Mit Halloween habe ich ja nicht allzu viel am Hut. Und da wir den klingelnden Kindern entgehen wollten, bastelten wir uns mal wieder eine schöne Tour. Diese wollten wir dieses Mal allerdings nicht bei Tageslicht fahren. Bei der Planung auf Komoot fiel mir Bad Heiligenstadt ins Auge. Dort war ich noch nie. Weder per Rad noch mit dem Auto. Also entwarf ich eine etwa 97 km lange Runde mit knackigen 950 Höhenmetern.
Mit Sven und Kai fuhren wir noch bei Tageslicht gegen 16.30 Uhr los. Klar, das war für einen klassischen Nightride recht früh, aber im Herbst wird es so früh dunkel, dass wir schon eine Stunde später in der Dunkelheit unterwegs waren. Anfangs hatte ich arg mit der Technik zu kämpfen. Die von mir geplante Route wollten wir anders herum fahren. Der Rox 12.0 hat die Funktion „Route umkehren“, aber irgendwie war die Anwenderin nicht so ganz in der Lage die Routenführung richtig zu starten. Irgendwann hatte ich den Kampf mit dem Gerät aber gewonnen und es ging ohne weitere technische Schwierigkeiten weiter. Zunächst fuhren wir auf altbekannten Pfaden nach Duderstadt. Von dort aus ging es über Tiftlingerode nach Thüringen.
Auf zum Teil wundervollem Asphalt ging es recht hügelig, aber zügig voran, so zügig es bei steifem Gegenwind eben geht. Wieder einmal war ich froh, nicht alleine unterwegs zu sein und im Windschatten fahren zu dürfen. Wir genossen den Vollmond, der eine besondere Atmosphäre zauberte.
Fies wurde es ab Neuendorf. Statt über die Landstraße leitete uns komoot über einen steilen und holprigen Plattenweg. Irgendwann musste ich mich geschlagen geben und einige Meter schieben, da ich ansonsten vom Rad gekippt wäre, da der Vortrieb nicht mehr vorhanden war. Kai und Sven fuhren tapfer die Steigung hinauf, mussten aber auch ganz schön kämpfen.
Mit Vollmond statt Sonne
Über Schotter ging es weiter bis wir endlich wieder auf die Landstraße stießen. Zwar ging es ab da weitestgehend bergab, der Gegenwind raubte mir aber weiterhin die Kräfte, sodass ich bergab die Jungs doch ausbremsen musste. Endlich in Bad Heiligenstadt angekommen schlug Kais Bruder Sven eine Routenänderung vor. Bis jetzt weiß ich nicht, ob das eine bessere Idee war. Das Höhenprofil veränderte sich auf jeden Fall zu meinem Gunsten. Anstatt relativ hügelig ziemlich direkt nach Ebergötzen zu fahren erweiterten wir die Runde von knapp 100 auf 130 km, fuhren aber dafür den fast ebenen Leineradweg bis nach Northeim.
An der Leine ging es nicht nur über asphaltierte Wege, sondern auch über Schotter und viele, viele gepflasterte Wege mit noch mehr nassen Blättern. Zwar war es rutschig, aber das Radfahrersprichwort „kommt zu Blättern auch noch Nässe liegst du schneller auf der… Nase“ kam nicht zum Tragen, ergo wir auch nicht zum Liegen. Bremstests zeigten aber, dass der Untergrund nicht sonderlich viel Grip bot…
Als wir endlich Northeim erreichten war ich ganz schön erleichtert. Zwar hatten wir bis dahin auch über lange Strecke so etwas wie Rückenwind, aber trotzdem reichte es mir langsam. Mein Nacken tat weh von der Kälte und der verkrampften Haltung und von meinem Sitzfleisch wollen wir mal nicht reden. Die letzten Kilometer mit fiesem Feldweg und weiterhin viel Wind hatten es nochmal in sich und in Hattorf waren wir ja schon fast zu Hause. Wir verabschiedeten Sven und trampelten noch nach Hause. Ein Stunde vor Mitternacht waren wir endlich da. Noch ein Tee, Magnesium und eine heiße Dusche und dann mit Körnerkissen ins Bett. Augen zu und schlafen – so war die Idee.
Losgefahren sind wir in Herzberg, das GPS ist erst In Pöhlde dazugestoßen.
Mittlerweile kenne ich mich ein paar Jahre und weiß, dass ich nach sportlichen Aktivitäten nicht sofort einschlafen kann. Daher ahnte ich schon, dass ich etwa zwei Stunden noch wach liegen würde. Was ich zu diesem Zeitpunkt aber nicht wusste, war, dass ich noch bis 3.30 Uhr wach liegen würde und danach auch noch fiese Albträume hatte mit denen ich akustisch auch noch Kai erfreut habe. Der hat sich wohl etwas erschreckt. Das Highlight war noch eine Mücke, die ich erst gegen 3.00 Uhr gefunden hatte. Im Nachhinein weiß ich auch, was mir dermaßen den Schlaf geraubt hat. In Northeim gab mir Kai für die letzten Kilometer noch ein Gel. Es war dunkel und ich hatte es auch gar nicht bedacht, dass das Folgen haben könnte. Klar, vielen Energygels wird Koffein zugesetzt. Damit kann ich abends nicht so, da mein Herz dann eine wilde Party feiert, ob ich will oder nicht. Wieder ein Fehler, der mir hoffentlich nicht noch einmal passieren wird. Heute, an meinem Geburtstag, bin ich deshalb auch ein ganz klein bisschen gerädert. Gut, dass ich sowieso nicht feiern werde. Letztendlich war es aber eine schöne Nightride-Premiere mit 130 km, auf die ich ordentlich stolz bin. Danke Kai und Sven für die schöne Erfahrung.
Lange sind mein Freund Kai und ich schon nicht mehr mit anderen gefahren. Daher fassten wir den Plan, mit Kais Bruder Sven und unseren Freunden Maik und Ronny aus Scharzfeld eine gemeinsame Runde zu drehen. Erst war ich mir gar nicht so sicher, ob ich mir das antun soll mit einer Horde Männer zu fahren, da der Leistungsdruck schon höher ist als sonst. Dann kam auch noch dazu, dass ich am Freitag auf die glorreiche Idee gekommen war, eine Rund im Jues zu schwimmen. Mit dem Neo natürlich, aber ohne Neoprenmütze und – schuhen. Bei 11°C Wassertemperatur nicht die beste Idee, wie mir die leichten Ohrenschmerzen bestätigten, die mich heute morgen noch vor dem Frühstück überraschten. Mit wenig Lust packte ich meine Siebensachen zusammen und trat mir dabei selbst im übertragenen Sinne in den Allerwertesten. Um 9 Uhr waren alle da und wir fuhren los in Richtung Hattorf, um über Lindau und Katlenburg nach Northeim zu fahren.
Dort bemerkte Kai bei einer kurzen Raucherpause (nee, nicht für ihn 😉), dass bei seinem hinterer Reifen die Luft raus war.
Also wurde fix der Schlauch gewechselt und es ging weiter nach Nörten-Harenberg. Dort brauchte ich dringend etwas zu essen. Scheinbar waren auch die Männer einer gegenüber Pause nicht abgeneigt und so musste ich kein schlechtes Gewissen haben.
Mampf 🙈
Das nächste Ziel war die Plesse. Da mir mein Ohr, vor allem aber die Kondition zu schaffen machte, wollte ich zunächst auf den Anstieg zur Burg verzichten und ließ die Männer vor fahren. Nachdem ich eine Weile gewartet hatte, mir kalt wurde und mein Puls ENDLICH unter 100 bpm gefallen war entschied ich mich doch noch, den Herren zu folgen. Immerhin waren es ja auch nur noch 1,2 km, die auch gar nicht so steil waren, wie gedacht. Oben gab es endlich mal wieder eine Pause (irgendwie haben wir nur Pausen gemacht, kann das sein…?).
Die Plesse ist eine Burgruine aus dem Mittelalter. Zuerst erwähnt wurde sie im 11. Jahrhundert als Sitz des Bischofs von Paderborn. Spannend finde ich jedoch, dass im 13./14. Jahrhundert die etwa 50 Bewohner der Plesse Widerstand gegen die Ausdehnung des Herzogtums Braunschweig leisteten und später ein unabhängiges Gebiet in dem Herzogtum bildeten. Alles weitere könnt ihr auf der Homepage nachlesen.
