richtung Penzberg. Schon nach wenigen Kilometern setzte der Regen ein und begleite uns immer wieder, jedoch unterbrochen von sonnigen und warmen Abschnitten. Sowohl die Trinkpause als auch die Mittagspause auf dem Gut Hub bei Penzberg waren zum Glück warm und trocken. Immer wieder gab es schöne Ausblicke und die Alpen im Hintergrund zu genießen. Mit uns unterwegs, sehr sympathisch und immer mitten drin, war der frühere Landesbischof Bayerns Heinrich Bedford-Strohm. Nach 80 Kilometern endete die Tour und wurde abends durch ein grandioses Konzert von Nik Kershaw abgerundet, bei dem Band und Sänger musikalisch absolut überzeugten und starke Soli ablieferten, sowie als Gruppe toll harmonierten.
FrühstückDer erste Schauer……sollte nicht der letzte seinEhemaliger Bayerischer LandesbischofNik Kershaw
Am Montag verließen wir nach einer unruhigen Nacht Murnau, nachdem wir unser Gepäck beim THW abgegeben hatten, Richtung Bruckmühl. Heute begleitete uns Markus Söder, der jedoch durch die Security stets von uns abgeschirmt wurde. Die Mittagspause fand an diesem Tag in Valley statt und wurde von der Valleyer Schlossbräu ausgerichtet. In Valley findet sich das nebenbei auch das größte Orgelzentrum der Welt, dessen Sammlung mehr als 60 Orgeln umfasst. In Bruckmühl waren wir in einer Halle etwas außerhalb untergebracht, weshalb ich den örtlichen Supermarkt aufsuchte und den Abend an der Halle verbrachte und die Konzerte von Felicia Lu und Malik Harris schwänzte. Nach der schlafarmen Nacht zuvor tat das ganz gut.
Am StartValley
Der dritte Tourtag begann mit Regen und blieb auch bis zur Zieleinfahrt in Traunstein eher grau. Der Chiemsee lud in der Mittagspause definitiv nicht zum Schwimmen ein. Dafür wurden wir von viel Folklore (Musik, Schuhplattlern und Goaßelschnalzern (Rhythmisches Peitschenknallen)) unterhalten. Letzteres sahen wir am Vortag übrigens auch am Straßenrand. Überhaupt gaben sich die Zuschauer große Mühe. In jedem Ort wurde geklatscht und gejubelt, manchmal mit Alphörnern, Akkordeons oder Blasinstrumenten musiziert, geschossen (zum Glück nicht auf uns!), getanzt oder einfach die schönsten Dirndl und Trachten vorgeführt. Vor Traunstein erwartete uns noch eine Trinkpause bei unserem Getränkesponsor Bad Adelholzener, der jeden Tag ein- oder zweimal Getränke bereitstellte, die durch die Bananen vom AOK für Sättigung und Durstlöschung sorgten. Zur Pause führte allerdings ein ziemlich steiler Weg, der für einige mit 12% Steigung zu viel war. Da das Tempo sehr schnell sehr langsam wurde, sprang auch ich ab und schob die letzten Meter. Auch die Vorsteherin der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul (die Bad Adelholzener betreiben) fuhr die Etappe mit uns mit. Im Habit, also der Ordenstracht, strampelte die ältere Dame unbeeindruckt mit uns mit. Schon bald waren wir in Traunstein. Dort erwarte uns das Konzert von Lena, welches leider kaum auszuhalten war. Zu albern, kindisch, affektiert brachte es mich dazu, das Konzert bereits nach einer halben Stunde wieder zu verlassen.
Mit Polizeikorso zum StartMonikaAm ChiemseeBad Adelholzener In Traunstein
Nach einem Supermarktfrühstück starteten wir ohne Packstress um 9 Uhr zur die nächste Etappe. Heute stand wieder ein Rundkurs mit 500 Tagesradlern und 100 BR Mitarbeitern an. Am Chiemsee ließ sich während der Pause heute sogar die Sonne wieder blicken und die Tour war mit 82 km wieder sehr entspannt. Das Tempo des Tross´ lag grundsätzlich bei schätzungsweise 18-20 km/h, was für einen Gravelfahrer schon ambitioniert langsam ist. Daher hatte ich mir ab der ersten Etappe angewöhnt weit hinten zu starten und am Feld vorbeizufahren, um dann Pausen zu machen, um das Feld wieder an mir vorbeiziehen zu lassen. Wahnsinnig schnell war ich damit auch nicht, kam jedoch auch mal auf einen Schnitt von 24 km/h. Plötzliches Stocken, Gedränge und das Schieben an Hügeln machten ein schnelleres Fahren – ohne die anderen zu nerven oder zu gefährden – unmöglich. Durch diese Taktik kam auch ich sportlich auf meinen Spaß und fand immer wieder Anschluss an andere schneller fahrenden Teilnehmer. Mein Bekanntheitsgrad war durch das Diva-Outfit schnell recht hoch, sodass es manchmal hieß: „Achtung, Diva überholt!“ oder ich auch namentlich gegrüßt wurde. Auch mit dem Sanitäter auf dem Motorrad verstand ich mich gut, da er mir immer wieder den Weg an Anstiegen frei fuhr und ich mich an ihn hängen konnte. Das musikalische Highlight erwartete uns an diesem Abend mit Michael Patrick Kelly, der alle mit seiner Stimme, Präsenz und Authentizität alle 12.500 Besucher in seinen Bann zog.
