Schon bei meinem Bericht über die Tour zur Marienburg habe ich es vorsichtig angekündigt. Für das Himmelfahrtswochenende hatte ich mir etwas Größeres vorgenommen. Mit Gravelbereifung und etwas Gepäck wollte ich meine Schwester besuchen. Lieber wäre mir die Rennradbereifung gewesen, jedoch hatte meine Wahl zwei Gründe. Zum einen hatte ich mein Rad schwerer beladen als üblich, zum anderen hatte ich die Hoffnung, dass die etwas robusteren Reifen mir einen Plattfuß ersparen würden. So war das Reisetempo zwar etwa heruntergesetzt, aber ein hohes Tempo war nicht meine erste Priorität. Eine Zerrung in der Kniekehle brachte meine Planung etwas in Wanken. Da diese sich aber mehr bei Höhenmetern bemerkbar macht, ging ich das Unterfangen mit pinkem Tape in der Kniekehle trotzdem an.
Der Wecker klingelte am Donnerstag um 4.00 Uhr und nach einem gemütlichen Frühstück packte ich die letzten Sachen und saß kurz nach 5.00 Uhr auf dem Rad Richtung Norden.
Zunächst fuhr ich über Osterode und Willensen nach Kalefeld. Die Kirche dort wollte ich beim letzten Mal schon fotografiert haben. Mit ihrer Backsteingotik erinnert die Emporenhallenkirche an die Sakralbauten im Norden, also eine gute Einstimmung auf meine Tour. Der Weg führte mich auf ähnlichem Wege zum Schloss Marienburg. Dort traf ich um kurz vor 8 Uhr ein und dachte mir schon, dass ich dort wohl noch keinen Kaffee bekommen würde. Doch sogar die Runde über den Innenhof blieb mir verwehrt.
Marienburg
Also fuhr auf auf der anderen Seite des Berges wieder hinab Richtung Pattensen. Ab hier merkte ich, dass der Wind langsam zunahm, da die Tour nun flacher und windanfälliger wurde. Leider kam er aus Nordwesten, also immer von links oder von vorn. Das sollte sich bis zum Ende der Tour auch nicht mehr ins Positive verändern. In Hannover führte mich das Navi über Linden, hinter den Herrenhäuser Gärten vorbei (das habe ich erst bei der Nachbearbeitung gesehen), durch Leinhausen und Stöcken. In Stöcken bewunderte ich das Eingangsportal zum Stadtfriedhof.
Hannover
Es war kurz vor 10 Uhr und langsam erwachten auch die Herren, die in großen Scharen zu Fuß oder hoch zu Rad auf ihre Vatertagstouren aufbrachen. Um 10.30 Uhr kreuzte ich die A2 und machte in luftiger Höhe über der Autobahn eine Pause, bevor es in Richtung Garbsen weiterging.
Landschaftlich reizvoll war die Strecke nicht. Das änderte sich erst wieder ab Neustadt am Rübenberge. Zwar wurden die Radwege weniger, die Orte jedoch deutlich netter, mit unzähligen alten Dreiseitenhöfen und viel rotem Backstein. Die Windstärke nahm zu und mein Durst leider auch. 1,5l sind für eine Tour wie diese definitiv nicht genug… Die Märkte hatten aufgrund des Feiertags geschlossen und die einzigen Tankstellen die ich fand, waren SB-Tankstellen ohne Einkaufsmöglichkeit. Im Ort Nöpke sah ich eine Frau mit Kinderwagen, die gerade auf ein Haus zusteuerte und bat sie darum, mir die Flaschen aufzufüllen. Mit einer Marathonläuferin hatte ich genau die richtige erwischt, da sie mir sagte, dass sie auch regelmäßig bei fremden Leuten um Wasser bitte. Nun ging es auf die Zielgerade. Der Wind fegte mir immer stärker ins Gesicht und jeder der noch 30 km zog sich elendig in die Länge. Eine längere Verschnaufpause an einem Bahnübergang, an dem der Verkehr über 5 Minuten auf die beiden durchfahrenden Züge warten durfte.
Windig… Nee, jetzt nicht mehr!
Immerhin genug Zeit, etwas zu essen und den Rox an die Powerbank zu hängen, dessen Akku bei Dauernavigation nach nun über 150 km langsam schwächelte. Einige Zeit später sah ich vor mir einen Planwagen vor mir. Ich kam ihm relativ zügig näher und hörte und sah bald die grob 15 Männer, die sich gegen das Wandern entschieden hatten. Als sie mich entdeckten war das Gegröle groß und man bot mir sogar ein Bier an. Dieses lehnte ich jedoch dankend ab und überholte den Traktor bei der nächsten Möglichkeit. Ich zähle jeden restlichen km, bis ich endlich um kurz nach 13 Uhr bei meiner Schwester ankam.
Den Freitag nutzten wir zum regenerativen Shoppen bei Bremen und ließen den Tag relativ entspannt angehen.
Samstag ging es wieder zurück. Allerdings startete ich erst gegen 8 Uhr, da wir ja noch gemütlich frühstücken wollten. Als ich das Rad aus der Garage holte schauerte es kräftig. Ich entschied mich dafür, diesen Schauer abzuwarten, was zu Glück nicht lange dauerte und fuhr im leichten Nieselregen und empfindlicher Kälte los. Schon auf den ersten Kilometern machte ich eine große Extraschleife. Ich hatte bei meiner Grobplanung Dörverden als Startpunkt angegeben – den nächst größeren Ort. Bei komoot hatte ich das genaue Ziel zwar noch geändert, aber nicht mehr auf den Rox geladen. Zwar wunderte ich mich, dass ich in die gefühlt falsche Richtung fuhr, hatte aber auch eine andere Route für den Rückweg geplant. Als ich das Problem erkannte, war es schon zu spät und Wenden hätte sich nicht mehr gelohnt. Mit einem immerhin sehr verkehrsberuhigtem Schlenker von etwa 5 km Umweg ging es irgendwann los in Richtung Süden. Der Wind kam heute eher aus westlicher Richtung und schob mich auf einigen Passagen recht zügig, meist schob er mich aber eher Richtung Straßenmitte.
Meine Beine fühlten sich gar nicht so ermüdet an, wie ich es zunächst befürchtet hatte. Heute fuhr ich etwas westlicher durch Hannover. Immer wieder gab es kleine Schauer und auch die Sonnen hat wenig Kraft, sodass ich die meiste Zeit mit Armlingen und/oder Regenjacke fuhr. In Langenhagen kam ich am Flughafen vorbei und überlegte kurz, das Rad als Gepäck aufzugeben und in wärmere Gefilde zu flüchten, verwarf diesen Gedanken aber wieder. Stattdessehn gönnte ich mir eine kurze Auszeit am Maschsee, bevor ich weiter Richtung Hildesheim fuhr.
Entlang des FlughafensDas neue Rathaus in HannoverAm Maschsee
In Hildesheim war ein Kaffeestop geplant. Gegenüber des Bahnhofs fand ich ein Café, in das ich aber das Rad natürlich nicht hineinnehmen durfte. Da ich es am Bahnhof auch keinesfalls unangeschlossen alleine stehen lassen wollte setze ich mich als einziger Gast nach draußen und es gab prompt einen weiteren kräftigen Schauer. Zum Glück gab es ein Vordach, sodass ich nur etwas Spritzwasser abbekam. Auch bei meiner Frage nach einer Toilette hatte ich kein Glück, diese sei leider geschlossen. Als ich bei meiner Weiterfahrt eine Tankstelle entdeckte, hing auch dort ein Schild „Ich bin leider wieder verstopft“. Da wird man ja quasi zum Wildurinieren gezwungen….
Trotz veränderte Route kam ich wieder an der Marienburg vorbei. Doch halt, nein! Große Verwechslungsgefahr. Beide liegen in der Nähe von Hildesheim, jedoch ist das Schloss Marienburg ein Prachtbau jüngeren Datums, wohingegen diese Marienburg eine Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert ist. Leider habe ich es verpasst, Fotos zu machen und wollte keinen Schlenker dorthin fahren, daher hier ein Bild aus dem Internet.
In Groß Düngen erinnerte mich der Ortsname an die Aufnahme von Nährstoffen und ich kaufte mir ein zucker- und koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk um meiner Flaschen aufzufüllen und wollte den Halt nutzen, um meine Blase zu leeren. Letzteres leider erfolglos („Nein, eine Kundentoilette haben wir nicht“). Kohlensäure in Radflaschen ist eher suboptimal. Ganze dreimal schlug mir der Druck beim Öffnen der Flasche gegen das Zäpfchen, ab dem vierten Trinken, hatte die Gefährdung nachgelassen ;).
Es folgte einer der größten Anstiege der Tour über den Weinberg bei Nette. In zum Glück nicht zu steilen Serpentinen ging es vier Kilometer den Berg hinauf und ein paar weniger auf der anderen Seite hinunter.
Aprilwetter
Bald landete ich in Rhüden. Von dort aus sollten es noch 50 km mit einigen Höhenmetern sein. Langsam merkte ich die Erschöpfung auch das lange Sitzen war nicht mehr so ganz komfortabel. Kurz gesagt, die Motivation war nicht mehr ganz so hoch, was unter anderem mit dem weiterhin etwas an April erinnernden Wetter zu tun hatte. 15 km weiter, kurz hinter Seesen machte mein Rad seltsame Geräusche. beim Blick nach unten wusste ich weshalb. Bei meinem hinteren Reifen war die Luft noch mehr raus als bei mir. Damit war mein Plan pannenfrei zu bleiben leider nicht aufgegangen. Ich hatte zwar alles dabei, was man braucht, leider ja aber die nicht die Kraft den Mantel wieder in die Felge zu bekommen. Also versuchte ich gar nicht erst den Schlauch zu wechseln, sondern versuchte es mit verschiedenen Telefonjokern. Leider hatte keiner Zeit und Möglichkeit mich abzuholen.
Also schob ich mein Rad und überlegte, was ich nun tun könnte. Nach Seesen die 4 km zurück laufen und den Zug nehmen, wäre die einfachste Lösung. Jedoch hatte ich vor, die Tour zu beenden und war todunglücklich. Da kam aber der Held in glänzender Rüstung und hoch zu Ross. Na gut, der Held in Rennradoutfit und Carbonrad und fragte mich, ob ich Hilfe bräuchte. Zerknirscht bejahte ich dies. Auch er hatte ganz schön mit dem Mantel zu kämpfen, aber nach einer knappen Viertelstunde war mein Rad wieder fahrbereit und ich unendlich dankbar. Nun konnte ich auch den Rest des Weges in Angriff nehmen. Zwar wurde es noch einmal ordentlich hügelig, aber irgendwie mobilisierte ich noch irgendwelche Kräfte um sogar eine Schleife über Hattorf zu fahren, um eine SD-Karte abzuholen. Dank dieser Zusatzkilometer (und denen zu Beginn) kam ich tatsächlich knapp über 200 km und jubelte innerlich, als der Tacho auf 200 km sprang. Zwar war diese Tour sicherlich nicht die landschaftliche Reizvollste und auch nicht die mit dem besten Fahrerlebnis auf Straße und Radwegen, aber es ging auch primär darum, meine Schwester zu besuchen und zu schauen, ob ich zwei dieser Distanzen in kurzer Zeit gewachsen bin.
Jetzt bin ich ziemlich müde, aber auch ordentlich stolz und werde erst einmal meinen Beinen ein paar Tage Ruhe gönnen. Knapp 390 km in drei (bzw. zwei aktiven) Tagen waren für mich eine ganz schöne Herausforderung.