Zurück Richtung Heimat bewegten wir uns gemütlicher und gemütlicher. Zumindest vom Tempo her, sicherlich lag das an dem fiesen Wind und der Erschöpfung, die nicht nur mir zu schaffen machte. Eine nette Abwechslung war ein 40er-Traktor, der uns gezielt im Windschatten mitnahm und noch einmal ordentlich beschleunigte. Vielen vielen Dank dafür!
Ich bemüht mich, meine Trittfrequenz irgendwo zwischen 90 und 100 U/min zu halten, was mir auch halbwegs gelang. Nachdem wir Ronny und Maik in Schwarzfeld verabschiedet hatten, traten wir auf dem Weg nach Herzberg nochmal ordentlich in den Pedale. Blöd nur, dass da ein paar Wellen im Weg sind und mir der letzte Hügel die letzte Kraft raubte. Trotzdem schafften wir es noch bis zu Haustür, nachdem wir auch Sven Richtung Hattorf verabschiedet hatten.
Wieder einmal eine schöne Tour mit netten Leuten, die mir nur ein bisschen zu schnell war. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben. Alle Bilder des Beitrags habe ich frech geklaut von Kai, Sven und Maik. Meine Actioncam genießt ja noch irgendwo an der Ostsee eine schöne Zeit. 😂
Nach langer Corona-Urlaubsabstinenz waren wir endlich wieder ein paar Tage an der Ostsee. Doch dieses Jahr war teilweise der Wurm drin. Es ging damit los, dass uns in der Ferienwohnung auffiel, dass wir das Ladekabel für die Garmin-Uhren vergessen hatten. Da der erste Tag aber relativ ungemütlich war, nutzen wir ihn, um mit dem Auto ins nahe gelegene Rostock zu fahren. Für die etwa 20 Kilometer brauchten wir schon auf dem Hinweg deutlich länger als gewohnt, da an der Straße Baumfällarbeiten stattfanden. Irgendwann waren wir jedoch da und besuchten direkt einen großen Elektronikmarkt, der die Uhren führt. „Ja, aber die Kabel dazu haben wir im Moment nicht da…“, teilte uns der Verkäufer mit. Die Produzenten in Asien würden derzeit nicht liefern können. Das hört man in letzter Zeit häufiger. Also ging es weiter. Zum Glück fiel Kai noch der kleine Läuferladen „City Sport Rostock“ ein. Der Verkäufer dort bot mir großzügig das ladeneigene Kabel an. Ich bekam es sogar für 5 € weniger, wobei ich erschrocken war, dass ein original Ladekabel von Garmin 25 € kostet. Aber gut, Schusseligkeit muss bestraft werden. Nachdem wir noch ein bisschen durch die Innenstadt gebummelt waren und noch die einschlägigen Radläden abgeklappert hatten, ging es zurück und prompt in den nächsten Stau. Ein Unfall führte dazu, dass wir für den Rückweg 75 Minuten brauchten. Das hätten wir mit dem Rad schneller geschafft. Trotzdem war der Tag recht entspannt und Entspannung brauchte ich für den nächsten Tag.
Am Dienstag, dem schönsten Tag der Woche hatten wir uns mit einer befreundeten Kollegin und ihrem Mann am Darß verabredet. Natürlich mit dem Rad. Um kurz vor 8 Uhr saßen wir auf den Schotterrädern und holperten entlang der Küste nach Warnemünde.
Tagsüber kann man diesen Weg vergessen, da man ständig Slalom um Fußgänger und Radfahrer fahren muss, vor 9 Uhr ging dies aber sehr entspannt. In Warnemünde setzten wir mit der Fähre über und fuhren weiter über Graal-Müritz nach Ribnitz-Damgarten.
Da warteten bereits unsere Freunde Silke und Dietmar am Hafen und hatten sich schon ein Fischbrötchen einverleibt. Auf dem Markt gab es einen Kaffee, gewürzt mit unterirdischem Service. Fast hatten wir ein schlechtes Gewissen, dass wir dort etwas trinken wollten. Essen wurde uns gar nicht erst angeboten. Also teilten wir uns anschließend noch ein Brötchen und fuhren in gemütlichem Tempo über schöne Radwege durch die Felder Richtung Ahrenshoop. Zwischenzeitlich waren die Herren so ins Gespräch vertieft, dass sie erst im nächsten Ort bemerkten, dass sie uns verloren hatten. Auf dem Darß wurde es immer voller und voller. In Ahrenshoop verabschiedeten wir Silke und Dietmar und setzten nach einem Brötchen im Hafen den Weg entlang des Bodden fort. Hier war es verhältnismäßig ruhig, da der Hauptradverkehr auf parallelen Wegen verlief. Irgendwann stießen jedoch auch wir auf den Deich der als Hauptradweg genutzt wird, auf dem es wirklich anstrengend wurde, da das flüssige Fahren dem Bremsen, Ausweichen und Überholen wich. In Zingst angekommen gönnten wir uns eine Pizza und ich war schon ganz schön groggy. Der Käse bekam meinem Magen auch nicht so richtig gut, sodass leichte Übelkeit und ständiges Aufstoßen zu Begleitern wurden, denen ich nicht mehr davonfahren konnte. Über die Behelfsbrücke neben der historischen Meinigenbrücke verließen wir den Darß und fuhren wieder Richtung Ribnitz-Damgarten.
Langsam wurde mir bewusst, dass die Strecke doch verdammt lang werden würde. Zwar hatten wir Glück mit Wetter und Wind, aber meine längste Strecke bisher war 130 km lang. Kurz vor Damgarten, also nach etwa 130 Kilometern war nicht beim Rad, aber bei mir die Luft raus. Völlig ausgeknockt lag ich einige Minuten auf der Bank, mir war übel und schwindlig. Nach einigen Schlucken Wasser ging es aber irgendwann weiter, auch weil die Dämmerung näher rückte.
Nicht nur mein Akku war leer, sondern auch der Rox meldete, dass der Akku schwach sei und ich bekam schon Panik, dass die Aufzeichnung nicht komplett klappen könnte. Also Bildschirm aus und zügig weiter. Nach einigen holprigen Wegen fiel plötzlich mitten im Wald auf, dass die Action Cam verloren gegangen war. Zwar fuhr Kai noch einmal ein Stück zurück, um sie zu suchen, aber wir hatten keine Ahnung, wann sie sich aus dem Futterbeutel verabschiedet hatte. Das drückte die Stimmung sehr, da natürlich ein Großteil der Bilder und Videos damit mit verschwunden waren. Die Enttäuschung drückten wir aber erst einmal beiseite, da es langsam dunkel wurde. Weiter ging es durch lange Waldabschnitte, bis wir einige Kilometer vor Hohe Düne auf den bekannten Weg kamen. Von dort war es nicht mehr weit bis zur Fähre.
Nach dem Übersetzen machten wir uns im Dunkeln auf die letzten 20 Kilometer. Natürlich war nun auch noch der Akku der Lupine schwach, sodass ich nur im Lichtkegel von Kai mitfuhr und selbst nur mit der Diffusor-Funzelbeleuchtung unterwegs war. Gerade im Gespenster-Wald war die Suche nach dem Weg so nicht immer ganz einfach. Jeder Kurbelumdrehung fiel mir schwerer und schwerer und ich war wahnsinnig froh, als endlich Kühlungsborn vor uns auftaucht. Tatsächlich war ich auch gar nicht traurig, dass wir die 200 km nicht geknackt haben. Es war wahnsinnig anstrengend und mein Sattel ist mit meinen Sitzbereich immer noch nicht so kompatibel, was ich immer wieder schmerzhaft feststellen muss. Viel wichtiger ist aber, dass es eine super schöne Tour war, neben Kai auch mit anderen netten Menschen, tollen Aussichten, abwechslungsreichen Wegen. Und sowohl der Rox als auch die Lupine haben bis zum Ende durchgehalten.
Die letzten drei Tage des Urlaubs durften wir im Upstaalsboom (****S) verbringen. Kai hatte zwei Übernachtungen mit Frühstück dort gewonnen. Da durften wir Sauna, Schwimmbad und alle Annehmlichkeiten eines Hotels genießen.
