Overnighter im August

Der Sommer dieses Jahr lässt ja irgendwie zu wünschen übrig. Trotzdem war der Wunsch da, eine Bikepacking-Tour zu starten. Da Urlaub und Schönwetterfenster die Terminwahl stark eingrenzten lief es auf einen Overnighter, also eine Tour mit einer Übernachtung hinaus. Ich überlegte mir eine Tour über das Eichsfeld zum Kanonenbahnradweg, dann über den Wartburg-Herkulesradweg zum Herkules in Kassel und über Göttingen zurück. 244 km mit 2.690 Höhenmetern hätten es werden sollen. Doch wie sagte John Lennon schon so schön „Life is what happens to us while we are making other plans“. Es sollte also etwas anders kommen.

Die Wetterapps schlugen uns völlig unterschiedliche Wetterideen für die zwei Tage vor und ich wählte optimistisch die schönsten Aussichten aus. Morgens etwas Niesel, ab dann komplett trocken. Das klang doch gut. Der Niesel am Morgen war schon recht kräftig, wir warteten den Schauer ab und starteten entsprechend recht spät gegen 9.45 Uhr. Es ging östlich an Duderstadt vorbei über die Wehnder Warte nach Worbis. Schon hier war es ordentlich wellig und ich musste mal wieder erschrocken feststellen, was ein paar Kilo Gepäck am Rad so ausmachen.

Wir streiften Leinefelde und stießen bei Dingelstädt auf den Kanonenbahn-Radweg. Die Kanonenbahn war in den 1870er Jahren eine wichtige Militärverbindung zwischen Berlin und Frankreich. Auf 33 km ist er nun ein sehenswerter Radweg, der vor allem für seine Tunnel und das schöne Viadukt in Lengenfeld bekannt ist. Über dieses darf man jedoch nur mit der Draisine, nicht mit dem Rad fahren. Wie für ehemalige Bahnlinien typisch hielten sich auf der gesamten Strecke die Höhenmeter in Grenzen, es ging sogar überwiegend bergab.

Leider pustete uns dafür ein kräftiger Gegenwind ins Gesicht, der sich noch bis zum Abend sehr „entgegenkommend“ zeigte… Der Küllstedter Tunnel beeindruckte uns besonders. Über 1530m ging es durch die kalte Dunkelheit und dem Wind entgegen, der sich in den Tunneln besonders schön kanalisieren konnte. Trotzdem eine absolute Empfehlung, sich diese Tour einmal vorzunehmen. Bitte unbedingt mit Licht. Es gibt eine bewegungsgesteuerte Notbeleuchtung, genug Sicherheit bietet sie aber bei unbeleuchtetem Gegenverkehr nicht.

Entlang des Flüsschens Frieda wurschtelten wir uns durch nach Eschwege. Da wir – aufgrund einer Brückensperrung – überwiegend den Schildern folgten nahmen wir einen Umweg nah Eschwege in Kauf, wo wir uns allerdings auch ein paar Mal etwas verfranzten. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen rollten wir durch die Innenstadt, kreuzten die Werra und fanden uns in Reichensachsen wie gewünscht auf dem Wartburg-Herkulesradweg wieder.

Dieser verbindet auf 110 km Eisenach mit Kassel und lässt sich sehr schön fahren, da er bis auf wenige Meter schön asphaltiert ist. Die ganz großen Sehenswürdigkeiten gab es auf unserem Streckenabschnitt jedoch nicht. Es ging durch einige hübsche Orte, viel jedoch auch entlang von Bundesstraßen. In Hessisch Lichtenau suchten wir noch einmal einen Supermarkt auf und Kai sorgte für die Abendverpflegung. In der Zeit schaute ich in der App Camp Wild nach einer Hütte in der Nähe. Diese war auch gar nicht weit weg und bedeutete lediglich einen Umweg von vier Kilometern (mit dem Rückweg auf die Tour entsprechend acht). Das Höhenprofil hatte ich mir natürlich nicht angehschaut. Tatsächlich ging es die ganze Zeit nämlich knackig bergauf. Nach 130 km und dem Gepäck kam ich dort geringfügig an meine Grenzen. Im Wald angekommen fanden wir aber eine geräumige Hütte unter einer riesigen Buche, Sitzgruppe und Mülleimer vor. Also alles, was man braucht. Mit Rettungsdecke als Unterlage, unseren Isomatten von Thermarest und den Schlafsäcken machten wir es uns gemütlich. Da ich ja einen schönen Schlafsack von Grüezibag gewonnen hatte war ich ganz heiß darauf, diesen auszuprobieren. Er hat ein Moskitonetz, was mit einem Reißverschluss an die Kopf-Öffnung gezippt werden. Für diesen Einsatzzweck klasse, da wir ja ohne Zelt unterwegs waren.

Leider kam ich trotz des coolen Schlafsacks nicht in den Schlaf. Ich bin ja eine ziemliche Frostbeule, aber tatsächlich war mir der Schlafsack bei einer geschätzten Temperatur von 14/15°C einfach viel zu warm. In meiner Verzweiflung habe ich ein Kleidungsstück nach dem anderen auszogen, aber es war immer noch viel zu warm. Bis drei Uhr lag ich immer noch wach, krabbelte immer wieder raus um die Blase zu leeren oder einfach etwas herunter zu kühlen. Nachdem ich einige Stunden keine Mücken mehr gehört hatte beschloss ich, den Schlafsack doch nur als Decke zu nutzen und konnte so wenigstens bis kurz vor 6 Uhr etwas schlafen. Mückenstiche gab es wirklich keine, nur eine Zecke hatte sich an meinen Arm verirrt.

Völlig übermüdet (also eher ich als Kai) packten wir am nächsten Morgen die Sachen zusammen und frühstückten. Inzwischen hatte feiner Nieselregen eingesetzt. Erfreulich war die vier Kilometer lange Abfahrt, die wir uns gestern Abend hochgekämpft hatten. In diese Richtung war sie gar nicht so schlimm. Wir waren in Regenjacken gestartet und mussten diese auch nicht mehr ausziehen, da der Regen immer stärker wurde. Außerdem taten mir vom Vortag die Beine gewaltig weh und durch die Müdigkeit war mir zu allem Überfluss auch noch übel. Bis Kassel kamen wir ganz gut voran, da wir heute zumindest keinen Gegenwind hatten und es ausnahmsweise lange tendenziell bergab ging. Die Orientierung in Kassel war leider nicht so toll. Bisher hatten wir versucht nur nach Schildern zu fahren, aber den Wartburg-Herkulesradweg hatten wir plötzlich irgendwie verloren. Da der Regen stärker und die Sicht mies war entschieden wir uns dazu, den Besuch beim Herkules zu verschieben. Wir bahnten uns den Weg nach Hann. Münden, der uns über viele Höhenmeter und Landstraßen oder auch Feldwege mit teilweise weichem Untergrund führte. Bei letzteren hatte ich zwischenzeitlich das Gefühl überhaupt nicht von der Stelle zu kommen. Bei strömendem Regen rollten wir die Abfahrt nach Hann. Münden hinunter. Nach der Abfahrt waren die Beine eine Weile entlastet, aber ich wusste, dass Richtung Göttingen noch einiges an Höhenmetern auf uns zukommen würde. Daher bat ich Kai, die Tour an dieser Stelle abzubrechen. Nass bis auf die Knochen und mit schmerzenden Beinen wollte ich mich nicht weiterquälen. Schließlich soll das Ganze ja auch Spaß machen. Den hatte ich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr. Als wir am Bahnhof ankamen ließ der Regen zwar nach, aber wir waren trotzdem froh uns dort umzuziehen und in trockener Kleidung mit der Bahn nach Herzberg zu fahren.

Den nächsten Overnighter starten wir auf jeden Fall bei stabilerem Wetter, mit einer harmloseren Strecke und dem dünneren Schlafsack (zumindest wenn die Nächte doch noch verhältnismäßig warm sind). Nach dieser Tour habe ich übrigens die 5000 Jahreskilometer voll. 😊

Vulkanradweg

Schulfreunde verliert man häufig irgendwann aus dem Blick. Auch bei Anna war das so. Nach dem Abi vor *hust* 14 Jahren haben wir uns vor einigen Jahren noch einmal zu Essen gehen verabredet und dann war lange Funkstille, da es sich irgendwie nicht ergeben hat. Im Winter war ich fleißig am Zwiften als sie plötzlich zu mir Kontakt aufnahm. Tatsächlich hatte auch sie mit dem Radfahren angefangen und sich ein Gravel gekauft (mittlerweile hat sie sogar auch schon ein schickes Rennrad). Beim Fachsimpeln über Zwift und Räder stellten wir fest, dass wir uns immer noch ziemlich gut verstehen. Und fuhren auch einige Male digital gemeinsam bei Zwift. Nun wohnt sie nicht mehr hier in der Gegend sondern in Frankfurt, was häufige Treffen eher ausschließt. Trotzdem sind wir vor ein paar Wochen bereits eine kleine Runde gefahren, als sie hier auf Heimatbesuch war. Bereits da hatten wir viel Spaß und ich versprach ihr einen Gegenbesuch. Schon platzte sie mit ihrem Plan heraus. Bei komoot habe sie eine Runde gefunden mit schlanken 160 km und 1400 hm. Ich war etwas ungläubig, aber sie hatte sich das in den Kopf gesetzt und ich kann einfach so schlecht „nein“ sagen. Außerdem lockte mich die Tour natürlich auch ungemein. Es sollte über den Vulkanradweg gehen und laut Höhenprofil etwa 80 km leicht bergauf und 80 km tendenziell eher bergab gehen. Das sollte mental auf der zweiten Hälfte ganz gut machbar sein – dachten wir. Aber häufig kommt ja alles anders als man denkt.