Seit einigen Tagen habe ich ja nun die Gravelreifen auf dem Rad und wollte die Gelegenheit beim Schopfe greifen und einige Touren fahren, die ich sonst vermeide. Los ging es am Dienstag mit einer Fahrt auf die Hanskühnenburg. Die Hanskühnenburg ist einer der nah gelegenen Berge (811 m. ü. NN) und dem Harzer Baudenstieg zugehörig. Ergo gibt es oben eine Baude mit Aussichtsturm, die zum Verweilen und Essen einlädt. Interessant ist, dass es dort oben weder Strom noch Wasser gibt. Im Winter wird dort lediglich mit Feuer geheizt und Wasser einmal wöchentlich mit einem Tankwagen hinaufgebracht. Mittwochs ist Ruhetag, ansonsten lohnt sich der Aufstieg oder die Fahrt mit dem Gravel oder MTB oder auch im Winter mit Langlaufskiern täglich von 9-16 Uhr, sei es für Kaffee und Kuchen oder eine deftige Mahlzeit. Wege gibt es zahlreiche aus allen Himmelsrichtungen.
Mein Weg führte mich an diesem schwülen Tag über Lonau. Von Lonau aus führen gleich zwei Wege zur HKB, einer über das linksseitige Mariental, einer über das Kirchtal. Für den Hinweg wählte ich den überwiegend geschotterten Weg des Marientals. Von meiner Haustür bis zur Baude sind es lediglich etwa 15 km, jedoch auch 580 hm. Und Höhenmeter sind ja nicht meine „Spezialität“. Leider waren die zahlreichen Pausen auch ziemlich unentspannt, da ständig Bremsen um mich herumschwirrten. Vier Stück konnte ich erlegen und stichfrei bleiben. Ganz langsam bewegte ich mich den Berg hoch und begegnete zunächst einem Reh, später noch einem Fuchs, die sich jedoch durch mein lautes Schnaufen nicht wirklich irritiert zeigten. Die letzten 600 m bis zur Baude wird der Weg noch einmal richtig steil. Ich versuchte mich an den ersten Metern, gab aber bald auf und schob mein Rad. Oben angekommen traf ich auf die Wanderkaiserin Hanna, die mit ihrem Hund im letzten Jahr alle 222 Stempel der Harzer Wandernadel in 50 Tagen erwandert hatte. Heute war sie jedoch nicht zum Wandern dort, sondern um mich und andere hungrige Radfahrer und Wanderer mit Kuchen und anderen Dingen glücklich zu machen.
Nach einem leckeren Stück Kokoskuchen rollte ich über den asphaltierten Weg des Kirchtals wieder nach Hause. Schneller als ich gucken konnte war ich wieder zu Hause.
Am Samstag machte ich mich wieder auf den Weg in den Harz, allerdings für eine längere Tour. Mit der Option auf Abkürzungen ging es zunächst über Steina nach Bad Sachsa und Wieda. Von dort aus folgte ich dem 25 km langen geschotterten Bahntrassenweg nach Braunlage. In Wieda selbst war es gar nicht so einfach diesem zu folgen, hinter Wieda war er jedoch meist eindeutig zu identifizieren. Einen Zwischenstopp machte ich am ehemaligen Bahnhof Stöberhai (Memo an mich: der Sonder-Stempel dort fehlt mir noch, genauso wie der am Kapellenfleck einige km weiter!).
Wer sein Rad liebt, der schiebtBahntrassenweg Bahnhof Stöberhai
Am Bahnhof Stöberhai begann meine Actioncam zu meckern, dass sie kaum noch Akkuleistung habe. Das Laden der Kamera hatte ich wohl leider versäumt. Das war schade, da ich gerade von den Gravelpassagen eigentlich ein schönes Video machen wollte. Es fing ganz leicht immer wieder an zu nieseln und wurde mit jedem Höhenmeter frischer. Die Wahl der kurzen Bekleidung war vielleicht nicht die beste Idee gewesen. In Braunlage machte ich eine Pause und als ich weiterfuhr setzte ein richtiger Schauer ein. Der Weg führte mich unterhalb des Wurmbergs an der Brockenwegschanze entlang. Die Große Bodestraße und der Sögdingsweg sind zwar asphaltiert, was mir entgegenkommt, gehen jedoch schier unendlich lange bergauf.
BrockenwegschanzeSögdingsweg
Die Kälte und der Regen machten den etwa 10%igen Anstieg nicht angenehmer. Oben angekommen fuhr ich am Wurmbergmoor vorbei.
Ulmer Weg
Der Ulmer Weg Richtung Dreieckiger Pfahl ist sicherlich super zum flowigen MTB-Fahren und selbst ich hatte hier Spaß, da der Weg nicht allzu fordernd war, aber mehr Konzentration erforderte als ein Schotterweg. Mittlerweile war es zum Glück wieder trocken und gelegentlich ließen sich einige Sonnenstrahlen blicken. Bis Oderbrück lief es ganz gut.
OderteichGrenzwertig…
Dann stieg der Anforderungsbereich am Oberen Oderweg stark an. Mit Wurzeln, Steinen und Stegen kam ich zunächst gut zurecht lediglich am Clausthaler Flutgraben musste ich mich geschlagen geben. Zu geröllig und zu steil….. Also schob ich einige Meter. Am Parkplatz Wolfswarte fuhr ich einige Zeit auf der Straße, und genoss die Erholung beim Bergabrollen. Hier kamen mir einige Fahrer der Sösetal-RTF entgegen, deren große Runde sie von Förste bis weit in den Harz verschlagen hatte. Kurz vor Altenau bog ich von der Straße ab um nahezu ebenerdig auf dem Dammgraben weiterzufahren. Diesen kannte ich schon durch Wanderungen und wollte ihn schon immer einmal fahren. Bis auf ein paar nasse Wurzeln und einen umgestürzten Baum mitten auf dem Weg ließ er sich sehr entspannt fahren.
Ein kräftiger Anstieg auf die und auf der Harzhochstraße standen mir jedoch noch bevor und ich quälte mich dabei ziemlich und benötigte die ein oder andere Pause.
Anstieg zur Harzhochstraße und bedrohliche Wolken
Auf der Harzhochstraße kamen mir wieder einige RFTler entgegen. Ich bog auf die Ackerstraße ab und später die Schmelzertalstraße über Sieber nach Hause. Eigentlich dachte ich, dass ich über das Siebertal entspannt nach Hause rollen könnte, hatte jedoch nicht mit dem extremen Gegenwind gerechnet, der die letzten sechs km noch einmal zu einer mentalen Bewährungsprobe machten.
Nach etwas mehr als 90 km und knapp 1500 hm war ich ziemlich erschöpft wieder zu Hause. Eine tolle Tour, die vielleicht doch mein Interesse am MTB-Fahren etwas geschürt hat. Teilweise hat das ja schon ziemlich Spaß gemacht. 🙂 Nur die Sorge um die Gravelreifen war teilweise doch groß, gerade bei dem scharfkantigen Gestein.
Für den Tag gestrigen Samstag plante ich eine längere Runde um zu schauen, ob ich auch fit für Touren jenseits der 100 km bin.
Los ging es gegen 7.30Uhr, nachdem ich mir leckere Brötchen gebacken hatte. Über Gieboldehausen führte mich der Weg nach Lindau und Elvershausen. Schon dort begab ich mich in unbekannte Gefilde, nämlich auf den Anstieg Richtung Lagershausen. Der war zwar lang, aber aufgrund der wunderschönen Landschaft abwechslungsreich und lenkte mich gut ab.
In Imbshausen und Echte war ich bereits auf meiner ersten 100er Tour. Bald führte mich der Weg entlang der Leine mit welligen Straßen, schönen Brücken und überwiegend gutem Asphalt.
Weg nach Echte, Brücken bei Kreiensen und öhm… irgendwo woanders
Ein minimaler Rückenwind sorgte für zügigen Vortrieb. Nur ein oder zwei Anstiege waren etwas knackiger, ansonsten führte der Weg stetig bergab. Schon ab Betheln (hinter Gronau) war das Schloss Marienburg zu sehen und der Weg nach Nordstemmen nicht mehr weit. Nach etwa 105 km war das Ziel erreicht. Der Anstieg zum Schloss war zum Glück nicht sehr lang und oben konnte ich mir das märchenhafte Schloss in Ruhe anschauen.
Doch was hat es mit diesem Schloss auf sich? Es war ein großer Liebesbeweis von König Georg von Hannover an seine Frau Königin Marie. Der neugotische Prachtbau (mit 130 Zimmern, Quelle) entstand zwischen 1858 und 1867, auf dem sagenumwobenen Marienberg, der angeblich von Zwergen bewohnt war. Genießen konnten die beiden ihr „Eldorado“ – wie sie es nannte – jedoch nicht. Georg erblindete noch vor Fertigstellung des Gebäudes und zunächst flüchtete er, ein Jahr später auch seine Frau mit den Kindern ins Exil nach Österreich (Quelle).
Derzeit streiten Ernst August Prinz von Hannover (Oberhaupt der Welfen und Urenkel Wilhelm des II.) und sein Sohn, der Investmentbanker Ernst August junior, um das Schloss. Der 68-jährige hatte seinem Sohn das Schloss vor einigen Jahren geschenkt und möchte diese Schenkung aufgrund „groben Undanks“ zurückziehen. Aufgrund der hohen Sanierungslast von 24 Millionen Euro hatte der Junior bereits 2019 versucht, das Schloss für einen Euro zu verkaufen. Der Einspruch des Vaters verhinderte dies allerdings (Quelle).
Kurfürst Ernst August, einer der Torbögen, Heinrich der Löwe und einer der letzten Zwerge des Marienbergs
Ob Fan des Welfengeschlechts oder nicht, ein Besuch des Schlosses lohnt sich auf jeden Fall!
Nach einem Stück Apfelkuchen und einem Radler im Café Marie fuhr ich zurück. Nach der Pause moserten die Oberschenkel ein wenig, doch irgendwann wurde es besser. Nur das Tempo ließ sich nicht ganz so halten wie auf dem Hinweg.
Ab Gronau fuhr ich eine östlichere Route mit einem stetigen Anstieg bis Sibbesse und eine lustige Berg- und Talbahn, die allerdings auch Körner kostete. Auch die folgenden Anstiege, vor allem der bei Ellierode zeigten mir, dass mich die Kräfte langsam verließen. Plötzlich war zunächst der Feldweg nass, wenige Meter später auch ich. Bis Bad Gandersheim war der Schauer aber wieder vorbei und es ging es weiter über den Skulpturenradweg, der zum Glück ziemlich halbwegs flach ist. Der nächste kritische Punkt war die Überquerung des Harzhorns, an der ich einige Male stehen bleiben musste. Über Düderode ging es weiter über das Fissekental, welches ich schon einige Mal in Gegenrichtung durchquert hatte. Ab Willensen brachen die letzten 20 km an, die scheinbar kein Ende nehmen wollten. Jeder Hügel malträtierte die Oberschenkel und ich musste noch eine dringende Trinkpause einschieben.
Wieder einmal hat mir Strava einige km zu viel berechnet. Letztlich waren es heute wohl 193 km mit etwas über 1500 hm, für mich die längste Strecke, vor allem aber auch fordernder als die fast 200km an der Ostsee. Dies zeigt mir, dass ich meine Pläne für Himmelfahrt hoffentlich umsetzen kann. 🙂
Am 24.04.2022 war es soweit, es war der Tag meines ersten Rennens. Kai hatte mir dankenswerter Weise die Startunterlagen schon am Vortag abgeholt, sodass ich Rad, Helm und Rucksack bereits mit Startnummern versehen konnte. Am Morgen musste ich also nur mein Fahrrad und meine Siebensachen ins Auto legen und schon konnte es losgehen.