Während Kai noch eine Tour zum Bastorfer Leuchtturm unternahm war ich noch ein wenig am Steinstrand spazieren. Mir war der Wind noch etwas zu heftig und außerdem war ich noch nicht wieder bereit, mich auf meinen Sattel zu setzen. Letzte Nacht hatten wir eine ordentliche Sturmflut und die Ergebnisse fand ich am Strand. An einigen Strandabschnitten hatte der Wind den Möwen ein Festmahl bereitet. Der Sturm hatte unzähligen Fischen das Leben gekostet. Steinbutt, Schollen und Dorsche lagen am Strand. Man musste wirklich aufpassen, wo man hintritt. Selbst, wenn tote Tiere makaber sind fand ich es trotzdem faszinierend, sie mir in Ruhe aus der Nähe anzuschauen und sie zu fotografieren.
Die Rückfahrt war – sagen wir „suboptimal“. Leider hatten wir blind dem Navi vertraut, was uns über die Autobahn gescheucht hat. So krochen wir von einem Stau in den nächsten und anstatt der üblichen 4,5 Stunden brauchten wir 6,75 Stunden. Sehr unerfreulich, aber was soll´s. Trotzdem war es alles in allem wieder ein schöner Urlaub, natürlich mit dem einen großen Highlight, der langen Radtour.
Lange habe ich nichts geschrieben. Vermutlich, da im Job und Haus viel zu tun war und die spektakulären Radfahrten etwas kurz gekommen sind. Und doch gab es das ein oder andere Highlight. High, also hoch hinaus ging es Anfang des Monats. Die Ortskundigen kennen die Schluft, den wunderschönen Taleinschnitt mit dem Bächlein „Schluft“, der von Sieber Richtung Sonnenberg hinaufführt (bzw. aus Wassersicht umgekehrt). Sie beginnt sehr human, ganz leicht bergauf und wird zum Ende hin immer steiler und steiler. So haben die ersten zwanzig Kilometer zwar im Schnitt nur eine Steigung von 2,5 %, aber spätestens auf dem sogenannten Speckhaken wird es für den nicht so versierten Bergfahrer bösartig. Immerhin: mit ein paar kleinen Pausen und unter lauten Schnaufen (sicherlich zur Belustigung der niederländischen Radsportgruppe, die uns überholt hat) habe ich das irgendwann geschafft lebendig oben anzukommen. Der Weg nach St. Andreasberg war danach nur noch ein Klacks und dann ging es fast nur noch bergab. Die Schluft ist nicht nur eine schöne asphaltierte, aber autofreie Strecke um Höhenmeter zu trainieren, die Landschaft ist auch einfach wundervoll, da sie zum Naturschutzgebiet „Sieber“ gehört und mit den Felsen und dem (noch) vorhandenen Wald zu allen Jahreszeiten reizvoll ist, da das Tal teilweise wie verwunschen wirkt. Sicherlich werde ich sie – wenn ich mich fit genug fühle – hin und wieder in mein Trainingsstrecken-Repertoire aufnehmen.
Nach dem bergigen Erlebnis ging es auch in diesem Jahr wieder nach Braunschweig zu Cycle Tour. Dieses Jahr entfiel das Rennen, was leider dazu führte, dass viele sehr ambitionierte Rennradfahrer sich für die Tour angemeldet haben. Das machte den Charakter etwas zunichte, da im letzten Jahr vom Tandem, Lasten- und Hollandrad alles dabei war und alle viel Spaß hatten. Dieses Jahr ging es – wenn auch nur mit persönlicher Zeitmessung – bei vielen nur um Bestzeiten auf den 100km nach Magdeburg und nicht um das entspannte Fahren der Tour. Natürlich hatte auch ich den Ehrgeiz, nicht allzu langsam zu fahren, aber nicht auf Kosten der anderen. Hier und dort gab es immer wieder Genörgele, dass ja die Straßen nicht abgesperrt seien oder die 20er-Gruppen in denen man startete nicht fähig waren, zu kreiseln. Kai und ich sind die meiste Zeit zu zwei gefahren und haben uns so, dem Ganzen entzogen. Dafür hatten wir auch die meiste Zeit gute Laune, haben die Landschaft wahrgenommen und sind trotz alledem schneller im Ziel gewesen als im letzten Jahr. Der Weg über den Elm war aber zugegebenermaßen im letzten Jahr im Pulk viel viel einfacher… Schön war in diesem Jahr, dass viele Bekannte aus dem Südharz dabei waren. Aufgrund der kleinen verpflichtenden Startblöcke war ein gemeinsames Fahren jedoch nicht möglich. Das hätte sicherlich auch Spaß gemacht, obgleich ich nicht weiß, ob ich mich mit den Herren nicht übernommen hätte. Zumindest für ein gemeinsames Foto im Zielbereich hat es aber gereicht.
Der Spätsommer hält sich ja noch bis ins letzte Septemberdrittel, sodass wir gestern eine kleine Wanderung im Harz gemacht haben (ok, aufgrund meiner Arthrose eher ein Spaziergang). Dabei fiel uns auf, dass die B242 (Harzhochstraße) noch bis Sonntag für Kraftfahrzeuge gesperrt sein sollte. Bis Sonnenberg ist dort die Fahrbahn saniert worden. Im Scherz meinte ich, dass man dort ja dann dringend noch langfahren müsse. Solche „Scherze“ gibt es hier im Haushalt aber nicht. Deshalb hieß es heute Morgen früh aufstehen (um den Motorrädern zu entgehen) und gegen 7.45 Uhr Abfahrt Richtung Osterode. Entlang der Söse und der Talsperre fuhren wir in die Berge. Den alternativen Radweg zur Staumauer fahre ich nie wieder. Außer mir sind zu viele Motorrader und Autos unterwegs. Das hatte ich mal gemacht, als ich alleine unterwegs war, da er ausgeschildert war. Die Straße ist viel einfacher zu fahren, da die Steigung viel sanfter ist. Bis Riefensbeek und Kamschlacken lief es recht gut, aber dann machte mir die Steigung langsam zu schaffen, sodass ich noch in der letzten Kurve vor der Harzhochstraße eine Pause einlegen musste. Kurz darauf machte wir einen kleinen Futterstop um gestärkt auf den neu asphaltierte Straße zu gehen. Doch Pustekuchen. Von der Stärkung merkte ich nicht viel. Der ewig lange Anstieg machte mir so zu schaffen, dass ich alle paar Hundert Meter verschnaufen musste. Ich hatte bei den letzten Touren versucht, meine Trittfrequenz etwas zu erhöhen (was mittlerweile auf kürzeren Strecken ganz gut funktioniert, wenn ich mich konzentriere). Bei dem Anstieg war ich allerdings im leichtesten Gang unterwegs und kam über eine 80er-Trittfrequenz nicht hinaus. Dadurch waren meine Oberschenkel nicht vernünftig mit Sauerstoff versorgt und beklagten sich kräftig. Zudem fingen meine Lungen kräftig an zu pfeifen, was in einer Art Hyperventilation gipfelte. Woher das kommt, kann ich gar nicht so genau sagen.
So oder so war ich aber ziemlich am Ende und würde mich über Tipps freuen, wenn ihr das Problem kennt und wie ihr damit umgeht. Trainieren an sanfteren Anstiegen mit guter Trittfrequenz oder immer wieder so an die Grenzen gehen? Ich bin mir wirklich unsicher.
In der Ebene werde ich auf jeden Fall weiterhin schauen, dass ich die Trittfrequenz dauerhaft auf 90-100 bekomme. Scheinbar muss ich aber auch an den Muckis arbeiten, die mich den Berg hinaufbringen. Für eine Gewichtsreduktion esse ich zu viel 😁.
Der Rest der heutigen Tour war dann entspannter. Über St. Andreasberg fuhren noch eine Schleife über die Odertalsperre und zurück nach Hause, sodass wir auf etwas mehr als 70 km mit etwa 860 Höhenmetern kamen. Das war mein persönlicher hm-Rekord bisher.