Das Wochenende rückte heran und ich reiste am Samstag bei meiner Cousine Regina und ihrer Familie an und durfte dort einen schönen Tag in Babenhausen verbringen. Mit Hundespaziergängen, Bummel durch Babenhausen, Leckereien vom Grill und einem gemütlichen Abend mit Gin Fizz, für den die Nachbarschaft noch Zuckersirup und Zitronen lieferte.

Die Nacht war viel zu kurz, aber ansonsten fühlte ich mich gut als ich mit dem Auto nach Frankfurt fuhr. Dort holte ich Anna ab und wir bahnten uns zunächst den Weg mit den Rädern aus Frankfurt raus. Aufgrund der angekündigten Böen hatte sie sich zum Glück für das schwerer aber stabilere Gravel entschieden. Die Sonne stand tief, es ging bergauf und schon hatte ich die erste rote Ampel übersehen und -fahren. Zum Glück nur eine Baustellenampel. Ohne weitere Verkehrsdelikte ging es einige Kilometer auf die Hohe Straße. Diese 38 km lange Regionalparkroute verläuft (wie ich jetzt im Nachhinein weiß…) zwischen Büdingen und Frankfurt, und war Teil des europaweiten Handelswegenetzes.

Auf der Hohen Straße blieben wir nicht lange sondern bogen ab Richtung Altenstadt, wo wir auf den Vulkanradweg auffuhren. Dieser fein asphaltierte Radweg führt von dort bis zum 94 km entfernten Schlitz. Ganz weit wollten wir jedoch nicht. Überall sahen wir riesige Gruppen von Störchen. Auch wenn sie schon lange nicht mehr selten sind war die schiere Masse beeindruckend. Über schnuckelige Orte ging es sanft ansteigend zunächst bis Gedern. Am dortigen Schloss machten wir eine kleine Pause um einige Orte weiter (kurz vor Grebenhain) den Vulkanradweg zu verlassen.

Bis zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung gut. Wir hatten fast die Hälfte geschafft und bald würde es ja bergab gehen. Davon war zu diesem Zeitpunkt leider noch nichts zu spüren. Dafür wurde aber der Wind zum Problem. Die angekündigten Böen waren unsere Dauerbegleiter und kamen meist von vorn oder auch gerne mal überraschend von der Seite. Dies machte Anna zu schaffen, da sie auf Landstraßen (auf denen die Leute übrigens noch schlimmer fahren als im Harz…) noch etwas unsicher ist. Die Kombination aus Wind, dauernden Anstiegen, Landstraßen mit doofen Autofahrern, Selbstzweifel und einem schmerzenden Hintern ließen die Laune rapide sinken, was ich ihr aber keineswegs übel nahm. Ich hatte oft genug selbst ähnliche Gefühle. Leider fehlte mir die Kraft mich auf ihr Tempo einzulassen und so fuhr ich gerade in den Anstiegen meist vor und wartete oben. Für die Motivation der Mitfahrerin totaler Bockmist, aber bei einer solchen Strecke für mich nicht anders machbar. Irgendwie kämpften wir uns bis nach Büdigen, welches eine wunderschöne mittelalterliche Altstadt (die europaweit zu den am besten erhaltenen zählt) und viel Kopfsteinpflaster hat. Dort spendierte Anna ein Eis und eigentlich sollte sich die Stimmung verbessern – es waren nur noch 40km bis zum Ziel.

Dann zog sich aber der Himmel zu und es begann zu gewittern und zu regnen. Was nun? Abwarten? Abbrechen? Weiterfahren? Nachdem das Gewitter nicht wirklich beeindruckend war, entschlossen wir uns, zunächst ein paar Orte weiter zu fahren. Schon nach dem nächsten holte uns der Regen richtig ein. Nass bis auf die Schuhe das Polster ging es weiter. Im Nachhinein ist es total ärgerlich, dass wir nicht gehschaut haben, wo die Hohe Straße beginnt. Denn schon ab Büdingen hätten wir darauf – ungestört von Autofahrern – unseren Weg bis Frankfurt fortsetzen können. Wir folgten jedoch der von komoot vorgeschlagenen Route und trafen erst in Ostheim auf die Hohe Straße. Noch immer warteten wir jedoch erfolglos auf die deutlichen negativ-Höhenmeter… Nun wurde Anna zwar nicht gerade euphorisch, aber man merkte, dass sie innerlich etwas aufatmete. die Erschöpfung war allerdings schon recht massiv und letztlich wollten wir nur noch ankommen. Mit einem Blick über die Skyline und die letzten Kilometer durch die Stadt endete unsere Tour in Frankfurt.

Ich verabschiedete Anna schnell, da sie ein Date mit ihrer Badewanne hatte und machte mich auf den Weg zurück nach Babenhausen.

Regina zauberte noch ein leckeres Essen, die Müdigkeit übermannte (oder heißt es jetzt überfraute?) mich jedoch recht bald.

Am nächsten Tag bin ich ganz glücklich, dass ich mir ausnahmsweise mal keinen Wolf gefahren habe. In der letzten Woche hatte ich noch ein bisschen mit der Satteleinstellung experimentiert und war scheinbar endlich erfolgreich. Heute Nacht habe ich tatsächlich durchgeschlafen und fast zwei Stunden länger als für mich üblich. Nach dem langen Schlaf fühle ich mich auch richtig gut. Ja, die Oberschenkel spüre ich, aber das darf ja auch sein :).

Auf Anna bin ich unglaublich stolz. Auch, wenn sie die letzten 80 km leider nicht mehr ganz so viel Freude hatte und sobald nicht noch einmal eine solche Rund fahren möchte hat sie sich tapfer durchgebissen und allen Zweiflern zum Trotz gezeigt was sie kann. Gerade bei den widrigen Verhältnissen hätten sicherlich viele die Tour abgebrochen.

Was für ein Brocken

Stadtradeln, kaputte Felge, schneller, höher und weiter

Nordhausen calling. Und wir kommen. Am 30. Juni lachte die Sonne und wir sattelten die Räder und fuhren über Straßen aber auch schöne Schotterwege über zum Teil gar nicht soo schöne Hügel über Bad Sachsa und das Kloster Walkenried nach Nordhausen. Obwohl diese Stadt gar nicht so weit weg ist und viel zu bieten hat, waren wir noch nie dort. Das musste geändert werden. Mit dem Rad konnten wir uns zumindest eine ganz ganz kleinen Eindruck der Stadt machen. Mit spannender Industriekultur und schöner Altstadt sicherlich noch einmal eine Fahrt wert. 126 km mit ganz viel Abwechslung und schönen Fotomotiven.

873 km und 5341 hm in 40 Stunden habe ich im Juni auf dem Rad zurück gelegt. Behauptet zumindest Strava. Die Kilometer haben sich angesammelt, da ich meine Schule fürs Schulradeln (ein Bestandteil des Stadtradelns) angemeldet habe und selbst mit gutem Vorbild voran fahren wollte. Beim Stadtradeln geht es zum einen um die Einsparung von CO2, jedoch auch um den Ausbau der Radinfrastruktur, die hier auf dem Land aber mittlerweile gar nicht mehr soo übel ist. So bin ich immer wenn es sich anbot auch mit dem Rad zur Arbeit gefahren und habe das Rad so oft wie nur möglich bewegt. So konnte ich für mein Team immerhin in drei Wochen 811 km beisteuern. Mit den Topleuten, die sich für unsere Schule angemeldet haben konnte ich nicht mithalten. Die sind tatsächlich knappe 1398 und 1173 km gefahren. Wahnsinn! Insgesamt ein schöner Wettbewerb, bei dem ich auch im nächsten Jahr wieder gerne dabei bin. Mit Platz 138 von 316 aktiven Schulen müssen wir uns auch nicht verstecken.

Zwischendurch war Fahrradpflege angesagt. Außerdem gab es eine neue Kette und Kassette. Nach knapp 10.000 km war das wohl mal nötig. Beim Felgenwaschen entdeckte Kai die feinen Haarrisse an fast jeder zweiten Speiche (immer an der Antriebsseite). Was für ein Mist. Die nächsten Touren fuhr ich wie auf rohen Eiern und zuckte bei jeder Bodenwelle zusammen. Eigentlich albern, da die Risse sicherlich schon einige Zeit in den Felgen waren. Nun war jedoch guter Rat teuer und gute Felgen noch viel teurer. Gerne hätte ich mich etwas verbessert und die GR 1600 von DT Swiss gegönnt, aber wie sollte es anders sein – natürlich ist der Laufradsatz überall vergriffen. Also gab es den G1800 für rund 300€ (OVP: 388€). Die sind auch schick und haben ein nettes Freilaufgeräusch. Wenn sie etwas länger halten als die Vorherigen bin ich doch schon happy.