In Göttingen fand ich direkt einen Parkplatz und rollte zum Startbereich. Nachdem ich mir ein Dixie von innen angeschaut hatte, rollte ich nur wenige Meter am Leinekanal entlang und traf direkt auf Kai und Jörg Rausch. Ersterer war bereits aus Hattorf mit dem Rad angereist, letzterer wollte mit seinem Trekking-Rad die 45km-Runde unsicher machen. Wahnsinn!! Irgendwann gesellte sich auch noch Ralf Schäfer dazu, ein guter Zeitpunkt für ein erstes Gruppenfoto.
Kai, Jörg, ich und RalfMit Doris
Anschließend ging es zum Startbereich, in dem ich meine Freundin Doris traf und auch noch einen Riegel abstaubte. 😉 Um 10.50 Uhr fiel der Startschuss und wenig später setzte sich auch unsere Gruppe in Bewegung. Kai startete in der Gruppe hinter mir und wollte mir bei dem Rennen Windschatten geben. Ich fuhr erst einmal alleine vor, da ich wusste, dass er mich irgendwann einholen würde. Es gab einen fliegenden Start, der das ganze Procedere etwas entspannte.
Gleich geht’s los!
Schon nach wenigen Kilometern brauste das ganze Feld beinahe in zwei ungünstig stehende Supportfahrzeuge, vor denen leider etwas spät gewarnt wurde. Unzählige Fahrer hatten auch auf den nächsten Kilometern Pannen und standen am Rand und ich hoffte nur, pannen- und unfallfrei durchzukommen. Schließlich hatte auch Kai mich eingeholt und ich hängte mich in seinen Windschatten. Schon bald fing ich aber an zu keuchen und bat ihn, doch wirklich das Rennen auch als Rennen zu fahren und wollte mich einer Gruppe anschließen, um mein Tempo zu fahren. Mit der Resterkältung wollte ich nichts riskieren (bis dahin war das zumindest noch mein Vorsatz). Ich tingelte von Gruppe zu Gruppe. Von den einen fühlte ich mich ausgebremst, von anderen tempomäßig überfordert. So war ich immer wieder auch alleine unterwegs. Über den ersten Höhenzug ging es nach Hann Münden. Dort entledigte ich mich meiner Armlinge, die ich schon vorher heruntergeschoben hatte, da es doch etwas wärmer war als gedacht. Eigentlich hatte ich gehofft, von dort bis Hemeln etwas entspannen zu können, aber Wind und Wellen (also des Asphalts, nicht der Weser) machten auch den Weg bis Hemeln nicht unanstrengend. „Komm, an den da vorne hängen wir uns ran!“, sprach mich plötzlich ein netter Herr an und nahm mich spontan in den Windschatten. Solche Situationen hatte ich heute recht häufig, auch bei von hinten anrollenden Gruppen („Komm, häng dich rein!“) und war von so viel gutem Sozialverhalten (oder Gentlemen?) begeistert. In Hemeln ging laaange bergauf, fünf Kilometer mit einer immerhin nur mäßigen Steigung. Hier konnte ich laut schnaufend einige Fahrer hinter mir lassen, was mir – ich nehme an aufgrund der Geräuschkulisse – irritierte Blicke einbrachte. 🙂 Oben schnappte ich mir am Verpflegungsstand eine Cola und eine Apfelschorle, stürzte diese hinunter und weiter ging es, ebenfalls zunächst hinunter. Leicht wellig, eher aber bergauf ging es bis Dransfeld. Auf dem Weg ackerte ich wieder im Wind vor mich hin, als ich eine Fahrerin des TESA-Teams (Alex, wie sich später herausstellte) hinter mir rufen hörte „Vielleicht hättest du mal den Anstand, nach vorne zu fahren“. Sie meinet nicht mich, sondern den Herrn, der sich schon seit Längerem hinter mich geklemmt hatte. Schuldbewusst zog er auch an mir vorbei.
Mit dem sympathischen Team TESA
Mit Alex und ihrem Teamkollegen Herrn Virus zockelte ich anfangs den drei Kilometer langen Weg zum Hohen Hagen hoch, aber mich verließen dort die Kräfte ziemlich. Ich zockelte dort mit sagenhaften knappen 12km/h hoch und war ständig versucht, einfach abzusteigen. Das Publikum am Rand und natürlich auch die Fahrer hinter mir wussten dies aber zu verhindern. Oben angekommen nahm ich auch den nächsten Getränkestand in Anspruch und freute mich sehr auf die Abfahrt.
Wo schaut er denn hin?
Schon nach ein paar Metern war es mit der Freude aber vorbei. Krämpfe in den Waden und zeitgleich in den inneren Oberschenkelmuskeln hatte ich auch noch nicht. Bis Jühnde wurden sie richtig schlimm und erst ab Sieboldshausen wurde es etwas besser. Bis dahin hatte ich aber meine gerade erst gefundene tolle Gruppe längst ziehen lassen müssen. Ein Fahrer kam noch an mir vorbei und fragte mich, ob mit meinen Beinen alles ok wäre, er hätte auch solche Krämpfe gehabt. Wie gesagt, alle waren total nett und aufmerksam zu mir. Der Wind war weiterhin ziemlich gemein, außerdem setzte leichter Niesel ein und ich war wirklich froh, als wir endlich in Rosdorf einrollten. Ich hatte mich wieder einer Gruppe angeschlossen, die nun stetig das Tempo anzog. Da ich keine Ahnung hatte, wie viele Kilometer es noch genau bis zum Ziel waren, ein gewagtes Unterfangen. Trotzdem ging ich mit und schaffte es tatsächlich auch an der Gruppe dran zu bleiben. Für einen spektakulären finalen 100m Sprint standen jedoch keine Kraftreserven mehr zur Verfügung.
Lächeln trotz fieser Krämpfe
Im Ziel bemerkte ich, wie mir schlagartig kalt wurde. Also Armlinge wieder an und einen Riegel vertilgt. Ich schaute mich um, ob ich jemanden entdecken konnte, den ich kannte. Dies war nicht so, bis ich auf Kai traf. Der war schon auf dem Sprung nach Hause und zeigte mir noch, wo ich etwas zu Essen ergattern konnte. Das war auch nötig, wie mir meine mein Frieren und meine weißen Finger deutlich zeigten. Mit Nudeln und einem alkoholfreien Radler machte ich es mir an einem der Tische bequem und machte mich nach dem Festmahl zurück auf den Weg zum Auto. Den ursprünglichen Plan, vor Ort zu duschen hatte ich verworfen.
Erschöpft aber glücklich im Ziel.
Daher legte ich lediglich mein Rad und den halben Hausstand wieder ins Auto und begab mich auf den Heimweg. Dabei schaltete ich die Sitzheizung auf volle Power um wieder halbwegs auf Temperatur zu kommen. Eine weitere Premiere gab es zu Hause. Ich füllte mir tatsächlich die Badewanne im alten Bad. Normalerweise bin ich überhaupt kein Badewannenmensch und wasche ich dort nur mein Rad, aber heute war mir danach mich dort hineinzulegen. Die nächsten Tage werde ich es etwas ruhiger angehen lassen, um mich gänzlich auszukurieren.
Bei der Gesamtwertung der Damen bin ich mit 3:28:26h auf Platz 54 von 120 gelandet, in meiner Altersklasse auf dem 16. von 25 Plätzen.
Zu Beginn der Osterferien war ich unglaublich motiviert und wollte eine top Vorbereitung für die Tour d´Energie auf die Straße bringen. Erstens kommt es jedoch anders und zweitens als man denkt. Zwischen Omabesuch und Proben plante ich für Gründonnerstag eine Harztour, um mich an Höhenmeter zu gewöhnen. Frohen Mutes machte ich mich trotz durchwachsener Wettervorhersage auf den Weg. Schon vor der Tür wurde ich von leichtem Niesel begrüßt. Den ignorierte ich aber und fuhr los Richtung Osterode.
Ganz optimistisch ohne Regenklamotten..
Schon nach wenigen Kilometern war der juvenile Niesel zu einem adulten Regen angewachsen und bereits vor Osterode war ich völlig durchnässt und merkte das „Kwutschen“ in den Schuhen (das eklige Gefühl, wenn man Wasser in den Schuhen hat). Ich war schon versucht, einfach zu wenden, denn die Harztour wollte ich bei diesem Wetter auf gar keinen Fall in Angriff nehmen. Also fuhr ich weiter bis Badenhausen um dann eine relativ flache Runde über Dorste, Wulften und Gieboldehausen zu fahren. Ich fror erbärmlich und war froh, nach 67 km wieder zu Hause zu sein. Es dauerte einige Zeit, bis ich wieder halbwegs aufgetaut war.
Karsamstag hatte ich Zeit und das Wetter war bedeutend besser. Kühl und windig, aber sonnig. Mit meinem Kumpel David machte ich mich auf den Weg wieder Richtung Badenhausen. Bis dahin hatten wir entspannten Rückenwind. Nach Badenhausen änderte sich die Fahrtrichtung und damit leider auch der Wind bis Bad Grund kam er nun meist von schräg vorne. Bad Grund ließ schon einmal die Beine mit gemeinen 10% aufjaulen. Nach dem Anstieg luden wir uns aber kurz bei meinem Freund Bernd auf einen Kaffee ein (vielen Dank dafür und die kleine Verschnaufpause), bevor wir uns auf der Harzhochstraße (B242) wiederfanden.
Bernd, der spontane BaristaDavid auf den letzten Metern vor Clausthal. Die Marktkirche in Clausthal, die größte Holzkirche Deutschlands
Diese führte uns hügelig, mit maximal 8% Steigung Richtung Clausthal. Dort verabschiedete sich David Richtung Osterode, der nun doch keine Lust mehr hatte, mir hinterherzustrampeln. Trotzdem hatte er sich bis dahin richtig gut geschlagen. Der Wind kam nur noch von vorne und das sollte sich für den weiteren Weg auf der Harzhochstraße auch nicht mehr ändern. Ich fuhr weiter auf der 242 Richtung Osten. Hier hatte ich eine freie Sicht auf verschiedene Seen und überhaupt rundum auf das Harzer Land, da auch dort, wie überall im Harz, Trockenheit, Borkenkäfer und Stürme dem Fichtenwald das Leben gekostet haben. Viele Fotos habe ich aufgrund des starken. Verkehrs allerdings nicht gemacht…
Die Idee war, über Riefensbeek wieder zurückzufahren. Am Abzweig interviewte ich kurz meine Beine und ganz überheblich behaupteten diese, noch topfit zu sein. Also glaubt ich ihnen dies und setzte meinen Weg durch den Harz fort, wohlwissend, dass der schlimmste Teil mir noch bevor stand. 10 km ging es nun fast nur bergauf, teilweise mit 11% Steigung. Meine Geschwindigkeit fiel rapide, aber ich versucht, die Atmung ruhig und die Trittfrequenz möglichst ökonomisch zu halten. Mit zwei kleinen Päuschen schaffte ich es tatsächlich bis Sonnenberg. Von da an kam noch ein letzter kleiner Anstieg auf dem Weg nach St. Andreasberg und ab dann konnte ich entspannt rollen, auch wenn ich stets den Unfall eines Bekannten denken musste, der irgendwo dort verunfallt sein musste, jedoch bis jetzt an den Unfall keine Erinnerung hat. Mit dieser Geschichte im Hinterkopf fährt man definitiv etwas vorsichtiger.
Die Harzhochstraße… die Ruhe täuscht..