Vor einiger Zeit habe ich bei einem Gewinnspiel mitgemacht. Dort sollte man angeben, für welche Tour man den Sigma Rox 12.0 Sport benutzten wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir den Plan, eine Runde durch Flandern, also Nordbelgien zu fahren und dort unsere ersten Back-Packing-Gehversuche – nein falsch – Fahrversuche zu machen. Mit meinem Plan habe ich das Gerät ja auch gewonnen und soll eigentlich nun über diese Tour berichten. Jedoch scheint gerade weltweit eine komische Krankheit zu kursieren. Gerade jetzt – Anfang August – schnellten in vielen Ländern, darunter auch Belgien, die Fallzahlen nach oben. Eine klare Reisewarnung gab es zwar nicht, das Risiko einer Ansteckung oder anschließenden Quarantäne war uns aber doch zu groß, sodass wir nur einige Tage vor der Reise unseren Plan über den Haufen warfen und stattdessen eine Route durch Niedersachsen legten. Nebenbei sollte auch der niedersächsische Teil meiner Familie besucht werden, also meine Tante und Onkel, sowie meine Schwester und ihr Freund.
Voll bepackt geht es los. Kai mit der Lenkerrolle und Packtaschen von Ortlieb und Satteltasche von Apidura, ich mit der Ortlieb Gravel-Serie.
Schon das Packen war eine wahre Freude. Probepacken – Fehlanzeige. Erst am Abend vorher stellten wir unser Gepäck zusammen und stellten fest, dass gar nicht alles ans Fahrrad passte. Gut, also etwas abgespeckt. Aber wie vielen Klamotten braucht man? Wechselkleidung, Regensachen, Bikini, Mückenspray, Armlinge und viele andere Kleinigkeiten hätten definitiv zu Hause bleiben können. Dies hätte aber auch anders sein können.
Meine Packliste sah folgendermaßen aus:
Radhose kurz, 2 Trikots (eins hätte gereicht), 3 Paar Socken (2 davon überflüssig!), Armlinge und Beinlinge, Weste
kurze Hose, T-Shirt, Pulli und Badelatschen, Bikini
Schuhe, Helm und Mütze, Buff (als Schnutenpulli-Ersatz)
Sonnencreme (wichtig!), Mückenspray, diverse Popocremeproben und -stick (für mich auch wichtig), Zahnbürste und – pasta, Handtuch, Taschentücher und feuchte Einmalwaschlappen
Magnesium-Tabletten, Elektrolyte (Tabletten von High5), Maltodextrin 6 (Pulver), Energie-Gels von High5
2 Next Level Meal (Astronautennahrung) und 3 Megabite (Brownie-Riegel), beides von Runtime
Hängematte (Amazonas ultra light, mit Moskitonetz) und Schlafsack (Deuter Orbit +5C°)
Kai hatte zusätzlich ein Schloss dabei und einen Kocher (MSR WindBurner- Duo Stove, 1,8l)
Was braucht man nur alles????
Schlecht vorbereitet aber frohen Mutes ging es am Dienstag endlich los. Gegen 8.30 Uhr saßen wir auf dem Rad und fuhren Richtung Göttingen. Zu meiner Tante in Porta Westfalica hätten wir es deutlich kürzer haben können, aber wir wollten so viel wie möglich vom Weserradweg mitnehmen. Im Süden stellte sich zuerst der Roringer Berg in den Weg, an dem wir zum ersten Mal das Gewicht des Gepäcks zu spüren bekamen. Tatsächlich fühlte es sich für mich einige Male so an, als würde sich jemand hinten am Sattel festhalten. Weiter ging es nach Göttingen, wo wir beiden zum ersten Mal in Genuss von Radschnellweg kamen. Zwar hatten wir es nicht eilig, trotzdem machte er die Stadtdurchfahrt sehr angenehm. Über Rosdorf und Dransfeld fuhren wir weiter nach Hann. Münden, der Doktor Eisenbart-Stadt, an der die Weser „entspringt“, bzw. sich aus Werra und Fulda bildet.
Als Kind habe ich den Spruch des Wesersteins von meinem Vater ja anders gelernt: „Wo Fulda sich und Werra küssen, da kannst du in die Weser pis…“. Vom kulturellen Anspruch her vielleicht fragwürdig, aber ich konnte es mir merken. Nach einer Stärkung beim Bäcker und einer kleinen Runde durch die Innenstadt begannen wir die Reise auf dem Weserradweg. Mal auf Schotter, mal asphaltiert aber fast immer schön rollte es sich – hügeliger als erwartet nach Norden. In Hemeln machten wir den nächsten Stop in dem kultigen Biergarten und tranken ein unschlagbar günstiges Weizen (2,50€ mit Blick auf die Weser – perfekt). Trinken war sowieso die Prämisse der Woche, da es jeden Tag heißer werden sollte.
Am Kloster Bursfelde (erbaut 1093) sollte eigentlich das Tagesziel sein. Mönche aus Corvey errichten hier im Auftrag von Graf Heinrich von Northeim das Benediktiner-Kloster, welches zunächst katholisch, später lutherisch geführt wurde. Das Klosterleben endete jedoch im Jahr 1672. Im Jahr 2020 gab es öffentlich zugänglich weder geeignete Bäume für unsere Hängematten noch eine Einkaufsmöglichkeit. Es blieb uns nichts anderes übrig – wir mussten weiter. Nach 106 km (meiner längsten Strecke bisher) und knapp 700 Höhenmetern fanden wir ins Oedelsheim (Oberweser) nicht nur einen Edeka, sondern auch ein relativ ruhiges Plätzchen für die Nacht. Letztere sollte bitterkalt werden. Vorher gab es noch unsere erste Portion unseres Nahrungsshakes. Wir waren ziemlich skeptisch, aber hey, die Dinger sind wirklich lecker und machen erstaunlich satt, auch uns Vielfraße.
Bei 9°C war selbst Kai am Bibbern und ich konnte am Morgen meine Füße trotz Socken nicht mehr spüren. Nachdem wir den Morgennebel abgewartet hatten krabbelten wir am nächsten Morgen aus den Hängematten und bereiteten uns unseren Porridge zu. Erst um 9.30 Uhr saßen wir im Sattel und kreuzten in Gieselwerder die Weser um einige Kilometer linksseitig weiterzufahren. Schon in Bad Karlshafen ging es nach einem zweiten Frühstück wieder zurück ans andere Ufer. Hier pendelten wir ständig zwischen Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Vorbei an Höxter und mit Stop in Holzminden ging es gut. Doch dann kam irgendwann der große Durst und lange keine Möglichkeit, etwas zu Trinken zu bekommen. Nach einer Irrfahrt durch das bergige Reileifzen (es war ein Getränke-Abholmarkt ausgeschildert, aber leider nicht zu finden) gönnten wir uns ein alkoholfreies Radler direkt an der Weser. In Bodenwerder (statt des Lügenbarons Münchhausen) konnten wir unsere Flaschen endlich auffüllen und fanden wenig später eine schöne Schutzhütte. Dort konnte zumindest ich meine Hängematte aufhängen, Kai erklärte sich bereit, auf der Bank zu schlafen. Die Nacht nach etwa 93 km war deutlich wärmer und unser Schlaf entsprechend besser.
Wir wachten früh auf, frühstückten und machte uns entspannt auf zu nächsten Etappe. Wir waren für den frühen Nachmittag bei meiner Tante angemeldet. Bei nur etwas über 60 km gar nicht so einfach. Mit vielen Fotostops, Eis in Hameln und Pizza in Rinteln schafften wir es, die Zeit halbwegs auszureizen. Wenige Kilometer vor dem Ziel schauten wir uns noch kurz von außen die Klosteranlage Möllenbeck an. Dieses wurde bereits 896 als Damenstift gegründet und gilt als eine der größten Klosteranlagen des Weserberglandes. 1441 wurde das Kloster mit Mönchen des Augustinerordens besetzt, die das Kloster bis 1505 neu aufbauten. Heute ist es evangelisch-lutherisch und wird teilweise kirchlich, aber auch als hübsches Hotel und Jugendfreizeitheim genutzt. Die Temperaturen waren aber kaum auszuhalten. 32°C sind schon amtlich und wir genossen es schließlich, von meiner Tante verwöhnt zu werden und die Schattenplätze im Garten zu nutzen.