Mit neuen Felgen versuchte ich mich an einer Solo-Flachlandrunde um zu schauen, welches Tempo für mich auf so einer Strecke möglich ist. 60 km sollten es sein, da ich einen Startplatz für die Cyclassics in Hamburg gewonnen habe. Mein erstes richtiges Rennen mit Zeitnahme und allem Schnick und Schnack und gleich in Hamburg! Dort starte ich auf 60 km und nun ja, ich denke es wird recht flach. Maik, einer der Radfreunde hier aus der Gegend, hatte erst einige Tage vorher für sich eine Runde gebastelt, die ich mir dreist geklaut habe (immerhin bin ich sie anders herum gefahren). Tatsächlich schaffte ich auf der ersten Hälfte einen 32er Schnitt. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass es dort auch tendenziell bergab ging. Im Feld zwischen Scharzfeld und Pöhlde wäre ich gut mit 35 km/h durchgekommen, hätte mich nicht dieser dusselige Rentner oder älterem Land-/Forstwirt aufgehalten, der mich zwei Kilometer lang nicht vorbeilassen wollte und sogar gependelt ist anstatt einfach rechts zu fahren. So musste ich da auf 30 km/h abbremsen. Meckern auf hohem Niveau, aber total ärgerlich. Ab Gieboldehausen ging es langsam los mit Gegenwind und ab Hattorf holten mich die Höhenmeter ein, die vorher bergab gefahren war. Plötzlich fiel der Schnitt auf teilweise 25 km/h. Ich hatte das Ziel unter zwei Stunden und bleiben und trat so doll ich eben konnte in die Pedale. Nach 1:59:19 zeigte mein Rox 60 km an. Puhh, knappe Kiste, aber geschafft. Fairerweise muss ich sagen, dass es vermutlich doch kein 30er-Schnitt war, da Sigma gerne großzügig bei der Kilometervergabe ist. In der Regel habe ich immer ein paar km mehr als Kai auf seinem Garmin. Trotzdem war es für mich auf einer Solofahrt die höchste Geschwindigkeit und darauf kommt es mir an. In Hamburg sollte ein 30-Schnitt locker drin sein, vielleicht sogar 32, da man im Pulk ja doch deutlich schneller unterwegs ist.

Gestern fuhren wir zum letzten Tag des Stadtradelns mit einigen Leuten aus dem Göttinger Raum und einer Strava-Bekanntschaft aus Berka von Herzberg aus auf den Brocken. Angesagt waren 80 km und kein Rennen. Das fand ich sympathisch, da ich ja an Bergen nicht so sonderlich stark bin. Zum Glück waren noch zwei weitere Frauen dabei, weshalb das Tempo tatsächlich recht entspannt war. Daher lief es übers Siebertal ganz gut. Im oberen Teil der Schluft fuhr jeder sein Tempo und ich kam sogar ohne Pausen an. Trotzdem war ich dort schon ganz schön erschossen. Immerhin ging es auf der Harzhochstraße entspannter zu und und rollte bis Braunlage ziemlich entspannt. Dann wurde es wieder welliger und ab Elend noch ein einmal elendig eklig bis Schierke. Oben angekommen verschnauften wir noch einmal, bevor wir die letzten Kilometer auf der Brockenstraße in Angriff nahmen. Das ging anfangs auch ganz gut, eine Pause brauchte ich an einer Rampen aber trotzdem. Ab einer bestimmten Steigung fange ich immer an zu Pfeifen. Ob ich hyperventiliere oder vielleicht doch ein Belastungsasthma habe – ich weiß ich nicht. (Da ich den Abend über aber nach solchen Geschichten auch zu Hause immer nur eingeschränkt atmen kann tippe ich eher auf letzteres.) Danach ging es weiter. Kurz vor der Knochenbrecherkurve (die heißt nicht umsonst so…) trafen wir zunächst Brocken-Benno und kurz danach einen Kollegen mit seiner Frau. Am letzten Kilometer verließ mich wieder der Atem. Zitternd und laut aus der Lunge pfeifend musste ich einige Meter schieben. Die letzten Meter gingen irgendwie und schließlich war ich oben. Trotz der Schwächen am Ende war und bin ich immer noch stolz, da hochgekommen zu sein. Oben setzten wir uns und aßen und tranken um wenigstens einen Teil der Kalorien wieder reinzuholen. Dann machten wir uns auf den Rückweg. Die Abfahrt war der Kracher. Im oberen Teil musste man noch sehr bedacht fahren ob der Wanderer, aber im unteren Teil konnte man super laufen lassen und mit 50-60 km/h runter rollen. Zwischendurch wurde es noch wellig, aber das war vernachlässigbar. Leider musste sich die Gruppe in Braunlage trennen, da Daniela (aus Göttingen) fiese und immer lauter werdende Geräusche am Rad hatte, die immer lauter wurden. Erst lag der Verdacht auf den Speichen, dann stellte sich das Ganze als Lagerschaden heraus. Die Göttinger Fraktion legte also in Braunlage eine Kaffeepause ein, um auf Danielas Mann zu warten, der ihr andere Laufräder bringen sollte und wir fuhren mit Katrin (aus Berka) über Bad Lauterberg zurück. Wir begleiteten sie noch bis Hattorf und fuhren dann nach Hause. Nach 133,33 km und 1641 hm waren wir auch wieder zu Hause. Mit dieser netten Gruppe war das eine gelungene Bike-Brocken-Premiere für uns drei Damen.

Mittlerweile habe ich die 4000 Jahreskilometer geknackt. Zur Erinnerung: im letzten Jahr bin ich insgesamt 4.500 km gefahren. Ich bin gespannt, was das Jahr noch für mich bereit hält, ob wir in den Sommerferien noch eine kleine Bike-Packing-Tour oder wenigstens einen Overnighter starten und wie das Rennen in Hamburg wird. Drückt mir die Daumen. 🙂

Alles neu macht der Mai

Wow, das ist schon mein 40. Beitrag. Ein kleines Jubiläum. Auch hier findet ihr einiges an Produkten. Diese sind allerdings alle selbst gekauft und daher ehrlich bewertet ohne die Werbetrommel zu rühren. 🙂

Der Mai war wettertechnisch ja etwas april-lastig. Viel Regen und Wind, wie wir alle in Deutschland zu spüren bekommen haben. Und was macht bei schlechtem Wetter? Das Rad auf Vordermann bringen und onlineshoppen…. Dringend nötig hatten es meine Reifen. Da musste mal wieder Ersatz her, da ich wieder fast auf Slicks unterwegs war und alle Gummiwutzeln (danke für dieses Wort Niki Lauda) abgefahren waren. Jetzt fahre ich wieder einmal mit Schwalbe Bereifung (G-One Allround Performance) und musste mich die ersten Kilometer an das Profil gewöhnen. Plötzlich klebt der Asphalt, wenn man zuvor noch ohne Profil unterwegs war. Tatsächlich ist es bei Gravelanteilen aber auch wieder viel angenehmer, wenn die Reifen nicht gleich durchdrehen. Die Kette war nun auch schon seit zwei Jahren drauf und bevor auch die Kassette gewechselt werden muss durfte auch ein neuer Ritzelschmuck aufgezogen werden. Das Bike war nun wieder sommerschick. Fehlte nur noch der Fahrer.

Von meinen Sitzbeschwerden hatte ich ja schon diverse Male geschrieben. Daher kam die Idee mir mal eine teure Hose zu kaufen. Also schaute ich wochenlang bei allen namenhaften Herstellern wie Rapha, Castelli und Assos, konnte mich aber nicht so recht entscheiden. Dann stieß ich auf everve. Die deutsche Firma hatte ich schon vor zwei Jahren gefunden, da sie (leider nur für Herren) Hosen mit individuellem Polster anbieten. Dort fand ich aber auch tech Trägerhose für Damen. Im Vergleich mit 125 € deutlich günstiger. Nun bin ich von Natur aus skeptisch und vorsichtig. Denn ich wollte nicht wieder eine mittelklassige Hose fahren, mit der ich hinterher unglücklich bin. Nach Emailkontakt wusste ich dass die Polster dort gefertigt werden, wo auch Assos produziert und wie der Preis zustande kommt. Everve arbeitet ohne Zwischenhändler. Durch diesen Direktvertrieb spart der Endkunde jede Menge Geld. Nach dem netten Kontakt habe ich einfach mal bestellt. Viele schreiben, dass die Hosen eng sind – jupp sind sie definitiv. Aber wenn man sich erst einmal reingezwängt hat sitzt sie angenehm komprimierend. Die Träger laufen seitlich an der Brust vorbei, wer da empfindlich ist, sollte also keine Probleme haben. Die tech ist deutlich kürzer als meine Scott RC. Zum Bräunen ist das sehr schön, ein Kompressionseffekt bis zur Mitte des Oberschenkels wäre aber auch nicht schlecht. Die Träger lassen sich zur Biopause hinten abnehmen. Zwei kleine Haken sind hierfür zu lösen. Das funktioniert prinzipiell ganz gut. Allerdings ist das Schließen tatsächlich recht fummelig und verlangt etwas Übung und Gelenkigkeit. Leider kam ich auf den ersten Fahrten überhaupt nicht mit dem Polster zurecht. Immer war ich am Zuppeln und musste Stoppen um das Polster wieder in die Breite zu ziehen. Ärgerlich. Zum Glück hatte ich mir für mein Kickrbike einen SQLab 612 Sattel gekauft. Diesen tauschte ich gegen den Ergon SR Pro Women mit dem ich bisher recht zufrieden unterwegs war. Der Ergon hat eine Öffnung um den Schambereich zu entlasten. In dieses hat sich das Polster der Hose immer wieder reingezogen. Mit dem SQLab fehlen mir noch die Erfahrungen bei ganz langen Touren (bisher outdoor nur 70km am Stück) aber er scheint deutlich besser mit der Hose zu harmonieren und das Gezuppele hat ein Ende. Alles in allem schneidet die Hose bei mir mit kleineren Abzügen ganz gut ab und ich bereue den Kauf nicht. Vielleicht könnte man tatsächlich die Befestigung der Träger überdenken. Hier bevorzuge ich den Reißverschluss von Endura oder den magnetischen Clip bei Scott.