Ich fuhr über Bad Lauterberg, und Scharzfeld und stand plötzlich nach rund 90 km in Pöhlde. Da wollte ich die 100 auch noch voll machen. Also fuhr ich bis nach Hattorf und über den Phillips zurück. Bis Hattorf hatte ich besten Rückenwind und nur marginal müde Beine. Am Phillips hatten selbige aber gar keine Lust mehr und ließen mich das deutlich spüren. Zu Hause angekommen war ich nach 107 km und über 1200 hm rappelalle, aber auch ziemlich stolz auf meine Leistung.
Für Montag hatte ich einen Socialride organisiert, bei dem einige Teilnehmer absagten und letztlich auch ich, da ich mir bei meiner Regentour doch eine ziemliche Erkältung eingefangen hatte. Auch den Rest der Woche werde ich jetzt die Füße still halten, um bis Sonntag zur tdE wieder halbwegs auf dem Damm zu sein.
Eine Bitte in eigener Sache. Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal bei der Blogwahl von fahrrad.de nominiert. Stimmt fleißig ab, wenn euch mein Blog gefällt.
Bis dahin. Ride on! Vielleicht sieht man sich am Sonntag in Göttingen?
Da demnächst mein erstes Radrennen ansteht, klang es nach einer guten Idee, als Vorbereitung an einer Radtourenfahrt teilzunehmen. In Gieboldehausen, also nicht weit von hier, wurde heute eine angeboten. Da das Rennen – die Tour d´Energie – über 100 km geht, lag es nahe, heute die Distanz mit 116 km in Angriff zu nehmen. So war zumindest die ursprüngliche Idee. Dann raffte mich allerdings in dieser Woche ein Infekt dahin (tägliche Tests alle negativ, aber bei DEN Halsschmerzen bin ich mir bis heute nicht sicher, ob das wirklich nur ein grippaler Infekt war…). Ab Mitte der Woche ging es mir langsam besser und ab Freitag schrumpften die Mandeln auch wieder halbwegs auf Normalgröße. Anstatt also die RTF (Radtourenfahrt) komplett abzusagen, entschied ich mich dazu, auf die nächst kürzere Distanz zu gehen, also 85 km. Welche postinfektiösen Hirnverquerungen mich allerdings dazu geritten haben, zu der Veranstaltung mit dem Rad zu fahren – fragt nicht…. Immerhin – auf dem Hinweg ging es ja bergab.
Mit etwa 17 oder 18 km auf dem Tacho (und einem Abstecher zur Rhumequelle, da ich zu früh oder zu schnell war) kam ich in Gieboldehausen an. Das Einchecken über einen QR-Code verlief super easy und man wurde von den VCE-Damen Dani und Jenny super nett begrüßt :). Überhaupt war die Veranstaltung klasse organisiert – vielen Dank dafür!
Die Sonne ließ noch auf sich warten und es war noch etwas frisch. Um 10 Uhr gingen die ersten Fahrer, darunter auch ich, an den Start.
Ich war ziemlich erschrocken, wie wenig Frauen unter den Teilnehmern waren, freute mich aber umso mehr, als ich meine Freundin Doris neben mir stehen sah. Die ersten Kilometer rollten wir sehr entspannt aber zügig, sodass man aufgrund des Windschattens fast mehr bremsen als treten musste.
Bild von Jenny Ohnesorge
Erst am Anstieg hinter Jützenbach trennte sich die Spreu vom Weizen, soll heißen: die Herren zogen gnadenlos an mir vorbei auf dem dem Weg zum Sonnenstein. Hinterm Sonnenstein kämpfte ich mich an einige Fahrer heran um gleich am nächsten Anstieg wieder gnadenlos stehen gelassen zu werden. Ich war von 500 hm ausgegangen, da das in der Ausschreibung so stand und freute mich, da diese nun erreicht waren. Pustekuchen. Die folgenden 380 hm waren wohl irgendwie unter den Tisch gefallen… Nach dem Sonnenstein wurden wir von den 120km-Fahrern getrennt. Plötzlich war ich ganz allein und wurschtelte mich so gut es ging durch die Gegend. Vor Worbis preschte ich den Berg im Unterlenker hinunter und spürte mal wieder meine linke Hand nicht mehr. Mit der roten Ampel hinter der Kurve und den Autos hatte ich nicht gerechnet und bekam meine tauben linken Finger auch nicht an den Bremshebel. Dafür tanzte mein Hinterrad laut jaulend und ich war erleichtert, dass ich ohne Sturz oder Crash mein Rad zum Stehen gebracht hatte Das war knapp. Ich war so neben der Spur, dass ich den anderen Fahrer an der Ampel auch völlig links, nein rechts, liegen ließ und machte, dass ich weiterkam. Puh war mir das peinlich. Irgendwann hatten er und ein anderer mich wieder eingeholt und wir fuhren einige km gemeinsam. Wieder schaffte ich es aber nicht, im Windschatten zu bleiben und riss ab. Ein paar Mal versuchte ich bei den Anstiegen aus dem Sattel zu gehen, was zu einem Aufschrei in der Muskulatur der Oberschenkel führte, weshalb mein Allerwertester ganz schnell wieder auf dem Sattel war. Den plötzlichen Hungerast nach für mich 70 stillte ich bei einer kleinen Pause mit einem Riegel. Kurz darauf war ich am Verpflegungspunkt, an dem ich die anderen beiden und weitere Fahrer traf. Motiviert hoffte ich nun, eine ausreichend große Gruppe gefunden haben, die mich im Windschatten mitnimmt. Das hätten sie sicherlich auch getan, wenn ich etwas schneller gewesen wäre. Als die Herren außer Sicht waren gab ich den Plan in einer Gruppe zu fahren endgültig auf und fuhr die letzten knapp 30 km alleine in meine Tempo. Zum Glück wurde es deutlich flacher, sodass ich nach 106 km schließlich ziemlich platt in Gieboldehausen ankam. Zwischenzeitlich war ich jedoch so erschöpft (inklusive Flimmern auf dem rechten Auge), dass ich die Ausschilderung vor Gieboldehausen übersah und von der vorgegebenen Strecke in Gieboldehausen etwas abwich. Ich hoffe, es wird mir verziehen.
Nun stürzte ich mich aufs Kuchenbuffett und das bereitgestellte Radler. Da der Kuchen so schnell weg war, hat es für ein Foto leider nicht mehr gereicht. Nach und nach trudelten auch die anderen ein. Ralf aus Göttingen, Doris und auch Kai, der die Langstrecke gefahren war. Die Sonne war schon auf den letzten Kilometern der Strecke aus ihrem Wolkenversteck herausgekommen und so genossen wir die Sonne, bevor es irgendwann auf den Heimweg ging, auf den ich so überhaupt gar keine Lust hatte.
Foto von Ralf Schäfer
Ihr erinnert euch, dass der Hinweg nur bergab ging? An der Topographie hatte sich auch bis zu meinem Rückweg leider nichts geändert. Noch einmal bündelte ich alle Kräfte für die letzten knapp 20 km und stoppte zu Hause den Rox bei 125 km und etwas über 1000hm.
Seien wir ehrlich. Dafür, dass zu Beginn der Woche noch nicht an Sport zu denken war, kann ich wirklich zufrieden sein. ein 29er Schnitt ist völlig in Ordnung. Allerdings weiß ich aber auch, dass ich für die TdE noch ein wenig trainieren sollte, wenn ich nicht wieder den anderen hinterherhecheln möchte.
Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an den VCE. Es war eine sehr gelungene Veranstaltung und ich hoffe, dass sich zukünftig vielleicht auch mehr Frauen trauen, daran teilzunehmen. Ach ja, ich entschuldige mich bei allen, die ich nicht gegrüßt habe aber kennen könnte. Mein Gesichtsgedächtnis ist miserabel (vor allem bei Teamkleidung). Wenn ich Personen nur von Strava oder facebook kenne, macht es das nicht leichter ;).
Besser spät als nie wollte ich euch noch von meinen Erfahrungen bei der Tour de Zwift erzählen. Jeder Zwiftfahrer hat sicherlich schon davon gehört und die meisten haben vermutlich die Tour de Zwift schon einmal oder mehrfach abgeschlossen oder sind wenigstens einige der Etappe gefahren. Dieses Jahr wollte ich das auch einmal ausprobieren und stellte mich neben der zeitgleich laufenden Yoga-Challenge von Mady Morrison der Herausforderung.
Die Tour de Zwift findet jährlich im Januar auf der Online-Radplattform Zwift statt und jeder ist eingeladen, daran teilzunehmen. Auf die Teilnehmer wartet alle drei Tage eine neue Etappe. Mal flach, mal bergig, mal mit dem Mountainbike, aber immer mit vielen, vielen Teilnehmern. Die Etappen sind thematisch aufgebaut und es gibt jedes Mal drei unterschiedliche Streckenlängen, aus denen man frei wählen kann. Zusätzlich zu den drei Streckenlängen wird die jeweils mittlere Distanz auch als reines Frauenrennen angeboten. Innerhalb der Tour kann man jederzeit nach belieben die Distanzen wechseln oder verschiedene Distanzen einer Etappe fahren. Wichtig ist nur, dass man bei jeder Stage eine beliebige Distanz fährt,
Einige Menschen fahren die Tour sicherlich als ernsthaftes Rennen, mein Ziel war es, das TdZ-Kit zu bekommen (neue Klamotten gehen immer, und wenn sie nur für den Avatar sind) und einige neue Strecken zu fahren. Im Ranking der Rennen schaut man als Normalo ja sowieso dumm aus der Wäsche.
Stage 1 – Flat is fast
Kurz kann jeder, also legte ich am 10. Januar gleich mit dem Long Ride los und flog im Windschatten vieler anderer Teilnehmer mit 40 km/h über die knapp 50 km lange Runde. Das war kein Zuckerschlecken und sicherlich auch gleich eine meiner schnellsten Rennen. Zwei Tage später versuchte ich mich mit der Mitteldistanz, bei der allerdings das Knie etwas zwickte, da es bei der ersten Tour schon gut gefordert worden war.
Stage 2 – Mountain Madness
Am 15.01. wollte ich es mit der „Women Only“ Tour entspannter angehen. Natürlich klappt entspanntes Fahren im Eifer des Gefechts nicht und ich powerte wieder mehr als ich wollte. Da bei den Damenrennen die Teilnehmerzahlen deutlich geringer sind, war ich lange Zeit alleine unterwegs. Bei der Innsbruckrunde ist das nicht so dramatisch, da es anfangs überwiegend bergauf geht und der Windschatten nicht allzu viel bringt. Gegen Ende gruppierte ich mich mit zwei Mädels, mit denen ich bis ins Ziel einen top Schnitt drücken konnte. Durch ständiges Kreiseln haben wir alle davon profitiert. Wir warteten sogar einmal kurz, als eine der beiden aufgrund technischer Schwierigkeiten unfreiwillig „abstieg“. So einen coolen Zusammenhalt hatte ich bei den gemischten Rennen nie. So egoistisch sind wir Frauen scheinbar gar nicht.
Stage 3 – Round and round
Mitte des Monats war ich ich etwas angeschlagen, fuhr aber trotzdem bei der dritten Etappe den Long Ride. Die 40 km waren recht flach, sodass ich wieder nah an den 40er Schnitt kam. (Und nein, dieser Schnitt ist für mich outdoor nicht realistisch!)
Da zwei Tage später das Schwimmbad geschlossen hatte, fuhr ich auch bei dieser Etappe den Short Ride mit 12,45 km. Das ist definitiv keine Distanz, für die ich sonst aufs Rad steige. Das ist nicht arrogant gemeint. Es steckt eher die Unverhältnismäßigkeit zwischen Aufwand und Fahrtzeit dahinter. Und ich merke auch, das meine Sprintfähigkeiten ausbaufähig sind…
Stage 4 – Let’s get dirty
Am 22. Januar fuhr ich alle Distanzen hintereinander weg. Ursprünglich war die Idee, bei der ersten, langen Etappe Gas zu geben, die Mitteldistanz locker anzugehen und die Kurzdistanz wieder schnell zu fahren. Bei der letzten Runde war die Luft allerdings raus, da es auch viel mit dem Mountainbike über Schotter und durch Sand ging. Und so fuhr ich auch bei der Sprintdistanz eher hinterher.
