Fast 200 km

Zum Ende der Sommerferien wollte ich doch noch einmal etwas Ausgefalleneres machen und schauen, wie viel meine Beine mitmachen. Nach nur etwa 1000 Jahreskilometern im August nahm ich mir vor, meine Schwester in der Nähe von Lüneburg zu besuchen. Dies war aber nicht das einzige Ziel. Ich wollte versuchen, auf dem Hinweg so viel am Wasser entlang zu fahren, wie möglich. Dank des Elbe-Lübeck-Kanals, der Elbe und des Elbeseitenkanals war dies sehr gut möglich. Am 25.08. um 6.22 Uhr ging es los. Mit Müsli im Bauch und bepackt mit Riegeln, Gels und Brötchen fuhr ich eine handvoll Kilometer bis zum Einstieg des Kanals.

Ab dann ging es rund 60 Kilometer diesen entlang. Immer geradeaus, immer links das Wasser – immerhin unterbrochen von Brücken, Schleusen und winkenden Freizeitkapitänen – und immer nur Schotter.

In Berkenthin
Fähre Siebeneichen

Diese Belastung hatte ich unterschätzt. Zwar gab es bis zu diesem Zeitpunkt keine Höhenmeter, durch die Vibration und das Geschüttele hatte ich jedoch ab Kilometer 40 immer wieder taube Finger und Füße. Da mir das Gefühl in den Fingern fehlte, trank ich auch kaum. Immerhin sah ich aufgrund der frühen Uhrzeit einen Eisvogel, zwei Rehe (auf dem Radweg), diverse Vögel und einen Hasen, der panisch zwischen Wasser und Radweg versuchte wegzulaufen. Bei Lauenburg kreuzte ich die Elbe.

Single-Trail kurz vor Lauenburg
Lauenburg
Elbbrücke

Bis hier hatte ich kaum Autobegegnungen, was definitiv auch seinen Reiz hat. Entlang des Elbe-Seitenkanals ging es weiter in Richtung der Salzhauptstadt Deutschlands. Hier quälte mich der Gegenwind und eine trostlos eintönige Landschaft. Das einzige Highlight war das Schiffshebewerk in Scharnebeck, welches ich jedoch bereits vor ein paar Jahren besucht hatte.

Das Schiffshebewerk

Richtung Lüneburg führten mich die wasserfreien letzten Kilometer über ruhige Nebenstrecken und entlang des Klosters Lüne. Mir fehlte leider die Motivation, anzuhalten und es mir anzuschauen, aber was ich aus den Augenwinkeln sah, wirkte so, als dass sich ein Besuch lohnen könnte.

In Lüneburg angekommen, suchte ich mir ein Café und füllte meinen Speicher mit einem Chai Latte und einem kleinen Stück Kuchen. Den Angestellten fiel jedoch auf, dass es WIRKLICH klein war (nein, ich hatte nichts gesagt und mich nicht beschwert) und erstatteten mir den halben Preis. Das fand ich sehr aufmerksam und nett. Weiter ging es zu meiner Schwester nach Reppenstedt. Bei ihr musste ich dringend trinken. Dies war auf der Strecke viel zu kurz gekommen. Auf den knapp 100 km hatte ich noch nicht einmal eine Flasche geleert, aus oben genannten Gründen. Wir saßen eine Weile auf der Terrasse, bevor ich mich am frühen Nachmittag auf den Rückweg machte. Hierzu hatte ich mir folgende Gedanken gemacht:

Option 1: Ich fahre mit dem Zug zurück. Der Haken: Die Direktverbindung ist derzeit aufgrund von Bauarbeiten unterbrochen, daher SEV oder alternativ mit Umstieg in Hamburg. Ganz schön lang, ganz schön teuer.

Option 2: Ich fahre mit dem Rad nach Hamburg (53 km) und steige dort in den Zug. Dagegen hatte ich mich zum Glück auch entschieden, da just an diesem Tag auf der Veddel ein Großbrand tobte (mit herumfliegenden Teilen, bis hin zu Autobahn und Radweg). Das wäre allein aufgrund des Rauchs sicherlich nicht gesund gewesen.

Option 3: Ich fahre mit dem Rad mindestens bis Mölln und habe dort oder in Ratzeburg die Option in den Zug zu steigen.

Option 4: Ich fahre komplett zurück. Dies war aufgrund der wenigen Trainingskilometer eigentlich keine ernsthafte Option.

Ich entschied mich, wie man bereits erahnen kann für die dritte Option. Dieses Mal fuhr ich eine fürs Rennrad gemachte Strecke. Ein paar Höhenmeter mehr, dafür asphaltiert. Zwar waren die Beine nicht frisch, aber es lief relativ gut. Nach 60 km war ich in Mölln und ganz schön erschöpft. Trotzdem dacht ich, dass ich es doch noch bis Ratzeburg schaffen könnte, um ein paar Euro zu sparen. Bis Ratzeburg war es nicht weit und ich wusste, dass es von dort aus „nur noch“ 25 km waren. In meinem dehydrierten, erschöpften Wahn dachte ich, dass das ja gar nicht viel sei und ich fuhr weiter. Währenddessen wurde mir aber bewusst, dass 25 km ein Viertel der Rücktour sind (ich unterrichte dieses Jahr übrigens Mathe…) und dies wiederum ganz schön viel ist. Nun war es aber zu spät. Ich kämpfte und biss mich durch die letzten Kilometer und rollte bei der Durchfahrt durch Lübeck nur mit den Augen, wenn Menschen auf Citybikes mir beweisen mussten, dass sie schneller fahren können als ich. Es dämmerte bereits, als ich nach 197 km zu Hause ankam. Machte ich die 200 km voll? Nö! Ich habe darüber nachgedacht, aber entschied mich dazu, dass ich auch mit drei Kilometern weniger leben kann. Man wird ja auch älter und vernünftiger. 🙂 Insgesamt war es ein tolles Erlebnis. Ob ich diese Strecke entlang der Kanäle jedoch noch einmal so fahren würde, weiß ich nicht. Es war doch eine ziemliche Quälerei. Stolz bin ich jedoch auf meinen Körper, dass es mir immer wieder ermöglicht, solche schrägen Dinge durchzuziehen. Vor allem, wenn ich in der Woche darauf erfahre, dass mein Eisenspeicher (Ferritin) mal wieder ziemlich leer ist…

Hier die Tour zum Nachfahren: https://www.komoot.de/tour/2527268317?ref=avs&share_token=a5Y3m7H5t21dkh8EIRwLqqmyH3psu5Oe5KRZvbUobiQ6X5zgcw

Mein zweiter Triathlon – Olympische Distanz

Oder: Wenn man zu schnell für einen Empfang im Ziel ist…

Am vergangenen Wochenende startete ich beim Lübecker 7 Türme Triathlon auf der Olympischen Distanz. Hatte ich für die Sprintdistanz noch mit Trainingsplan vorbereitet, fehlte mir Zeit und Motivation für ein konsequentes Training. Natürlich schwamm und radelte ich, lief aber recht wenig, da die Arthrose in den Zehen wieder etwas Ärger machte. Mein letzter Lauf, einige Tage vor dem Triathlon, war frustrierend und vielleicht etwas besorgniserregend. Es waren nur etwa 9 km, bei denen ich zwischendurch zweimal gehen musste und eine ziemlich miese Pace ablieferte. Meine Erwartungshaltung an meine Triathlon-Performance war entsprechend gering.

Am Tag vorher hatte ich Dank Gartenarbeit und viel Schlepperei Muskelkater und war mir nicht sicher, ob nicht auch Gliederschmerzen im Spiel waren.

Die Wassertemperatur von 17°C machte mir die Entscheidung leicht, ob ich im Neo starten sollte oder nicht. Ich bin kein Fan davon, da ich mich im Schulterbereich eingeschränkt fühle und meine Wasserlage von dem Anzug auch nicht profitiert, aber eine Erkältung wollte ich auch nicht riskieren.

Am Samstag holte ich bei Nieselregen meine Startunterlagen und war noch zweimal bei Decathlon. Zunächst bemerkte ich, dass ich mein Startnummernband vergessen hatte. Also ab ins Auto und zu Decathlon. Natürlich waren die dort vergriffen. Also kaufte ich stattdessen einen Laufgürtel. Da konnte ich wenigstens noch Gel und Energygums verstauen. Beim Herauslegen der Klamotten fiel mir auf, dass ich auch meinen Sport-BH zu Hause vergessen hatte. Kurz überlegte ich, ob es notfalls ohne geht, aber nee, besser nicht… Also wieder zum Sportgeschäft und einen günstigen Sport-BH geschossen. Schließlich hatte ich alles zusammen und genoss den Abend mit meinem Schatz den Abend. Jan wollte am nächsten Tag etwas Rad fahren und anschließend zum Fotografieren und Zielempfang kommen.