Nach der Hose kam die Sehnsucht nach neuen Schuhen auf. Mein erstes Paar hatte ich mir vor zwei Jahren günstig geschossen und hatte auch nie Probleme, schön, sind sie aber nicht mehr so richtig, da einige Stollen fehlen und sie schon ordentlich Macken haben. Blöderweise sind sie zu allem Überfluss auch noch braun und nicht schwarz. Modisch also kein Highlight. Die neuen Schuhe sollten auffallen. Schwarz wäre auch in Ordnung gewesen, eigentlich wollte ich aber auffällige Schuhe. Auffällig ist aber auch nicht immer unbedingt schön. Auch hier nahm die Suche mehrere Wochen (immerhin nicht ununterbrochen) in Anspruch. Dann entdeckte ich die Gravel-Schuhe RX8 von Shimano. Nicht ganz günstig, aber in silber mit dezentem Camouflage-Muster ein echtes Highlight.

Neu vs. alt

Zunächst machte ich mir Sorgen darum, wie empfindlich die Beschichtung sei, nach zwei kleineren Stürzen auf Schotter und Asphalt haben sie aber keinen Kratzer abbekommen. Stürze? Ja leider. Beide auf einer Tour… Am Pfingstmontag war ich mit Kai im Harz unterwegs knackige Höhenmeter und ganz viel Schotter forderten mich ganz schön. Unter den neuen Schuhen hatte ich auch neue Cleats. Doch damit nicht genug. Bisher bin ich immer die Multi-Release-Cleats von Shimano gefahren, die einen Ausstieg nach oben, schräg oben oder zur Seite ermöglichen. Leider hatten wir noch die schwarzen da, die einen Single-Release (also Ausstieg nur durch das Drehen des Fußes zur Seite) zu Hause. Egal dachte ich. Das bekomme ich schon hin. Jetzt kann ich sagen – nö, bekomme ich nicht hin. Das erste Mal kippte ich auf Schotter, wenige hundert Meter später auf Asphalt um, natürlich beide Male auf dasselbe Knie. Dem Rad ist zum Glück nichts passiert. Nur komme ich mir jetzt vor wie ein Grundschulkind mit der kleinen Schotterflechte am Knie. Ich kam einfach trotz mehrfachen Versuchens nicht aus den Pedalen, wobei die wirklich nur sehr soft eingestellt sind. Ich nehme an, dass ich mir einen Ausstieg nach außen-oben oder so angewöhnt habe. Auf jeden Fall eine nicht die Bewegung, die hier nötig wäre. Bevor ich noch weiter für Erheiterung sorge, wenn ich an jeder Kreuzung umfalle, bestellt ich mir wieder die silbernen Cleats. Sicher ist sicher…

Zwei erwähnenswerte Touren gab es auch noch. Am 09.05. fuhren wir 150 km über Göttingen zum Hohen Hagen bei Geismar und über Northeim zurück. Da wollte ich einfach mal schauen, was es mit dem Berg auf sich hat, da bei dem Rad-Rennen in Göttingen (der Tour d´Energie) immer alle Angst davor haben. Tatsächlich ist der Anstieg (nach 80 km) in den Beinen knackig, aber ich hatte schlimmeres erwartet. Schlimmer da war tatsächlich der Anstieg der sich durch Settmarshausen zieht. Eine lange lange gerade Straße, die sich mit 5% durch den Ort zieht. Wir kamen insgesamt auf 980 Höhenmeter, die meisten, die ich bisher gefahren bin. Nach sechs Stunden Fahrt hatten wir beide bei dem tollen Wetter einen ganz schönen Sonnenbrand.

Die zweite anspruchsvollere Tour war am Pfingstmontag. Wieder war der Wind mal wieder kräftig, aber zumindest schien die Sonne. Geplant waren eigentlich eine reine Straßentour mit 70 km und 760 Höhenmetern. Geworden ist es eine Road/Gravel-Tour mit 70 km und 940 Höhenmetern. Los ging es von Herzberg mit Gegenwind nach Bad Sachsa und dann den S.H.E. (Radweg auf der Strecke der früheren Südharzer Eisenbahn) über Wieda nach Braunlage. Der Untergrund waren überwiegend Schotterwege, hin und wieder schmalere schlammige Trails. In Braunlage kippte ich das erste mal am Forellenteich aus dem Sattel. Nachdem ich mich wieder aufgerappelt hatte und wir auf den Schreck erst einmal die Brötchen vernichteten fuhren wir schotterig weiter Richtung Rinderstall (mit einem weiteren Umfaller). Ab dann wurde es haarig für mich. Die Steigung, der Schotter und die aufsteigende Panik nicht mehr aus dem Pedal zu kommen raubten mir ganz schön die Kraft, sodass ich einig Meter schieben musste. Ab dem Parkplatz Dreibrodesteine oberhalb von St. Andreasberg ging es bergab. Im positiven Sinne. Endlich wieder rollen lassen, größtenteils sogar auf Asphalt. Toll… Der Weg endete im Siebertal, wo uns wieder fröhlich der Wind begrüßte. Ich klemmte mich in den Windschatten und ließ mich bis Herzberg ziehen. Da war ich dann wieder ganz gut erholt ;).

Die ersten 2021 km in 2021

In diesem Jahr habe ich bereits deutlich mehr im Sattel gesessen als im letzten. Zwar war das Wetter bis auf einige tolle Tage verbesserungswürdig, aber dank des Kickrbikes sind schon einige Kilometer mehr für mich Geschichte. Während ich Anfang des Jahres noch einige Male draußen unterwegs war, bin ich seitdem überwiegend indoor gefahren. Das macht mir auch noch immer viel Spaß. Das ist auch in der Statistik deutlich zu erkennen. Während ich draußen etwas über 500 km unterwegs war, waren es drinnen fast 1500 km.

100 Indoor

Im Februar habe ich ein vorgefertigtes Zwift-Training für eine 100er Runde gemacht. Angelehnt ist es an den persönlichen FTP Wert und spielt mit den verschiedensten Formen des Intervalltrainings. Von Low Cadence (geringe Trittfrequenz – fürchterlich!) bis hin zu Step-Down-, Treppen- und Pyramidenintervallen gibt es verschiedene Training, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums gefahren werden sollten.

Doch was ist denn dieser FTP? Vor einigen Monaten wusste ich das auch nicht. Die Abkürzung steht für „Functional Threshold Power“ und bedeutet im Deutschen soviel wie „funktionelle Leistungsschwelle“. Sie gibt an, welche Wattzahl man konstant in einer Stunde treten kann. Hierfür gibt es verschiedene Tests. Entweder fährt man 20 Minuten volle Power und multipliziert den durchschnittlichen Wattwert mit 0,95 oder man fährt 60 min. und nimmt direkt den durchschnittlichen Wattwert. Nach diesem Wert kann man anhand einer Tabelle ermitteln, wo die optimalen Werte für Langstreckenfahrten (56-75% des FTP) oder für aktive Erholung (unter 55% des FTP) liegen. Hier zur Veranschaulichung eine Tabelle:

FTP – Der funktionelle Leistungsschwelle | Laktat-...
https://roadcycling.de/ratgeber/training-und-ernaehrung/laktat-schwellenwert-tipps/3

Mitte März bin ich meinen ersten 100er bei Zwift gefahren. dabei hat mich eine Freundin auf den ersten anderthalb Stunden begleitet. Zu ihrem Leidwesen ging es den Epic KOM hoch. Zehn Kilometer mit 400 Höhenmetern. Für mich im Laufe der Fahrt sogar noch ein zweites Mal. So waren es nachher 100 km mit 1.261 Höhenmetern in knapp vier Stunden. Nach zwei Stunden tat mir bereits der Hintern weh, aber ich wollte gerne mein gestecktes Ziel erreichen und habe ich mich durchgebissen. Zum Schluss waren meine drei Flaschen leer und Kai musste mir für die letzten fünf Kilometer noch Nachschub holen, da ich sonst vom Rad gekippt wäre. Ein ganz schönes Brett, so ganz ohne kühlenden Fahrtwind.