Stage 5 – Urban delight
Zum Ausgleich fuhr ich bei der fünften Etappe lediglich die Damentour. Natürlich ließ ich mich geschwindigkeitsmäßig wieder viel zu sehr triggern. Denn schließlich möchte man von einer Gruppe nicht abreißen, da heißt es Zähne zusammenbeißen…
Stage 6 – Go long
Ab dieser Stage wurde es für mich anstrengend, da der Körper langsam genug vom Fahren am Limit hatte. Trotzdem versuchte ich mich wieder am Longride, der durch London führte und einmal den Fox Hill und den Box Hill hinaufführte. Ich kämpfte ordentlich und konnte am Berg auch einige wenige Fahrer hinter mir lassen.
Stage 7 – Escalator
So entspannt wie möglich fuhr ich den Frauen-Tour über die Makuri Islands, war hier aber auch oft wieder alleine unterwegs, da die Teilnehmerzahlen eher niedrig waren.
Stage 8 – Big City Champs
Das Finale der Tour nahm ich nur in der Mitteldistanz in Angriff. Am 04.02. fuhr ich 23 km durch das futuristische New York inklusive der gefürchteten Glasbrücken mit durchschnittlich 6,4% Steigung auf 1,3 km.
Und ganz ehrlich – ich war ganz froh, dass die TdZ nach 342,94 km vorbei war. Jetzt, Ende Februar, habe ich immerhin über 400 Radkilometer und über 14 Schwimmkilometer hinter mir, zudem viele, viele Yogaeinheiten.
Zwar war ich stolz, alle Etappen ganz ordentlich abgeschlossen zu haben, andererseits ist es für wenig rennerfahrene Radler langfristig eine ganz schöne Belastung, wenn man es nicht schafft, wirklich entspannt zu fahren. Die gefahrenen Geschwindigkeiten sind durch die vielen Teilnehmer viel höher als in der Realität, wobei man auch Outdoor in der Gruppe ganz andere Geschwindigkeiten fahren kann, als allein, aber meinem Gefühl nach ist der Windschatten digital doch etwas effizienter als im echten Leben.
Ganz mutig, hoffentlich nicht übermütig, habe ich mich in diesem Jahr zu meinen ersten echten Rennen angemeldet, unter anderem der Tour d’Energie in Göttingen am 24.04.22. Die ist schon ganz schön bald und ich fühle mich miserabel vorbereitet. Bei meiner ersten längeren Draußentour habe ich letztens ziemlich gelitten. Und die 105 km hatten nur halb so viele hm wie die TdE. Immerhin ist diese erst im April und ich werde hoffentlich vorher noch die ein oder andere längere Tour fahren und meine Beine wieder an echte Höhenmeter gewöhnen. Interessiert, aber noch nicht ganz entschlossen, bin ich auch an RFT Quer durchs Eichsfeld. Mit 116 km und 1000 hm wäre das sicherlich eine gute, aber auch sehr fordernde Vorbereitung. Mal schauen, ob ich mich das traue. Ist dort schon jemand mitgefahren?
Ein Jahr ohne Superlative aber mit vielen Kilometern und kleinen Highlights.
Beim Durchscrollen meiner Aktivitäten bei Strava stelle ich fest, dass das Jahr nicht außerordentlich spektakulär war, ich aber doch eine Menge erlebt habe. Im Januar ging es los mit viel Schnee und entsprechend wenig Radkilometern. Trotzdem war ich durch die 30-Tage Yoga Challenge von Mady Morrison und tolle Winterwanderungen in Bewegung.
Nach vier Radtouren bis Mitte Januar kam mein neues Spielzeug, das Kickrbike von Wahoo. Ich tourte ein wenig mit kinomaps, wo man per Videoaufzeichnung echte Touren nachfahren kann, bevor ich bald bei Zwift heimisch wurde. Da meine Schüler im Homeschooling waren, blieb etwas mehr Zeit für Sport. Das rächte sich auch ziemlich bald, da ich ja gelegentlich dazu neige etwas zu übertreiben. Und so hatte ich mich mit Wanderungen, Indoor-Radtouren und Yoga irgendwann mal wieder etwas überlastet. Ab Februar ging ich das Thema Sport wieder etwas ruhiger an und schaffte es so, meine Wattwerte zu verbessern. Cool waren die wenigen Meter mit André Greipel, der eines Tages an mir vorbeistrampelte. Ich bezweifle jedoch, dass er mich wahrgenommen hat.
Auch André Greipel kann mal mit nur 2.1 w/kg fahren…
Im Februar legte sich der Winter nochmal richtig ins Zeug, sodass ich ein paar Mal mit Langlaufskiern über die Felder rutschte und exzessiv meine Adduktoren trainierte. Da ich sonst nur Loipe gewohnt bin (in der ich mich auch eher schlecht als recht schlage), ist das Fahren in Treckerspuren und quer durch die Botanik ein ziemliches Abenteuer für mich.
Der März bestand aus einigen Meetups bei Zwift und dem Auffrischen der Freundschaft zu meiner Schulfreundin Anna, mit der ich zunächst auch nur bei Zwift fuhr. Auch meinen ersten Indoor-Hunderter bin ich im März gefahren. Da flach ja langweilig ist auch gleich mit 1200 hm (zweimal den Epic KOM hoch). Danach ging es mir nicht so richtig gut, da meine Getränkemenge etwas knapp bemessen gewesen war. Ende des Monats wurde das Wetter etwas besser, sodass ich mich gelegentlich auch mit dem Rad vor die Tür wagte. Ich konnte gleich feststellen, dass das Fahren nach Trainingsplan zu Erfolgen führte.
Anfang April hatte ich meinen FTP auf 180 W gearbeitet und konnte auch draußen nun vermehrt Krönchen bei Strava einfahren. Ab April beendete ich das Zwift-Abo und war wieder nur noch Outdoor unterwegs. Zu Ostern fuhr ich mit Kai eine längere Tour (knapp 110 km) Richtung Seesen und Bad Gandersheim auf zum großen Teil neuen Wegen. Eine schöne Abwechslung zu den doch ansonsten etwas ausgefahrenen Standard-Trainingswegen.
Bad Gandersheimer Dom
Das Frühjahr war windig und trug definitiv der Charakterformung bei, da der Wind meist von vorne kam. Im Mai wagten wir uns trotzdem auf eine längere Tour (150 km) zum Hohen Hagen, zwischen Göttingen und Hann. Münden. Der vielbesagte Berg war nach einigen Kilometern in den Beinen zwar anstrengend, aber bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet. Auch bei dieser Tour genossen wir wiederum einige neue Streckenabschnitte, durch die das Fahren wieder sehr an Reiz gewinnt. Eine sehr schöne Graveltour führte uns in den Harz. Allerdings fast ohne fiese Anstiege, sondern relativ flach über geschotterte Radwege auf ehemaligen Bahntrassen. Auf diese Weise kommt man überraschend entspannt nach Braunlage. Die Tour war klasse, wenngleich ich gleich zweimal… stürzte…. na ja, umkippte. Die falschen bzw. andere Cleats können ziemlich gemein sein….
Am Hohen Hagen
Das Wetter im Mai war unbeständig. Mal schaffte man es zwischen Hagel, Regen und Gewitter aufs Rad, mal war man gerade unterwegs, wenn es losging. Immerhin zeigte sich an den letzten Tagen des Monats noch einmal die Sonne, sodass eine lange, fordernde Tour nach Nordhausen (126 km) mit vielen Gravelanteilen und Pisten mit bis zu 8% möglich war. Auch diese Tour war klasse, da extrem abwechslungsreich bezüglich des Untergrunds und der Umgebung.
Schotterig nach Nordhausen
Der Juni ging regnerisch und kühl los, bevor er schlagartig für einige Tage extrem heiß wurde. Die Zeit nutzte ich für einige Runden im Jues, was – nach langer Schwimmabstinenz – wieder sehr gut tat. Ab Juli wurden die Touren endlich etwas spannender. Ein Jahreshighlight war auf jeden Fall meine erste Fahrt auf den Brocken. 133,33 km mit 1.641 hm. Mit einer netten Gruppe Göttinger Radler ging es auf den höchsten Berg des Harzes, vor dem ich einen ziemlichen Respekt hatte und immer noch habe. Die Tour hatte es auch wirklich in sich, bis kurz vor dem Ende lief es aber recht gut. Nur die letzten Meter auf der Brockenstraße überforderten mich etwas. So oder so bin ich aber – wenngleich ich auch ein bisschen schieben musste und meine Lunge lauter pfiff als die Brockenbahn – oben angekommen. Und was soll ich sagen? Auch ein halbes Jahr danach bin ich noch stolz wie Oskar, dass ich das geschafft habe.
Am Brockenstein
Wenige Tage später war ich mit Freundinnen unterwegs und genoss die Girls-Rides in der Umgebung sehr, da ich ja sonst eher das Radeln mit Männern gewohnt bin. Eine der Damen war meine bereits erwähnte Schulfreundin Anna. Im August fand ein Gegenbesuch in Frankfurt statt und wir machten den Vulkanradweg unsicher. 170 km Mädelspower – definitiv ein weiteres Rad-Highlight diesen Jahres, während dem Anna sich und mich sicherlich ein paar Mal verflucht hat, da sie noch nicht ganz so viele Rad-Kilometer in den Beinen hatte und sie die Distanz etwas unterschätzt hatte. Das Fazit ist aber, dass wir auch diese langen Touren stemmen können.
Mit Anna auf dem Weg zum Vulkanradweg
Nicht ganz so lang war die erste Etappe unseres einzigen Overnighters dieses Jahr. Nach 140 km, unter anderem über den mit zahlreichen Tunneln bestückten Kanonenbahnradweg, war ich allerdings schon ganz schön platt und eine schlaflose Nacht in einer Schutzhütte im Wald und Dauerregen am nächsten Tag führten dazu, dass wir die Tour auf mein Bitten bereits nach 50 km abbrachen. Ob das ein Schwächeeingeständnis ist? Nein, ich denke nicht. Ich habe dieses Jahr in der Tat drei Touren abgebrochen und bereue es bei keiner davon. Manchmal möchte der Körper einfach nicht so mitspielen und ich fahre Rad, weil es mir Spaß macht. Natürlich habe ich auch eine Menge Ehrgeiz, aber das Abbrechen einer Tour ist für mich kein Tabu.
Nach der Tour ging es weiter nach Hamburg und Kühlungsborn, wo wir auch abwechslungsreiche und spannende Touren fuhren. Leider meinte es das Wetter – vor allem an der Ostsee – wieder nicht so richtig gut mit uns.
Im Hamburger ElbtunnelAm Leuchtturm in Warnemünde
Bereits im September entstaubte ich mein Kickrbike. Ich war gefragt worden, ob ich eine Rennserie bei Zwift mitfahren möchte. Zunächst war ich sehr motiviert, musste aber feststellen, dass Team-Rennen (Zwift Racing League – WTRL) keine Freude machen, wenn man in der falschen Leistungsklasse fährt und man immer nur hinterher fährt. Das wurde mir zwar nicht vorgeworfen – ganz im Gegenteil, mein Team hat sich sehr bemüht, mich zu motivieren – aber ich habe die letzten Rennen gerne den starken Mädels überlassen, sodass sie eine Chance auf eine bessere Platzierung hatten. Stattdessen bin ich lieber mit meiner neuen Rennradbereifung draußen herumgedüst und durfte feststellen, dass eine schmalere Bereifung mich etwa 2 km/h schneller macht.