Morgens radelten wir gemeinsam los. Jan auf seine Radrunde, ich einmal durch die Stadt zur Falkenwiese. Das Einchecken kannte ich ja bereist aus Hameln und wusste, worauf ich zu achten hatte. Einen Standplatz fürs Rad zu finden war schwierig, da sich viele Teilnehmer neben ihrem Rad ziemlich ausgebreitet hatten. Nach zwei Runden um die Radständer bat ich einen Teilnehmer, doch etwas zu rutschen. Ich bereitete meinen Platz vor und zwängte mich in meinen Neo. Natürlich meldete sich noch meine Blase, doch Dixieklos waren reichlich vorhanden. Dort bemerkte ich bereits das Blut im Polster. Nein, nicht das was ihr denkt, ich hatte mich leidlich bereits wund gefahren. Ein Haar-Follikel hatte sich vor einer Woche bei der Graveltour entzündet und war nun aufgegangen.

Aber Jammern war keine Option. Also Richtung Start und schon einmal das Wasser testen. Erwartungsgemäß war es frisch, im Neo aber sehr angenehm. Ich sortierte mich beim Schwimmen relativ weit vorne ein. Ich wusste zwar, dass sicherlich viele Schwimmer deutlich schneller sind, wollte aber selbst keine Kraft aufs Überholen verschwenden. Mit dem Startschuss ging das „Hauen und Stechen“ los, mit fast so viel Körperkontakt wie beim Judo. Nach einigen hundert Metern hatte sich das Feld jedoch auseinandergezogen und man konnte etwas freier schwimmen. Die Orientierung fiel mir schwer und ich war froh, viele andere Schwimmer um mich zu haben, da ich nur schwer erkennen konnte, wann welche Boje anzuschwimmen war. Auch meine Position im Feld konnte ich überhaupt nicht einschätzen, da mir die Zeit fehlte zurückzuschauen. Ganz so ruhig, wie geplant konnte ich nicht schwimmen, da man sich ständig nach rechts und links behaupten musste und die Gleitphasen oft gestört wurden. Trotzdem kam ich nach etwa 800 m halbwegs in meinen Rhythmus. Besser spät als nie. Nach 1500 m und 29:23 min. kam ich an und krabbelte aus dem Wasser. Prompt verlor ich meine Schwimmbrille, als ich meine Badekappe absetzte und musste noch einmal ein paar Meter zurücklaufen.

Da liegt sie, die Brille…

Am Rad pellte ich mich aus dem Neo. Dies kostete einiges an Zeit, da ich ihn an Uhr und Transponder am Fuß vorbeigekommen musste. Der Krampf im Fuß tat sein Übriges. Trotzdem ließ ich mir Zeit, um nichts zu vergessen. Nach zweieinhalb Minuten saß ich auf dem Rad und versuchte dort einerseits den Sitz-Schmerz zu unterdrücken und eine Geschwindigkeit zu finden, mit der ich zufrieden bin, aber meine Oberschenkel nicht zu sehr brennen. Letztlich landete ich im Schnitt bei etwa 31 km/h. Schneller als erwartet kam ich nach 35 Kilometern und 1:07 h im Wechselbereich an.

Dort wollten meine Laufschuhe nicht so wie ich, weshalb ich wieder knapp zwei Minuten benötigte, um auf die Laufstrecke zu kommen. Der Lauf war hart und ich hatte zunächst ziemlich taube Füße, ich fand jedoch einen Läufer, der ein für mich annehmbares Tempo lief und hängt mich an seine Fersen. Zum Ende der ersten Runde (à 5 km) hatte ich das Gefühl, mich eingelaufen zu haben, nach sieben Kilometern kämpfte ich jedoch nur noch. Nach 2:30:15 überquerte ich die Ziellinie. Leider ohne Empfang, da ich rund drei Stunden kalkuliert hatte und Jan entsprechend noch gar nicht da war.

Zunächst waren mir und meinem Kreislauf aber etwas zu Trinken wichtiger als eine Umarmung. Daher stellte ich mich bei der Versorgung an. Es gab belegte Brötchen, Waffeln, Müsli- und Energieriegel, Nüsse, und Obst und verschiedene Getränke. Nach einem Becher Cola ging es mir schon etwas besser und ich trat den Weg zu meinem Fahrrad an, packte meine Sachen zusammen und sah dabei auf dem Handy, dass Jan auf dem Weg war. Ich sendete ihm meinem Standort und wir trafen uns eine Viertelstunde nach meinem Zieleinlauf. Dann gab es auch die Umarmung von meinem Schatz :). Wir saßen noch eine Weile auf dem Sportplatz und machten uns anschließend auf den Weg nach Hause.

Dort stellte ich fest, dass auch meine Ferse etwas Blut verloren und meine weiße Socke sich dunkelrot verfärbt hatte. Gut, dass man so etwas während des Wettkampfs nicht alles mitbekommt. Mir hat der Sitzstress durch die offenen Stellen gereicht.

Nix für Weicheier 🙈

Abends auf dem Sofa schaute ich in die Ergebnislisten und – schau an – ich hatte den 7. Platz der Damen und den 1. Platz (pssst: wir waren nur zu zweit) meiner Altersklasse belegt. Wow!! Dass ich nicht langsam gewesen war, aber ich hatte mit einer Platzierung eher im Mittelfeld gerechnet.

Dies war definitiv eine tolle zweite Triathlonpremiere, dieses Mal jedoch für die OD. Ob ich diese Distanz noch einmal mache? Ich weiß es nicht. Es hat viel Spaß gemacht, ich habe jedoch zuvor auch viel trainiert und wie Jan so schön sagte „die Latte“ für kommenden Veranstaltungen auch „ganz schön hoch gelegt“. Aber wer weiß. Vielleicht möchte ich das Ganze noch mal unter 2:30h schaffen?

Erlebnis statt Ergebnis e.V.

Einem Beitritt in einen Radverein habe ich bisher eher kritisch gegenübergestanden, da bei Ausfahrten oftmals die Pace im Vordergrund steht. Eine angenehme Ausnahme bietet hier schon der VCE Duderstadt, der sonntags eine entspannte Runde anbietet, bei der auch ich gut mitkomme. Ansonsten fahre ich ja aber doch meistens alleine oder mit meinem Freund. Vor einigen Wochen schrieb mich jedoch Christian an und unterbreitete mir einen interessanten Vorschlag. Christian ist gebürtig aus Hattorf, wohnt mittlerweile aber bei Düsseldorf. Wir kennen uns kaum, haben uns jedoch vor einigen Jahren einmal bei einer von mir organisierten Fahrt getroffen, bei der ich jedoch aus gesundheitlichen Gründen nur beim Start dabei war. Bei Strava verfolgen wir uns jedoch und ihm war aufgefallen, dass ich häufig in Lübeck bin und lud mich zu einer Tour des Vereins Ergebnis statt Erlebnis e.V. ein. Diese Graveltour führte am vergangenen Samstag 110km rund um Lübeck an. Die geborene Gravelfahrerin bin ich nicht, meldete mich jedoch einige Tage vor der Tour für den gemeinnützigen Verein und die Tour an. Der Beitrag beträgt jährlich 24€. Dafür kann man deutschlandweit an diversen Gravel- und Rennradtouren teilnehmen. Zusammen mit 21 weiteren Radlern trafen wir uns in der Nähe von Decathlon, der bei Jan gleich um die Ecke liegt.

Nervös war ich definitiv, da ich meine bisherigen Gruppenfahrten an einer Hand abzählen kann und nicht wusste, wie anspruchsvoll die Strecke wird. Vor Sand habe ich einen Riesenrespekt und auch wenn es zu holprig oder rutschig wird, fühle ich mich nicht so wahnsinnig wohl. Gelegentlich muss man da aber auch über seinen Schatten springen und da war ich. Sofort wurde ich nett begrüßt und willkommen geheißen. Da sich die 700 Mitglieder über ganz Deutschland verteilen, gibt es weniger Grüppchenbildungen und die Teilnehmer sind offen und interessiert. Henning, der Tourguide, begutachtete auch gleich meine Reifen und machte mir Mut, dass das gut gehen sollte.

Die Tour war für acht Stunden angesetzt. So ganz ernst genommen hatte ich das aber nicht und rechnete eher mit sechs. Wir rollten los, durch einige mir bekannte Orte, aber über viele mir bisher unbekannte Straßen. Ich lernte also viele neue Verbindungswege kennen, die teilweise auch für Rennradtouren interessant sind. Bis zum Pariner Berg waren wir asphaltlastig unterwegs. Das änderte sich danach. Da wir über eine kleine Abfahrt und einen fiesen Anstieg im Wald (Riesebusch) landeten. Von dort aus tingelten wir über Schotter und Asphalt zum Hemelsdorfer See, an dem wir die erste kleine Pause einlegten, bevor es über Trails und Brücken (die eigentlich eher den Fußgängern vorbehalte sind) Richtung Ostsee fuhren.

Schon in Niendorf wurde wieder pausiert und einige Teilnehmer gönnten sich ein Fischbrötchen. Über den feinen Schotter des Brodtner Steilufers führte uns der Weg – unterbrochen von einer Eis-Pause an der Herrmannshöhe nach Travmünde. Dort setzten wir mit der Fähre auf den Priwall über und unseren Weg rund um die Halbinsel fort. Langsam wurden die Wege auch anspruchsvoller. Quer durch Wiesen und holprig durch Wälder ging es mückenzerfressen über Dassow (Pause zum Wasserauffüllen und Kinderriegel verspeisen) und die Palinger Heide über die Herreninsel und nach Gothmund. Dort mussten wir schieben, da der idyllische Fischerort lediglich zu Fuß durchquert werden darf. Entlang der Trave soll wohl ein Weg sein, wenn man ihn so bezeichnen möchte. Mehr als ein schmaler Trampelpfad im hohen Gestrüpp war es nicht.