Gerne wären wir morgens länger geblieben, aber es sollte noch heißer werden (34°C) und wir hatten eine längere Etappe vor uns . Zu meiner Schwester sollten es 102 km sein. Schon zu Beginn waren sich Schilder und der Rox (in diesem Fall die Routenplanung mit komoot) sich nicht einig. Da letzterer uns gerne über die Landstraßen geführt hätte, wir aber den Weserradweg bevorzugt hätten. Dieser hätte jedoch noch einen kräftigen Schlenker nüber Vlotho und Bad Oeyenhausen gemacht, den wir uns sparen wollten. So kamen wir nach einigem Hin und Her auf 114 km. Eines der ersten Highlights war natürlich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal oberhalb der „Porta Westfalica“ („Tor nach Westfalen“). Mit der Porta ist der Weserdurchbruch zwischen dem Wiehen- und Wesergebirge gemeint. Mit dem Denkmal vom Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Einigung des Deutschen Reiches als Folge des Deutsch-Französischen Krieges gefeiert. In Minden kreuzten wir die Weser und den Mittellandkanal und fuhren durch verschiedene Natur- und Vogelschutzgebiete. Nachdem man in unserer Region nur noch die eingeschleppten Nilgänse sieht, war es eine Wohltat mal wieder Grau- und Nonnengänse zu beobachten. Die letzten Kilometer u.a. durch Nienburg wurden hart, vor allem, da die Luft entweder stand oder uns Gegenwind bescherte. 114 km – wieder eine längste Strecke für mich. Das absolute Highlight war der knappe Kilometer feinster Heidesand, der tatsächlich als Radweg markiert war – eine Frechheit… Meine Schwester Corinna und Flo beglückten uns mit Kuchen und als die Temperaturen am Abends nachließen auch mit Gegrilltem. Außerdem füllten wir die körpereigenen Wasserspeicher noch einmal kräftig für die kommende Hitzeschlacht.
Bereits um 8.30 Uhr saßen wir nach einem ausgiebigen Frühstück im Sattel um uns auf die Heimreise zu machen. 36 °C Grad sollten wir heute noch erreichen. Und was macht der intelligente Radfahrer – sicherlich nicht knapp 130 km Rad fahren. Noch dazu auf einer Strecke, die leider total ätzend war. Zunächst war alles gut. Es ging entlang der Aller mal auf Schotter, mal auf Beton oder Asphalt, oft sogar mit Schatten vorwärts. Ab Schwarmstedt allerdings machten wir den Fehler, die kurze Strecke über Hannover zu wählen, anstatt den Leineradweg zu nehmen. Dieser war leider auch nirgends – auch nicht auf unserem Weg durch Hannover – ausgeschildert, sodass wir Kilometer um Kilometer uns an Bundesstraßen vorbeiquälten und in Hannover jede rote Ampel mitnahmen. Hier hatten wir auch die Maximaltemperatur erreicht und ich hatte bei jedem Stop das Gefühl, dass ich vom Rad falle. Kurz vor Hildesheim fanden wir schließlich einen hilfsbereiten Ortskundigen, der uns den Weg zum Leineradweg beschrieb, sodass zumindest die letzten Kilometer des Tages etwas erträglicher wurden. Bei mir war bald die Luft raus, sodass wir nach 127 km die Tagesetappe beendeten (übrigens meine längste Tour bisher…). In Bad Salzdetfurth fanden wir Speis und Trank und eine Schlafstätte an einem Fußballplatz, an der wir halbwegs ungestört waren. Ich war nach dieser Tour ehrlich gesagt physisch wie psychisch etwa neben der Spur und brauchte die Nacht um wieder zu Kräften zu kommen. Die ganzen Kilometer, die Hitze und die Schmerzen vor allem am Gesäß hatten da wohl ihren Tribut gefordert.
Am Sonntag standen wir früh – aber furchtbar müde auf und machte uns schnell nach dem Frühstück auf den Weg, denn es sollte – wie könnt es anders sein – heiß werden. Viertel nach Sieben ging es los auf die letzten Kilometer, die es noch mal in sich hatten Zwar waren es nur knappe 75 km, aber auch noch einmal über 700 Höhenmeter. Das schlauchte, aber zumindest hatte man ein Ziel vor Augen. Auch heute waren sich Rox und Nutzer nicht überall einig. Sicherlich hätten wir einige Höhenmeter sparen können, wenn wir über Bockenem, Rhüden und Seesen gefahren werden, die Route leitete uns jedoch über Lamspringe, Bad Gandersheim, das Harzhorn und Kalefeld. Am Harzhorn fanden vor gerade einmal 1790 Jahren einige Schlachten zwischen den Römern und Germanen statt. Nach diesem Geschichtsausflug machten wir uns auf die letzten Kilometer, die noch einmal einige Anstiege in petto hatten. Nach einem Eis in Osterode (das 7. in dieser Woche glaube ich…) kamen wir erschöpft in Herzberg an.
Alles in allem war es eine tolle Erfahrung. Pack- und satteltechnisch muss sicherlich noch einiges optimiert werden und für die Hängematte muss eine Isomatte her, aber ansonsten war es eine gelungene Bike-Packing-Premiere durch den Norden und ich freue mich schon jetzt auf die Belgien-Tour…
Runde 570 km (Garmin und Rox sind sich nicht ganz einig) und etwa 2300 Höhenmeter in sechs Tagen. Ich glaube, ich kann ganz stolz auf mich sein, vor allem bei den Temperaturen rund um den Garpunkt….
Sängerisch bin ich wohl von nichts weiter entfernt, als Rockstar zu sein. Aber mit einer Verschmelzung von „ck“ zu „x“ trifft es jetzt zu. Ich habe vor kurzem den Sigma Rox 12.0 Sport gewonnen. Sehr, sehr cool. Eine kleine Vorgabe für den Gewinn gab es aber: ich soll über unsere Bikepacking-Tour im August berichten. Aber nichts leichter als das!
Aber nun erst einmal zum Gerät. Es kam edel verpackt in einer Schachtel, bei der man, wie durch Aufziehen eines Vorhangs den Rox enthüllt. Schnell geladen und mit dem Heimnetzwerk verbunden klickte ich mich durchs Menü und koppelte den Kleinen auch mit Strava und Komoot. Das war auf der kleinen Tastatur etwas fummelig, aber gut machbar. Ich habe ja zum Glück zierliche Finger. Ein Klick aufs Symbol, Emailadresse und Passwort eingeben – fertig. Etwas überfordert war ich mit den unterschiedlichen Sigma-Apps (Sigma Link – App fürs Smartphone, Sigma Cloud – die Cloud, also der Online-Sammelplatz der Daten (oh, oh…) und das Sigma Data Center für den PC). Bis ich geschnackelt hatte, welche für was ist, hat es ein bisschen gedauert, aber auch das Problem war selbst für mich als Frau lösbar.
Unboxing
Richtig schick finde ich die orangefarbene Hülle, für die ich mir extra noch einen feinmechanischen Torx-Schlüssel – Satz gekauft habe, da zum Lösen ein 6er-Torx benötigt wird. Einzeln waren die im Baumarkt leider nicht zu bekommen. Genial wäre es, wenn der beiliegen würde. Gerade diese kleinen Torx-Schlüssel hat – glaube ich – nicht jeder zu Hause liegen.
Gekoppelt habe ich auch meinen Garmin Brustgurt. Auch dies war absolut unproblematisch. Zwei, drei Klicks auf dem Gerät – sofort erkannt und immer wieder schnell verbunden.
Kai hat mich außerdem mit dem Trittfrequenz- und Geschwindigkeitssensor (R2 Duo) überrascht. Jetzt kann ich auch endlich meine Trittfrequenz überwachen und optimieren. Ich habe es geschafft, das Ganze ans Fahrrad zu basteln und auch eine Anzeige auf dem Display gehabt. Leider kommt es hier immer wieder zu Ausfällen, obwohl die Abstände von Magnet und Speichen-Nubsi (klar, das ist der Fachterminus! ) zum Sensor passen (<1 cm). Vielleicht sollte ich das Ganze anstatt mit dem Gummiband mit Kabelbindern fixieren, da im Moment noch einiges an Bewegung zu beobachten ist.