Das kam mir sicherlich auch im Oktober zugute, als ich mit einer Männertruppe zum Kyffhäuser gefahren bin. Knappe 150 km war die Gesamtstrecke lang und hatte zum Glück nur etwas über 1000 hm. Bis kurz vor dem Kyffhäuser ging es gaaanz seicht bergab, sodass der Hinweg gar keine Probleme bereitete. Zurück kämpfte einer der Herren mit sich und der Gesamtsituation, was es für mich auch schwierig machte, da wir sehr rücksichtsvoll fahren mussten. Entsprechend des Hinwegs ging es auf dem Rückweg stetig gaaanz leicht bergauf. Immerhin durfte ich als Pacemaker ran und die Herrenrunde anführen. Das war auch mal eine ganz spannende Erfahrung.
Am Kyffhäuserdenkmal
Nach privaten Veränderungen im September flog ich im Oktober nach Mallorca. Ein richtig toller Urlaub mit viel Sonne, kühlem Wind und Bewegung an Land und im Wasser. Das war meine erste Auslandsraderfahrung und sie hat mich ziemlich begeistert (gerade habe ich nach einem Synonym für „geflashed“ gesucht und vorgeschlagen wurde unter anderem „enthusiasmieren“. Das muss ich unbedingt einmal irgendwann benutzen…). Das Fahren mit dem Mietrad hat gut geklappt und durch akribische Vorplanung mit komoot waren auch meine Touren klasse. Noch schöner wäre es sicherlich in Begleitung gewesen, da es auch auf der Baleareninsel ganz schön windig war.
Am Cap Formentor
Jetzt neigt sich das Jahr dem Ende zu. Insgesamt waren es sehr aktive Monate mit 7.500 Rad-und 22,5 Schwimmkilometern (hätten die Schwimmbäder nicht so lange zu gehabt, wäre es vermutlich mehr gewesen). Damit bin ich mehr als zufrieden. Nur zu Erinnerung, letztes Jahr waren es gerade einmal 4.500 km auf dem Rad. Ich schaue nun neugierig auf das nächste Jahr. Da werde ich – so sie denn stattfindet – bei der Cyclassics in Hamburg dabei sein. Außerdem möchte ich weitere Gegenden mit dem Rad erkunden. Wenn es gut läuft, rolle ich auch mal ein paar Kilometer durch die Toscana, aber das wird final wohl dieses nervige Virus entscheiden. Außerdem möchte ich unbedingt die 200 km knacken und vielleicht spontan noch an der ein oder anderen Veranstaltung teilnehmen. Das sind die Pläne für nächstes Jahr. Mal sehen, was sich davon umsetzen lässt.
Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und einen schönen Start ins neue Jahr. Bleibt gesund!
So richtig im Urlaub war ich ja schon lange nicht mehr. Schon vor zwei Jahren war ein Mallorcaurlaub gebucht, fiel aber aufgrund der Corona-Pandemie ins Wasser. So ganz aus dem Kopf bekommen hatte ich die Idee aber nicht und so buchte ich spontan einen Pauschalurlaub in den Herbstferien.
Das Ziel war Playa de Muro im Norden der Insel. Dies erschien mir ratsam, da das Gelände dort überwiegend flach ist, aber auch die Berge nicht weit sind, falls mir mal danach sein sollte.
Am 18.10. fuhr ich mit dem Zug nach Hannover und nistete mich für eine halbe Nacht bei Mareike, der besten Freundin meiner Schwester, ein. So früh wie der Flieger gedachte zu starten hätte ich keinen Zug von Herzberg nach Hannover bekommen.
Der Nachmittag und Abend waren sehr schön. Essen, mit dem Hund gehen und viel quatschen. Alt wurden wir jedoch beide nicht. Den Wecker stellte ich mir auf 3.33 Uhr.
Tag 1 – Hinreise und Wasserkontakt
Hannover – Noltemeyerbrücke
Tatsächlich war ich in der Nacht recht schnell aufbruchbereit und fand auch fast auf Anhieb den richtigen Weg zur S-Bahn ;). Um kurz nach vier ging es dort weiter. Erst Richtung Bahnhof und dann zum Flughafen. Bisher lief es wie am Schnürchen. Ärgerlich war nur, dass mir – als ich mein Gepäck aufgeben wollte – mitgeteilt wurde, dass der Flieger schlanke 80 Minuten später starten wird. Na super, da hätte ich locker eine Stunde länger schlafen können. Zumindest lief aber der Sicherheitscheck schneller ab als erwartet. Dann hieß warten, warten und nochmal warten. Kurz überlegte ich mir, mir ausnahmsweise einen Kaffee zu gönnen. Dieser war mir dann aber doch zu teuer und ich entschied mich für den halben Liter Wasser für 3,30 €. Man muss ja das Geld nicht mit beiden Händen rauswerfen…
Bei der TUI war irgendetwas schief gelaufen (der Grund für unsere Verspätung), weshalb uns das Belgische TUI Team sicher nach Palma flog. Als kleine Entschädigung gab es sogar ein kostenloses Festmahl bestehend aus einem Laugenteilchen und einem Getränk. Besser als gar nichts. 🙂
Mittags landeten wir endlich und schnell fand ich den richtigen Bus. Zum Glück war mein Hotel direkt das zweite auf der Tour, weshalb ich nach etwas über einer Stunde im Hotel eincheckte und mein Zimmer bezog. Klein, aber mit Eckbalkon, da ich das letzte Zimmer des Flures bekam. Dort hat man etwas länger Sonne und Blick auf den See und den Pool hinterm Hotel.
Die erste Amtshandlung war in die Badebekleidung zu schlüpfen und zum Strand zu spazieren. Der ist 500 m entfernt, aber das stört gar nicht. Dafür ist er bombastisch schön. Sauber, feinsandig und türkisblaues Wasser. Nur bis man schwimmen kann muss man etwas laufen, da das Wasser sehr seicht ist. Mit 23°C hatte das Wasser eine perfekte Temperatur. Nur die Luft war durch den Wind etwas frisch. Zum Radfahren aber bestimmt ideal. Nach einem Stückchen … ok, zwei Stückchen Kuchen und etwas Obst zog ich nochmal zum Strand los und spazierte ein Stündchen am Wasser auf und ab.
Playa de Muro
Alt wurde ich auch an diesem Abend nicht, da ich seit dem Flug Kopfschmerzen hatte und etwas unter Schlafmangel litt. Nach dem Abendessen verkrümelte ich mich daher aufs Zimmer, kuschelte mich in die Decke und las noch ein wenig bevor ich mich ins Reich der Träume verabschiedete.
Tag 2 – eine flache Runde zum Kennenlernen
Nach einer langen, langen Nacht (ich habe fast 10 Stunde geschlafen) wurde ich um 8 Uhr wach und ging ziemlich bald zum Frühstück. Das war gar nicht soo übel, aber auch nicht umwerfend. Zum Sattwerden war aber genug Leckeres da. Nachdem ich gesättigt war, packte ich meine Sachen zusammen und machte mich radelbereit. Außerdem packte ich mir meinen Rucksack. Um 9.30 Uhr wurde mein Rad geliefert. Ein Trek Emonda 6, leider mit Felgenbremsen und schon ganz schön ramponiert. Zumindest musste ich mir dazu zumindest um weitere Steinschläge keine Sorgen zu machen. Nach der Übergabe machte ich mich direkt auf den Weg Richtung Inca. Der Weg führte mich über viele ruhige Feldwege und Nebenstraßen und war vor allem eines – flach. So eben kommt man bei uns häufig nicht voran. Zunächst fuhr ich lange durch ein Naturschutzgebiet, welches reich an hohen Gräsern und Tierleichen auf der Straße war. Schleiereule, Kaninchen und einige undefinierbare Kleinsäuger. Traurig. Aber zumindest spricht es für den Tierreichtum des Naturschutzgebiets.
An den Hängen der Berge sah ich zwei größere Feuer. Zum Glück waren diese weit weg und hoffentlich gezielte Brände um die Waldbrandgefahr zu reduzieren. Ein frommer Wunsch, denn so richtig gezielt sah das nicht aus. Auch Hubschrauber kreisten immer wieder über der Insel. Nach einem Fotostop bei dem ich auch den Sattel nachjustierte, wollte ich mich einer Gruppe anschließen. Das Tempo der Herren passte ganz gut. Nach wenigen hundert Metern blockierte plötzlich mein Pedal und ich musste schlagartig anhalten. Erst dachte ich, die Kette sei heruntergeflogen. War sie aber nicht. Dann entdeckte ich den Übeltäter. Die Luftpupe war mit einem Klettband oberhalb des Pedals befestigt und hatte sich gelöst. Diese hatte das Pedal blockiert… Also Luftpumpe abgenommen und im Rucksack verpackt und weiter ging es.
Ein Großteil der Radwege sieht so oder so ähnlich ausBlick auf Campanet
Die Gruppe war natürlich weg. Egal. Auch alleine fand ich prima den Weg nach Inca. Dort drehte ich eine kleine Runde durch die Innenstadt bevor ich den Heimweg antrat. Die Strecke zurück war landschaftlich wirklich schön, nur die Straßen wurden schlechter und man musste höllisch auf Schlaglöcher aufpassen. Der urige Ort Campanet bot enge Gässchen, ganz viel Charme und die einigen nennenswerten Höhenmeter der Tour. Bis zur Kirche musste ich einige Meter schieben. Auf dem Weg herunter (gar nicht so ohne mit Felgenbremsen…) fand ich einen Fahrradverleih, der meinen Sigma Rox 12.0 mit altem Schlauch etwas besser befestigte. Seit Beginn soff mir die Halterung nämlich bei jeder Unebenheit ab und ich hatte im Multitool keinen passenden Inbus. Entlang des weiteren Weges (Cami Vell de Pollença) gab es unzählige Olivenhaine mit lebendigen Rasenmähern in Form von Schafen. Die zugehörigen Fincas waren teilweise wirklich eindrucksvoll. Eine tolle Gegend, die am Sonntag wohl auch Teil der „Mallorca 312“ einem Gran Fondo mit bis zu 312km. Tatsächlich wurde ich heute schon von einem Briten gefragt, ob ich dabei sein. Eher nicht. Wobei es auch kürzere Etappen gäbe. Leider ist der Sonntag aber mein Abreisetag.
Die Kirche in Campanet Eispause in Pollença vor der Santa Maria dels ÀngelsStraße bieten häufig breite Randstreifen. Allerdings nicht immer so sauber wie hier…
In Pollença machte ich eine Eispause. Der Ort ist wirklich wunderschön und das Eis extrem lecker. Zwischen Port de Pollença und Alcúdia traf ich auf den Küstenweg, der mir ein Dauergrinsen ins Gesicht zauberte Trotz Gegenwind war es ein tolles Gefühl, direkt am türkisblauen Wasser mit Blick auf die Bucht, umgeben von eindrucksvollen Bergen zu radeln. Da freue ich mich auf Morgen früh. Dann fahre ich dort noch einmal lang. In Alcúdia machte ich schiebend einen Schlenker durch die Altstadt. Mit vielen engen Gässchen, ja auch viel Touristennippes, vielen gemütlichen Restaurants und alten Gemäuern ein tolles Ausflugsziel. Mein Besuch war eher kurz gehalten.