Auch weiter am Treidelpfad fuhr es sich eher anstrengend. Zwar war hier der Weg erkennbar, aber der Untergrund mit grobem Pflaster ziemlich unkomfortabel… Irgendwo hatte ich mir auch eine Zecke eingesammelt, die sich in meiner Kniekehle häuslich eingerichtet hatte.

Uli (im Hintergrund) und André bei der obligatorischen Food-Fotografie.
Christian
Fähre zum Priwall
Gothmund
Das soll ein Weg sein?
Treidelpfad

Knappe acht Stunden nach dem gemeinsamen Start versammelten wir uns zum Gruppenfoto vorm Holstentor. Dort dräuten bereits dunkle Wolken und der Wind frischte sehr auf. Es folgten die letzten paar Kilometer zum Startpunkt, wo Henning uns mit alkoholfreiem Flens und mich mit einer Zeckenkarte versorgte.

Die Tour war super geplant. Vielen Dank an den Tourguide Henning, an Christian fürs Anwerben, an meinen Schatz, der mich für einen Tag unserer heiligen Zeit freigegeben hat (Fernbeziehung halt…) und die anderen Teilnehmer für die nette Aufnahme.

Zuletzt danke ich Uli mit seinem Blog Gräwwel.de, bei dem ich mir einige Bilder gemopst habe.

Hier findet ihr die Tour auf komoot und meine Tour bei Strava.

Mein erster Triathlon – Sprintdistanz in Hameln

Schon für das letzte Jahr hatte ich meine Triathlonpremiere geplant. Jedoch kamen mir Corona, andere gesundheitliche Problemchen und schließlich fehlendes Training aufgrund der Lübeck-Pendelei dazwischen. Zwar pendele ich immer noch, habe aber recht strikt mit einem Trainingsplan von tridot trainiert. Ich hatte zwar den Eindruck, dass das Training nur mäßigen Erfolgt zeigt, jedoch trainierte ich dadurch regelmäßig und vor allem auch wirklich alle drei Sportarten intensiv.

Eine Woche vor dem Wettkampf versuchte ich mich schon einmal mit einem Triathlon in Herzberg. 700 m Schwimmen im Jues (bei 17°C…), 30 km Radfahren und 5 km Laufen. Das lief schon ganz gut, wenngleich es natürlich anstrengend war. Die letzte Woche hielt ich mich, bis auf ein paar Tapering-, also Erholungseinheiten, zurück. Drei Tage vor dem Wettkampf gar nichts zu machen fühlte sich sehr schräg an, aber es sollte sich als eine gute Entscheidung erweisen.

Einige haben mich im Vornherein nach meinen Zielen gefragt. Das war schwierig zu beantworten, wenn man so etwas noch nie gemacht hat. Daher rechnete ich durchschnittliche Zeiten für alle drei Sportarten (500 m/20 km/5 km) großzügig zusammen und legte ein paar Minuten für die Wechsel drauf und landete bei 1:45h. Dies war meine angestrebte Zeit. Fürs Schwimmen legte ich 1:50 min/100 m an, Radfahren etwa 28km/h und Laufen eine 6er Pace (da ich nicht einschätzen konnte, wie müde die Beine dann bereits sind).

Vor lauter Nervosität konnte ich in der Nacht vor dem Wettkampf kaum schlafen und saß bereits um 7.30 Uhr im Auto. Um 9 Uhr kam ich in Hameln an und hatte reichlich Zeit, meine Startunterlagen zu holen, zweimal am Briefing teilzunehmen (sicher ist sicher), eine Kleinigkeit zu essen, mich umzuziehen und meine Wechselzone einzurichten. Da es sich in Hameln um einen Volkstriathlon handelt, waren die Teilnehmer auch eher entspannt und auskunftsfreudig. Triathleten haben oft ja doch einen eher schwierigen Ruf in Richtung arroganter Egoisten. Dies bewahrheitete sich jedoch zunächst nicht.

Kurz nach 10 trudelte mein Schatz mit seinen Kindern ein. Sie hatten sich extra aus Lübeck auf den Weg gemacht, um mich anzufeuern.

Gegen 11 Uhr startete ich mit fünf anderen Mädels auf einer Bahn im Freibad. Da es beheizt war, gab es ein Neoverbot, was mir auch ganz recht war. Wir sprachen uns kurz ab, wer welche Zeit anpeilt und sortierten uns vor. Leider hielten sich nicht alle an die Absprache, sodass ich jemanden vor mir hatte, die ihren Platz mit Zähnen und Klauen verteidigte und ich aber viel Kraft hätte investieren müssen, um sie zu überholen. So dümpelte ich im Wasserschatten hinter ihr her, und sparte Kräfte. Natürlich ärgerte ich mich trotzdem, da ich sicherlich auch eine Zeit von unter 9 Minuten auf den 500 m hätte schaffen können. Energieeinsatz und gewonnene Sekunden standen jedoch in keinem sinnvollen Verhältnis, weshalb ich entspannt aus dem Wasser kam und locker in den Wechsel starten konnte.

Fun fact: Wer sich nicht an einen Triathlon traut, da er nicht kraulen kann: nur Mut – heute waren ganz ganz viele Brustschwimmer unterwegs!

Bis zur Wechselzone waren es knapp 600 m, weshalb meine Zeit mit 4:25 min auch recht hoch ist. Gestresst habe ich mich aber auch nicht, da ich nichts vergessen wollte. An alles gedacht ging es mit dem Rad im Laufschritt zur Straße. Die Radstrecke war 20 km lang, die sich auf zwei Runden einer 10 km Wendepunktstrecke verteilte. Da ich mit meiner Uhr trackte, hatte ich meine Zeit nicht wirklich im Blick und orientierte mich an meiner Atmung und dem Gefühl in meinen Beinen. Tatsächlich lag ich mit 32,3 km/h recht deutlich über meiner angepeilten Geschwindigkeit. Cool, dass ich die ohne Windschatten (der ist ja beim Triathlon verboten) alleine drücken kann. Das hatte ich nicht erwartet. 20 km fahre ich aber ja auch eher selten…

Der nächste Wechsel war nur etwa 200 m lang und mit 1:30min. war ich ganz zufrieden.

Ich trabte los und hatte das Gefühl, kaum von der Stelle zu kommen. Ich schaute aber wenig auf die Uhr und fokussierte mich auf mein Geschnaufe und war im Ziel mehr als überrascht, eine Pace von 5:07min/km gelaufen zu sein, da meine Schrittfrequenz gefühlt recht langsam war.

Nach 1:18h war ich tatsächlich schon im Ziel. Total cool. Und ich war auch gar nicht rappelalle und vor allem: ich bin NICHT DISQUALIFIZIERT worden. Auch die drakonischen Strafen förderten meine Nervosität im Vornherein. Der Helm am Lenker MUSS offen sein. Sobald das Rad bewegt wird MUSS der Helm geschlossen auf dem Kopf sitzen. Ab dieser Linie MUSS man vom Rad sein, jene darf keinesfalls überfahren werden und und und… Letztlich hat es bei den Damen für den 36. Platz von 130 Teilnehmerinnen gereicht.

Jetzt bin ich optimistisch, dass ich irgendwie auch die Olympische Distanz im kommenden Monat in Lübeck schaffen kann. Toi, toi, toi.

Mein Schatz hat, zusammen mit den Kindern, den Tag zu einem ganz besonderen gemacht, den wir mit einem wohlverdienten Eis ausklingen ließen.

Diva goes Triathlon – ein Versuch

Lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen, da sich der Winter sportlich von seiner unspektakulären Seite gezeigt hat. Jedoch habe ich mir für dieses Jahr ein neues Ziel gesetzt. War es letztes Jahr der WakenitzMan, so habe ich mich in diesem Jahr für meine ersten zwei Triathlons angemeldet. Im Mai geht es los mit einer Sprintdistanz in Hameln. In Zahlen bedeutet das 500 m schwimmen, 20 km Rad fahren und 5 km laufen. Das klingt zunächst wenig aufregend, durch die Wechsel, die gerne als vierte Disziplin gesehen werden, wird es jedoch für mich sicherlich ambitioniert. Die sportlichen Wechsel (zumindest vom Rad zum Laufen) übe ich bereits, trotzdem wird das unter Zeitdruck noch einmal eine interessante Hausnummer. Ich plane dort jedoch auch nicht, Bombenzeiten abzuliefern, sondern zunächst zu schauen, wie mich bei einem solchen Spektakel erwartet. Im Juni wird es dann beim 7 Türme Triathlon in Lübeck auf der olympischen Distanz (1,5 km – 36 km- 10 km) ernst. Bisher fühlt sich das auch alles noch recht utopisch an. Ich habe sowieso den Eindruck, dass ich es beim Triathlon – anders als bei Laufevents – fast nur mit hochgezüchteten Sportfreaks zu tun haben werde. Sicherlich ist es auf einer Sprintdistanz noch einmal etwas anders, aber spätestens bei der olympischen geht mir schon etwas die Düse.