Die erste Ausfahrt führte mich testweise zur Schule. Gleich musste ich die Navigation ausprobieren. Man kann hier wählen zwischen „empfohlener“, „einfacher“ und „kurzer“ Streckenführung. Das ist eine tolle Sache! Tatsächlich hat mich der Rox etwas anders geführt als sonst, da er wohl verkehrsberuhigte Straßen bevorzugt.
Noch mit schwarzer Hülle
Leider ist das System etwas absturzgefährdet. Nicht im physikalischen Sinne, sondern im technischen. Schon häufiger wollte das Gerät nicht mehr reagieren oder zeigte mir die kalte Schulter mit einem bläulichen Bildschirm, den ich auch so schnell nicht mehr wegbekam. Und wisst ihr was? Jetzt ist es gerade so weit. Dabei wollte ich nur schauen, welches die dritte Streckenführungoption war. Schon doof irgendwie… Ich hoffe, dass ich noch ein Update finde, welches das behebt.
Jetzt nach sechs Touren, teilweise mit, teilweise ohne Navigation, aber immer mit Aufzeichnung der Strecke bin ich grundsätzlich zufrieden mit dem Gerät. Die Abstürze hielten sich zum Glück bisher in Grenzen und traten noch nie während der Fahrt auf. Drückt die Daumen, dass das auch im August auf unbekanntem Terrain funktioniert. Außerdem werde ich den Sensor noch einmal besser fixieren, dass die Ausfälle hier hoffentlich bald der Vergangenheit angehören.
Puhh, jetzt habe ich ganz schön viel gemeckert. So schlimm ist es gar nicht. Eigentlich bin ich wirklich happy mit den Funktionen und Anzeigen, dem umfangreichen Kartenmaterial (kann länderbezogen kostenlos aufs Gerät geladen werden) und der Bedienbarkeit auch mit Radhandschuhen. Um den Speicher (für Karten oder Routenaufzeichnungen) zu erweitern, kann eine Mikro-SD-Karte eingesetzt werden.
Durch die Navigation in mir bekannten Gebieten bin ich schon auf einige tolle Alternativstrecken gestoßen, weshalb ich die Navigation auch zu Hause gelegentlich weiter nutzen werde. Dann komme ich hoffentlich mehr von den Straßen weg.
Nach unserer Bikepacking-Tour kann ich sicherlich auch etwas zu Akkuleistung, Zuverlässigkeit und Wahl der Streckenführung sagen.
Dieser Artikel enthält Werbung, die aber keinen finanziellen Hintergrund hat, sondern nur meine Erfahrungen wiederspiegelt.
Es gibt wieder ein paar Neuigkeiten. In letzter Zeit bin ich gelegentlich mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Da ich als Lehrerin einiges mitzunehmen habe ist ein Rucksack nötig. Bisher war ich immer mit einem klassischen Daypack unterwegs, der nicht nur sehr warm am Rücken, sondern auch nicht so ganz bequem auf Dauer ist. Daher habe ich mich dafür entschieden, mir einen Radrucksack zu gönnen, der vielleicht auch eine gute Ergänzung fürs Bikepacking werden könnte. Kai hat ja den Ortlieb Commuter, der wasserdicht, für mich aber etwas zu groß ist. Kürzlich habe ich in einem Outdoorladen einen Osprey Radrucksack in der Hand gehabt und war begeistert davon, wie durchdacht diese Rucksäcke sind. Schon ein knappes Jahr später habe ich tatsächlich Nägel mit Köpfen gemacht und mir einen Osprey 25 Escapist gegönnt.
In der Größe S/M fasst dieser 23 Liter. Tolle Gimmicks sind die praktische Helmhalterung und die inkludierte Regenhülle. Gut überlegt ist die Platzierung des Schlüsselclips im kleinen Vorderfach. Hier kann der Schlüssel in eine Tasche gesteckt werden und baumelt und klimpert nicht in der Gegend herum. Rückseitig befindet sich ein Fach für eine Trinkblase, die jedoch nicht inklusive ist. Ebenfalls am Rücken findet sich eine große Klettfläche, durch die die Rückenlänge super variabel verstellen lässt. Da ich einen recht langen Rücken habe, habe ich diese fast komplett herausgezogen und der Rucksack passt super. Das Hauptfach ist im unteren Drittel durch einen Reißverschluss abgeteilt. Dadurch kann dieses als Nassfach oder ähnliches genutzt werden und der obere Teil für leichteres Gepäck. Öffnet man den Reißverschluss, hat mein ein passabel großes Hauptfach. Die Hüft- und Schultergurte sind auch mehrfach verstellbar, der Brustgurt (mit Signalpfeifchen) ist in der Höhe und Weite verstellbar, sodass auch Frau sich nichts abschnürt. Am rechten Schultergurt ist eine Tasche angenäht, die prima für ein Handy wäre, aber für meins zu klein ist. Für die Actioncam oder andere Kleinigkeiten ist sie aber prima. Ich transportiere tatsächlich darin derzeit meinen Schlüssel, da ich zum Türöffnen den Rucksack dann nicht absetzen muss.
Auch an den Hüftgurten finden sich Taschen, sodass jede Menge verstaut werden kann. An meinem Sattel habe ich ich eine Werkzeugtasche, die mein Rücklicht oft verdeckt, wenn ich mit der großen Satteltasche unterwegs bin, ist es gar nicht mehr zu sehen. Der Rucksack bietet nicht nur selbst eine Aufhängung für ein Clip-Rücklicht, sogar an der Regenhülle kann ich dieses einhängen. Mein Weg zur Arbeit ist ja nur 18 km lang, daher bin ich gespannt, wie sich der Rucksack auf weiteren Touren schlägt.
Neu sind außerdem meine Reifen. Meine Schwalbe One hatten es hinter sich, da ich vor allem den Hinterreifen durch zu viel Gebremse in einen Slick verwandelt habe. Jetzt bin ich mit dem Terra Speed von Continental unterwegs. Ich fahre ihn mit Schlauch, er ist jedoch tubeless-ready. Die schwarze Flanke des Reifens und der orangefarbene Schriftzug passen super in mein Farbkonzept. Aber das ist wohl eher für mich als Frau wichtig. Fakt ist, dass ich jetzt wieder Profil habe und er sich auch gut fährt. Ob er jetzt besser oder schlechter als der G-One ist, kann ich aber wirklich nicht sagen. Ersterer hat mich immerhin 4.600 km pannenfrei begleitet.
Gewonnen habe ich heute etwas von Sigma Sport. Was genau verrate ich aber erst, wenn es da ist. Allerdings bin ich jetzt auch im Zugzwang, dass wir im August unsere erste Bikepacking-Tour unternehmen…. Denn darüber soll ich als Gegenleistung berichten.
Heute hatten wir eine prima Tour mit meinem Freund und Musikerkollegen Stefan. Eine Runde von 42 km und rund 360 Höhenmetern. Stefan ist zwar ein paar Jährchen älter als wir, nichtsdestoweniger aber ganz schön fit. So fuhren wir in Kais Windschatten ein ganz schön zügiges Tempo von über 28 km/h, was mir bei Strava einige persönliche Rekorde und bei elf Segmenten fünf Plätze unter den Top 10 bei den Damen bescherte. Holla die Waldfee…. Wiederholungsbedarf!! Ich hoffe, dass wir meinen Lieblingssaxophonisten nicht verschreckt haben, dass er sich noch ein paar Mal auf uns einlässt.
Ein tolles Pfingstwochenende liegt hinter mir und ganz schön müde bin ich auch. Wie einige von euch wissen, singe ich in einem kleinen Ensemble. Wie allen Künstlern, ging es auch uns in den letzten Monaten so, dass die Konzerte reihenweise ausgefallen sind. Das war sehr schade, vor allem, weil uns vieren das aktuelle Programm „Moritaten“, welches sich mit allerhand blutrünstigen Liedern aber auch harmlosem Schlager/Pop beschäftigt, richtig gut gefällt. Lange geplant war auch ein Aufenthalt im Liederhof Hemeln, einer Pension, die mit ihrem Verein regelmäßig Konzerte veranstaltet. Auch hier sahen wir schon unsere Felle davon schwimmen. Aber dann kam alles anders. Plötzlich durften Hotels wieder mit 60 % belegt werden. Das passte genau, da sowohl unser Bassist Jörg, als auch ich unsere Partner mitbringen wollten. Auch wenn die Möglichkeit eines Konzert erst einmal nicht bestand, entschieden wir uns dafür trotzdem dorthin zu fahren und unter freiem Himmel auf dem Hof eine offene Probe zu veranstalten. Nur wenige Tage bevor es losging, kam aber doch die Zusage für ein Konzert. Hemeln liegt direkt an der Weser in Südniedersachsen und ist mit einer Fähre mit dem hessischen Ort Veckerhagen verbunden. Hessen hat die Corona-Regeln bereits etwas weiter gelockert. Dorthin verlegten wir unser Konzert. Unter strengen Hygieneregeln und mit Voranmeldung der Gäste, konnten wir es im Restaurant Weigands Hotel Peter direkt auf der Weserterasse 70 Leuten ermöglichen, unser Konzert wahrzunehmen.