Ja, ganz nett hier… Alcúdia – Porta der Moll Sant Jaume
Entlang der Straße ging es die wenigen verbleibenden Kilometer zurück zum Hotel. Dort gab es ein Ministück und Kuchen und einen Berg Obst. Das Wetter war weiterhin klasse, sodass ich den Nachmittag für einen weiteren Strandbesuch nutzte. Die Kräfte reichten noch für 700m und eine Runde Sonnenbaden. Das war mit Abstand der wärmste und schönste Tag der Woche.
Tag 3 – bis ans Ende der Wel…. Insel
Die Nacht war mal wieder suboptimal. Mit etwas wenig Schlaf zu Beginn und Ende der Nacht ging ich pünktlich um 8 Uhr zum Frühstück und futterte mich erst mal durch die Süßwarenabteilung (Pain au chocolat, Croissant und Donut, alles in Miniformat) und anschließend durch die warme Theke (Würstchen mit Bohnen und Rührei) um wenigstens ein bisschen Grundlage zu schaffen und ein paar Aminosäuren zu tanken.
Um 9 Uhr saß ich pünktlich auf dem Rad. Noch war es etwas diesig, doch auch heute war der Weg entlang des Wassers wieder spitzenmäßig. So könnte ich stundenlang Rad fahren. Kurzzeitig konnte ich mich auch an drei spanische Herren hängen, die jedoch nach einigen Kilometern meinen Weg verließen. Schade, deren Tempo war sehr angenehm gewesen und hatte meine Pace kurzzeitig etwas verbessert. Durch die ein oder andere Fotopause in Port de Pollença verschlechterte ich ihn möglichst schnell wieder, war darüber aber kein bisschen traurig. Apropos Schnitt verschlechtern. Auf die Radwege ist eine Zahl, eine 20, aufgemalt in einem Kreis. Was die wohl heißen mag…?
Port de Pollença
Hinter dem Ort ging es relativ schlagartig in den Berg. Der erste Anstieg war mit 6% ausgezeichnet (im Sinne von „beschrieben“, nicht „super“) und zog sich über 4 km. Die ersten 220 Höhenmeter waren geschafft und ich auch schon ein bisschen. Danach rollte es über Serpentinen hinab und mir schwante schon Übles. Schließlich musste auch hier auch wieder zurück… Der nächste Anstieg von wieder 200 hm zog sich über 5 km, fühlte sich aber nicht wirklich entspannter an, da mir ein freundlicher Gegenwind entgegen pfoff. Bis zum Leuchtturm ging es immer wieder auf- und abwärts mit meinen Kräften eher letzteres. Getröstet wurde ich aber immer wieder von bombastischen Ausblicken. Zudem war ich glücklich, dass bisher wenig Autoverkehr herrschte und nur gelegentlich Radfahrer an mir vorbei zischten. Mit einem Mädel aus der französischen Schweiz nahm ich noch Kontakt auf und zog sie eine Weile den Berg hoch. Zumindest bestätigte sie mir das hinter, dass ich sie gut gepusht hätte. Nach knapp 30 km erreichte ich den Höhepunkt der Tour, das Cap Formentor, das östlichste Ende der Insel. Der Leuchtturm der die Spitze kennzeichnet ist wirklich sehenswert.
Blick auf Port de PollençaMirador Es ColomerInteressante Form… Bild von Mallorca Cycling Photos. Die Herren stehen da regelmäßig und die Fotos kann man am Folgetag bestellen.Cap Formentor
Ich schnackte noch ein wenig mit der neuen Bekanntschaft, machte Fotos mit meiner Kamera und fremden Handys, aß meine Banane, die ich beim Frühstück hatte mitgehen lassen und machte mich auf den Rückweg. Die Schweizerin war bereits losgefahren.
Bild von Mallorca Cycling PhotosBild von Mallorca Cycling Photos
Auf dem Rückweg kamen mir die Anstiege (bis auf zwei Teilstücke) gar nicht so lang wie auf der Hinfahrt vor. Möglicherweise trug der Rückenwind dazu bei, dass er mir leichter fiel, auch wenn ich zwei Pausen bis oben einlegen musste. Ab dann musste ich bis Port de Pollença nur noch rollen lassen. Herrlich, auch wenn ich vorsichtig fuhr, da die Felgenbremsen doch nicht so ganz die gewohnte Bremskraft haben.
Unten bog ich ab in Richtung Cala Sant Vicenç. Der Ort wurde hochgelobt für seine Buchten. Auch hier erwartete mich leider kein ganz ebener Weg und wieder Gegenwind. Leider wurden meine Erwartungen nicht so ganz erfüllt. Der Ort hat viel Beton und ja, zwei ganz nette Strände, aber sooo überwältigend fand ich sie nicht. Vielleicht war ich aber auch knörig, da ich recht wenig getrunken hatte. Daher hielt ich am örtlichen Sparmarkt und gönnte mir eine spanische Zitronenlimo. Gestärkt fuhr ich einen ähnlichen Weg zurück und bandelte mit einem schätzungsweise 60-70-jährigen Herrn aus Deutschland an. Der fuhr in dieselbe Richtung und ein ähnliches Tempo und spendeten uns im Wechsel Windschatten. In der Satteltasche hatte er allerdings zusätzliche 100 Watt versteckt, die er gelegentlich zuschaltete. Damit hängte er mich zweimal ganz schön ab, wartete dann aber wieder auf mich.
Bucht von Cala Sant Vicenç
Kurz vor Port de Alcúdia trennten sich unsere Wege und ich landete kurz darauf wohlbehalten aber fix und alle am Hotel. Den Nachmittag verbrachte ich auch lediglich auf einer der Liegen am Pool.
Tag 4 – Aktive Regeneration
Der Wetterbericht versprach nichts Gutes und so plante ich zwei Aktivitäten, die notfalls auch bei nicht so gutem Wetter möglich wären. Entweder – wenn es stärker regnet – nur ein Spaziergang durch das angrenzende Naturschutzgebiet oder aber eine längere Wanderung östlich von Alcúdia. Direkt nach dem Öffnen der Augen machte ich dasselbe mit den Vorhängen und stellte zufrieden fest, dass es zwar stürmisch, aber keineswegs nass war. Das änderte sich auch bis nach dem Frühstück nicht. Also legte ich das Wanderoutfit an und machte mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Wenig später kam der Bus und chauffierte mich bis an den Rand der Altstadt von Alcúdia. Von dort bewegte ich mich auf Schusters Rappen nördlich von Port Alcúdia vorbei in das Compament de la Victòria um einen 13 km Rundweg zu wandern. Der Weg war geprägt von viel scharfkantigem Gras, Wind und noch viel mehr Tieren. Los ging es mit domestizierten Eseln und Schweinen und später begegneten mir ständig Ziegen. Meistens roch ich sie, bevor ich sie sah.
Blick auf die Bucht von AlcúdiaLeuchtturm von Alcúdia
Ich hielt mich mit viel Fotografie auf und genoss den Weg und die Aussicht. Am schönsten war tatsächlich die Ruhe. Mir begegneten auf dem Weg über den Berg lediglich vier Personen. Der Anteil der Ziegen war beträchtlich höher. Nach dem Abstieg kreuzten plötzlich zwei männliche Fasane. So schnell hatte ich leider die Kamera nicht griffbereit. Anschließend führte mich der Weg zunächst durch die wohlhabende Siedlung von Bonaire. Da lässt es sich ganz schön wohnen. Am Hafen (der im Gegensatz zu den Villen eher enttäuschend war) pilgerte ich entlang des Wassers bis auf Höhe Alcúdia.
Playa de Sa Font de Sant Joan
Dort ging es nach etwa 13 km zur Stadt zurück. Ich bummelte noch ein wenig über die Stadtmauer und durch die belebten und stilleren Gassen des Ortes und genoss den mittelalterlichen Charme und das Gewusel der Touristen. Anschließend fuhr ich mit dem Bus zurück zum Playa de Muro.
Stadtmauer von Alcúdia
Der Magen hing mir mittlerweile in den Kniekehlen, da ich bis auf einen Riegel und eine Banane nichts gegessen hatte. Bis zum Abendessen blieb allerdings noch zwei Stunden Zeit. Diese nutzte ich, um zum Assos Outlet by Huerzeler zu gehen. Fast hätte ich mir auch eine Bib gekauft, aber leider ab es die nur noch in schwarz-weiß (weiß an der Hose mag ich nicht) oder in schwarz in XL und das war zu groß. Kurz vor dem Assos-Store entdeckte ich eine Fahrradmesse über die ich auch noch schlenderte. Da wie oben bereits erwähnt hier am Samstag der Gran Fondo über die Insel startet gibt es kein anderes Thema mehr auf der Insel. Mittlerweile wurde ich schon diverse Male gefragt, ob ich Sonntag auch dabei sei…. Vielleicht nächstes Jahr?
Tag 5 – Highway to Petra
Irgendwie ist der Schlaf hier nicht so berauschend. Gestern beglückte mich noch bis halb zwei eine Abba-Cover-Band zwei Stockwerke unter mir. Danach wurden noch einige Stühle gerückt und irgendwann war ich über den toten Punkt hinweg und konnte bis halb drei nicht mehr schlafen. Da mich auch noch eine ausstehende Info und die Radabgabe beschäftigten war ich auch früh (gegen 5.30 Uhr) wieder wach. Die Info um die es ging war, wann ich nach Palma zum Flughafen fahre. Mein Flug soll ja um 15.50 Uhr gehen, mein Transferbus war für 4.40 Uhr terminiert. Das empfand ich als Frechheit, da ich ja noch etwas vom Tag haben wollte. Also stellte ich den Reiseveranstalter vor die Wahl. Entweder ich fahre früh, lasse mir von denen aber einen Transfer vom Flughafen nach Palma organisieren, dass ich nach der Aufgabe der Koffer die Hauptstadt kennenlernen kann oder ich bestehe auf einen späteren Bus. Grund für die frühe Abfahrtzeit ist auch der Gran Fondo, für den ja die meisten Hauptverkehrsstraßen gesperrt werden. Seit nachmittags habe ich die Antwort. Zwar muss ich 500 m laufen, werde aber erst kurz nach 12 mit dem Bus abgeholt. Na geht doch!
Die Sorge mit dem Fahrrad rührte daher, dass ich noch eine größere Runde geplant hatte und das Rad um 15 Uhr abgeben sollte. Frühstück ist ja erst ab 8.00 Uhr und vor 8.45 Uhr kam ich nicht los. Ich entschied mich trotzdem für die Tour mit 90 km. Rein fahrtechnisch nicht das Riesenproblem, jedoch sollte das fotografieren und Kuchenessen etwas bis ganz zu kurz kommen. Bei der letzten Tour hätte ich mir gerne nochmal guten Mallorquinischen Kuchen gegönnt.
Heute führte mich der Weg zunächst mit kräftigem Seitenwind bis hinter Can Picafort und weiter parallel zur Küstenlinie. Nach 15 km wendete ich mich ins Landesinnere und wurde für die nun anstehenden Höhenmeter mit Rückenwind gepushed. Das war klasse, vor allem der der „Highway“ nach Petra in Wellen langsam bergauf und gnadenlos geradeaus geht.
Straße nach Petra – ein Blick zurück Petra – Pfarrkirche San Pere
In Petra war eigentlich ein Kuchenstop geplant. Dieser musste entfallen und ich fuhr weiter nach Sineu. Hier gab es nicht nur eine hübsche Windmühle, schöne Gässchen und eine tolle Kirche, sondern auch eine öffentlich zugängliche Bahnradbahn. Auf dieser kreise ich dreimal (recht langsam, da mit Kamera in der Hand) und hatte dieses lustige Erfahrung dann aber auch abgehakt.