Bisher war ich erst einmal mit dem Rad an der Luft und trainiere ansonsten noch auf dem Kickrbike. immerhin bin ich jetzt für zwei Monate mit einem Trainingsplan von Tridot unterwegs, der mich dazu nötigt, fleißig Intervalle zu schrubben, was nicht unbedingt zu meiner bevorzugten Trainingsart gehört, aber bekanntlich am effizientesten ist. Bei Tridot hatte ich mich für das Preseason Project beworben und erhalte dort variable, auf mich zugeschnittene Pläne, die neben Arbeit und Fernbeziehung schon gut zeit kosten, wobei ich sie bereits auf den niedrigsten Umfang gesetzt habe. Sechs Tage die Woche bin ich jeden Tag circa eine Stunde am Laufen, schwimmen oder Rad fahren. Da ist es hilfreich, dass ich unter der Woche alleine lebe und niemandem damit auf die Nerven gehe. Sobald das Wetter mich wieder häufiger mit dem Rad nach draußen lockt, werde ich wohl hie und da vom Plan abweichen. Aber für den Beginn versuche ich zunächst alles umzusetzen, um beim Wettkampf nicht vom Besenwagen überrollt zu werden.

Parallel ist auch Abspecken abgesagt. Nicht nur, dass ich letztens gelesen habe, dass es beim Triathlon kleine und leichte Menschen leichter haben, auch die Waage hat mir – nachdem ich sie einige Monate ignoriert hatte – erschreckende Daten mitgeteilt. Deshalb kämpfe ich seit einem Monat seeehr mühsam um jedes Gramm. Von purzelnden Pfunden keine Spur, aber vielleicht schaffe ich bis Ende des Monates noch die letzten 1,5 von 3,5 kg. Nur die Süßigkeiten am Abend wegzulassen reicht wider Erwarten nicht. Auch NOCH mehr Gemüse hilft nur bedingt, da der Hunger irgendwann unerträglich und ich mich ihm anpasse. Auch der Verzicht auf Kohlenhydrate verträgt sich nicht gut mit dem Sportprogramm. Daher versuche ich es mit etwas weniger Kohlenhydraten und allgemein noch gesünder zu essen und weitestgehend auf die süßen Sünden zu verzichten. Vielleicht klappt es besser, wenn ich wieder and er frischen Luft radele und die Strecken länger werden. Über 40 km komme ich indoor nur selten… Die 70 kg sind so oder so das Ziel. Natürlich nicht nur für den Sport, sondern vielmehr für mein Wohlgefühl.

Auch wenn nicht alles ganz rund läuft und ich auch gesundheitlich noch das ein oder andere abklären muss, bin ich ziemlich motiviert und freue ich mich auf die Saison mit hoffentlich auch wieder längeren Touren. Letztes Jahr war es definitiv zu wenig :).

WakenitzMan 2023

Oder: wenn man die Medaille gar nicht mehr ablegen will…

Ende des Jahres erzählte mir Jan von einem Langstrecken-Schwimmevent erzählt, welches vom Ratzeburger See über die Wakenitz 14 km nach Lübeck führt. Ich war sofort Feuer und Flamme, da ich ja vor einigen Jahren schon einmal bei einem 24h Schwimmen 13 km geschwommen war. Allerdings im Hallenbad… Definitiv ein Unterschied in vielerlei Hinsicht. Aber fangen wir vorne an:

Die Anmeldung war im Februar, als an Schwimmen noch nicht zu denken war. Während des Schwimmcamps im Januar hatte ich mir ja die Schulter verletzt und habe erst im Mai wieder vorsichtig mit Schwimmen angefangen. Auch wenn ich nach der Zwangspause einen kleinen Tempoverlust bemerkte, lief es ganz ok und ich kam nicht auf die Idee, die Anmeldung zu revidieren. Ähnlich wie bei den Cyclassics war die Training nicht sehr ausführlich. Gerade mal etwas über 50km war ich seit Mai geschwommen, mit sechs Kilometern als längster Distanz.

Bis ich mir die Ergebnisliste des letzten Jahres und die Zielschlusszeit mit 5:30h angeschaut hatte, war ich auch recht optimistisch. Die Ergebnisliste zeigte ganz deutlich, dass ich es dort nicht mit Hobbyathleten wie mir – sondern starken Triathleten und Leistungschwimmern zu tun hatte. Noch setzte ich aber auf die Flussströmung und hoffte auf ein paar „Normalos“, wie mich.

Am Samstag holten wir uns das Kanu von Jans Freund Stefan, transportierten das überraschend schwere Gerät nach Rothenhusen und versuchten uns ein paar Meter im Paddeln. Ohne Übung pendelten wir lustig von rechts nach links und links nach rechts und kamen nicht so recht in Fahrt. Jan wurde hier langsam nervös, da er mich ja am Folgetag mit seiner Freundin Cathrin begleiten sollte. Und das möglichst ohne mich, oder andere Schwimmer zu überfahren…

Am Sonntag den 27.08. klingelte der Wecker um 4.40 Uhr. Nach einem schnellen Frühstück trafen wir uns um 5.30 Uhr mit Cathrin an Stefans Garten und fuhren von der mit einem Auto Richtung Falkenwiese (Endpunkt des Rennens), wo wir in den Shuttlebus umstiegen. Ehrfürchtig sah ich mir die anderen Schwimmer an und konnte schon ahnen, dass ich eher hinterher schwimmen würde.

Ankunft in Rothenhusen

In Rothenhusen angekommen, kümmerte sich Jan ums das Boot, Cathrin um die Anmeldung des Boots und ich um meine Startunterlagen. Ich frohr bei etwa 13 Gard Lufttemperatur in meiner Jogginghose schon jetzt und wollte mich gar nicht wasserfertig machen. Über den Badeanzug zog ich schließlich den kurzen Neoprenanzug meiner Konkrektorin, den sie mir dankenswerter geliehen hatte. Leider war es kein Schwimmneo, so dass er hydrodynamisch nur so semioptimal war, aber bei 20 °C Wassertemperatur nach einer gewissen Zeit nötig ist. Mein Neo wäre ok gewesen, wenn ich darin nicht aufgrund der langen Ärmel immer so schnell lahme Arme bekäme.

Warten am Start

Nach einer kurzen Einweisung fiel um 8 Uhr der Startschuss und der Großteil des Feldes flog an mir nur so vorbei. Bei der Einweisung erfuhr ich, dass auch Profis dabei sind, wie die fünffache Deutsche Meisterin im Langsstreckenschwimmerin – Louisa Obermark. Auch viele andere Athleten, die laut Internet regelmäßig an Deutschen oder Landesmeisterschaften im Schwimmen und Triathlon dabei sind oder sich gar Weltmeister im Eisschwimmen nennen dürfen waren anwesend. Lediglich wenige Schwimmer blieben auf den ersten Kilometern in meiner Nähe. Um einen Tempovergleich zu haben: Während ich knapp 3 km/h schwamm, schwammen die schnellsten Schwimmer über 4 km/h. Ich ließ mich davon nicht verrückt machen und versuchte in einen gleichmäßiges Schwimmen zu kommen und das Kanu meiner Begleitung zu finden. Bis ich Sichtkontakt hatte, dauerte es auch eine Weile. Dann waren sie jedoch meistens nah bei mir, kämpften jedoch auch heute mit der Steuerung des Boots. Im Boot hatten sie warme Getränke (Brühe und Isodrink), Energyballs und Fruchtriegel, mit denen sie mich versorgten. Viel Essen nahm ich nicht zu mir und mehr als einen dreiviertel Liter auch nicht getrunken. Leider gab das GPS meiner Uhr nach 4,8 km auf, sodass ich ab dann keinerlei Orientierung hatte, wie weit es noch ist. Ich bemerkte es zunächst nicht und war mir sicher, dass ich das Ganze nicht in 5:30 h schaffe würde. Da ich mit Musik und Ohrstöpseln schwamm (Shoks OpenSwim und Bollsen Watersafe+), war eine Kommunikation mit Jan und Cathrin dazu auch schwierig. Im Nachhinein sagten sie mir, dass Kilometerangaben am Rand standen. Mir blieb in der Situation nur, mich auf mich und meine Technik und das Wasser inklusive der Fahrrinne zu konzentrieren und nicht zu sehr über die Restdistanz oder meine Zeit nachzudenken. Außerhalb der Rinne musste man sich schnell durch allerlei Pflanzen (Algen, Seerosen & Co kämpfen, was zusätzlich Kraft kostete).

Bitte lächeln!

Nach 2,5 h fingen meine Waden etwas an zu krampfen. Ich verringerte die Intensität des Beinschlags etwas und so ging es wieder. Die ersten drei Stunden kraulte ich tatsächlich durch (ich wusste nicht, dass das kann) und legte erst dann immer wieder kurze Brustschwimm-Einheiten ein. Etwa 5 km vor dem Ziel konnte man bereits die Türme der Stadt sehen und ich dachte, dass es dann nicht mehr weit sein könne. Das war jedoch ein Irrtum… Vor allem die letzten 4 km zogen sich wie Gummi. Immer wieder zogen Schwimmer an mir vorbei, jetzt jedoch nur noch die der Zweier- und Viererstaffeln, die fünfzehn bzw. dreißig Minuten nach uns gestartet waren. Nach viel wunderschönem ursprünglichem „grün“ – die Wakenitz heißt nicht umsonst auch „Amazonas des Nordens“ wurde das Ufer kurz vor Lübeck belebter. Teilweise reihte sich eine prachtvolle Villa an die andere. Wirklich genießen konnte ich die Aussicht beim Kraulen jedoch nicht.