100 Outdoor

Nach verschiedenen Group Rides, Fahrten mit Freunden und Solofahrten digital ging es Ende März beim bombastischen Wetter auch endlich wieder raus. Einmal alleine, einmal mit Stefan. Mit ihm fuhr ich zügig eine 50 km Runde und war ausnahmsweise einmal selbst der Windschattengeber. Noch stresst mich das ganz schön, da ich immer das Gefühl habe zu langsam zu fahren, aber es zeigte sich, dass das Training im Winter Früchte getragen hat. Immerhin hat sich innerhalb eines Monats der FTP von 158 auf 180 Watt verbessert. Mit Stefan zockelte ich die Berge schnell wie bisher noch nie hoch. Am Karfreitag fuhr ich mit Kai und Sven eine Gravelrunde und merkte in der Ebene und vor allem auf dem Asphalt, dass meine Muskulatur etwas mehr Leistung bringt. Am nächsten Tag gab ich auf dem Kickrbike bei der „Tour of Watopia“ alles und war nach 35 km völlig ausgelaugt.

Ein Ruhetag wäre hier sicherlich gut gewesen. Der Wetterbericht sah aber vor, dass der Ostersonntag der vorerst letzte halbwegs erträgliche Tag mit durchschnittlich 7°C sein sollte. Also entschieden wir uns spontan beim Frühstück, doch einen 100er zu fahren. Wirklich schön war es nicht, da mich für die zu dünnen Handschuhe entschieden hatte und der Wind es gar nicht gut mit uns meinte. Er drehte zwischendurch so, dass er uns den Großteil der Strecke entgegen kam. Zum Glück durfte ich mich an Kais Fersen heften und so dem schlimmsten Gepuste entgehen. Trotzdem war die Tour für mich heftige anstrengend und ich zweifelte an meinem vorherigen Training. Natürlich schüttele ich eine Langstrecke wie diese aber nicht aus dem Ärmel und etwas Regeneration hätte mir wohl auch gut getan. Die Kälte und der Wind haben die Tour nicht gerade zu einer Spazierfahrt gemacht und die knackigen Anstiege zwischendurch gingen ganz schön in die Beine. Immerhin hatten wir aber die Radwege und vereinzelt auch die Straßen fast für uns allein. Bei Sonne und 20°C hätte das wohl anders ausgesehen.

Indoorradeln mit dem kickrbike

Welcher Rollentrainer?

Dieses Jahr hatten wir ja tatsächlich einmal winterliche Temperaturen im Winter und ich kam schon Ende des Jahres an die Grenzen des Erträglichen. Trotz Winterhose und -schuhen, Merinosocken dicken Handschuhen und beheizbaren Sohlen hatte ich nach etwa 30 Minuten die ersten Anzeichen, dass sich das Blut aus Fingern und Zehen zurückzieht und nach zwei Stunden war der Spaß für mich dann vorbei. Längere Touren – undenkbar. Schon nach kurzen Touren stand ich bis zu 20 Minuten unter der Dusche, bis meine Finger von weiß und dunkelblau über knallrot und schmerzend zu einer normalen Färbung zurückgefunden hatten. Das ganze nennt sich ja Reynould-Syndrom und ist gar nicht so selten. Immer wieder hört man „ach, du hast das auch?“. Von daher werden einige hier wissen, wovon ich schreibe und weshalb Radfahren im Winter eher eine Tortur als ein Genuss ist. Gegen indoorcycling habe ich mich bisher immer gesträubt. Das ganze Hinterrad ausbauen oder vielleicht sogar anderen Reifen aufziehen und Kassette einstellen und und und… dieser ganze Kram hat mich sehr abgeschreckt. Außerdem würde ich mich gerne bei schönem Wetter spontan auch wieder outdoor aufs Rad setzen ohne vorher alles Mögliche umzubauen. Natürlich hätte ich mir ein günstiges Zweitrad und einen Smarttrainer kaufen können, aber nach langem Überlegen und Testslesen habe ich mich für das wahoo kickrbike entschieden, da ich mir da die ganze Montage und Einstellerei sparen kann. Noch lieber hätte ich mir das Wattbike Atom gekauft, weil es etwas ausgereifter wirkt und deutlich weniger kostet. Leider ist das in Deutschland nicht zu bekommen. Nicht zu bekommen – das gilt natürlich auch für viele andere Rollentrainer, aber immer wieder sind doch einzelne Exemplare plötzlich zu haben. Und so war auch mein Kickrbike innerhalb weniger Tage da.

Aufgesattelt

Kai half mir beim Aufbau, wobei dieser relativ einfach vonstatten geht. Stützfüße anschrauben, Sattel und Lenker drauf und Pedale dran. Dann noch ein paar Kabel einstecken und das war´s. Bei der Lieferung ist alles dabei – sogar Pedale. Allerdings nur flats. Das ist aber ganz klar, da ja jede Firma ihr eigenes click-System hat. Ich montierte einmal kurz den gelieferten Sattel und merkte sofort, dass der bei mir keinen Sinn macht. Von meinem Bekannten Ronny durfte ich allerdings den Brooks C17 carved ausprobieren.

Noch mit „flats“

Mit dem hatte ich schon lange geliebäugelt. Leider passt auch dieser Sattel überhaupt nicht zu mir. Das Schambein fühlte sich nach zwei Touren so an, als sei es grün und blau, obwohl auch auch mit der Höhe der Sattelnase noch experimentiert hatte. Außerdem ist die Öffnung tatsächlich ZU groß. Auch andere zunächst vielversprechende Sättel überzeugten mich nicht…

Ein weiterer Bekannter (Bernhardt aus Hattorf) ließ mich den 611 von SQLab testen. Der war ganz gut, wobei nach zwei Stunden auch alles weh tat. Aber das muss beim Indoorradeln wohl so sein. Letztendlich bestellte ich mir den 612 von SQlab und der darf im Sommer auch auf mein Gravel wandern. Einen großen Unterschied zum 612 merke ich nicht, aber da ich jetzt auf so vielen Sätteln saß sind tatsächlich mein Ergon und der 612 die „kleinsten Übel“. Vermutlich muss ich mich damit anfreunden, dass ich untenrum einfach ziemlich empfindlich bin und gelegentlich mit Eiterknoten, Brennen & Co. leben muss.

Gut, dass man beim Indoor Training kaum schwitzt 😅

Erster Eindruck

Genug der ekligen Details. Kommen wir zurück zum Kickrbike. Das Bike selbst hat ein schlankes Design und wirkt recht gut verarbeitet. Der immer wieder kritisierte Lenker ist tatsächlich nicht sehr komfortabel, da das Rohr einen sehr dünnen Durchmesser hat. Als Schweißschutz nutze ich ein Handtuch, welches ich gleichzeitig als Lenkerpolsterung nehme. So lässt es sich arbeiten. Die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass das Rad für jeden perfekt angepasst werden kann. Durch die App ließ ich mir (nach Angabe von Schrittlänge und Körpergröße) Maße vorschlagen, die ich jedoch noch optimieren musste. Beim Antreten erschrak ich erst einmal etwas. Nachdem ich oft gehört hatte, dass das Fahren auf der Rolle viel leichter ist als draußen und man leicht einen 30er oder 35er-Schnitt fahren kann, muss ich entschieden sagen, dass das auf dem kickrbike NICHT so ist. Das bestätigte mir auch Kai, der schon früher Rolle gefahren ist. Der Widerstand ist deutlich realistischer und das Bergefahren genauso anstrengend wie draußen. Erschwerend kommt hinzu, dass der kühlende Fahrtwind fehlt, weshalb die externe Wasserkühlung des Körpers immer ganz schön eskaliert. Ausgleichend fällt natürlich der fordernde Gegenwind auch weg.

Leider fiel von Beginn an ein Schleifgeräusch auf, das innerhalb eines bestimmten „Drehzahlbereichs“ ganz schön laut war und immer noch ist, ab einer bestimmten Watt- und Trittfrequenz verschwindet. Mit Geräuschen (Klappern, Quietschen, Jaulen) haben wohl viele wahoo-Produkte zu kämpfen. Nachdem ich quer durch die Foren gelesen hatte entschied ich mich jedoch gegen einen Rückversand, da einige Kunden bereits drei bis vier Geräte retourniert hatten und immer wieder neue teilweise schwerwiegendere Probleme hatten. Das Schleifen scheint weder die Schwungscheibe noch wichtige Bauteile zu betreffen, weshalb ich es jetzt einfach hinnehme.

Die ersten Tage probierte ich mich durch die wahoo Fitness-App. Hiermit kann ich auf verschiedenen Leveln (mit verschiedenen Steigungen), mit einer Ergometerfunktion mit einer gewählten Wattzahl oder mit einer Simulationseinstellung (Gefälle und Windgeschwindigkeit) fahren oder eine andere App zum Steuern nutzen. Wenn der Fernseher nebenbei läuft eine prima Sache, ohne wäre das nichts für mich. Der große Vorteil hier ist natürlich die kostenlose Nutzung.