Molí d´en PauParròquia de Santa Maria de SineuÖffentliche Bahnradbahn
Seitlich bewindet ging es an leider recht stark befahrenen Straßen nach Inca. Und von dort ohne Umwege weiter nach Muro. Auch hier hätte ich gerne mehr Zeit verbracht, aber die innere Unruhe ließ keine Kaffeepause zu. Über Can Picafort ging es schließlich zurück. Tatsächlich war ich noch vor 13 Uhr da. Einen Kaffee und ein Stück Kuchen hätte ich locker geschafft. Aber ich konnte den Gegenwind auf den letzten knapp 30 km nicht einschätzen. Auch die mögliche Erschöpfung der letzten Tage wollte ich nicht unterschätzen. Ein Stück Kuchen gab es trotzdem. Im Hotel. Sicherlich ist da qualitativ aber noch Luft nach oben.
Muro
Kurz vor Can Picafort machte ich noch einen Stop bei einer großen Schafherde und musste an mich halten, um nicht laut loszuprusten. Tatsächlich meint man, je länger man sich das Ge“mähe“ anhört verschiedene Charaktere heraus zu hören. Von der mies gelaunten Alten bis zum Teenager, (wenige) gut gelaunte Schafe und viele, die einfach nur ihren Senf dazu geben müssen.
Wer lästert denn da?
Der Tag ingesamt war heute recht frisch. Trotzdem wollte ich noch einmal ins Meer. Doch mit der seichten Bucht von vorgestern hatte das Wasser heute nicht viel gemein. Nachdem gestern noch rot geflaggt war hing heute nur noch die gelbe Flagge, aber ich kam mir beim schwimmen ein bisschen vor wie in einer Waschmaschine. Deswegen hatte ich nach wenigen Metern schon die Nase voll (oder vielmehr die Nasenhöhlen gespült). Auch wenn der Bikini hinter von oben bis unten voller Sand war, war das noch einmal schön.
Tag 6 – Das war´s schon?
Heute ist der Tag der Abreise gekommen. Ich sitze auf gepackten Koffern und warte auf den Bus zum Flughafen. Rückblickend ging die Zeit viel zu schnell herum, aber es war ein großartiger Urlaub und meine erste Radreise im Ausland. Definitiv kann ich die Faszination verstehe, die Rennradfahrer jedes Jahr wieder auf die Insel ziehen. Noch einmal etwas Sommer im Herbst genießen, größtenteils tolle Wege und Straßen zum Radfahren und unterschiedlich anspruchsvolle Touren auf relativ kleinem Raum machen Mallorca wirklich zur idealen Radfahrinsel. Die Autofahrer sind hier deutlich geduldiger und sozialer als in Deutschland und nur selten fühlte ich mich auf den Straßen gedrängt oder gestresst. Drei Dinge würde ich jedoch beim nächsten Mal anders machen. Zum einen ist eine Woche etwas kurz, daher würde ich beim nächsten Mal 10 Tage buchen. Außerdem würde ich vermutlich mit jemandem reisen, denn eigentlich hatte ich vor viel Mandelkuchen zu essen und die Cafés kennenzulernen. Alleine fühlte ich mich da jedoch nicht wohl, weshalb ich das nicht gemacht habe. Das wäre auch der dritte Punkt, den ich ändern würde: mehr einkehren und nicht all inclusive buchen. Das erhöht die Flexibilität und lässt einen entspannt sich in ein beliebiges Café setzen. So hatte ich immer im Hinterkopf, dass ich auch im Hotel Kuchen essen könne….
Beim Blick aus dem Fenster stelle ich fest, dass es angefangen hat zu regnen. Das macht den Abschied von der Insel leichter. Vielen Dank, Mallorca, für die Schöne Zeit und te veo de nuevo pronto!
Wieder einmal hat es uns einige Tage Richtung Norden verschlagen. Eigentlich war die Teilnahme an der Cyclassics geplant und das Hostel gebucht. Bekanntlich konnte das Radrennen leider nicht stattfinden. Trotzdem haben wir an den Reiseplänen festgehalten und reisten am Samstag an. der Check-In sollte ab 14 Uhr möglich sein, das Zimmer war aber natürlich noch nicht fertig. Gegen 15 Uhr waren wir mit Taschen und Rädern schließlich im Zimmer. Ganz schön eng, aber zu zweit ging es. Schnell umgezogen und runter ging es mit den Rädern. Ich hatte mir bei komoot eine schöne Runde gebastelt, aber blöderweise vergessen sie auf den Rox zu laden. Das war wirklich sehr ärgerlich. Trotzdem wurschtelten wir uns am Bahnhof vorbei, über die Mönkenbergstraße Richtung Landungsbrücken.
Schon dort waren wir gestresst von Scherben, und radelnden Touristenmassen. An den Landungsbrücken vorbei ging es zum Alten Elbtunnel, der natürlich durchfahren werden musste. Auch hier war viel los, sodass es schwierig war Fotos zu machen. Auf der anderen Seite des Tunnels genossen wir den Ausblick über die Hamburger Highlights und fuhren durch den Hafenbereich über richtig schlechte Straßen. Besser wurde es ab der Veddelkanalbrücke am Spreehafen. Hier durften wir feststellen, dass man in Hamburg tatsächlich einiges an Höhenmetern zurücklegen kann, wenn man nur über genug Brücken fährt.
Am Klütjenfelder Hauptdeich fuhren wir durch Veddel (was für ein kulturell bunter Stadtteil!) und über die Neue Elbbrücke zurück zu unserem Hostel am Bahnhof. Unser Fazit: Radfahren in Städten ist nicht so unser Ding. Auf dem Land fährt es sich deutlich entspannter und auch die Ampelarmut im Harzvorland finde ich ganz sympathisch. Man kommt einfach deutlich zügiger voran. Rein Fotografisch gibt Hamburg natürlich deutlich mehr her als unsere Heimat, was wir auf unserem 12 km-Spaziergang am Nachmittag und Abend genutzt haben. Denn insgesamt ist Hamburg eine wahnsinnig schöne und spannende Stadt, nur eben nicht unbedingt auf dem Rad. Vor allem die Speicherstadt liebe ich ja sowohl tagsüber als auch nachts und auch der Rundgang auf der Elphi war auch wieder großartig. Unterbrochen wurde der Spaziergang von einem Essen mit einer meiner besten Schulfreundinnen, die seit etlichen Jahren in Hamburg wohnt und deutlich häufiger besucht werden muss! Gegen 1 Uhr fielen wir müde ins Bett und machten uns am nächsten Tag auf den Weg an die Ostsee.
In unserem Urlaub in Kühlungsborn fuhren wir drei Touren. Eine relativ kurze (knappe 35km) zum etwa 100 Jahre alten Leuchturm Bastorf. Dieser ist ja der am höchsten gelegene Leuchtturm, aber zeitgleich auch einer der kleinsten in Deutschland. Die Feuerhöhe liegt bei 95,3m. Über Kopfsteinpflaster und Panzerplattenwege ging es im Hinterland über die Kühlung (der Höhenzug bei Kühlungsborn) zurück nach Hause. Da die Luft mit 20°C noch halbwegs warm war wagten wir uns auch ins Meer. Dieses hatte zwar nur 17°C aber tolle Wellen, in denen man zwar nicht schwimmen, aber prima Plantschen konnte. Nach 10 Minuten war es aber auch genug.
Am nächsten Tag wollten wir eine Tour nachfahren, die wir bereits vor zweieinhalb Jahren gefahren sind. Es war damals meine 6. Tour insgesamt und bis dahin längste. Es ging von Kühlungsborn an der Küste Richtung Westen zur Insel Poel. Die Rundfahrt über die Insel war damals nicht möglich, da für mich die 90km schon etwas über dem Limit waren. Dieses Mal wollten wir die Insel aber auch noch umrunden. Das Wetter war uns hold, und wir fuhren bei Sonne und wenig Wind los. Navigation war nicht wirklich nötig, da wir die Strecke schon halbwegs kannten. Nur an einer Stelle, an der wir uns schon damals unsicher waren, wussten wir wieder nicht weiter. Aber dafür hat man ja die Fahrradnavigation, die uns in Blengow über einen netten Singletrail auf den Ostseeradweg führte. Dieser ist sowieso top ausgeschildert, sodass bis Poel jetzt keine Irritationen mehr aufkamen. Auf der Halbinsel frischte der Wind merklich auf und bis zum nördlichen Zipfel stellte sich uns ein ganz schöner Wind in den Weg. Ab Gollwitz ging es wieder gen Westen und schließlich Süden, sodass uns der Wind eher half als störte. Jedoch musste man hier auf den teilweise sandigen Wegen ganz schön aufpassen. Am Hafen in Timmendorfer Strand gönnten wir uns ein Päuschen und verleibten uns unsere Brötchen ein, bevor wir über Gravelpassagen nach Hinterwangern und Wangern und nach Kirchdorf radelten um schließlich der Insel den Rücken zu kehren. Auf dem Rückweg nahmen wir den Ostseeradweg bis Rerik um die Route etwas zu variieren. Der Wind war nun wirklich fies und kam bis dahin immer von vorn, da wir nach Norden fuhren und ihm somit direkt in die Arme. Nach 107km und einem gemütlichen Schnitt von 22,8km/h kamen wir schließlich an. Ich war bei weitem nicht so erschöpft wie im Jahr 2018. Ein schönes Gefühl :).
Nach einem völlig verregneten Pausen-Tag, den wir teilweise in Rostock verbrachten, machten wir uns wieder auf den Weg. Dieses Mal aber Richtung Westen. Die Route hatte ich von einer Wander- und Radkarte in den Rox gebastelt und dachte sie wäre ganz nett. Zunächst fuhren wir nach Bad Doberan. Dort hatte ich eine Schleife durch den Stadtwald eingebaut, von der ich dachte, es wäre ein Radweg. Es war jedoch ein spannender Wanderweg mit vielen verwurzelten Singletrails (aufgrund der leichten Regenschauer immer wieder natürlich auch nass und matschig). Für Leute die Spaß an Bike-Parks haben prima, für mich teilweise nicht so. Immerhin war Kai glücklich und tobte sich ein wenig aus, während ich an einigen Passagen absteigen musste. Nach diesem Irrtum fing mein Rox an zu meckern. Ich hatte vergessen ihn zu laden. Verdammt. Und wir hatten noch so viele Kilometer vor uns… Dann war auch noch der geplante Weg gesperrt und wir mussten einige Kilometer wieder zurück und uns eine Alternative suchen. Ab dann wurde es spannend, da ich die Navigation stoppte und den Bildschirm ausmachte um Akku zu sparen. Etwas im Blindflug, aber glücklicherweise relativ direkt fanden wir nach Rostock, wo wir uns noch einmal etwas verfransten. Irgendwann landeten wir aber in bekannten Gefilden und folgten dem super ausgebauten Radweg entlang der Stadtautobahn (nicht schön aber schnell) nach Warnemünde. Nach der obligatorischen Brötchenpause, bei der mir vor Kälte die Hände kribbelten ging es über den Ostseeradweg zurück nach Kühlungsborn. Auch hier wieder durch den altbekannten Gespensterwald bei Nienhagen und durch Heiligendamm, wo eine Villa nach der anderen renoviert bzw. restauriert wird. Entlang des Meeres gibt es hier immer etwas zu sehen. Und was soll ich sagen? Der Rox hat (trotz einem Sicherungszwischenspeichern in Warnemünde) doch noch durchgehalten. Fast drei Stunden nach dem ersten Akku-Meckern lies sich die Aktivität noch klaglos speichern. Das waren wieder schöne 75 km.
Das war er auch schon, unser Sommerurlaub. Wenig Sommergefühle, bei eher herbstlichen Temperaturen, aber zumindest viel frischer Luft auch bei zahlreichen Spaziergängen und noch einem weiteren „Badetag“ (5 min. bei 17° Luft und Wasser…).