Nach 5 h sah ich endlich die Bojen des Ziels und auf den letzten Metern war meine Playlist bei dem Song „Fighter“ von Christina Aguilera angekommen, der mich ins Ziel trug. Nach dem Anschlag an der Zieltafel hangelte ich mich etwas unbeholfen die Treppe ins Schwimmbad hinauf. Dort bekam ich meine Medaille umgehängt und stürzte mich zunächst auf das schon ziemlich leergefutterte Buffett und ergatterte noch ein halbes Käsebrötchen, Kuchen und einen Kaffee und suchte – zunächst erfolglos – meine Kanubegleiter. Mir war extrem kalt und es verlangte mich nach einem Handtuch, Dusche und trockener Kleidung. Schließlich sah ich die beiden doch, die sich nach Klamottenübergabe wieder ins Kanu setzten, um dieses zu Stefan zurückzupaddeln. Unter der heiß ersehnten – oder ersehnten heißen – Dusche sah die ich die Hinterlassenschaften des Neos auf der Haut: diverse Striemen an Brustkorb, Hals, Achsel und Schlüsselbein. Aber wie heißt es so schön: der Schmerz geht, der Stolz bleibt. Bezüglich des Schmerzes bin ich überrascht. Am Abend massierte mir Jan noch die Waden, Rücken und Arme, sodass ich – bis auf eine latente Müdigkeit – keinerlei Beschwerden am Folgetag hatte.

In der Gesamtwertung hat den WakenitzMan übrigens Louisa Obermark (in 3:12:32) gewonnen, gefolgt von Bettina Lange (Deutsche Meisterin im Triathlon). Erst auf Platz 3 folgt der erste Mann. Unglaublich, wir stark das Frauenfeld war!

Mich verschlug es mit 5:09 h auf den 36. von 40 Plätzen, bei den Damen auf den vorletzten Platz. Trotz meines Ehrgeizes bin ich völlig zufrieden damit und von mir selbst überrascht. Mit einem Tempo von 2:13min/100m liege ich etwas unter meinem üblichen Freiwassertempo. Im Becken bin ich deutlich schneller, aber im Freiwasser fehlen mir die Wenden, durch die ich schnell werde. Zudem war die Challenge, die 14 km zu schaffen – und das habe ich. Und vielleicht ist eine solche Distanz für viele der von mir vermissten Gelegenheitsschwimmer einfach zu groß. Für 52 Euro habe ich eine gut organisierte Veranstaltung erlebt, mit Busshuttle, Snacks und Getränke für die Kanuten, einem kostenlosen, hochwertigen Finishershirt, Badekappe, Zielverpflegung, Medaille und Urkunde. Den Ärger zweier Teilnehmer gestern über die Kosten konnte ich nicht nachempfinden! Ich werde so bald vermutlich nicht mehr teilnehmen, da ich doch sehr auf den Boden der Tatsachen geholt wurde, dass ich neben „richtigen“ Schwimmern eher eine lahme Ente bin, aber ich empfehle des Rennen auf jeden Fall ambitionierten Schwimmern weiter! Und wer weiß – vielleicht muss ich es mir irgendwann noch einmal beweisen.

Cyclassics 2023

Erst Corona (nicht schlimm, aber ich habe mich monatelang nicht so richtig fit gefühlt), dann diverse Termine und viele Fahrten in den Norden, Bayern-Radltour und eine dicke Erkältung hinterher sorgten dafür, dass meine Vorbereitung auf die Cyclassics – sagen wir – „ausbaufähig“ war. Kilometer sammeln konnte ich auch in Bayern, richtige Tempofahrten fehlten in den letzten Monaten – vielleicht sogar in diesem Jahr – gänzlich.

Mein Freund Jan hatte sich nach einigen Jahren Cyclassics- und Rad-Abstinenz ebenfalls angemeldet und war sicherlich noch etwas schlechter vorbereitet, da er in diesem Jahr seinen ersten 100er ebendort fuhr.

Morgens fuhren wir von Lübeck nach Hamburg, tranken noch ein Käffchen, zogen uns um und rollerten zum Start, beziehungsweise unseren Startblock „I“. Am Tag vorher gab es Curry, unter anderem mit Kichererbsen, Linsen und Sojasprossen und irgendetwas daran war nicht gut. Ob es ein Protein-Overload war oder die Sprossen verdorben waren, uns ging es beiden nicht so gut. Ich litt nachts unter leichter Übelkeit und im Startblock war mir ziemlich flau und meine Knie waren etwas weich, Jan ging es zu diesem Zeitpunkt noch gut.

Gegen 9.20 Uhr setzte sich unser Startblock in Bewegung und ich hatte schon vorher mit Jan abgesprochen, dass ich trotzdem versuche, auf Tempo zu fahren. So sah er mich wohl nach einigen hundert Metern nicht mehr, da ich mich bereits an irgendwelche Hintern schnellerer Fahrer geheftet hatte. Ist das Pärchenkonform? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich, wenn ich ein Startgeld bezahle auch alles gebe, um hinterher zufrieden mit meiner Leistung zu sein. Sicherlich nicht das beste Sozialverhalten, aber ich hoffe sehr, dass meine bessere Hälfte mir das nicht übel nimmt. Ein bisschen „Diva“ bin ich halt doch. Jedenfalls kam ich erst einmal gut voran und hatte die ersten dreißig Kilometer einen Schnitt von 40 km/h auf dem Tacho stehen. Dieses Tempo – das merkte ich schon jetzt – war für mich nicht zu halten, aber eine gute Grundlage. Und so hangelte ich mich von Gruppe zu Gruppe, fuhr aber auch immer wieder mehrere Kilometer im Wind, um an eine andere Gruppe anzuschließen. Hier gab es ein schönes Erlebnis. Nachdem ich zwei oder drei Kilometer erfolglos und ziemlich am Limit versucht hatte meine Gruppe (oder zumindest mich) an die nächste zu ziehen, zog ein Fahrer (ich meine, sein Name war Markus) an mir vorbei, um mich abzulösen. Sein Tempo war aber so hoch und ich so erschöpft, dass ich nicht anschließen konnte. Vorher rief ich ihm aber noch ein „Dankeschön“ zu. Plötzlich drosselte er aber das Tempo, als er merkte, dass ich abriss und passte sich mir an. Unglaublich, was für tolle Menschen man teilweise auf der Strecke trifft. Nach und nach verließen mich aber meine Kräfte und ich wurde immer langsamer. In Wedel gab ich nochmal alles, da ich ahnte, dass Stefan, mein Retter vom letzten Jahr, mit seiner Frau am Straßenrand stand. Alles ging jedoch so schnell, dass ich zwar an der entscheidenden Stelle winkte, die beiden aber nicht in der Menschentraube identifizieren konnte. Sie mich allerdings schon. Und sie schafften es sogar, mich zu filmen! Nach Wedel erwarteten mich die einzigen Höhenmeter der Tour, die ich nur langsam angehen konnte, da ich sonst vermutlich über den Lenker gebrochen hätte. Zumindest war das flaue Gefühl im Bauch wieder da. Eigentlich wollte ich die letzten 15 km noch einmal angreifen, dazu fehlte mir aber die Kraft und so fuhr ich ohne Gruppe, aber auf Höhe einer netten älteren Dame aus Schweden (Malin). Wir motivierten uns gegenseitig auf den letzten Metern, sodass ich mit einem Schnitt von 37,3 km/h nach 2:41 h durch den Zielbogen fuhr.

Etwas später erfuhr ich leider, dass es Jan nicht so gut ergangen war. Das Essen rächte sich bei ihm deutlich stärker, sodass er kaum Spaß am Fahren hatte und ziemlich frustriert ins Ziel kam. Vielleicht sollten wir – falls wir noch einmal ein Rennen fahren – vorher etwas trainieren und keine Essensexperimente machen. Gerade letzteres tut mir unendlich Leid. Etwas frustriert saßen wir noch eine Weile an der Alster, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Nächsten Sonntag steht das nächste Abenteuer an… Stay tuned….

Schwimmen statt radeln

Das neue Jahr bot wettertechnisch bisher wenig Abwechslung, dafür jedoch Grautöne in jeder Schattierung und viele Niederschläge, sodass ich nicht traurig war, dass ich dieses Wochenende fast nur im Wasser verbrachte. Nachdem mir bereits zwei Freunde (Jenny und Matthias) begeistert von einem Kraul-Camp erzählt hatten, war ich neugierig und meldete mich kurzerhand an.