Doch dazu später. Kai und ich entschieden uns dazu, mit dem Rad nach Hemeln zu fahren. Dorthin gibt es mehrere Möglichkeiten. Zunächst hatte ich eine Route über Göttingen herausgesucht. Diese war mit etwa 70 km die kürzeste aber auch recht hügelig. Daher entschieden wir uns ein bisschen weiter zu fahren, aber dafür zu Beginn etwas flacher. Also fuhren wir bei viel Sonne, aber auch kaltem Wind über Northeim, ein Stück entlang des Leineradweges und dann bald hügelig Richtung Weser. Bewusst fuhren wir relativ entspannt, da ja an dem Tag noch eine Probe anstand und viel schlimmer: am nächsten Tag die Rückfahrt. Bis auf die beiden Anstiege 30, bzw. knapp 10 km vor Ende der Fahrt war die Route relativ flach und ging sogar seicht bergab. Die letzten sechs Kilometer führt eine Serpentinenstraße nach Hemeln ins Wesertal. Runter macht die Spaß….
Angekommen, bezogen wir die Zimmer und machten uns frisch. Jörg und seine Frau trafen fast zeitgleich mit uns ein, allerdings per PKW. Stefan (Saxophon und Klarinette) und Dirk (Klavier) trudelten etwas später ein. Wir erkundeten gleich den urigen Hof. Geplant war ein Kaffeetrinken gegen 14 Uhr. Dazwischen kam allerdings der Schafscherer, der sich telefonisch anmeldete. Das Event der Schafschur wollten wir uns nicht entgehen lassen und waren allesamt erstaunt ob der Arbeitsgeschwindigkeit und gleichzeitigen Ruhe und Versiertheit des Schaffrisörs. Ich hatte ein viel brutaleres Prozedere erwartet. Tatsächlich ergaben sich die Schafe der Prozedur nicht ganz freiwillig, Panik konnte man allerdings überhaupt nicht feststellen. Sauber hatte der Schafscherer die Wolle nach wenigen Minuten in einem Stück abrasiert und auch die Klauen geschnitten. Wusstet ihr, dass sich Schafe nach der Schur gegenseitig nicht erkennen? Tatsächlich scheinen sie sich eher visuell zu orientieren und müssen sich nach der Schur erst einmal wieder aneinander gewöhnen.
Nach diesem Erlebnis gab es dann doch noch den ersehnten Kaffee und anschließend begaben wir uns in den Garten. Die Besitzer des Liederhofs hatten aus Weiden eine Art kleine Kapelle gepflanzt, in dessen „Altarraum“ wir unsere Probe stattfinden ließen. Eine tolle Atmosphäre in sanftem Grün mit Vogelgezwitscher. Wir probten sowohl Stücke unseres aktuellen Programms als auch einige neue. Mit einigen Nachbarn am Zaun und unseren Begleitungen und Gastgebern hatten wir sogar schon ein kleines Publikum.
Nach einem Spaziergang an die Weser gingen wir zum Grillen und dem gemütlichen Teil des Abends über.
Am nächsten Morgen trafen wir uns zum Frühstück. Leider sind Buffets ja noch immer nicht erlaubt, aber unsere Gastgeber hatten für jedes Zimmer einen schönen Teller zusammengestellt, den wir in der Sonne genießen konnten. Anschließend stellten wir das Programm für den Nachmittag zusammen, entspannten noch ein bisschen und machten uns gegen Mittag auf zum Fähranleger.
Die Fähre zwischen Hemeln und Veckerhagen ist eine Gierseilfähre. Das bedeutet, dass sie nur durch die Strömung des Flusses angetrieben wird. Die Position im Fluss und damit über die Fahrtrichtung wird über zwei Drahtseilwinden bestimmt. Seit über 670 Jahren kommen die Menschen hier nach diesem Prinzip über die Weser. Das Fährschiff selbst ist selbstverständlich etwas jünger.
Auf der anderen Seite liegt direkt Weigands Hotel Peter mit der großen Weserterasse – unsere Konzertlocation. Hier wurden wir auf Kosten des Hauses mit Getränken und Kuchen versorgt, nachdem wir unsere Technik und Instrumente aufgebaut hatten. Mit so viel Abstand zueinander und zum Publikum haben wir noch nie gespielt. Das zeigte sich leider auch im Konzert selbst, da der räumliche Abstand auch zu einer gewissen emotionalen Distanz führt, noch dazu, da das Publikum zum Teil mit dem Rücken zu uns saß und nebenbei aß und trank. Trotzdem machte das Konzert Spaß und das Feedback war wieder einmal recht gut. Überhaupt sind wir sehr, sehr dankbar, dass es in der heutigen Zeit überhaupt möglich war zu konzertieren.
Gegen 17 Uhr waren wir mit dem Abbau fertig und Kai und ich aßen noch einen Toast Hawaii, bevor wir mit der Fähre den Rückweg antraten. Nach dem Abschminken und dem finalen Packen machten wir uns gegen 18.15 Uhr auf den Heimweg.
Die Serpentinen, die sich leider auch einen Tag später noch über sechs Kilometer den Berg hinaufschlängelten (ich hatte ja gehofft, dass die Plattentektonik mal zu meinen Gunsten arbeitet) hatten mir schon Tage vorher Kopfzerbrechen bereitet. Tatsächlich schaffte ich den Anstieg aber am Stück und ohne Pause auch wenn mein Puls zwischen 170 und 180 bpm pendelte.
Nach 20 km merkte ich verstärkt die Belastung des Vortags. Und auch so ein Konzert ist nicht unanstregend. Ab der Hälfte der Strecke schoss mein Puls immer wieder über 170 bpm, auch ohne steilere Anstiege und die Oberschenkel wurden hart.
Kurz vor 22 Uhr kamen nach 78 Kilometern und 3:15 h ganz schön müde in Herzberg an. Nach einer Dusche, einem Shake und einem Schokopudding ging es dann auch bald ins Bett.
Ein richtig Wochenende mit netten Gastgebern und einem tollen Ensemble, das ich nicht missen möchte. Besonder schön war natürlich, dass Kai mich begleitet hat. Ohne ihn hätte ich den Rückweg bei dem Gegenwind vermutlich nicht gepackt oder wäre deutlich später angekommen….
Vor einigen Tagen hatte ich mir vorgenommen hügelig über Umwege Kai von der Arbeit abzuholen. Da Berge immer wieder mein Endgegner sind, die aber bezwungen werden müssen, rollte ich entspannt los. Schon auf dem ersten Kilometer überholte ich freundlich grüßend einen anderen Rennradfahrer und ging davon aus, dass sich unsere Wege gleich trennen würden. Ha haaa, falsch gedacht. Die ganze sanfte Steigung bis nach Sieber hatte ich ihn hinter mir. Immer mit einem gebührendem Abstand von etwa 50m, aber stets hatte ich den sprichwörtlichen Atem im Nacken. Schon auf diesem Teil merkte ich, dass ich für meine Verhältnisse eigentlich viel zu schnell unterwegs war. Zwei Stimmen meldeten sich ständig im Wechsel.