Kinomap.com

Genug vom TV und dem eintönigen Fahren machte ich mich auf die Suche nach Fahrradsimulationsprogrammen. Mit Zwift wollte ich nicht sofort starten, daher schaute ich mir zunächst kinomap.com an. Von Radfahren, Laufen und Rudern mit Video bis hin zu FTP-Tests und Intervalltraining ist hier alles möglich. Spannend ist hier, dass andere Mitglieder ihre Routen mit GPS und Video aufzeichnen und zum Nachfahren zur Verfügung stellen. Als Fahrer habe ich dann die Wahl ob ich die Route in meiner Geschwindigkeit nachfahre oder in der des Erstellers. Letzteres kann sehr mühsam sein, wenn ein Pärchen mit Treckingbikes durch Berlin gondelt und zwischendurch Pausen macht ;). Bei ersterer kann ich mich mit anderen messen, die diese Strecke ebenfalls schon gefahren sind.

Kinomap.com

Ich habe ein paar Tage die 14-tägige kostenlose Testversion probiert und war ganz angetan, aber leider nicht extrem motiviert. Die Option eigene Strecken hochzuladen ist allerdings ganz reizvoll. Reizvoll ist auch der Preis von 9,99€ monatlich, 79,99€ jährlich oder 229€ lebenslänglich. Damit können die großen Plattformen nicht mithalten.

Zwift – Achtung Suchtgefahr!

Zwift bietet eine 7 tägige kostenlose Testversion an. Die wollte ich als nächstes in Anspruch nehmen. Eigentlich ist mir Zwift mit 14,99€/Monat etwas zu teuer, aber ich sagte mir, dass ein Test ja nicht schaden kann.

Schon beim Erstellen des Avatar hatte mich Zwift schon im Griff. Eindeutig hat man hier mehr das Gefühl ein Spiel zu spielen, als stumpf auf dem Heimtrainer zu strampeln. Upgrades je nach Leistung und gesammelten Punkten („drops“) und ein Balken, der einem anzeigt, wie lange man noch zur nächsten Stufe radeln muss. Motivation pur. Trotzdem kommt das professionelle Fahrgefühl nicht zu kurz. Endlich kam ich in den Genuss der Neigungsverstellung, der einem ein realistisches Gefühl von Bergauf- und Bergabfahren vermittelt. Zuvor hatte ich diese Funktion belächelt, aber tatsächlich hat sie zwei Vorteile. Zum einen entlastet sie den Körper durch zusätzliche Bewegung. Die starre Haltung (die auf dem Kickrbike zum Glück gar nicht sooo starr ist) wird also etwas aufgelöst und ich werde, wenn ich nicht auf den Bildschirm schaue, nicht böse von einer Steigung überrascht, sondern merke, dass sich der Lenker hebt. Auf einige Strecken hat man ein leichtes Achterbahngefühl, was unglaublich Spaß macht. Viele meiner Bekannten fahren auch Zwift und man kann sich dort zu Fahrten verabreden, was gerade zu Coronazeiten eine tolle Option ist. Selbst den ein oder anderen Profi kann man dort antreffen. So fuhr ich schon einige Meter mit André Greipel. Was für eine Ehre!

Meine Motivation war tatsächlich so groß, dass ich jeden tag gefahren und mich völlig verausgabt habe. Das merkte ich zunächst an dem Acetongeruch unter der Dusche (der Duft der Proteinverbrennung) und einem deutlichen Zeichen von Übertraining: Schlaflosigkeit. Irgendwann lief der Körper so auf der letzten Rille, dass es als Gefahr erkannt wurde und meine Nebenniere so stark Adrenalin ausgeschüttet hat, dass ich eine Nacht trotz extreme Müdigkeit nur knapp 3h schlafen konnte. Dieses Warnsignal habe ich beherzigt und es die nächsten Tage etwas ruhiger angehen lassen. Regeneration ist nicht zu unterschätzen.

Super spaßig sind auf Zwift auch die Gruppenfahrten oder auch Verabredungen mit Bekannten. Damit habe ich sogar den Kontakt zu einer Schulfreundin wieder aufgebaut, was mich riesig freut. Bei unserer Tour führten wir ein klasse Telefonat (zum Schluss mit leichter Schnappatmung).

Nachdem mein Probeabo ausgelaufen ist, werde ich einen Monat dazu buchen, da die Temperaturen mich weiterhin nicht nach draußen locken. Am März hoffe ich aber, dass ich mein Gravel mal wieder bewegen kann :).

Drei Programme, die mich noch interessieren sind Cadesport, BKOOL und Rouvy. Cadesport ist noch im Betastadium und grafisch nicht so auf der Höhe wie Zwift, aber kostenlos. In Schlechtwetterphasen des Jahres wäre das sicherlich eine klasse Option. Auch spannend klingt BKOOL. BKOOL ist etwas realistischer – vor allem auch die Möglichkeit, eigene gpx.-Dateien hochzuladen. Der Spaß kostet 9,99€. Das lässt auch über leichte grafische Schwächen und fummelige Bedienung hinwegschauen. Einen Monat kann BKOOL gratis getestet werden.

Als Nr. 1 App sieht sich Rouvy. Alleinstellungsmerkmal sind sicherlich die realistische Simulation auf bekannten Strecken. Zwar kostet auch Rouvy 12€ im Monat beim Jahresabo, aber es wird Familysharing angeboten. Bis zu zwei weitere Mitglieder dürfen mit trainieren. Das ist super fair. Es gibt wohl auch kürzere Abos, dazu habe ich aber leider keine Infos finden können…

Brustgurt und ANT+

Meinen Garmin Tri Brustgurt wollte ich selbstverständlich auch gerne koppeln und musste schnell feststellen – das geht nicht, da weder mein Smartphone (ja, manche können das – meins nicht) noch mein Laptop das ANT+-Signal verarbeiten können. Abhilfe sollen hier ANT+-USB-Sticks schaffen. Die gibt es bereits um 15€ bei Ama*** und Co. Schnell bestellt und schnell geliefert steckte ich den Stick ein – und er funktionierte. Grandios. Selbst bei der nächsten Fahrt. Doch ab der dritten wollte der Stick nicht mehr. Ich habe alles probiert, aber mein Laptop wollte ihn nicht mehr erkennen. Also zurückgeschickt und den nächsten Stick für etwa 18€ gekauft. Auch er kam zügig an und wurde vom Laptop erkannt, aber es gab keine verfügbare Installationssoftware. Auf dem Stick stand auch keinerlei Bezeichnung, geschweige denn die im Netz abgebildete Marke. Also wieder eingepackt und weggeschickt. Jetzt gebe ich mehr Geld aus für den Stick von Saris. Er ist baugleich mit dem von Garmin und Elite (die liegen alle um die 40€) und macht hoffentlich was er tun soll. Wir werden sehen….

Yoga-Challenge

Als Biologin bin ich ja ganz erfreut, wenn es um Hunde, Kobras, Kamele und Heuschrecken geht, bei meiner neuesten Challenge sind die aber gar nicht so putzig. Seit etwas über drei Wochen trainiere ich mit Kai und Mady Morrison. Letztere ist eine Yogalehrerin aus Berlin und versucht uns, die Grundlagen des Yoga im wahrsten Sinne des Wortes „beizubiegen“. Persönlich anwesend ist sie nicht, sondern hat einen Youtubekanal auf dem diverse Workouts angeboten werden. Außerdem bietet sie zum Jahresstart eine 30-Tages-Challenge an, für die sie die bestehenden, aber auch neue Videos in eine für sie logische Reihenfolge gebracht hat. Bei der Anmeldung per Email gibt es sogar einen Plan, an dem man sich orientieren und – viel wichtiger – abhaken kann, was man bereits gemacht hat.

Die ersten Tag habe ich ganz motiviert alles gegeben und was war die Quittung? Rückschmerzen im Lendenwirbel- und Brustwirbelbereich und lautes Knirschen im Rücken. Verunsichert habe ich Foren gewälzt mit dem Ergebnis, dass das nicht so gut ist und dem Hinweis, dass man es doch etwas vorsichtiger und achtsamer beim Yoga angehen sollte. Das nahm ich mir zu Herzen und versuchte bei der Kobra und der Ganzen Vorbeuge meinen Rücken nicht aus dem Blick zu verlieren und mit noch mehr Körperspannung zu arbeiten. Nicht alles war schlecht. Durch das regelmäßige Dehnen fühlen sich die Beine tatsächlich besser und weniger verhärtet an. Durch das Radeln sind allerdings die rückseitigen Oberschenkelmuskeln so verkürzt, dass ich innerhalb der letzten zwei Jahre extrem an Dehnbarkeit verloren. Durch stetes Training wird das aber vielleicht wieder besser.

Jetzt nach drei Wochen ist die Motivation tatsächlich immer noch da. Nur wenn sich die Mady mal eben in den Handstand begibt bleiben wir etwas frustriert zurück. Aber sei es das Silent Yin Yoga, bei dem bei Stille mehrere Minuten in Dehnungen verharrt wird oder energiereichen Flow-Einheiten, bei denen zügig durch verschiedene zum Teil wirklich fiese Asanas gewandert wird – hinterher fühlt man sich gut. Mal mehr mal weniger erschöpft fühlen sich die Muskelgruppen langsamer besser an. Es kracht zwar immer noch kräftig im Bereich meines Iliosakralgelenks, aber richtige Schmerzen habe ich da schon eine Weile nicht mehr. Nach drei Wochen kann man natürlich keine Wunder erwarten, aber ich freue mich auch über kleine Fortschritte. Da ich mir jetzt auch eine schöne Yogamatte gekauft habe, werde ich das Projekt sicherlich nicht nach diesem Monat beenden.