Besagtes Kraul-Camp findet regelmäßig (etwa 10x jährlich) im Hotel am Vitalpark in Heilbad Heiligenstadt statt und wird angeboten von H2O-Bloxx. Gründer von H2O-Bloxx und unser Trainer ist Marco Henrichs, der neben seiner Schwimmtrainerausbildung auch Athletik- und Ausdauertrainer sowie Spezialist für Freiwasser- und Langstreckenschwimmen und das Schwimmen im Triathlon ist. Das machte es für mich besonders interessant, da ich mich gerne an längere Distanzen wagen und mich in diesem Jahr erstmalig im Triathlon versuchen möchte. Ganz günstig sollte das Camp nicht werden, denn ich gönnte mir die Übernachtung und Verpflegung im Hotel, um mich voll und ganz auf das Camp konzentrieren zu können.

Freitag reiste ich am späten Nachmittag an und bezog in aller Ruhe mein Zimmer, bevor es um 18 Uhr mit einer Begrüßung los ging. Außer mir waren acht weitere Sportler angereist, zum Teil aus Erfurt, Lüneburg, dem Bückeburger Raum, Süddeutschland und dem Ruhrgebiet. Demnach hatte ich mit 45 km die kürzeste Anreise.

Beim Kennenlernen stellte sich schnell heraus, dass die meisten Teilnehmer bereits mehrjährige Triathlonerfahrung hatten und viele auch regelmäßig am Schwimmtraining im Verein teilnehmen. Auch die aufgerufenen Schwimmzeiten schüchterten mich etwas ein. Trotzdem ging ich möglichst unbefangen in die erste etwa 80-minütige Einheit und stellte schnell fest, dass ein oder zwei Teilnehmer sehr schnell waren und der ein- oder andere eine tolle und saubere Technik hatte, dass ich mich aber keineswegs verstecken musste. Wir starteten mit einem Aufwärmen und einigen Übungen, bevor es an die Sprints und Videoaufnahmen ging. Ich muss gestehen, dass ich im ganzen Trubel vergessen habe, was genau wir am Freitag in welcher Reihenfolge gemacht haben. Bei den Videoaufnahmen nahm Marco uns aus drei Perspektiven auf, um unsere Schwachstellen aufzudecken. Im Sprint nahm Marco die Zeiten auf 25 und 200m. 200m sind für mich in etwas das, was auch ein 800m-Lauf ist. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Kein Sprint, aber auch keine Ausdauerdistanz, also ziemlich unangenehm. Trotzdem gab ich alles und war recht zufrieden mit meinen Zeiten.

Auf geht’s!

Gegen 20:30 Uhr gab es endlich im Hotel Abendessen und wir verabschiedeten uns gegen 22 Uhr alle relativ zügig ins Bett. Das Klima unter den Teilnehmern war am ersten Abend – wie soll ich sagen – irgendwie seltsam. Richtige Gespräche kamen nicht auf und als Nicht-Triathlet hatte man das Gefühl irgendwie nicht so ganz ernst genommen zu werden. Meine Rettung war aber Katharina aus Lüneburg (es muss am gemeinsamen Job liegen…), mit der ich mich zum Glück gut unterhalten konnte. Nur saß sie beim Essen irgendwie immer zu weit weg… Die anderen Teilnehmer tauten bis Sonntag größtenteils auch noch etwas auf, sodass die Runde zumindest ein bisschen kommunikativer wurde.

Ich schlief wie ein Stein und wurde am nächsten Morgen wirklich erst um 6.50 Uhr von meinem Wecker geweckt. Noch etwas müde, aber eigentlich ausgeruht schlüpfte ich in meine Klamotten und ging zum ersten kleinen Frühstück, da die erste Trainingseinheit bereits um 8 Uhr begann. Am Vormittag wurden der Front-Quadrant Kraulstil axial (also eher schmal) und schulterbreit, Beinarbeit und Atmung thematisiert und trainiert. Wie bei allen Einheiten wechselten wir lustig durch die Batterie an Materialien: Brett, Kurzflossen und Pullbuoy, lediglich die Paddles nutzten wir nicht.

Atmungsübung am Beckenrand

Nach 90 Minuten Training hatten wir nur kurz Zeit zum Duschen und für ein zweites Frühstück, bevor es um 11 Uhr mit dem Theorieblock weiterging. Diesen hielt Marco kurz. Er ging einmal auf das Thema Superkompensation und Trainingsintensitäten ein und ermahnte uns, wenig im mittleren HF-Bereich zu trainieren, sondern eher in den äußeren Bereichen, also Grundlagenausdauer 1 und Sprintschnelligkeit. Da muss ich wirklich – zumindest gelegentlich – etwas verändern, da ich beim Schwimmen meistens nur im Grundlagenbereich trainiere und beim Radfahren und Laufen immer den zu hohen mittleren Zonen. Echte Sprintübungen mache ich beim Radfahren höchstens indoor, beim Schwimmen mit einer zu geringen Intensität und zu langer Distanz und auch beim Laufen mit zu langen Distanzen. Marcos Tipp: Lieber weniger Schwimm-Sprintintervalle mit maximal 25m, diese aber am Puls- und Frequenzlimit. Hier solle ich mit Abgangszeiten arbeiten. Also beispielsweise alle 50s in den Sprint starten und die verbleibende Zeit zur Regeneration nutzen.

In der Videoanalyse zeigte er uns allen in Zeitlupe unsere Schwachstellen. Meine größten waren definitiv der zu hohe Kopf und der zu lange Arm in der Zug- und Druckphase. Dafür war der Beinschlag gar nicht so übel wie ich immer dachte. Beide Baustellen bekam ich in der Kürze der Zeit natürlich nicht ausgemerzt, aber zumindest weiß ich, woran ich in Zukunft arbeiten kann.

Es folgten einige Stunden Freizeit, die ich dazu nutzte, einzukaufen (Bananen, Kekse und Getränke) und mich bei zwei kurzen Saunagängen etwas zu erholen. Die restliche Zeit verbrachte ich dösend und fernsehguckend auf dem Bett, bevor es um 17 Uhr weiterging.

Das dritte Training war das Forderndste. Marcos Ton wurde kurz etwas schärfer, als vielen von uns am „Pendeln“ beim axialen Kraulen scheiterten. Einige pendelten zu viel und drehten aktiv den Kopf, andere zu wenig und schließlich ging er nach verschiedenen Übungsansätzen zu einer anderen Übung über. Es folgte eine Übung für den Umgang mit (Luft-)Stress. Dazu tauchten wir mit Kurzflossen bis zu Beckenmitte an und durch einen Ring hindurch und kraulten so schnell wie möglich die Bahn zu Ende. Prompt meldete sich bei mir ein Krampf und ich war froh, dass es nur zwei Durchgänge dieser Übung gab. Beim erneuten 25m Sprint verbesserten sich alle Zeiten 8bei mir von 20,02 auf 17,58s ( jeweils beim Wasserstart), was dafür spricht, dass zumindest einige Tipps auf fruchtbaren Boden gefallen waren. Wir übten zwei Varianten des Orientierungsblicks, der im Freiwasser und beim Triathlon wichtig ist. Während man sich beim Wasserballkraul mit kurzen geraden Kraulzügen nach oben drückt, nutzt man bei der anderen Variante den langen Arm, um sich etwas aus dem Wasser zu drücken. Abschließend probierten wir das Schwimmen im Wasserschatten, wobei ich dabei das Feld anführen sollte.

Wasserschatten – alle mir hinterher!

Nach einem opulenten Abendessen ging es recht früh ins Bett. Die Nacht war leider nicht gut. Zunächst konnte ich nicht einschlafen, dann quälten mich gleich drei Alpträume.

Am nächsten Morgen erwachte ich gegen 6.30 Uhr ziemlich gerädert und mit einem leichten Ziehen in den Schultern. Beim Frühstück erfuhr ich, dass es den anderen auch nicht viel besser ging. Wir wussten, dass heute noch zwei Angstgegner auf uns warten. Ein erneutes 200m Schwimmen und die Rollwende.

Wir begannen das Training mit einer Wiederholung und selbstständigem Korrekturschwimmen und kamen recht bald zum Schwerpunkt Freiwasser. Zunächst übten wir die Atmung zur Schulter bei seitlichen Wellen, die wir selbst durch Schwimmbretter am Beckenrand erzeugten. Dann ging es daran, eine Boje schnell, auf kürzestem Weg und ohne dabei viel Geschwindigkeit zu verlieren zum umschwimmen. Anschließend machten wir eine kleine Pause, um anschließend in der 200m-Distanz noch einmal alles zu geben. Die meisten Teilnehmer verbesserten sich, trotz der Vorbelastung. Nur wenige waren so erschöpft, dass sie die 200m nicht ohne Pausen beenden konnte. Ich verbesserte mich um unglaubliche 21 Sekunden (von 3:29 auf 3:08 min!). Darauf war ich ziemlich stolz.

Rollwende

Abschließend übten wir die Rollwende, was bei vielen lustig aussah, da keiner von uns diese Rolle vorher beherrscht hatte. Ich bekam die Rolle zwar hin, aber der Abstand zum Beckenrand passte meistens nicht und ich brauchte beim Abstoßen viel zu viel Zeit zur Orientierung. Aber auch das kann ich zukünftig mal üben. Bis die Rollwende jedoch einen zeitlichen Vorteil gegenüber meiner Kippwende bringt (bei der ich glaube ich recht gut bin) wird es dauern…

Nach vier Einheiten an drei Tagen bin ich nun ziemlich erschöpft und habe soo viel Input bekommen, dass hoffe, zukünftig das ein oder andere umzusetzen. Vielleicht buche ich mir im Sommer oder Herbst noch einmal ein Einzeltraining. Auch diese bietet Marco an, wenn er in Heilbad Heiligenstadt ist.