Engelchen auf der rechten Schulter: „Lass ihn doch überholen. Er fährt doch schon viel länger als du.“ Teufelchen links: „Aber du hast ihn gerade überholt! Wie sieht denn das aus, wenn du jetzt schlappmachst?“ Engelchen: „Du weißt schon, dass du schon die ganze Zeit zu schnell unterwegs bist und der eigentliche Berg gleich noch kommt.“ „Das. Ist. Egal. Du. Schaffst. Das…. Irgendwie.“ „Komm, mach eine kurze Pause, lass ihn überholen und alles ist gut. Hast du seine trainierten Oberschenkel gesehen?“
So ging es eine ganze Weile und da war er schon, der von mir gefürchtete Sieberberg. Aufgaben oder anhalten und überholen lassen war keine Option mehr und so bin ich notgedrungen die 2,3 km 6%ige Steigung hochgehechelt. Zum Schluss war mein Kopf so heiß, dass ich dachte mein Helm würde schmelzen. AAABER ich habe es geschafft und habe durchgezogen. Auf der Kuppe wartete ich auf meinen Verfolger, der tatsächlich ein wenig länger brauchte als ich. Bald kam er aber um die Ecke, wir zollten uns gegenseitig unseren Respekt und er fuhr Richtung Silberhütte den Berg wieder hinunter. Ich rollte hinterher und eigentlich hätte es entspannt werden können. Aber schwupps, da saß wieder das Teufelchen: „Schau mal, da vorne ist er. Vielleicht kriegst du ihn ja noch.“ und schon war ich wieder im Ehrgeizmodus. Bis nach Lauterberg blieb unser Abstand konstant und ich hatte keine Chance auch nur auf eine kleine Annäherung. In Lauterberg war ich schon über 25 km in einem Tempo unterwegs, welches sich deutlich von meinem Wohlfühltempo unterschied. Leider wählte der Herr vor mir ebenfalls die Route über Barbis und Scharzfeld, sodass sich erst hinter Scharzfeld sich unsere Wege trennten und ich wieder entspannen konnte. So fuhr ich die Straße nach Pöhlde und Rhumspringe um kurz vor 18 Uhr in Gieboldehausen anzukommen und dann fix und fertig die letzten 23 km mit Kai nach Hause fuhr. Diese 75 km waren deutlich schlimmer als die 100, die ich kürzlich gefahren bin. Leider kann ich meinen Ehrgeiz nicht abstellen. Gefährlich wird es bei mir nur, wenn meine Erwartungen an mich mal wieder höher sind als das, was ich erreichen kann. Das führt leider immer wieder zu großem Frust und Unzufriedenheit. Gerne wäre ich entspannter und würde mich gerne nur auf mich konzentrieren, aber die Ansprüche an mich sind oft höher als es für mich gut ist.
Trotzdem bin ich auch nach so einer Aktion stolz. Vor allem, da ich einige Bestzeiten gefahren bin. Manchmal brauche ich meinen Ehrgeiz um zu sehen, was wirklich möglich ist. Plötzlich schaffe ich den Berg, auch wenn es weh tut und fahre bessere Geschwindigkeiten. Natürlich werde ich auch wieder langsame Runden fahren, also im niedrigeren HF-Bereich trainieren, aber hin und wieder tut es meinem Ego ganz gut alles zu geben. Trainingseffizienz hin oder her.
Letztes Jahr durfte ich bei der Cycle Tour mitfahren. das waren meine ersten 100 km am Stück. Aber natürlich in der Gruppe. Das macht eine Menge aus, so dass ich das Ganze natürlich mit ganz viel Windschatten und Adrenalin gewuppt habe.
Seitdem dümpele ich wieder bei 50 – 80 km herum. Letztens sind Kai und sein Zwillingsbruder Sven eine längere Runde von etwa 120 km gefahren und ich war echt neidisch und auch ein bisschen angefixt. Also habe ich ihre Runde bei Komoot eingegeben und auf der Uhr gespeichert. 120 km waren für mich zu viel, weshalb ich mir auch mögliche Abkürzungen angeschaut hatte.
Gegen 10 Uhr nahm ich Platz im Sattel und rollte Richtung Osterode. Bei mir ist die Fitness der Oberschenkel immer Glückssache, aber es fühlte sich recht gut an. Also ging es direkt weiter nach Badenhausen. Dort entschied ich mich für eine Streckenabweichung. Während die Jungs bis kurz vor Seesen gefahren waren, kürzte ich über Willensen und Willershausen ab und nahm aber noch ein paar Höhenmeter mit. Weiter ging es über Echte nach Imbshausen.
Eine echte Diva
Imbshausen hatte ich bis dahin noch nie gehört. Es beherbergt aber ein Schloss aus dem 19. Jahrhundert, welches im Neugotischen Stil erbaut wurde. Es gehört dem Adelsgeschlecht von Strahlenheim und hat alles, was ein Schlösschen braucht. Einen Schlossgarten (13.000m³) und Wassergraben und zudem ist es eines der größten neugotischen Gebäude Niedersachsens. Da es im Privatbesitz ist, nur ein Foto aus der Ferne.
Schloss Imbshausen
Über die Deutsche Alleenstraße ging es weiter Richtung Northeim. Die Alleenstraße ist wunderschön, gerade jetzt im Frühling, aber so stark befahren, dass ich keine Fotos machen wollte.
Mein nächster Foto-Stop war nur einige Kilometer weiter, in Wiebrechtshausen. Dort befindet sich neben zahlreichen Schafen auch eine recht große Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert. Ein Zisterzienserinnenkloster, deren zuerst genannte Äbtissin Hedwig von Gandersheim war. Das Kloster gehört seit der Reformation 1542 zur Klosterkammer Hannover. Von der ehemals umfangreichen Klosteranlage sind nur noch die Kirche und ein Teil der Klausuranlage vorhanden. Jetzt nutzt sie ein großes Saatgutunternehmen.
Klosterkirche
Über einen schönen Radweg ging es weiter bis nach Northeim. Ich kämpfte mich zügig über die Radwege und Ampeln quer durch die Innenstadt und legte erst an der B3 Richtung Göttingen meinen ersten Futterstop ein.
Gestärkt rollte ich weiter nach Nörten-Hardenberg. Bis dahin ging alles wie geschmiert. Doch dann nahm das Elend seinen Lauf. Bei 40 km gingen mir noch Gedanken durch den Kopf wie „Toll, die 40 km liefen ja wie geschmiert!“, aber ab Kilometer 45 wurde mir so langsam klar, dass ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft hatte. Und dann kamen noch die Höhenmeter. Durch das Rodetal ging es zunächst mit einer sanften aber stetigen Steigung durch den Nörtener Wald. Da schnaufte ich mir schon einen Wolf. Danach erwarteten mich bis Bodensee einige zähe Steigungen, durch die ich mich recht erfolgreich durchbiss und nur zwei kurze Trink- und Gelpausen einlegte um meine Schnappatmung wieder in den Griff zu bekommen. Nach Bodensee fühlte ich mich schon in heimischen Gefilden. Allerdings fehlten mir noch 30 km. Und Komoot hatte sich überlegt, dass es wirklich den kürzesten Weg nimmt und mich über Höherberg schickte, ein kleiner Wallfahrtsort, der – oh wie überraschend – auf einem Berg liegt… Der Weg dort hinauf hat immerhin knackige 5,9% Steigung.
Wallfahrtsort Höherberg (Archivfoto von Kai)
Über Gieboldehausen, Wollershausen und Rhumspringe (Brötchenpause Nr. 2) ging es nach Scharzfeld und von dort aus nach Herzberg zurück.
Pause an der Hahle
10 km vor meinem Ziel schaute ich auf meine Uhr und stellte fest, dass ich 3.40 h unterwegs war. Schnell rechnete ich, dass ich, wenn ich Gas gebe, es VIELLEICHT, aber auch nur vielleicht unter 4h schaffen könnte. Dummerweise hatte ich noch einige Wellen und Anstiege vor mir. Ich trat also in die Pedale, was nach 90 km ganz schön weh tat und legte nach 3.55 h noch eine Pause ein. Zwei km vor dem Ziel. Diese gingen bergauf und ich musste noch einmal Kräfte sammeln. So konnte ich aber die 100 km in 3.59.40 schaffen (jaa, geschummelt, aber gut fürs Ego). Mit 100,45 km in 4:01:25h kam ich müde aber stolz zu Hause an.
Mein erster 100er, den ich ohne Windschatten gefahren bin. Und mein zweiter überhaupt. Gezweifelt habe ich zwischendurch jede Menge, aber es hat funktioniert :).