Tatsächlich bin ich auch gespannt, wie sich eine regelmäßige Yogapraxis auf den anderen Sport, die Haltung und natürlich auch auf die Psyche auswirkt. Von daher bleibe ich dran und und übe mich weiter in Taube, Krieger und Heuschrecke.

Namasté!

Da er gerade gequängelt hat, dass über seine Entwicklung hier nichts steht: Selbst Kai wird so ganz langsam etwas beweglicher. Er hatte die deutlich schwierigere Ausgangssituation mit partiell totaler Unbeweglichkeit, so langsam kommt er aber in den Flow und auch schon mit den Händen an die Schienbeine 😉. Aber im Ernst. Es ist toll, dass er sich darauf eingelassen hat und auch weitermachen möchte. Als nicht gerade die maskulinste Form des Sports hat Yoga bei Männern oft nicht so den besten Stand, aber Kai ist völlig vorurteilsfrei ans Training gegangen und schnauft und ächtst mit mir um die Wette.

Jahresrückblick 2020

2020 ein spannendes Jahr. Nicht nur wegen Corona, sondern vor allem weil ich mir ein Haus gekauft habe, welches dringend ein paar Schönheitsbehandlungen bedurfte. Diese haben uns monatelang beschäftigt, weshalb ich ab April bei weitem nicht so viel auf dem Rad saß wie geplant. Vielmehr riss ich wochenlang Tapeten ab und Teppiche raus, kloppte mit Kai Fliesen ab und trug eimerweise Bauschutt durch die Gegend. Ein Ganzkörperworkout neben dem Job, weshalb nicht viel Energie fürs Rad übrig blieb. Trotzdem gab es auch in meinem ersten kompletten Fahrradjahr einige Highlights. Schon am 01.01. saß ich mit Kai am Neujahrstag auf dem Rad und war motiviert auch dran zu bleiben. Am 06.01. gab es eine längere Ausfahrt allein, genauso wie Anfang Februar. Da geriet ich in einen Hagelschauer, das war mies. Da wünscht man sich doch mal ein Indoorbike…

Traumhaftes Radelwetter…

Kurz darauf musste ich im Februar eine Weile aussetzen, da ich operiert wurde. Daher blieb es bei dieser einen Radfahrt im Februar und es ging erst im März weiter. Im März erreicht mich auch mein owayo-Outfit. Ich durfte nämlich dieses Jahr als Ambassador unterwegs sein und wurde von Kopf bis Bein ausgestattet. Definitiv war dies eins meiner Highlights in diesem Jahr und ich werde die Kleidung auch im nächsten Jahr noch gerne tragen.

Das owayo-Outfit

Den Frühling nutzte ich, um mich vermehrt an Berge, Wind und Schotter zu gewöhnen. Einige anstrengende Touren waren dabei, trotzdem denke ich gerne daran zurück. Fies war allerdings die Tour bei der wir einen Teil des Grenzstreifens abgefahren sind und ich jedes zweite Loch in den Panzerplatten mitgenommen habe… Meinen ersten 100er alleine fuhr ich einige Tage später, das fiel leicht, da wir im April ein tolles Frühsommerwetter hatten. Toll war auch die Tour mit meiner Mutter zum Bärlauchpflücken, bei der mir ein Fuchswelpe entgegengewackelt kam. Er musste gerade erst die Augen geöffnet und gleich den Bau verlassen haben. Zuckersüß.

Schnell weiter, nicht, dass hier noch jemand Diabetes bekommt :). Ein weiteres Highlight folgte am 31.05. Trotz Corona durften ich mit meinem Ensemble ein Konzert an der Weser geben. Ein perfekter Test für unsere Bikepacking-Ausstattung. 80 km hin, proben, nettes Zusammensitzen, Probe am nächsten Morgen und Konzert und anschließend 75 km zurück. Eine coole Erfahrung. Der Wechsel von hohen Hacken zu Radschuhen ist allerdings nicht vorteilhaft für die Waden.

Mit meinem Saxophonisten Stefan fuhren wir im Juni eine schöne gemeinsame Runde, an die ich auch gerne zurückdenke.

Mit Stefan am Sieberberg

Seit Juli war ich mit meinem Rox 12.0 unterwegs. Ich liebe diesen Sigma-Fahrradcomputer, nur die Kilometerangaben sind immer noch etwas vorteilhafter als bei Garmin. Woran das liegt kann ich bis heute gar nicht so genau sagen…

Bis August tröpfelte das Sportjahr unspektakulär vor sich hin, doch dann kam unsere Bikepacking-Tour durch Niedersachsen. Da sowohl unser Mallorca-Urlaub, als auch die geplante Tour durch Belgien geplatzt waren, fuhren wir mit Rad und Hängematte durch Niedersachsen und lernten den Großteil des Weserradwegs kennen. Mehr dazu könnt ihr in dem entsprechenden Bericht lesen.

Während der Bikepacking-Tour entlang der Weser

Im September ging es zweimal in den Harz und ich musste wieder einmal feststellen, dass Berge nicht meine Welt sind. Aber man muss sich ja immer wieder seinen Feinden stellen. Ebenfalls im September fand die Cycletour statt, die im Vergleich zum letzten Jahr etwas enttäuscht, da das Gruppengefühl durch die Corona-Beschränkungen verloren ging. Aber klar, das ist Meckern auf hohem Niveau. Tatsächlich hatten wir Glück, dass sie überhaupt stattfinden konnte.

Wärend der Cycletour (Bild: Sportograf)

Im Oktober fuhren wir tatsächlich in den Urlaub. Eine Rarität in diesem Jahr. Wieder einmal zog es uns nach Kühlungsborn und ich hatte die grandiose Idee mit dem Rad auf den Darß zu fahren. Das sind bis dahin ja „nur“ etwa 100km. Unterwegs sammelten wir noch Freunde ein und fuhren mit diesen einige Kilometer über den Darß bevor wir den Rückweg wieder alleine antraten. Leider ging hier meine Actioncam verloren, weshalb die Euphorie über die 196 km Tour etwas getrübt wurde. Rein sportlich war dies – wenngleich es nur 300 hm gab – eine meiner heftigsten Touren, wobei Höhenmeter immer noch schmerzhafter für mich sind als Langstrecke.

Bei längeren Touren tut mir nur der Allerwerteste noch weh, da ich noch immer keinen perfekten Sattel haben. Auch wenn er von seinem Glück noch nicht weiß, aber vielleicht liest er es ja – ich möchte ja gerne mal den offenen Brooks-Sattel von meinem Bekannten Ronny testfahren. Mal schauen, ob er sich darauf einlässt.

Mein Ziel für nächstes Jahr ist, dass ich mich von den ganzen Stravadaten von mir und anderen nicht mehr verrückt machen zu lassen. Tatsächlich hat mich der ganze Datenkram dieses Jahr so unter Druck gesetzt, dass ich kurz davor war mich von Strava zurückzuziehen. Jetzt habe ich mich entschieden, das Profil zu erhalten, aber nicht mehr so exzessiv auszuwerten, geschweige denn zu stalken, was die anderen machen. Ein „Entschuldigung“ an alle, die jetzt keine Kudos mehr von mir bekommen. Tatsächlich möchte ich mich darauf zurückbesinnen, worauf es ankommt, nämlich auf den Spaß und die Freude am Radfahren. Ganz ohne Vergleichen und Ehrgeiz geht es bei mit leider nicht, aber ich versuche zumindest, das ganze entspannter anzugehen.

Für die Zahlenfetischisten trotzdem ein kleiner Überblick:

Radfahrten: 102

Zeit im Sattel: 193:02 h

Zurückgelegte km: 4.502

Gewonnene Höhe: 29.256 m

Längste Tour: 196 km

Damit bin ich etwa 1000 km mehr gefahren als im letzten Jahr. Diese Tendenz darf sich fortsetzen, aber nicht um jeden Preis. Im nächsten Jahr freue ich mich auf viele Touren mit netten Menschen und in Gegenden, in denen ich bisher noch nicht unterwegs war.

Ich wünsche euch allen eine schönes und vor allem gesundes Jahr 2021 und vielleicht hat jemand Lust auf gemeinsame Ausfahrten, sobald dies wieder erlaubt ist?

Nightride der erste

Mit Halloween habe ich ja nicht allzu viel am Hut. Und da wir den klingelnden Kindern entgehen wollten, bastelten wir uns mal wieder eine schöne Tour. Diese wollten wir dieses Mal allerdings nicht bei Tageslicht fahren. Bei der Planung auf Komoot fiel mir Bad Heiligenstadt ins Auge. Dort war ich noch nie. Weder per Rad noch mit dem Auto. Also entwarf ich eine etwa 97 km lange Runde mit knackigen 950 Höhenmetern.