Gruppenbild

Meinen Schwimmanteil werde ich jedoch zukünftig nicht erhöhen, sondern ihn bei etwas einmal die Woche belassen, sodass sich vermutlich keine sprunghaften Verbesserungen einstellen werden. Jedoch werde ich mehr auf die Techniktipps achten und die Sprints einbauen.

Ich lege ein Training wie dieses jedem ans Herz, der sein Kraulen verbessern möchte. Zwar richtet sich der Kurs auch an Anfänger, ich weiß aber nicht, ob die Frustration nicht etwas hoch wäre. Besser wäre hier vielleicht ein reiner Anfängerkurs oder ein Einzelcoaching.

(Die Bilder am und im Wasser stammen alle von Marco Henrichs.)

2022 – das Jahr der vielen „Ersten-Male“

Erste RTF, erste Rennen, erste 200er-Touren, erstes Fahren mit online-Bekanntschaften, erstes Rennrad und erstes Bikefitting. Dieses Jahr war definitiv ereignisreich. Neben den genannten Dingen habe ich auch mich im SUP-Paddeln und MTB-Fahren versucht. Eine kurze Übersicht bekommt ihr hier, lest auch sehr gerne noch einmal in die Beiträge rein.

Januar-März

Nach der Tour d´Zwift, die ich übrigens auch zum ersten Mal abschloss, meldete ich mich im Februar zu Tour d´Energie bei Göttingen an. Als Vorbereitung startete ich bei meiner ersten Radtourenfahrt (RTF) in Gieboldehausen und fuhr dort ganz optimistisch mit dem Rad hin. Dass ich den Großteil der Strecke alleine zurücklegte, war so nicht geplant. Ich denke, dass ich auch im nächsten Jahr wieder beim dieser schönen Veranstaltung starten werde, dieses Mal aber mental besser darauf eingestellt…. Vielleicht bin ich 2023 auch vorher nicht krank :).

April

Krank war ich auch kurz vor meinem nächsten Event, der TdE. Ihr seht: es lief richtig gut bei mir. Auch dieses Rennen – meine Premiere auf dem Rad mit Zeitmessung – lief nicht ganz so wie geplant, da ich kaum trainieren konnte. Auch hier war ich viele Kilometer Einzelkämpferin und hatte mit Krämpfen zu tun. Im Ziel war ich alleine und unzufrieden mit meiner Leistung, weshalb auch dieses Rennen nicht zu meinen Lieblingserlebnissen des Jahres zählt.

Mai

Mit weniger Druck ging es auf ein paar längere Touren alleine. Bei bombastischem Wetter zur Marienburg und eine Graveltour, die für ein MTB besser gewesen wäre, mir aber sehr viel Spaß gemacht hat.

Am Himmelfahrtswochenende fuhr ich am Donnerstag 190 km zu meiner Schwester und kämpfte mich sieben sonnige Stunden gegen den Nordwind. Am Samstag ging es zurück, leider mit Panne. Trotzdem machte ich an diesem Tag meine ersten 200km voll, da ich noch einen kleinen Umweg einplante.

Juni

Die nächste Langdistanz nahm ich mit meinem Radbuddy Kai zwei Wochen später in Angriff. Stets hügelig ging es mit etlichen Höhenmetern ins schöne Erfurt und selbstverständlich auch zurück. Die 230 km (meine längste Tour bisher) überforderte mich leider ziemlich und ich war extrem dankbar, dass ich viel Windschatten fahren durfte.

Juli

Der Juli führte mich zu einem Gesangsworkshop nach Italien. Viel Radfahren ließen Hitze und Zeit nicht zu, aber die gemachten Touren waren für mich etwas Besonderes und natürlich auch das Sightseeing in Florenz und Volterra. Wer es noch nicht getan hat – schaut euch den Beitrag nochmal an. Die Bilder zeigen es ganz gut 🙂

August

Mein zweites großes Rennen stand im Spätsommer an. In Hamburg startete ich bei der Cyclassics und es lief super, tolle Gruppe, bombastisches Tempo, bis mich eine Reißzwecke bei km 80 ausbremste. Irgendwie zeigte sich das ganze Jahr ziemlich unperfekt. Aber durch das Rennen und auch die Panne lernte ich tolle Menschen kennen. Für 2023 bin ich bereits angemeldet, um das Rennen einmal zu meiner Zufriedenheit zu beenden.

Kurz darauf nahm ich mit einigen Freunden an der Großen Weserrunde teil und fuhr dort 200km. Die Übernachtung zuvor war legendär 😂…

September – Oktober

Perfekt war aber, dass ich nach vier Jahren Pause so ganz vorsichtig wieder mit dem Laufen starten konnte. Mehr als 10 km (im Training nur 5-8) werde ich nicht mehr laufen, aber schon das macht mich ziemlich glücklich.

Ein weiteres Highlight – wenngleich das Wetter das anders sah – war meine Radtour nach Dresden, bei der ich eine Übernachtung in Leipzig einlegte. Die zweite Hälfte der Tour legte ich mit einer Bekanntschaft aus dem Internet zurück. Andy begleitete mich und bot mir Unterschlupf und eine ausführliche Stadtführung in Dresden. Ein tolles Wochenende und eine Bekanntschaft, die hoffentlich nicht im Sande verläuft.

November – Dezember

Ende des Jahres traf mein neues Schmuckstück, mein Carbon-Rennrad ein, welches bisher fast nur im Flur sein Dasein fristet. Der Einzige Ausflug bisher ging (im Kofferraum) zum Bikefitting nach Leinefelde.

Nun lasse ich das Jahr ausklingen und starte am 31. noch bei meinem ersten Lauf seit sehr langer Zeit. Dort werde ich ohne viel Training mal versuchen 5 km am Seeburger See in einer halbwegs akzeptablen Zeit zu absolvieren.

Daten und Zahlen

PoloStrava gibt das Sportjahr nur noch den Bezahlabbonenten frei. Das ist schade, aber an einige Zahlen komme ich auch so :).

Schwimmen: 68 Einheiten – Zeit: 30h 50 – Distanz: 90,54 km

Laufen: 14 Einheiten – Zeit: 7h 36 – Distanz:81 km – 913 Höhenmeter

Radfahren: 172 Einheiten – Zeit: 290h 57 – Distanz: 7.809 km – 62.337 Höhenmeter

West-Ost-Tour

Oder: Der große Kleidungsbelastungstest….

Durch eine berufliche Veränderung war das Radfahren die letzten Wochen etwas kurz gekommen, weshalb ich gerne das verlängerte Wochenende zum Tag der Deutschen Einheit nutzen wollte, um ein paar Kilometer auf neuen Wegen zurückzulegen. Was lag da näher, als zur Feier des Tages der Wiedervereinigung weit in die ehemalige DDR zu fahren? Die Zielsuche gestaltete sich als relativ einfach, da ich gerne Andy – eine Facebook-Radbekanntschaft aus Dresden treffen wollte. An einem Tag fahre ich keine 300 km, weshalb ich einen Zwischenstopp in Leipzig einplante.

Die Wetterprognose war anfangs noch ganz nett, verschlechterte sich aber zusehends, sodass ich erst nicht sicher war, ob ich das Ganze nicht doch lassen sollte. Das Hotel in Leipzig war nicht stornierbar, weshalb ich mir selbst in den Allerwertesten trat und mich am Samstagmorgen um 6.45 Uhr auf den Weg machte. Die Tour hatte ich zuvor mal wieder mit komoot geplant und war bei der ersten Etappe von 770 hm ausgegangen. Aber Pustekuchen. Auf den Rox übertragen war plötzlich von über 1000 hm die Rede. Na herzlichen Dank. Es sollte also nichts mit einer flachen Tour werden… Mit voll bepackter „Arschrakete“ – die große Satteltasche – Rahmen- und Oberrohrtasche und gut befülltem Futterbeutel ging es los. Zunächst mit kurzer Hose und den neuen Beinlingen von Craft, Trikot, Armlingen und Regenjacke. Schon auf dem ersten Kilometer begannen die Beinlinge zu rutschen, was leider auch den ganzen Tag über immer wieder passierte, da weder sie noch meine Hose eine Gummierung haben.

Sonnenaufgang
Mensch, Craft, das geht doch besser

Sehr, sehr lästig… Dafür bekam ich ein schönes Morgenrot zu sehen, bevor es nach 8 km begann zu regnen. Also zog ich in Barbis auch die lange Regenhose an und war ab da als rotes Michelin-Mädchen unterwegs.