Wieder der Chiemsee MittagspauseBayerns OlympionikenBad Adelholzener Es geht bergauf
Die 5. Etappe startete regnerisch, aber es wurde schnell trocken. Nach einigen Kilometern ruckte allerdings mein rechter Schalthebel und sagte dann gar nichts mehr. Im schwersten Gang strampelte ich bis zur Trinkpause. Die rollende Werkstatt hatte zum Glück genug Zeit, den gerissenen Schaltzug gleich zu tauschen. Toll ist, dass man hier nur den Materialpreis zahlt. Das Kaffeekassen-Schwein fütterte ich natürlich großzügig. Zwar hakelte nun die Schaltung, ich kam aber ohne Probleme mittags in Neuötting an. Dort sang für uns der „Polizeichor“, also unser Begleitkorso und die ganze Innenstadt war im Ausnahmezustand. Ich suchte erneut die Werkstatt auf und wurde grinsend begrüßt. „Gib es zu, du hast uns so vermisst, dass du mit deinem Multitool die Schaltung verstellt hast!“ Nach dieser zweiten OP lief das Rad halbwegs flüssig und es ging weiter nach Herbertsfelden, wo uns der Radhändler Radlerherz nicht nur Getränken beglückte, sondern auch mit Eis und Trinkflaschen. 40 Minuten später erreichten wir Pfarrkirchen, wo wir den Abend mit einem Konzert von Sasha ausklingen ließen. Dieser war für Sandra eingesprungen und wirkte anfangs fahrig und unvorbereitet. Im Laufe des Abends fand er jedoch in seine Rolle und sorgte für gute Stimmung. Die Stimmung der Radler kippte bei einigen im Laufe der letzten Tage, was man an den Gesichtern und dem Verhalten ablesen konnte. Ging es um begehrte Schlafplätze in der Halle, wurden immer mehr die Ellbogen ausgefahren, im Shuttlebus schon mal jemand herausgeschubst und wehe man wagte es in die vordersten Reihen vorzufahren! Da dürfen scheinbar nur diejenigen sich aufhalten, die seit mindestens zehn Jahren dabei sind. Aber davon ließ ich mir nicht die Laune verhageln. Dieses waren ja nur Einzelpersonen, die sicherlich mit ihrer Erschöpfung oder anderen Problemen zu kämpfen hatten. Und dass mir angeboten wurde ganz ganz vorne mitzufahren verschweige ich wohl besser 😉.
Bei Radlherz
Der letzte Tourentag begann mit einem kostenlosen umfangreichen Frühstück am Markt. Anschließend setzte sich die auffallend dezimierte Gruppe (ich tippe auf 800 Radler) Richtung Nordosten in Bewegung. Nach einer Trinkpause in Arnstorf pausierten wir mittags im Aldersbacher Kloster. Natürlich gab es auch hier eine Brauerei. Mittlerweile hatten einige Radfahrer drei bis vier Bier intus. Das irritierte mich schon etwas. Sicherlich sind die Bayern, was Bierkonsum angeht, etwas anders gestrickt, jedoch passend Alkohol und Rad fahren für mich nicht zusammen, vor allem, wenn man konzentriert im engen Feld fährt. Vermutlich waren die zahlreichen – teils schweren – Unfälle nicht dem Alkohol geschuldet, trotzdem finde ich die Akzeptanz des Veranstalters und der Polizei, dass einige sich nach mehreren Flaschen Bier aufs Rad setzen schwierig. Trotzdem kamen die meisten heile in Vilshofen an, wo man sich in den Armen lag und ausgelassen getanzt wurde. Bald suchte ich jedoch die Halle auf um mich auf den Abend vorzubereiten, den Alvaro Soler gestaltete. An das Konzert hatte ich wenig Erwartungen, war jedoch von seiner Authentizität, Präsenz und dem Spaß mit seinen Bandkollegen begeistert. Mit vielen seiner bekannten Songs wurde das Publikum nach wenigen Takten mitgerissen. Ein sehr gelungener Abschluss einer tollen Woche.
Kloster Aldersbach
Trotz Schniefnase bin ich froh, bei der Radltour dabei gewesen zu sein. Ich habe viele nette und teilweise bewundernswerte Menschen kennen gelernt und viele schöne Orte gesehen. Gerne komme ich wieder zum Radeln nach Bayern, vielleicht sogar irgendwann wieder einmal zur Radltour.