Mit Sven und Kai fuhren wir noch bei Tageslicht gegen 16.30 Uhr los. Klar, das war für einen klassischen Nightride recht früh, aber im Herbst wird es so früh dunkel, dass wir schon eine Stunde später in der Dunkelheit unterwegs waren. Anfangs hatte ich arg mit der Technik zu kämpfen. Die von mir geplante Route wollten wir anders herum fahren. Der Rox 12.0 hat die Funktion „Route umkehren“, aber irgendwie war die Anwenderin nicht so ganz in der Lage die Routenführung richtig zu starten. Irgendwann hatte ich den Kampf mit dem Gerät aber gewonnen und es ging ohne weitere technische Schwierigkeiten weiter. Zunächst fuhren wir auf altbekannten Pfaden nach Duderstadt. Von dort aus ging es über Tiftlingerode nach Thüringen.

Auf zum Teil wundervollem Asphalt ging es recht hügelig, aber zügig voran, so zügig es bei steifem Gegenwind eben geht. Wieder einmal war ich froh, nicht alleine unterwegs zu sein und im Windschatten fahren zu dürfen. Wir genossen den Vollmond, der eine besondere Atmosphäre zauberte.

Fies wurde es ab Neuendorf. Statt über die Landstraße leitete uns komoot über einen steilen und holprigen Plattenweg. Irgendwann musste ich mich geschlagen geben und einige Meter schieben, da ich ansonsten vom Rad gekippt wäre, da der Vortrieb nicht mehr vorhanden war. Kai und Sven fuhren tapfer die Steigung hinauf, mussten aber auch ganz schön kämpfen.

Mit Vollmond statt Sonne

Über Schotter ging es weiter bis wir endlich wieder auf die Landstraße stießen. Zwar ging es ab da weitestgehend bergab, der Gegenwind raubte mir aber weiterhin die Kräfte, sodass ich bergab die Jungs doch ausbremsen musste. Endlich in Bad Heiligenstadt angekommen schlug Kais Bruder Sven eine Routenänderung vor. Bis jetzt weiß ich nicht, ob das eine bessere Idee war. Das Höhenprofil veränderte sich auf jeden Fall zu meinem Gunsten. Anstatt relativ hügelig ziemlich direkt nach Ebergötzen zu fahren erweiterten wir die Runde von knapp 100 auf 130 km, fuhren aber dafür den fast ebenen Leineradweg bis nach Northeim.

An der Leine ging es nicht nur über asphaltierte Wege, sondern auch über Schotter und viele, viele gepflasterte Wege mit noch mehr nassen Blättern. Zwar war es rutschig, aber das Radfahrersprichwort „kommt zu Blättern auch noch Nässe liegst du schneller auf der… Nase“ kam nicht zum Tragen, ergo wir auch nicht zum Liegen. Bremstests zeigten aber, dass der Untergrund nicht sonderlich viel Grip bot…

Als wir endlich Northeim erreichten war ich ganz schön erleichtert. Zwar hatten wir bis dahin auch über lange Strecke so etwas wie Rückenwind, aber trotzdem reichte es mir langsam. Mein Nacken tat weh von der Kälte und der verkrampften Haltung und von meinem Sitzfleisch wollen wir mal nicht reden. Die letzten Kilometer mit fiesem Feldweg und weiterhin viel Wind hatten es nochmal in sich und in Hattorf waren wir ja schon fast zu Hause. Wir verabschiedeten Sven und trampelten noch nach Hause. Ein Stunde vor Mitternacht waren wir endlich da. Noch ein Tee, Magnesium und eine heiße Dusche und dann mit Körnerkissen ins Bett. Augen zu und schlafen – so war die Idee.

Losgefahren sind wir in Herzberg, das GPS ist erst In Pöhlde dazugestoßen.

Mittlerweile kenne ich mich ein paar Jahre und weiß, dass ich nach sportlichen Aktivitäten nicht sofort einschlafen kann. Daher ahnte ich schon, dass ich etwa zwei Stunden noch wach liegen würde. Was ich zu diesem Zeitpunkt aber nicht wusste, war, dass ich noch bis 3.30 Uhr wach liegen würde und danach auch noch fiese Albträume hatte mit denen ich akustisch auch noch Kai erfreut habe. Der hat sich wohl etwas erschreckt. Das Highlight war noch eine Mücke, die ich erst gegen 3.00 Uhr gefunden hatte. Im Nachhinein weiß ich auch, was mir dermaßen den Schlaf geraubt hat. In Northeim gab mir Kai für die letzten Kilometer noch ein Gel. Es war dunkel und ich hatte es auch gar nicht bedacht, dass das Folgen haben könnte. Klar, vielen Energygels wird Koffein zugesetzt. Damit kann ich abends nicht so, da mein Herz dann eine wilde Party feiert, ob ich will oder nicht. Wieder ein Fehler, der mir hoffentlich nicht noch einmal passieren wird. Heute, an meinem Geburtstag, bin ich deshalb auch ein ganz klein bisschen gerädert. Gut, dass ich sowieso nicht feiern werde. Letztendlich war es aber eine schöne Nightride-Premiere mit 130 km, auf die ich ordentlich stolz bin. Danke Kai und Sven für die schöne Erfahrung.

Herbsttour mit Freunden

Lange sind mein Freund Kai und ich schon nicht mehr mit anderen gefahren. Daher fassten wir den Plan, mit Kais Bruder Sven und unseren Freunden Maik und Ronny aus Scharzfeld eine gemeinsame Runde zu drehen. Erst war ich mir gar nicht so sicher, ob ich mir das antun soll mit einer Horde Männer zu fahren, da der Leistungsdruck schon höher ist als sonst. Dann kam auch noch dazu, dass ich am Freitag auf die glorreiche Idee gekommen war, eine Rund im Jues zu schwimmen. Mit dem Neo natürlich, aber ohne Neoprenmütze und – schuhen. Bei 11°C Wassertemperatur nicht die beste Idee, wie mir die leichten Ohrenschmerzen bestätigten, die mich heute morgen noch vor dem Frühstück überraschten. Mit wenig Lust packte ich meine Siebensachen zusammen und trat mir dabei selbst im übertragenen Sinne in den Allerwertesten. Um 9 Uhr waren alle da und wir fuhren los in Richtung Hattorf, um über Lindau und Katlenburg nach Northeim zu fahren.

Dort bemerkte Kai bei einer kurzen Raucherpause (nee, nicht für ihn 😉), dass bei seinem hinterer Reifen die Luft raus war.

Also wurde fix der Schlauch gewechselt und es ging weiter nach Nörten-Harenberg. Dort brauchte ich dringend etwas zu essen. Scheinbar waren auch die Männer einer gegenüber Pause nicht abgeneigt und so musste ich kein schlechtes Gewissen haben.

Mampf 🙈

Das nächste Ziel war die Plesse. Da mir mein Ohr, vor allem aber die Kondition zu schaffen machte, wollte ich zunächst auf den Anstieg zur Burg verzichten und ließ die Männer vor fahren. Nachdem ich eine Weile gewartet hatte, mir kalt wurde und mein Puls ENDLICH unter 100 bpm gefallen war entschied ich mich doch noch, den Herren zu folgen. Immerhin waren es ja auch nur noch 1,2 km, die auch gar nicht so steil waren, wie gedacht. Oben gab es endlich mal wieder eine Pause (irgendwie haben wir nur Pausen gemacht, kann das sein…?).

Die Plesse ist eine Burgruine aus dem Mittelalter. Zuerst erwähnt wurde sie im 11. Jahrhundert als Sitz des Bischofs von Paderborn. Spannend finde ich jedoch, dass im 13./14. Jahrhundert die etwa 50 Bewohner der Plesse Widerstand gegen die Ausdehnung des Herzogtums Braunschweig leisteten und später ein unabhängiges Gebiet in dem Herzogtum bildeten. Alles weitere könnt ihr auf der Homepage nachlesen.

Zurück Richtung Heimat bewegten wir uns gemütlicher und gemütlicher. Zumindest vom Tempo her, sicherlich lag das an dem fiesen Wind und der Erschöpfung, die nicht nur mir zu schaffen machte. Eine nette Abwechslung war ein 40er-Traktor, der uns gezielt im Windschatten mitnahm und noch einmal ordentlich beschleunigte. Vielen vielen Dank dafür!

Ich bemüht mich, meine Trittfrequenz irgendwo zwischen 90 und 100 U/min zu halten, was mir auch halbwegs gelang. Nachdem wir Ronny und Maik in Schwarzfeld verabschiedet hatten, traten wir auf dem Weg nach Herzberg nochmal ordentlich in den Pedale. Blöd nur, dass da ein paar Wellen im Weg sind und mir der letzte Hügel die letzte Kraft raubte. Trotzdem schafften wir es noch bis zu Haustür, nachdem wir auch Sven Richtung Hattorf verabschiedet hatten.

Wieder einmal eine schöne Tour mit netten Leuten, die mir nur ein bisschen zu schnell war. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben. Alle Bilder des Beitrags habe ich frech geklaut von Kai, Sven und Maik. Meine Actioncam genießt ja noch irgendwo an der Ostsee eine schöne Zeit. 😂