In voller Montur

Bald hatte ich Niedersachsen verlassen und befand mich „drüben“. Auf noch bekannten Wegen fuhr ich mal im Niesel-, mal im Landregen nach Nordhausen und von dort aus weiter den ebenfalls mehrfach gefahrenen Radweg parallel zur Nordhäuser Straße gen Osten. Zum Glück kam der Wind meist von hinten, gelegentlich jedoch auch böig von der Seite. Bald überfuhr ich die nächste Landesgrenze und landete bei Berga in Sachsen-Anhalt. Der Regen ließ nach und ich zog spontan die Regenhose aus um sie fünf Kilometer später bei Roßla wieder anzuziehen. In Sangerhausen war ich bei zwei Hügeln kurz am Zweifeln, ob ich das Ganze überhaupt packen würde. Danach kamen zwar nur noch wenige schlimme Höhenmeter, aber immer wieder kurze knackige Rampen. Bei einer derselbigen merkte ich plötzlich ein Reißen an der Hose. Der Klettverschluss am Bein der Regenhose hatte sich gelöst und das Kettenblatt sich in der jetzt zu lockeren Hose verbissen. Also hat leider auch die VAUDE Regenhose den Stresstest nicht so richtig bestanden.

Sangerhausen

Davon ließ ich mich nicht aufhalten und fuhr mit einigen Pausen, teilweise in zugigen und mit Erbrochenem dekorierten Bushaltestellen weiter. Ab Halle fuhr ich überwiegend entlang der Weißen Elster (mit einem unnötig hügeligen Abstecher nach Schkeuditz) und war mir nichts, dir nichts in Sachsen. Es wurde auch Zeit, denn ich war langsam wirklich platt. Mein Hotel erreichte ich schließlich nach knapp 170 km, von denen immerhin etwa 40 trocken waren.

Nach einer ausführlichen Dusche machte ich mich zu Fuß auf in die etwa drei Kilometer entfernte Innenstadt, die ich ja bereits durch einige Besuche kannte. Trotzdem spazierte ich die wichtigsten und für mich hübschesten Plätze der Innenstadt ab (natürlich an der Thomaskirche vorbei quer durch die Stadt bis zum Augustusplatz und parallel wieder zurück, vorbei an der Nikolaikirche und über den Marktplatz) und lauschte eine Weile einem Sänger vor Auerbachs Keller. Irgendwann machte ich mich auf den Rückweg.

Da mein Handy kaum noch Akku hatte, schaltete ich es vorsichtshalber aus. Als ich es zum Navigieren wieder einschalten wollte, verlangte es plötzlich den PIN der SIM-Karte. Das war mir bis dahin noch nie passiert…. Den hatte ich natürlich nicht zur Hand, sondern zu Hause, und wurde etwas nervös. Erst einmal musste ich aber etwas essen und bestellte mir in einer Dönerbude ein paar Falafel und bat den Verkäufer, ob ich sein Handy nutzen dürfte, um meine Radverabredung für den Folgetag zu koordinieren. Leider fiel mir aber auch mein Facebook-Passwort nicht ein… Etwas verzweifelt ging ich in Richtung Hotel (zum Glück ist mein Orientierungssinn nicht soo schlecht). Auf dem Weg dorthin sprach ich noch einen jungen Herrn mit einem Coffee Bike an und schilderte ihm meine Lage. Er erlaubte mir, mit seinem Profil meiner Radverabredung zu schreiben. Blöd nur, dass ich dessen Nickname nicht exakt im Kopf hatte und ihn nicht fand. Zurück im Hotel hatte ich mein Handy und die Radbegleitung abgeschrieben, als mir einfiel, dass ich es ja ohne SIM-Karte probieren könnte. Also am Empfang eine Büroklammer ergattert und die SIM-Karte rausgebastelt. So konnte ich wenigstens mit WLAN mein Handy nutzen. Was für eine Erleichterung.

Ziemlich müde wollte ich gegen 21.30 Uhr schlafen. Dazu kam es aber leider bis nach 24 Uhr nicht, da Straßenbahnen, feiernde Leute, Sirenen & Co. alles gaben, um die stilleverwöhnte Diva wachzuhalten.

Gegen 5.30 Uhr war die Nacht wieder zu Ende, obwohl es draußen erstaunlich leise war. Ich packte meine Sachen und schlug um 7.01 Uhr zum Frühstück auf. Merke: wenn Vietnamesen schreiben, dass es ab 7 Uhr Frühstück gibt, heißt es, dass es ab 7 Uhr langsam aufgebaut wird. Sehr charmant fand ich aber, dass der Mitarbeiter mit jeder Lebensmittellieferung, die er ans Buffett bringen wollte erst zu mir kam. Und das obwohl ich ihm mehrfach sagte, dass er ganz in Ruhe aufbauen solle und ich mir dann etwas hole.

Um 8.30 Uhr war ich mit Andy und seinem Freund Stephan am Hotel verabredet. Stephan durfte ich meine Klamotten ins Auto werfen (die er mit nach Dresden nahm) und schon war mein Rad nur noch halb so schwer. Auch das Wetter versprach etwas besser zu werden, daher nahm ich auch nur die Regenjacke mit und verzichtete auf die Regenhose. Zum Austausch ließ er mir Andy als Radbegleitung da. Der hatte aber sein eigenes Rad und war daher kein Ballast. Irgendwie seltsam, wenn man sich nur vom Schreiben her kennt und keine Ahnung hat, ob man sich leiden kann und wie weit man leistungsmäßig auseinander ist. Ein leicht flaues Gefühl hatte ich schon, was sich aber schnell verflüchtigte. Mit Andy fuhr ich quer durch Leipzig und er legte ein ganz schönes Tempo vor. Ab dem Völkerschlachtsdenkmal hatten wir halbwegs freie Fahrt und ich gab alles, um halbwegs dran zu bleiben. Trotzdem musste ich doch um eine Reduzierung des Tempos bitten. Ob es an der Tour am Vortag lag oder einfach der zu großen Leistungsdifferenz, ich weiß es nicht. Ich tippe aber auf ersteres, da mich die kleinsten Hügel zum Schnaufen brachten. (Memo an mich: mein Asthmaspray ist schon seit längerem alle – vielleicht mal bei Gelegenheit ein neues besorgen…).

Die ersten 80 km ging es lustig auf und ab. Selten ganz schlimm, aber es war stets hügelig. Ab Zehren fuhren wir auf dem Elberadweg und gönnten uns nur noch einen Anstieg auf die Burg in Meißen.

15 km vor Dresden bekam ich einen Hungerast. Mein Brötchen hatte ich schon lange vorher gegessen und lief plötzlich auf der letzten Rille. Dankenswerter Weise half mir Andy mit einem Riegel aus, sodass es irgendwie doch noch bis in die Dresdner Innenstadt schaffte, in der wir erst einmal Currywurst und Pommes verdrückten. Gestärkt schaffte ich auch noch die Runde durch den Großen Garten. Dann waren es auch nur noch wenige Meter bis zum Ziel und wir stellten die Räder nach 131 km ab. Ich ziemlich kaputt, Andy nicht so. Aber gut, beim nächsten Mal tobe ich mich am Vortag vielleicht nicht so aus…

Den Nachmittag nutzten wir ausführlich und er zeigte mir viele tolle Orte der Stadt. Nach einem kräftigen Platzregen beispielsweise das Schloss Albrechtsberg aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, welches auf der anderen Elbseite liegt und einen tollen Blick über Dresden bietet. Erbaut wurde es für den jüngsten Bruder Wilhelm des I. Wir schauten uns die vorgelagerten Weinberge, das Blaue Wunder, und die Gärten rund um das Schloss an.

Anschließend setzten wir unsere Tour in der Innenstadt fort. In dieser war ich zuletzt vor knapp 20 Jahren und konnte mich nur an wenig erinnern. Die Frauenkirche war damals noch nicht ganz fertig gestellt. Sie beeindruckte mich ziemlich. Am Fürstenzug, der aus 102 m die 34 Herrscher aus dem Geschlecht der Wettiner darstellt, spekulierten wir über die Bedeutung einiger lustiger Beinamen wie Dietrich der Bedrängte, Albrecht der Entartete und Friedrich der Gebissene.

In der Dämmerung und den nächsten aufziehenden düsteren Wolken wechselten wir noch einmal die Elbseite und schauten uns den Goldenen Reiter und – viel wichtiger – die Eisdiele von Terence Hill an. Wieder zurück über die Elbe ging es Richtung Zwinger, der im Moment eine ziemliche Baustelle ist. Dort erwischte uns auch der nächste Schauer, bei dem wir uns aber zum Glück unterstellen konnten. Nach einem leckeren Abendessen ging es auch ziemlich bald in die Federn.

Am Montag ging es zurück nach Hause, mit einem kleinen Abstecher zur Burg Kriebstein, der schönsten Ritterburg Sachsens, die ab 1384 gebaut und oft erweitert, umgebaut und den Geschmäckern der Zeit angepasst wurde. Zu ihr hoch führt die steilste Straße Sachsens mit 24 %. Vielleicht mal eine Radherausforderung…..

Alles in allem ein anstrengendes, aber trotz des mistigen Wetters ein schönes Wochenende, was mich zwar müde, aber mit dem Gefühl zurücklässt, es optimal genutzt zu haben. Einen großen Dank nochmal an Stephan für den Gepäckshuttle und Andy für die schöne Tour und Geduld und die Stadtführung.

Neben der kaputten Hose und den rutschenden Beinlingen hat es übrigens auch die Regenjacke erwischt. Da ist die Verschweißung der Naht im Nacken aufgegangen. Lief also richtig gut für meine Bekleidung…